The Story of my Life

Beth ist 48 und großer Fan von Jason Momoa. Sie hat ihn vor 18 Jahren das erste Mal im Fernsehen gesehen und besucht jetzt eine Convention, die ihr Leben verändern soll.

Dies ist reine Fiktion und deshalb wurden einige reale Tatsachen um die Personen verändert.

Ich-Form Vergangenheit

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1. The Story of my Life

 

Februar 2017

                Der Tag, an dem ich meine Karte kaufen wollte, war ein sonniger Tag. Und ich trug lange Jeans, einen langen Pulli und die Stiefel, die ich mir vor einem Jahr gekauft hatte. Wenn man mit einem Meter fünfundfünfzig 105 Kilo wog, sah das nicht wirklich ästhetisch aus. Zumindest war das mein Empfinden. Also schwitzte ich mir meinen dicken Hintern vor dem Laden ab, in dem es die heiß begehrte Karte gab, die mich meinem Liebling näher bringen würde. Große Hoffnungen machte ich mir nun keine, aber wer wusste schon, was so passieren würde? Reine Phantasie eines Fans zu seinem Star. Manchmal glaubte ich sogar, dass ich mich in diesen Mann verliebt hätte, tat es aber als bloße Schwärmerei ab. In einen Star verliebte man sich einfach nicht. Universen lagen da zwischen Fan und demjenigen, dem man seine ganze Aufmerksamkeit schenkte. Aber wenn ich so darüber nachdachte, ist es nicht genau das, was Verliebtheit ausmacht? Man sieht einen Menschen und fühlt sich zu ihm hingezogen. Dann versucht man ihn, oder sie, kennen zu lernen und hofft letztendlich mit ihm, oder ihr, zusammen zu kommen. Wohl nicht die geschickteste Art sowas zu beschreiben, aber im Ansatz sollte es richtig sein. Jedenfalls stand ich da in meinem Saft und tippelte auf meinen Füßen herum, weil ich es einfach nicht abwarten konnte, das gesparte Geld auszugeben. 250 Dollar kostete die Karte. Fast zwei Jahre hatte ich darauf gespart nur, um Jason Momoa etwas näher zu sein - ihn endlich mal live zu erleben. YouTube war zwar klasse, aber das Feeling war einfach nicht das Selbe. Rund um mich herum standen junge Mädchen, so zwischen sechzehn und fünfundzwanzig, die sich gegenseitig aufputschten, wie eben jene Teenager giggelten und ihre Errungenschaften der Freundin zeigten. Ein Bildchen hier, ein Anhänger dort… Es war schon etwas nerv tötend. Dennoch musste ich schmunzeln, denn ich konnte mich an meine eigene Jugend erinnern, in der ich nicht weniger nerv tötend war wie diese Mädchen hier. Aber am besten waren die Blicke, die man mir zuwarf. Eine kleine 'alte' Frau, die eine Karte wollte. Auch wenn es für die meisten hier nur eine Vermutung war, stimmte es ja. Und dann kam ich endlich an die Reihe.

                "Die VIP-Karte für Beth O Keefe, bitte." bat ich den Verkäufer freundlich lächelnd um die Karte, die ich vor einem Jahr mit fünfundsiebzig Dollar angezahlt hatte. Er blickte mich nicht weniger dumm an, als die Leute um mich herum. Sofort ging ein Raunen durch die kleine Menge; die abwertenden Blicke waren mit einem Mal verschwunden. Bewunderung und Neid stand nun im Vordergrund.

                "Einen Moment, bitte." sagte der Verkäufer freundlich während ich nach meinem Geldbeutel kramte, um das Geld heraus zu holen. Derweil hörte man den Verkäufer aus einem kleinen Raum fluchen. "Wo ist die Karte?" konnte man ihn gedämpft maulen hören, was mich stutzig werden ließ. Meine Verwunderung konnte man an der gehobenen Braue sehen, die fast den Haaransatz berührte.

                "Die habe ich heute Morgen verkauft." hörte ich eine junge Dame sagen. Wohl mit einer Erklärung, die dem Ladeninhaber gar nicht gefiel.

                "Sie sind GEFEUERT!!!" brüllte er und eilte zu mir und meinem zornerfüllten Gesicht zurück. Meine Brauen waren zu einer einzigen Linie zusammen gezogen. Den Kopf hatte ich leicht gesenkt und sah ihn unter meinen langen Wimpern heraus an. Man konnte sehen, dass er nach Worten suchte, um die Situation zu beruhigen. "Es tut mir unendlich leid." begann er eine Rede, die ich gar nicht hören wollte. "Sie hat nur die Karte gesehen und dachte, sie wäre frei verkäuflich." Meine Wangen fingen vor Zorn an zu glühen. Selbst die Mädchen um mich herum zogen die Köpfe ein, weil ich in diesem Moment einem äußerst gefährlichen Monster ähnlich sah. Der Ladeninhaber schluckte. "Geben Sie mir vierundzwanzig Stunden, um eine Karte für Sie zu bekommen." bat er mich, was mich die Röte auf meinen Wangen kostete, denn die Idee gefiel mir sichtlich auch wenn ich gerne den Laden auseinander genommen hätte. "Könnte ich Ihre Nummer haben? Dann rufe ich Sie an, sobald ich die Karte habe." Ich sah den Herrn dennoch vernichtend an, denn die Karten waren so wenige, dass sie sehr schnell vergriffen waren. Langsam zog ich mein Handy aus meinem Rucksack und las ihm die Nummer vor, die er sich direkt aufschrieb.

                "Ich hoffe für Sie, dass Sie eine Karte bekommen sonst mache ich Sie für meinen Verlust verantwortlich." Ich versuchte in meinem Zorn ruhig zu bleiben. Ob ich mit meiner Drohung durch kommen würde, wenn der Kerl keine Karte auftreiben konnte, wusste ich beim besten Willen nicht. Aber das schien dem Ladenbesitzer ebenfalls egal zu sein, denn er nickte heftig und versprach mir noch einige Male, dass er eine Karte bekommen würde. Also steckte ich mein Geld schnaubend wieder ein und verließ den Laden mit knall roten Ohren, die sich auf tausend Grad aufgeheizt hatten. Ich konnte die Blicke auf meinem Rücken spüren als ich den Laden verließ. Innerlich feierte ich, weil ich nun nicht mehr als alt galt, sondern als jemand, den man bewundern konnte. Oder sowas.

 

                In der riesigen Mall, in der sich der kleine Vorverkaufsladen befand, gab es natürlich auch noch andere Shops, die man gerne besuchte. Besonders gefiel mir der Klamottenladen, der Hosen, Shirts und Konsorten im Gothic Stil verkaufte. Nur einmal einkaufen können wie ich will. dachte ich mir immer, wenn ich an den Fenstern vorbei ging und die vielen schwarzen Sachen sah, die ich, trotz des niedrigen Preises, mir immer noch nicht leisten konnte. Einen Mantel hatte ich mir mal bitter zusammen gespart. Extra groß, damit auch meine Figur hinein passte. Natürlich hatte ich mir den zurück legen lassen und angezahlt, damit ich mich darauf verlassen konnte, das Ding auch zu bekommen. Dann lief ich auf den Coffee Shop zu, in dem ich mir einen Cappuccino holen wollte und sah mich in einem Fenster, hinter dem Papier gespannt war. Der Laden stand leer. Mit erhobener Braue besah ich mein Profil. Hauptsächlich die Seitenansicht meines Rumpfes, der so gar nicht zum Bild passte. Ich schnaufte resignierend aus und hob dabei die Arme, die ich ebenso wieder fallen ließ.

                "Ab morgen mach ich Sport." maulte ich mein Spiegelbild an und verwarf die Idee eines Cappuccino, steuerte stattdessen den Supermarkt an und kaufte alles ein, was ich eigentlich nicht aß. Da gab es Gemüse, Fisch, Geflügelfleisch… eben alles, was man zum Abnehmen brauchte. Nahrhaft und weniger Kohlenhydrate. Dennoch konnte ich mir einen angewiderten Gesichtsausdruck nicht verkneifen. Meine Kost bestand normalerweise aus Nudeln, Fleisch, Burger, alles was heftig und deftig war. Ich aß unheimlich gerne. Aber seit ich das Rauchen aufgegeben hatte ging es mit meinem Gewicht bergab. Ich konnte noch so wenig essen, die Waage zeigte jeden Tag ein Kilo mehr an. Und das schlug sich nicht nur auf den Anblick im Spiegel nieder, auch mein Gemüt litt darunter. Und gerade jetzt hänselte die Scheibe mich wegen dem Bauch, den ich vor mir her schob. Mein Zorn kochte auf und verblasste genauso schnell wieder, als ich die leise Stimme meines zweiten Ichs in meinem Kopf hörte. Dann tu halt was dagegen sagte sie. Und sie hatte Recht. Ich durfte mich nicht bemitleiden, sondern musste etwas tun. Also packte ich den Einkaufswagen bis oben hin voll und bezahlte mit Karte, die die Kassiererin lächelnd an sich nahm und die Rechnung fertig machte. Vier Tüten! Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Aber helfen tat das auch nichts. Die Sachen mussten nach Hause und in den Kühlschrank. Also ließ ich zwei Tüten erst mal zurück und brachte die ersten zwei hinaus und verstaute sie im Kofferraum meines Wagens. Dann holte ich die anderen zwei Tüten und gesellte sie zu den ersten Beiden. Seltsamerweise ließ mich der Anblick dieser Tüten lächeln. Dann schnipste ich mit den Fingern, denn ich hatte keine Ahnung, wie man richtig aß. Also zurück in die Mall und in den ansässigen Buchladen wo ich mir ein Buch kaufte, das mir bei der Zubereitung der Gerichte helfen sollte.

                Schnaufend ging ich die Treppen hoch, die ich früher mit Leichtigkeit erklommen hatte und japste nach Luft, als ich die Tüten in die Küche stellte.

                "Es wird echt Zeit." schnaufte ich immer noch, als ich meinen Entschluss bestärkte. Sicher fünf Minuten saß ich auf dem Stuhl und wartete darauf, dass sich meine Atmung wieder verlangsamte. Dann räumte ich die Tüten aus und setzte mich mit dem Buch auf die Couch um es zu studieren. Schlecht sahen die Rezepte ja nicht aus aber die überwiegende Zahl hatte Sachen dabei, die ich wirklich nicht mochte. "Na, das geht auch ohne." meinte ich zu einem Gericht mit Pilzen ehe ich das Buch schloss und neben mich auf die Couch legte. Mittlerweile machten mich so kleine Anstrengungen recht müde, dass ich einschlief und von diesem Verkäufer träumte, den ich in meinem Traum nicht gerade nett behandelte. Auch die junge Frau, die er gefeuert hatte, kam nicht gut dabei weg.

 

16. Februar 2017

                Doch dann wachte ich auf. Es war schon recht früh am nächsten Morgen. Mein Handy klingelte. Es zeigte eine unbekannte Nummer an.

                "Wer ist denn das?" brummte ich schläfrig. In meiner Trance dachte ich nicht daran, dass das eine Fake-Nummer sein könnte.

                "Guten Morgen, Miss O Keefe." begrüßte mich eine müde klingende Stimme. Ich schmatzte erst mal leise, wusch mir mit einer Hand über mein Gesicht und blinzelte.

                "Guten Morgen." erwiderte ich und fläzte mich erneut auf die Couch.

                "Ich wollte Ihnen nur Bescheid sagen, dass ich Ihre Karte habe." Und mit einem Schlag war ich hell wach. Sofort richtete ich mich auf und würde nun aufmerksam lauschen, was der Typ zu sagen hatte.

                "Ist das Ihr Ernst?" zweifelte ich seine Aussage an und wartete schon gespannt auf seine Antwort.

                "Ja. Ich konnte noch eine auftreiben. In Boston gab es noch eine." erklärte er mir. In seiner Stimme klang Stolz mit. "Der Kurier ist schon auf dem Weg hier her." ließ er mich weiter wissen. "Ich melde mich sobald die Karte da ist." Derweil lief ich in meiner Wohnung auf und ab und strahlte mit dem ganzen Körper.

                "Sehr schön. Ich erwarte dann Ihren Anruf." Dazu nickte ich leicht, als könne es der Mann sehen. "Dann bis später." verabschiedete ich mich und beendete das Gespräch. Das Handy landete auf der Couch und dann schob sich der kleine, massige Körper durch meine Wohnung um zu feiern. So fing der Tag wirklich gut an. Als ich mich beruhigt hatte machte ich mich daran meinen Kühlschrank auszumisten. Wenn schon denn schon. Und das Abnehmen würde ja nicht nur meiner Gesundheit zugutekommen, sondern würde auch mein Selbstwertgefühl steigern. Zumal ich dann wieder anständig aussehnen würde. Butter, die meiste Wurst und Nutella landeten im Mülleimer. Weißbrot wurde gegen Roggenbrot ausgetauscht und endlich bekam das Gemüsefach einen Sinn. Dann ging ich an den PC und suchte mir ein Fitnessprogramm, das ich leicht zuhause machen konnte. Diesem würde ich Jogging hinzufügen, wenn ich genügend Gewicht verloren hatte. Als auch das erledigt war, machte ich mir ein leichtes Frühstück und stellte fest, dass das gar nicht so schlecht schmeckte, wie ich mir immer vorgestellt hatte. Und satt machte es auch was mir ein Lächeln auf die Lippen schob. Dieses Spiegelbild hatte wirklich etwas bewirkt. Danach begann ich mit den Übungen, die ich mir aus gesucht hatte, machte aber nicht ganz so viele Wiederholungen wie vorgeschrieben, denn der Unterschied zwischen mir und der Trainerin waren sicher fünfzig Kilo.

                Ich war gerade bei der zweiten Wiederholung für diesen Tag als sich mein Handy gegen16:30 Uhr meldete.

                "Ja?" schnaufte ich außer Puste in das Handy, mit dem ich nun auf dem Boden saß.

                "Hallo, Miss O Keefe. Ihre Karte ist gerade eingetroffen." Heftig schluckte ich und rappelte mich auf.

                "Gut. Ich bin in fünfzehn Minuten da." Dann legte ich auch schon auf und sprintete in meinem Jogginganzug runter zu meinem Auto, das mich, schnellstmöglich, in die Mall bringen würde. Zehn Minuten später stand ich auf einem Parkplatz und stieg aus. Meine Füße trugen mich eilig zu dem Vorverkaufsladen, der schon wieder gerammelt voll war. Seufzend versuchte ich auf Zehenspitzen in den Laden zu sehen. "Entschuldigung?" rief ich mit einem fragenden Unterton, um auf mich aufmerksam zu machen. Der Ladeninhaber schien schon nach mir Ausschau zu halten und winkte mich durch die Menge.

                "Bitte, lasst die Dame durch." sagte er und wedelte vor den Jugendlichen mit der Hand rum. Nur widerwillig bildete sich eine Gasse, durch die ich nach vorne konnte.

                "Danke" sagte ich immer wieder freundlich zu den neuen Gesichtern, die mich nicht weniger schief ansahen, wie die Meute von gestern. Auf dem Weg zum Tresen zog ich meinen Geldbeutel aus der Tasche, um abermals das Geld heraus zu holen. Als ich mein Ziel erreicht hatte sah ich den Herrn mich anstrahlen mit einer VIP-Karte in der Hand, die fünfzig Dollar mehr kostete. Ich hob eine Braue und wollte schon etwas sagen, als der Mann mich schnell abwürgte und den Kopf schüttelte.

                "Schon okay. Der Preis bleibt bei 250." sagte er beschwichtigend was mich wirklich beruhigte.

                "Gut" sagte ich nur und zählte das Geld vor ihm auf den Tisch. Natürlich leise, denn vollkommen angeben wollte ich nicht. So wie der Mann die 175 Dollar an sich nahm gab er mir die Karte, dass auch ja nichts mehr passieren konnte.

                "Ich wünsche Ihnen ganz viel Spaß bei der Games – Con Reunite." wünschte er mir während er das Geld in die Kasse legte. Den kleinen Schatz an mich drückend nickte ich dem Herrn zu und wandte mich dabei zum Gehen.

                "Danke. Den werde ich sicher haben." Ich beeilte mich zu meinem Wagen zu kommen, um die wertvolle Karte nach Hause zu bringen. Als ich, wieder schnaufend, meine Wohnung betrat, fielen mir die Rocky Mountains vom Herzen. Ich hatte endlich die Karte in meinen Händen, die ich nun zu studieren begann. Soweit ich mich erinnerte, konnte man einen Sektempfang dazu buchen, aber da ich keine fünfzig Dollar für Prickelwasser ausgeben wollte hatte ich mich für die billigere Version entschieden. Doch jetzt hatte ich das volle Programm. Ich küsste die Karte, die für das dritte Wochenende im Oktober datiert war, und legte sie in den kleinen Safe, den ich mir vor fünfzehn Jahren mal gekauft hatte. Er sah aus, wie ein Nachttisch. Deshalb stand er neben meinem Bett und wurde auch als solcher benutzt. Ich ging ans Fenster und sah in den verhangenen Februar-Himmel, der auf einmal nicht mehr so trübsinnig aussah. Gestern Sonnenschein, heute Wolken. "Das Wetter ist echt bescheuert." grinste ich und ging ins Wohnzimmer zurück, um meine Übungen zu machen. Inklusive Februar hatte ich noch neun Monate um Gewicht zu verlieren.

 

Mai 2017

                Im Mai stellte ich mich zum ersten Mal auf die Waage, die mich, wie immer, verhöhnte. Klar 105 Kilo - ich hatte mich vor Beginn meines Vorhabens gewogen - waren für so eine kleine Person nicht gerade wenig. Tief atmete ich durch und stieg halb nackt, in Höschen und BH, auf die Waage, deren Zeiger sich rasend schnell über die Zahlen hinweg schob. Und dann hielt der Zeiger an. Ich wagte es kaum einen Blick auf die Skala zu werfen, die mich sicher verarschen würde. Und das tat sie auch. Sie zeigte neunzig Kilo an.

                "Du willst mich wohl verarschen!" motzte ich die Waage an und stieg von ihr runter. "Ich hab' nie im Leben fünfzehn Kilo abgenommen!" meckerte ich weiter und eilte ins Schlafzimmer an meinen Schrank, um mich im Spiegel zu betrachten. Die Haut hatte sich fast perfekt gestrafft, aber man konnte sehen, dass ich mal fünfzehn Kilo mehr drauf hatte. Verwundert stellte ich mich seitlich zum Schrank und begutachtete meine Form. "Wow" machte ich beeindruckt und streichelte über den deutlich kleiner gewordenen Bauch. Stolz besah ich mich im Spiegel, der auch meine Freudentränen zeigte. Ich hatte viel geschafft. Noch nicht das Optimum, aber rappel dürr wollte ich eh nicht werden. Dann schnellte ich herum und ging nochmal ins Bad und auf die Waage. Nichts hatte sich verändert. Sie zeigte immer noch fünfzehn Kilo weniger an. "Okay. Ich muss in die Apotheke." stellte ich fest, als ich die Haut auf meinem Bauch spürte. Sie hing jetzt nicht runter wie bei so mancher radikalen Diät aber super straff war sie auch nicht. Wenigstens hatten meine Arme nicht gelitten und hatten sich gut zurück gebildet. Wer mochte schon so Hängearme, die mit jeder Bewegung wackelten? Ich schüttelte den Kopf und schlüpfte in Jeans, die ich mit einem Gürtel fest schnallen musste. Dazu ein nun viel zu großer Pulli, der wie ein Sack an mir hing. Seufzend sackte ich in mich zusammen. "Entweder abändern oder neu kaufen." jammerte ich während ich Geldbeutel und Schlüssel an mich nahm.

                In meiner Stammapotheke wurde ich schon merkwürdig beäugt, als ich den Ladenraum betrat und nach der Waage suchte. "Guten Tag, Miss O Keefe." begrüßte mich die ältere Dame, die mich bisher immer gut beraten hatte.

                "Hallo." sagte ich und sah mich noch eine Weile um ehe ich Misses Hemsworth meine Aufmerksamkeit schenkte. "Wo ist denn die Waage?" wollte ich wissen, als mich die Dame nun verstehend ansah.

                "Ah. Jetzt weiß ich, was mit Ihnen nicht stimmt. Sie haben abgenommen." stellte sie begeistert fest, was mich erröten ließ. Ich sah, verlegen lächelnd, zu Boden und nickte.

                "Ja, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich fünfzehn Kilo sein sollen." Ich hob meinen Kopf wieder, um die Apothekerin meines Vertrauens anzusehen. Immer noch lächelte sie und zeigte mit der flachen Hand zwischen zwei Regale.

