Dreamer - Träumst du noch oder lebst du schon?

Jayla ist eigentlich eine gewöhnliche, junge Frau. Sie hat durchschnittlich viele Freunde, mit denen sie gut auskommt und sie hat einen ebenso normalen Job in einem kleinen Bistro, das einem amerikanischen Diner ähnelt. Durch ihren amerikanischen Vater, der sich während des Medizinstudiums in die deutsche Lisa Adelmann verliebte und so seine Heimat, New York City hinter sich ließ, brennt in Jayla schon immer das dringende Bedürfnis, ihren Wurzeln zu folgen.
Ihr Traum ist es insgeheim mit ihren Geschichten, die sich auf ihrem Laptop angesammelt haben, Geld zu verdienen. Bislang hat sie davon niemandem erzählt. Als sie eines abends frustriert über den sich immer wiederholenden Alltag ein wenig zu viel Wein trinkt und ihrer besten Freundin May von ihren Sorgen erzählt, hat diese eine Idee, von der die Halb-Amerikanerin erst so gar nicht überzeugt ist.Woher sollte sie auch ahnen, dass genau diese Idee ihr die Tür in eine Welt öffnet, die ihr komplettes Leben auf den Kopf stellt..

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5. Fünf.

5#  Alleingang

Wie zu erwarten, ist Jonas ganz und gar nicht begeistert von meinen Plänen, innerhalb dieser Woche noch in die USA zu verreisen. Es ist ja nicht, als hätte ich es ihm schon eher sagen können, schließlich ist der Brief erst vor zwei Tagen bei mir angekommen.
"Hast du eine Ahnung, wie kompliziert es wird, alle Termine zu verlegen? Ich weiß nicht, wie du dir das vorstellst." Die Hände hat er angespannt in den Hosentaschen vergraben, während er im Büro auf und ab geht. Es ist schon ein Wunder, dass ich überaupt hier sein darf, normalerweise muss ich immer warten, bis er mit der Arbeit fertig ist, um solche Dinge zu klären.
"Und wenn du sagst, dass es wichtig ist? Ich meine, ist dir egal, dass das mein Traum ist? Du gibst mir das Gefühl, als würde ich mir das Ganze nur ausdenken, um mit dir einen ungeplanten Urlaub zu machen."
Er legt diesen vorwurfsvollen Blick auf und seine Stirn kräuselt sich gestresst, wie immer, wenn ich solche Diskussionen beginne. Dabei hasse ich es eigentlich, wenn wir Gespräche dieser Art führen. Letztlich führen sie nur zu Streit und Uneinigkeit. Wieso muss man überhaupt alles ausdiskutieren?
*Na ja, dann darfst du dir keinen Steuerberater suchen, der alles analysiert.*
Mein Unterbewusstsein hat ja Recht. Jonas hätte auch gut ein Studium als Psychologe anstreben können. Meist resigniere ich irgendwann, weil meine Nerven es nicht mehr aushalten.
"Schatz, ich weiß du kannst das nicht verstehen..", setzt er an und legt seine Hände auf meine Schultern. Ich mag es nicht, wenn er mich so nennt und auf diese betretene Weise ansieht, als wäre ich erst fünf Jahre alt. Er gibt mir gern das Gefühl, dass ich noch eine Menge zu lernen habe. "Aber das hier ist nun mal - mein - Job. Ich kann nicht einfach so verschwinden, wie es mir passt. Und du weißt, dass Peter es nicht gutheißt, wenn ich Mandanten einfach vertrößte. Irgendwann kann ich den Laden hier vielleicht mal übernehmen, aber dafür muss ich gute Arbeit und Zuverlässigkeit an den Tag legen, verstehst du?"
*Nein, bitte mach weiter, ich bin schwer von Begriff!*, möchte ich am Liebsten schreien, doch ich lasse es, vor allem, weil wir hier in seinem Büro sind und ich nicht als hysterische Freundin abgestempelt werden möchte.
"Klar, verstanden." Meine Stimme ist frostig, aber ich kann einfach nicht anders. Zu groß ist die Frustration darüber, dass ich mich meinem Schicksal alleine stellen muss, wo ich innerlich so sehr auf seine Unterstützung gehofft habe. Nicht, dass ich es mir nicht zustraue allein dorthin zu fliegen, im Gegenteil; ich sehe es als Herausforderung. Aber dennoch kann ich nicht verbergen, dass es mich enttäuscht.
"Hey, Schatz. Lass den Kopf nicht hängen, du packst das auch ohne mich! Wir skypen jeden Tag, ok? Tut mir leid", mit einem warmen Lächeln, hebt er mein Kinn an und drückt mir einen Kuss auf.
"Bitte lass das mit den Kosenamen", entgegne ich mit einem zaghaften Lächeln und nicke.
"Auch wenn ich es nicht verstehe, ich werde es versuchen." Er stößt ein verständnisloses Lachen aus und drückt mich an sich, ehe er mich dann wieder wegschiebt, als wäre ich ein lästiger Fan.
"Ich gehe jetzt meinen Koffer packen, in zwei Tagen geht der Flug und ich brauche noch ein paar passende Outfits!" Zugegebenermaßen sage ich das, um ihn zu necken. Er findet, dass mein Schrank viel zu voll ist und genauso gut weiß ich, dass es ihn wurmen wird, wenn er nicht weiß, was ich den lieben, langen Tag so treibe. In den USA wird er mich nicht ständig anrufen können, wenn man an die Kosten denkt. Doch zu diesem Zeitpunkt, denkt er wohl noch nicht daran, was es wirklich bedeutet so viele Kilometer voneinander getrennt zu sein. Die letzten Wochen hat er beinahe jede Nacht bei mir, oder ich bei ihm geschlafen. Man gewöhnt sich doch sehr schnell aneinander.
"Viel Spaß", sagt er unerwartet und bereits wieder am Schreibtisch sitzend, die Finger wählen flink eine Nummer. Und schon ist er wieder in seinem Arbeitsmodus, großartig.
"Ich liebe dich auch." Wirklich laut sage ich es nicht, trotzdem scheint er es zu hören und antwortet promt.
"Und ich dich! Wir sehen uns heute Abend, Scha -äh, Jayla."
Okay, er kann schon umwerfend sein. Sein Lächeln packt mich und ich kann nicht anders, als ihm einen Handkuss zuzuwerfen.

