Die Killer des Paten - Die Wölfe II

Seit gut einem Jahr arbeitet Enrico nun schon für die italienische Mafia und kann sich noch immer nicht an seinen Job als Killer gewöhnen. Dafür ist alles andere genau sein Ding:
Schnelle Motorräder - super
Klauen was nicht niet und nagelfest ist - kein Problem
Beim Pokern betrügen - leichteste Übung
Im Midnigtsclub von den hübschen Frauen verführen lassen - nein Danke
Sein heißer Leibwächter Antonio ist ihm lieber. Wenn da nur nicht der Mist mit der Alibi-Freundin wäre. Ob die Tochter des Paten zu schwängern, da wirklich eine gute Idee ist?

Nicht abgeschlossen - in Arbeit:
10. Kapitel: ~Böses Erwachen~ [in Planung ...] - Status: 0%

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8. 8. Kapitel ~Alkohol aus der Asservatenkammer~

Müde schlurft Jan zu seinem Vorratsschrank und öffnet ihn. Gähnend betrachtet er die Leere darin. Bis auf ein Glas Gurkenwasser, in dem eine letzte Gurke schwimmt und einer keimenden Kartoffel, gibt es hier nur noch Spinnweben und Staub. Wären die Mäuse nicht längst aus Futterknappheit geflohen, würden hier sicher ihre Gerippe liegen, mit einem Schild in der Hand: 'Bitte Auffüllen!'. Jan muss über diesen Gedanken schmunzeln, doch nur all zu schnell holt ihn das deprimierende Bild des leeren Schrankes wieder ein. Er schließt die Türen und lässt den Magen knurren. Dann gibt es heute eben nichts mehr, Jan hat keine Lust noch mal hinaus zu gehen und sich etwas Essbares zu beschaffen. Es ist längst dunkel und der Tag war beschissen genug gewesen. Aus einem Regal, neben dem Schrank, das unter einer dicken Staubschicht liegt, nimmt er sich die letzte saubere Tasse und füllt sie mit Leitungswasser, dann schlürft er durch sein Einzimmerapartment. Auf dem fleckigen Boden, den er längst mal gewischt haben wollte, rollen leere Glasflaschen. Er schiebt sie mit dem Fuß bei Seite. Auf dem kleinen Tisch, vor dem schwarzen Sofa, türmen sich Akten und Unterlagen, Arbeit die ihm nach Feierabend aufs Auge gedrückt wurde und die er bis eben noch erledigt hat. Auf dem Sofa verteilen sich seine Klamotten vom Vortag und dem Tagen davor und dem Tagen davor. Er muss unbedingt mal einen Waschtag machen, doch wo die Zeit dafür hernehmen? Dabei es es dringend nötig, er trägt bereits die letzte saubere Unterhose, sonst nichts. Seufzend lässt er sich auf den Handbreit freien Platz auf dem Sofa sinken. Sein Blick wandert zum Radio, dem großen sperrigen Kasten, neben der Armlehne. Vielleicht würde ihn ja ein Hörspiel von dem tristen Anblick seiner vier Wände ablenken. Jan streckt den Arm nach dem drehbaren Knopf aus, der das Gerät einschaltet, lässt es im letzten Moment aber sein. Eigentlich hat er nicht mal dazu Lust. Melancholisch wandert sein Blick auf das Bett, das sich zur Hälfte hinter einem Vorhang verbirgt. Der einzige Ort hier, an dem Ordnung herrscht. Die Kissen und Decke sind gerichtet, über einen Stuhl daneben, hängt seine Uniform und auf der Sitzfläche liegt seine Dienstwaffe. Es sind nur ein paar Schritte bis dort hin, doch Jan fühlt sich nicht im Stande, sie zu gehen. Was für ein beschissenes Leben. Sein Bett ist leer, der Kamin kalt und Essen hat er auch keines im Haus. Vielleicht sollte er sich ja doch eine Frau halten, wie sein Vater ihm schon ewig predigt. Dann wäre es hier nicht ganz so trostlos. Jan lässt seinen Blick durch das Zimmer schweifen und muss dann breit schmunzeln. Als wenn es hier eine Frau auch nur für einen Moment aushalten würde. Nicht mal ein Kerl könnte das. Jan trinkt seine Tasse leer und lehnt sich zurück. In seinem Geist beginnt das Verhör bei Robin zu spuken. Diese beiden Kerle, die haben doch sicher Dreck am Stecken. Das Lui das nicht schon aus drei Kilometer Entfernung gerochen hat. Seine Intuition ist doch sonst immer so gut. Trotzdem, irgendwie schade um den Blonden. Ihn ins Gefängnis zu bringen, wäre wirklich eine Verschwendung an die Knasttypen dort. Andererseits, wäre Jan da gern mal Wärter, dann könnte er diesen Enrico in eine Einzelzelle sperren und …