                "Die Waage ist heute geeicht worden. Wir haben sie nur noch nicht wieder raus gestellt. Tut mir leid." entschuldigte sich Misses Hemsworth bei mir und führte mich nach hinten, wo das klobige Ding stand. Ich stieg aus meinen Schuhen, nahm noch die Jacke ab und stellte mich auf die Waage, die mir sogar mit Klamotten sechzehn Kilo weniger anzeigte.

                "Wow" machte ich wieder und stieg, mich am Hinterkopf kratzend, von der Waage. Während ich nachdenklich zu Boden sah lächelte mich Misses Hemsworth an.

                "Sie sollten sich eine straffende Creme zur Unterstützung zu legen." Sie kannte mich ja schon seit Jahren und wusste wie sehr ich zugenommen hatte. "Am besten eine ganze Serie für Ihren Körper." Ich hob eine Braue und sah die Dame fragend an, die einen Spiegel holte und ihn mir vor hielt. "Ihre Haut braucht Pflege." sagte sie freundlich und wies mich mit ihrem Finger auf Stellen hin, die mehr einer achtzig Jährigen glichen, als einer Frau in meinem Alter. Ich hatte auch im Gesicht gut abgenommen.

                "Werde ich machen." sagte ich verstehend und machte mich schon auf zu gehen, als mich Misses Hemsworth nochmal aufhielt.

                "Ich kann mir gut vorstellen, dass Ihre Kleidung nicht mehr das Wahre ist." Die Frau dachte wirklich mit. "Wenn Sie wollen, bringen Sie mir doch ihre Sachen und Ihre neuen Maße vorbei. Eine Freundin von mir ist Schneiderin." bot sie mir an, was mich fast zum Weinen brachte. Aus Dank schlang ich meine Arme um sie und schniefte leise an ihre Schulter.

                "Danke, Misses Hemsworth." Dann löste ich mich wieder von ihr und sah die Frau an, die lächelnd ihren Kopf leicht schüttelte.

                "Nennen Sie mich doch Kate." bat sie mich und strich mir die eine oder andere Träne mit dem Finger weg.

                "Ich heiße Beth." bot ich im Gegenzug an auch wenn die Frau genau wusste wie ich mit Vornamen hieß.

                "Gerne" sagte sie lächelnd und ging dann mit mir hinaus, um mich zu verabschieden. "Machen Sie weiter so, Beth. Sie sehen wirklich gut aus." Ihr Kompliment ließ mich direkt erröten.

                "Anfang Oktober sehen wir uns wieder. Bis dahin hab' ich noch mehr abgenommen." versprach ich mit einem stolzen Lächeln und hob dann die Hand zum Abschied. "Bis Oktober." verabschiedete ich mich ehe ich nach Hause joggte und mich dabei auch noch wohl fühlte. Ein wenig außer Puste weil ich das noch nie gemacht hatte, aber ich musste nicht stehen bleiben, um mich auszuruhen. Strahlend betrat ich meine Wohnung und suchte am PC nach dem, was ich brauchte. Ich fand eine Pflegeserie, die von 150 Dollar auf fünfundachtzig herunter gesetzt war. Sie versprach was ich wollte und hatte beim Test auch noch mit gut abgeschnitten. "Sehr schön. In den Warenkorb." sagte ich, als ich mich für den Kauf entschieden hatte und sah mein Konto stetig abnehmen, so wie ich. Aber wie achtzig wollte ich auch nicht aussehen. Also biss ich in den sauren Apfel und bezahlte per PayPal was ich brauchte. Die straffende Creme hatte ich hier auch gefunden und war nun mit 110 Dollar bedient. Gut, dass mein Kühlschrank voll war. So brauchte ich ans Einkaufen nicht zu denken. Und das Geld hatte ich bis zur Convention wieder auf dem Konto. Was mich daran erinnerte, dass ich das Bild von Jason fertig machen musste.

 

                Irgendwann hatte ich mit Zeichnen und Malen angefangen und die Bilder als Speed Paintings in YouTube eingestellt. Zuerst nur Zeichnungen von meiner Lieblingsserie wobei ich Khal Drogo erst einmal ausließ. Denn ihn wollte ich perfekt malen. Für mich perfekt. Mit der Zeit bekam ich immer mehr Abonnenten, denen meine Bilder gefielen. Ich wurde sogar angeschrieben, ob ich die Bilder nicht verkaufen wollte. Zuerst lehnte ich es ab meine Bilder zu verkaufen aber als ich für Jon Schnee ein Angebot über 10.000 Dollar bekam änderte ich meine Meinung ganz schnell. Es gab wirklich Menschen, die meine Zeichnungen haben wollten. Aber dieses Angebot blieb leider das Einzige, das mich einige Monate über Wasser hielt. Dennoch hielt mich nichts davon ab weiter zu Zeichnen und zu Malen und die Videos einzustellen. Letztendlich hatte ich eine Million Abonnenten und jede Menge Traffic und verdiente somit Geld über YouTube mit dem Partnerprogramm, das Google eingeführt hatte. Ich gehörte natürlich nicht zu der Riege der tausend besten Kanäle, aber tausend Dollar monatlich waren schon drin. Mal mehr, mal weniger. Bilder ließen sich nun mal nicht so schnell wie Speed Paintings malen. Dennoch hatte ich mittlerweile ein Repertoire von etwa zweihundert Bildern, die ich in sieben Jahren gemalt hatte. Eben seit ich Fan der Serie wurde. Und als letztes hatte ich mich dann an Khal Drogo gewagt, wegen dem ich diese Convention besuchen würde. Seine Bilder schossen in den Klicks dermaßen schnell hoch, dass ich kaum noch wusste, wie der Stand war. In einer Sekunde hundert Klicks, in der nächsten schon eintausend. Der Vorteil bei solchen Videos war, dass sie sich jeder ansehen konnte. Denn man musste ja keine Sprache verstehen. Damit verdiente ich mir also meinen Unterhalt, aber zum wirklich leben reichte es eben nicht aus. Schlecht ging es mir nicht auch wenn ich mir keine Villa auf den Florida Keys leisten konnte. Bei diesem Gedanken musste ich jedes Mal lachen, denn die drei-Zimmer-Wohnung ähnelte so gar nicht der Madonna Villa in Beverly Hills oder der von Gisele Bündchen in den Pacific Palisades. Dafür konnte ich mit dem Ausblick auf den Central Park aufwarten, den nicht jeder hatte. Als ich die Wohnung mietete bestand ich auf eine Klausel, die mir den damaligen Mietpreis für immer garantierte. Der Vermieter ging leichtgläubig auf diese Klausel ein, dachte er nicht daran, wie rentabel allein der Blick auf den Central Park werden würde. Heute reibe ich mir natürlich die Hände, weil mir damals ein echter Clou gelungen war.

                Und jetzt stand ich an eben diesem Fenster und sah auf die vielen Bäume, die gerade zu sprießen begannen. Dabei trank ich einen Erdbeer-Shake, der mit Wasser angerührt wurde und trotzdem wie ein echter Shake schmeckte. Nur eben ohne die lästig vielen Kalorien. Tief durchatmend sah ich rüber zu meinem Tisch, wo das angefangene Bild lag und darauf wartete beendet zu werden.

                "Aber erst die Übungen." mahnte ich mich und stellte den Shake auf dem Tisch ab, um dann die Übungen zu machen, die mich seit Monaten bei meiner Diät unterstützen.

 

August 2017

                Es war mittlerweile August und meine Größe hatte sich von achtundvierzig/fünfzig auf vierzig/zweiundvierzig reduziert. Es tat irre gut, die Stufen wieder unbeschwert hoch steigen zu können. Ich saß an meinem PC und lud ein neues Video hoch, als mir der Gedanke an die Klamotten durch den Kopf ging, die ich zur Convention tragen wollte. Eigentlich war ich mal Cosplay-Fan gewesen, aber als ich dann so arg zugenommen hatte und ich nichts mehr fand, das ich anziehen konnte, verging mir die Lust an diesem Hobby. Und jetzt eröffneten sich plötzlich Möglichkeiten, die ich selbst vor meiner Gewichtszunahme nicht hatte, denn ich steuerte zielstrebig Größe achtunddreißig an.

                "Das wird ein Problem." sagte ich laut und starrte meinen Kleiderschrank an, der alle Größen, dank Misses Hemsworth, enthielt. Ich stieg auf und ging zum Schrank, um meine Klamotten zu betrachten, die ich anständig sortiert hatte und genau wusste welche Größe ich wo abgelegt hatte. Mein Mantel fiel mir ins Auge, den ich nicht mehr tragen konnte und seufzte. "Ich muss morgen einkaufen." Wieder Geld, das ich für den Oktober brauchte und nicht wusste, ob ich genug verdienen würde, um dieses Defizit ausgleichen zu können. Während ich noch über das fehlende Geld grübelte, meldete sich hinter mir mein Rechner, der das Video hoch geladen hatte. Ich kehrte zu meinem Arbeitsplatz zurück und machte alles fertig, um es für die Öffentlichkeit frei zu geben. Dann fragte ich noch meine E-Mails ab, die mich stutzig machten. Ich ging sie nach und nach durch wobei ich diese merkwürdige Mail bis zum Schluss aufhob. Ein JosephHawaii79 hatte mir eine Mail mit dem Betreff "Portrait" geschrieben. Ich musste direkt an das eine Bild von Daenerys denken, das wirklich ein Portrait war. Ich öffnete die Mail und las bedächtig den Text bis mir bei einer Stelle die Kinnlade runter fiel.

                "… dass Sie ein Portrait von mir zeichnen." Dann folgte noch ein Preisangebot, aber ansonsten stand nicht wirklich viel drin. Es klang für mich mehr nach einer Verarsche als nach einem seriösen Auftrag. Obwohl sich dieser Name eindeutig auf Jason bezog, der auch Joseph hieß und auf Hawaii geboren wurde. Im Jahr 1979. Da aber so viele Fans sich Namen ausdachten, die sich auf ihre Stars bezogen, machte mich das kein bisschen stutzig. Ich löschte die Mail ohne darauf zu reagieren und widmete mich wieder meinem Alltag, der mich mittlerweile ziemlich in Anspruch nahm, da ich wesentlich mehr Sport machte, als noch zu Beginn meines Vorhabens.

 

09. August 2017

                Am nächsten Tag ging ich mit meiner Kreditkarte bewaffnet in meinen Lieblingsladen und sah mich um. Endlich konnte ich mich nach einer Größe umschauen, die am meisten getragen wurde. Die Verkäuferin sah mich skeptisch an, als würde sie mich irgendwoher kennen.

                "Äh, entschuldigen Sie bitte, aber kenne ich Sie nicht?" wollte die junge Frau wissen, die sich mir vor etwa drei Jahren mit Tessa vorgestellt hatte. Langsam drehte ich mich ihr gänzlich zu und fing an zu lächeln.

                "Ja, du kennst mich. Ich bin's, Beth. Beth O Keefe." Mit den Jahren waren wir ins Du übergegangen. Tessa riss erstaunt die Augen auf und musterte mich ausgiebig.

                "Du meine Güte, Beth! Du siehst Hammer aus!" Dann begann sie mich zu drehen und zu wenden, um mich zu betrachten. "Welche Größe hast du jetzt?" wollte sie wissen.

                "Vierzig/zweiundvierzig. Geht aber mehr zu vierzig." lächelte ich sie stolz an.

                "Das. Das ist echt super!" Sie schnappte sich meine Hand und zerrte mich zu einer der Umkleidekabinen. Dann ließ sie meine Hand los und hob mahnend den Zeigefinger. "Du wartest hier!" befahl sie mir und eilte auch schon davon. Ich sah ihr nach bis sie hinter einer Tür verschwand, wo ich das Lager vermutete. Nach einer Weile kam sie zurück. Auf dem Arm jede Menge Klamotten, die mir unheimlich bekannt vor kamen. Ich runzelte die Stirn während Tessa breit zu grinsen anfing. "Das sind die Klamotten, die du dir vor zwei Jahren ausgesucht hast." Tessa sah auf die Sachen und zuckte die Schultern. "Ich hab' sie aufgehoben für den Fall, dass es die Sachen nicht mehr geben würde." Dann erklärte sie mir noch, dass sie dem Chef immer wieder gesagt hatte, dass eine Anzahlung dafür vorlag und die Klamotten deshalb aufgehoben wurden. Ich hob eine Braue, denn diese Anzahlung musste ja vorhanden sein. "Die sind aber alle in achtunddreißig." sagte sie noch und fing an Hosen, Shirts und Jacken nochmal zu besehen. Dann nickte sie erneut. "Ja, achtunddreißig." Wieder hob ich eine Braue.

                "Naja, schlimm wäre es nicht. Ich habe noch zwei Monate Zeit, um diese Größe zu erreichen." Ich nahm ihr nach und nach die Klamotten ab und besah sie nochmal. Mein Geschmack hatte sich nicht geändert. "Ich nehm die Sachen." Kurz sah ich mich nochmal um, weil ich einen passenden Mantel dazu brauchte und der durfte ruhig in vierzig sein. Als ich die Mäntel entdeckt hatte eilte ich rüber und besah mir die langen Gothic-Mäntel, von denen mir einer auch zusagte. Ähnlich Neos Mantel aber aus schwererem Stoff. Derweil sah mich Tessa stutzig an.

                "Wieso noch zwei Monate? Ist da was Besonderes?" hakte sie nach und trieb mir die Schamesröte ins Gesicht.

                "Da ist die Game of Thrones Convention." Schnell hob ich abwehrend eine Hand. "Und nein, ich nehm' nicht dafür ab. Den Entschluss habe ich gefasst, als ich auf dem Weg zum Coffee Shop mich in einer Scheibe gesehen habe." Die Erklärung schien ihr zu genügen, denn sie nickte.

                "Verstehe." Sie legte die Klamotten, die sie wieder übernommen hatte, auf einen Kleiderständer und half mir in den Mantel. Tessa zupfte ihn etwas zurecht und schob mich vor einen Spiegel. "Es hat sich jetzt schon gelohnt, dass du abgenommen hast." Langsam drehte sie mich vor dem Spiegel, damit ich mich betrachten konnte. Ich musste zugeben für meine siebenundvierzig Jahre sah ich nicht schlecht aus.

                "Mann. Ich hätte nicht gedacht, dass ich je nochmal so wenig wiegen würde." gab ich offen zu.

                "Nimm es doch einfach hin, dass du gut aussiehst." Und dann patschte sie mir lachend auf den Hintern, der nicht mehr so arg wackelte wie noch im Februar.

                "Ja! Ist ja gut!" lachte ich mit während ich aus dem Mantel schlüpfte und zu den anderen Sachen legte. Tessa schnappte sich die Sachen und ging zur Kasse, um alles einzutippen. "Die Con ist somit gerettet." grinste ich. Doch das verging mir, als ich sah wie sie fünfundsiebzig Dollar von der Rechnung abzog. "Das kommt gar nicht in Frage! Ich zahle die Anzahlung mit!" rief ich aus und eilte zur Kasse auch wenn es nur noch ein paar Schritte waren.

                "Beth. Ich hab' das gemacht, weil ich es wollte." Freundlich lächelte sie mich an. "Und wie man sieht hat es sich doch gelohnt." Ich sah nochmal an mir herunter und musste lächeln.

                "Na schön. Aber du bekommst es zurück." drohte ich ihr schmunzelnd und zog meine Karte aus dem Geldbeutel.

                "Ja, ja" nickte sie grinsend wobei sie meine Karte durch den Leser zog und mich dann unterschreiben ließ. Sie packte meine Sachen noch in eine große Tasche und begleitete mich dann zum Ausgang. "Ich will dich in den Klamotten sehen, du Model." neckte sie mich und besah mich nochmal. Tessa schüttelte beeindruckt den Kopf. "Ich würde mein Gehalt verwetten, dass du auf dieser Con so manchem Mann den Kopf verdrehst." grinste sie und klapste mir nochmal auf den Hintern. Ich mochte das Mädel. Sie war gerade so alt, dass sie meine Tochter sein könnte, aber das war uns egal. Wir verstanden uns prima und das war mir mehr wert, als alles andere.

                "Du redest wieder nur Unsinn." sagte ich, als ich langsam den Ausgang der Mall ansteuerte. In ein paar Metern Entfernung blieb ich nochmal stehen und grinste. "Obwohl, einen wüsste ich." Ich zwinkerte und winkte ihr zu ehe ich die Mall verließ und zurück zu meiner Wohnung fuhr. Ich rannte die Treppen hoch und brachte die neuen Klamotten zu meinem Schrank, der sich geleert hatte. Nie wieder wollte ich auf Größe fünfzig zunehmen. Also hatte ich die Kleider weg geworfen. Und nach und nach fanden auch andere Größen den Weg in den Müll. Ich schnappte mir noch einen Apfel, holte die erste Staffel meiner Lieblingsserie heraus und legte die DVD in den Player. Dann fläzte ich mich auf die Couch und machte mir einen gemütlichen Abend mit meinem Liebling, den ich in zwei Monaten live sehen würde.

 

Oktober 2017

                Ich trug gerade meine neue, achtundreißiger Hose spazieren, als ich, eigentlich auf der Suche nach etwas Neuem wegen Staffel acht, auf einen Artikel im Internet stieß, der mich stutzig werden ließ. Irgendjemand hatte in einem Game of Thrones Forum gepostet, dass drei Tage vor der Con einige der heiß begehrten Stars am LaGuardia Flughafen ankommen würden. Mein Handy gab nicht viel her, aber es tat trotzdem seine Dienste, denn ich wollte wissen, ob es ein Fake oder Realität war. Aber in dem Forum hatte sich noch nicht viel getan außer Fragen von irgendwelchen Mitgliedern, die um Antworten bettelten. Ich nahm mir vor in ein paar Stunden nochmal nach zusehen. Es war bereits Oktober und ich hatte Kate etwas versprochen. Also ging ich in meine Stammapotheke und sah mich nach Kate um, die wohl gerade hinten etwas zu erledigen hatte. Ich musste nicht lange warten bis Misses Hemsworth nach etwa fünf Minuten nach vorne kam und mich lächelnd betrachtete. Dann pfiff sie anerkennend, was die anderen Kunden aufmerksam werden ließ.

                "Sie sehen umwerfend aus, Beth." sagte Kate begeistert und kam hinter der Theke hervor, um mich eingehend zu betrachten. "Größe achtunddreißig?" wollte sie wissen und sah mich fragend an. Ich nickte.

                "Ja. Das erste Mal in meinem Leben." gestand ich ihr und zog den Mantel auseinander, hinter dem sich kein großer Bauch mehr versteckte. Dafür sehr viel Haut, die ich operieren lassen würde. Ganz wie zu Anfang klappte es dann doch nicht mit der Straffung. "Nur das mit dem Straffen hat nicht ganz so geklappt." ließ ich sie wissen. Doch das sah man nicht durch die Klamotten, die ich trug. Und da ich sie eh vor niemandem ausziehen musste war alles andere erst mal egal. Kate sah mich etwas bedauernd an.

                "Ich denke, das liegt daran, dass Sie so schnell zu genommen haben. Die Haut hatte keine Zeit sich zu dehnen." versuchte sie mir zu erklären. "Aber ich denke, die Krankenkasse übernimmt das. Sie haben wirklich sehr viel abgenommen und das ist ja Voraussetzung." zwinkerte sie mir zu.

                "Ja, das gehe ich auf jeden Fall an. Aber erst nach der Con." wand ich ein worauf Kate zu lachen begann.

                "Was mich daran erinnert, dass ich Ihnen ja noch was sagen wollte. Ich hätte gerne Bilder von der Veranstaltung. Wird bestimmt aufregend werden." Mir kam es fast so vor, als würde sie es bedauern nicht selbst hingehen zu können. Ich nickte.

                "Aber gerne doch. Ich mache die Bilder mit dem Handy, also kann ich sie Ihnen direkt schicken?" schlug ich vor was Kate dazu veranlasste mir ihre Handynummer aufzuschreiben. "Danke." sagte ich, als sie mir den Zettel überreichte. Diese Frau war etwas Besonderes. Und ich würde den Teufel tun diese Freundschaft, sofern man davon sprechen konnte, zu versauen.

                "Gerne" meinte sie lächelnd und nickte weiter nach vorne. "Und jetzt einmal hin und her laufen, bitte." Die Umstehenden sahen ebenfalls zu wie ich den Mantel auszog und einmal auf und ab ging. Wie ein Model, das über den Laufsteg ging. Naja, vielleicht nicht ganz so elegant, aber mein Gang hatte sich deutlich verbessert, was auch mir nicht entging. Kate begann zu klatschen.

