Ein Jahr wie kein anderes

In dieser Fanfiktion geht es um eine Gruppe von Schülern, die ihren Abschluss an der Zauberschule Hogwarts erreichen wollen. Im Mittelpunkt stehen James Potter und Lily Evans, zwei Jungendliche, die erst noch zueinander finden müssen. Es geht um die Beziehungen der Jugendlichen untereinander und ihre Gefühle.

3Likes
0Comments
1926Views

Author's note

Ich würde mich über Reviews und Feedback freuen!
AA

30. Der Abschlussball

Die Sonne ging auf, und James wurde von der freundlichen Stimme seiner Freundin geweckt. „Guten Morgen“, sagte sie sanft und legte ihm ihre Hand an die Wange. Er öffnete verschlafen die Augen, sah jedoch nur die verschwommenen Umrisse von Lily. Erst nachdem er seine Brille vom Nachttisch geangelt hatte, sah er endlich das wunderbare Mädchen. Lily stand nun auf und er sah ihr zu, wie sie sich etwas zum Anziehen aus ihrem Zimmer holte. „Hast du heute was vor?“, fragte sie, als sie zurück kam. Er nickte und erwiderte, er müsse etwas in Hogsmeade erledigen. Sie lächelte und fragte, wann sie losgehen wollten? Er stand sich streckend auf und suchte nach seiner Hose. „Ich muss allein hingehen. Ich möchte dich mit etwas überraschen.“ Lily lächelte. „Dann werde ich Kitty und Lea fragen, ob sie Zeit haben, etwas zu unternehmen.“

Nach einer halben Stunde gingen die beiden hinunter zum Frühstück. Sie setzten sich zu ihren Freunden und James fragte Sirius, ob er heute Zeit habe, mit ihm in Hogsmeade etwas Wichtiges zu erledigen. Dieser wehrte jedoch ab: „Ich habe noch eine letzte Verabredung in diesem Jahr, es tut mir Leid.“ „Kein Problem“, grinste James, „ich wünsche dir viel Spaß!“  Lily erkundigte sich ob ihre Freundinnen heute Zeit hätten. „Klar“, meinte Lea und auch Kitty nickte: „Connal hat gesagt, dass er heute etwas allein erledigen muss, ich bin also frei.“ Die drei beschlossen, sich an den See zu setzen und über das letzte Jahr zu sprechen.

James machte sich gleich nach dem Frühstück auf den Weg ins Dorf. Er hatte es niemandem von seinen Freunden gesagt, doch er plante, heute einen Verlobungsring für Lily zu kaufen. Er würde in das kleine Schmuckgeschäft am Ortsrand gehen und dort schauen, ob es etwas Passendes gäbe. Er hatte sich extra Geld von Zuhause schicken lassen, um etwas Schönes kaufen zu können. Seine Eltern waren die einzigen, die von seinem Plan wussten.

Etwas später betrat er den Laden und sah sich die vielen Ringe, Ketten und Armreife an die in den Regalen lagen. Der Verkäufer fragte ihn, ob er etwas Spezielles suche? James sah auf und schüttelte den Kopf. „Ich bin noch unentschlossen, wenn ich aber Hilfe brauche, melde ich mich.“ Er sah wieder zu den Ringen. Was passte am besten zu Lily? Auf einmal hörte er das Klingeln der Glocken über der Ladentür. Kurz darauf wurde er angesprochen: „Hallo, James! Auch auf Ringsuche?“ Er drehte sich um und sah Connal hinter sich stehen. James nickte. „Und du willst einen Ring für Kitty kaufen, richtig?“, fragte er. Der braunhaarige Junge nickte. „Und du für Lily?“ James grinste nur zur Antwort und erwiderte dann: „Ist gar nicht so einfach, das Richtige zu finden.

Er nahm einen schmalen silbernen Ring in die Hand und sah ihn genauer an. Der war zwar schön, doch ihm schwebte etwas anderes vor. Er wollte ihn gerade zurücklegen, als Connal fragte ob er den Ring mal haben dürfe. James nickte, reichte Connal den Ring und ging am Regal weiter. Schließlich fand er einen hübschen goldenen Ring mit einen kleinen Smaragd. Er sah sich nach Connal um und stellte fest, dass dieser bereits dabei war zu bezahlen. James ging nun auch mit seinem Ring zur Kasse, und nachdem der freundliche Verkäufer das kostbare Stück in einem Kästchen verstaut das und in mit pastellfarbenen Blümchen bedrucktes Seidenpapier gewickelt hatte, verließen die beiden Jungen das Geschäft. „Wollen wir zur Feier unserer Einkäufe noch etwas trinken gehen?“, fragte James und Connal nickte.

