Tagebuch eines Besessenen

Nach einem seltsamen Urlaubserlebnis wird ein junger Student von Kräften heimgesucht, die ihn seine psychische Gesundheit infrage stellen lassen. Um mit den seltsamen Begebenheiten besser fertig zu werden, schrieb er dieses Tagebuch.

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Author's note

Dies hier ist meine erste Veröffentlichung auf dieser Website und ich würde mich über jeden Leser freuen, mehr noch über jede Form von Kommentar oder konstruktive Kritik. Falls die Geschichte gut ankommt werde ich noch weitere Kapitel hier veröffentlichen. Ich habe bereite ein paar Ideen in welche Richtung das ganze gehen könnte, aber ohne Leser macht das Schreiben nun einmal nur halb soviel Spaß ;)
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2. Eintrag 15.1.2018

Eintrag 7 15.1.2018

Ich lebe jetzt seit 3 Monaten mit diesen nächtlichen Ausflügen. In dieser Zeit ist viel passiert. Zunächst einmal hatte ich den Bauern wiedergesehen. Ich hatte mir ein Fahrrad gemietet und war an seiner Farm vorbeigefahren. Sein rechter Arm fehlte und eine junge Frau, seine Tochter, vielleicht sogar Enkelin half ihm bei der Arbeit. Beinahe wäre ich abgestiegen um den beiden zu helfen. Nicht dass ich es irgendwie hätte wiedergutmachen können. Es war hart am Anfang, aber ich glaube mittlerweile kann ich mir selbst gegenüber so etwas wie Vergebung empfinden. Vielleicht habe ich mich aber auch nur angefangen mich an die Schuld zu gewöhnen, so wie ich mich auch an meinen Dämonen und das Jagen immer mehr gewöhnte. Ich musste nur aufpassen, dass ich nie vergaß wozu dieses Ding fähig ist. Abgesehen davon war ich noch zu einer unangenehmen Realisierung gekommen:
Ich war nicht das einzige, seltsame Ding da draußen. Lange Zeit bin ich nachts durch unbekannte Wälder gerannt, im dem festen Glauben mein Dämon wäre das größte und fieseste Raubtier in ganz Deutschland... und warum auch nicht?
Was sollte ihn angreifen? ein Wolf? Ein Bär?
Im Körper dieses Monster könnte ich einen Wolf in zwei Teile reißen und auch ein Bär hätte keine 20 Sekunden gegen mich durchgehalten. Jäger roch und sah ich lange bevor sie mich sahen, so dass ich denen immer Ausweichen konnte, mehr zu ihrer Sicherheit denn zu meiner...
Dennoch, vielleicht war ich zu vorschnell.
Bis jetzt hatte ich nichts gesehen das wirklich gefährlicher war als mich beziehungsweise meinen Dämon -aber verdammt noch eins- es gab seltsamere Dinge als mich.
Die Sichtungen dieser Dinge waren zeitlich sehr miteinander verworren, also hab ich mich entschieden anstatt chronologisch vorzugehen über jede… Anomalie? einen eigenen Eintrag zu machen:

Anomalie 1: Einmal zwei halbe Hänchen
Die erste Anomalie entdeckte ich auf dem Weg durch ein hohes Maisfeld. Während ich wie schon oft zuvor den Spuren eines Traktors folgte, sah ich flüchtig wie etwas Kleines hinter mir aus dem dichten Vorhang der Maispflanzen trat. Ich hielt an um einen genaueren Blick darauf zu werfen. Es sah aus wie ein ausgewachsener Hahn. Das Tier schien normal zu laufen, aber aus irgendeinem Grund konnte ich nur ein einziges Bein erkennen.  Als ich darauf zu ging bemerkte der Hahn meine Anwesenheit und schaute in meine Richtung. Für einen Moment dachte ich meine Augen würden mir einen Streich spielen, dass sich die Bilder von den vielen Augen in meinem Kopf falsch zusammensetzten...
Der Kopf des Hahnes sah aus als wäre er ab der Mitte weggeschnitten, so glatt und eben als hätte jemand das Bild vor meinen Augen digital bearbeitet. Er fing am auf mich zu zukommen und es wurde klar das nicht nur der Kopf, sondern die ganze rechte Seite des Tieres fehlte. Noch immer führte das linke Bein eine normale Gehbewegung aus, als wüssten weder der Hahn noch die Gesetze der Physik, dass sein rechtes Bein fehlte. Wir blieben etwa anderthalb Meter vor einander stehen. Der Hahn legte den Kopf schief, ich legte meinen Oberkörper ein wenig schief -ein fleischfressender Dämon und ein halbes Hänchen, die sich gegenseitig anglotzten wie um zu entscheiden wer der größere Freak war. 
Das Ende meines Schwanzes wickelte sich um das Bein des Tieres und ich hob es hoch um einen genaueren Blick darauf werfen zu können. Betrachtete man den halben Hahn von der Seite sah man im Grunde genau das, was man erwartet hätte, würde man so ein Tier genau in der Mitte durchschneiden. Es war faszinierend mit ansehen zu können, wie die einzelnen Organe arbeiteten, wie zum Beispiel der Herzmuskel pulsierte, wie kleine Körner in seiner Magensäure umherschwammen oder wie sich die Zunge im Schnabel bewegte, als das Tier leicht verärgert zu gackern anfing. Plötzlich kam ein zweiter halber Hahn aus dem Feld gerannt, möglich das es nur die andere Hälfte desselben Tieres wahr. Mit nur einem Flügel flatternd sprang das zweite Federvieh mich an und pickte energisch gegen das transparente Chitin, welches das Auge an meiner linken Schulter schützte. Ich störte mich nicht daran und betrachtete noch ein wenig das wilde Treiben im inneren der Hälfte, die ich bereits gefangen hatte. Nach einer Weile wurde mir langweilig und ich ließ das halbe Hänchen wieder runter. Die beiden seltsamen Flügeltiere verschwanden zügig im dichten Gemenge des Maisfeldes.
Für einen Moment hatte ich darüber nachgedacht die... beiden? Tiere zu essen, aber wer weiß schon was das für Auswirkungen gehabt hätte…

 

Anomalie 2: Der Glühwürmchenmann.

Ich wusste es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, doch das erste Mal, dass ich dieses seltsame Geschöpf gesehen hatte war auf meinem dritten Jagdausflug. Während ich den großen Hirsch vertilgte, den ich gerade erlegt hatte sah ich wie hinter mir ein leuchtender Fleck auftauchte. Der Fleck entpuppte sich als eine Scharr von Glühwürmchen, die in einem kleinen Astloch herumflogen und herumsaßen. Solche Astlöcher sah ich von da an öfter und ich kam nicht umhin mich beobachtet zu fühlen von gelblich leuchtenden Augen in der Dunkelheit. Irgendwann waren es dann zwei Augen, die im Kopf einer Gestalt saßen, die hinter einem Baum hervorlugte. Ich brüllte in seine Richtung, mit einer Stimme so tief und laut wie ein Donnerschlag. Der Fremde verschwand fürs erste, doch als ich das nächste Mal meine Beute fraß war er wieder da. Ich beschloss ihn zunächst zu ignorieren. Er starrte einfach nur, während ich mein Mahl vollendete und sah mir nach, als ich nach Hause ging. Ich rannte einen kleinen Umweg, um sicherzugehen, dass ich nicht verfolgt wurde. Für ein paar Wochen ging das so weiter, manchmal fauchte ich um ihn zu verscheuchen doch ab einem gewissen Punkt funktionierte das nicht mehr. Irgendwann kam er dann auf mich zu und ich sah die Gestalt in all ihrer Hässlichkeit. Sein Umriss war humanoid, doch der ganze Körper bestand halb verrotten Holz das von einer immensen Anzahl an Maden, Holzwürmern und Insekten durchsetzt war. Einige Glühwürmchen hinkten manchmal ein wenig hinterher, was den Löchern, die seine Augen bildeten eine Art Schweif verschaffe als es mit langsamen, robotischen Schritten näherkam. Ich fauchte mehrmals, doch der Glühwürmchenmann verlangsamte seinen Schritt nicht. Irgendwann reichte es mir dann und ich trat vor den Rest meiner Beute. Der rechte Unterarm des Wesens wuchs zu einer groben Spitze zusammen. Ich beobachtete das Schauspiel mehr fasziniert denn beängstigt. Die hölzerne Figur sah meinen Kopf an, holte aus und das morsche Holz der schwachen Waffe zersplitterte kurz darauf an der Chitinpanzerung meiner Brust. Verwundert sah das Ding auf den Stumpf seines Armes ehe es wieder zu meinem Kopf hinaufsah und den Kopf zur Seite legte. Ich trat einen Schritt zurück um richtig ausholen zu können und verpasste diesem unverschämten Stück Treibholz einen Prankenhieb der seinen ganzen Oberkörper in feuchten, groben Holzspänen über dem Waldboden verteilte. Die Glühwürmchen verteilten sich und formten 4 Gruppen, von denen jede in einen anderen Baum hineinflog. Für einen Moment verschwanden sie darin, ehe die Betroffenen Bäume zu verrotten begannen und sich aus dem gammelnden Holz neue Glühwürmchenmänner bildeten. Mit geschwollener Brust und ausgebreiteten Schwertarmen richtete ich mich zu meiner vollen Größe auf, brüllte wild in die Nacht hinein. Ich hätte eine Armee dieser Witzfiguren besiegen können und was immer sie kontrollierte durfte das ruhig wissen. Die Holzfiguren verloren nach ein paar Schritten den Mut und 3 davon versanken wieder in den Bäumen, aus denen sie gekommen waren. Ihre Glühwürmchen flogen in die Augen der Vierten, ehe diese sich langsam entfernte. Damit sah ich fürs erste nichts mehr vom Glühwürmchenmann.