                "Ein riesen Kompliment an Sie, Beth. Sie haben wirklich Großes geleistet." Sie ging auf mich zu und küsste meine Wange als Anerkennung. Derweil bekam ich eine Nachricht auf mein Handy.

                "Danke" sagte ich und zog meinen Mantel wieder an. "Ich muss aber jetzt gehen. In zwei Wochen ist es soweit und ich hab' noch das ein oder andere zu richten." lächelte ich Misses Hemsworth an, die mein Lächeln erwiderte.

                "Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend, Beth. Und ganz viel Spaß auf der Con." wünschte sie mir noch ehe ich winkend die Apotheke verließ und nach Hause joggte. Das war ja schon fast zum Ritual geworden.

                Endlich hatte ich Zeit, um mir die Nachricht anzusehen, die ich auf mein Handy bekommen hatte. Jemand hatte sich auf den Foreneintrag gemeldet. Und nicht mal jemand unwichtiges. Der Betreiber des Forums hatte wohl dieses Gerücht recherchiert und bestätigte es jetzt. Nur die Flugzeiten konnte er nicht angeben. Meinte aber, dass die Maschine wohl gegen Mittag landen würde. Diese Nachricht trat sofort einen Hype los, der in hunderten Nachrichten ausuferte. Letztendlich schloss der Betreiber den Thread. Aber nutzen tat das nicht wirklich etwas, denn es wurde direkt ein neuer Thread eröffnet. Ich musste lachen, als auf der Site plötzlich 3000 Gäste zu sehen waren. Der arme Flughafen tat mir jetzt schon leid. Ich dachte darüber nach nicht zu einem Teenie zu werden und kreischend die Stars zu erwarten. Aber am Fenster stehen und die Flugzeuge zu beobachten, das wäre sicher aufregend. Und nicht ganz so gefährlich. Denn wenn auch nur die Hälfte dieser Gäste kommen würde gäbe das ein Gedränge, dass es sicher ein paar Verletze geben würde. Aber das lag noch gut eineinhalb Wochen in der Zukunft. Und bis dahin ließ ich mir Zeit mich zu entscheiden. Der LaGuardia Flughafen war eh nicht weit weg, also konnte ich auch in letzter Minute einen Abstecher dort hin machen.

 

16. Oktober 2017

                Die Zeit schien wie im Flug zu vergehen. Ich redete mir ein, dass das immer so wäre. Bis eine Woche davor, dann fühlte sich die Wartezeit wie ein Jahr an. Und dabei war es schon Zeit sich zu entscheiden ob ich zum Flughafen fahren sollte oder nicht. Also ging ich vor meinen Schrank und sah mir die vielen neuen Klamotten an, die ich mir gekauft hatte. Es war nicht die Menge wie sie eine typische Frau hatte aber dennoch musste ich überlegen welche Hose ich tragen wollte, nach welchem Shirt mir der Sinn war und welche Schuhe ich tragen wollte. Gott sei Dank brauchte ich mir um die Farbe keine Gedanken zu machen. Letztendlich wanderte die Bondagehose und das Shirt mit dem Totenkopf auf den Stuhl, den ich neben meinem Bett stehen hatte. Dazu die locker geschnürten Stiefel und den neuen Mantel. Ich besah mich im Spiegel, betrachtete was ich geleistet hatte und strich die Kurven nach, die wirklich ansehnlich waren. Tief atmete ich durch und sah nochmal zu den Klamotten. Die Entscheidung war gefallen. Ich würde also morgen an den Flughafen fahren. Mit diesem Gedanken ging ich in die Küche, schnitt mir eine Salatgurke zurecht und machte mir einen Shake, den ich mir seit zwei Monaten nicht mehr gegönnt hatte. So beladen setzte ich mich an den PC und sah mir nochmal das Forum an, in dem ich die Nachricht gelesen hatte. Es hatte sich tatsächlich noch mal etwas getan. Der Betreiber, der vorhin recherchiert hatte, hatte einen neuerlichen Hype ausgelöst indem er Uhrzeit und Flugnummer heraus gefunden und gepostet hatte. Ich war, ehrlich gesagt, gespannt wie viele Fans sich dort versammeln würden. Also beschloss ich etwa eine Stunde vorher dort zu sein, um mir einen Platz am Fenster zu suchen, wo ich die Flugzeuge sehen konnte. Aber jetzt wollte ich den Abend ausklingen lassen und setzte mich mit dem Rest Essen und Trinken auf die Couch und startete die DVD, die ich mir eingelegt hatte. Heute wollte ich mit dem berühmten Barbaren einschlafen. Vielleicht würde ich ja endlich mal von ihm träumen.

 

17. Oktober 2017

                Aber auch am nächsten Morgen stellte ich brummend fest, dass es wieder nicht geklappt hatte. Dafür hatte ich gute Laune, denn heute sollte ein Teil der Stars ankommen. Als ich im Bad stand fiel mir siedend heiß ein, dass ich nicht mal wusste wer überhaupt ankommen würde. Mit der Zahnbürste im Mund startete ich den PC und ging in das Forum, das mir gestern die Uhrzeit gesagt hatte. Vielleicht stand dort ja noch etwas. Aber mehr wie die blöde Cersei, Jamie und Konsorten war nicht zu finden.

                "Ach nööööööö." mopperte ich und ließ mich gegen den Stuhl fallen. Aber Fans wie ich hatten immer noch eine Idee in petto, wo sie nachsehen konnten. Also startete ich Instagram und sah nach, was Jason gepostet hatte. Und tatsächlich. Er wäre bei diesem Flug auch dabei. Während ich die Zahnbürste als Mikro benutzte, wirbelte ich das Handtuch, das ich mir um den Hals gelegt hatte, in der Luft herum. Euphorisch gab ich Thunder von Imagine Dragons zum Besten, mit dem Hintergedanken, Jason Momoa heute vielleicht sehen zu können.

 

                Wie ich bereits vermutet hatte war das Parkhaus des Flughafens brechend voll. Es gab natürlich noch freie Plätze, aber die musste man suchen. Letztendlich fand ich einen ziemlich weit weg vom Gate, aber mit meiner neuerlichen Kondition joggte ich den Weg bis ins Terminal, wo ich mich erst mal nach der Flugtafel umsah, auf der die Flüge angekündigt wurden. Jasons Maschine hatte Verspätung und würde an Gate drei ankommen. Also machte ich mich auf den Weg dorthin und fragte unterwegs jemanden, wo es ein Fenster gab, durch das ich die ankommenden Flugzeuge beobachten konnte. Auch wenn der Flughafenfutzi mich schräg ansah führte er mich sogar an jenes Fenster, das mich vor der Masse an Fans bewahren würde.

                "Danke" sagte ich freundlich lächelnd und setzte mich auf einen der Sitze, die hier aufgestellt waren. Zwei Reihen, Rücken an Rücken, auf denen man auf seinen Flug warten konnte. Ich hatte es geschafft um etwa 14 Uhr hier zu sein. 15:18 Uhr sollte die Maschine eigentlich ankommen, aber das verschob sich ja. Also zog ich mein Handy heraus und spielte das ein oder andere Spiel, um mich abzulenken. Und es klappte auch sehr gut. Derweil war vor dem Fenster die Hölle los. Ich konnte gedämpft Stimmen hören. Oder waren es Begeisterungsschreie, weil eines der Mädchen einen Platz in der ersten Reihe ergattert hatte? Ich stand auf, um mir die Menge anzusehen, die sich draußen gebildet hatte. "Ach du meine Güte!" sagte ich leise und hielt mir die Hand vor den Mund. Meine Augen hatten sich geweitet. Das waren keine 1.500 Leute. Ich schätzte die Masse auf etwa 4 oder 5.000 Leute. Besonders gut im Schätzen war ich nicht, aber so voll wie es dort draußen war… Man hatte den Bereich abgesperrt, in dem die Stars aussteigen würden. Ich zählte zwanzig Sicherheitsleute, die die Menge im Zaum hielt. Aber die Masse breitete sich zu beiden Seiten aus und somit glaubte ich nicht, dass zwanzig Securitys reichen würden. Meine Meinung wurde auch kaum zwei Minuten später bestätigt, denn ein Kleinbus voller zusätzlicher Männer kam angefahren. Die Herren verteilten sich im Laufschritt an den Absperrungen. Ich hatte mich mittlerweile beruhigt und war mal wieder froh in meinem Alter zu sein, in dem mir doch der ein oder andere Einfall half. Dann setzte ich mich wieder und spielte weiter ein paar Spiele. Als ich um 15:59 Uhr auf die Uhr sah stand ich von meinem Sitz auf und sah zu einer anderen Tafel, die ebenfalls die Flüge zeigte. Jasons Maschine stand immer noch auf 16:18 Uhr. Also würden sie bald eintreffen. Eigentlich müsste ich dem Typ, der mir das Fenster gezeigt hatte, die Füße küssen, denn von hier aus konnte ich wirklich alles sehen. Wie die Securitys verzweifelt gegen die Flut von Mädchen ankämpften. Wie ein anderes Mädchen von Sanitätern weggebracht wurde, weil sie ohnmächtig zwischen den Leuten lag, von denen sich ein paar gnädig gezeigt und das Mädchen zu einer Absperrung getragen hatten. "Armes Mädchen. Die bekommt nichts mehr mit." murmelte ich vor mich hin. Dann sah ich zu dem Korridor, den die Herren schon im Vorfeld gemacht hatten und in dem nur noch der rote Teppich fehlte, den Cersei sich sicher gewünscht hätte. Ich mochte die Frau überhaupt nicht. In 300 sah sie zwar sympathischer aus aber das Panel auf der Comic Con 2011 oder 12 hatte ihr den Garaus gemacht. Ich fand sie nicht nur in ihrer Rolle absolut arrogant. Ich sah nochmal auf die Uhr: 16:15 Uhr. Mein Blick ging zum Himmel wo in einiger Entfernung ein Flugzeug im Landeanflug war. Nochmal sah ich auf die Uhr. Zeittechnisch passte das. Ich holte mein Handy heraus um ein paar Bilder zu machen. Ein Video würde ich mir aufheben bis sie aus der Maschine stiegen. Das Flugzeug setzte zur Landung an, rollte eine Weile aus und steuerte dann auf das Gate zu, das draußen abgesperrt war. Ich konnte spüren wie vor Aufregung mein Herz zu rasen begann. Das Flugzeug hielt an und man schob direkt die Treppen hin, damit die Leute aussteigen konnten. Dann ging die Tür auf. Ich hatte das Handy auf Video umgestellt und hielt es tapfer auf die Tür gerichtet. Tyrion kam als erstes aus der Maschine und sofort schwoll das Kreischen an, das man hinter der Scheibe, wo ich stand, sehr gut hören konnte. Schmunzelnd schüttelte ich den Kopf. "Sind doch auch nur Menschen." murmelte ich vor mich hin während Daenerys, Jamie, Cersei, Arya, Sansa, Tywin, Jon, Robb, Catelyn und Eddard ausstiegen. Natürlich folgten noch ein paar, die ich hier nicht unbedingt aufzählen muss, aber letztendlich war etwa die Hälfte der Schauspieler heute angekommen. Aber Jason war noch nicht zu sehen. Enttäuscht sah ich auf das Display, das sich gerade veränderte und ein großer Mann, der sich etwas beugen musste, um heraus zu kommen, in der Tür stand. Sofort hob ich meinen Kopf und lief rot an, weil mir direkt der ein oder andere, nicht jugendfreie, Gedanke durch den Kopf schoss. Er sah unglaublich attraktiv aus. Mit den offenen, langen Haare, den lockeren Jeans, dazu ein langes Shirt und darüber eine Anzugweste, die er geschlossen trug. Und, wie konnte es anders sein, die Flip Flops, die er wohl salonfähig machte. Unwillkürlich musste ich lachen, weil der Inbegriff eines Mannes diese Schuhe trug. Aber sie passten einfach super zu ihm. Er sah sich einen Moment um während die weiblichen Fans an der Absperrung einen Herzinfarkt nach dem anderen bekamen. Und er war noch nicht mal an ihnen vorbei gelaufen. Ich hatte das Gefühl, dass sein Blick einen Moment an meiner Scheibe haften blieb. Keine Ahnung ob er mich sehen konnte. Die Außenscheiben hatten mich noch nie interessiert, geschweige denn, dass ich jemals geflogen wäre und somit wusste, ob man durch die Scheiben durch sehen konnte. Trotzdem beschleunigte der Gedanke, dass er mich vielleicht sehen konnte, meinen Puls auf 1.000 auch wenn ich nun nicht austicken und wie ein aufgescheuchtes Huhn rumrannte. Weiter hielt ich das Handy auf Jason, der seinen Rucksack richtig schulterte und die Treppe runter lief, wo ihn schreiende Mädchen begrüßten. Ich veränderte meine Position ein wenig, damit ich ihn noch eine Weile filmen konnte. Bis er dann nicht mehr zu sehen war. Ich beendete das Video und schob mein, nun überaus wertvolles, Handy in die Manteltasche. Ich hatte bekommen was ich wollte. Einen ersten Blick auf den Mann, der Khal Drogo verkörperte. Und mit diesem Gedanken ging ich zurück in die große Halle. Ich ließ mir Zeit, da ich wusste, dass sich die Fans jetzt überall drängen würden, um nochmal einen Blick auf die Stars zu werfen. Ich war ziemlich geistesabwesend, stellte ich mir seine braunen Augen vor, die mich musterten, als ich meinen Blick klärte und eine recht große Gruppe sah.

                "Da vorne rechts!" rief eine mir bekannte Stimme, die Jon Schnee gehörte. Stirnrunzelnd sah ich mich nochmal um ehe ich nach dem König des Nordens suchte, der sich in Daenerys verliebt hatte. Mein Blick fiel zuerst auf Ygritte, die real mit Jon Schnee liiert war. Es wunderte mich, dass hier keiner rum rannte und "JON! JON!" rief. Also sah ich mich nochmal um. Irgendwie war es hier viel zu ruhig.

                "Hmm" machte ich nachdenklich. "Ich bin irgendwo falsch abgebogen." Dabei sah ich mich um, sah wie die Schauspieler nach und nach, für mich links, abbogen. Wohl zur Kofferausgabe. Konnte man wirklich so viel Glück haben? Ich ging noch ein paar Schritte weiter und besah mir die Meute, die am liebsten schon in ihrem Hotel wäre. Ich hörte ein Frauenlachen, das mich an Daenerys erinnerte und ging auf die Zehenspitzen, um zu sehen ob ich recht hatte. Emilia Clarke war eine unheimlich sympathische Person. Es war sicher ein Fest sich mit ihr zu unterhalten. Ich konnte sie nicht sehen, aber dafür sah ich Khal Drogo umso besser. Natürlich. Der Kerl war 1,93 Meter groß und war nirgends wirklich zu übersehen. Schnell holte ich mein Handy heraus, um noch ein Video zu machen. So nah würde ich meinem Star nicht mehr sein. Ein breites Grinsen schob sich auf meine Lippen als ich neben ihm endlich Daenerys entdeckte, die über seine Witze lachte.

                "… hat mich der Länge nach hin gelatzt." sagte er, als er gerade abbog, um ebenfalls zu der Kofferausgabe zu kommen. Leise begann ich zu lachen als ich mir vorstellte wie der Riese, so lang wie er war, auf dem Boden lag. Und da es hier nicht gerade laut war konnte er mich hören. Er hob seinen Blick, was ich auf dem Handy sehen konnte, und sah mich an während er weiter ging. Auch Daenerys sah kurz zu mir rüber ehe sie ihren Blick wieder geradeaus richtete. Nur Jason hielt noch eine Weile seinen Blick auf mir, den ich mittlerweile erwiderte. Eigentlich hatte ich mir immer vorgestellt, dass ich über ihn herfallen würde, käme er mir jemals so nah, aber nichts dergleichen geschah. Lediglich zwei Menschen, die sich zufällig trafen, sahen sich an. Erst als er durch die Tür war sah er zu Daenerys runter. "Interessant." konnte ich noch hören ehe er aus meinem Blick- und Hörfeld war. Ich beendete das Video und blinzelte ungläubig die entfernte Tür an.

                "Das glaubt mir kein Mensch." Ich versuchte ruhig zu atmen, denn ich hatte das Gefühl, dass ich gleich in Ohnmacht fallen würde. Jason Momoa, der Mann, der mein Höschen in Flammen setzte, hatte sich viel Zeit genommen, um mit mir Blickkontakt zu halten. Ich hob beide Brauen, sog die Luft in mich ein und ging ein paar Schritte weiter, um durch die Tür zu sehen. Eigentlich sollte dort reger Betrieb sein, aber außer den Game of Thrones Stars war niemand zu sehen. "Die haben hier sicher abgesperrt." Was mir auch direkt bestätigt wurde.

                "Hey! Sie da! Wie kommen Sie hier rein?" wollte der Sicherheitstyp wissen als er auf mich zuging. Ziemlich schnell, als hätte er etwas ganz Wichtiges zu erledigen.

                "Wenn ich ehrlich sein soll, weiß ich das nicht. Als ich vorhin zurück ins Parkhaus wollte, hatte ich mich auf mein Handy konzentriert und bin wohl irgendwo falsch abgebogen." erklärte ich ihm meine Vermutung auch wenn das mit dem Handy eine kleine Lüge war. Der Typ sah mich misstrauisch an.

                "Und wohin wollen Sie jetzt?" hakte er weiter nach während ich mein Handy in den Mantel schob.

                "Zu meinem Auto." sagte ich freundlich lächelnd und holte die Parkkarte aus meiner Manteltasche um sie ihm zu zeigen. Er begutachtete die Karte einen Moment, dann nickte er und wies mit der flachen Hand hinter sich.

                "Kommen Sie. Ich bringe Sie bis zum Parkhaus." bot er mir an.

                "Oh. Vielen Dank. Sehr freundlich von Ihnen." bedankte ich mich sofort und folgte ihm. Seine Sorge war wohl somit unbegründet und machte sich auch keine Gedanken mehr darum. Als er vor einer breiten Glastür stehen blieb, wandte er sich mir zu und sah zu mir runter.

                "Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag." verabschiedete er sich lächelnd und hob mir die Tür auf.

                "Den wünsche ich Ihnen auch." erwiderte ich sein Lächeln und verschwand dann hinter der Tür. Ich steuerte die Parkbucht an, in der mein Wagen stand und setzte mich erst mal in den Innenraum. "Wie viel Glück kann man haben?" fragte ich mich noch mal ehe ich den Wagen startete und in Richtung eines Automaten fuhr, an dem ich bezahlen konnte. Dann verließ ich das Parkhaus und steuerte auf Manhatten und den Central Park zu. In meiner Wohnung fing ich natürlich zu feiern an. Jason hatte mich angesehen. MICH! Das war der beste Tag in meinem Leben. Die Videos auf meinem Handy packte ich sofort auf einen Stick, damit sie nicht verloren gingen. Kannte man ja die seltsamen Anwandlungen, die ein PC haben konnte. Und ich wollte nicht riskieren, dass so eine Anwandlung mir meine hübsche Sammlung an Fotos und Videos vernichtete. Kate schickte ich die Bilder und das erste Video, das ich am Fenster gemacht hatte mit dem Vermerk, dass der letzte Jason Momoa war, den ich so sehr mochte. Aber was danach passiert war traute ich mich nicht ihr zu erzählen. Konnte ich es ja selbst kaum glauben. Aber ich hatte es wirklich erlebt. Die Augen, die so finster schauen konnten und dabei so sexy aussahen, würde ich in meinen zukünftigen Träumen noch sehen. Hoffte ich zumindest, denn bisher hatte ich kein Glück Jason in meinen Träumen vor zu finden. Und auch in dieser Nacht blieben meine Träume Jason-frei.

 

18. Oktober 2017

                Es war sicher schon fünfzehn Jahre her, als ich diesen Sonnyboy zum ersten Mal im Fernsehen gesehen hatte. Damals dachte ich noch, dass er mein Sohn sein könnte. Dabei war er nur zehn Jahre jünger als ich. Und in diesem Alter dachte ich an alles nur nicht ans Kinder kriegen. Da hatte ich noch die Schulbank gedrückt und versuchte meine Noten auf einem anständigen Level zu halten. Dann kam die Highschool und dann das College, das ich abgeschlossen hatte. Und nicht mal schlecht. Eine glatte zwei hatte mir meinen Abschluss gebracht. Und jetzt saß ich zuhause und malte Bilder, deren Entstehung ich auf Video aufnahm und dann zu einem Speed Painting machte. Ein richtiger Job wäre mir zwar lieber, aber die Bilder brachten auch Geld, das mich leben ließ. Und heute musste ich mich mit Mails rumschlagen, die mir Fans schrieben. Die eine nett die andere obszön. Und wieder andere waren Spam. Wenn man das abstellen könnte wäre ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Aber wir sind ja nicht bei 'Wünsch Dir was'. Dennoch gab es die eine oder andere Mail, die ich gerne beantwortete. Vorschläge für Bilder, die ich malen sollte oder Anfragen, wann das nächste Bild online kommt. Ich schrieb zwar immer dazu, wann das nächste Video etwa kommen würde, aber das reichte wohl nicht jedem. Und dann war da noch diese Mail von JosephHawaii79. Wieder hatte er eine Anfrage wegen eines Portraits gemacht und diesmal eine höhere Summe dazu geschrieben. Meine Braue kroch bis an den Haaransatz als ich die Summe las. 25.000 Dollar war diesem Joseph das Bild wert. Beim letzten Mal dachte ich noch, das wäre eine Verarsche, aber irgendwie sagte mir mein neu erworbenes Bauchgefühl, dass ich die Nachricht beantworten sollte. Also drückte ich auf 'Antworten' und begann zu schreiben.