In den drei Besen sahen sie an einem Fenstertisch Graeme sitzen. Sie nahmen neben ihm Platz und Connal fragte: „Wo ist Angelica?“ Der dunkelhaarige Junge sah auf und antwortete: „Nicht hier, ich bin allein ins Dorf gegangen.“ Connal blickte ihn forschend an und fragte: „Nicht schon wieder verstritten, oder?“ Graeme schüttelte lächelnd den Kopf und sein Freund war beruhigt, doch dann sprach er weiter: „Aber das, was ich hier gemacht habe, könnte erneut zu einem Streit führen.“ James fragte: „Was hast du denn gemacht, hast du etwa ...“, er überlegte. Connal setzte seine Frage fort: „… ein anderes Mädchen geküsst?“ Graeme lachte auf und sagte: „Nicht ganz, aber in diesem Fall könnte es ähnliche Konsequenzen nach sich ziehen.“

Jetzt war Connal wirklich gespannt und fragte, was er denn nun getan habe? Graeme zog ein Gesicht und antwortete dann zögernd: „Ich habe einen Verlobungsring gekauft ...“ Schallendes Gelächter unterbrach ihn. Die schüchterne junge Kellnerin, die gerade das bestellte Butterbier brachte, hätte die Becher vor Schreck fast fallen lassen. James nahm sie ihr ab, bedankte sich und sagte entschuldigend: „Sie haben es hier mit drei werdenden Ehemännern zu tun, Miss Rosmerta. Da muss man auf alles gefasst sein.“ Graeme sah ihn missmutig an. „Vermutlich trennt sie sich wieder von mir, wenn sie davon erfährt. Sie mag es nicht, wenn ich Dinge beschließe, die uns beide betreffen, ohne vorher mit ihr darüber geredet zu haben. Trotzdem … Ich habe immer von einem richtig altmodischen Heiratsantrag geträumt.“ Connal nickte, sagte aber: „Du hast recht, das könnte in der Tat zu einem Streit führen. Aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“

„Sag mal, Potter, was sollte das mit den drei werdenden Ehemännern?“, fragte Graeme nun. James und Connal wechselten einen Blick, und der letztere antwortete: „Wir kommen gerade aus dem kleinen Schmuckgeschäft, in dem Du vermutlich auch eingekauft hast. Er nestelte in der Tasche seines Umhangs und holte ein Päckchen hervor, das ebenso hübsch verpackt war wie das von James. „Wir beide haben uns zufällig da getroffen – und uns gegenseitig beim Kauf von Verlobungsringen beraten. Du siehst also, Du bist nicht der einzige heiratswillige Siebtklässler.“ „Welchen Ring hast Du ausgewählt?“, fragte James neugierig. „Zeig mal her!“ Graeme schüttelte den Kopf und sagte: „Die erste, die ihn sehen soll, ist Angelica. Ihr könnt ihn später bewundern.“ James und Connal lachten und die drei stießen auf ihre Freundinnen und auf die Zukunft an.

Während die Jungen in den drei Besen saßen und über ihre Pläne sprachen, war Lily mit ihren beiden Freundinnen und Alice am See. Alice erzählte gerade, dass Frank ihr vor einigen Tagen einen Antrag gemacht habe und sie nun verlobt seien. Sie zeigte stolz ihren Finger, an dem ein goldener Ring zu sehen war. Lily sah Alice an und meinte: „Ich freue mich zwar für dich; doch sind Verlobungen nicht etwas, was man vor hundert Jahren gemacht hat?“ Alice lachte auf und erwiderte: „Mag sein, aber ich finde es toll!“ Lily lächelte und sagte: „Ich weiß nicht, ob eine Verlobung das Richtige für mich wäre. Wie seht ihr das?“, fragte sie in Richtung von Kitty und Lea. Kitty stimmte Lily zu und meinte: „Ich glaube ich würde lieber einfach heiraten und nicht vorher Wochen oder Monate warten und planen.“ Lily sah nun zu Lea, welche sagte: „Ich denke da wohl ähnlich wie Alice. Ich finde, es ist romantisch.“

Lily erkundigte sich nun: „Haben wir eigentlich alles geschafft, was auf der List stand?“ Lea griff in die Innentasche ihres Umhangs, zog ein kleines Notizheft hervor und sah nach. Einen Moment später sagte sie: „Ich denke, das meiste ist erledigt. Es ist wirklich ein Wunder.“ Kitty erwiderte, dass sie einige Punkte auf der Liste wohl nie geschafft hätten, wenn Lily sich nicht mit James angefreundet hätte. „Ich denke nur an den Ausflug zum Nordturm. Und er hat uns danach ja noch häufiger geholfen.“ Lily stimmte ihr zu. Das war richtig. Es war wirklich schön gewesen, trotz all der Arbeit im siebten Schuljahr noch so viel unternehmen zu können. Die Mädchen saßen an der Weide, dachten daran, wie bald ihre Zeit hier nun zu Ende sein würde und genossen die Sonne, die ihnen die Haut erwärmte.

