Patenmörder - Die Wölfe I

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  • Jugendschutz:
  • Veröffentlicht: 3 Apr 2018
  • Aktualisiert: 3 Apr 2018
  • Status: Fertig
Der 15-jährige Enrico River lernt im Park einen süßen Jungen mit einer coolen Lederjacke kennen. Der schüchterne Antonio gefällt ihm, also freundet er sich mit ihm an. Er ahnt nicht, in welch dunkle Machenschaften der Kerl verstrickt ist, bis er ihm neugierig auf das Dach eines Hochhauses folgt. Der Mord, den er dort oben mit ansehen muss, bringt die beiden Freunde in Lebensgefahr und zwingt Enrico in ein Leben zwischen Bandenkrieg, Drogen und Mord.

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7. 7. Kapitel ~Neue Pflichten~

Antonio hat jetzt einen Freund, keinen der nur Schnurren kann, sondern einen richtigen. Der ganze Tag, spukt immer wieder aufs Neue durch seine Gedanken. So gern möchte er den noch einmal erleben dürfen, am besten jeden Tag so verbringen. Schade, dass Enrico schon nach Hause musste, aber zumindest kann Antonio nun endlich seinen Kater füttern. 
Etwas schneller als zuvor läuft er dem Hochhaus entgegen und betritt es durch die Drehtür. Die Empfangshalle ist dunkel. Nur der Wachmann sitzt auf seinem Posten und liest die Tageszeitung. Antonio steigt in den Fahrstuhl, er wählt den neunten Stock aus, mit einem Ruck setzt sich die Kabine in Bewegung. Stock Sieben, Acht, die Anzeige springt auf Neun, er schiebt das Gitter auf.
Antonio geht weiter bis zu Tür seines Apartments und kramt in seiner Hosentasche nach seinem Schlüssel. 
Hinter der Tür hört er die Pfoten des Katers über das Parkett tapsen, gefolgt von einem kläglichen miauen. 
Antonio legt seine Hand auf die Klinke. 
Der Kater faucht. 
Eine Hand berührt Antonio an Schulter. Entsetzt dreht er sich um.
„Du bist ganz schön früh zurück.”, sagt  Butch. 
Antonio atmet auf und greift sich an sein bebendes Herz. „Ich … ich wollte nur Snowflake füttern!”
„Das wirst du verschieben müssen. Wir haben Besprechung und du musst mich begleiten.” 
Antonio steckt den Schlüssel wieder ein. „Worum geht es denn?”
„Um dich!” 
Ein großer Kloß bildete sich in Antonios Hals. Ist es jetzt soweit? Kommt jetzt diese große Sache, gegen die sich Michael so gesträubt hat? 
Mit einem Lächeln, sieht Butch auf ihn herab, antwortet aber nicht, sondern geht zum Fahrstuhl. 
Antonio folgt ihm mit weichen Knien. Im inneren der Kabine beobachtet er, wie Butch das Schloss entriegelt und den zwanzigsten Stock auswählt. Dort hat die Führungsspitze des Clans seine Büroräume gemietet. 
Es ist eine Ehre hier her eingeladen zu werden. 
Wieder sieht Antonio fragend zu Butch. 
Der dunkelhäutige Hüne, verschränkt die Arme hinter dem Rücken und lächelt geheimnisvoll. 
Die Kabine setzt sich in Bewegung. 
Antonio schlägt das Herz bis zum Hals, seine Hände sind nassgeschwitzt und eiskalt. 
Die Anzeige springt auf die Zwanzig, Butch öffnet das Gitter, er geht voraus. 
Antonios Beine zittern, wollen ihn kaum tragen. 
Sie nähern sich zwei großen Türen. Schon von weitem kann Antonio im Raum dahinter eine Unterhaltung hören: 
„Ich bin immer noch dagegen!” Das ist Michaels Stimme. 
„Es ist aber nicht deine Entscheidung!” Ist das der Chef? 
