Die Killer des Paten - Die Wölfe II

Seit gut einem Jahr arbeitet Enrico nun schon für die italienische Mafia und kann sich noch immer nicht an seinen Job als Killer gewöhnen. Dafür ist alles andere genau sein Ding:
Schnelle Motorräder - super
Klauen was nicht niet und nagelfest ist - kein Problem
Beim Pokern betrügen - leichteste Übung
Im Midnigtsclub von den hübschen Frauen verführen lassen - nein Danke
Sein heißer Leibwächter Antonio ist ihm lieber. Wenn da nur nicht der Mist mit der Alibi-Freundin wäre. Ob die Tochter des Paten zu schwängern, da wirklich eine gute Idee ist?

Nicht abgeschlossen - in Arbeit:
10. Kapitel: ~Böses Erwachen~ [in Planung ...] - Status: 0%

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4. 4. Kapitel ~Robins Party~

„Und? Ist doch nicht so schlecht hier, oder?“, will Jan wissen und zieht sich sein Hemd wieder über. 
„Ich fasse es nicht, dass du mich schon wieder dazu überreden konntest“, murrt Lui und schließt die Knöpfe an seiner Hose. Er fischt nach seinem Hemd, das irgendwo auf dem Boden, neben dem Bett, gelandet sein muss. 
„Du stehst eben drauf“, lacht Jan und erhebt sich. Lui schweigt betreten und zieht sich das Hemd über, langsam schließt er die Knöpfe, während er noch immer in Gedanken versunken ist. So sehr er es auch versucht, er kann vor sich selbst nicht leugnen, dass es mit Jan so viel besser ist, als unter Zwang mit einer Frau. 
Sein Kollege kommt um das Bett herum und bleibt vor ihm stehen. „Wollen wir im Salon noch was trinken?“
„Wir haben morgen die Frühschicht“, erinnert Lui ihn. 
„Dann machen wir eben durch. Was soll's? Oder, bist du dafür schon zu alt?“
Mahnend betrachtet Lui seinen Kollegen. Das Grinsen auf Jans Gesicht wird breiter und erwartungsvoller. 
Lui wendet sich ab und meint kühl: „Ich fahre heim!“
„Dein ernst?“, beschwert sich Jan, „Du vögelst mich und dann haust du einfach ab?“
Lui schnürt sich die Schuhe und sieht Jan ernst an, als er sagt: „Ich hab dir das letzte Mal schon gesagt, dass aus uns nichts wird. Das hier ist nur Sex, mehr nicht.“ Er steht auf und schiebt sich an Jan vorbei. Dessen finsterer Blick verfolgt ihn. Sein Kollege verschränkt die Arme und meint herausfordernd: „Schön, ich erinnere dich daran, wenn du das nächste Mal wieder mitten in der Nacht bei mir anrufst.“
„Da war ich betrunken!“ Lui zieht die Tür auf und flüchtet vor dem Gespräch in den Flur. Etliche Gäste verteilen sich hier. Zwei Frauen küssen sich, ihm direkt gegenüber. Ihre Körper sind ineinander verschlungen. Gleich daneben prosten sich zwei Männer zu und ziehen sich mit ihren Blicken förmlich aus. In jedem Winkel dieses Hauses, mein Lui eine neue Straftat zu entdecken. Eigentlich müsste er sie alle dafür einsperren. Um so schwer spürt er die Last auf sich, als sich die Blicke der Gäste auf ihn richten. Seine Haare sind zerzaust und sein Hemd hat er noch nicht gerichtet. Mit einem wohl wissentlichen Blick, starren sie ihn an. Er ist genau so schlimm, wie diese Leute, wenn es um Jan geht. Peinlich berührt schaut er weg und vermeidet jeglichen Blickkontakt. Er muss hier raus, sofort. Er drückt sich an einem Liebespaar vorbei, vorbei auch an den zwei Männern, die sich eng an eine Blondine schmiegen. Sodom und Gomorrha waren ein Witz gegen dieses Haus. Er hätte sich nie dazu überreden lassen sollen, hier her zu kommen. Zügig macht er die letzten Schritte bis zur Haustür und flüchtet ins Freie. 