Jan seufzt ergeben und schüttelt den Gedanken aus seinem Kopf. Er muss den Kerl vergessen, genau wie Lui, diesen Idioten. Jan schlägt die Beine übereinander und legt die Füße auf den Tisch. Ein Stapel der Unterlagen fällt herunter. Die Akte von der Schießerei, in der Lagerhalle, schlägt sich auf. Ganz oben auf, liegen die Zeichnungen von Lui. Wieder starren ihn diese ausdrucksstarken Augen des Blonden an. Genervt tritt Jan noch einen Stapel um, die Akten begraben die Zeichnung unter sich. Seufzend lehnt er sich zurück und lässt den Kopf auf die Lehne fallen. Er schließt die Augen und atmet hörbar durch. Kann dieser Tag eigentlich noch beschissener werden?
Die Antwort poltert wenig später durch das Treppenhaus. Etwas Schweres fällt zu Boden, lautes Fluchen ist zu hören: „Scheiße!“ 
Die Stimme kennt Jan nur zu gut. Er hebt den Blick und betrachtet die Tür seines Apartments. Das Poltern wird lauter, Schritte kommen näher, schließlich fällt etwas gegen die Wand. Lautes Klopfen schlägt gegen die Tür. Jan hebt eine Augenbraue, rührt sich sonst aber nicht. Als er nicht reagiert, wird das Klopfen intensiver. Eine kratzige Stimme brüllt: „Jan, mach auf! Ich weisch dasch du da bischt. Mach auf! Isch muss dir eine Lek Lekt Lektischion erteilen.“ 
Jans fragender Blick wird noch verwirrter. Die Stimme gehört eindeutig Lui, doch so brüchig spricht er sonst nicht. Es klingt fast so, als sei er betrunken. Ein Polizist, der sich in der Prohibition besäuft, das passt so gar nicht zu Lui. Der bekommt doch schon ne Krise, wenn einer im Park an einen Baum pinkelt. Jan stellt die Tasse auf dem Tisch ab und steht auf. Er macht die wenigen Schritte bis zur Tür und öffnet sie. Ein taumelnder Lui fällt ihm in die Arme. Er stinkt nach Schnaps, seine Augen sind geschwollen, sein Gesicht knallrot. Besonders die tiefrote Nase fällt auf. Jan stößt den Kollegen von sich. Lui braucht all seine verbliebene Körperbeherrschung, um nicht umzufallen. Sein Gesicht verzieht sich zu einer wütenden Fratze, doch nicht alle Gesichtsmuskeln wollen das Minenspiel mitmachen. Eine groteske Maske entsteht, während Luis Worte sich Gegenseitig überholen wollen: „Du bischt schuld! Nur du allein! Du und deine verdammter Hintern!“ Lui gestikuliert wild in seine Richtung. Sein Körper kippt nach vorn, um nicht den Halt zu verlieren, klammert er sich am Türrahmen fest.
Jan rollt genervt mit den Augen. „Geh heim Lui! Penn deinen Rausch aus!“, rät er ihm und will sein Apartment wieder schließen, doch Lui stellt den Fuß auf die Türschwelle. 
„Nein! Du wirscht mir jetzt zuhören!“, flucht er und drückt die Tür auf. Er schiebt sich an Jan vorbei ins Apartment. Dieser sieht ihm fragend nach.
„Mach … mach die Tür zu. Dasch dasch geht nur uns beide wasch an!“, befiehlt Lui. Jan betrachtet ihn lange kommentarlos. Als Lui nicht wegsieht und ernst bleibt, gibt Jan nach und wirft die Tür zu. „Was willst du?“
„Du … du ...“, beginnt Lui und macht einen schwankenden Schritt auf ihn zu. Er fuchtelt mit seinem Zeigefinger vor Jans Nase herum, während sich sein schiefer Blick im Nirgendwo verliert. 
„Du kanscht misch nicht einfach verderben und dir dann nen neuen Typen anlachen. Das dulde isch nischt!“
Jan zieht eine Augenbraue nach oben und lacht spöttisch. „Ach nein? Ich bin nicht dein Lustknabe, der so springt, wie du es gerade nötig hast.“
