Dreamer - Träumst du noch oder lebst du schon?

Jayla ist eigentlich eine gewöhnliche, junge Frau. Sie hat durchschnittlich viele Freunde, mit denen sie gut auskommt und sie hat einen ebenso normalen Job in einem kleinen Bistro, das einem amerikanischen Diner ähnelt. Durch ihren amerikanischen Vater, der sich während des Medizinstudiums in die deutsche Lisa Adelmann verliebte und so seine Heimat, New York City hinter sich ließ, brennt in Jayla schon immer das dringende Bedürfnis, ihren Wurzeln zu folgen.
Ihr Traum ist es insgeheim mit ihren Geschichten, die sich auf ihrem Laptop angesammelt haben, Geld zu verdienen. Bislang hat sie davon niemandem erzählt. Als sie eines abends frustriert über den sich immer wiederholenden Alltag ein wenig zu viel Wein trinkt und ihrer besten Freundin May von ihren Sorgen erzählt, hat diese eine Idee, von der die Halb-Amerikanerin erst so gar nicht überzeugt ist.Woher sollte sie auch ahnen, dass genau diese Idee ihr die Tür in eine Welt öffnet, die ihr komplettes Leben auf den Kopf stellt..

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3. Drei.

# Nächte und Tage

 

Mein Kopf ist schwer, aber das ist mir egal. Das berauschte Gefühl, welches sich langsam über meinen Körper hermacht, gefällt mir im Moment viel zu gut.

"Und dann fetzt sie um die Ecke..", sage ich laut, während ich auf die Tastatur eintippe, halte dann jedoch inne. "So ein Quatsch. Wie klingt das denn? Bin ich zwölf?"

Unzufrieden, lösche ich die gesamte, letzte Seite meiner Geschichte. Mit zwei Fingern, drücke ich die Augenbrauen auseinander, als könnte ich meine wirren Gedanken so ordnen. Alkohol und schreiben ist also nicht immer eine gute Idee. Dabei hört man doch von so einigen Autoren, dass es ihnen hilft, ihre Kreativität anzuregen. Bei mir persönlich, kommt nur Unsinn heraus.

Statt weiter zu tippen, schenke ich mir noch etwas Wein nach und sehe verträumt aus dem Fenster. Die Stadt ist still, kaum eine Menschenseele treibt sich noch auf den Straßen herum. Lediglich ein paar Touristen, die mit Sicherheit das Nachtleben erobert haben. Mit der Zeit lernt man Einwohner von Urlaubern zu unterscheiden. Die meisten Kölner, gehen zielstrebig in eine Richtung, während die Anderen fasziniert Fotos schießen oder sich fragend ansehen, weil sie sich verlaufen haben.

Ich sehe auf mein Handy. Keine Nachricht, keine verpassten Anrufe. Scheiße, mein soziales Leben, ist nahezu tot.

Bis auf ein paar flüchtige Bekanntschaften, bin ich im Grunde nur mit May befreundet. Sie kenne ich schon seit der Schulzeit. Sie ist eine dieser Freundinnen, die immer da sind.

Ohne über die Uhrzeit nachzudenken, wähle ich ihre Nummer.

"Was gibt's?", höre ich ihre verschlafene Stimme krächzen.

Shit.

Mit Blick auf die Uhr, die digital am Fernseher angezeigt wird, zische ich entschuldigend und verziehe das Gesicht vor lauter schlechtem Gewissen.

"Es tut mir ja sooo..so..leid. Ich dachte nur, ich wollte einfach reden."

Wow. Was für ein Argument jemanden um vier Uhr sechsundzwanzig zu wecken.

"Sag mal, hast du getrunken, süße?" Die Belustigung in ihrer Stimme, ist nicht zu überhören und mit einmal klingt sie hellwach.

"Vielleicht ein bisschen", gebe ich mit schwerer Zunge zu, und ein unkontrolliertes Kichern schießt aus meinem Mund.

