Die Killer des Paten - Die Wölfe II

Seit gut einem Jahr arbeitet Enrico nun schon für die italienische Mafia und kann sich noch immer nicht an seinen Job als Killer gewöhnen. Dafür ist alles andere genau sein Ding:
Schnelle Motorräder - super
Klauen was nicht niet und nagelfest ist - kein Problem
Beim Pokern betrügen - leichteste Übung
Im Midnigtsclub von den hübschen Frauen verführen lassen - nein Danke
Sein heißer Leibwächter Antonio ist ihm lieber. Wenn da nur nicht der Mist mit der Alibi-Freundin wäre. Ob die Tochter des Paten zu schwängern, da wirklich eine gute Idee ist?

Nicht abgeschlossen - in Arbeit:
10. Kapitel: ~Böses Erwachen~ [in Planung ...] - Status: 0%

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6. 6. Kapitel ~Falsches Alibi~

Noch mehr als sonst, graut es Jan heute vor dem Tag im Präsidium. Lui wieder zu sehen und mit ihm zusammen arbeiten zu müssen, das geht ihm jetzt schon auf die Nerven. Vielleicht sollte er seinen Vater bitten, ihm einen anderen Partner zuzuteilen, am besten heute noch. 
Mit den Händen in den Hosentaschen, betritt Jan das Präsidium. Automatisch gleitet sein Blick zum Schreibtisch Luis. Auf einem schmucklosen Holzstuhl, sitzt vor seinem Partner ein alter Mann mit ergrautem Haar. Er trägt einen zerdrückten, schwarzen Hut, sein Gesicht ist fleckig und ein langer Bart ziert Kinn und die Wangen. Seine Kleidung ist dreckig und an vielen Stellen geflickt. Die Hände stecken, trotz der Sommerhitze, in hellbraunen Handschuhen, die an den Fingerkuppen abgeschnitten sind. Er gestikuliert wild, während er spricht. Lui zeichnet mit Bleistift auf einem weißen Block. Als Jan näher kommt, kann er die Zeichnung eines Gesichtes erkennen. Neben dem Schreibtisch seines Partners bleibt Jan stehen und sieht Lui über die Schulter. Auf dem Tischplatte liegt noch eine Zeichnung, die Lui bereits fertiggestellt hat. Jan nimmt sie an sich, um sie genauer betrachten zu können. Die markanten Augen und die zerzausten Haare. Irgendwo hat er dieses Gesicht schon mal gesehen. Von der Zeichnung in seinen Händen, wandert Jans Aufmerksamkeit auf Luis Block. Lange dunkle Haare, ein markantes Gesicht, nehmen immer mehr Gestalt an. Während Jan noch darüber grübelt, warum ihm auch dieses Porträt bekannt vor kommt, verabschiedet sich Lui von dem Zeugen: „Vielen Dank! Sie haben uns sehr weitergeholfen.“ Lui kramt aus seiner Hosentasche einen zehn Dollarschein und reicht ihm den bettelarmen Mann. „Hier, kaufen sie sich davon eine warme Mahlzeit!“ Der Bettler nickt dankend und nimmt das Geld mit zitternden Händen entgegen. Er hebt den schmutzigen Hut vom Kopf, nickt und verlässt das Gebäude.  