Nach einigen Minuten des Schweigens hörte Lily auf einmal eine Mädchenstimme: „Hey, ihr vier, kann ich mich zu euch legen?“ Sie öffnete die Augen und sah Angelica ein Stück entfernt von der Weide stehen. Alle nickten lächelnd und so setzte sich Angelica neben Alice und fragte, was denn der schöne Ring an Alices Finger zu bedeuten habe? Alice erklärte ihr, dass es sich um einen Verlobungsring von Frank handele. „Witzig, dass er dir gleich auffällt, Angelica. Meinen lieben Freundinnen hier habe ich ihn erst unter die Nase halten müssen!“ Angelica lachte und gratulierte ihr. Dann streckte sie sich aus und schloss für einen Moment die Augen. Lily sah sie einen Moment an und sagte dann: „Ich freue mich für dich, dass du wieder mit Graeme zusammen bist. Jetzt endet das Jahr auch für dich glücklich, oder?“ Angelica sah auf und nickte: „Es hat lange gedauert, doch jetzt ist alles gut.“ Müßig plauderten sie nun über vergangene Zeiten, über ihre Liebsten und über all die anderen Freunde, von denen sie sich nun würden trennen müssen.

Am frühen Nachmittag verabschiedete sich Lily vorerst von den anderen, denn heute Abend würde der Abschlussball stattfinden und Lily und James hatten in der Großen Halle noch einiges vorzubereiten. Nach einigen arbeitsreichen Stunden hatten sie noch ein Weilchen Zeit, sich in ihrer Wohnung auszuruhen. Dann mussten sie sich auch schon für den Ball fertigmachen. Glücklich vor sich hinsummend bereitete Lily sich vor. Als sie das nachtblaue Kleid angezogen hatte, das sie schon vor Monaten für diesen besonderen Anlass ausgewählt hatte, bat sie James, ihr den Reißverschluss am Rücken zu schließen. Der kam sofort in ihr Zimmer und stellte sich direkt hinter sie. Er legte seine Hände auf ihren nackten Rücken und verharrte so einen kleinen Moment. Kritisch bemerkte sie: „Du sollst mich nicht anfassen, sondern mir das Kleid schließen.“ Sie konnte im Spiegel sein Lächeln sehen. Behutsam schloss er den Reißverschluss und küsste kurz ihren Nacken. Sie drehte sich um und fragte ihn: „Wie sehe ich aus?“

Er musterte sie aufmerksam und sagte dann mit einer gespielt ernsten Stimme: „Sehr gut; aber hättest du nicht etwas anziehen können, was ein wenig mehr Haut zeigt?“ Sie schnitt eine Grimasse, lächelte aber und sagte: „Ich schau mal, ob ich etwas finde, was mehr Haut zeigt; vielleicht haben auch andere Freude daran.“ Sie öffnete ihren Schrank und zog etwas heraus, das Kitty ihr einmal eher zum Spaß geschenkt hatte. Als sie es James zeigte, wurde er blass: Der Rock war so kurz, dass er praktisch kaum vorhanden war. Nach kurzem Suchen im Schrank fand Lily ein weiteres Kleidungsstück. Mit einem herausfordernden Lächeln hielt sie James ein Oberteil hin, das aus wenigen, sehr schmalen Streifen Stoff bestand. James nahm die Sachen, betrachtete sie skeptisch und sagte dann: „An dir sieht alles fantastisch aus, Lily. Aber etwas weniger Haut für die Öffentlichkeit ist mir vielleicht doch lieber. Du siehst wunderschön aus, und ich wollte nur einen Scherz machen.“ Lily war zufrieden. Sie nahm ihm Rock und Oberteil ab und warf sie zurück in den Schrank. „Bist du dann auch fertig?“, fragte sie ihren Freund und setzte sich auf ihr Bett. Dieser schüttelte den Kopf: „Ich brauche nur fünf Minuten, dann können wir losgehen.“

Als auch James fertig angezogen war, verließen die beiden zusammen die Schulsprecherwohnung und gingen hinunter in die Eingangshalle. Dort trafen sie auf Sirius, der an der Seite von Helena war. Die Hufflepuff-Sucherin war blass und hatte dunkle Ringe unter den Augen. James fragte, ob es ihr nicht gut gehe. Helena berichtete knapp, dass ihre Eltern vor zwei Tagen entführt worden seien, das Ministerium sie aber heute Morgen befreit habe. „Ich habe zwei Nächte kaum geschlafen, wie ihr euch vorstellen könnt. Heute Nachmittag habe ich sie zu Hause besucht, Professor Dumbledore hat mir erlaubt, den Kamin in seinem Büro zu benutzen. Es geht ihnen zum Glück gut!“ „Wie schrecklich!“, flüsterte Lily. „Ich kann mir vorstellen, wie erleichtert du jetzt bist.“ Helena lächelte: „Es waren zwei schreckliche Tage und ich bin ziemlich müde. Aber heute Abend feiere ich dafür gleich doppelt.“ Sirius legte ihr kurz die Hand auf den Rücken und meinte: „Ich hoffe sehr, dass du nicht zu müde zum Tanzen bist. Ich habe vor, dich so in Anspruch zu nehmen, dass du die beiden letzten Tage komplett vergisst!“ Seine Partnerin lachte. „Dagegen habe ich absolut nichts. Ich freue mich auf den Abend!“

