A Thief's Tale


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1. Prolog

Jede Geschichte muss irgendwo beginnen, auch wenn sie das selten am Anfang tut. In meinem Fall begann sie, als ich im Dreck saß, mit dem Rücken an einem verwitterten Eisenzaun lehnte und im Dämmerlicht der untergehenden Sonne eine Flasche anvenischen Whiskey mit den Zähnen entkorkte, während meine Augen langsam das zweihundert Fuß vor mir liegende, weitläufige Gebäude nach Auffälligkeiten absuchten. Ich befand mich im verwilderten und mit Gräsern und Unkraut bewuchterten Garten der verlassenen Heilanstalt Laura. Die meisten würden euch erzählen, dass ich hier auch ganz gut aufgehoben wäre, doch war ich keineswegs ein Patient. Die Patienten wollten in der Regel raus, doch ich wollte rein. Ich schätzte keineswegs das Gefühl einengender Eisentüren kleiner Zimmer, die lediglich aus einem Bett und einem Schrank bestanden, doch befand sich in einem der zahllosen Räume etwas, was ein unbändiges Verlangen in mir auslöste. Doch vielleicht sollte ich vorweg ein wenig von mir erzählen. Ich bin Lekan. Einfach nur Lekan. Kein Adelstitel, kein Name eines großen Hauses, einfach nur Lekan. Nun, wenn man nach meinem Handwerk geht, würde man mich Lekan den Dieb nennen, was eigentlich auch so ziemlich jeder macht, der mein Gesicht von den Steckbriefen kennt. Und ohne dabei überschwänglich eingebildet zu wirken, muss ich gestehen, dass mich ein gewisser Stolz erfüllt, wenn ich das Kopfgeld sehe, das auf meinen Kopf ausgesetzt wurde. Es ist gewissermaßen ein Wettstreit unter Dieben; je höher das Kopfgeld, desto höher das Ansehen. Selbstverständlich fängt keiner von uns deshalb das Stehlen an. Die meisten machen es aus reiner Notwendigkeit heraus um zu überleben. Meine Vorstellung liegt eher dabei, aus möglichst jedweder brenzligen Situation mit möglichst vollen Taschen herauszukommen. Und das nach Möglichkeit mit meinem Kopf auf den Schultern.

Doch was genau führt einen Dieb in eine Heilanstalt, dazu noch eine verlassene, wollt ihr wissen? Lasst mich ein wenig weiter ausholen.

Vor einigen Wochen wurde der gesamte Familienschmuck der Familie Assahlian in einer Auktion für eine Summe versteigert, bei der selbst mir die Kinnlade herunterklappte. Und ich konnte mir eine Menge Goldmünzen vorstellen. Ahron Assahlian war ein begnadeter und hoch angesehener Maler, dessen Gemäle selbst weit hinter den Grenzen Travehns sehr gefragt waren und deren Wert nach seinem Tod ins Unermässliche steigen würden. Hätte er mit Whiskey gehandelt, hätte mir sein Name eher etwas gesagt. Im Nachhinein fragte ich mich, ob ich nicht besser der Privatsammlung eines Kurators einen kleinen Besuch hätte abstatten sollen.

Nun, fast der gesamte Schmuck wurde versteigert. Das Diadem von Laura Assahlian, der Tochter von Lord Ahron Assahlian, fehlte und wurde trotz intensiver Nachforschungen und aufwändiger Suche nicht gefunden. Tja, Nachforschungen sind nur so gut wie der, der sie anstellt. Und „dirty“ Harry, der Hehler meines Vertrauens, bekam jede Information.

Assahlian genoss nicht nur seiner Gemälde wegen einen guten Ruf, sondern auch, weil er sich für die geistig Verwirrten und Schwachen einsetzte. Oder wie Harrold es auszudrücken pflegte, die nicht alle Murmeln in der Tasche hatten. Er ließ die Heilanstalt Laura, nach seiner einzigen Tochter benannt, im Wald von Trahn, 100 Meilen von der Stadt entfernt bauen. Die Abgeschiedenheit und die Ärzte sollten den Patienten helfen, den Geist zu heilen, womit es jedoch nach 12 Jahren ein Ende nahm, als bei einem Feuer fast alle Patienten und das Personal umkamen und die Anstalt geschlossen wurde. Makaber, wenn man bedenkt, dass auch die Familie Assahlian bei einem Feuer umkam. Doch laut Harrolds Informant soll in der alten Anstalt, in der eines von Ahrons vielen Atelliers war, dass Diadem seiner Tochter sein.

Und genau da kam ich ins Spiel ...

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