„Irgendwo habe ich die beiden Gesichter schon mal gesehen“, meint Jan, als der Bettler nicht mehr zu sehen ist. „Worum geht’s denn bei den Beiden?“
Lui sieht kurz zu ihm auf. Ihm liegt etwas auf den Lippen, dass er jedoch hinunterschluckt und stattdessen eine Akte aufschlägt. Bilder von den Leichen in der Lagerhalle, sind darin neben etlichen anderen Unterlagen zu sehen. „Der Zeuge meint, die Beiden vor den Schüssen in der Nähe der Lagerhalle gesehen zu haben. Wenn sie dir bekannt vor kommen, bekommst du auch zusammen, wo du sie schon mal gesehen hast? Dann hätten wir vielleicht endlich mal eine Spur, in dem Fall.“
Jan nimmt auch noch den Block an sich, seine Aufmerksamkeit wechselt zwischen beiden Zeichnungen hin und her, bis ihm endlich einfällt: „Ja, genau! Das sind die Beiden die ich gestern auf der Party kennen gelernt habe. Der Eine ist blond und hatte stechend blaue Augen und der Andere hier ist ein totaler Arsch.“ 
„Du kennst sie? Hast du auch mit ihnen gesprochen?“
„Ja, mit dem Blonden kurz. Warte, sein Name war … Ja, Enrico.“
„Na das ist doch schon mal ein Anfang. Sonst noch was?“
„Robin hat mir erzählt, er wäre 16 Jahre. Mehr weiß ich nicht.“
Lui notiert die Information in den Akten, dann sieht er Jan auffordernd an. Krampfhaft überlegt der, ob ihm noch mehr zu den Beiden einfällt. „Der mit den schwarzen Haaren ist total aggressiv.“ Er beugt sich etwas zu Lui hinab, um ihm zuflüstern zu können: „Die Beiden scheinen ein Paar zu sein.“
„Na großartig! Sag mir nicht, wir müssen jetzt auch noch in dieser Schmutzszene ermitteln“, murrt Lui genervt. 
„Das wird auf jeden Fall schwierig. Die Regel, alles bleibt in der Villa, von der ich dir erzählt habe, nimmt diese Robin verflucht ernst. Ich habe Gerüchte gehört, dass schon Leute weggekommen sind, die zu viel geplaudert haben“, berichtet Jan leise. 
„Noch ein Grund mehr, uns dieser Sache anzunehmen, oder?“
„Du weißt schon, dass sie uns auch auffliegen lassen kann, oder? Auf dieser Party haben uns ein dutzend Menschen zusammen gesehen.“
Lui zuckt gleichgültig mit den Schultern. Er erhebt sich und nimmt sich seine Jacke vom Stuhl: „Wie hast du so schön gesagt, wir haben nur verdeckt ermittelt.“
Jan beißt sich nervös auf die Unterlippe. In diesem Milieu zu ermitteln gefällt ihm gar nicht. Er steckt da schon viel zu lange, selbst zu tief drin. So ziemlich alle Gäste von Robin, kennen ihn persönlich, manche sogar mehr als Jan im Nachhinein lieb ist. Das kann verdammt schnell nach hinten los gehen. Unwillkürlich zwängen sich ihm die Bilde, seiner Zeit in der Anstalt, ins Gedächtnis. Die Elektroschocks auf der Liege, an die er angebunden war, die Therapien mit Schmerzreizen, währen ihm Bilder von nackten Männern gezeigt wurden. Das alles will er nicht noch mal erleben müssen. „Lui, tu uns beiden einen Gefallen und sein bei dem Thema vorsichtig. Wir haben mehr zu verlieren, als du dir vorstellen kannst“, bittet er leise.
„Jan, fünf Männer mussten in dieser Halle ihr Leben lassen. Grund genug ein paar Fragen zu stellen, findest du nich?“
„Übertreib deinen Gerechtigkeitssinn nur nicht so, wie sonst immer. Wir stecken da schon zu tief drin!“, knurrt Jan energischer. 
„Jetzt mach dir mal nicht ins Hemd. Die sind die Verbrecher, nicht wir!“
Jan sieht zur Seite weg und atmet tief durch. Er rollt mit den Augen und meint kleinlaut: „Nun, wie mans nimmt.“
Lui packt die beiden Zeichnungen in die Akte und nimmt diese dann an sich. Er zieht sich seine Jacke über und macht die ersten Schritte, um zu gehen. Auf halben Wege zum Ausgang, dreht er sich nach Jan um. „Kommst du?“, will er wissen.
Jan atmet noch einmal tief durch, dann schließt er zu seinem Kollegen auf und folgt ihm zum Streifenwagen. 

Eine kurze Autofahrt später, stehen sie vor der Villa Robins. Lui schließt den Wagen ab und kommt zu Jan herumgelaufen. 
