Das Monster im Wald

Es war einmal ein Mädchen, dem Dinge zugestoßen waren, die es in seinen Grundfesten erschüttert hatte. Es war verloren und ohne jede Orientierung bis sie eines Tages wieder durch ein Ereignis Mut schöpfte.

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1. Der Blick des Monsters

In der Ferne höre ich das Zwitschern von Vögeln, das Rascheln von Blättern im Wind und das leise Rauschen eines Flußes in der Ferne. Ich höre wie Schuppen langsam über die schorfe Rinde eines Baumes gleiten, über Pflanzen, Moos und Steine. Mit schlängelnden Bewegungen gleite ich vorwärts. Suchend irren meine Augen im Wald umher, bis sich mein Blick in einem Tautropfen verfängt. Was der Tautropfen mir zeigt, lässt mich in meiner Bewegung innehalten, genauso wie das Monster, das mir entgegenblickt. Zitternd fährt das Monster seinen Kiefer entlang und tastet über sein Gesicht. Es ist von Kratzern und Wunden entstellt. Wirres dreckiges Haar hängt ihm ins Gesicht, Blätter und allerlei Getier tümmeln sich darin.
Doch unter all dem Dreck und Blut lässt sich die einstige Eleganz dieses Lebewesens erraten. Die Augen wirken nicht wie die eines Monsters, sie wirken des Lebens müde, als ob es schon zu viel Grausames erlebt hätte. Als ob es Leid wäre so zu sein.
Langsam gleiten meine Hände weiter nach unten bis zu meiner Hüfte, wo meine Schuppen beginnen. Hauchzarte feine Schuppen spüre ich, die langsam immer größer und fester werden. Sie haben die Farben des Waldes von moosgrün bis zum tiefen Braun von frischer Erde.
Aus den Tiefen des Monsters steigt eine Erinnerung hoch, gleich einem Sonnenstrahl an einem regnerischen Tag. Es erinnert sich an damals, als es noch ein einfaches Mädchen war, das darauf erpicht war seinem Vater zu gefallen. Das bereit war alles zu tun und alles zu geben, bis es nichts mehr geben konnte und zu dem wurde, was es jetzt war.

Tränen steigen dem Monster in die Augen, ein Schluchzen entringt sich seiner Kehle. Ein Geräusch, das schon lange nicht mehr seine Lippen verlassen hatte.
Eine einzelne Träne rinnt die Wange des Monsters hinab und  fällt Richtung Boden. Ein Lichtstrahl verirrt sich darin und wird in all den schillernden Farben des Regenbogens zurückgeworfen.
In der Tiefe des Waldes hört man plötzlich das Brechen eines Astes, erschrocken zuckt das Monster zusammen und ist aus seiner Starre befreit.
Hastig atme ich ein und gebrochen ist der Bann in den mich mein Anblick versetzt hat. Meine Zunge schnellt aus meinem Mund hervor und tastet die Luft nach Gerüchen ab. Ich schmecke den Geruch von Blättern, Moos und Rinde, den frischen Duft von Wasser und etwas, das ich schon lange nicht mehr gerochen habe.
Es lässt sich schwer einordnen und während ich so starr und schutzlos verharre um Nachzudenken, höre ich wie ein Zischen durch die Luft geht. Einem Instinkt folgend werfe ich mich auf den Boden und höre wie sich etwas mit einem saftigen Geräusch in den Baum hinter mir gräbt. Erschrocken blicke ich in die Richtung aus der das Geschoss kam, ich kann gerade noch einen Blick auf eine Gestalt erhaschen.
Menschen!, schießt es mir durch den Kopf und endlich kann ich den Geruch zuordnen. Ohne noch länger darüber nachzudenken, setze ich mich in Bewegung. Mit einem kurzen Blick erkenne ich den Pfeil, der im Stamm des Baumes steckt. Er zittert immer noch von dem Aufprall.
Mit einem Sirren landet ein weiterer Pfeil im Stamm.
Langsam breitet sich eine Erkenntnis in mir aus, die mein Herz mit Schrecken erfüllt.
Die Menschen sind wieder gekommen um mich zu jagen.

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