Just smile

Eli, ein wohlgeratener und heiterer junger Mann, genießt sein High-School-Leben und hat nicht viel mehr Sorgen als zu dieser Zeit üblich. Als seine Klasse einen neuen Kameraden bekommt, glaubt Eli endlich den Menschen gefunden zu haben, der des Titels 'Bester Freund' würdig ist. Sie scheinen kompatibel, eine Freundschaft entwickelt sich rasch, doch je näher Eli ihm kommt, desto widersprüchlicher und seltsamer wirkt er. Irgendwann realisiert Eli, dass er einen Preis für die Freundschaft zu zahlen und eigene Grenzen zu überschreiten hat.
Eine Geschichte über Mut, Verantwortung und die Schritte, mit denen man die sorglose Jugend verlässt.

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1. Prolog

Er war ein Mensch, der grundsätzlich sicher sein sollte vor Fragen des Alltages, die auf Neugierde basierten und doch nur ein Weg waren, sie auf simple Art und Weise zu stillen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich je ein Mensch nach seinen Hobbies erkundigte oder nach allgemeinen Vorlieben. Noch weniger hatte man nach seinem Charakter zu fragen oder nach speziellen Eigenheiten, die er für sich allein beanspruchte, die ihn ausmachten und das Bild seines Wesens mit dünnen, feinen Linien vervollständigten.

Niemand, der auch nur ein wenig Reife besaß, hätte ihn gezwungen, in Worte zu zwängen, was er in sich barg und die Schätze seines Kerns auf fantasielose Art zutage zu fördern. Vermutlich hätte er solche Fragen beantwortet. Nicht ohne ein gewisses Maß an Ernüchterung und im Todeskampf seiner abstrakten Seele zumindest mit Ironie und Witz, doch er hätte sich angepasst und dem von lustloser Neugierde Betroffenen nie auch nur Anlass zu Verlegenheit gegeben.

Ich fragte ihn nie. Die Tiefe seines Kerns ließ sich nur erahnen und umso weniger verlangte es mir danach, ihn um eine Taschenlampe zu bitten, um seine mysteriöse Dunkelheit zu erhellen und mir beiläufig einen Durchblick zu verschaffen. Ich wollte erforschen, was er in sich trug und über Irrwege das erreichen, was sich nicht in Worte formen ließ.

Ein Brotkrumen ging vor meine Füße nieder, als er unsere Klasse am ersten Tag betrat und wie bereitwillig folgte ich der Spur, aufmerksam und dankbar über diese Erfrischung, die rein und kühl in meinen Alltag plätscherte.

Lautlos entsendete sein Grinsen eine Herausforderung, die nur meine Augen zu erreichen schien. Es war keine Geste, die nur seinen Lippen vorbehalten blieb. Verzogen sie sich, erstrahlte sein gesamtes Gesicht, als wollten die Augen mit dem Mund wetteifern. Ich sah immer etwas verschlagenes in seiner Darstellung dieses Ausdrucks. Eine schüchterne Nuance, die doch unmissverständlich hervorzuckte und sich im nächsten Augenblick doch als so fliehend herausstellte, als hätte sie sich im Labyrinth seines Wesens verirrt und den Ausgang zum falschen Zeitpunkt gefunden.

Oft machte er dadurch den Eindruck, über weitaus mehr zu schmunzeln, als ihm die Außenwelt zum Anlass gab. Manchmal grinste er wie ein Kind, reinweg unbefleckt und möglicherweise sogar naiv, da es den Humor der weiten Welt nicht begriff. Zu anderen Zeiten verzog sich sein Mund in der Belustigung eines Wolfes, der ein Lamm auf seiner Flucht straucheln sah. Und wie treuherzig folgten seine Augen diesem Beispiel. Sein Blick driftete weit. Wenn er sich ertappen ließ in Momenten, in denen er seinen Kopf aufleben ließ, schien er so viel mehr zu sehen als die Gebäude, die in weiter Ferne den Horizont bildeten.