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Von: BethanyBathory

Betreff: Portrait

Datum: 18. Oktober 2017, 10:26 Uhr

An: JosephHawaii79

 

Hi JosephHawaii79,

 

Dein Angebot ist sehr lukrativ aber dennoch muss ich ablehnen. Ich habe nicht die Zeit, um ein zusätzliches Projekt anzunehmen.

 

BETHANYBATHORY

Ich bade grundsätzlich im Blut einer Jungfrau. J

 

Ich schickte die Nachricht ab und ging wieder in die Küche, um mir mein Abendessen zu richten. Ich nahm es mit ins Wohnzimmer und setzte mich auf die Couch; verbrachte den restlichen Abend mit den Filmen von Jason, um mich auf das Wochenende einzustimmen.

 

                Erst mal freute ich mich, dass ich nur 25 Minuten mit dem Bus bis zum Javits Center hatte oder etwa vierzig Minuten zu Fuß. So brauchte ich mir keine Sorgen wegen der Parkmöglichkeiten zu machen. Was schon ein riesen Vorteil war, denn 1.000e Autos würden sich um das Center drängeln. Und ich würde gediegen zum Eingang laufen. Ich musste lachen, ob dieser Tatsache und verschüttete meinen Tee, der leider viel zu heiß auf meinem Shirt landete. Mit einem lautstarken Fluchen setzte ich mich sofort auf, stellte die Tasse weg und zog mein Shirt von meiner Haut, die an der Stelle sicher knall rot war. Letztendlich zog ich das Shirt aus und kühlte die Stelle mit einem Waschlappen, den ich vom Bad mit ins Schlafzimmer trug, um mir dort ein frisches Shirt aus dem Schrank zu holen. Ich warf das nasse Shirt im Vorbeigehen in den Wäschekorb und musste fest stellen, dass ich eine ganz blöde Stelle getroffen hatte. Also offenes Dekolleté konnte ich mir abschminken wenn die Stelle so rot bleiben würde. Und im Moment machte sie keine Anstalten zu verblassen.

                "Scheiße!" motzte ich den Spiegel an ehe ich die Tür öffnete und nach einem schwarzen Shirt griff, das ich mir überstreifte und sogleich feststellte, dass die Stelle brannte. Brummend ging ich ins Bad zurück, um den Waschlappen trocknen zu lassen und dann in die Küche, wo ich die Brandsalbe heraus suchte. Das Gel tat gut, kühlte meine Haut perfekt und würde hoffentlich seinen Dienst tun. Vorsichtshalber legte ich noch eine Kompresse darauf damit das Gel sich nicht dort verteilte, wo es nicht hin gehörte. Als ich endlich versorgt war ging ich zurück auf meine Couch, um weiter den Film zu genießen, der mich auf das Wochenende einstimmen sollte. Aber irgendwie konnte ich nichts von dem Film sehen, schwirrte mir plötzlich ein Augenpaar durch den Kopf, das mich doch ziemlich fesselte. Ich konnte immer noch nicht fassen, dass ich Jason so lange in die Augen sehen durfte. "Das war echt riesiges Glück." sagte ich gegen die Decke, denn ich hatte mich auf der Couch lang gemacht. Meine Hände fanden ihren Weg unter meinen Kopf während ich darüber sinnierte was gestern geschehen war. Konnte ich mich darüber freuen, dass er mich gesehen hatte? Oder war das nur so ein Zufallsmoment, den man gleich wieder vergisst? Ich begann schon wieder Hoffnung in mir aufkeimen zu lassen, die ich sofort erstickte. Ich schüttelte den Kopf und fing an darüber zu lachen. "So ein Unsinn." Mit lachend verzogenen Augen sah ich wieder auf den Bildschirm wo der halbnackte Jason in der weißen Hose und den vielen Tattoos sich gerade auf einen Kampf vorbereitete. Dabei hatte ich natürlich kein Interesse für den Kampf sondern sabberte nur diesen unheimlich schönen Mann an, der mir gestern einen Augenblick seiner Zeit geschenkt hatte. Plötzlich schnappte ich mir ein Kissen und drückte es mir auf das Gesicht, damit man meine Schreie nicht hören konnte. Im Takt zu den Schreien zappelte ich hin und her wobei ich mich an das Kissen klammerte. Dann nahm ich es runter und strich mir mit der Hand über mein Gesicht. "Das ist doch lächerlich. Du bist achtundvierzig und keine sechzehn!" schimpfte ich mich selbst, um mich zur Räson zu rufen. Ich warf das Kissen ans Ende der Couch und richtete mich auf, stützte meinen Kopf auf meine Hände und dachte eine Weile nach. "Egal" Ich zuckte die Schultern und machte den Fernseher etwas lauter, weil ich seinen Bass genau hören wollte. Und über diesen Bass schlief ich ein, träumte von einem Schminktisch auf dem eine ganze Palette Kajalstifte lag aber Jason, dem die Augen schwarz geschminkt wurden, sah ich wieder nicht.

 

19. Oktober 2017

                Und so erwachte ich, mal wieder brummend, am nächsten Morgen. Ein Bein und ein Arm hingen von der Couch und die Position drohte mich herunter fallen zu lassen. Und im nächsten Augenblick war es soweit. Ich bewegte mich falsch und lag zwischen Couch und Tisch auf dem Boden.

                "Super." murrte ich und rappelte mich auf, um ins Bad zu gehen. Auf dem Weg startete ich den PC weil ich meine E-Mails checken musste. Aber das konnte bis nach dem Duschen warten. Und außerdem musste ich meinen Sidecut rasieren. Also ließ ich mir Zeit, um alles Wichtige heute zu erledigen, damit ich morgen nur noch einmal duschen musste und die Klamotten anziehen.

                Gute zwei Stunden später hatte ich endlich einen Kaffee in der Hand und öffnete meinen E-Mail Client, um meine Nachrichten abzufragen. Spam, Werbung, Anfragen, Partnerprogramm und wieder dieser JosephHawaii79. Ich verdrehte meine Augen, als ich die Nachricht öffnete und den Inhalt zu lesen begann.

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Von: JosephHawaii79

Betreff: Portrait

Datum: 19. Oktober 2017, 9:14 Uhr

An: BethanyBathory

 

Ich meinte auch nicht sofort, denn an diesem Wochenende bin ich ausgebucht. Aber vielleicht, wenn ich wieder Zeit habe. J Und Du natürlich auch.

 

JOSEPHAWAII79

Ohana heißt Familie

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Von: BethanyBathory

Betreff: Portrait

Datum: 19. Oktober 2017, 9:17 Uhr

An: JosephHawaii79

 

Hi Joseph,

 

ich geb' mich geschlagen. Aber erst muss ich ein anderes Bild fertig machen. Und dann bin ich am Wochenende auf einer Con. Es zieht sich also noch eine Weile hin. Wenn Du damit leben kannst können wir ins Geschäft kommen.

 

BETHANYBATHORY

Ich bade grundsätzlich im Blut einer Jungfrau. J

 

Ich schickte die Nachricht ab und widmete mich dann dem Bild, das zur Hälfte gemalt war. Und selbst jetzt fiel mir nicht auf, dass wir das gleiche Wochenende meinten. Seufzend warf ich einen Blick auf den Bildschirm auf dem sich das Popup für meine Mails geöffnet hatte. Meine Braue schob sich nach oben als ich sah von wem die E-Mail war. Erneut seufzte ich und öffnete die Mail.

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Von: JosephHawaii79

Betreff: Portrait

Datum: 19. Oktober 2017, 9:20 Uhr

An: BethanyBathory

 

Doch nicht die Games – Con Reunite?

 

JOSEPHAWAII79

Ohana heißt Familie

Stirnrunzelnd las ich mir diesen Satz sicher zwanzig Mal durch ehe ich nachdenklich auf die Tastatur sah, auf meine Maus und wieder zurück. Ich glaubte irgendwie nicht, dass er locker lassen würde und beantwortete auch diese Mail.

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Von: BethanyBathory

Betreff: Portrait

Datum: 19. Oktober 2017, 9:22 Uhr

An: JosephHawaii79

 

Doch, genau diese Con. Warum?

 

BETHANYBATHORY

Ich bade grundsätzlich im Blut einer Jungfrau. J

 

So viel hatte ich mich auch noch nicht mit einem Abonnenten unterhalten. Wobei man das nicht als Unterhaltung zählen konnte. Schriftverkehr war da das bessere Wort. Ich schickte auch diese Nachricht ab und sah wieder zu dem Bild, das ich eigentlich weiter malen sollte.

                "HERR GOTT!" rief ich aus, als die Antwort auf dem Fuße folgte.

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Von: JosephHawaii79

Betreff: Portrait

Datum: 19. Oktober 2017, 9:24 Uhr

An: BethanyBathory

 

Find ich ja mal klasse. Vielleicht sehen wir uns dort. J

 

JOSEPHAWAII79

Ohana heißt Familie

 

Nun krochen beide Brauen hoch. Niemals wollte ich meine Abonnenten kennen lernen. Und jetzt das. Ich pustete die Luft zwischen meinen Lippen hindurch, so dass sie zu flattern begannen während ich auf 'Antworten' klickte.

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Von: BethanyBathory

Betreff: Portrait

Datum: 19. Oktober 2017, 9:26 Uhr

An: JosephHawaii79

 

Und wie erkenne ich dich?

 

BETHANYBATHORY

Ich bade grundsätzlich im Blut einer Jungfrau. J

 

Ich klickte auf 'Senden' und hoffte, dass etwas kommen würde. Aber selbst nach einer Stunde kam keine Antwort. Ich zuckte die Schultern und machte mein Equipment bereit um das Bild fertig zu malen. Es war gerade mal Mittag also würde ich es gegen Abend fertig haben. Dann musste das Video noch auf super-super-super-Zeitraffer gestellt werden, mein Intro und Outro dazu und schon konnte ich das fünfzehn Minuten Video hoch laden. Ich hatte ein sehr hübsches Bild von Jason gefunden, das ihn vor der untergehenden Sonne zeigte. Er stand im Halbprofil zur Sonne, deshalb wirkte es unheimlich romantisch. Das würde ich mir in einen Rahmen packen und an die Wand hängen. Bei diesem Gedanken sah ich mich um und begann zu lachen. Das Zimmer, in dem ich mein Büro eingerichtet hatte, war ein Jason Momoa Schrein. Jeder freie Platz war mittlerweile mit seinen Bildern behängt. Also musste ich auf das Schlafzimmer ausweichen. Ich würde schon einen Platz finden. Hoffentlich.

 

                Nachdem ich das Video hoch geladen und fertig gemacht hatte, machte ich mir endlich etwas zu Essen. So ganz ohne war mittlerweile ungewohnt für mich. Während ich mir die Sandwiches fertig machte spürte ich die Aufregung in mir aufsteigen. Mir ging dieser Moment im Flughafen durch den Kopf, als er mich angesehen hatte. Und schwupps war ich die Gänsehaut in Person. Als würde ich frösteln rieb ich mir über die Arme und ging mit meinem Teller und einer Flasche Wasser ins Wohnzimmer. Ich schnappte mir ein Sandwich und stellte mich ans Fenster, das auf den Central Park zeigte. Es dämmerte bereits und die Straßenlaternen schalteten sich gerade ein. Ich sah dem Aufflammen der Lichter hinterher bis ich nichts mehr sehen konnte. Es dauerte eine Weile bis sie auf der anderen Seite fertig waren. Schmunzelnd stellte ich mir vor, wie Professor Dumbledore diese Lichter mit seinem Deluminator wieder an ihre Plätze brachte. Ich biss in mein Sandwich und beobachtete den kläglichen Rest der Menschen, die von der Arbeit nach Hause gingen oder einfach den Heimweg von einem Spaziergang antraten. Dann fiel mir eine große Gruppe Leute auf, die sich wohl auf den Weg in den Park machte. Neugierig betrachtete ich die Gruppe die, herzlich lachend, Richtung dem Eingang gingen, der meiner Wohnung fast direkt gegenüber lag - Ja, ich hatte tatsächlich genau gewusst, warum ich diese Wohnung haben wollte. Neugierig öffnete ich das Fenster und lehnte mich, wie so eine alte Tratschtante, aus dem Fenster, um vielleicht etwas von den Gesprächen mit zu bekommen. Aber sie waren schon zu weit weg, als dass ich hätte ein Wort verstehen können. Ich sah nochmal rechts und links die Straße entlang ehe ich einen letzten Blick auf die Gruppe warf, von der sich jemand gelöst hatte. Er stand unter einer Laterne und schien etwas an seinem Handy zu machen. Einen kleinen Augenblick später hörte ich meinen E-Mail Client. Ich hatte vergessen den Rechner herunter zu fahren. Brummend ging ich rüber ins Büro und sah, dass es eine Nachricht von Joseph war. Ich hob eine Braue und sah in Richtung des Fensters. Dann fing ich an zu lachen, schüttelte den Kopf und meinte:

                "Ach was." Ich verwarf den Gedanken und las seine Nachricht.

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Von: JosephHawaii79

Betreff: Portrait

Datum: 19. Oktober 2017, 18:04 Uhr

An: BethanyBathory

 

Hi Beth,

 

sorry, dass ich mich nicht gemeldet habe. Bin heute ziemlich beschäftigt gewesen. Ich werde schwarze Jeans tragen, ein braunes Shirt und eine braune Lederjacke. Aber ehrlich gesagt, werde ich nicht viel Zeit haben. Magst Du mir Deine Handynummer geben? Dann kann ich Dir schreiben, wann ich Zeit habe.

 

LG

 

JOSEPHAWAII79

Ohana heißt Familie

 

Wieder klickte ich auf 'Antworten' und gab ihm meine Handynummer. Als ich mein Handy hörte, fuhr ich den Rechner runter und ging ins Wohnzimmer, um die Nachricht zu lesen.

      [Hi. Joseph hier.] beinhaltete die WhatsApp. Ich speicherte mir die Nummer und lief derweil zum Fenster, das ich vergessen hatte zu schließen. Kurz sah ich nochmal runter zu der Laterne doch der Typ war nicht mehr da. Ich schloss das Fenster und machte es mir wieder auf der Couch gemütlich. Auf dem Bildschirm flackerte 'Underworld' und beschallte leise meine Wohnung. Dann nahm ich mein Handy wieder an mich und sah auf die WhatsApp.

      [Jetzt warst du aber schnell mit antworten.] Ich lächelte und drückte auf den Sendenpfeil. Da ich den Chat offen ließ konnte ich sehen, ob er on war. Glücklicherweise hatte er es nicht eingestellt, dass man ihn wirklich nur dann sah, wenn er im Chat war.

      [Ja. WhatsApp geht doch um einiges schneller.] tat er seine Meinung kund, die mich nicken ließ, als könne er es sehen.

      [Da hast du allerdings Recht. Ich werde mich aber jetzt hin legen. Ich will morgen um sechs aufstehen.] schickte ich als Antwort zurück, die fast umgehend beantwortet wurde.

      [Ja, so um den Dreh muss ich auch aufstehen. Dann wünsche ich dir eine gute Nacht. Ich melde mich morgen bei dir.] bekam ich zurück und wollte nun nicht unhöflich sein.

      [Wünsche ich dir auch. Bis morgen.] Ein letztes Mal für heute drückte ich auf den Sendenpfeil und ging dann ins Schlafzimmer, um mich hin zu legen.

 

20. Oktober 2017

                Um sechs Uhr klingelte der Wecker, den ich am liebsten verflucht hätte. Denn er weckte mich zu einer Zeit, die eigentlich ein Unding für mich war. Aber gut, ich wusste ja wofür ich das machte. Ich schälte mich mühevoll aus der Decke, die mich zu fesseln schien. Aber ein 'Lass mich los' verkniff ich mir dann doch lieber auch wenn mir das gerade im Kopf rum spukte. Letztendlich warf ich die Decke von mir und knurrte sie böse an bevor ich mich ins Bad begab, um mich lange unter die Dusche zu stellen. Von warm auf lauwarm zu kalt, damit ich dieses frühe Aufstehen überstehen würde. Dann hieß es schminken. Schminken. Das hatte ich seit ein paar Jahrzehnten nicht mehr gemacht. Musste ich ja schließlich niemandem gefallen, also brauchte ich auch den Porenverstopfer nicht. Wenn ich aber mein Gesicht im Spiegel betrachtete musste ich gestehen, dass mir ein leichtes Makeup sicher gut stehen würde. Um diese Entscheidung zu untermauern suchte ich nach den Utensilien, die ich brauchte. Den einen oder anderen Kajalstift, weil ich nicht wusste welcher noch in Ordnung war. Irgendwo hatte ich auch noch ein Kästchen mit Lidschatten, das eigentlich noch gut sein sollte. Und dann Lippenstift. Ich hatte mir mal einen dunkelroten gekauft, weil ich davon überzeugt war, der würde von meiner Figur ablenken. Und es war jedes Mal so. Man sah mir immer zuerst auf meine Lippen. Wenn ich dann nach hakte hielten das alle für Unsinn.

                "Wo hast du zuerst hin gesehen, als ich rein kam?" hatte ich gefragt und sah dann das leichte Schmunzeln, das meinen Gegenüber verriet. Ich hatte dann nur gezwinkert und gelächelt. "Siehst du?" hatte ich angemerkt ehe wir uns dann unterhielten. Aber heute brauchte ich das nicht, trug ihn aber dennoch auf, weil der einfach sehr gut passte. Ein Lidstrich hier, etwas grünen Lidschatten da, der meine grünen Augen zur Geltung bringen sollte, und schon war das Makeup fertig. Ich wollte nicht wie ein Farbkasten herum laufen. Das bisschen reichte vollkommen. Nachdem ich damit zufrieden war machte ich mir die Haare. Ich föhnte mir das lange schwarze Haar mit der einen blonden Strähne, die fast ins Weiß ging. Ein paar Haargummis suchte ich mir noch aus ehe ich ins Schlafzimmer ging, um mich anzuziehen. Die Klamotten hatte ich ja gestern schon gerichtet. Zufällig fiel mein Blick auf die Uhr, die bereits 8:30 Uhr zeigte. Ich hob eine Braue und begann zu lachen.

                "Na sieh mal an. Ich mutiere noch zu 'ner Tussi." Herzlich fing ich an zu lachen ehe ich die viele Haut unter einem Mieder versteckte, in die Hose schlüpfte und die Strümpfe darunter zurecht zog. Manchmal konnte ich echt ein Umstandskrämer sein. Anstatt ich das vorher mit den Strümpfen machte zog ich erst die Hose an. Als ich endlich alles an hatte suchte ich nach meinem Schmuck, der sorgfältig ausgewählt werden wollte. Ein silbernes Kreuz für den Hals, die schwarzen Plugs mit den Wolfsköpfen drauf und natürlich Ringe en masse, aber die wollten nicht so wie ich. Ich hatte so viel abgenommen, dass mir die meisten nicht mehr passten. Also beschränkte ich mich auf ein paar Ringe, die ich mir an die größten Finger steckte. Das Outfit stand, noch etwas essen, damit ich nicht mitten auf der Con zusammen brach und dann ab auf die Con. Gegen 9 Uhr war ich fertig mit frühstücken. Jetzt musste ich noch meinen Rucksack richten, denn ich wollte einiges unterschreiben lassen, wenn es die Möglichkeit dazu gäbe. Dazu gehörten ein paar Bilder, die ich in einer Röhre mit schleppte, meine DVDs und das große Tuch, das ich mir hatte machen lassen, mit den acht blau-lila Streifen, die die Bemalung auf Khal Drogos Brust darstellen sollte. Dann fehlten noch zwei Flaschen Wasser und die Karte, die mich Jason und meinen Träumen näher brachte. Vielleicht hatte ich ja nochmal solches Glück wie am Flughafen.