Einmal kam ich dann nach einem anstrengenden Tag nach Hause. Die Nacht davor war ich jagen gewesen und der resultierende Schlafmangel hatte seinen Tribut gefordert. Ich wollte mich einfach nur noch aufs Bett werfen. Als ich dann geistesabwesend die Tür hinter mir schloss stieg der Hauch eines modrigen Aromas in meine Nase. In meinem Hinterkopf ging eine Alarmglocke an und eine Welle der Panik spülte alle Spuren von Müdigkeit umgehend aus meinem System. Ich ließ meine Tasche fallen, wirbelte herum und sah ein spitzes Stück Holz auf mein Gesicht zuschießen. Mein Kopf legte sich gerade noch weit genug zur Seite damit die Spitze unter meiner linken Schläfe an meinem Schädel entlang kratzte, auf ihrem Weg mein Ohr mitnahm um schließlich an der Tür zu zerschellen. Für den Bruchteil einer Sekunde starrte ich in die grellen, sirrenden Augenhöhlen des Monsters, ehe ich versuchte zur Seite zu verschwinden. Ich versuchte unter dem Arm hindurch zu schlüpfen, doch eine hölzerne Hand hatte meinen rechten Oberarm gepackt. Die Holzfigur riss uns beide zu Boden und im nächsten Moment saß sie auf mir, fest damit beschäftigt mit beiden Armen auf mich einzuschlagen. Meine Arme bildeten eine Barriere gegen die schweren Holzklumpen, die im doppelten Sekundentakt auf meinen Kopf abzielte und aus dem Augenwinkel konnte ich über meine Brust hinweg sehen wie mit jedem Einschlag Gewürm aus dem fauligen Körper des Feindes auf meine Bauchdecke viel. Plötzlich schoss etwas Langes unter meinem Rücken hervor und die Klinge am Ende eines fleischigen, unfertigen Schwertarmes hackte halsnah von oben in die Schulter des verfaulten Wesens und drückte uns beide voneinander weg. Ein hölzerner Stumpf schlug gegen die unterentwickelte Gliedmaße und die Klinge brach ab. Ich zwang mich auf die Beine. Blut strömte von meinem Kopf aus meinen Hals hinunter.