Fixierte er einen Menschen mit ungetrübter Aufmerksamkeit, könnte man meinen, Haut und Muskeln würden darin scheitern, die Seele unter sich zu verbergen. Auch mich sah er manchmal an, als würde er durch ein Fenster blicken und die Regungen hinter dem Glas verfolgen wie ein Junge, der sich gleichmütig auf die Fensterbank stützt.

An dem Tag, an dem wir uns kennen lernten, blieb ihm die Rolle des Beobachters versagt. Eine gezielte Betrachtung ist schwer, wenn man im Mittelpunkt steht und neben dem Lehrer, vor sich eine Klasse aus Fremden und hinter sich einen langen Weg. So fügte er sich ein in die althergebrachten Abläufe und beugte sich den Prinzipien. Unscheinbar und tief verborgen unter seinem flüchtigen Redefluss meinte ich Ernüchterung wahrzunehmen, harmonisch vereint mit einer Brise Humor, den seine im Todeskampf vertiefte, abstrakte Seele entsendete. In einem Moment glaubte ich diesen fremden Menschen bereits zu kennen, doch im nächsten und dem ersten Gedanken überaus widersprüchlich, entschied ich mich dazu, das Werkzeug der schlichten Frage bei Seite zu legen und viel mehr nach einer winzigen Schaufel zu greifen, um Stück für Stück freizulegen, was er in sich barg.

Es war im Sommer, als er sich aus der Masse der fremden Namenlosen löste und eintrat in den Kreis meiner Klasse, die seit Jahren dieselbe war. Tagtäglich begegnete man denselben Menschen, von denen man die einen nur grüßte und sich auf die anderen freute. Wir waren befreundet, verschworen, eine Gruppe aus Menschen, jung genug, um dumme Ideen in uns zu tragen und mit ihnen den oftmals grauen Alltag bunt zu gestalten, doch gleichzeitig zu nahe am Erwachsenenalter, um den Ernst den Lebens verleugnen zu können. Es war seit langem dasselbe Ziel, das wir verfolgten und derselbe Weg, den wir gingen und dennoch empfand wohl niemand meiner Freunde das abrupte Auftauchen von Ferris als Eindringen in die gewohnte Intimität der Klasse.

Ich schätze, es war seine Art, die jeden feindseligen Impuls im Keim erstickte und dem sogar zum Trotz das Gefühl vermittelte, er wäre schon lange an unserer Seite. Mit demselben Ziel und demselben Weg. Spätestens als er einen der freien Plätze für sich einnahm und sich somit löste aus dem Punkt der allgemeinen Aufmerksamkeit.

So wurde er ein Teil vom ganzen, tauchte unter und durchbrach die Oberfläche doch sofort mit dem Klingeln der Pausenglocke. Es waren meine Mitschüler, die ihn aus dem Dunkel der Unscheinbarkeit zogen und als wir aus dem Haus strömten und zu schattigen Plätzen im Schulhof, war er bei uns. Seine Finger machten sich an einer widerspenstigen Verpackung zu schaffen, während seine Augen, losgelöst von jeder Konzentration, über die fremden Gesichter schweiften. Sie wendeten sich ihm zu, Worte strömten ihm entgegen und wie schnell  beteiligte sich seine Stimme am Wirrwarr der Sätze, während sein Körper im Schein der Sonne einen schwarzen Schatten warf und unauffällig verblasste, sobald sich die Wipfel der Bäume schützend vor ihn schoben.

Ein Klaps traf seine Schulter, ein Wink lockte seine Augen zur Fassade des Schulhauses, an der die Kunst-AG sich kreativ vergriffen hatte, die Verpackung war immer noch nicht offen und beim nächsten Schritt verlor er einen seiner Flip-Flops. Ich hörte ihn stöhnen, als ich an ihm vorbeischlappte und er noch mit seinem Schuhwerk kämpfte.

Er war mir von Anfang an sympathisch.

 

-tbc-

 

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