                Nochmal sah ich mich in der Wohnung um und tastete mich dann ab, ob ich alles hatte. Das Handy überprüfte ich auch nochmal, ob es voll war. Das Ladekabel hatte ich eingepackt für den Fall, dass ich mein Handy aufladen musste. In so einer Halle gab es sicher eine Steckdose, an der ich notfalls aufladen konnte. Ich schlüpfte in meinen Mantel, schulterte den Rucksack und die Rolle und verließ die Wohnung, spürend, um die Nervosität, die stetig zunahm. Eigentlich kannte ich das schon. War ich bis 2014 regelmäßig auf der Comic Con und das war sicher auch kein kleiner Event. Aber heute war es anders. Ich hatte unglaublich abgenommen und diese Con drehte sich vollkommen um meine Lieblingsserie inklusive aller Schauspieler, die bis zum Ende der siebten Staffel mitgewirkt hatten. Naja, zumindest die Wichtigsten. Ich wusste, dass es etwa zwei Meilen bis zum Center waren. Vierzig Minuten zu Fuß, vielleicht zwanzig wenn ich die Strecke joggte. Also schlug ich Lauftempo an und fing an zu Joggen. Nach etwa 200 Meter blieb ich stehen und ging an eine Bushaltestelle. Vielleicht war es doch besser mit dem Bus zu fahren. So kam ich wenigstens nicht schnaufend dort an. Ich hatte Glück. Der Bus kam keine zwei Minuten später. Hinten im Bus war kein Platz mehr, zumal das Ding eh ziemlich voll war mit allen möglichen Leuten. Den einen sah man an, dass sie den gleichen Weg hatten wie ich während andere die Cosplayer kritisch beäugten. Leise begann ich zu lachen und schüttelte den Kopf über solch ignorante Menschen, die alles nur aus einer Schublade holten. Wie viel solche Leute doch verpassten. Ich sah zur Frontscheibe, um den Weg zu verfolgen, den der Bus nahm und sich auf das Center zu bewegte. Es dauerte vielleicht fünfzehn Minuten, bis der Bus die Haltestelle am Javits Center erreicht hatte. Die Straße war schon voll von Gästen, die darauf warteten in die Halle gelassen zu werden. Als ich aus dem Bus ausgestiegen war sah ich mich nach einer Beschilderung um während leise die berühmte Musik von Ramin Djawadi zu hören war. Eine Gänsehaut lief mir den Rücken runter wobei ich immer noch den Weg zum Eingang für die VIPs suchte. Hinter mir hörte ich ein hysterisches Aufschreien einiger Mädchen, die wohl dachten eine Limo mit den Stars gesehen zu haben. Natürlich hatte ich mich neugierig umgedreht und auch kurz Ausschau gehalten, aber nach dem Erlebnis am Flughafen hatte sich der Teenie in mir in eine Ecke zurück gezogen und überließ der Vernunft die Oberhand. Und darüber war ich auch ziemlich froh, denn solche Ausbrüche gestattete ich mir am liebsten zuhause, wenn mich niemand sehen konnte. Ich sah mich weiter um, suchte nach der Richtung, in die ich gehen musste, aber nichts wies daraufhin. Also sah ich mir den Haupteingang an.

                "Oh Mann." brummte ich vor mich hin während neben mir eine kleine Gruppe den Song 'The Rains of Castamere' anstimmte. Ich konnte nicht umhin in das Lied einzustimmen während ich die kleine Gasse entlang ging, die auf den VIP-Eingang zulief. Ich öffnete die Glastür, hinter der ich aufgehalten wurde. Natürlich, da könnte ja jeder kommen.

                "Karte bitte." murrte mich der mittelgroße Typ an, der mich aufgehalten hatte. Ich nahm den Rucksack vom Rücken und holte meinen Geldbeutel heraus, aus dem ich die VIP Karte zog. Ich zeigte sie dem Türsteher und wurde dann mit einem Lächeln weiter geleitet zu einem Tisch, an dem ein paar Leute saßen. Auch ihnen zeigte ich die Karte. Man legte ein Band um mein Handgelenk, das mich als Voll-VIP auswies.

                "Sie können die Karte wieder einstecken. Wenn Sie das Band verlieren..." Die junge Dame verdrehte lächelnd ihre Augen. "Also bitte aufpassen." sagte sie freundlich und bat mich dann beiseite, damit sie mich durchsuchen konnte. Standard. Wer sich diese Karte leisten konnte sollte eigentlich in Ordnung sein. Aber der Teufel war nun mal ein Eichhörnchen. Verständnisvoll legte ich den Mantel ab, damit sie mich abtasten konnte. Beim Mieder sah sie mich mit erhobener Braue an.

                "Ein Mieder." flüsterte ich ihr zu. "Ich hab' sehr viel angenommen." flüsterte ich weiter, was sie verstehend nicken ließ. Dann wurde noch mein Mantel und mein Rucksack untersucht, ebenfalls die Rolle und dann durfte ich auch schon gehen. Man erklärte mir noch, wo ich hin musste für den Sektempfang und dass der so gegen elf stattfinden würde. "Danke" sagte ich freundlich und schlüpfte in meinen Mantel, schulterte wieder meine Sachen und ging dann in die entsprechende Richtung. Auf dem Weg dorthin gab es viele Stände, die gerade eingeräumt wurden. Manche waren schon fertig und machten noch die letzten Kleinigkeiten, andere schoben Kartons auf Regale, die darauf warteten gekauft zu werden. Ich konnte hinter mir einen leisen Pfiff hören. Eine Braue schob sich hoch, als ich mich umdrehte und nach dem Pfeifer suchte, der sich natürlich nicht zu erkennen gab. Vielleicht galt es ja auch nicht mir oder ich hatte es mir nur eingebildet. Ich lief auf eine Treppe zu, die nach oben führte. Ein Security besah mein Handgelenk und wies die Treppen hoch. Wieder bedankte ich mich freundlich und war gespannt, was mich am Ende der Treppe erwarten würde. Scheiße ging mir durch den Kopf, als ich die doch recht große Menge sah, die alle Sekt trinken wollten und die Stars sehen, die um elf hoffentlich erscheinen würden. Tief atmete ich durch und sah mich nach einer Ecke um, in der ich nicht auffiel und dennoch alles sehen konnte. Neugierig ging mein Blick zu den Theken, die man hier aufgebaut hatte. Ich dachte an sowas wie Dom Perignon. Ein Champagner, den ich gerne mal probiert hätte. Das Personal richtete Tabletts mit hübschen Sektflöten und daneben ein paar Flaschen – ich begann zu lächeln – Dom Perignon. Breit grinsend sah ich zu Boden und freute mich auf ein Glas. Ich holte mein Handy heraus und besah mir die Uhrzeit. Vor dreißig Minuten hatten die Tore für die übrigen Gäste geöffnet. Man konnte deutlich den Lärm der vielen Schuhe hören, die alle in eine andere Richtung strömten, vorbei gelotst an der Treppe, die ich gerade noch hoch gegangen war. Es kamen noch ein paar Nachzügler, die sich zu der Menge gesellten während ich eine Nachricht an Kate schrieb; sie darüber unterrichtete, dass ich beim Sektempfang wäre und um elf die Stars kommen würden. Es dauerte eine Weile bis mir Kate antwortete, dass sie gerne dabei wäre und es sich ziemlich aufregend vorstellte. Dann erzählte ich ihr noch wie nervös ich war, um die Zeit tot zu schlagen. Als ich dann von einer freundlichen Dame angesprochen wurde wegen einem Glas Champagner hob ich eine Braue. "Ja, gerne." sagte ich freundlich und nahm mir eine Flöte herunter, die ich, fast schon wie ein Schild, vor mich hielt. Dann ging ein Raunen durch die Menge. Ich konnte Türen hören, die geöffnet wurden. Aber sehen konnte ich nichts. Eins fünfundfünfzig klein zu sein konnte manchmal nerven. Und da alle plötzlich zusammen rückten wurde es noch schwieriger für mich. Ich seufzte und prostete einem imaginären Gegenüber zu, stieß mit ihm an und trank dann einen Schluck. Einen kleinen Schluck, um den Champagner erst mal zu probieren. Überrascht hob ich eine Braue, weil der Champagner doch sehr gut schmeckte während Daenerys zu lachen anfing. Die Frau war einfach nicht zu überhören. Ich hob den Kopf und versuchte etwas zu sehen. Viele Rücken aber keine Gesichter. Lediglich die eine oder andere Stimme bestätigte mir, dass die Stars da waren. Also verköstigte ich mich an dem Champagner, an dem ich mich fast verschluckte, als Jasons Kopf über der Menge auftauchte. Komplett konnte ich ihn nicht sehen, aber diese Augen würde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen. Langsam löste sich die Menge und verteilte sich im Raum während die Stars sich zu den Leuten gesellten, um sich mit ihnen zu unterhalten. Ich stellte meine Flöte weg und nahm mein Handy an mich, um ein Video zu machen. Natürlich hielt ich hauptsächlich auf Khal Drogo, vergaß aber auch die anderen nicht. Mir fiel nicht mal auf, dass Jason eine schwarze Jeans trug, dazu ein braunes Shirt und eine braune Lederjacke. Rechnete ich garantiert nicht damit, dass dieser Name wirklich zu Jason Momoa gehörte. Als ich wieder auf ihn hielt, mit dem Handy, sah er sich gerade um. Sein Blick blieb bei mir hängen. Auf dem Handy natürlich. Oder auf mir? Ich hob meinen Blick und sah ihn an. Er sah tatsächlich mich an. Dann legte er den Kopf schief und begann zu lächeln als würde er sich an mich erinnern. Und dann geschah etwas, das mich völlig aus dem Konzept brachte.

                "Beth?" rief eine Frau nach mir, die ich vor etwa sieben Jahren kennen gelernt hatte. Ich blinzelte irritiert und sah mich nach der Stimme um. Nur kurz, denn eigentlich wollte ich den Blickkontakt nicht abbrechen. Schnell sah ich wieder zu Jason, der sich abgewandt hatte. Ich stoppte das Video und sah mich erneut um. "Beth! Hier!" winkte die Möchtegern-Freundin mir zu. Wütend sah ich in Janes Richtung. Am liebsten hätte ich sie erschlagen. Wie konnte sie sich erdreisten mich zu rufen, wenn ich gerade Blickkontakt mit dem Mann meiner Träume hielt?

                "Was?!?" motzte ich sie an. Nicht laut, wusste ich mich zu benehmen. Sie sah mich mit erhobener Braue an weil ich sie nicht überschwänglich begrüßt hatte.

                "Begrüßt du so eine langjährige Freundin?" echofierte sie sich. Sie, allerdings, konnte sich nicht benehmen. Ihre Stimme war recht laut, was die Umherstehenden zu uns sehen ließ. Und nicht nur die. Auch Jason sah mit einer erhobenen Braue zu uns rüber. Ich wäre am liebsten im Boden versunken, aber dieser dämliche Teppich wich nicht mal einen Millimeter zur Seite.

                "Du hast mir gerade das Erlebnis meines Lebens versaut." schrie ich sie flüsternd an. Sie riss die Augen auf und machte Anstalten los zu wettern. Schnell hielt ich ihr meine Hand vor den Mund und zog sie mit mir um eine Ecke. "Nur einmal im Leben möchte ich erleben, dass Du mich nicht blamierst!" Ich lehnte mich zur Seite, um nachzusehen, ob uns jemand beobachtete. Das war richtig peinlich.

                "Was denn?" tat sie auf unschuldig. "Ich habe doch gar nichts gemacht."

                "Nein. Natürlich nicht. Du brauchst rein gar keine Aufmerksamkeit." Ab und an schaffte ich es perfekt Ironie in einen Satz zu legen. Aufgeregt begann ich zu schnauben. "Nimm Dich endlich mal zurück. Dein Geld hilft Dir nicht bei allem." maulte ich sie in einem gemäßigten Ton an. Während ich in Fahrt kam sah Jane mich mit großen Augen an.

                "Wer bist du und was hast du mit…"

                "Beth?" rief jemand nach mir. Eine männliche Stimme.

                "Ja?" rief ich aus weil ich immer noch zornig war. Erst, als es etwas schattig wurde hob ich meinen Blick. "J..Jason" flüsterte ich heiser und blinzelte wie wild dabei.

                "Ah, hier bist du." stellte er fest und reichte mir eine Hand. Jane hatte sich langsam umgedreht und schien nahe dran in Ohnmacht zu fallen. Ich sah Jane nochmal kurz aus kleinen Augen an ehe ich Jason meine Hand gab und mich weg führen ließ. Als ich endlich Ruhe vor dem Miststück hatte atmete ich erleichtert aus. Dass mich die umherstehenden VIP-Gäste anstarrten, weil Khal Drogo meine Hand hielt, merkte ich nicht.

                "Danke" meinte ich zu meiner Rettung und sah zu ihm hoch. Dafür musste ich den Kopf in den Nacken legen.

                "Gerne" sagte er mit diesem verschmitzten Lächeln, das ich so sexy fand. Dann ließ er meine Hand los und suchte nach einem Glas Champagner, das er mir reichte. Dabei beugte er sich zu mir runter. "Ich dachte, ein wenig Hilfe wäre jetzt gut." Er zwinkerte mir zu, was meine Knie weich werden ließ. Dann erhob er sich wieder und sah noch eine Weile zu mir runter ehe er die Stirn runzelte. "Sie waren neulich am Flughafen, richtig?" wollte er wissen. Ich nickte und trank einen Schluck ehe ich antwortete.

                "Ja" sagte ich und begann zu schmunzeln. "Ich bin irgendwo falsch abgebogen." Jason hob eine Braue und grinste, die Arme verschränkend, als würde er das nicht glauben. Schnell nickte ich. "Doch, das stimmt." versuchte ich mich nochmal zu erklären während ich plötzlich kleine Hände auf meinen Schultern spürte.

                "Lassen Sie sich von ihm nicht veralbern." Daenerys legte ihr Kinn auf meine Schulter während sie zu Jason hoch sah, der unschuldig die Brauen hob und auf sich zeigte.

                "Ich?" machte er auf unschuldig, was mich grinsen ließ. Ich musste an die vielen Videos denken, in denen er Emilia Clarke veralbert hatte. Ich drehte meinen Kopf ein wenig und sah sie an.

                "Ich versuche es mir zu merken." lächelte ich sie an als wäre sie jemand, den ich schon seit langem kannte. Das stimmte natürlich nicht, aber es fühlte sich so an. So natürlich. Dann sah ich erneut zu Jason hoch, der wieder frech grinste. Daenerys ließ mich los und suchte sich eine kleine Gruppe VIPs, mit denen sie sich unterhalten wollte. Ich sah ihr lächelnd nach. "Sie ist unglaublich." stellte ich ehrfürchtig fest ehe ich nochmals von meinem Glas trank und dabei nicht bemerkte, dass ich es leerte.

                "Ja, ist sie." bestätigte Jason und sah dabei ebenfalls in ihre Richtung. Dann tippte er mir auf die Schulter. "Kommen Sie. Mir ist es hier zu... zu…" Er suchte nach dem passenden Wort. "Die sabbern so viel." flüsterte er und ging vor in eine Nische. Ich folgte ihm auf den Fuß und war gespannt, was er noch wollte. Eigentlich sollte er sich doch mit allen unterhalten. Als ich ihm so hinterher ging viel mir die schwarze Jeans und die braune Jacke auf, die er trug. Ich hob eine Braue und schüttelte den Kopf. Das konnte nicht sein. Aber als er sich umdrehte trug er auch noch das braune Shirt. Lange überlegte ich, ob ich etwas dazu sagen sollte, verkniff es mir aber, denn mein Glück wollte ich nicht herausfordern. Er sah zu mir runter als ich ihm gegenüber stand und wollte gerade zu einem Gespräch ansetzen, als ein paar Herren und Damen den Raum betraten, die die Stars baten sich zu verabschieden, da sie sich für ihre Termine vorbereiten mussten. War ja klar, dass es endete, wenn es am schönsten war. Dann kam mir eine Idee. Ich nahm die Rolle von der Schulter und drückte sie ihm in die Hand.

                "Bitte den Inhalt unterschreiben." Lächelnd ließ ich die Rolle los, als er sie stirnrunzelnd an sich genommen hatte und schmunzelte bei meiner Erklärung.

                "Bis später." versprach er noch, als er schon auf den Ausgang zu ging. Ich konnte sehen wie sich Daenerys zu ihm gesellte und mit ihm zu reden begann. Sie sah kurz über ihre Schulter in meine Richtung während sich hinter mir ein Hurrikan aufbaute. Jane hatte mich entdeckt und stand nun mit verschränkten Armen vor mir.

                "Was willst du?" fragte ich genervt, als ich meinen Rucksack anständig auf meine Schulter schob und in Richtung Treppe gehen wollte. Was ich dann erlebte setzte dem ganzen die Krone auf.

                "Wie lange kennst du ihn schon?" wollte sie in zuckersüßem Ton wissen. "Kannst du mich ihm vorstellen?" klimperte sie mit ihren angeklebten Wimpern. Ich blieb stehen und verschränkte meine Arme. Dabei tippte ich mit dem Fuß auf.

                "Nein. Kann ich nicht."

                "Warum nicht?" bohrte sie nach.

                "Weil das Jason Momoa ist und kein daher gelaufener Kerl, der alles für dich macht, wenn das Geld stimmt." giftete ich sie an ehe ich mich umdrehte. Sie wollte schon weiter machen, als ich die Hand abwehrend hob. "Nein. Ich helfe dir nicht, jetzt wo ich plötzlich interessant bin." Ich ging einen Schritt auf sie zu und sah sie eindringlich an. "Ich bin keine graue Maus mehr, die zu viel Speck auf den Rippen hat." knurrte ich sie an. Sie wich einen Schritt vor mir zurück, was mich innerlich feiern ließ. "Und jetzt gehst du brav nach unten und genießt die Con." Ich ging ein paar Schritte auf die Treppe zu. "Und mich lässt du in Zukunft in Ruhe." rief ich während ich die Treppe runter ging mit einem Gesichtsausdruck, als hätte ich gerade die Weltmeisterschaft, von was auch immer, gewonnen. Als ich die letzte Stufe hinter mir gelassen hatte eilte ich auf den Ausgang zu, durch die Glastüren nach draußen und suchte mir ein ruhiges Plätzchen, wo ich meine Freudenschreie los werden konnte, ohne dass es jemand störte. Am Hudson River hinter der Halle wurde ich fündig. Ich tanzte einen Freudentanz und sang dabei 'The story of my life'. Und das würde sie auch werden.

                Nach gut zehn Minuten hatte ich mich beruhigt und machte mich wieder auf den Weg zurück in die Halle. Und jetzt wurde mir klar, dass ich Jason Momoas private Handynummer hatte. Schnell speicherte ich seine Nummer unter seinem Namen und belegte jegliche Nachrichten von ihm mit meinem bevorzugten Sound, den ich der Graham-Norton-Show entnommen hatte. Breit grinsend besah ich mir mein Werk ehe ich mich suchend umsah und dann mein Handy zu küssen begann. Da kam dann doch der Fan in mir raus. Ich hatte immer noch dieses Erlebnis im Hinterkopf, als ich mir nach und nach die vielen Räume ansah, die dieses Center zu bieten hatte. Unglaublich viele Händler boten ihre Waren an. Andere hatten Autogrammkarten ausliegen, bereits signiert, die sie für teures Geld verkaufen wollten. Im nächsten Raum wurde Karaoke gesungen, ein anderer Raum war mit sämtlichen Konsolen und einigen PCs ausgestattet auf denen man die Spiele spielen konnte. Selbst ein Bereich für die Brettspiele gab es, den ich mir dann doch genauer ansah. Hier saßen schon Spiellustige am Tisch, die beim Monopoly die anderen kräftig abzockten. Schmunzelnd sah ich dem Treiben eine Weile zu ehe ich wieder hinaus ging und die riesigen Repliken der Säulen im Haus von Schwarz und Weiß betrachtete. Man hatte sehr viel Geld ausgegeben, damit die Gesichter dem Original gerecht wurden. Ich spürte wie sich mein Mund langsam öffnete während ich die erste Säule umrundete, andeutete die Finger über den 'Stein' gleiten zu lassen und mich dabei wie Arya fühlte, als sie die Säulen das erste Mal sah.

                "Wow" sagte ich beeindruckt und nahm die Nächste in Augenschein. Wieder lief ich eine Runde bis ich an einer Nische hängen blieb und sie mir genauer ansah. "Das ist doch Walder Frey." rief ich etwas zu laut aus und hielt mir die Hand vor den Mund, zog den Kopf etwas ein und grinste in meine Hand.