„Ihr Beide macht einen großen Fehler. Er ist noch lange nicht so weit.” 
Sie sind da. Butch öffnet die Türen. 
Antonio folgt ihm in den hell beleuchteten Raum.
Ein langer Tisch erstreckt sich durch das ganze Zimmer, an ihm stehen viele Stühle, aber nur einer ist besetzt. Ganz am Ende des Raumes, an der Stirnseite, sitzt ein großer Mann. Schwarze, lange Haare, mit einem Zopf zurückgebunden. Seine dunkelbraunen Augen durchbohren Antonio. 
Neben ihm steht Michael, sein Blick ist finster und herablassend, wie immer. 
Butch gehen um den Tisch herum, bis zum Stuhl des Chefs. Mit einem Schwenk seines Kopfes, bedeutet er Antonio, dass er ihm folgen soll. 
„Setzt dich!”, befiehlt Butch, als Antonio ihn erreicht und setzt sich in einen Stuhl neben dem Chef. 
Antonio tut was er verlangt. Sein Blick bleibt respektvoll auf die Tischplatte gerichtet.
„Du bist also Antonio Bandel. Butch hat mir schon viel von dir erzählt.” 
Antonio sieht seinen Gönner fragend an. 
Butch lächelt zufrieden.
„Michael im Übrigen auch.”
Michael hat die Arme verschränkt und gibt einen abfälligen Laut von sich. Er geht um den Stuhl des Chefs herum und stützt sich mit einem Arm auf die Lehne. 
Alle Blicke ruhen auf Antonio. 
Er sieht wieder auf die Tischplatte. Wenn sie nur endlich sagen würden, worum es geht. Antonio fühlt die Anspannung im ganzen Körper, seine Hände ballt er auf den Knien zu Fäusten.
„Man erzählt sich, du wärst der beste Schütze meines Clans. Schön dich endlich persönlich zu treffen.” 
Nur zögernd wagt Antonio, dem Mann ins Gesicht zu schauen.
„Denijel…!”, sagt Michael.
„Sei still!”
„Aber er ist noch viel zu jung!”
„Ich sagte, du sollst deine Klappe halten!” 
Ein Seufzer verlässt Michaels Lippen, während er die Arme in die Seiten stemmt. 
Antonio muss schmunzeln. Noch nie hat er mitansehen dürften, dass jemand Michael die Stirn bietet, ihn sogar zum Schweigen bringt.
„Okay, zum Geschäftlichen!“, richtet sich Denijel an Antonio, „Ich beobachte deine Aktivitäten schon länger und mich erstaunt die Präzision, mit der du schießt. Für einen Vierzehnjährigen, eine beachtliche Leistung.”
„Glaub ja nicht, dass er dich wegen deines Könnens befördern will. Unser bester Cleaner ist uns lediglich abhanden gekommen”, fährt Michael dazwischen. 
Finster sieht ihn Denijel an. 
„Was denn? Ist doch wahr!”
„Muss ich meine Anweisung wirklich wiederholen?“ 
Michael schweigt. 
„Auch wenn ich es nicht gern zugebe, aber Michael hat recht. Wir mussten uns unseres besten Cleaners entledigen. Die Einzelheiten sind für dich nicht von Belang. Wichtig ist nur, dass seine Stelle frei geworden ist. Wir haben lange diskutiert, wer seine Nachfolge antreten soll. Wie du sicher schon bemerkt hast, hast du hier einen Fürsprecher und einen der strikt dagegen ist.” 
Butch legt seine rechte Hand auf Antonios Schulter. 
„Ich persönlich habe mich dafür entschieden, es mit dir zu versuchen. Du arbeitest schon lange für uns und weißt worauf es uns ankommt. Da Michael dich ausgebildet hat, hab ich auch keine Zweifel an deiner Loyalität dem Clan gegenüber. Laut Butch triffst du einen Kronkorken auf zwei Kilometern. Das hat bisher noch keiner meiner Männer geschafft. Ich hoffe du enttäuschst mich nicht!”