Ich warf einen Blick auf den Schwertarm, wo die Klinge bereits begann nachzuwachsen. Auf der Suche nach einer Waffe fiel mir auf, dass all meine Möbel verschwunden waren. Die einzigen Objekte im Raum, neben meiner nun vergammelten Matratze waren meine Mikrowelle und meine Laptoptasche - beide waren näher an der Holzfigur als an mir.
Ich brauchte eine Waffe... 
Verzweifelt starrte ich auf meine Hände hinunter.
"Gib mir etwas, irgendetwas.." dachte ich.
Die Muskeln meines linken Arms begannen etwas anzuschwellen und von den Knöchel der zugehörigen Hand bildeten sich harte Chitinplatten die sich bis über das erste Fingerglied erstreckten. Als der Prozess abgeschlossen war, befand sich die Holzfigur wieder in Nahkampfreichweite, diesmal mit 2 Spitzen Holzspießen. Ich hatte nie Kampfsport gelernt, doch das Monster war glücklicherweise auch nicht besonders gut darin. Die umständliche Art und Weise auf die es seine Angriffe vorbereitete machte es einfach sie voraus zu sehen, wodurch es nicht allzu schwer war dem Stoß seines rechten Armes nach links auszuweichen um Ihm meine gehärtete Faust in sein madenzerfressenes Gesicht zu donnern.
Der harte Aufprall verteilte Holzspäne sowie teilweise zerquetschtes Gewürm im Raum und ließ uns beide voneinander weg taumeln. Für eine Sekunde konnte ich das Ende meines Schwertarmes sehen, spitz und ausgewachsen. Ich stoppte mein Taumeln um mich stattdessen nach vorn in Richtung der Holzfigur fallen zu lassen. Der Dämon verstand was ich tun wollte, holte kurz aus und versenkte die frisch geformte Klinge in der Brust meines Gegners, knapp unterhalb der ersten. Ich war unterdessen auf Händen und Knien gelandet, eine Position, von der aus ich schnell wieder auf die Beine springen konnte, was ich aber nicht tat. Letztes Mal hatten wir den Glühwürmchenman besiegt indem wir seinen Torso zerstörten...
Dieser Gedanke war ausreichend. Mein Dämon verstand was ich tun wollte. Ich stieß meinen Oberkörper nach oben, brachte meinen linken Fuß auf den Boden um mich selbst nach vorne abzustoßen, während mein verstärkter Arm zum Schlag ausholte und sich auf der rechten Seite meines Körpers der Schwertarm zusammenzog. Zwei Körper, einer aus Fleisch, einer aus Holz rasten aufeinander zu und diese Relativbewegung war es die meinem Schlag die nötige Kraft gab um den gammligen Torso in einer spektakulären Explosion aus Holzspähen, Krabbel- und Kriechtieren in der gesamten Wohnung zu verteilen. Ich landete auf meinem Rücken mit allerlei abartigen Dingen im Gesicht, die ich zügig an meinem rechten Arm abwischte. Mein Linkes Hand Gelenk ließ sich kaum bewegen und würde später sicherlich furchtbar weh tun. Irgendwie lebte das verdammte Ding immer noch. Der Kopf war abgefallen, doch in der verbliebenen, linken Seite des Torsos hatte sich ein neues leuchtendes Astloch gebildet. Ich rollte beiseite als es sich mit dem verbliebenem holzspieß auf mich stürzte. Nun lagen wir beide nebeneinander auf dem Boden. Auch der Dämon hatte mittlerweile endgültig genug.  In einer Weise die sich am besten mit dem Wort "entnervt" beschreiben ließ hakte der Schwertarm wieder und wieder in das Holzmonster. Ich selbst war so erschöpft, dass ich den Dämon einfach machen ließ. Nach vielleicht 15 Hieben war das Ding dann endlich erledigt. Die Glühwürmchen verschwanden zügig und ich... 
Ich rollte mich müde auf den Rücken.