„Aber du gehörscht zu mir, nischt zu so nem seschzen Jährigen Blondschen“, mault Lui. 
„Ja klar!“ Jan glaubt ihm kein Wort. Da spricht doch nur der Alkohol aus Lui. „Geh und penn deinen Rausch aus“, schnauzt er ihn an und deutet auf die Tür. 
„Einen Teufel werd' isch tun. Ich nehm disch jetzt fescht. Damit … damit du nischt vergischt wehm du gehörscht.“ Lui zieht aus seiner Hosentasche Handschellen und legt sich ein Ende um die eigene Hand, dann greift er nach Jans und will das Andere Ende an seinem Handgelenk befestigen, doch er greift immer wieder ins Leere. Jan rollt mit den Augen und sieht sich Luis Versuche eine Weile stumm mit an. Schließlich packt er den Kollegen an den Schultern und bugsiert ihn auf das Sofa. Bestimmt drückt er ihn in die Sitzfläche. Verträumt sieht Lui ihn dabei an und reckt den Kopf zu ihm, die Lippen gespitzt meint er: „Jah lass es uns gemüdlisch machen!“ Er versucht Jan zu küssen doch dieser zieht den Kopf weg. Sauer Atem schlägt Jan entgegen. Brechreiz steigt ihn ihm auf, er schüttelt sich und meint angewidert: „Nein danke! Du stinkst wie ne ganze Schnapsfabrik. Wo hast du überhaupt den Alkohol her?“
Lui bekommt ein breites Grinsen im Gesicht. „Isch habe die Asservatenkammer geplündert. Da lieschen verdammt edle Tropfen rum“, lacht er. 
„Das sieht dir überhaupt nicht ähnlich. Was ist nur los mit dir?“
„Ich hab disch eben vermisscht? Ich glaube isch hab misch verliebt“, gibt Lui zu. 
Jan muss tief durchatmen. So oft hat er sich das in den letzten Tagen gewünscht zu hören, doch aus dem nüchtern Lui, nicht diesem betrunkenen Häufchen Elend. Wenn der erst Mal wieder klar im Kopf ist, wird er seine Worte sicher bereuen. 
„Leg dich hin und halt die Klappe!“, schnauzt Jan genervt. Lui gehorcht tatsächlich. Er streift sich die Schuhe von den Füßen und legt sich in seiner ganzen Länge auf das Sofa. Seine Hände wandert an die Knöpfe seines Hemdes. Er öffnet den Ersten, als er fragt: „Soll isch misch ausziehen, für disch?“
„Nein!“, sagt Jan bestimmt und nimmt Luis Hände von den Knöpfen.
„Isch würdsch für disch tun“, versichert Lui ihm.
„Ja ich weiß!“ Jan knirschenden mit den Zähnen. 
„Gut dasch wir dasch geklärt haben“, meint Lui und wird mit jedem Wort leiser. Immer wieder fallen ihm die Augen zu, sein Kopf fällt ihm auf die Armlehne. Er blinzelt Jan verschlafen an. „Du bischt escht heiß weischt du dasch?“, nuschelt er immer unverständlicher, schließlich bleiben seine Augen geschlossen. Sein Atem wird gleichmäßig, ein leises Schnarchen dringt aus seinen Nasenflügeln. 
Jan muss einmal tief durchatmen. „So ein Idiot!“, schimpft er in sich hinein, dann läuft er zu seinem Kleiderschrank. Er kramt eine alte Decke hervor und legt sie über Lui. Noch einen Moment lang betrachtet er ihn kopfschüttelnd, dann wendet er sich ab und schlurft zu seinem Bett. 
„Von wegen verliebt. Verdammter Idiot!“, knurrt er unablässig und lässt sich in die Kissen fallen. Noch einmal wandert sein Blick auf den schlafenden Kollegen. Luis Schnarchen wird immer lauter, es erfüllt das kleine Apartment. Der Arm mit den Handschellen am Gelenk, baumelt über dem Rand des Sofas, eben so wie sein linkes Bein. Je länger Jan ihn betrachtet, um so mehr bekommt er ein bitteres Lächeln auf den Lippen. Wie schön es doch wäre, wenn Lui nicht nur der Alkoholrausch hier her getrieben hätte und er alles gesagte, auch wirklich so meinen würde. 
Jan nimmt sich eines der Kissen und legt es sich auf den Kopf, das Gesicht vergräbt er im Laken. „Ich bin verflucht!“, nuschelt er in die Matratze.

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