                "Ja, live und in Farbe." Jemand kam lachend auf mich zu und blieb neben mir stehen. Wohl derjenige, der für die Säulen verantwortlich war. Ich sah zu dem jungen Mann hoch, der mich neugierig ansah.

                "Ich bin beeindruckt." Nochmal sah ich nach oben und nickte dabei. "Die sind wirklich klasse geworden." lobte ich die Arbeit von wem auch immer die Säulen gemacht worden waren. Ich ließ meinen Blick zu den anderen Säulen gleiten, was der junge Mann mir gleich tat. "Würde ich mir die Säulen wirklich ganz genau ansehen" Ich wandte meinen Blick wieder dem jungen Mann zu. "wen würde ich wohl alles finden?" hakte ich nach. Der junge Mann kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf und warf erneut einen Blick zu den anderen Säulen.

                "Da gibt es noch Eddard, Catelyn, Robb und Rickon Stark." Ich nickte zu seiner Aufzählung und sah mich dabei um. "Walder hast du ja schon gefunden." Er bat mich zu der nächsten Säule mit ihm zu gehen. Langsam ging er um die Säule herum und sah dabei nach oben. Dann blieb er stehen und wies mit dem Zeigefinger etwas hoch. "Khal Drogo." sagte er dazu, was ich mir natürlich gleich ansah. Leise seufzte ich angetan, was natürlich vollkommener Blödsinn war. Ich würde mich bald mit dem Original treffen. Also räusperte ich mich und ließ mich weiter führen. Der junge Mann zeigte mir noch Tommen und Joffrey, deren Schwester Myrcella und Tywin Lennister. "Es sind noch einige zu finden, aber ich glaube nicht, dass du sie dir ansehen kannst." Freundlich lächelte er mich an und unterließ es auf meine Größe anzuspielen auch wenn ich wusste, was er meinte.

                "Schon okay. Vielen Dank für die kleine Tour." bedankte ich mich lächelnd und sah nochmal an der Säule, an der wir gerade standen, nach oben.

                "Gerne" sagte er noch ehe ich ihn verließ um mich weiter umzusehen. Es gab auf zwei der vier Etagen noch sehr viel zu sehen. Weiter lief ich die Flure entlang, die von vielen Cosplayern beherbergt waren. An den Wänden saßen die meisten, hatten sich dort in Gruppen eingerichtet, um immer einen Platz zu haben, wo sie sich trafen, aßen und die Errungenschaften zeigten, die man sich gerade gekauft hatte. Schmunzelnd setzte ich meinen Weg fort, das Handy endlich gezückt, um ein paar Fotos zu machen, die ich Kate schicken konnte: Die große Halle, soweit ich sie auf das Bild bekam, die Säulen, von denen ich auch ein Detailfoto machte, damit sie die Gesichter genauer sehen konnte und natürlich die Cosplayer, auf die ich etwas neidisch war. Früher konnte ich, oder wollte ich, nichts mehr in dem Bereich machen und jetzt… Naja, in meiner Klamotte sah ich auch gut aus. Ich machte noch das ein oder andere Selfie mit Cosplayern, die ihr Outfit wirklich super gemacht hatten ehe ich weiter ging, um auch noch den Rest zu sehen. Erst alles in Augenschein nehmen, dann das Programm mit machen und zuletzt shoppen. Ich musste grinsen bei diesem Gedanken, wollte ich mich mit Merchandise eindecken wie man es bisher noch nicht gesehen hatte. Naja, ich hatte mir von den 10.000 Dollar 1.000 weggelegt für den Fall, dass ich mir etwas kaufen wollte oder musste, wie die Klamotten zum Beispiel. Und den Rest dieser 1.000 Dollar hatte ich nun in meinem Geldbeutel. In meiner Hosentasche unter dem langen Mantel. An den würde niemand unbemerkt ran kommen. Während ich den langen Gang mittig durch die Halle ging fiel mir Blitzlichtgewitter auf, das mich neugierig machte. Stirnrunzelnd lief ich in die Richtung, aus der das Licht hagelte. Es war doch ein wenig schwierig einen Platz zu finden, an dem ich etwas sehen konnte. Jetzt hasste ich es so klein zu sein, aber ich wäre nicht ich würde ich dafür nicht auch eine Lösung finden. Also machte ich mich klein und schlüpfte zwischen den Leuten und Beinen durch, um nach vorne zu kommen.

                "Tschuldigung" und "Sorry" konnte man von unten hören während der eine oder andere nach unten sah, um zu sehen, was da vor sich ging. Letzten Endes hatte ich die vorderste Reihe erreicht und erhob mich auf meine Füße. Hinter mir konnte ich jemanden meckern hören, der sicher zwei Köpfe größer war als ich. Ich sah ihn mit erhobener Braue an. "Ach, nehme ich dir die Sicht?" fragte ich ihn todernst und hielt meine Hand an meine Stirn und ließ sie von mir zu ihm wandern. Um genauer zu sein auf einen Bereich auf seiner Brust. "Ich bin aber auch ein Riese." Dazu verdrehte ich die Augen und schüttelte den Kopf während ein paar Umherstehende zu lachen begannen. Dem Riesen hinter mir schenkte ich keine Beachtung mehr, hatten die Figuren, um die sich ein paar Mädchen tummelten, meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aufs Neue beeindruckt nickte ich und nahm mein Handy, um die Figuren zu fotografieren. Alle Wichtigen waren hier und jede kostete sicher zigtausend Dollar. Ja, die Veranstalter hatten sich das Ganze wirklich etwas kosten lassen, spekulierte ich mal wieder. Mein Liebling war natürlich auch dabei, den ich sofort anzuschmachten begann. Was eigentlich purer Blödsinn war, würde ich ja das Original wiedersehen. Entweder hier oder wenn ich das Portrait malen würde. Und als hätte er es gerochen, dass ich gerade an ihn dachte, meldete sich mein Handy. Ich machte die Bilder noch fertig und schickte sie an Kate, die sicher begeistert sein würde. Dann öffnete ich WhatsApp und las seine Nachricht.

                [Hi. Ich hab' fünfzehn Minuten.] Richtig. Er wusste ja nicht, dass ich BethanyBathory war. Fünfzehn Minuten. Sofort tippte ich eine Nachricht während ich mich durch die Menge schob, die nur widerwillig Platz für mich machte.

                [Wo bist du?]

                [Hinter der Halle am Hudson.] kam die Antwort direkt hinterher.

                [Bin unterwegs.] Ich drückte noch auf den Sendenpfeil und eilte auch schon los. Raus aus dem Gebäude, das ich im Joggen umrundete und am Hudson nach Jason Ausschau hielt. Er saß auf einer Brüstung und baumelte mit den Beinen. Die Rolle stand auf der anderen Seite angelehnt an der Mauer. Ich sprang auf die Mauer rauf und ging langsam auf ihn zu. Ich konnte es nicht fassen einfach so mit Khal Drogo abzuhängen.

                "Du willst also ein Portrait." begann ich ein Gespräch als ich nah genug an ihm dran war. Schmunzelnd wandte er sich mir zu und sah mich mit erhobener Braue an. Selbst jetzt war er unheimlich groß.

                "Du bist also BethanyBathory. Interessant." Sofort musste ich an den Flughafen denken, wo er das Selbe gesagt hatte. Schmunzelnd nickte ich zu seiner Feststellung.

                "Ich war nicht weniger überrascht, als mir klar wurde, wer JosephHawaii79 ist." Er patschte neben sich auf den Stein, dann sah er wieder auf den Hudson. Ich sprang von der Brüstung und setzte mich neben ihn, ließ ebenfalls meine Beine baumeln und betrachtete die Strömung des Flusses.

                "Ich versteh' es immer noch nicht. Wie kommt jemand wie du dazu jemanden wie mich zu abonnieren?" wollte ich wissen. Ich hab' eine Wassermelone getragen. ging mir durch den Kopf. Hatte ich wirklich nichts Besseres zu tun, als ihn danach zu fragen?

                "So wie jeder andere auch. In meiner Freizeit bin ich gerne mal auf YouTube." Er zuckte die Schultern und sah mich an. "Ich hatte Recht dich zu abonnieren." Er schob seine Hand nach hinten und holte die Rolle hoch. "Die sind wirklich gut geworden." Mit diesen Worten überreichte er mir meine Bilder.

                "Danke" sagte ich leise, verlegen, leicht errötend, weil mir Khal Drogo ein Kompliment machte. Die Rolle übernahm ich und legte den Schatz auf meine Oberschenkel.

                "Nicht dafür. Die sind wirklich gut." wiederholte er und sah mich noch eine ganze Weile an. "Emilia lässt Dir Grüße ausrichten." Er lehnte sich leicht an mich. "Ich glaub, sie mag dich." grinste er, was mich den Blick heben ließ.

                "Was?" hakte ich blinzelnd nach, glaubte ich natürlich meinen Ohren nicht zu trauen. So wie meinen Augen, die mir sagten, dass Jason Momoa neben mir saß.

                "Jepp." Er schien nachzudenken. "Vielleicht, weil du nicht so bist wie die meisten Mädchen hier." Ich hob eine Braue und verschränkte die Arme, was ein riesen Fehler war, ich aber noch nicht merkte.

                "Liegt wohl daran, dass die meisten hier meine Kinder sein…" Ich hielt inne und sah auf meine Beine. "NEIN!" rief ich aus, aber die Rolle fiel bereits von meinen Beinen, rollte die Böschung runter und fiel in den Hudson. Ich wollte aufstehen, mich meines Mantels entledigen und den Fluss entlang rennen, um den Schatz zu bergen. Jason hielt mich fest, was mir gar nicht gefiel. "Lass mich los! Ich kann sie kriegen!" schnauzte ich ihn an und versuchte mich los zu reißen. Verschwendete Energie bei diesem Mann, der sicher drei von meiner Sorte hätte tragen können.

                "Die Strömung ist zu stark." sagte er ruhig während er mich immer noch fest hielt. Nicht zu fest, damit er mir nicht den Arm brechen würde. Ich sah zu ihm hoch und machte nicht mal den Versuch meine Tränen zu verbergen, die über meine Wangen liefen.

                "Ich kann sie kriegen." sagte ich nochmal mit gebrochener Stimme. Wieder sah ich auf den Fluss, suchte ihn mit meinen nassen Augen ab, aber die Rolle war weg. Nichts mehr zu machen. Ich ließ den Kopf hängen und wischte mit der freien Hand die Tränen weg. Zumindest glaubte ich, dass es meine Hand war. Er hatte mir den Kopf angehoben und wischte mit seinem Daumen meine Tränen weg.

                "Hey," sagte er sanft. "nicht weinen. Wir finden schon was Neues für dich." Aufmunternd lächelte er mich an, zu mir runter gebeugt. Eine Weile blinzelte ich noch zwischen seinen Augen hin und her ehe ich tief durchatmete und dann nickte.

                "Ja. Ich geh' wieder rein und gebe mein Geld für…" Ich zuckte die Schultern. "irgendwas aus." brummte ich, war aber schon wesentlich gefasster als noch vor ein paar Minuten. Jason richtete sich auf und sah zu mir runter, seine Hände auf meinen Schultern.

                "Ich dachte da zwar an etwas anderes…" Er hob eine Braue, als er ein Kichern hinter sich hörte. Jason wandte sich um. Ich sah an ihm vorbei zu der Tür, vor der eine kleine Frau stand. Ein Handy wie eine Kamera in der Hand haltend. Fragend zog ich die Brauen zusammen und hob irgendwie eine Braue. "Jetzt sag nicht, du hast ein Bild von uns gemacht." fragte die dunkle Stimme, die mir so gerne eine Gänsehaut verpasste.

                "Ja" rief Daenerys zu uns rüber. "Ihr seht so süß aus." Wieder kicherte sie und wollte schnell hinter der Tür verschwinden, weil Jason plötzlich auf sie zu rannte.

                "Na warte." lachte er und eilte mit riesen Schritten auf sie zu. Derweil stand ich da und sah ihm hinterher. Dabei fühlte ich mich wie jemand, der nicht interessant genug war um weiter beachtet zu werden. Seufzend rückte ich meinen Rucksack zurecht und trottete Richtung der linken Ecke des Gebäudes, von der ich gekommen war. An der Ecke blieb ich nochmal stehen und sah Richtung Fluss, der meine Bilder geschluckt hatte.

                "Scheiße" brummte ich vor mich hin, wandte mich um und ging wieder nach vorne und durch den Haupteingang hinein. Auf dem Weg konnte ich es mir nicht verkneifen mich selbst nieder zu machen. "Wie konnte ich auch denken, dass ich etwas Besonderes bin?" Ich schüttelte den Kopf und drückte meinen Zeigefinger gegen die Schläfe. Mir einen Vogel zeigend, der sich in mein Gehirn bohren wollte. Bevor ich durch die Tür ging atmete ich tief durch, um mich zur Ruhe zu rufen. Leicht war das nicht gerade, denn die Bilder in der Rolle waren für mich ein unersetzbarer Schatz. Wieder ging ich einen der Flure entlang und blieb vor einer Infotafel stehen. Hier war das Programm aufgelistet. Gleich würde ein Panel mit dem Haus Lennister stattfinden. Ich verdrehte die Augen. Abgesehen von Tyrion, mochte ich keinen von diesem Haus. Vielleicht Jamie noch, aber bei dem war ich mir immer noch nicht sicher, wie er in der Serie zu allem stand. Mir war natürlich bewusst, dass, zum Beispiel, ein Nikolaj Coster-Waldau nur eine Rolle spielte. Dennoch interessierte mich nicht, was sie zu sagen hatten. Das Panel mit George R. R. Martin und der Film Crew war dann doch interessanter. Aber das war erst für sechzehn Uhr anberaumt. Und jetzt war es gerade mal kurz nach zwei. Also noch viel Zeit bis ich hoch gehen würde, um mich in eine der vielen Sitzreihen zu setzen und dem Panel zu lauschen. Dazwischen kam noch ein Panel mit Haus Graufreud. Haus Stark wäre morgen dran. "War ja klar." murrte ich während ich weiter lief und hie und da bei einem Stand stehen blieb, um die Waren zu begutachten, die sich mehr auf das junge Volk konzentrierten. Letztendlich hatte ich mir eine Flagge des Hauses Stark gekauft, die auf meinem Balkon Platz finden würde. Ein Arakh, die bevorzugte, sichelförmige Klinge der Dothraki, hatte ich mir zurück legen lassen und würde sie am Abend mitnehmen. Das Ding war nicht gerade leicht und klein sowieso nicht. Als ich an die Dolche dachte, die in meinem Rucksack waren, bekam ich eine Gänsehaut, weil ich an die Szene denken musste, in der Drogo mit Mago kämpfte. Ein Lächeln schob sich auf meine Lippen ehe ich den verträumten Blick beiseiteschob. Eigentlich war ich ja noch sauer auf meine eigene Dummheit. In einem der vielen Räume fand ich eine Leinwand auf der die Serie zu sehen war. Gerade lief die vierte Folge. Krüppel, Bastarde und noch irgendwas. Ganz genau konnte ich mich nicht an den Titel erinnern. Ich schlängelte mich an den Riesen vorbei und setzte mich vorne auf den Boden, damit ich etwas sehen konnte. Den Rucksack stellte ich zwischen meine Beine, damit sich auch ja keiner daran zu schaffen machen konnte. Nach gut einer halben Stunde hatte ich den Bildschirm vergessen und sah auf mein Handy, betrachtete die Nachrichten, die ich mit Jason geschrieben hatte. Ich wusste, dass mir dieses Erlebnis mit einem bitteren Beigeschmack ewig nach hängen würde. Leise lachte ich in mich und schüttelte den Kopf, den ich wieder hob, um die nächste Folge zu sehen. Ich sollte wirklich beim Träumen bleiben. Das tat wenigstens nicht weh, wenn ich die DVD heraus nahm und meinen Liebling nicht mehr sah. Wie sehr ich doch die erste Staffel liebte, aber auch hasste. Denn es dauerte nicht lange bis der Erste starb, den man mochte. Überhaupt starb so ziemlich jeder, der es wert war ins Herz geschlossen zu werden. Nichtsdestotrotz sah ich mir die sieben Staffeln immer wieder an, schlief sogar mit dem Soundtrack ein, der mich unheimlich beruhigte. Nie waren meine Nächte besser.

                "Sehr geehrte Convention-Gäste. In dreißig Minuten schließen wir. Bitte begeben Sie sich langsam zum Ausgang." Ich hob eine Braue, als ich diese Durchsage hörte und ärgerte mich maßlos, weil ich das Panel mit George R. R. Martin verpasst hatte. Tonlos fluchte ich vor mich hin während ich den Raum verließ und den Stand ansteuerte, an dem mein Arakh auf mich wartete. Dankbar lächelte ich den Verkäufer an als ich sah, dass er es mir so verpackt hatte, dass ich es über die Schulter hängen konnte.

                "Vielen Dank." sagte ich lächelnd. "Bis morgen." verabschiedete ich mich und ging auf den Ausgang zu, an dem sich die Menge zu stauen begann. Genervt schnaufte ich aus, verließ die Menge, um mich an eine Wand zu lehnen und abzuwarten bis es nicht mehr so voll war.

                "Sorry, wegen heute Mittag." sprach mich eine bekannte Stimme an, die mich zusammen zucken ließ. Ich sah seitlich nach oben und hob eine Braue. Wieso stand er hier? Hier konnte ihn doch jeder sehen. Als ich mich umsah bemerkte ich, dass niemand von ihm Notiz nahm. Dann sah ich ihn an, aber abgesehen von einer Sonnenbrille verhüllte ihn nichts. Ich sah mit erhobener Braue zu ihm hoch.

                "Passt schon." sagte ich mit zuckenden Schultern und sah wieder zu der Menge, die irgendwie nicht weniger werden wollte. Vielleicht hatte ich meine Enttäuschung oder meinen Ärger ein kleinwenig zu deutlich gezeigt, denn er legte seine Hand auf meinen Kopf und drehte ihn zu sich. Natürlich sah ich auf seine Brust, denn heben konnte ich den Kopf erst mal nicht. Sein Verhalten ärgerte mich noch mehr, was mich für einen Moment die Kontrolle verlieren ließ und ich ihm in den Bauch boxte. Natürlich war das für ihn lediglich ein Klapsen, was ich an den harten Muskeln kurz spüren konnte. Er sah zu mir runter und ich zu ihm hoch so gut ich konnte. Er hatte eine Braue gehoben und begann zu grinsen.

                "Fertig?" hakte er frech nach und ließ meinen Kopf los. In mir brodelte es weil ich mir echt bescheuert vorkam.

                "Ja." sagte ich trotzig und wandte meinen Blick ab. Hatte ich eben wirklich Jason Momoa in den Bauch geboxt? Langsam drehte ich meinen Kopf und sah, betreten blinzelnd, zu ihm hoch. "Es tut mir leid." entschuldigte ich mich fast schon quietschend.

                "Passt schon." erwiderte er, versuchte die Stimmung zu heben, weil er wohl wusste, dass er einen Fehler gemacht hatte. "Es tut mir wirklich leid, dass ich dich hab' stehen lassen." bekräftigte er mir erneut und sah über die Sonnenbrille hinweg; hatte diesen Blick drauf, den ich zum ersten Mal bei ihm als Conan gesehen hatte. Normalerweise würde ich jetzt dahin schmelzen aber ich kämpfte gegen den Drang an mich vor ihm zur Idiotin zu machen.

                "Ist ja gut. Ich nehm' die Entschuldigung an." sagte ich ein bisschen brummig und schob Rucksack und Arakh auf meiner Schulter zurecht. Die Menge hatte sich gelöst. "Ich muss gehen." erklärte ich und sah auf mein Handy, das kurz vor achtzehn Uhr anzeigte.

                "Sehen wir uns morgen?" wollte er wissen und sah mich fragend an.

                "Klar. Die Karte ist für das ganze Wochenende." erklärte ich ihm wozu er nickte. Wieso wollte Jason Momoa mich wieder sehen?

                "Dann bis morgen." verabschiedete er sich und machte Anstalten sich zu mir runter zu beugen. Ich hob eine Braue und drückte ihn wieder hoch.

                "Du Star. Ich Fan. Lass das!" sagte ich ernst und reichte ihm meine Hand. "Bis morgen." Ich musste unbedingt raus an die frische Luft. Mir diesen Traum aus dem Kopf prügeln, der sich so verdammt real anfühlte. Er nahm meine Hand und schüttelte sie sanft, gab sich geschlagen, was mir recht war.