So lag ich nun da, blutend, mit einem kaputten Handgelenk, von Blutergüssen übersehen Oberarmen inmitten der von modrigen Holz und Gewürm durchsetzen Ruine, die ich einst mein Zuhause nannte. Eine Minute später hämmerte ein Nachbar an meine Tür und fragte was zur Hölle ich da drinnen tat. Ich sagte ihm, dass er sich verpissen soll. Mit etwas Glück würde der Dämon meine Wunden heilen... aber wie sollte ich die Schäden an der Wohnung bezahlen? Die Möbel gehörten mir nicht, und darüber hinaus fehlte auch der halbe Fußboden. Mir wurde klar, dass mit meiner Kommode auch der Rest meiner Kleidung verschwunden war…
Nachts zog ich dann wieder in den Wald hinaus. Es war das erste Mal, dass ich mich verwandelte ohne auf Nahrungssuche zu gehen. Glücklicherweise verspürte der Dämon mindestens genauso viel Wut wie ich, kooperierte also ohne Umwege. Ich jagte durch den Wald bis ich irgendwann den allzu bekannten Schein der Glühwürmchen fand. Es war nur ein einziges Astloch, doch ich zerfetzte es mit einer Wucht, die beinahe den ganzen Baum gefällt hätte. Die kleinen Lichter flogen weg und erst als ich versuchte sie zwischen meinen Händen zu zerquetschen bemerkte ich, dass es sich dabei nicht um Insekten handelte: Es waren scheinbar quellenlose Lichtpunkte, die einfach wieder zwischen meinen Handflächen hervorkamen wann immer ich sie zu erschlagen versuchte. Anstatt davon zu fliegen suchten sich sie Lichter immer wieder neue wirtsbäume, aus denen ich jedes Mal große Stücke herausschlug. Diese Katz und Maus Spiel zog sich für Ewigkeiten hin, doch ich dachte nicht daran nachzugeben. So gierig wie es sich neue Wirtsbäume suchte brauchte es diese mit etwas Glück zum Überleben. Am Anfang sah es noch nicht aus als ob es funktionieren würde, aber nach ein paar Stunden war ich mir sicher, dass die Lichter ein wenig schwächer geworden waren. Die Jagd zog sich über den ganzen nächsten Tag bis in den Abend hinein. Es war vielleicht noch ein Viertel der Lichter übrig, da traf mich der Hunger des Dämons, härter als jemals zuvor. Er musste es schon eine ganze Weile unterdrückt haben, doch irgendwann musste das Verlangen sich zu nähern einfach über seinen Zorn hinausgewachsen sein. Wir brachen die Verfolgung ab und begaben uns auf Nahrungssuche. Zunächst fanden wir nur ein paar Kaninchen, einen Fuchs und drei Vögel. Erst kurz vor Sonnenaufgang fand ich dann doch noch einen einsamen Hirsch, der meinen Appetit zu stillen vermochte. Ich war zur Hälfte Fertig und fraß bald mehr aus Genuss denn aus Notwendigkeit. Plötzlich sah ich eine Figur mit glühenden Augen in mein Sichtfeld treten. Für einen Moment konnte ich kaum fassen, dass dieses verdammte Stück Treibholz wirklich die Nerven hatte mir noch einmal unter die Augen zu treten. Seine Körperhaltung war etwas geknickt und die Lichter in seinen Augenhöhlen waren schon wieder halb so groß wie sie zu Anfang waren. Nun da der Hunger wieder verschwunden war fühlte ich meine Erschöpfung umso mehr. Noch einen weiteren Tag lang Bäume zerfleddern war da nicht drin.
Für eine Weile musterte ich das Waldmonster. Es sah mindestens genauso erschöpft aus wie ich mich fühlte... 