Wir sitzen auf der Couch, der vertraute Duft seines Aftershaves umschmeichelt mich, während ich erschöpft auf den beinahe fertig gepackten Koffer im Wohnzimmer sehe.
"Nur noch ein paar Schuhe und meine Kosmetiksachen, dann bin ich fertig", teile ich mehr für mich selbst als für ihn mit, und fahre mit dem Finger über seine Handinnenfläche.
"Und was soll ich zwei Wochen ohne dich machen? Das wird furchtbar."
Meine Gefühle tanzen Samba und ich drehe mich halb um, damit ich einen Kuss auf seinem Kinn platzieren kann.
"Wir überstehen es. Du wirst mein Manager, falls ich berühmt werde, ja?", schwelge ich in meiner Traumvorstellung eines Lebens und grinse.
"Jetzt flieg mal nicht zu hoch, warte erstmal ab."
Kaboom.
Mit voller Wucht, komme ich auf dem Boden der Tatsachen auf und wieder wird mir bewusst, dass Jonas kein Träumer, sondern Realist ist. Manchmal verletzt er mich damit ungemein, merkt es jedoch nicht. Genau diese Punkte, lassen mich manchmal daran zweifeln, wie gut wir wirklich zusammen passen. Das alles, was er ist, spiegelt nicht das Leben wider, das ich mir vorstelle. Wenn es nach ihm geht, muss alles geregelt ablaufen, ein gut eingeteilter Tag, um alles einschätzen zu können. Sobald etwas aus der Reihe fällt, bekommt er Panik. Aber das Leben ist so, man kann nicht alles berechnen und Voraus planen, das wäre doch auch langweilg.
"Weißt du, ich wünsche mir, du würdest wenigstens einmal versuchen an mich zu glauben. Aber das tust du nicht." Mir ist die Lust nach seiner Nähe vergangen, also richte ich mich auf und setzte mich, im Gegenüber, in den Sessel.
"Jetzt komm her, hör auf zu schmollen", seine Mundwinkel zucken amüsiert.
Er macht es schon wieder! Ich fühle mich alles andere als ernst genommen und ich spüre, wie die Wut in mir hochkriecht. Immer wieder schafft er es, dass ich mich wie ein Kleinkind fühle, das sein Bild stolz den Eltern präsentiert, die nicht einmal ansatzweise erkennen können, was ihr Kind damit darstellen möchte.
"Hast du eine Ahnung, wie ätzend es ist, wenn du mich nicht unterstützt? Es mag ja sein, dass du für solche Sachen kein Verständnis aufbringen kannst, aber dann tu' verdammt nochmal so, ich bin nicht irgendjemand, sondern deine Freundin!", pfeffere ich ihm entgegen und weiche seinem Blick aus.
"Ich will doch nur nicht, dass du am Ende enttäuscht bist. Es gibt so viele da draußen, die einen Traum haben und es aufgeben müssen, weil sie eben doch nicht so gut sind wie..", ich gebe ihm nicht die Gelegenheit auszusprechen und springe von meinem Platz auf.
"Verschwinde! Ich bin es leid mich vor dir rechtfertigen zu müssen. Du wirst mich nie verstehen und genau deswegen weiß auch kaum jemand davon! Du bist nicht anders als alle Anderen." Es ist unmöglich zu verbergen, wie sehr mich sein Verhalten verletzt. Auf meiner Wange brennt eine Träne, die ich hastig wegwische, damit er es nicht sieht. Ich hasse es in solchen Momenten Schwäche zu zeigen.
"Jayla..jetzt sei nicht albern. Das ist doch jetzt wirklich kein Grund so auszuflippen. Wir sind uns nicht immer einig, aber das heißt nicht, dass ich das alles für Schwachsinn halte", versucht er zu retten und versucht nach meiner Hand zu greifen, die ich ihm entreiße.
"Ich will, dass du gehst. Lass es einfach gut sein."
Jason stößt einen Seufzer aus, packt seine Jacke und verschwindet dann kopfschüttelnd. Er startet nicht einmal den Versuch sich nochmal umzudrehen, sondern zieht die Tür geräuschvoll zu.
Mein Herz hämmert auf diese unangenehme Weise und weinend sacke ich auf dem Sessel zusammen.
Auf der Lehne liegt mein Macbook, welches ich auf den Schoß lege und aufklappe. Bilder des Hotels, welches ich für mich gebucht habe, leuchten mir entgegen und momentan kann ich mir keinen besseren Ort vorstellen.
Schlagartig trocknen meine Tränen und das Gefühl der Aufregung kehrt zurück. Nur noch zwei Tage, dann werde ich es ihm zeigen.

Allein!

 

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