                "Bis morgen. Und über den Star unterhalten wir uns noch." Wieder grinste er mich frech an und ließ meine Hand los. Warum auch immer, ich nickte kurz und machte mich dann aus dem Staub. Dennoch konnte ich nicht anders als kurz über meine Schulter zu schauen, ob er noch da war. Jason stand immer noch an der Wand, an der ich ihn verlassen hatte. Nur grinste er nun so breit, dass man es in einer Meile Entfernung noch hätte sehen können. Schnell wandte ich mich wieder um, rannte los weil ich Angst hatte den Bus zu verpassen. Aber ich kam noch rechtzeitig und musste sogar noch warten bis er los fuhr. Ich hielt mich an einer Stange fest und sah ungläubig auf die Glastür hinter der ich Khal Drogo geboxt hatte. Eine Weile sah ich noch auf das Glas als mir klar wurde, was ich da gerade getan hatte. Meinen Blick zurück konnte man durchaus als Interesse interpretieren, das ich diesem Mann entgegen brachte. Und zwar im zwischenmenschlichen Sinne. Und deshalb hatte er wohl auch so breit grinst. Seufzend lehnte ich meine Stirn an die kalte Stange, an der ich mich fest hielt und versuchte diesen Gedanken zu verdrängen. Aber er wollte sich nicht verdrängen lassen, denn es verwirrte mich schon, dass er ausgerechnet an mir Interesse zeigte. Erstens war der Mann zehn Jahre jünger als ich, zweitens war ich ein Fan, der von sowas nur träumte und drittens war er ein angesagter Schauspieler. Wo waren eigentlich seine Kinder, die er immer dabei hatte? DAS wäre eine gute Frage gewesen. Wieder versuchte ich den Gedanken beiseite zu schieben und die Fahrt nach Hause zu genießen.

                Als ich in meine Wohnung kam und die Tür hinter mir geschlossen hatte, ließ ich erst mal alles fallen und schlug meine Stirn gegen die Wand. Schön langsam und im Takt meiner Worte.

                "Ich. Hab'. Jason. Momoa. Geboxt." Einmal noch hieb ich meine Stirn gegen die Wand. Allerdings etwas zu fest. "Au!" sagte ich mit zusammen gekniffenen Augen und rieb mir über die Stirn, die glühte. Ein schöner roter Fleck prangte auf meiner Stirn, wie ich feststellte, als ich mich vor dem Spiegel abschminken wollte. Ich verdrehte meine Augen und ging zurück in den Flur, wo die Taschen auf dem Boden lagen. Die Flagge fand ihren Weg in den Wäschekorb und das Arakh stellte ich ins Wohnzimmer. Die Dolche legte ich dazu. Keine der Waffen war echt. Aber nicht weit davon entfernt. Jetzt endlich merkte ich, dass ich noch nichts gegessen hatte. Die Wasserflaschen waren aber leer. Seufzend ging ich in die Küche und machte mir noch etwas zu Essen ehe ich mich auf die Couch begab und Staffel eins Folge acht einlegte. Eine Folge, bei der ich mich beim ersten Mal ansehen schon aufgeregt hatte. Wieder eine Figur die sterben würde. Und nicht irgendjemand. Gott, hatte ich mich über Daenerys und ihre Gutgläubigkeit aufgeregt. Ausgerechnet der Mann, den sie meine Sonne, Sterne nannte. Ich lächelte bei dem Gedanken an die Bedeutung dieser Kosenamen. My sun and stars, Moon of my life. Ich hatte die Folge noch nicht drauf und fing schon an zu weinen, weil der große Khal sterben würde. "Scheiße" schniefte ich und holte mir ein paar Tempos, die ich auf den Tisch legte. Griffbereit. Aber so weit kam es nicht mehr. Gegen Ende der Folge schlief ich friedlich ein und träumte zum ersten Mal von Jason Momoa.

 

21. Oktober 2017

                Als ich an diesem Tag erwachte, sprang ich aus dem Bett und jubelte. Endlich hatte ich den Traum gehabt, den ich mir so lange gewünscht hatte. Naja, jedenfalls hatte ich von Jason Momoa geträumt. Und da es ein Traum war, räumte ich auch das Erlebte in die Kategorie Traum ein. Sowas passierte einfach nicht. Und schon gar nicht mir. In meinem ganzen Leben hatte ich noch nie etwas getan, das mich von der Menge abhob. Der Spruch passte bei mir perfekt: Glück im Spiel, Pech in der Liebe. Wobei Liebe hier für alles stand, was es im Leben gab. Ich war eher der stille Typ, der mit der Welt Frieden schließen, einfach seine Ruhe haben wollte. Okay, vielleicht hatte ich mit dem Speed Painting auf mich aufmerksam gemacht, aber das sah ich anders. Es gab ein Profilbild, das Jason zeigte, weil ich ja Fan von ihm war. Und ansonsten hatte ich nichts angegeben, was mich ausweisen könnte. Zumindest nicht öffentlich. Ich war Bethany, mein richtiger Name und Bathory, die Blutgräfin. Mehr als meine Bilder mit anderen teilen wollte ich nicht. Und selbst davor hatte ich ziemlichen Schiss gehabt. Was wenn die Leute die Bilder nicht mochten? Und, und, und. Es waren so viele Faktoren vor denen ich Angst hatte. Und dennoch hatte ich die Bilder eingestellt und siehe da, man mochte sie. Der Mount Everest hatte sich von meinem Herzen verabschiedet und fiel wieder zurück an seinen Platz im Himalaya.

                Ich klatschte in die Hände als ich meinen gedanklichen Wust in eine Schublade gepackt hatte und ging ins Bad, um mich für den heutigen Tag fertig zu machen. Wieder brauchte ich gut zwei Stunden bis ich fertig war und schüttelte den Kopf. Wieso hatte ich schon wieder so lange gebraucht? Ach richtig. Ich hatte mich ja noch rasiert. Auch wenn ich das gestern bereits getan hatte. Brummend ging ich wieder in die Küche, um meinen Rucksack zu richten und für mich ein kleines Frühstück zu machen. Kaffee gab es heute auf der Fahrt zum Center. Ich eilte mich an den Kiosk zu kommen, an dem ich erst mal bestaunt wurde. Aber da ich mich mit dem Kerl nur notgedrungen unterhielt nickte ich nur zu seinem Kompliment, schnappte mir meinen Coffee-To-Go Becher und eilte ein Stück weiter zur Haltestelle, wo gerade der Bus ankam. Wieder war er gerammelt voll, was bedeutete, dass ich die Sicht nach vorne erneut für mich hatte. Immer mal wieder trank ich von meinem Kaffee während der Bus die Straße runter tuckerte, als wäre er irgendwo fest gebunden und versuchte krampfhaft vorwärts zu kommen. So kam es mir wenigstens vor, denn ich konnte es nicht erwarten wieder die große Halle zu betreten. Die Tür öffnete sich, ich stieg aus und lief eilig auf die Glastüren zu. Wieder wurde ich von einem Typ aufgehalten, der meine Karte sehen wollte. Ich hatte ihm zwar mein Handgelenk gezeigt aber irgendwie schien er nur Augen für mein Dekolleté zu haben. Brummend nahm ich den Rucksack von meiner Schulter und suchte nach der Karte, die eigentlich nicht mehr nötig sein sollte.

                "Hier" sagte ich, als ich ihm die Karte reichte und er sie studierte.

                "Alles in Ordnung" sagte er recht laut und wollte mich schon zu den Tischen schicken, an denen man die Bändchen bekam. Erneut hob ich mein Handgelenk.

                "Äh. Ich hab' meins schon." versuchte ich in einem ruhigen Ton zu sagen. Der Typ hob eine Braue und sah mich an.

                "Und wieso haben Sie mir das nicht gleich gezeigt?" Meine Braue wanderte wieder hoch zum Haaransatz.

                "Das habe ich." echofierte ich mich wobei ich meinen Rucksack schulterte. Dass er nur auf meine Oberweite gesehen hatte ließ ich unter den Tisch fallen. Auch dem Typ sprang eine Braue hoch, doch äußerte er sich nicht mehr dazu, sondern wies mich zu einem Fahrstuhl.

                "Im dritten Stock findet das Frühstück statt." Ob meine Braue nun in meinen Haaren verschwand wusste ich nicht, denn ich hob sie noch etwas höher.

                "Äh, danke." sagte ich so freundlich ich gerade konnte und ging zu den Fahrstuhltüren neben denen ich auf den Knopf drückte. Doch es tat sich nichts. Ich drehte mich um und sah den Sicherheitstyp fragend an.

                "Das Bändchen an die Platte halten." sagte er und nickte in meine Richtung, als könnte ich so sehen wo die Platte war. Ich wandte meinen Blick um und begann leise zu lachen.

                "Nicht zu übersehen." sagte ich leise, hielt das Bändchen dran und drückte nochmal. Die Türen gingen auf und luden mich ein einzusteigen. Während ich hinein ging drückte ich die drei und drehte mich dann um. Lachend verschränkte ich die Hände hinter meinem Rücken, die Beine leicht gespreizt und sagte. "Zehn Vorne" Die Türen schlossen sich und ich brach in Gelächter aus. Ich versuchte mich zu beruhigen als sich die Türen wieder öffneten. Doch wirklich gelingen wollte es mir nicht, sah ich schon die dämlich drein blickenden Gesichter. Und ganz vorne Jane, die die Arme verschränkte und mich sauer ansah. Ich trat aus der Kabine, räusperte mich und nickte in die Runde. "Guten Morgen" sagte ich in einem Ton der alle ansprach. Nicht ein einziger erwiderte den Gruß. Weder verbal noch mit einem Nicken. Ich schüttelte nur den Kopf. "Höflichkeit ist wirklich nur noch für teuer Geld zu kaufen." Ich gab mir erst gar keine Mühe es leise zu sagen. Aber wenigstens hatte ich den ein oder anderen Nerv getroffen, denn hie und da sah jemand betreten auf den Tisch, machte aber auch keine Anstalten den Gruß doch noch zu erwidern. Was auch besser war, denn einen neuerlichen Spruch, von wegen Schleimen oder sowas, hätte ich mir nicht verkneifen können. Neugierig sah ich mich um, wo denn mein Platz war. Ich konnte mir vorstellen, dass die Verantwortlichen wussten, was an Karten verkauft worden war. Aber komischerweise fehlte ein Platz. Ist doch mal wieder typisch für mich. ging mir durch den Kopf, als ich mir einen Platz an der Wand suchte, wo ich alles sehen konnte und packte eine Wasserflasche aus. Den Rucksack stellte ich auf dem Boden ab und setzte mich dazu. Wie früher immer, wenn ich im Cosplay unterwegs war. Und wieder wurde ich angeglotzt, als wenn ich gerade einen Mord begangen hätte. Außer Jane. Die grinste mich überheblich an, weil sie einen Platz hatte. Ich zuckte nur die Schultern und sah zu der Doppeltür, die sich hoffentlich bald öffnen würde. Der Raum war riesig. So stellte ich mir Konferenzräume vor. Platz für zig Gäste. Vorne waren Tische aufgebaut. Ich schätzte mal fünfzig Plätze. Eben für die Stars, auf die wir warteten. Und davor die VIPs, die sich die 300 Dollar leisten konnten. Da fiel mir ein, dass das wohl das einzige Mal war, das ich Glück hatte. Ich öffnete meine Flasche und wollte gerade einen Schluck trinken, als die Türen geöffnet wurden. Ein junger Mann in Livree trat ein. Hinter ihm eine junge Dame, die die andere Tür übernahm. Beide stellten die Türen fest während viele Servierwagen herein gefahren und aufgestellt wurden. Keine Ahnung, ob es Selbstbedienung geben würde, was für mich vorteilhafter wäre oder ob man serviert bekam. Letzteres wäre doch ziemlich schlecht. Der Duft von Kaffee, Tee, Brötchen und Belag verbreitete sich im Raum und ließ mir das Wasser im Mund zusammen laufen. Aber eigentlich sollte ich nichts davon essen, denn meine Diät war ja nicht zu Ende. Meine Figur wollte ich halten. Also würde ich mir einen Tee mit etwas Zucker holen und die Finger von den Leckereien lassen. Aber wie ich gerade sah, richtete das Personal die Tische. Als gedeckt war kamen auch endlich die Stars, die herzlich mit Beifall begrüßt wurden. Ich sah lediglich zu und verkniff mir das Klatschen. Kurz sah ich zu Jane und wäre fast in schallendes Gelächter ausgebrochen. Sie klatschte, als würde ihr Leben davon abhängen. Immer noch breit grinsend drehte ich meinen Kopf wieder zu der Tür, durch die nach und nach alle Stars herein kamen. Jason in Begleitung von Emilia, die sich ziemlich gut verstanden. Ich legte meinen Kopf schief und lächelte verträumt. Ich beobachtete den eins dreiundneunzig großen Mann, der galant Daenerys den Stuhl zurechtrückte, als sie sich gesetzt hatte. Dann nahm er neben ihr Platz und ließ seinen Blick schweifen. Ebenso Daenerys. Als würden sie jemanden suchen. Aber das bekam ich nur beiläufig mit, straffte ich meine Statur und betrachtete die Wasserflasche in meiner Hand. Als ein Raunen aufkam hob ich den Kopf und eine Braue und sah mich um. Bei Jason und Emilia hatte sich etwas verändert. Sie saßen nicht mehr bei einander. Verdutzt zog ich die Brauen zusammen und fragte mich, was denn passiert war. Dass Jason sich zurück gelehnt hatte, breit grinsend die Arme verschränkt, und zu mir rüber sah, fiel mir grad nicht auf.

                "Miss?" wurde ich von der Seite angesprochen, was mich zusammen zucken ließ. Der junge Mann in Livree sprach mich an.

                "Ja?" gab ich ihm verwundert als Frage zurück.

                "Ich bringe Sie zu Ihrem Platz." sagte er lächelnd und reichte mir seine Hand, um mir auf zu helfen. Natürlich glotzte ich ihn verdattert an. Ich hatte ja gesehen, dass es keinen Platz mehr für mich gab.

                "Aber es gibt doch keinen Platz mehr." ließ ich ihn wissen, dass ich durchaus wusste, dass man ein Gedeck vergessen hatte. Ich schenkte ihm ein Lächeln und patschte neben mich auf den Boden. "Hier ist schon okay." versicherte ich dem jungen Mann, der sich nun weiter runter beugte.

                "Miss, es wurde ein Platz für Sie gerichtet. Die Veranstalter entschuldigen sich für dieses Versehen." Wieder reckte er mir seine Hand entgegen. Ich atmete tief durch und nickte.

                "Na schön." Nochmal lächelte ich ihn an ehe ich die Flasche im Rucksack verstaute und mir dann hoch helfen ließ. Dann ließ der junge Mann meine Hand los und führte mich in eine Richtung, die ich nun gar nicht erwartet hätte. Und jetzt fiel mir auch auf, wie Jason an seinem Tisch saß. Und auch Emilia fiel mir auf, die breit grinste. Ich hatte das Gefühl, dass sie mit aller Macht ein Kichern unterdrückte. Ich blieb an einem der anderen Tische stehen – ich glaube, Ned Stark und seine Familie saßen dort – und sah dem jungen Mann hinterher, der neben Daenerys stehen blieb und den Stuhl heraus zog. Gespannt wurde ich nun angesehen, denn normal war das nicht. "Äh" machte ich und wusste nun nicht was ich tun sollte. Ich konnte sehen, wie Jason sich etwas zur Seite lehnte, nickte und hinter ihm Daenerys aufstand und auf mich zu kam. Beide Brauen krochen hoch als sie mich erreichte und meinen Arm unter ihren hakte.

                "Na komm," sagte sie. "wir haben Hunger." Sie drückte sich wie eine Freundin kurz an mich und versuchte mich auf meinen Platz zu schieben. Träume hatten es nun mal an sich nicht in Erfüllung zu gehen also machte ich mich von Daenerys los und schüttelte den Kopf.

                "Bitte, Misses Clarke, das geht nicht." sprach ich sie höflich an was ihre Braue hoch zucken ließ. Sie sah fast schon angewidert zu Jason, der sich das Grinsen nicht verkneifen konnte.

                "Gott, hört sich das fürchterlich an." Plötzlich drehte sie sich ganz zu mir und streckte mir ihre Hand entgegen. Aus dem Augenwinkel konnte ich die Gesichter der anderen Stars sehen, die neugierig dem kleinen Spektakel folgten. "Ich bin Emilia." stellte sie sich vor und schnappte sich meine Hand, die sie kräftig schüttelte. "Und du bist Beth. Freut mich dich kennen zu lernen." Wie in Trance schüttelte ich manierlich ihre Hand.

                "Äh, freut mich auch, Emilia." Tief atmete ich durch ehe ich mich geschlagen gab, ihre Hand los ließ und meinen Rucksack von meiner Schulter nahm, um mich zu setzten. Wieder ein Traum, den ich als solchen am Abend abhaken würde. Mein Blick glitt zufällig zu Jane, deren Augen Dolche versprühten. Nun war ich es, die sie überheblich angrinste. Ich rückte mir noch den Stuhl zurecht, als auch schon aufgetischt wurde. Oder war das Essen schon serviert worden? Ich wusste es nicht und nahm mir etwas Zucker als man mir meine Tasse mit Kaffee gefüllt hatte. Skeptisch sah ich den Zucker an während ich von zwei Seiten beobachtet wurde. Irgendwann bemerkte ich die Blicke und sah zwischen Emilia und Jason hin und her. "Was?" fragte ich. "Ich will nicht wieder zunehmen." erklärte ich direkt und ließ den Zucker auf dem Unterteller liegen. Emilia machte große Augen und betrachtete mich genauer.

                "Wieso wieder?" wollte sie wissen während ich mir ein Stück Roggenbrot nahm und es mit ein paar Salatgurkenscheiben belegte.

                "Ich hab' letztes Jahr aufgehört zu rauchen." erzählte ich, was Emilia lächeln ließ.

                "So schlimm?" hakte sie nach, was ich benickte.

                "Ja. Aber über mein Gewicht möchte ich jetzt sicher nicht sprechen." Verstehend tätschelte mir Emilia auf den Arm und widmete sich nun ihrem Essen und den Gästen. Derweil meldete sich Jason zu Wort.

                "Da ich heute kaum etwas zu tun habe" flüsterte er mir zu. "könnten wir doch" Ich hob eine Braue während ich versuchte in mein Brot zu beißen. Und wie auf Kommando wurde Jason eine Frage gestellt.

                "Mister Momoa, wie kamen Sie dazu sich zum Buddhismus zu bekennen?" Jason schloss kurz seine Augen. An seiner Mimik konnte ich sehen, dass ihm das jetzt gar nicht passte. Von der anderen Seite spürte ich, wie Daenerys eine Hand auf meinen Schenkel legte und ihn leicht drückte. Ich drehte meinen Kopf und sah sie an. Kurz ging ihr Blick zu Jason, der der Dame bereits erklärte was ihn dazu bewog. Dann sah sie mich wieder an und lächelte.

                "Ich brauche deine Handynummer." flüsterte sie mir zu, als sie sich kurz zu mir gelehnt hatte. Okay, jetzt wurde es wirklich mysteriös. Ich wäre aber schön blöd gewesen, wenn ich ihr nicht meine Nummer gegeben hätte. Also legte ich das Brot weg, kramte mein Handy heraus und öffnete den Eintrag meiner Nummer, die sie sich direkt abspeicherte. "Danke" sagte sie leise und sah zu Jason, der gerade seine Erklärung beendet hatte. Wieso auch immer ich mein Handy hektisch an mich nahm, als Jason wieder zu uns sah, konnte ich beim besten Willen nicht sagen. Irgendwie fühlte ich mich erwischt. Er hob eine Braue, sah kurz zu Daenerys dann wieder zu mir, als ich gerade in das Brot biss und mitten im Biss inne hielt. Ich hatte das Gefühl ihm erklären zu müssen, was sich gerade abgespielt hatte. Doch dazu musste ich erst meinen Mund leeren. Ich öffnete den Mund um etwas zu sagen, schloss ihn aber gleich wieder weil ich sein Thema nicht erneut aufgreifen wollte. Hatte er ja gerade etwas angedeutet ehe er unterbrochen wurde. Und außerdem saß mir das von gestern noch im Nacken und verbreitete sich als Gänsehaut auf meinem Rücken. Ich hatte mir eingebildet, dass er mir einen Abschiedskuss geben wollte.

                "Ich wollte mit dir noch was besprechen." Er sah mich mit diesem Blick an, der mir die Knie zerdrückte. Aufstehen konnte ich sicher nicht. Schnell suchte ich unter dem Tisch nach Emilias Hand an der ich mich fest halten wollte.