"Also gut, reden wir."

Genau deswegen liebe ich sie so. May denkt nicht mal daran mir Vorwürfe zu machen, sondern lässt sich auf diese sinnlose Unterhaltung ein.

"Weißt du, ich komme mit meiner Geschichte nicht weiter. Man sollte wirklich nüchtern sein, wenn man schreibt. Es sollte eine Kreativitäts-Explosion werden, aber dann..", ich bin nicht mal sicher, ob sie mich richtig versteht, was mich nicht davon abhält, einfach weiter zu reden,"da kommt nur Mist raus. Dabei will ich es unbedingt schaffen. Weg aus diesem Alltagstrott. Ich hab so die Nase voll Leute ins Gesicht grinsen zu müssen, die unfreundlich sind. Die geben nicht man Trinkgeld!"

"Warte, was meinst du mit..'du willst dein Geld damit verdienen'?"

Oh. Dieses kleine Detail habe ich nicht bedacht. Es ist traurig, aber nicht mal meine beste Freundin weiß, dass ich davon träume eine Autorin zu sein. Nicht aus mangelndem Vertrauen, sondern mehr aus Sorge nicht ernst genommen zu werden. Die künstlerischen Seelen werden doch selten ernst genommen, bis sie es dann allen gezeigt haben. Ich habe einen so hohen Alkoholpegel, dass einfach alles aus mir heraus sprudelt.

"May, ich habe so viele Ideen. So viele Geschichten, die es Wert sind gelesen zu werden. Ich habe es satt wie alle zu sein, ich möchte mehr. Ich möchte Glitzer und Glamour, ich möchte beachtet werden, für etwas, dass ich gut kann."

"Warte, du meinst..du möchtest Schriftstellerin sein?"

"Ja."

Stille.

Eine Träne bahnt sich den Weg über meine Wange. Erst jetzt bemerke ich, wie sehr mir diese Sache bedeutet. Aus einer werden zwei und urplötzlich, kann ich ein Schluchzen nicht unterdrücken.

"Hey, weinst du etwa?"

"Mhm..", nuschel ich unverständlich und versuche die Luft anzuhalten.

"Hör mir mal zu, süße! Wenn es jemand schaffen kann, dann du. Schick mir doch mal ein paar deiner Geschichten rüber. Weißt du was, ich werde sie an ein paar Verläge senden, ich kenne durch mein Studium Leute, die Leute kennen. Du weißt schon, so läuft das doch immer. Und dann wirst du sehen, ich wette schon bald lacht dein Gesicht von irgendeiner Zeitschrift und dann werden sie einen Film daraus machen."

"May." Es ist mir unangenehm, dass sie meine Geschichten in den Himmel lobt, ohne sie vorher gelesen zu haben. Nicht, dass ich nicht von mir überzeugt bin, aber ihre Art mich anzupreisen, ist mir unangenehm.

"Was denn? Die Idee ist doch gigantisch! Du hast ab jetzt eine persönliche Assistentin, ich werde dir helfen."

Nachdenklich trinke ich mein Glas aus und ignoriere das leichte Drehen, das ankündigt besser aufzuhören.

"Erstmal wirst du sie lesen, dann reden wir weiter. Und jetzt schlaf besser, ich bin auch müde. Danke, dass du da bist. Und..kein Wort zu niemandem, klar?"

"Na klar. Schlaf gut."

Ich lausche dem Geräusch meines Macs, als ich die E-Mail mit den Anhängen versende und lehne mich dann zufrieden zurück. Es schadet nicht jemanden drüber lesen zu lassen, auch wenn May vielleicht nicht die neutralste Person ist.

Es ist ein Anfang. Ein kleiner Anfang, aber es fühlt sich gut an.

 

Mein Gott, was habe ich getan?

Als ich morgens aufwache, es ist elf Uhr, schlage ich die Hände vor das Gesicht. Zu meiner Erleichterung, habe ich keine Kopfschmerzen oder sonstige Nachwirkungen von meiner Weinorgie am Abend.