Jan sieht seinem Kollegen angespannt nach. Es ist lange her, dass er sich wieder auf jemanden eingelassen hat. Bei Lui hatte er gehofft, es könnte mal was ernstes werden. Dumm nur dass der auch Polizist ist. Seufzend löst Jan die Verschränkung seiner Arme und wandert durch den Flur. Eigentlich ist es doch Lui gewesen, der sich immer wieder mit ihm treffen wollte, bis sie schließlich im Bett gelandet sind. Er war bestimmt sein erster Kerl. Ihn dann gleich mit hier her zu bringen, war sicher ein Fehler gewesen. Noch einmal sieht Jan zur Tür, doch Lui kommt nicht zurück Es war wirklich töricht von ihm, jemandem außerhalb der Szene eine Chance zu geben. Die sind immer viel zu steif. Wenn hier nur nicht schon alle in festen Händen wären. Jan sieht von einem Pärchen zum nächsten. Sein Blick wird dabei immer wütender. Die haben es gut, auch wenn sie nach dieser Party wieder zu ihren Ehepartnern müssen. Wenigstens haben sie irgendjemanden. Wenn Jan an sein einsames Einzimmerapartment denkt, gruselt es ihn. 
„Nur zum vögeln gut ...“, murrt er in sich hinein und nimmt sich ein Sektglas, das verlassen auf einer Anrichte steht. „Dämlicher Lui“, flucht er und geht in den Salon. Einer der Sessel ist frei, also lässt er sich genervt darin sinken. Wieder fallen ihm all die Pärchen auf, die sich auf dem Sofa und den Sesseln tummeln. Eine Gruppe von Männern, unterschiedlichsten Alters, stehen am Kamin. Unter ihnen ist ein Blondschopf, der deutlich jünger ist, als seine Gesprächspartner. Wahrscheinlich nicht mal volljährig. Trotzdem dominiert er die Unterhaltung. Der schwarze Smoking schmeichelt seiner schlanken Figur, doch anders als üblich, trägt er keine Krawatte. Die obersten zwei Knöpfe seines weißen Hemdes sind offen und lassen einen flüchtigen Blick auf seine Brustmuskulatur zu. Er bewegt sich offen und sicher unter den Gästen. Das Pärchen, das ganz nah bei ihnen Knutscht und auch die zwei Männern, die direkt neben ihm die Gläser aufeinander erhebt, bringen ihn nicht aus der Fassung. Immer wieder kommen Gäste an ihm vorbei, die für eine kurze Unterhaltung stehen bleiben und ihn begrüßen. Bisher ist Jan dieser Kerl noch nie aufgefallen, dabei scheint der sich hier auszukennen. Während Jan den Blonden beobachtet, nähert sich ihm die Gastgeberin. Eine junge Frau um die zwanzig. Sie trägt ihre langen schwarzen Haare offen. Das rote Kleid reicht ihr kaum über die Hüften und liegt ihr hauteng am Körper. Sie trägt ein Sektglas in der Hand und hält direkt auf ihn zu. Elegant lässt sie sich auf die Lehne seines Sessels sinken und spricht ihn an: „Jan, lange nicht gesehen. Wie geht es dir? Wer war der Kerl, mit dem du gekommen bist?“ 
Jan seufzt ergeben und zwingt seine Aufmerksamkeit auf die junge Frau. „Hallo Robin. Sein Name ist Lui, er ist ein Arbeitskollege von mir.“ 
Robins Stirn legt sich besorgt in Falten, mahnend erhebt sie die Stimme: „Aber du hast ihm hoffentlich aufgeklärt, was diese Partys angeht, oder?“
„Ja sicher“, beruhigt er sie, „Alles was hier passiert, bleibt auch hier und alles ist erlaubt, so lange alle Beteiligten damit einverstanden sind.“ So sehr sich Jan bemüht, den trübsinnigen Unterton bekommt er nicht aus seiner Stimme. 