„Ich halte das für keine gute Idee!“, warnt Jan noch einmal. 
„Du willst mal ein guter Polizist werden und kneifst schon, bei einer einfachen Vernehmung?“
Jan sieht seinen Kollegen genervt an. „Sagt der, der nicht mal eine Stunde auf 'ner Party aushält“, murrt er in sich hinein und folgt Lui den Weg bis zur Villa. Sein Kollege läutet und sieht am Gebäude hinauf. Ein Fenster im ersten Stock steht offen, die Gardinen wehen im Wind. Ein sanfter Walzer dringt von dort zu ihnen hinab. Sie sehen sich ratsuchend an, als auch schon die Tür geöffnet wird. Eine Frau, in einer weißen Schürze, sieht sie fragend an und verlangt zu wissen: „Sie wünschen?“
„Ist die Hausherrin zu sprechen?“, entgegnet Lui. Die Dienstmagd betrachtet sie und ihre Uniformen einen Moment lang prüfend, dann sagt sie: „Ich werde sie holen, einen Moment bitte!“ Sie schließt die Tür wieder, ihre Schritte verlieren sich im Inneren der Villa. Wenig später verstummt die Musik. Aus dem offenen Fenster ist zu hören: „Mam, zwei Polizeibeamte wünschen sie zu sprechen.“ Unruhe entsteht. 
„Ist gut, ich komme runter und ihr beiden räumt den Salon wieder ein“,  meint die Hausherrin und entfernt sich, wenig später sind ihre Schritte im Flur zu hören. Sie ist es, die nun die Tür öffnet und Jan und Lui anspricht: „Was kann ich für … Jan? Das ist ja eine Überraschung.“
Jan schluckt den zu großen Kloß in seinem Hals hinunter und nimmt Lui die Akte aus der Hand. Wenn sie hier mit heiler Haut davon kommen wollen, ist es sicher keine schlechte Idee, wenn er die Befragung übernimmt. Lui betrachtet ihn mahnend, doch er lässt ihn machen. 
„Hey Robin, es wird nicht lange dauern, aber kannst du uns vielleicht ein paar Fragen, zu zwei deiner Gäste beantworten?“ 
Robins freundliche Mine wird finster. „Was für Gäste!“, fragt sie ernst.
„Keine Sorge, es hat nichts mit der Party oder deren Inhalt zu tun. Dürfen wir vielleicht rein kommen?“ 
Robin beäugt sie misstrauisch, schiebt aber die Tür weit auf und bittet sie mit einer ausfallenden Handbewegung einzutreten. „Bitte, folgt mir!“ Sie geht voraus und führt sie einige Zimmer weiter in den Salon im Erdgeschoss. Im Sessel lässt sie sich nieder und bietet den beiden Beamten das Sofa an. „Setzt euch zu mir.“ Jan nimmt den Sessel Robin direkt gegenüber, währen Lui sich auf dem Sofa nieder lässt. 
„Wir sind auf der Suche nach zwei Zeugen, die eventuell etwas von einem Mord an den Docks mitbekommen haben könnten. Ein Zeuge hat uns geschildert, dass sie sich kurz vorher dort aufgehalten haben sollen. Mein Kollege hat zwei Phantombilder angefertigt.“ Jan sucht die Bilder aus der Akte heraus und legt sie Robin vor. „Weißt du, noch der junge Kerl, über den wir uns unterhalten haben und sein Kumpel? Ich glaube die Beschreibung passt auf sie. Meinst du du kannst ein Treffen mit ihnen organisieren?“ 
Robin nimmt die Bilder in die Hand und betrachtet sie prüfend. Sie runzelt die Stirn. „So viel Ähnlichkeit sehe ich da nicht. Sicher dass du den Blonden nicht einfach nur wieder sehen willst, weil er dir gestern nen Korb geben hat?“, meint sie herausfordernd. Fragend richtet sich nun auch Luis Blick auf Jan. Ein stummer Vorwurf liegt in Luis Augen. Jan beschließt nichts dazu zu sagen und stattdessen weiter mit Robin zu sprechen: „Ich finde schon, dass eine gewisse Ähnlichkeit besteht. Auf jeden Fall würden wir gern mit den Beiden sprechen.“
Robin sieht von den Zeichnung auf und zum Flur. Schritte sind auf der nahen Treppe zu hören. „Ihr habt Glück meine Herrn, die Beiden sind noch immer meine Gäste.“ Tatsächlich kommen in diesem Moment der Blonde und sein Freund die Treppe herunter. Ihre Blicke treffen sich. Der Schwarzhaarige sieht Jan sofort wieder grimmig an. Sie tauschen einen feindseligen Blick aus, während Enrico sie neutral mustert. 
