Die Melodie des Niederganges

Lennard, der Sohn eines reichen Staatsanwaltes, führt ein geborgenes, angenehmes Leben, bis es zu einem irrealen Bruch kommt und er sich in einer kriminellen, gnadenlosen Welt wiederfindet, die ihn bedroht, verletzt und an seiner Seele kratzt. Um zu überleben hat er Entscheidungen zu treffen, die in seiner bisherigen Existenz nie eine Rolle spielten. Je mehr er sich der Dunkelheit anpasst, desto weniger ist er in der Lage, das Licht der Normalität zu ertragen.

0Likes
0Kommentare
66Views
AA

1. -Prolog-

Als der Arzt ihn damals fragte, ob er sich der Tatsache bewusst sei, die Realität oft an sich vorbeidriften zu lassen, ohne sich durch ihren Fluss selbst in Bewegung zu setzen, da zeichnete sich dieses seltsame Lächeln auf seinen Lippen ab.
Als junger Mensch, erst seit wenigen Jahren auf den Beinen, offenbarte er doch schon diese bizarre Geste, die auf der einen Seite scheu wirkte und doch immense Stärke und Reife in sich barg. In seinen Augen leuchtete eine wache Aufmerksamkeit, die gegenwärtig blieb und sich nicht verleugnen ließ durch die Tatsache, dass sie die Priorität dessen, das Beachtung verdiente, nach eigenem Ermessen verteilte.
In seiner jungen Seele klaffte ein Abgrund, den niemand zu durchdringen wusste.
Kein Erzieher, der den Jungen ansprach, um ihn aus seiner offensichtlichen Absenz herauszulösen.
Auch nicht der Vater, dessen Sorge sich rasch entwickelte. Er fürchtete, eine Krankheit könnte den Blick des Jungen in die Ferne locken und seine Ohren vor den Lauten der Welt verschließen. Er fürchtete, er würde ihm entgleiten, doch er kannte nicht die richtigen Fragen und scheute sich vor den falschen.
„Was geht dir durch den Kopf, wenn du nachdenklich bist?“, fuhr der Psychiater fort und blickte zu den Händen des Jungen, die einen kleinen Holzwürfel umschlossen.
„Ich denke an nichts“, antwortete er letztendlich und machte dabei den Eindruck, es fiele ihm schwer, die Worte zu finden. „Ich höre nur zu.“
„Einer Stimme?“
„Nein.“
„Geräuschen?“
Und wieder begann der Junge zu grübeln.
Seine Augen verengten sich, als sich seine Lippen vorerst ohne Ton bewegten. Unter dem wachen Blick des Arztes suchte er nach Worten, die zu wichtig schienen, als dass er sich in der Formulierung vergreifen dürfte.
Erst seit kurzem der Sprache mächtig, stellte er hohe Ansprüche an sich und eine lange Stille beherrschte den kleinen, freundlichen Raum, bevor sich das Lächeln des Jungen triumphal vertiefte.
„Melodien“, sagte er dann und hielt dem Blick des Mannes stand. „Ich habe Musik in meinem Kopf.“

*
tbc

Melde dich bei Movellas anFinde heraus worüber alle reden. Registriere dich jetzt bei Movellas und teile deine Kreativität und deine Passion
Lade ...