„Dann ist ja gut!“, meint Robin und erhebt ihr Glas. Jan wendet sich von ihr ab, sein Blick wandert zurück zu dem Blonden. Er lacht ausgelassen, seine eisblauen Augen strahlen. 
Robin folgt Jans Blick, sie beobachtet ihn eine Weile stumm, schließlich will sie wissen: „Wird dein Freund nicht sauer sein, wenn du mit ihm her kommst und dich nach nem Anderen umsiehst?“
„Er ist nicht mein Freund. Das war nur Sex“, wiederholt Jan Luis Worte und versucht sie dabei selbst zu begreifen. Wenn sein Kollege das so sieht, dann steht es ihm ja auch frei, sich hier jemand anderen zu suchen. „Wer ist der Blonde? Ist er nicht etwas zu jung, um hier zu sein? Wie alt ist der, fünfzehn?“
„Sechzehn!“, erwidert Robin und erhebt wieder ihr Glas. 
„Und da lässt du ihn hier frei rumlaufen?“
„Ach das passt schon“, lacht sie und beobachtet den jungen Kerl nun ebenfalls. 
„So jung und schon unsere Probleme am Hals“, murmelt Jan in sich hinein. 
Robin lacht auf und sieht ihn wissend an: „Jetzt tun nur so erwachsen mit deinen neunzehn. So weit ich mich erinnern kann, hast du schon mit vierzehn angefangen.“
„Erinnere mich bloß nicht daran!“ Nur widerwillig lässt Jan die Erinnerung an seinen ersten Freund zu. An ihre ersten Experimente miteinander und die Wut seines Vaters, als er sie dabei erwischt hat. Er hat Jan fast totgeprügelt und im Anschluss in eine Heilanstalt einsperren lassen. Um die Bilder los zu werden, trinkt Jan sein Glas leer, dann richtet er seine Aufmerksamkeit wieder auf den Blonden. „Und, hat er schon jemanden?“
„Hast du etwa ein Auge auf ihn geworfen?“
„Na er sieht nicht so aus, als wenn er bei der ersten Konfrontation mit seiner Neigung davon rennt“,  murrt Jan noch mit den Gedanken bei Luis Reaktion.
Robins Blick wird mitleidig. Sie legt ihm den Arm über die Schulter, als sie erklärt: „Das würde ich an deiner Stelle lassen. Der ist so gar nicht deine Kragenweite. Er sieht vielleicht nicht danach aus, aber der hat es faustdick hinter den Ohren.“
„Na das wäre doch mal eine willkommene Abwechslung. Von lieben Typen habe ich die Schnauze voll!“
„An dem verbrennst du dir die Finger, Jan. Lass es besser. Der ist schon lange in festen Händen.“
„Der ist erst Sechzehn!“
„Ja und bei dem Thema schon deutlich weiter als du!“, lacht Robin vergnügt. 
„Das werden wir ja noch sehen. Außerdem wenn er angeblich in festen Händen wäre, wieso ist der dann allein hier.“
Robin zuckt mit den Schultern, während sie an ihrem Glas nimmt, meint sie schnippisch: „Es ist deine Beerdigung!“
Jetzt ist Jans Neugierde erst recht geweckt. Bisher hat er noch jeden Typen rum
bekommen, da wird das bei einem unerfahren Kerl, wie dem, doch erst recht kein Problem sein. Wahrscheinlich muss er ihm die Hälfte erst noch erklären. Sein Glas stellt Jan auf dem Tisch ab und steht auf. Er zieht sein Hemd glatt und streicht sich einmal über die Hosenbeine, dann hält er auf den Blonden zu. Das der sich bereits in einem Gespräch befindet ignoriert er und schiebt sich einfach vor den Gesprächspartner. „Du bist neu hier, oder?“, spricht er den Blonden an. Die eisblauen Augen richten sich auf ihn. Sein Blick ist zunächst fragend. Der Blonde mustern ihn einmal von oben bis unten, dann erst wendet er sich ihm direkt zu. „Du warst wohl lange nicht hier, wenn du das denkst“, entgegnet er.