Nahe der Tür zur Großen Halle standen Lea und Peter. Wie alle anderen warteten auch sie auf den Moment des Einlasses. „Freust du dich auf den Ball?“, fragte Lily ihre Freundin. Lea nickte eifrig: „Ich bin schon ganz aufgeregt. Auf dieses Fest habe ich sieben Jahre lang gewartet! Habt Ihr beide eure Rede fertig vorbereitet?“ „Haben wir“, antwortete Lily. „Ich bin ganz schön nervös!“ „Bin ich froh, dass ich nicht zur Schulsprecherin ernannt wurde“, seufzte ihre Freundin. „Für mich wäre das nichts. Aber ihr werdet das großartig machen, davon bin ich überzeugt!“

Die Schüler mussten nicht mehr lange warten, denn jetzt öffneten sich die Türen. Die Paare strömten in die Große Halle. Nur wenige waren allein unterwegs. Auch Angelica betrat an der Seite von Graeme den Ballsaal. „Haben die Lehrer und die Schulsprecher die Halle nicht schön gestaltet?“, fragte sie. Er sah sich um und staunte nicht schlecht, als er Hunderte von Lampions sah, die im oberen Bereich der Halle schwebten. Gelb mit schwarzem Dachs, rot mit goldenem Löwen, blau mit bronzefarbenem Adler und grün mit silberner Schlange trugen sie die Symbole der vier Häuser. Sie alle waren sanft erleuchtet und schimmerten geheimnisvoll vor dem sternenübersäten Nachthimmel. Der spiegelte ausnahmsweise einmal nicht die Realität wider, denn draußen war es jetzt im Juni um diese Zeit natürlich noch nicht dunkel. Für dieses Fest – da waren sich Schulsprecher und Lehrer einig gewesen – war strahlender Abendsonnenschein aber nicht die richtige Kulisse. Vor den abgedunkelten Fenstern hingen große Transparente, auf denen Abschiedsgrüße in verschiedenen Sprachen standen. Graeme nickte. „Das sind nette Ideen.“ Sie suchten ihren Platz an einem der Tische, die rings um die Tanzfläche herum aufgestellt worden waren.

Langsam füllte sich der Raum. Zusätzlich zu den Schülern des fünften und sechsten Jahrgangs waren auch einige unbekannte Gesichter zu sehen. Nicht jeder hatte seinen Ballpartner unter den Mitschülern gewählt; und diese Freunde oder Freundinnen waren in den letzten Tagen angekommen. Den drei Verlobungsringkäufern waren die Besucher schon in Hogsmeade aufgefallen. So viele junge Gäste hatten die Drei Besen sonst nur an den Ausgehwochenenden. Fröhliche, angeregte Gespräche erfüllten die Halle. All die Anspannung der vergangenen Wochen war jetzt aus den glücklichen Gesichtern der Siebtklässler verschwunden. Ihre jüngeren Mitschüler beobachteten sie fast ein bisschen neidisch. In ihre Blicke mischte sich aber auch Skepsis, denn Hogwarts ganz zu verlassen, konnten sie sich nicht wirklich vorstellen. Dieses Gefühl wurde von nicht wenigen der Schüler geteilt, die jetzt bald für immer abreisen würden. In den letzten Tagen waren sie mit ganz anderen Gefühlen als sonst durch die Schule gegangen. Die wohlbekannten Flure und Treppen; die Schlafsäle, die sieben Jahre lang ihr Zuhause gewesen waren; sogar die teilweise gar nicht geliebten Klassenräume: Sich von all dem zu trennen, schien vielen plötzlich gar nicht mehr so begehrenswert wie noch vor wenigen Wochen.

Plötzlich erklang eine aufsteigende Folge von Tönen und kurz darauf erhob sich Albus Dumbledore, der mit den anderen Lehrern wie immer am erhöhten Tisch saß. „Guten Abend, meine Lieben!“, sagte er strahlend. „Liebe Schüler, geschätzte Gäste und Kollegen! Ich bin glücklich, Sie alle heute Abend so zufrieden hier in Hogwarts zu sehen.“

Nachdem der Schulleiter seine so kurze wie witzige Rede beendet hatte, bat er die beiden Schulsprecher nach vorn. Mit einigem Herzklopfen machte sich Lily neben dem komplett unbeschwerten James auf den Weg. Gemeinsam hielten sie die Ansprache, die sie schon so lange geplant und häufig geprobt hatten. Sie war ein teils ironischer, teils sentimentaler Rückblick auf sieben glückliche, anstrengende und auch traurige Tage hier auf Hogwarts. Tosender Beifall ihrer Mitschüler begleitete sie zurück auf ihre Plätze. Nun wurde endlich die Tanzfläche freigegeben und gleichzeitig das Büffet eröffnet, das auf einen Wink mit dem Zauberstab des Schulleiters jetzt auf den in den Farben der Häuser gedeckten Tischen an der Stirnseite der Halle erschien.

Angelica und Graeme gehörten zu den ersten Paaren, die mit dem Tanzen begannen. „Ich kann es kaum abwarten, mit dir zusammen zu wohnen“, sagte er und legte eine Hand auf ihre Hüfte. Angelica genoss die Berührung und erwiderte: „Ich kann noch im Juli bei dir einziehen.“ Graeme versprach, dass er ihr beim Umzug helfen werde. Er spürte den Ring, den er für sie gekauft hatte, in seiner Tasche. Am liebsten hätte er ihn ihr jetzt gegeben; doch war das kaum der richtige Zeitpunkt, mit all den Menschen um sie herum.

