Geschichten aus dem Leben eines Jungen namens Sam

Sam ist sechzehn (bald siebzehn) Jahre alt und spielt unglaublich gerne Fussball. Als er und sein Club am Ende der Saison nur Zweiter werden statt Erster, entfacht das zwischen ihm und seinem besten Freund Marco einen Riesenstreit. Doch Sam hat noch ganz andere Probleme, die er hier in diesem Buch auf seine eigene spezielle humorvolle Weise erzählt.

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1. Fast gewonnen

Voller Enttäuschung ging ich in die Umkleidekabine. Wir hatten gerade eine Partie Fussball verloren, deswegen bin ich so mies drauf. Aber wart mal, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Samuel, aber meine Freunde nennen mich Sam. Ich bin sechzehn Jahre alt, werde aber in weniger als einem Monat siebzehn. Das ist jetzt aber auch egal.

Also auf jeden Fall haben meine Kollegen und ich vor etwa fünf Minuten ein Fussballspiel verloren und es war nicht irgendein Fussballspiel, sondern das letzte in dieser Saison und da wir nicht gewonnen haben, sind wir nun nur zweiter und nicht Erstplatziert. Ich spreche hier natürlich nicht von der Weltmeisterschaft, sondern von unserer „Liga“ vom Dorf Seebach, in dem ich wohne. Ihr fragt euch nun vielleicht, wieso ich mich so aufrege; wir wurden ja immerhin Zweiter. Das stimmt zwar schon, du musst aber wissen, dass ich ein unglaublich schlechter Verlierer bin. Deswegen sitze ich nun depressiv in der Umkleidekabine und starre Luftlöcher in die Luft. Einige meiner Teamkollegen klopfen mir auf die Schulter, um mich aufzuheitern, doch ich nehme sie kaum wahr. Schliesslich entscheidet sich mein bester Freund mich anzusprechen. „Hey, das ist doch nicht so schlimm. Der zweite Platz ist immer noch ziemlich gut“. Darauf wurde ich aus meiner Trance geweckt und sprang von der Umkleidebank auf. „Dir ist es also egal, dass wir nicht Erster wurden. Hör mal zu, Marco, wenn du als Verteidiger nicht so viele Zweikämpfe verloren hättest, würden wir jetzt vielleicht sogar als Sieger dastehen“. „Was soll der Scheiss“, fuhr er mich an, „weisst du noch als wir Eckball hatten und Eric den Ball wunderbar flankierte, sodass er direkt perfekt über deinen Kopf geflogen kam. Du hättest nur etwas höher springen müssen und dann stände jetzt 3 zu 2 für uns anstatt für den Gegner. Aber du warst natürlich mal wieder zu fett, um zu springen“. Sowas liess ich mir nicht gefallen, deshalb gab ich ihm eine ordentliche Schelle auf die linke Wange. „Autsch“, schrie er wie ein heulendes Baby, „wieso machst du sowas, bist du eigentlich auf den Kopf gefallen. Du bist nicht mehr mein bester Freund“. Mit diesen Worten schlurfte er schluchzend aus der Umkleidekabine. Ich vergrub den Kopf in meinen schwitzenden Händen. „Was ist nur in mich gefahren, so sehr ausgerastet bin ich noch nie und das nur wegen eines doofen Fussballspiels“, dachte ich mir. Ich musste schleunigst etwas unternehmen, deshalb gab ich mir einen Ruck und rannte aus der Umkleidekabine nach draussen Marco hinterher. „Hey, Marco“, rief ich, „es tut mir unfassbar leid, dass ich dich geschlagen habe. Wirklich, ich meine es ernst“. Keine Antwort. Er war nirgends zu sehen. Scheisse, das hat mir jetzt gerade noch gefehlt. Da hörte ich plötzlich ein Auto, dass in diesem Moment auf den Parkplatz angebraust kam. Es war mein Vater, der mich abholen kam. Er hielt den Wagen, entdeckte mich und stieg aus seinem grauen Mercedes. „Kannst du mir bitte mal erklären, wieso du noch immer in deinen Sportkleidern bist“, rief er mir zu und funkelte dabei zornig mit seinen Augen. „Ich…ähm…habe“, stotterte ich wie der grösste Idiot herum, als ich jäh von meinen Vater unterbrochen wurde:„Es ist mir scheissegal, was du hast, du gehst dich nun sofort umziehen“. Dabei funkelten seine Augen noch auffälliger als vorher, was überhaupt kein gutes Zeichen war. Deshalb sprintete ich etwa so schnell wie Usain Bolt zurück zur Umkleidekabine und zog mich wieselflink um. Zum Duschen reichte die Zeit leider nicht, deshalb sprayte ich mich von oben bis unten mit Deo ein. Als ich fertig war, rannte ich wieder zurück zum Auto, wo bereits mein Vater mit zuckenden Augen und nervösen Fingern auf mich wartete. Er war ungelogen kurz vor einem Nervenzusammenbruch. „Warum hast du solange gebraucht“, fuhr er mich an. Ich konnte es kaum fassen. So sehr beeilt habe ich mich wahrscheinlich noch nie und trotzdem war ich anscheinend wieder mal zu langsam. Meine Brust bebte vor Aufregung, doch ich wagte es nicht zu widersprechen. Stattdessen entschuldigte ich mich bei ihm, setzte mich ins Auto und schlug die Autotür zu. Na, was für ein unglaublich toller Tag!

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