Jan schaut überrascht, auf eine schlagfertige Antwort ist er nicht gefasst gewesen. Er brauch einen Moment für eine Antwort. Die Pause nutzt der Blonde für ein versöhnliches Lächeln. Ein schönes, unwiderstehliches Lächeln. Er reicht ihm die Hand. „Mein Name ist Enrico und du heißt?“
„Jan, Jan Yutaka!“, muss sich Jan zwingen zu sagen. Beinah ist ihm sein eigener Name und die Antwort abhanden gekommen, zu gefesselt ist er von diesen blauen Augen. Beinah versinkt er schon wieder darin, als sich der Blick des Blonden ändert. Den Kopf stolz erhoben, betrachtet er ihn forschend, als er wissen will: „Nun Jan, was willst du von mir? Du beobachtest mich schon die ganze Zeit so seltsam von der Seite.“
„Das ist dir aufgefallen?“, will Jan verblüfft wissen. Der Kerl hat sich doch so angeregt mit den anderen Gästen unterhalten, wie kann das bemerkt haben?
„Offensichtlich!“, entgegnet Enrico herausfordernd und durchbohrt ihn weiter mit seinem Blick. Jan stockt der Atem. Er fühlt sich erwischt und weiß im ersten Moment gar nicht, was er antworten soll. So unsicher hat er sich schon lange nicht mehr gefühlt. Dabei ist das nur ein sechzehnjähriger Bengel. Vor dem muss er sich nun wirklich nicht klein fühlen. Jan atmet einmal tief durch, dann hofft er sich wieder gefangen zu haben. Herausfordernd erhebt er den Blick und meint offen: „Du gefällst mir eben!“
Der Blick des Blonden wird fragend, er mustert ihn prüfend. Als Jan nicht wegsieht, fährt Enrico mit den Augen seinen Körper ab und meint dann: „Danke, du mir nicht!“
Fassungslos bleibt Jan der Mund offen stehen. Noch nie ist er so deutlich zurückgewiesen worden. Eigentlich kann er sich nicht mal daran erinnern, überhaupt je abgelehnt wurden zu sein.
„Wenn das alles war, worüber du dich unterhalten wolltest, dann mach's gut. Ich hab da gerade jemand besseren im Blick“, meint der Blonde. Seine Aufmerksamkeit verliert sich zwischen den Gästen. Als Jan noch immer nichts passendes einfällt, dreht Enrico sich von ihm weg und will gehen. Erst jetzt gelingt es Jan sich aus seiner Starre zu lösen, er packt den Blonden an der Schulter. „He, jetzt warte mal!“, ruft er ihn an. Im Augenwinkel kann Jan eine Bewegung wahrnehmen. Jemand packt seine Hand am Gelenk und hebt sie von der Schulter des Blonden. Eine dunkle Stimme schnauzt ihn an: „Pfoten weg!“ Grob wird Jans Hand weggestoßen. Ein junger Kerl, im Alter des Blonden, stößt ihm gegen die Schulter und von Enrico weg. Schwarze Haare fallen in das markante Gesicht, die grünen Augen funkeln ihn finster an. Jan schaut eben so böse zurück. Für einen Moment starren sie sich stumm an. Dann nimmt der Kerl grob die Hand des Blonden. „Komm schon!“, schnauzt er auch Enrico an und zerrt ihn von Jan weg. Verstört sieht der ihnen nach. Obwohl der Typ so grob ist, lächelt Enrico ihn verliebt an. Das kann Jan überhaupt nicht begreifen. Der Kerl ist doch ganz offensichtlich ein totaler Arsch. Der behandelt den Blonden wie seinen Besitz und ist dabei noch verdammt grob. 
„Das war wohl nichts!“, hört Jan neben sich Robin lachen. Erschrocken dreht er sich nach ihr um. 