Connal und Kitty saßen an einem der kleinen Tische am Rand der Tanzfläche und unterhielten sich. „Hast du dich entschieden, wann du eines Tages bei mir wohnen möchtest?“, fragte Connal seine Freundin. Sie sah von ihrem Essen auf und fragte augenzwinkernd: „Hast du mich das nicht erst vor wenigen Tagen gefragt?“ Er nickte und äußerte seine Hoffnung, dass sie sich bereits entschieden haben könnte. Sie lachte auf: „Dafür brauche ich noch etwas länger, glaube ich.“ Er nickte und bemerkte nach einem Blick auf ihr leeres Glas: „Ich hole mal neuen Kürbissaft.“ Beim Getränkestand traf er auf James, der aus demselben Grund hier war. James sah ihn fragend an: „Hast du schon mit Kitty gesprochen?“ Connal schüttelte leicht den Kopf und meinte: „Noch nicht. Vielleicht warte ich ohnehin, bis wir in London sind.“ „Und du?“, fragte er dann. Auch James verneinte. „Ich denke, ich mache es so wie du.“ Dann wünschten sie sich gegenseitig einen schönen Abend und kehrten zu ihren Tischen zurück.

Als James seinen erreichte, sah er, dass sich Remus zu Lily gesetzt hatte. Er stellte die Getränke ab und nahm daneben Platz. „Weißt du, was mir gerade durch den Kopf geht, Remus?“ Der schüttelte den Kopf, und James fuhr fort: „Eigentlich müsste ich jetzt den Rest meines Lebens damit verbringen, ein Heilmittel gegen Lykanthropie zu finden.“ Remus sah ihn fragend an. „Erinnerst du dich an den 25. August im letztem Jahr?“ Als Remus den Freund nur verblüfft ansah, begann James zu erklären: „Du hast mir damals sehr ausführlich erklärt, was ich alles an meinem Verhalten ändern muss, wenn ich jemals eine Chance bei Lily haben wollte.“ An dieser Stelle streichelte er sanft Lilys Arm: „Dann werde ich nicht eher ruhen, als bis es ein Heilmittel gegen Lykanthropie gibt... Das verspreche ich dir!“, gab James seine damaligen Gedanken wieder. Lily lachte. „Du solltest froh sein, dass du keinen Unbrechbaren Schwur geleistet hast.“ Remus stimmte ihr zu: „Du wärst jetzt womöglich dazu gezwungen gewesen, Lily zu vernachlässigen, um deinen Schwur zu erfüllen.“

Plötzlich ernst und nachdenklich sagte James, er sei sicher, dass Lily ihn dabei unterstützen würde, statt sich vernachlässigt zu fühlen. „Und in einem kannst du dir sicher sein: Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um die diesbezügliche Forschung zu unterstützen!“ Lily stimmte ihm von ganzem Herzen zu. Remus dankte ihnen und sagte, er wolle jetzt mal schauen, was Sirius so treibe. Der habe ihm nämlich eben seine eigene Ballpartnerin zu einem Tanz entführt, nachdem Helena ihrerseits ihn für einen Tanz verlassen habe. „Jetzt möchte ich selbst gern mit Lisa tanzen. Mal schauen, ob ich sie diesem unverbesserlichen Flirter entreißen kann.“ Als Remus in Richtung Tanzfläche verschwunden war, sagte James zu Lily: „Ich verdanke ihm so viel. Er hat mir geholfen, mich zu verändern.“ Sie sah ihn nachdenklich an. „Ich bin Remus genauso dankbar wie du. Wenn du dich nicht an seinen Plan gehalten hättest, wäre es vermutlich nie so weit mit uns gekommen. Und ich genieße es sehr, mit dir zusammen zu sein.“ James sah ihr zärtlich in die Augen: „Ich könnte nicht glücklicher sein. Du bist das beste Mädchen der Welt!“

Remus musste eine Weile nach Lisa und Sirius suchen. Schließlich fand er die beiden mit Peter, Lea und Helena an einem der Tische. Er setzte sich zu ihnen und fragte in die Runde: „Und wie gefällt euch der Ball?“ Peter setzte sein Glas ab. „Ich habe getanzt, gut gegessen und bin mit dem liebsten Mädchen der Schule hier, was sollte ich mir mehr wünschen?“, fragte er. Lea lachte und stimmte ihm zu. „Mir geht es genauso!“ Sirius grinste. „Mit diesen beiden Schönheiten an meiner Seite könnte es mir nicht besser gehen. Zufrieden blickte er von Helena zu Lisa. Die letztere streckte ihm die Zunge heraus und nahm Remus‘ Hand. Helena entgegnete: „Ich bin ziemlich müde, das muss ich sagen. Die letzten Tage waren so … ruhelos, und jetzt ist die ganze Anspannung von mir abgefallen. Aber meinen Eltern geht es gut, die Schule ist glücklich beendet: Heute Abend bin ich zufrieden.“ Kaum hatte sie ihren Satz beendet, kam ein Junge aus Hufflepuff an den Tisch und bat sie um den nächsten Tanz. Sie stand auf und winkte Sirius im Weggehen zu. „Wir sehen uns später.“ Lisa schlug Remus vor, nun auch zu tanzen, und er stimmte lächelnd zu. Ganz plötzlich saß Sirius daher ohne Partnerin am Tisch. Er schaute sich leicht gekränkt nach einem Ersatz um. Als er nicht gleich fündig wurde, stand er auf, um sich auf die Suche zu begeben. Peter und Lea schauten ihm amüsiert nach.