„Falls doch, gehörst du wieder mir!”, knurrt Michael. 
Irritiert sieht Antonio ihn an. Wenn nicht Michael, wer wird dann seine Ausbildung fortsetzen?
„Du bist still und hörst zu, das gefällt mir. Wenn nur alle in diesem Raum so wären.” 
Denijel und Michael tauschen grimmige Blicke. 
Daran zuzusehen, wie Michael zurecht gewiesen wird, könnte Antonio sich gewöhnen. Doch nur allzu schnell richtet sich die Aufmerksamkeit des Chefs wieder auf ihn. 
„Ab Morgen will ich dich hier jeden Früh sehen. Du nimmst an unseren Sitzungen teil und wirst von Butch alles Wichtige lernen.“ Denijel legt Antonio einen Schlüssel auf den Tisch. „Von heute an wirst du den immer bei dir tragen. Damit entriegelst du den Fahrstuhl. Ich habe keine Lust jedes Mal Michael und Butch zu schicken, wenn ich dich sehen will.“ 
Antonio nickt und nimmt den Schlüssel an sich. So etwas Wichtiges hat ihm noch nie jemand anvertraut. Er ist sich nicht sicher, was er davon halten soll, also schweigt er einfach weiterhin.
„Gut!“, Denjiel schaut zufrieden, „Dein Codename lautet Polarwolf. Sollte dich jemand ohne diesen Namen kontaktieren, leg ihn um, wenn es geht, oder such das Weite.“ 
Antonio graut es bei der Vorstellung, doch er bemüht sich darum, sich nichts anmerken zu lassen. „Von jetzt an will ich dich nur noch anständig gekleidet sehen. Anzug und Krawatte sind das mindeste. Sieh zu, dass du einmal am Tag die Dusche von innen siehst. Du repräsentierst  in Zukunft unseren Clan und hast somit einen Ruf zu verlieren .“ 
Antonio sieht an sich hinab. Vom rauen Spiel mit den Jungen, ist seine Kleidung dreckig. Er riecht sicher auch unangenehm, immerhin war er nach dem Spiel komplett durchgeschwitzt. Verlegen sieht er unter dem Blick Denijels hinweg. Hätte er gewusst, dass ihm heute ein so wichtiges Treffen bevorsteht, dann wäre er noch einmal duschen gegangen. 
„Aus dem Grund hat mich Butch um das hier gebeten”,  Denjiel legt zwei weitere Schlüssel an einem Ring auf den Tisch. „Die sind für dein neues Apartment.” 
Antonio nimmt auch diese Schlüssel entgegen. 
„Butch wird dir alles zeigen, er ist von nun an dein Mentor.” 
Antonio lächelt unwillkürlich. Nie wieder Training mit den älteren Jungen, nie wieder Prügel. 
„Das heißt aber nicht, dass du nicht mehr trainierst.” 
Antonio seufzt. 
„Zweimal pro Woche wird Michael deine Ausbildung ergänzen.“
Michael grinst Antonio an. 
„In deinem Apartment wirst du zwei Gitarrenkoffer finden. In einem ist das Gewehr im anderen eine Gitarre. Ich will dass du spielen kannst, deswegen wirst du einen Hauslehrer bekommen, der dir das Gitarrenspielen beibringt. Das ist weniger auffällig, wenn du später mit dem Scharfschützengewehr unterwegs bist. Alles was sonst noch wichtig ist, steht in deinen Zimmern, den Rest erklärt dir Butch, wenn ihr dort seid.” Der Chef erhebt sich.
„Denijel!”, sagt  Butch.
„Ach ja. Butch hat mich auch um die hier gebeten.” Eine Karte, ist der letzte Gegenstand, den Denijel auf den Tisch legt. Sie ist aus Plastik und sieht wichtig aus.
„Mit der kannst du überall im Hochhaus kostenlos essen.” 
Das ist irgendwie viel zu viel Freundlichkeit auf einen Haufen. Was genau muss Antonio dafür tun? So ganz ist ihm das bisher noch nicht klar geworden, aber er traut sich auch nicht zu fragen. 