Aufgebracht will er wissen: „Wer ist der Kerl?“
„Sein Name ist Antonio. Die Beiden sind schon über ein Jahr zusammen. Wenn ich du wäre, würde ich mich von ihm fernhalten. Er kann extrem eifersüchtig werden.“
„Ja, so sieht der Arsch auch aus. Voll aggressiv. Wie kann man so was lieben?“, murrt Jan in sich hinein und beobachtet die Beiden weiter. Sie sind im Flur stehen geblieben. Antonios Blick ist noch immer wütend. Er schimpft unablässig, während Enrico in nur breit angrinst. Schließlich legt Enrico seine Arme um Antonios Hals und zieht ihn für einen Kuss näher an sich heran. Genervt wendet Jan den Blick ab und murrt vor sich hin. Noch so ein verdammtes Liebespaar. Heute ist echt nicht sein Tag. 

...~*~...

„Wer war der Typ?“, will Toni wütend von mir wissen. 
Ich überhöre seine Frage und freue mich einfach ihn zu sehen. „Du bist ja doch noch gekommen.“
„Enrico, ich hör nicht auf zu fragen!“, murrt Toni weiter. 
„Ich hab keine Ahnung. Er hat mich einfach nur angesprochen. Aber es ist süß, wenn du eifersüchtig wirst“, antworte ich verträumt und lege ihm meine Arme um den Hals. 
„Das ist nicht lustig“, brummt er weiter, „Du gehörst nur mir!“
„Ich weiß! Wozu sollte ich auch einen kleinen Asiaten nehmen, wenn ich doch dich habe?“, lache ich und lege meinen Lippen auf seine. Er wehrt sich erst, doch ich gebe ihn nicht frei. Eng halte ich ihn umschlungen und lasse nicht von seinen Lippen ab. Toni seufzt und gibt schließlich nach. Er erwidert meinen Kuss und zieht mich an der Taille nah zu sich. 
„Dich kann man echt nicht allein lassen“, murrt er etwas freundlicher. 
„Mhm... stimmt.“ Ich grinse frech und sehe mich nach den Türen im Flur um. „Wollen wir uns ein freies Zimmer suchen?“, schlage ich vor. Er nickt. Ich gebe ihn frei und nehme seine Hand. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, war das letzte Zimmer links noch frei. Ich steuere darauf zu und ziehe Toni mit mir. Tatsächlich ist dieser Raum noch völlig unberührt. Das Bett ist gemacht, Laken, Decke und Kissen gerichtet. Wir verschwinden dort und schließen die Tür nach uns ab. 
„Wie kommt es, dass du doch noch her gekommen bist?“, will ich von ihm wissen, als wir endlich allein sind. 
Toni streift sich die Schuhe von den Füßen. „Na ja, ich konnte nicht einschlafen. Hab dich hier dauernd mit irgend einem Kerl gesehen. Und dann komm ich hier her und dich belästigt wirklich so ein Typ.“
„Mit dem wäre ich auch allein fertig geworden. Ich hab ihm schon gesagt, dass er mich nicht interessiert.“
„Das hat ihn aber wenig gekümmert.“ 
Ich streife mir ebenfalls die Schuhe von den Füßen. Toni setzt sich aufs Bett und lässt sich zurück in die Kissen fallen. Er verschränkt die Arme hinter dem Kopf und schaut an die Zimmerdecke. Ich setze mich auf seinen Schoß und betrachte ihn lächelnd. „Hey, ich will mit keinem anderen ins Bett, okay? Du bist der Einzige, der mich flachlegen darf!“
Nun überkommt auch Toni ein Lächeln. Er betrachtet mein Jackett und das weiße Hemd darunter. Schließlich beginnt er damit beides aufzuknöpfen. Ich lasse ihn gewähren und beuge mich für einen Kuss über ihn. Während seine Finger einen Knopf nach dem anderen öffnen, kann ich nicht genug von seinen weichen Lippen bekommen. Ich ziehe mir das Jackett und das Hemd selbst aus und lasse es achtlos neben das Bett fallen. Hastig wende ich mich den Knöpfen an seinem Hemd zu. Seine warmen Hände wandern meinen Rücken hinab, hinein in meine Hose, samt Unterhose schiebt er sie mir von den Schenkeln. 