letztendlich riss ich eine Keule von dem Hirsch ab und warf sie dem traurigen Wandelbaum vor die Füße. Er hob das Stück Fleisch auf und drückte es an seine Brust. Ich beobachtete eine Weile wie die Maden aus allen Winkeln seines Körpers darüber herfielen ehe ich den Rest des Hirsches fraß. Als ich fertig war, hatten die Maden erst einen relativ kleinen Teil des Oberschenkels gefressen. Zweifelsfrei würden sie noch Stunden damit zu tun haben. Ich ging nach Hause. Es war so kurz nach sieben als ich ankam. Um in meiner Dämonenform wieder durchs Fenster hinein zu springen war das bereits zu spät. Glücklicherweise hatte ich für Notfälle wie diesen einen Beutel mit Kleidung sowie einem Zweitschlüssel hinter einem Baum nicht zu weit von meiner Wohnung vergraben. Also zog ich mich an, holte meine Laptoptasche und ging zum Unterricht. Der Laptop war das wertvollste in meinem Besitz. Mein älterer Bruder hatte ihn mir letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt. Er arbeitet in der Pharmaindustrie und ist damit der einzige in meiner Familie, der ordentlich Geld verdient. Während ich die Vorlesungen nutzte um ein wenig Schlaf aufzuholen, verbrachte ich die erste Pause damit ähnliche Laptops auf Ebay zu suchen. Der übliche Verkaufspreis wäre vermutlich genug um für die Schäden aufzukommen. Selbstverständlich war das zunächst nur das letzte Mittel, teils weil ich ihn zum Arbeiten brauchte aber hauptsächlich, weil er mir aus diversen Gründen echt am Herzen lag. Die letzten beiden Vorlesungen verbrachte ich damit herumzurechnen, mit meinen Bafög, den Preisen für Fußbodenbeläge, Teppich und Möbel...
Am Ende kam ich zu dem Schluss, dass es das vernünftigste war den Laptop zu verkaufen und danach auf einen neuen, günstigeren zu sparen.  In der Zwischenzeit würde ich gezwungen sein für Hausarbeiten die Rechner in der Bibliothek zu nutzen. Alles musste genauso aussehen wie vorher, bevor mein Vermieter etwas mitbekam. Als ich am späten Nachmittag wieder nach Hause, kam sah ich ein paar leuchtende Punkte, die durch das Schlüsselloch ins Innere meiner Wohnung huschten. Eine Mischung aus kalter Wut und Verzweiflung kochte in mir hoch. Ich starrte auf meine rechte Hand und sie begann sich zu verändern. Innerhalb von 30 Sekunden hatte sie sich in eine Pranke des Dämons verwandelt, komplett mit dicken Panzerplatten aus Chitin und langen rasiermesserscharfen Krallen. Mit meiner linken Hand öffnete ich die Tür, die rechte zum Schlag ausgeholt. Was ich sah machte mich sprachlos. Das Zimmer sah beinahe wieder wie vorher aus. Alle Möbel waren an ihrem Platz, die Holzsplitter sowie alle Würmer, Maden und Insekten waren weg. Selbst die modrigen Flecken in meiner Matratze und dem Bettzeug waren verschwunden. Allein ein Teil des Teppichs und meine Kleidung fehlten noch, damit alles wieder beim alten wäre. Ich nahm an das diese irreparabel zerstört wurden, als der Glühwürmchenmann Holz aus dem Boden und der Kommode absorbiert hatte, aber diesen Verlust konnte mein Budget verkraften. Interessanter Weise befand sich auch etwas im Raum, dass vorher nicht dagewesen war. Eine sehr detailreiche Holzskulptur, wie sie nur ein meisterhafter Schnitzer mit viel Geduld hätte herstellen können, stand auf dem Tisch neben dem Fenster. Sie zeigte einen Soldaten, der zu Fuße eines kahlen Baumes saß und einem Hund etwas zu essen gab.
Als ich die Skulptur vorsichtig näher in Augenschein nahm viel mir eine große Wolke Glühwürmchen in einem der Bäume vor meiner Wohnung auf, etwas größer sogar, als die, die ich bei unserer ersten Begegnung gesehen hatte. Ich öffnete das Fenster und winkte mit einem peinlich berührten Lächeln auf den Lippen. Seitdem gebe ich jede zweite Jagd etwas von meiner Beute ab und finde jedes Mal eine neue Skulptur in meiner Wohnung vor. Die letzte waren zwei Freunde, die miteinander spazieren gingen.