„Enrico, Antonio kommt mal zu uns. Die Sache scheint euch zu betreffen.“
„Uns?“, will Antonio verwirrt wissen. Der finstere Blick weicht Ratlosigkeit. Gemeinsam mit Enrico kommt er in den Salon. Der Blick des Blonden fällt auf die Bilder in Robins Händen. Kommentarlos betrachtet er sie. Lui rutscht auf dem Sofa ein Stück um Platz zum machen. Sie setzten sich zu ihnen. 
„Und wo können wir helfen?“, will Enrico wissen. Aufmerksam betrachtet er Jan. Die eisblauen Augen, nehmen ihn einmal mehr gefangen. Er vergisst fast, weswegen er hier ist. Nur mit aller Mühe, kommt er gegen das seltsame Gefühl in seinem Magen an, das immer intensiver wird, je länger er den Blonden ansieht. Jan muss einmal tief durchatmen, bevor er sich fangen und wieder sprechen kann: „Einer unser Zeugen, will euch gestern vor einer Schießerdei nahe den Docks gesehen haben.“ Jan lässt diese Nachricht wirken und verstummt. Robin betrachtet ihre Gäste mahnend und wartet eben so gespannt, auf eine Antwort. Antonio holt schon Luft, um etwas zu erwidern, doch Enrico kommt ihm zuvor. Mit Blick auf die Bilder, meint er: „Nach der Beschreibung dieses Zeugen sind die Zeichnungen angefertigt worden, oder?“, will er wissen. Lui ist es es, der nun zustimmend nickt. 
„Wir waren nicht an den Docks“, sagt Enrico emotionslos und reicht die Zeichnungen an Jan. 
Misstrauisch sieht dieser den Blonden an. „Unser Zeuge ist aber ganz sicher.“
„Ach ja?“, entgegnet Enrico angriffslustig. „Habt ihr euch Tonis Gesicht mal genau angesehen? Er hat an der linken Augenbraue eine ziemlich markante Narbe, die ist echt nicht zu übersehen. Eure Zeichnung hat das nicht. Seltsam das sich ein Zeuge nicht genau daran erinnert und meine Nase ist auch nicht so krumm wie die auf der Zeichnung.“
„Wann sollen die Beiden denn an den Docks gesehen worden sein?“, mischt sich Robin in das Gespräch. 
„Abends gegen Neun“, entgegnet Lui. 
„Das kann nicht sein! Um diese Uhrzeit hat Enrico mir bei den Vorbereitungen für die Party geholfen.“ Enrico betrachtet sie einen Moment stillschweigend. Sie tauschen einen seltsamen Blick aus, dann fährt Enrico fort: „Richtig! Habe ich!“
„Also entweder eurer Zeuge ist nicht besonders zuverlässig oder eurer Zeichner eine Niete. Wir können euch auf jeden Fall nicht weiterhelfen“, meint Antonio herablassend und verschränkt die Arme. 
„Nun, dann bedanken wir uns für eure Zeit“, meint Lui und erhebt sich wieder, „Bitte entschuldigen sie die Störung.“ Er packt die Unterlagen zusammen und betrachten Jan auffordernd. Ratsuchend schaut der zurück. Glaubt Lui ihnen das denn wirklich? Jan ist sich ganz sicher, dass sie alle Drei lügen. Als er nicht sofort aufsteht, deutet Lui mit einem Kopfschwenk zur Tür. Sein Blick bleibt auffordernd. 
