Streuner

Eine schüchterne Streunerin bekommt dank einer schicksalhaften Begegnung endlich die Chance, den Ort ihres leidens hinter sich zu lassen und neue Freunde kennen zu lernen, die sie so akzeptieren wie sie ist.

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1. Der Anfang

Es war bereits dunkel als ich angsterfüllt versuchte meinem Verfolger zu entkommen. Ich weiß nicht wieso ich Verfolgt werde, sondern nur das ich etwas essen wollte. Abfall. So wie jeden Tag eben.

Ich schaffte es mühsam den stark verschwitzten Mann der mit einem dicken Ast bewaffnet hinter mir her rannte, in einer engen Gasse abzuschütteln. Da ich mir sicher war das er weiter nach mir suchte, hatte ich keine andere Wahl als zwischen ein paar Mülltonnen versteckt zu bleiben. Wer ich überhaupt bin? Ich bin eine 4 Jährige graue Mischlingshündin. Mein Name ist Köter, zumindest nennt mich jeder so.

Ich lebe in irgendeinem Land, in irgendeinem kleinen Ort dessen Name ich nicht kenne. Allerdings kenne ich ihn nicht, weil ich ihn noch nie gehört habe, sondern weil ich ihn mir nicht merken will... den Namen des Ortes in dem ich mein ganzes Leben lang nur leid erfahren habe. Ich weiß ehrlich gesagt nicht wieso ich nicht schon längst aus diesem Kaff abgehauen bin. Vielleicht weil ich gar nicht wüsste wohin oder weil es mir wo anders bestimmt nicht besser ginge.

Wie dem auch sei war dieser Augenblick, in dem ich mich mal wieder vor einem meiner Peiniger versteckte, Alltag, denn niemand mag Streuner wie mich.

Nachdem ich merkte das die Luft rein war, kroch ich langsam aus meinem versteck und lief dicht an der Wand im Schatten, an das Ende der Gasse. Ich sah weder einen Menschen, noch irgendein Tier, weshalb ich beschloss, wieder auf Futtersuche zu gehen. Ich ging durch die finsteren Straßen in Richtung Metzgerei, da im Hinterhof oft Fleischabfälle standen. Mein Herz klopfte immer wie wild wenn ich Unterwegs war. Ich hatte so große Angst vor dieser Welt, das ich mir teilweise schon überlegte mich nicht einfach vor ein Auto zu werfen. Genau solche Selbstmord Gedanken hege ich jeden Tag, mit Fragen wie „Würden Sie meinen toten Körper wenigstens an den Straßenrand legen?“, „Würden Sie noch extra auf mich eintreten weil ihr teures Auto voller meinem Blut ist?“, aber wahrscheinlich würden sie alle weiterfahren als sei nichts passiert.

Diese Gedanken gingen mir Tag täglich durch den Kopf und während ich weiter in meinen bemitleidenswerten Gedanken schwelgte, kam ich bereits im Hinterhof der Metzgerei an. Ich roch sofort das bereits leicht verdorbene Fleisch das neben den Mülltonnen stand und lief eilig vom Hunger geleitet hinüber. Um so enttäuschter war ich als ich die vielen blauen Körner auf dem Fleisch sah. Ich wusste genau was das ist. Rattengift. Doch war es nicht den Ratten gewidmet, sondern mir wertlosem Streuner.

Schnell kamen mir wieder diese Selbstmordgedanken ob ich es nicht doch essen soll, doch meine Gedanken wurden durch die auf knallende Hintertür der Metzgerei zerplatzt und ich lief voller Hektik davon. Ich gab die Futtersuche für heute auf und ging mit knurrendem Magen zu einem alten, marodem Pappkarton, den ich mein Heim nenne, um mich schlafen zu legen.

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