Zimtpapagei

Polly war schon immer der Papagei. Nicht weil sie so besonders und bunt ist, sondern weil sie einfach so heißt wie Papageien oft heißen. Eigentlich ist sie ziemlich langweilig. Doch irgendwann hat sie keine Lust mehr die normale Streberin zu sein und beschließt eine Weltreise. Doch kann man wirklich alles hinter sich lassen und ganz neu anfangen? Zwischen Jungs, Marihuana und ihrem schier unmöglichen Plan startet Polly ihr neues Leben.

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Es war Montag. Schonmal ein mieser Start für eine spannende Geschichte. Aber Polly war auch nicht wirklich spannend oder interessant. Sie war nicht hässlich, aber für das Playboy Cover hätte es auch nicht gereicht. Sie war nicht dick, aber Modelmaße hatte sie auch nicht. Sie war nicht unbeliebt, aber eben auch nicht auffällig.

Und das war es eben. Niemand registrierte sie, sprach sie an oder lud sie auf Harrys Party ein... Ihr Fluch war einfach dieses verdammte Mittelmaß. Lieber wäre sie richtig hässlich und auffällig gewesen, als so normal und untergehend wie jetzt.

Müde trottete sie zur Schule, da rempelte sie jemand an. "Kannst du nicht aufpassen?", fauchte Kathrina sie an.  "Oh, du bist das Papageichen, das hab ich ja gar nicht gesehen."

Polly verdrehte die Augen. Kathrina hasste Polly aus irgendeinem Grund, und nannte sie immer Papagei oder Papageichen. Einfach nur weil sie so hieß wie Papageien manchmal heißen.

Und das war noch nicht mal wirklich kreativ. Leslie Harper aus der Elften war eigendlich der offizielle "Partypapagei", und so benahm sie sich auch: Cool, lustig, verrückt, ANDERS,... Polly war der lahme Streberpapagei, der höchstens mal auf einem Geburtstag mitgenommen wurde, aber nur gezwungenermaßen dann dort ertragen wurde. Ja, manchmal wäre sie schon lieber etwas mehr wie Leslie gewesen.

Kathrina zog die Augenbrauen zusammen und machte ihren wiederlichen Schmollmund. "Na, warst du gestern gar nicht auf Harrys Party? Achso stimmt, du bist ja nur Polly", säuselte sie und schnappte sich blitzschnell Pollys Ordner. "Was haben wir denn da?"

"Kathrina lass den Scheiß, gib den wieder her!", sagte sie. "So sicher nicht Papageichen! Da, hol ihn dir!", grinste Kathrina und ließ ihren Ordner mitsammt den Heften darin in eine Pfütze fallen. "Hey Mimi", begrüßte sie ihre beste Freundin von weitem uns stolzierte einfach davon.

So eine Bitch! Ärgerlich fischte Polly den triefenden Ordner aus der Pfütze. Der Tag hatte schonmal ziemlich mies anfangen, jetzt konnte es nur noch bergauf gehen.

Sie zwang sich zu einem Lächeln und pustete sich eine Stähne aus dem Gesicht. Heute war schließlich der Tag an dem die Schüler verkündet wurden, die am Schüleraustausch in die USA teilnehmen durften.

Jedes Jahr meldete sich fast die halbe Schule dafür an, auch wenn nur zehn Schüler mitfahren durften. Pollys Eltern verdienten beide nicht viel genug um sich einen Urlaub zu dritt zu leisten, so war sie eben nie aus England weggekommen. Der Austausch war die beste Möglichkeit dafür.

Gedankenversunken lief sie ins Klassenzimmer und stetzte sich neben Linda. Eigentlich waren sie nicht so wirklich befreundet, aber Linda hatte im Grunde auch keine Freunde, und so bildeten sie eine Zweckgemeinschaft um nicht so allein zu sein.

"Hey Polly", murmelte sie leise und sah dabei kaum von ihrem Buch auf. Linda las immer irgendwas. "Hey. Hast du dich auch für die Amerikafahrt angemeldet?"

Linda riss ihren Kopf hoch glotzte sie empört an. "Mit denen fahr ich sicher nicht auch noch vier Wochen in diese rassistische Amihölle! Da werd ich am Ende noch von Trump persönlich erschossen weil ich meinen Kaugummi platzen lass und der denkt ich mach nen Anschlag! Ne danke aber ich will nicht drei Monate nach Guantanamo nur weil ich den Polizisten da ein bischen zu dunkel bin!"

"Schon gut...", meinte sie kleinlaut. Polly konnte sie schon verstehen, denn Lindas Vater Athur war von einem weißen Polizisten erschossen worden als sie vier Jahre alt war. Danach zog ihre Mutter Tiara mit Linda und ihrem Bruder Zachery-Fynn von Chicago nach Larnholm. Eine ziemlich miese Entscheidung, wie Polly fand, denn so ziemlich jeder Ort war spannender als Larnholm.

Linda war eigentlich das Gegenteil von einem Papagei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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