Endlich habe ich den letzten Knopf geöffnet, kann seinen Oberkörper aus dem Stoff befreien. Sein Drachentattoo fängt meinen Blick ein. Es schlängelt sich von seinen Brustmuskeln seine Flanke hinab und verschwindet in seiner Hose. Ich folge ihm mit den Fingern, bis ich eine lange Narbe streife. Sie ist noch tiefrot und erhebt sich deutlich auf seiner blanken Haut. Etliche weitere Kleinere verteilen sich über seinen ganzen Brustkorb. Sie alle sind kaum einen Monat alt. Viel zu deutlich kann ich mich an den Anblick erinnern, als es noch tiefe Schnittwunden waren, an das viele Blut, das ihm vom Körper lief. Gedankenverloren fahre ich jede einzelne ab. Er wäre mir fast unter den Händen weggestorben. Beinah glaube ich sein Blut wieder an meinen Fingern zu haben. Atemlos betrachte ich meine Hände. 
„Enrico? Was hast du?“ Toni legt mir seine Hand um die Wange, besorgt sieht er mich an. 
Ich versuche die Erinnerung zu verdrängen und zwinge mir ein Lächeln ins Gesicht. „Nichts! Alles gut“, lüge ich. Um die Narben nicht mehr sehen zu müssen, beuge ich mich über ihn und will ihn küssen, doch er dreht den Kopf weg. Ernst betrachtet er mich und will wieder wissen: „Was ist los?“ 
Ich drehe mein Gesicht von ihm weg. „Ich will nicht drüber reden.“ Toni seufzt, er betrachtet mich lange schweigend. Ich ertrage die Stille nicht und richte meine Aufmerksamkeit wieder auf ihn. Seine smaragdgrünen Augen sind voller Sorge. Sie sind rot und tiefe Augenringe zeugen von dem mangelnden Schlaf der letzten Nächte. Je länger es ruhig bleibt, um so schwerer werden meine Augen. Ich reibe mir über die schmerzenden Lieder. 
„Du siehst müde aus“, stellt er fest und streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. 
„Bin ich nicht!“, erwidere ich schnell und kann doch nichts gegen das Gähnen tun, das mich überkommt. 
Toni legt mir seine Arme um den Rücken, er dreht sich unter mir und zieht mich auf die leere Bettseite. 
Erschrocken falle ich neben ihn. „Hey, was soll das werden?“ 
Er legt sich mir in den Rücken und gibt mir keine Antwort, stattdessen greift er hinter sich nach einer der beiden Decken und schlägt sie um uns. 
„Toni?“, harke ich weiter nach. 
„Halt die Klappe und mach einfach die Augen zu.“
„Willst du jetzt echt pennen?“, frage ich aufgebracht. Toni antwortet nicht, er drückt meinen Kopf ins Kissen und hält mich in seiner Umarmung gefangen. Ich seufze ergeben und schaue hinter mich. Er hat die Augen bereits geschlossen, sein Atem wird gleichmäßig. Seufzend lasse ich meinen viel zu schweren Kopf ins Kissen fallen. Ich weiß ja das er recht hat, das wir längst viel zu lange wach sind. Aber sobald ich die Augen schließe, sehe ich all diese grässlichen Dinge. Dann sehe ich ihn streben, immer und immer wieder. Doch so sehr ich mich auch zur Wehr setze, hier ist keine Aktion mehr, keine Menschen und Gespräche, die mich noch wachhalten. Ich komme gegen die Müdigkeit nicht mehr an und schlafe ein. 

...~*~...

Die Matratze bewegt sich, Enrico befreit sich aus seiner Umarmung. Eine unbändige Unruhe ergreift von Antonio besitzt. Obwohl er noch hundemüde ist und sich sicher, noch nicht mal eine Stunde geschlafen zu haben, zwingt er seine schmerzenden Augen dazu, sich umzusehen. Enrico sitzt auf der Bettkante neben ihm. Er ist tief in sich versunken und betrachtet seine zitternden Hände. Sein ganzer Körper bebt mit. 