 

Anomalie 3: Das wandernde Gewässer
Mit dieser Anomalie hatte ich bisher zwei Begegnungen die relativ weit auseinander liegen. Das erste Mal war irgendwann im späten Oktober. Ich durchquerte gerade einen Bereich des Waldes, mit dem ich bereits ziemlich vertraut war als mir plötzlich ein kleiner Teich auffiel, der dort eigentlich nicht sein sollte. Das überraschend klare Gewässer hatte einen annähernd runden Umriss mit einem Durchmesser von vielleicht 8 Metern. In beinahe regelmäßigen Abständen waren 5 große Steine um den Rand herum verteilt. Ich ging ein paar Schritte darauf zu als mich der Dämon aufhielt. Er vermittelte mir ein Gefühl von Argwohn, drohender Gefahr und Ekel, noch nie war er näher daran gewesen so etwas wie Angst zu empfinden. Auch Ekel war etwas, dass er normalerweise nie empfand, oder mich zumindest nie spüren ließ. Ich hatte also keinerlei Ahnung was ich erwarten sollte. Verunsichert entschied ich mich einen großen Bogen darum zu machen. Was immer mit diesem Teich falsch lief, ich hatte keine Lust es herauszufinden. Die Jagd darauf ging ich wieder an der Stelle vorbei wo der Teich gewesen war. Genauso plötzlich wie er aufgetaucht war, musste er wieder verschwunden sein. Ich wollte gerade weiter gehen. Da sah ich etwas im Mondlicht aufblitzen, etwa dort wo sich die Mitte des Teiches befunden haben musste. Ich näherte mich vorsichtig um dem Dämon die Gelegenheit zu geben mich aufzuhalten. Nichts der Gleichen passierte und ich erkannte blad deutlich was da vor mir im hohen Gras lag. Es war ein Fisch. Zunächst konnte ich durch die Pflanzen, in denen er lag nur seine Schwanzflosse sehen, aber als ich ihn hochhob starrten mich auf einmal durch eine transparente Schädeldecke hindurch zwei geisterhafte Kugeln an. Wieder so ein Moment in dem ich wirklich bereute mein Smartphone nicht dabei zu haben. Der Dämon wurde ohnehin nur satt, wenn er die Beute selbst erlegt hatte, also verscharrte ich das komische Ding im Waldboden. Zuhause fand ich dann heraus, dass diese Art Fisch nichts Paranormales war. Sie war treffender weise als „Gespensterfisch“ bekannt und lebte normalerweise im Ozean, in Tiefen von bis zu 2000 Meter.  Könnte dieser Teich eine Art Portal sein? Eine Verbindung von hier zu irgendwo tief im Meer?

Ein Grund mehr sich davon fernzuhalten…

Das zweite Mal war sah ich es erst letzte Woche. Wieder an einer anderen Stelle, wieder riet mir der Dämon mich fernzuhalten. Alle anderen Gewässer waren zugefroren, nur nicht dieses, tatsächlich schien es zu kochen. Ich hatte bereits etwas gefressen und beobachtete das Schauspiel eine Weile lang. Nach etwa 5 Minuten schoss ein gewaltiger Geysir aus dem Teich hervor, bestimmt 20 Meter in die Höhe.

Mit all den Dingen die Ich jetzt in weniger als einem halben Jahr gesehen und erlebt habe kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass Anomalien andere Anomalien anziehen. Möglicherweise erklärt dies auch das Flötenspiel, das wir in Spanien gehört haben. Nur ein weiterer Geist/Dämon/Kreatur die von dem Dämon in mir angezogen wurde, vielleicht aus Neugier, vielleicht aus Feindseligkeit. Möglicherweise kommt mir dies alles aber auch zufälliger vor als es war. Es könnte sehr wohl Zusammenhänge geben, die mir noch unbekannt waren. Auf jeden Fall muss ich noch einmal zu dieser Höhle zurückkehren. Die Prüfungszeit wird bald losgehen, danach muss ich schauen, dass ich bis zum Ende der Ferien genug Geld für einen Flug zusammenbekomme…

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