Sirius ging an den Tischen entlang und sah schließlich ein Mädchen allein an einem Tisch sitzen. Es war Catherine Morgan, die ihn so vehement abgewiesen hatte. Er blieb stehen und sah sie an. Catherine bemerkte seinen Blick und fragte: „Was starrst du mich so an?“ Sirius blickte verwirrt in eine andere Richtung. Niemals würde er ein Mädchen anstarren, das darauf keinen Wert legte. Das lief für gewöhnlich anders herum! „Kannst du nicht antworten?“ Die ärgerliche Stimme ließ ihn sich umsehen. Ihre zusammengezogenen Brauen irritierten ihn mehr, als er das vor sich selbst zugeben wollte. Kurz entschlossen fragte er: „Willst du mit mir tanzen?“ Sie sah ihn kritisch an. „Was glaubst du, werde ich antworten?“ Einen Moment lang wusste er nicht, was er sagen sollte, dann siegte jahrelange Routine: „Wenn du mit mir tanzt, werde ich dich für den Rest des Schuljahrs in Ruhe lassen.“ Belustigt sah sie ihn an und erklärte, dieses Angebot hätte beim Weihnachtsball erheblich verlockender klingen können. Nun doch ein bisschen beleidigt fragte er, was denn nun ihre Antwort sei. Nachdenklich betrachtete sie ihn und antwortete schließlich: „Meinetwegen, aber nur einen Tanz. Und wehe, ich finde deine Hände an Stellen, an denen sie nichts zu suchen haben.“

Sirius war verblüfft, das hatte er nicht erwartet. Er tat jedoch völlig unbeeindruckt und hielt ihr seinen Arm hin. Auf der Tanzfläche angekommen stellte er fest, dass Catherine eine sichere und leichtfüßige Tänzerin war. Als er sie zu ihrem Tisch zurückbrachte, erwähnte er das anerkennend. Sie gab das Kompliment zurück: „Wenigstens etwas, das du richtig gut kannst. Wenn du beim Tanzen auch noch den Mund gehalten hättest, hätte es mir richtig Spaß gemacht.“ Sie rümpfte die Nase und setzte sich neben ihren Ballpartner, der inzwischen mit zwei Tellern voll leckerer Speisen zurückgekommen war. Sirius wandte sich ab und kehrte einigermaßen sprachlos an seinen eigenen Tisch zurück.

Auch Lily und James hatten inzwischen einige Tänze absolviert. Nun schlug sie vor, ein bisschen hinauszugehen. „Wir könnten ein Stück am See entlanggehen und dann weitertanzen“, schlug sie vor. Er war einverstanden und so gingen sie hinaus. Am See war der Lärm des Festes kaum mehr als ein leises Rauschen. Stattdessen hörte man die Grillen zirpen und das Wasser leise an die Ufer schlagen. Lily ging an den See und bückte sich, um ihre Hand leicht durchs Wasser gleiten zu lassen.

„Komm, setz dich zu mir“, bat sie ihn und er folgte ihrer Aufforderung. Das Gras war schon feucht, aber der Stein, auf dem sie saßen war trocken und noch ein bisschen warm. Es war inzwischen dunkel geworden, aber der Mond schien hell durch die Blätter der Weide. Lily sagte gedankenverloren, dass sie Hogwarts wirklich vermissen werde: „Hier habe ich sowohl gute als auch schlechte Zeiten erlebt. Das Schloss ist schon lange mein zweites Zuhause geworden.“ Er nickte: „Hogwarts war wunderbar. Ich habe hier die besten Freunde gefunden, die man sich wünschen kann. Außerdem habe ich hier meine Traumfrau kennen gelernt.“ Sie lächelte und erwiderte: „Ich habe hier auch jemanden gefunden, der mir ganz verschiedene Emotionen beschert hat. Von gründlicher Abneigung über Ärger bis hin zu Freundschaft und schließlich Liebe.“ James lächelte und sie tauschten einen Kuss.