„Enrico?“, spricht er ihn an, doch sein Freund reagiert nicht. Tränen laufen ihm übers Gesicht und fallen auf die zitternden Finger. Besorgt richtet Antonio sich auf und legt seinem Freund beide Hände auf die Schultern. Er rührt sich nicht, scheint die Berührung nicht mal zu spüren. Sein Atem geht schnell und ruckartig, immer wieder setzt er aus. 
„Enrico, was hast du?“ Antonio rüttelt an ihm, doch noch immer kommt von Enrico keine Reaktion. Er dreht den Blick des Freundes am Kinn zu sich. Seine Augen sind knallrot und geschwollen. Er sieht durch ihn hindurch und stur auf seine Hände. Antonio legt seine Finger über die des Freundes. Erst jetzt gelingt es Enrico ihn direkt anzusehen. „Toni“, flüstert er fast tonlos. 
„Was ist denn los?“
Enrico antwortet nicht, er schließt die Augen und lehnt seine Stirn an Antonios Schulter. Einzelne Tränen fallen ihm auf den nackten Brustkorb. Einige Male atmet sein Freund tief durch, erst dann findet er die Kraft zu sagen: „Ich werde die Bilder einfach nicht los.“
„Was meinst du? Was für Bilder?“, fragt Antonio vorsichtig nach und schließt den Freund in eine Umarmung. 
„Wie dich diese Schweine aufschlitzen. Überall ist dein Blut. Und das alles nur meinetwegen. Nur weil sie mich haben wollten. Nur deswegen haben sie dich so zugerichtet.“ Neue Tränen überkommen Enrico und laufen Antonio warm über den Oberkörper. „Sobald ich die Augen schließe, sehe ich dich in meinen Armen sterben.“ Immer mehr von Enricos Körpergewicht lastet auf ihm. Sein Freund kann kaum noch selbständig sitzen. 
„Du musst das vergessen und endlich mal schlafen Enrico!“
„Ich will nicht schlafen und das sehen müssen!“
Antonio lässt sich mit seinem Freund zurück ins Kissen fallen. Enrico bleibt kraftlos auf seinem Oberkörper liegen und atmet noch immer schwer. Beruhigend streicht Antonio ihm durch die blonden Haare. Immer wieder fallen ihm die Augen zu. Das sie nicht zur Ruhe kommen, geht jetzt schon seit fast einem Monat, so langsam hält er es nicht mehr aus, ständig wach zu sein. Enrico beruhigt sich langsam sein, Atem wird gleichmäßiger. Antonio spürt seine Finger über die große Narbe streicheln. 
„Hast du denn keine Alpträume?“, will er wissen. 
Antonio zwingt seinen erschöpften Geist zu einer Antwort: „Doch, habe ich. Aber wir können nicht für immer wach bleiben.“
Enrico grinst müde: „Wir könnten es versuchen? Wenn wir vögeln, bin ich bestimmt wieder wach.“ Sein Freund versucht sich wieder aufzurichten, doch Antonio brummt genervt und drückt ihn wieder zurück. Die Hand Enricos, die seinen Körper hinab wandert, hält er am Gelenk fest. 
„Gib endlich ruhe Enrico. Bitte! Ich bin fertig, wirklich. Gönne uns wenigstens ein - zwei Stunden Schlaf.“
Enrico bleibt endlich still liegen, doch ruhe gibt er nicht: „Wie machst du das nur? Einfach die Augen schließen zu können, obwohl du weißt, was dich erwartet.“
Antonio seufzt tief, nur mit aller Mühe gelingt es ihm, zu antworten: „Ich weiß, das wenn ich aufwache, du neben mir liegst.“
Antonio kann das Lächeln seines Freundes auf seinem Oberkörper spüren. Enrico schließt die Augen, noch lange ziehen seine Finger kreise über Antonios Narben, doch irgendwann wird sein Atem gleichmäßiger. Seine Hand bleibt auf Antonios Brustkorb liegen.
„Was mach ich nur mit dir“, seufzt er leise und fährt dem Freund noch einmal durch die blonden Haare, dann kann auch er sich nicht länger wach halten.

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