Mir wird bewusst, dass ich May vor einigen Stunden meinen sehnlichsten Wunsch mitgeteilt und ihr Einblicke in meine privatesten Dinge gewährt habe. Sie ist zwar meine beste Freundin, aber will ich das? Es ist egal, viel zu spät. Ich hatte nicht mal mehr die Chance drüber zu lesen, so sehr hat sie mich überrumpelt.

Es mag seltsam klingen, wenn man die Tatsache bedenkt, dass ich als Autorin mein Geld verdienen möchte, aber ich bin sicher die Hälfte davon, hätte ich noch bearbeiten müssen. Für mich fühlt es sich an, als hätte ich mich nackt auf die Domplatte gestellt, während die Leute Fotos schießen.

Mit ungutem Gefühl, schaue ich auf mein Handy. Keine Nachricht.

Ist das jetzt gut, oder ist es schlecht? Wieso habe ich nicht besser darüber nachgedacht? Sie wird es grauenvoll finden, bestimmt. Kann man E-Mail zurück holen?

Okay, ich muss mich beruhigen. Mein Verhalten zeugt nicht grade von Reife.

Ich greife zu meinem Handy und tippe eine Nachricht an sie. Irgendwas muss ich schreiben, ich kann es nicht so stehen lassen.

 

Süße..ich wollte dir nur sagen, also die Geschichten..sie sind noch nicht überarbeitet. Eigentlich war es nicht dafür gedacht, es irgendjemandem zu zeigen. Aber das ist ja kein Problem, du kannst es einfach ignorieren. Bis später xo

 

wenig besser fühle ich mich nach dem Abschicken, also stehe ich auf und mache mir Frühstück. Nebenher schalte ich den Fernseher ein, um meine Lieblingsserie zu gucken. Sie inspiriert mich, auch wenn meiner Meinung nach, zu viel geschnulzt wird.

Gerade genieße ich den ersten Schluck von meinem Kaffee, als mein Handy eine Nachricht anzeigt.

 

Es ist brilliant! Mir hat das gar keine Ruhe gelassen, also habe ich mich gleich an den Laptop gesetzt und ein paar meiner Kontakte rausgefischt. Küsschen!!

 

Was? Was. Was!

Mit einmal vergeht mir der Appetit. Paralysiert, stelle ich die Müsli-Schüssel auf den Couchtisch und ziehe die Beine ran.

 

Was meinst du damit????

 

Ungeduldig starre ich den dunklen Handybildschirm an. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, bis endlich eine weitere Nachricht aufblinkt.

 

Na was schon? Ich habe deine Geschichten ein paar wichtigen Leuten geschickt. Du weißt schon, wegen meines

Journalismus-Studiums, hab ich da ein paar wertvolle Menschen kennen gelernt.

 

Oh, ja. Habe ich fast vergessen, aber hey..danke, dein Einsatz ist toll.

 

Etwas besseres fällt mir nicht ein. Mit weit aufgerissenen Augen, lasse ich das Handy auf die Couch fallen. Sie - hat - es - getan. Die unprofessionellen Geschichten versendet, einfach so. Ohne die Chance nochmal etwas zu ergänzen oder löschen. Das darf nicht wahr sein!

"Du bist Schuld!", keife ich die Weinflasche panisch an. Auch wenn ich diese besagten Menschen nie zu Gesicht bekommen werde, ist es mir hochpeinlich, dass sie nun Einblick in meine Seelenwelt bekommen. Ich schreibe mit Herzblut und nun schwirrt es überall in der Gegend herum.

 

Alles ok bei dir?

 

Mir fällt es nicht leicht ruhig zu bleiben, aber da May nichts dafür kann, auch wenn sie dazu neigt voreilig zu handeln, sende ich ihr nur ein knappes 'Ja' und einen Kuss-Emjoi.

Nie wieder Wein.

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