Nach einigen Augenblicken löste Lily sich von ihm und brachte etwas atemlos die Sprache auf der noch ausstehende Treffen derjenigen, die zu Silvester ihre Wünsche aufgeschrieben hatten. Er legte ihr eine Hand an die Wange und meinte: „Das hat doch noch Zeit. Jetzt sollten wir diese schöne Nacht genießen.“ Sie lachte leicht und fragte ihn, ob er letztens in den Kalender geschaut habe. Murrend stand er auf und hielt Lily die Hand hin, um ihr aufzuhelfen. „Du hast ja Recht, mein Schatz. Lass uns alle zusammensuchen.“

Die nächste Viertelstunde verbrachten sie damit, die Beteiligten in ein leerstehendes Klassenzimmer zu bitten. Als endlich alle versammelt waren, öffnete Sirius die Schatulle und erklärte das weitere Vorgehen. „Ich ziehe jetzt einen Zettel und derjenige, den ich gezogen habe, muss uns sagen, ob sein Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Dann zieht er den nächsten Zettel und so weiter.“ Gesagt, getan. Sirius nahm einen Zettel aus der Schatulle und las ihn laut vor:

„Ich, Kitty Lydgate, wünsche mir, dass mein Bruder möglichst bald wieder nach Hause kann.“

Er sah zu dem Mädchen und sie erwiderte seinen Blick fröhlich. „Mein Bruder Robert ist inzwischen wieder stabil und kann bald aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen werden.“ Sirius lächelte ihr zu und reichte ihr die Schatulle. Kitty griff hinein, zog einen Zettel heraus und las ihn vor:

„Ich, Remus Lupin, wünsche mir, dass ich nach der Schule einen Beruf finde, in dem ich etwas mit Büchern machen kann.“

Kitty lehnte sich an Connal und lauschte Remus. „Ich kann darüber leider noch nicht wirklich was sagen, denn bisher habe ich noch nichts Passendes gefunden. Ich hab die Hoffnung aber nicht aufgegeben!“ Er zog einen Zettel:

„Ich, James Potter, wünsche mir, dass Lily Evans sich in mich verliebt und wir zukünftig unser Leben miteinander teilen.“

Alle sahen auf das glücklich zusammensitzende Paar und mussten lachen. „Dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen könnte, hätte wohl keiner von uns geglaubt, oder? Lilys Abneigung dir gegenüber ist selbst in Slytherin aufgefallen“, grinste Connal. Auch James lachte. „Als ich diesen Wunsch aufschrieb, hatte ich große Angst, hier verkünden zu müssen, dass er nicht in Erfüllung gegangen ist“, gab er zu, „doch nun kann ich sagen, er ist hundertprozentig in Erfüllung gegangen.“ James zog nun auch einen Zettel und las ihn laut vor:

„Ich, Peter Pettigrew, wünsche mir, dass Lea meine Tiere genauso sehr mag wie ich, und dass sie vielleicht sogar meine Freundin wird.“

James legte einen Arm um Lily und sah seinen Freund auffordernd an. Peter tauschte einen liebevollen Blick mit Lea. „Lea mochte meine Tiere, und sie ist inzwischen meine Freundin. Also sind beide Wünsche in Erfüllung gegangen.“ Peter las den nächsten Zettel vor:

„Ich Connal McPherson wünsche mir, dass ich vielleicht eine Chance bei Kitty Lydgate habe!“

„Nun, dass wir beide inzwischen zusammen sind, ist sicher nicht an euch vorbeigegangen“, lächelte Connal. Er griff nach Kittys Hand und nahm mit der anderen einen weiteren Zettel aus dem Kästchen.

„Ich, Lea Walker, wünsche mir, dass Peter und ich uns weiterhin so gut verstehen (und wir vielleicht, vielleicht zusammenkommen).“

Wieder gab es freundschaftliches Gelächter.. „Was für ein Glück, das ich mir dasselbe gewünscht habe wie Peter, oder? Da konnten beide Wünsche auf einmal in Erfüllung gehen.“ Sie zog den nächsten Zettel und begann zu lesen:

„Ich, Angelica McPherson, wünsche mir zum einen, dass man mich einfach mal unabhängig von meinem Haus beurteilt und zum anderen, dass Graeme sich ändert … und mich noch mag.“

Angelica sah Graeme an. Er war mit ihr gekommen, obwohl er zu Silvester nicht dabei gewesen war. „Der erste Teil meines Wunsches hat sich dank euch zum Teil erfüllt, darüber habe ich mich ehrlich gefreut. Der zweite Teil … Ich habe eingesehen, dass das Ganze durchaus nicht nur Graemes Schuld war. Wir geben uns jetzt beide mehr Mühe miteinander!“ Sie lächelte und nahm dann einen der beiden letzten Zettel aus der Schatulle:

„Ich, Lily Evans, wünsche mir, mich wieder mit meiner Schwester zu verstehen. Außerdem wünsche ich mir, auch nach Hogwarts das Gefühl zu haben, irgendwohin zu gehören.“

Lily sah in die versammelten Gesichter dieser Menschen, die sie inzwischen so gut kannte. Dann sagte sie: „Der erste Teil hat sich bisher leider nicht erfüllt, doch beim zweiten sieht das anders aus.“ Sie schwieg kurz, dann fuhr sie fort: „Jetzt weiß ich, wohin ich nach Hogwarts gehöre. Ich werde im Herbst mit James zusammenziehen. Ich gehöre zu ihm, wir gehören zueinander.“ Sie lächelte James an, zog den letzten Zettel heraus und las ihn laut vor:

„Ich, Sirius Black, wünsche mir, eine eigene Wohnung zu haben.“

Lily sah James‘ besten Freund an und forderte ihn auf: „Berichte!“ Sirius lachte auf, folgte jedoch ihrem Wunsch: „Ich befürchte, ich habe versagt. Ich habe bisher nichts Passendes gefunden. Die Wohnungen waren alle nicht perfekt genug für jemanden wie mich.“ Er schnitt eine Grimasse und verbeugte sich. Alle brachen in Gelächter aus.