„Ihr zwei kennt ja eure Aufgaben für heute Abend. Ich zieh mich fürs erste zurück”, richtete sich Denjiel an Butch und Michael. Sein finsterer Schatten legte sich über Antonio. „Enttäusche mich nicht!”, sagt er, dann verlässt er den Besprechungsraum. 
Stille breitet sich aus. Ungläubig betrachtet Antonio die erhaltenen Gegenstände und ist sich nicht sicher, was er mit all den neuen Informationen anfangen soll. 
„Kommst du allein klar?”, fragt Butch Michael.
„Sicher, ich freue mich schon den ganzen Tag auf nichts anderes. Immer wieder schön, dass die
Drecksarbeit an mir hängen bleibt.” Er verlässt den Raum.
„Butch …ich… ich weiß nicht was ich sagen soll”, beginnt Antonio. Er kommt sich zunehmend verloren vor. Was genau erwarten die großen Drei jetzt von ihm?
„Wie wär’s mit danke.”
„Danke?”
Butch schmunzelt. „Na komm! Ich zeig dir deine neuen Zimmer.” 
Gemeinsam verlassen sie den Besprechungsraum. Den Schlüssel verstaut Antonio in seiner Hosentasche. Sorgfältig packt er den Ausweis für die Cafeteria in seine Jacke. 
Über den Fahrstuhl gelangen beide in den 22 Stock. Nach ein paar Schritten durch den Flur, stehen sie vor einer weißen Tür.
„Na, schließ schon auf!”, sagt Butch. 
Stimmt ja, Antonio hat den Schlüssel. Er holt ihn aus der Tasche und öffnet die Tür. 
Dahinter befindet sich ein großes Wohnzimmer. In der Mitte steht ein gläserner Tisch, auf dem  Blumen hergerichtet sind. Unmittelbar dahinter befindet sich ein weißes Sofa und neben ihm zwei Sessel. Kunstvoll verzierte Möbel, Bücherregale, Schränke und ein großes Radio, möblieren das Apatment. Auf dem Boden liegt ein flauschiger Teppich und hinter all dem, kann man die Stadt sehen. Wände gibt es keine, nur große, gläserne Fassaden. Staunend sieht Antonio sich um.
„Na komm, es gibt noch mehr zu sehen!” Butch legt seinen Arm um ihn und drängt ihn einzutreten.
Antonio fällt ein Fressnapf und mehre Dosen auf dem Boden neben der Tür auf. Darf Snowflake etwa mit umziehen? Hat Butch auch daran gedacht? 
Mit einem Lächeln beobachtet der dunkelhäutige Hüne ihn, wie er seine neuen Zimmer erkundet.
Zwei Türen führen aus dem Wohnzimmer heraus. 
Neugierig wagt Antonio sich an die Erste. Ein Badezimmer, ganz in weiß gefliest. Das ist nicht zu vergleichen, mit den Gemeinschaftsduschen, ein paar Stockwerke tiefer und das darf er von nun an benutzen? Wann immer er will? Aber sicher, Denijel hat ja gesagt, er müsse von nun an immer gepflegt aussehen. 
Am Boden neben der Dusche steht ein Katzenklo. Nun ist er sich ganz sicher, sein Kater darf auch hier wohnen. 
Was sich wohl hinter der zweiten Tür verbirgt? Antonio öffnet sie. Auch hier sind die Möbel außergewöhnlich schön verziert. Ein großes Doppelbett steht in der Mitte, darauf liegen zwei Gitarrenkoffer.
Vom Bett wandert Antonios Blick auf den Kleiderschrank. Als er ihn öffnet, enthüllt er eine große Auswahl an allen möglichen Kleidungsstücken. Von festlichen Anzügen, bis hin zu ganz normaler Sportkleidung.
„Na, gefällt es dir?” Butch lehnt am Rahmen der Tür.
