Von Haien und Haustieren

  • von
  • Jugendschutz:
  • Veröffentlicht: 14 Jun 2018
  • Aktualisiert: 14 Jun 2018
  • Status: Fertig
Eine Jagdgeschichte zu dem Rollenspiel Vampire: The Masquerade
Die Toreador zieht los, denn der Hunger nagt an ihr. Es wird Zeit, das Tier in sich zu füttern.

0Likes
0Kommentare
35Views
AA

1. Das Haustier

Der Regen der letzten Tage hatte dafür gesorgt, dass es sich abkühlte. Über der Stadt lag keine drückende Schwüle mehr. Dafür fegte jetzt ein frischer Wind durch die Häuserschlucht und trieb die Feierwütigen und Nachteulen zurück in die Bars und Clubs, wo sie sich ihrem Vergnügen hingaben. Nicht wissend, welcher Gefahr sie sich Nacht für Nacht aussetzten, in dem sie zu viel tranken, zu wenig wusste und sich ahnungslos mitnehmen ließen. Wie ein Haustier, das man im Schaufenster sah und unbedingt haben wollte. Weil es putzig aussah, niedliche Augen hatte oder tapsig vor einem herstolperte. Bis man es dann in den Armen hielt und der Geruch nicht zu dem Aussehen passte. Die Augen von Alkohol und Drogen blutunterlaufen. Das tapsige Taumeln zu einem trunkenen Torkeln wurde und man aufpassen musste, das er einem nicht die Jacke zerriss, weil er sich daran festhielt. Die unbeholfenen Pfoten zu gierigen Pranken wurden und einem auch den letzten Rest Freude an dem einst süßen Gefährten raubten. Nichts war mehr so, wie früher.

Sie ließ ihn, sich an einer Häuserwand übergebend, zurück, verschwand rasch hinter der nächsten Ecke, und versteckte sich zwischen den dunklen Eingängen, in der Hoffnung, das Hündchen würde ihr nicht Folgen. Sie hatte ihn gelockt, gefüttert, mitgenommen und ausgesetzt, ohne überhaupt großartig mit ihm gespielt zu haben. Zu schnell hatte er sie gelangweilt. Sein gefälliges Äußeres, das schöne volle Haar, sein Lächeln, alles nur Fassade. Einstudiert um zu Gefallen. Aufzufallen. Er hat studiert. Will demnächst einen Flugschein machen. Das kommt immer gut an. Ein Werbelächeln. Er hat gute Chancen. Ein vielversprechender Augenaufschlag. Der CEO, der sonst nie in die Abteilung kommt. Keiner hat ihn dort je gesehen. Der kam zu ihm. Gewinnerlächeln. Ein Glas Sekt für die Dame. Den Teuren. Er sieht das als Chance. Noch zwei Jahre, vielleicht drei. Dann geht er in die Schweiz. Dies ist schließlich nur eine Stufe in seinem Lebenslauf. Besitzergreifendes Tätscheln. Es war so einfach. Wie in einem Drehbuch. Wollen wir nicht zu mir? Da ist es ruhiger und bequemer. Sicherlich. Lächeln. Nicken. Der Hunger freute sich auf dieses kleine Festmahl. Angerichtet in Gucci und Boss. Dekadent platziert auf seidigen Laken, wäre es der ideale Snack gewesen. Deswegen schrie und wandt ihr Hunger sich beleidigt. Trat nach ihr aus, wollte zurück zu dem Hündchen. Der sicheren Beute. Doch ihr war der Appetit nach falscher Freundlichkeit vergangen. Eilig ging sie weiter, verbannte den Hunger in seine Ecke. Er würde schon noch auf seine Kosten kommen. Das wussten sie beide. Sie sorgte immer rechtzeitig dafür.

Melde dich bei Movellas anFinde heraus worüber alle reden. Registriere dich jetzt bei Movellas und teile deine Kreativität und deine Passion
Lade ...