„Na gut!“, gibt Jan nach und steht auf. Noch einmal betrachtet er der Antonio finster, dann kann er nicht anders, als noch einmal einen Blick auf den Blonden zu werfen. Irgendetwas zieht Jan nach wie vor, an ihm an. Obwohl sich Jan ziemlich sicher ist, dass er etwas mit der Sache zu tun hat, hat er sich nicht einen Moment verunsichern lassen. Das Argument mit der Narbe ist ziemlich schlüssig gewesen. Selbst jetzt zeigt er keine Anzeichen von Nervosität.
„Jan!“, tadelt Lui und drängt abermals zum Gehen. Nur mühsam kann Jan sich dazu durchringen, ihm zu folgen. Robin begleitet sie zur Tür und lässt sie aus dem Haus. Sie schließt die Tür nach ihnen. 
Wortlos geht Lui zum Auto und steigt ein. Irritiert folgt Jan ihm und steigt zu ihm. „Du nimmst ihnen das doch nicht etwa ab?“, will er von seinem Kollegen wissen und zieht die Tür zu. 
Lui lehnt sich im Sitz zurück und atmet einmal tief durch. Sein Blick verliert sich in der Ferne. „Ist das eigentlich dein verdammter ernst, Jan?“, beginnt er aufgebracht, „Wir sind hier im Dienst und du denkst dir einen Vorwand aus, nur um deinen neuen Lover von gestern wieder zu sehen?“
„Hey, Moment mal! Erst mal ist der Kerl nicht mein neuer Lover und zweitens lügen die Drei doch wohl offensichtlich“, versucht Jan vergeblich sich zu verteidigen, doch Lui hört ihm gar nicht zu. 
Unbeirrt fährt er fort: „Ehrlich mal, ich bin kaum abgehauen, da hast du schon einen Neuen im Auge?“ Wütend dreht er sich nach Jan um. 
„Jetzt fahr mal wieder runter. Ich hatte nichts mit dem!“
„Ach komm schon, Jan! Ich habe doch gesehen, wie du ihn angehimmelt hast. Der blonde Kerl gefällt dir. Echt mal. Du könntest wenigstens Beruf und Privates trennen. Der Weg hier, war ja mal voll umsonst.“
„Du glaubst denen doch nicht ernsthaft, dass sie nicht dort waren, oder?“
„Der Blonde hat recht, die Narbe hätte unserem Zeugen auffallen müssen und diese Robin gibt ihm ein Alibi. Und selbst wenn sie lügen, ist unser Zeuge wirklich nicht besonders zuverlässig. Vor Gericht haben wir noch immer nichts in der Hand. Zum Kotzen!“ Lui dreht den Schlüssel im Zündschloss und lenkt den Wagen auf die Straße. Jan rollt mit den Augen und wendet seinen Blick ab. Auf dem Weg zurück zum Präsidium, schweigt er lange und schmollt vor sich hin. Auch Lui spricht kein Wort mehr. Als Jan sich nach ihm umdreht, vermeidet er jeglichen Blickkontakt. 
„Ich weiß gar nicht, warum du dich so aufregst!“, meint Jan irgendwann. Lui sieht einen flüchten Moment zu ihm, wendet sich aber schnell wieder, mit grimmigem Blick, der Straße zu. 
„Du wolltest mich doch nur fürs Bett. Also jammere jetzt nicht rum, dass ich mich anderweitig umschaue. Dann gefällt mir eben der Blonde, na und! Ich will eben mehr als nur der Lustknabe sein. Schon klar dass du das nicht verstehst!“ Lui sagt kein Wort mehr und auch Jan nimmt sich fest vor, nie wieder damit anzufangen. Die Sache mit Lui ist für ihn gestorben. Dieses dumme Eifersuchtsgetue kann der sich sparen. Was kann Jan denn dafür, dass Lui nicht mit sich und seiner Neigung klar kommt. Soll er doch sehen, wo er den nächsten Typen für ne schnelle Nummer her bekommt. Schmollend bettet er sein Kinn in die Hand und sieht den vorbeiziehenden Häusern zu. 