„Sicher, aber ich verstehe es nicht. Warum hilfst du mir so?” Schon lange liegt Antonio diese Frage auf dem Herzen.
„Weil ich dich als Partner will.“ 
Antonio macht große Augen. „Partner wofür?“
„Ich werde einen Cleaner aus dir machen!“ 
Entsetzen sieht Antonios ihn an. „Ein Cleaner?“ Das sind Mörder, Menschen die auf Auftrag töten. 
„Ja! Was dachtest du denn, warum wir dir den Umgang mit all diesen Waffen beibringen?“ 
Antonio hat zwar diesen einen Mann bei der Aufnahmeprüfung umgebracht und musste auch schon beim Training auf Obdachlose und Einwanderer erschießen, aber das hat Antonio als notwendiges Übel angesehen. Dass er wirklich für die Ausbildung zum Killer in Frage kommt, damit hat er nie gerechnet. Er lässt sich in einen der Sessel sinken. 
Butch bleibt hinter ihm stehen, er legt ihm seine Hand auf die Schulter. Wie eine zu schwere Last fühlt sie sich an. „Keine Sorge, du wirst dich schon daran gewöhnen, dafür werde ich sorgen. Jetzt freue dich über dein neues Zuhause. Über alles andere sprechen wir morgen. Dein Hauslehrer kommt erst Ende der Woche, bis dahin sollst du mit der Gitarre üben. In der untersten Schublade deines Schreibtischs, liegt ein Buch dafür. Deinen Kater musst du im übrigens selbst holen. Das ist das Einzige, was mir nicht gelungen ist.” Demonstrativ erhebt Butch seinen rechten Arm, er schiebt den Stoff des Hemdes zurück, lange Kratzspuren ziehen sich über seinen Unterarm. 
Antonio muss schmunzeln. „Er mag eben keine Fremden.”
„Na ich hoffe, er weiß das Futter und sein neues  Zuhause zu würdigen, sonst muss ich in Zukunft mit Schutzanzug hier herkommen, um dir was beizubringen.” 
Sie lächeln beide, doch nur allzu schnell werden sie wieder ernst.
„Butch, ich … ich werde mir Mühe geben!”
„Das will ich hoffen.” Butch öffnet die Tür, “Ach da fällt mir ein. Das hier waren die Zimmer deines Vorgängers. Ich hab zwar alles durchgesehen, solltest du dennoch etwas finden, lass es mich wissen.”
„Geht klar!”
Butchs Schritte verlieren sich auf dem Gang, es wird still. 
So ruhig ist es in Antonios alten Zimmer nie gewesen. Die Wände waren so dünn, das er jeden Schritt der Nachbarn hören konnte. Auch so viel Platz ist Antonio nicht gewohnt. Seufzend sieht er sich in dem großen Wohnzimmer um. So ganz allein kommt er sich hier verloren vor. Wenn wenigstens Stimmen den Raum erfüllen würden. 
Aber Moment, Snowflake - kein Wunder, dass er sich nicht  wie Zuhause fühlen kann. Obwohl sie gerade über ihn gesprochen haben, hat Antonio den weißen Perser fast vergessen. Mit dem Schnurren des Katers ist es hier sicher viel angenehmer. 
Er verlässt sein Zimmer. Über den Flur läuft er zum Fahrstuhl und fährt mit ihm in den neunten Stock. 
Sicher wird Snowflake schon sehnsüchtig auf ihn warten. Besonders auf die Mahlzeit, die er ihm mitgebracht hat. 
Schnell ist der Schlüssel im Schloss gedreht und die Tür geöffnet. 
Stürmisch kommt der Perser ihm entgegen. In fließenden Bewegungen schmiegt sich der magere Kater an seine Beine. Als Antonio in die Knie geht, um ihn zu streicheln, springt Snowflake ihm in den Schoß. Der ganze Kopf des Katers verschwindet in seiner Jackentasche.
„He du Vielfraß, warte doch ab!” 
Der Kater zerlegt die Serviette mit den Zähnen. 
