Von Haien und Haustieren

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  • Jugendschutz:
  • Veröffentlicht: 14 Jun 2018
  • Aktualisiert: 14 Jun 2018
  • Status: Fertig
Eine Jagdgeschichte zu dem Rollenspiel Vampire: The Masquerade
Die Toreador zieht los, denn der Hunger nagt an ihr. Es wird Zeit, das Tier in sich zu füttern.

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2. Unterwegs

Der Hunger durfte nicht die Oberhand gewinnen. Sie kontrollieren. Er schwamm wie ein Schatten immer mit ihr mit. War in der Nähe und beobachtete sie. Es gab Nächte, da wusste sie nicht, wer, nach wem Ausschau hielt. War sie der Hai, der nach dem Jäger suchte, oder saß sie in dem Boot, darauf bedacht, nicht dem Hai zum Opfer zu fallen? Egal wie sie es drehte, es ging immer um Blut. Ahab und sein Wal. Brody und sein Hai. Locke und seine Insel. Sie wollte nicht die Person sein, die alle 108 Minuten eine Taste drückte. Sie war die Insel. Ihr Körper, war ihre Insel und der Hunger schwamm in dem türkisfarbenen Meer drum herum. Sie blieb stehen und neigte den Kopf. Sie brauchte einen Inselbewohner. Dringend.
Sie schaute sich um und schüttelte den Kopf. Mit dieser Stadt würde sie nie Freundschaft schließen. Sie kannte ein paar Eckpunkte und fand sich grob darin zurecht. Doch zu Fuß, zwischen den Straßen und Häusern eilend, hatte sie überhaupt keinen Überblick mehr, wo sie war. Vor allem nicht, wenn sie so gedankenverloren durch die Nacht eilte. Missmutig zückte sie ihr Smartphone und rief die Karte auf. Sie hatte Glück. Oder auch nicht. Der Ravensberger Park war nicht weit weg. Sie kannte den Park vom Namen her. Es gab dort öfters Veranstaltungen, eine Diskothek oder Club und halt eben viel Grün. Sie kannte ihn aus Sams Erzählungen. Man fand zwar immer etwas zu Essen, konnte deswegen aber auch schnell auf einheimische Haie treffen. Vor allem in dieser Stadt.
Sie wählte den anderen Weg. Fort vom Park und den Lebenden, den Lachenden, den Traurigen und Einsamen. Prüfend sah sie sich um. Hoffte unentdeckt zu bleiben. Unauffällig. Langweilig. Nicht interessant für andere. So schlüpfte sie an dem Tor vorbei. Sich vergewissernd, dass niemand ihr folgte, bis die Schatten der Bäume wie ein Mantel sich über sie legten und willkommen hießen. Nur die Toten suchen ihresgleichen auf. Vor allem bei Nacht. Andächtig schritt sie die Reihen ab. Ließ ihren Blick über die Namen gleiten. Jung, alt, männlich, weiblich. Der Tod machte vor niemandem halt.

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