...~*~... 

Robin steht noch lange am Fenster und schaut dem Polizeiwagen nach. Mit verschränkten Armen, trippelt sie unruhig mit dem Fuß auf dem Boden. Auch Toni starrt angespannt vor sich hin. Ich verstehe ihr Problem nicht. Die Polizisten sind doch ohne Beweise wieder abgehauen. Die können uns gar nichts. Die Bilder sahen uns nicht mal wirklich ähnlich. 
Robin dreht sich nach mir um, ihr vorwurfsvoller Blick trifft mich. „Hab ihr nicht besser aufpassen können? Ich vergebe echt ungern falsche Alibis!“, knurrt sie. 
„Wir haben aufgepasst. In die Gegend kommt sonst keine Menschseele. Keine Ahnung, wer uns da gesehen haben soll. Das kann nur irgend so ein Penner gewesen sein. Der bringt ihnen vor Gericht gar nichts“, meint Toni. 
„So weit darf es nicht mal ansatzweise kommen. Ihr könnt froh sein, dass sie euch nicht bei Vater befragt haben. Seht zu, dass so was nie wieder vor kommt!“, keift Robin weiter. 
„Ja, schon klar! Es ist nun mal nicht so einfach mit nem Anfänger an der Backe!“, brummt Toni und sieht mich mahnend an. 
„Ach jetzt ist es meine Schuld, oder wie?“, schnauze ich zurück. 
„Ja, wer ballert den viel zu viel rum? Wäre ich allein gewesen, wäre ich rein und wieder raus in weniger als fünf Minuten. Mit dir waren wir fast ne viertel Stunde da drin.“
Ich rolle genervt mit den Augen und sammle einige der Pappuntersetzer auf dem Tisch ein und beginne damit sie zu einem Kartenhaus zusammen zu legen. „Ich weiß gar nicht, was ihr euch so aufregt. Diese Bilder waren verdammt ungenau und beweisen gar nichts. Wenn sie wirklich was gegen uns in der Hand hätten, wären sie nicht so schnell wieder abgezogen. Außerdem, wenn es hart auf hart kommt, haben wir die Beiden doch sowieso in der Hand. Die sind immerhin auf Robins Party gewesen. Ich hab sie knutschend in einem der Zimmer verschwinden sehen. Die haben definitiv was am Laufen miteinander. Wenn sie uns noch mal blöd kommen, erinnere ich sie einfach dran. Mal sehen, wie lange sie dann noch Polizisten bleiben.“
Robins Haltung entspannt sich, sie atmet hörbar durch und kommt zum Tisch zurück. „Na schön. Enrico hat ganz gut geschallten. Auf dem Bild war tatsächlich keine Narbe zu sehen und die ist nun wirklich auffällig.“ Im Vorbeigehen, fährt Robin Tonis Stirn und die Narbe über der Augenbraue ab. Genervt schiebt der ihre Hand von sich. 
„Ich kenne Jan schon ziemlich lange und habe genug gegen ihn in der Hand, um ihn unschädlich zu machen, wenn nötig. Er war auch sicher nicht freiwillig hier.“ Ihr Blick richtet sich auffordernd auf Toni. „Trotzdem nimmst du das weiße Wölfchen in Zukunft besser an die Hand. Sonst übernehme ich wieder eure Ausbildung. So was will ich nicht noch mal erleben müssen.“
„Geht klar!“, entgegnen Toni und ich beinah zeitgleich und im selben emotionslosen Tonfall. Ich setze ein letztes Untersetzerpaar auf die Spitze des Hauses und sage dann fröhlich: „Ha, fertig!“ Stolz betrachte ich mein Werk. 
Robin und Toni schütteln verständnislos mit den Köpfen und werfen mir verständnislos Blicke zu.

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