„Du sollst das lassen!” Antonio muss Snowflake mit aller Kraft seine Jackentasche entreißen. „Wir packen das oben aus.” 
Mit dem Kater auf dem Arm erhebt Antonio sich. So hungrig, wie das Tier ist, wird er ihm wohl noch eine Dose Fleisch aufmachen müssen. Besser er bringt das flauschige Bündel rasch in sein neues Apartment. 
Antonio fährt wieder nach oben. Als er aus dem Fahrstuhl steigt, dringt  ihm ein seltsamer Geruch in die Nase. Es riecht verbrannt. Antonio sieht sich um. Weder Qualm noch Rauch. Hat er sich getäuscht?
Ein Schrei durchdringt die Dunkelheit und lässt Antonio zusammenzucken. Ein weiterer folgt. Der Gestank nach verbranntem Fleisch wird stärker.  
Was, wenn es doch brennt? Dem muss er auf den Grund gehen! Antonio läuft los, den Flur entlang. Da ganz hinten, da dringt doch Licht aus einem der Zimmer. 
„Na, waren’s die paar Kröten wert? Was nützt dir die Kohle jetzt?” Michael? 
Der Gestank von Verbranntem ist hier am stärksten. Antonios Magen rebelliert, Brechreiz steigt in ihm auf. 
Vorsichtig späht er durch die offenstehende Tür in den Raum dahinter. 
Tatsächlich dort steht Michael. „Das ihr Auftragskiller den Hals nie voll genug bekommen könnt!”, sagt er. In der Hand hält er einen glühenden Feuerhaken. 
Am Boden liegt ein Mann, sein ganzer Körper ist von Schnitt- und Brandwunden übersät. An den Wänden und auf dem Boden klebt sein Blut. 
Wie angewurzelt bleibt Antonio vor der Tür stehen, dabei sagen ihm all seine Sinne, dass er fliehen soll, aber er kann sich nicht rühren. Selbst dann nicht, als Michael sich ihm zuwendet. 
Mit langsamen Schritten nähert sich sein Ausbilder der Tür. 
Antonios Herz setzt aus, sein Atem stockt. Lauf, ermahnt er sich immer wieder, während er am ganzen Körper zu zittern beginnt. Seine Beine sind schwer wie Blei, sie gehorchen seinem Willen nicht. 
Als sein Ausbilder die Tür aufzieht, drückt Antonio seinen Kater fest an sich. 
Snowflake faucht, kratzt und beißt. 
Michael zieht Antonio am Kragen ins Zimmer. „Schön, dass du so neugierig bist. Das erspart mir lange Erklärungen.” Er zwingt Antonio den am Boden liegenden Mann anzusehen. „Das ist dein Vorgänger”, haucht er ihm ins Ohr. 
Hilfesuchend sieht der Kerl am Boden zu Antonio auf. Vor der Blutlache, die sich immer weiter ausbreitet, weicht Antonio zurück. 
„Das eine kann ich dir versprechen. Solltest du den Clan in Gefahr bringen, oder uns verraten, blüht dir das Gleiche”, droht Michael ihm.
Noch enger drückt Antonio den Perser an sich. Die Panik in seinem Herzen, betäubt alle Gefühle. Er hat nichts falsch gemacht, redet er sich immer wieder ein. Stets war er dem Clan treu ergeben. 
Michael hält ihm den Feuerhaken nah ans Gesicht. 
Antonio spürt die Hitze der glühenden Spitze an der Wange. Eisiger Schauer rinnen ihm den Rücken hinab.
„Merk dir das gut, Grünschnabel!”
„J...ja!“
„Gut! Und jetzt verschwinde!” Michael drängt Antonio zur Tür. 
Wie gelähmt, sieht er Michael an.
„Ich sagte raus!” Sein Ausbilder stößt ihn in den Flur. Die Tür schlägt er hinter ihm zu. Wieder ertönen die fürchterlichen Schreie, sie werden mit jedem Mal leiser.

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