Gone

Ein Mädchen mit zu vielen Geheimnissen. Ein unverschämt gutaussehender FBI-Agent, der alles dafür tun wird, damit sie am Leben bleibt.

Vor einem Jahr ist Hailie Jenkins Bruder entführt worden. Seit jener Nacht im Frühling ist es ihr unmöglich ein normaler Teenager zu sein. Sie kennt den Namen des Entführers, doch niemand will ihr Glauben schenken, bis ein weiterer Junge in Oak Creek verschwindet. Nun liegt es an Hailie und dem sarkastischen FBI-Agenten Chace Matthews die Wahrheit herauszufinden, bevor es weitere Opfer gibt.

1Likes
0Kommentare
70Views
AA

1. Hailie

"Jeder ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt" Mark Twain



Die Stille des kleinen Raumes macht es unerträglich für mich einen klaren Gedanken zu erfassen. Alles um mich herum scheint nicht von Bedeutung zu sein und schon gar nicht FBI-Agent Chace Matthews,  der mit einem undefinierbarem Ausdruck nach dem Kaffeebecher auf seinem organisierten Schreibtisch greift.

»Hailie, ich weiß, dass es schwer für dich sein muss, aber ich muss dir ein paar Fragen stellen.«
Ich starre den Mann vor mir mit glasigen Pupillen an, während ich meinen Kopf in die Kapuze der Jacke schmiege, die man mir vor nicht einmal einer Stunde gegeben hat um meinen Körper zu bedecken. Eine dunkle Haarsträhne hat sich auf meine glühende Wange gelegt. Ich würde alles dafür tun, um diesen Ort so schnell es geht zu verlassen.

»Du sagtest, dass du sein Gesicht erkennen konntest, richtig?« Der Agent lässt seine Fingerspitzen durch sein dunkles Haar wandern, ehe er nach dem Kugelschreiber greift und diesen ungeduldig zwischen seinen Fingern hin und her gleiten lässt. Meine Augen legen sich auf seine Gestalt, als er den den Stift fallen lässt und seine Fingerspitzen unter seinem Drei-Tage-Bart platziert. Zu sagen, dass er beunruhigt ist, wäre eine Untertreibung. Er scheint nicht nur nervös zu, nein, das unbändige Gefühl von Wut verbreitet sich wie ein Fegefeuer in ihm. Ich habe erfahren, dass er der jüngste Agent in seiner Einheit ist, gerade einmal 23 Jahre alt, doch er hat schon an unzähligen Fällen gearbeitet. Es ist nicht nur irgendein Job für ihn.

»Wer? Wer ist es gewesen, Hailie?«, fragt er nach einer Weile. Ich zögere merklich, nicht sicher, ob ich mich ihm anvertrauen kann.

»Sie waren zu zweit. Ich konnte nur ein Gesicht erkennen. Mike Grant«, sagt ich schließlich. Meine Stimme versagt unter all dem Stress, dem ich hilflos ausgesetzt bin.

»Der Footballspieler der Oak High School?« Agent Matthews hebt eine Braue.

»Ja.«

»Hailie, das ist eine ernsthafte Anschuldigung. Bist du dir ganz sicher, dass du diesen Jungen gesehen hast? Gibt es sonst noch etwas, was dir aufgefallen ist? Ein auffälliger Kleidungsstil oder bestimmte Gesichtsmerkmale?« Ich bewege meinen Kopf zur Seite. Nein. Matthews lässt einen tiefen Seufzer über seine warmen Lippen kommen. Natürlich glaubt er ihr nicht.

Mike Grant ist in der ganzen Stadt bekannt, doch nicht wegen Verbrechen, die er begangen hat. Nein. Sein Vater, Richard, ist ein angesehener Anwalt für Strafrecht und hat nie einen Fall vor Gericht verloren. Carol, seine Mutter, ist die Besitzerin eines kleinen Cafés in der Nähe der Stadtgrenze. Es wird nicht leicht werden, diesen Jungen eines Verbrechens schuldig zu sprechen. Die Gesichtszüge des jungen Agenten entgleiten beinahe. Er setzt an etwas zu sagen, als sich seine Bürotür unerwartet öffnet und jemand ohne Umwege den Raum betritt.

»Ich glaube, das ist genug für heute, Agent.« Ich versuche ein Stöhnen zu verhindern. Onkel Peter lässt keinen Zweifel daran offen, dass sein Blut vor Wut überzukochen droht. Agent Matthews blickt mich aus seinen Augenwinkeln heraus an. Die Neugier in seinen Augen brennt förmlich in der Luft.
 

»Wer sind Sie?« Matthews Stimme drückt seine Überraschung aus.

»Ich bin Hailies Onkel. Peter Jenkins. Und ich denke, dass Sie genug Fragen für diesen Tag gestellt haben. Meine Nichte sollte sich jetzt ausruhen und sich nicht in einem Polizeiverhör befinden. Außerdem wissen Sie ganz genau, dass sie noch minderjährig ist.« Agent Matthews erlaubt es sich seine erschöpften Lider nur für den Bruchteil einer Sekunde zu schließen.

»Natürlich, Sie haben recht, Mr. Jenkins«, sagt er, verunsichert über das plötzliche Erscheinen des Mannes in seinem Büro. Peter schenkt mir ein Lächeln, ehe ich mich von dem Lederstuhl erhebe.

»Hailie?« Matthews Stimme ist leise, doch ich habe ihn gehört.

»Halten Sie sich für weitere Fragen bereit, okay.« Benommen nicke ich mit meinem Kopf, bevor ich mich von dem jungen FBI-Agenten abwende. Seine dunklen Augen folgen jede meiner Bewegungen, als ich die Hand von Peter ergreife und den Raum verlasse.

Melde dich bei Movellas anFinde heraus worüber alle reden. Registriere dich jetzt bei Movellas und teile deine Kreativität und deine Passion
Lade ...