Ein bisschen saßen sie noch zusammen und sprachen über erfüllte und unerfüllte Wünsche und Träume. Dann kehrten alle in den Ballsaal zurück und verbrachten weitere Stunden mit Tanzen, Plaudern und dem seligen Gefühl, keinerlei Sorgen auf der Welt zu haben. Zum Teil freundlich, zum Teil kritisch beobachteten ihre Lehrer sie, die ahnten, wie schnell diese erste Euphorie nach dem Beenden der Schule von der im Moment besonders harten Realität eingeholt werden würde. Erst spät endete dieses letzte Fest auf Hogwarts und widerstrebend machten sich alle auf den Weg.

Graeme ging mit Angelica durch die Eingangshalle und rang mit sich, ob er seinen Heiratsantrag noch aufschieben sollte. Dann fasste er einen Entschluss. Er legte ihr im Gehen eine Hand auf die Schulter und bat sie, ihm kurz zu folgen. Fragend sah sie ihn an, folgte ihm aber dann in einen dunklen Raum, an dem sie gerade vorbeigegangen waren. Graeme ging ans Fenster und deutete auf den Horizont, an dem zartes Rosa den neuen Tag ankündigte. „Unser letzter Morgen hier fängt schon an. Die letzten Wochen sind schnell vergangen, viel schneller als all die Monate, in denen ich ohne dich war. Ich freue mich auf die Zeit nach Hogwarts und kann mich doch schwer von hier trennen. Jetzt konnte ich dich jeden Tag sehen – wie wird das in Zukunft sein?“ Entschlossen zog er  das Päckchen aus seiner Tasche. Er reichte ihr die Schachtel mit den Worten: „Vielleicht wird dir das hier nicht gefallen, weil ich es vorher nicht mit dir besprochen habe. Ich hoffe, du nimmst es trotzdem an.“ Verwirrt sah Angelica auf das kleine Paket und nahm es zögernd in die Hand. Langsam begann sie, es auszupacken. Als sie die Schachtel öffnete, sah sie einen goldenen Ring, der mit einem kleinen blauen Saphir geschmückt war. „Ist das, was ich vermute?“, fragte sie langsam. „Der Stein hat die Farbe deiner Augen“, sagte er leise. „Und: Ja, ich denke, du weißt, was es sein soll. Ich bitte dich, mich zu heiraten.“ Sie sah ihn an, ohne etwas zu sagen. „Ich wusste, das es keine gute Idee war, nicht vorher mit dir zu sprechen. Vielleicht habe ich gehofft, so eine größere Chance zu haben, dass du zustimmst. Es war eine dumme Idee“, sagte er niedergeschlagen. „Ich bringe ihn zurück und wir sprechen später einmal darüber, okay?“

Er streckte seine Hand nach der Schachtel aus, doch zu seiner Überraschung schlug Angelica ihm leicht auf die Finger. Er zog seine Hand zurück und sah sie fragend an. Sie sagte energisch: „Nimm deine Griffel von meinem Ring!“ Er öffnete seinen Mund – und schloss ihn wieder. Wie gebannt sah er zu, wie Angelica den Ring aus dem Schächtelchen nahm, ihn liebevoll betrachtete und ihn dann langsam auf ihren Ringfinger schob. Dann nahm sie Graemes Hände. „In Zukunft möchte ich mit dir über solche Entscheidungen sprechen, bevor du sie für uns beide triffst, okay?“ Er nickte und wollte etwas sagen, aber sie fuhr schon fort: „In diesem Fall hätte ich allerdings auf jeden Fall ja gesagt! Ja, Graeme, lass uns heiraten!“ Überglücklich sah er sie an. „Wir sind verlobt!“ Er genoss es, diese Worte aussprechen zu dürfen. Sie nickte und dann fielen sie einander in die Arme und hielten sich gegenseitig sehr lange sehr fest.
Als sie sich widerwillig voneinander lösten, weil die Sonne nun schon aufgegangen war und hell durchs Fenster schien, standen sie noch einen Moment nebeneinander und sahen hinaus. „Unser letzter Morgen hier“, wiederholte Angelica Graemes Worte. „Und der erste Morgen als zukünftige Eheleute. Es wird bestimmt nicht immer leicht, so verschieden, wie wir sind. Aber wenn wir uns beide weiter Mühe geben, kann es bestimmt gutgehen!“ „Und dass wir uns Mühe geben, ist ja wohl sicher“, ergänzte Graeme strahlend. Hand in Hand verließen die beiden ins goldene Licht der Sonne getaucht das Zimmer und gingen gemeinsam einem neuen Leben entgegen.

Join MovellasFind out what all the buzz is about. Join now to start sharing your creativity and passion
Loading ...