                "Und" begann ich fiepend und blinzelte heftig. Schnell räusperte ich mich und begann nochmal. "Und was willst du besprechen?" Eigentlich konnte ich mir nur als Thema Star vorstellen. Emilia hatte endlich begriffen und hielt meine Hand als Unterstützung.

                "Du Star. Ich Fan." wiederholte er meine Worte und sah mich immer noch von unten heraus an. Fester drückte ich Emilias Hand, die sicher schon blau anlief.

                "Wenn du meinst, dass man da was besprechen muss." versuchte ich cool zu bleiben und zuckte die Schultern. Nun war es Daenerys, die meine Hand drückte. Ich interpretierte es als Mahnung was mir ein Blick zu ihr bestätigte. Ich sah wieder zu Jason, der seinen Blick auf mich geändert hatte. Er nickte und widmete sich wieder den Gästen. Und wieder flehte ich den Boden an sich zu öffnen und mich zu verschlucken aber außer Emilia, die mich vernichtend ansah, blieb ich unversehrt an Ort und Stelle. Ich unterließ es erst mal noch etwas zu sagen und als ich merkte, wie beschäftigt die zwei waren, eilte ich mich aufzustehen, meinen Rucksack hinter mir her zu schleifen und zum Fahrstuhl zu eilen. Mir kam das alles so abnormal vor. Hektisch legte ich mein Band auf die Platte und drückte dann den Knopf. Die Tür ließ, Gott sei Dank, nicht auf sich warten und öffnete direkt die Pforten, die mich in diese Hölle gebracht hatten. Als ich in der Kabine stand konnte ich Jason sehen, wie er mich ansah. Und dann hörte ich Jane.

                "Mister Momoa? Wie stehen sie zu Beth O'Keefe?" Ich konnte den bösartigen Unterton in ihrer Frage hören. Meine Augen weiteten sich. Ich sog die Luft tief in meine Lungen, doch es war zu spät. Die Türen schlossen so schnell, dass ich dachte, es gäbe einen Defekt.

                "NEIN!" rief ich noch, als der Fahrstuhl sich in Bewegung setzte. Tränen stiegen mir in die Augen, als ich den Fahrstuhl unten verließ. Und zum ersten Mal fühlte ich wieder diese Schwere auf meinen Schultern, als wäre ich an allem auf dieser Welt schuld. Ich wischte mir die Tränen aus den Augen und suchte nach diesem Stand, den ich gestern entdeckt hatte. Im Verdrängen war ich wirklich gut auch wenn es nur für den Moment war. Ich hatte ein schwarzes Lederarmband entdeckt, das gut zu meinem Stil passte. Während ich suchte bekam ich sicher zehn Nachrichten. Und ich konnte mir vorstellen, wer es war. Aber ich ignorierte mein Handy. Ich wollte lieber Geld ausgeben. Den Stand konnte ich erst mal nicht finden, dafür einen, der den goldenen Gürtel verkaufte, den Khal Drogo geschmolzen hatte. Ich ließ mir das gute Stück geben und besah es mir ganz genau. In solchen Dingen war ich sehr penibel und diesen Gürtel kannte ich wie meine Westentasche. Er hatte ein durchschnittliches Gewicht aber war sehr gut verarbeitet. "Den haben Sie nicht zufällig in Silber?" wollte ich wissen, denn den Gürtel konnte ich auch auf meine Klamotten tragen.

                "Ich hab' tatsächlich einen." sagte der Händler, was mich eine Braue heben ließ.

                "Cool" entgegnete ich und wartete darauf, dass er das gute Stück brachte. Als er zurück kam und mir den Gürtel reichte besah ich ihn wieder genau, schob ihn unter meinen Mantel und testete den Gürtel ob ich ihn auch wirklich tragen konnte. Der Verkäufer sah schon, dass ich so meine Probleme damit hatte und kam hinter seinem Tisch hervor.

                "Warten Sie. Ich helfe Ihnen." sagte er freundlich und ging vor mir in die Knie. Er nahm den Gürtel ab und zeigte mir, dass man Glieder heraus nehmen konnte. Was mir recht war, denn er war viel zu lang. "Okay. Mal sehen, wie viele raus müssten." meinte er und legte den Gürtel an wobei ich ihn beobachtete. Von weiter weg konnte ich ein Raunen hören. Hie und da quietschte ein Mädchen. Aber wirklich kümmern tat es mich nicht, denn der Gürtel war gerade interessanter. Der Verkäufer nahm die Glieder heraus, legte mir den Gürtel um die Taille und zeigte mir den Verschluss. "Und so müssen Sie ihn schließen." Drei kleine Karabiner waren perfekt angebracht um den schweren Gürtel zu halten. Darüber band man die Lederschnüre zusammen und so entstand der Eindruck, dass der Gürtel von nichts anderem gehalten wurde. Der Verkäufer drehte den Gürtel noch anständig und fuhr mir dann über den Gürtel nach vorne. Das Gemurmel wurde lauter als ich ein leises Tippen hörte. Dann sah ich den Händler die Hände weg nehmen, als hätte er sich verbrannt. Ich hob eine Braue und sah aus dem Augenwinkel eine riesige Gestalt. Ich wusste schon wer da stand und verdrehte die Augen. Aber Aufmerksamkeit wollte ich ihm nicht schenken. Ich sah den Händler wieder an und lächelte. Der hingegen rieb sich nervös im Nacken.

                "Und was soll das schöne Stück kosten?" wollte ich wissen während neben mir ein leises Knurren aufkam. Schien es ihm gar nicht zu gefallen, dass er ignoriert wurde. Ich nahm den Gürtel ab während der Händler stotternd noch einiges erklärte.

                "Also, ähm, der ist aus Sterlingsilber. Hohl aber nicht versilbert. Hier wurde auf das Gewicht geachtet." Während ich ihn ansah sah er dauernd zu Jason, der gerade auf zwei Meter fünfzig anwuchs. Wie gesagt konnte ich ihn aus dem Augenwinkel sehen. "Und dann die detaillierte Handarbeit." Er packte den Gürtel samt den Gliedern in einen Stoffbeutel. "999 Dollar" sagte er mir den Preis, der mir die Mundwinkel herunter zog. Selbst wenn ich mit dem Kerl gefeilscht hätte könnte ich den Gürtel nicht bezahlen.

                "Oh" sagte ich, wobei ich den Gürtel in dem Beutel verschwinden sah. "Vielleicht nächstes Jahr." lächelte ich den Mann an, verabschiedete mich und eilte davon. Suchte ich ja immer noch den Stand, der dieses schöne Armband hatte. Vielleicht kostete das nicht ganz so viel wie der Gürtel. Ich wusste nicht, ob Jason mir hinterher kam. Eigentlich müsste er mich mit seinen riesen Schritten einholen. Aber ich ging unbehelligt weiter. Wieder meldete sich mein Handy, das ich geflissentlich ignorierte. Wie Jason gerade eben. Auf meinem Weg, vorbei an den vielen Räumen, den Ständen, an denen ich mir verstohlen eine Süßigkeit oder ein Zitronentörtchen à la Sansa kaufte. Dafür musste ich mindestens eine Stunde joggen gehen. Während ich das Törtchen zerpflückte und die Stückchen nach und nach aß, fand ich endlich den Stand, der sich im zweiten Stock versteckt hatte. Lächelnd trat ich näher, wartete darauf, dass ich etwas Platz fand, um mich ganz an den Stand zu stellen. Musste ich die Händlerin schließlich nach dem Armband fragen. "Miss?" machte ich freundlich auf mich aufmerksam. Es dauerte einen Moment aber dann wandte sie sich mir zu.

                "Was kann ich für Sie tun?" fragte sie freundlich lächelnd nach.

                "Ich habe gestern ein tolles, schwarzes Lederarmband hier gesehen. Haben Sie das noch?" wollte ich von ihr wissen. Aber sie zog nur die Brauen zusammen und versuchte sich zu erinnern ob sie so etwas hatte.

                "Hier." rief ein Mann in meinem Alter und hielt das Lederarmband hoch. Die Händlerin nahm es dem Herrn ab und reichte es mir. Wieder roch ich an dem Leder, wobei ich die Augen schloss. Das war kein Kunstscheiß. Das war echtes Leder. Der Geruch war einfach unverkennbar. Als ich meine Augen öffnete sah die junge Frau über mich hin weg. Sie hatte den Mund geöffnet, weil sie wohl nicht glauben konnte, wen sie da sah. Wieder verdrehte ich meine Augen und schnaufte aus. Dann beugte ich mich vor, um ihr etwas zuzuflüstern.

                "Hinter mir steht Khal Drogo, oder?" Sie nickte leicht, schaffte es aber nicht ihre Aufmerksamkeit wieder mir zu widmen. Also sah ich zu dem Typ, der das Armband gefunden hatte und versuchte es bei ihm. "Was soll das Armband kosten?" hakte ich nach. Es dauerte einen Moment bis der Herr mich endlich ansah.

                "Fünfzig Dollar" ließ er mich wissen. Ich seufzte, denn sein Blick ging wieder zu Jason, der ja hinter mir stand. Eine ganze Weile dachte ich nach ob ich Jason ansehen sollte, ihm geben sollte was er wollte… was auch immer das war. Aber letztendlich nahm ich den Rucksack runter, kramte den Geldbeutel raus und zupfte einen fünfzig Dollar Schein heraus. Nochmal sah ich zwischen den zwei Händlern hin und her ehe ich mich entschloss mich über den Tisch zu lehnen und die fünfzig Dollar der jungen Frau in die Hosentasche zu stecken.

                "Vielen Dank" sagte ich, als ich mir das Armband anlegte und, Jason ignorierend, den Stand verließ. Ich begutachtete im Gehen das schöne Leder, das hübsche Accessoire, das so gut zu meinem Stil passte. Derweil gingen mir meine Vorstellungen durch den Kopf. Noch vor einer Woche dachte ich, ich würde vor diesem Mann auf die Knie fallen oder ihn frei weg vernaschen. Aber ich hatte nichts dergleichen getan. Ja, ich hatte mir das ein oder andere vorgestellt, aber das war eine Sache. Es zu tun eine andere. Jetzt fühlte es sich an, als würde ich vor einem Freund weg laufen, der mir folgte. Während ich so sinnierte was sich verändert hatte fiel mein Blick auf Silberschmuck, den ich direkt inspizierte. Wunderschöne Ketten lagen da. In allen möglichen Längen. "Ist das Sterlingsilber?" wollte ich wissen während ich nach etwas Bestimmtem suchte.

                "Ja." lächelte die Dame und kam zu mir rüber. Sie sah wohl meinen suchenden Blick. "Suchen Sie etwas Bestimmtes?" hakte sie freundlich nach. Eigentlich suchte ich wirklich etwas Bestimmtes aber ich glaubte nicht, dass sie meine Vorstellung von einem Anhänger mit den Worten 'Mond meines Lebens' hatte.

                "Um ehrlich zu sein ja. Mond meines Lebens auf dothrakisch." erklärte ich, was sie lächeln ließ.

                "Moment." bat sie mich zu warten und verschwand hinter einem Vorhang. Es dauerte vielleicht eine Minute bis sie mit einer Art Tablett zurück kam. Sie stellte es vor mich und nahm das Tuch runter. Darunter kamen viele Anhänger zum Vorschein. Begeistert ließ ich meine Finger über die Anhänger wandern bis ich einen fand der mir zusagte. Der Anhänger war rund und einen Sichelmond hatte man kunstvoll eingearbeitet. Auf der freien Fläche hatte man in filigranen Buchstaben Mond meines Lebens auf dothrakisch graviert.

                "Gott, ist der schön." flüsterte ich ehrfürchtig und nahm ihn vorsichtig heraus, um ihn näher zu betrachten. Ich drehte und wendete ihn, bis ich ihn aus allen Winkeln bewundert hatte. Dann sah ich sie an. "Eine Kette in, sagen wir, siebzig Zentimeter Länge brauche ich noch dazu." Und schon war sie verschwunden, um eine robuste Kette zu holen. Als sie zurück kam hatte sie zwei zur Auswahl.

                "Die anderen sind zu dick." Die junge Dame hielt eine filigrane und eine recht robuste aber nicht klobige Kette in den Händen. Ich hielt den Anhänger an die Ketten um es mir vorzustellen.

                "Diese hier." sagte ich und deutete auf die robustere Kette. Die junge Dame nahm mir den Anhänger ab und fädelte die Öse auf die Kette. Dann packte sie sie in einen kleinen schwarzen Beutel, damit das schöne Stück nicht zerkratzte.

                "Achtundsiebzig Dollar bitte." lächelte mich die Dame an, der ich zunickte. Wieder holte ich meinen Geldbeutel heraus und zupfte zwei fünfzig Dollarscheine heraus, die ich ihr reichte. Sie wechselte mir und gab mir das Restgeld samt dem Beutel, den ich gleich verstaute. Ich bedankte mich noch und wollte schon weiter gehen als ich mich umsah und mit erhobener Braue fest stellte, dass Jason mir diesmal nicht gefolgt war. Leise begann ich zu lachen und schüttelte den Kopf während ich weiter Richtung Halle lief, in der gerade das Panel des Hauses Stark stattfand. Es hatte eben erst angefangen und so kam ich gerade noch recht zeitig, um durch eine der Türen zu schlüpfen, die gerade geschlossen wurden.

                "Danke" sagte ich leise, mit einem Lächeln auf den Lippen, das der Mann nickend erwiderte. Kurz sah ich mich in der Halle um, wo ich mich denn hin stellen konnte, um gut zu sehen. Aber wie sich heraus stellte stand ich schon ziemlich gut. Ich konnte die Leute auf der Bühne gut erkennen und ebenso hören. Also machte ich es mir an der Wand zwischen den Türen bequem und lauschte den Fragen, die aus dem Publikum kamen. Viel banales, das man aus dem Internet erfahren konnte, wurde gefragt. Kaum eine Frage, die nur die Stars beantworten konnten. Und dann noch zu viele Fragen, die auf die achte Staffel gemünzt waren. Aber hier schüttelten die Starks ihren Kopf und entschuldigten sich, dass sie nicht spoilern wollten. Ich hingegen war darüber sehr froh, denn ich wollte mir meine eigenen Spekulationen darüber machen. Ich hatte zwar die Bücher gelesen, aber die waren noch nicht weit genug, als dass ich im Ansatz wissen konnte, was die achte Staffel zeigen würde. Wieder meldete sich mein Handy, das ich vergessen hatte auf stumm zu stellen und kam mir ziemlich dämlich vor, als man Khal Drogos Stimme hörte, die auf dothrakisch Mond meines Lebens sagte. Ich biss mir verlegen auf die Lippe und ging hinaus, um endlich einen Blick auf mein Handy zu werfen. "Willst du mich verarschen?" fragte ich, als ich die Menge der Nachrichten sah. Emilia hatte mir fünf Nachrichten geschickt. Alles Bilder von Jason, der Grimassen zog und das Bild von ihm und mir als wir am Hudson standen. Es war wirklich schön geworden und musste natürlich als Hintergrund genommen werden. Als ich es eingestellt hatte begann ich zu lächeln und stellte endlich fest "Das ist kein Traum." Ich schrieb Emilia eine Nachricht zurück, in der ich mich für die Bilder bedankte. Ich konnte sehen, dass sie etwas schrieb. Es schien ein sehr langer Text zu werden. Doch dann hörte sie auf und schickte mir ein

                [Gerne] zurück. Verwundert hob ich eine Braue, denn ich hatte mit einem wesentlich längeren Text gerechnet. Aber gut. Sie war Daenerys Targaryen und durfte das. Ich musste schmunzeln während sich hinter mir die Türen öffneten und ich lautes Klatschen hören konnte. Das Panel war wohl vorbei und ich hatte wieder etwas verpasst. So hatte ich mir diese Con sicher nicht vorgestellt. Seufzend nahm ich mir die Nachrichten von Jason vor.

                [Wo bist du?] hatte er mich zuerst gefragt.

                [Redest du nicht mehr mit mir?] Ich war mir nicht sicher ob ich diese Frage wirklich verneinen würde.

                [Beth?]Wieso gab er sich solche Mühe?

                [Beth O'Keefe!] Ich musste lachen weil sich das las, als würde er mit mir schimpfen.

                [Ach komm schon.] Wüsste ich es nicht besser, würde ich glauben, dass er schmollte.

                [Wenn ich dich finde, fessle ich dich an mich!] Diese Nachricht ließ mich eine Braue heben. Die nächste Nachricht war gerade gekommen als ich die Halle verlassen hatte.

                [Ich mag es nicht, wenn man mich ignoriert.] Ich konnte sein Knurren förmlich hören. [Ich geb' jetzt zwei Stunden Autogramme bei den lebensgroßen Figuren mit denen man sich fotografieren lassen kann.] Wieso sagte er mir das? [Danach bin ich beim Catering mit den VIPs um 17 Uhr.] Stimmt. Heute hatte die Con länger offen. Von einem Essen mit den VIPs wusste ich natürlich nichts, denn eigentlich wollte ich eine VIP Karte für den morgigen Tag, an dem es eine Sonderautogrammstunde, mit Bilder machen, gab. Aber mittlerweile empfand ich das nur noch als Farce. Noch während ich meinen Gedanken nach hing lief ich die große Treppe runter und steuerte die Ecke an, in der ich gestern die Figuren gesehen hatte. Als ich die Menge sah, die sich dort versammelt hatte sah ich schon, dass ich diesmal nicht nach vorne schlüpfen konnte, wie es mir gestern gelungen war. Seufzend zog ich meine Stöpsel heraus, schloss sie an mein Handy an und schob sie mir dann in die Ohren. Ich hatte mir eine Playlist gemacht für den Fall, dass ich warten musste und hörte mir nun die Lieder an während ich langsam an der Menge vorbei lief um ihm vielleicht beim Schreiben zu zusehen. Ich musste ziemlich weit unter die Treppe ehe ich ihn hinter einem Tisch sitzen sah. Lächelnd hob ich mein Handy an, das gerade A Thousand Years von Christina Perri spielte, und machte ein paar Bilder. Selbst sein Profil war wunderschön. Ich musste an das Portrait denken, das ich von ihm malen sollte. Ich würde den Mann meiner Träume vor mir haben und durfte ihn nicht anfassen. Manchmal war das Leben ziemlich ungerecht. Aber was ich gerade bekam war auch toll. Seit neunzehn Jahren vergötterte ich schon diesen Mann, der mich über seine Termine Bescheid wissen ließ, der meine Phantasie ankurbelte mit Ideen, die in meinem echten Leben niemals passieren würden. Und doch schien es, als würde er mir Interessen entgegen bringen. Während ich noch meinen Gedanken nach hing, legte ich den Kopf leicht schief und lächelte verliebt Khal Drogo an, der unermüdlich alles unterschrieb, was man ihm hin legte. Und immer lächelte er freundlich, hatte einen Witz parat, über den ich sicher nicht weniger gelacht hätte. Plötzlich fühlte ich mich beobachtet und riss mich aus meinen Träumen. Jason sah mich an und schenkte mir dieses Lächeln, das ich so sexy fand. Und dann hob er seine Hand in meine Richtung. 'Komm' formten seine Lippen stumm. Heftig begann ich zu blinzeln, denn seine Einladung galt mir. Seinem wohl größten Fan. Wovon man aber nicht wirklich etwas merkte. Wusste ich mich durchaus zu benehmen. Ich zog die Stöpsel aus meinen Ohren, stoppte die Musik während ich langsam auf ihn zu ging, seine Hand nahm und mich hinter ihn stellte. Jetzt konnte ich die Blicke der weiblichen Fans sehen, die nicht gerade begeistert waren. Eifersüchtig, dass ich dort stehen durfte, wo sie stehen wollten. Während ich meinen Blick auf die Meute gerichtet hielt, die sich wieder mit den Autogrammen beschäftigte, beugte ich mich zu Jason runter.

                "Ich will dich nicht stören." flüsterte ich ihm zu. Kaum merklich schüttelte er den Kopf.

                "Du störst nicht. Bitte bleib." bat er mich, was mir schon einen dicken Klos in den Hals trieb.

                "Okay." sagte ich noch ehe ich mich wieder aufrichtete und er meine Hand wieder los ließ um weiter zu unterschreiben. Derweil beschäftigte ich mich mit meinem Handy. Noch waren die zwei Stunden nicht um.

                [Hi Kate. Du wirst nicht glauben, bei wem ich gerade stehe.] Lange sah ich mir die WhatsApp an, die ich dann doch löschte und mir die Bilder ansah, die ich gerade aufgenommen hatte. Die schickte ich Kate, damit sie wenigstens ein paar Bilder bekommen würde. Ich konnte eine Bewegung sehen, die mich meinen Blick in seine Augen richten ließ.

                "Ich bin noch da." schmunzelte ich ihn an und zwinkerte ihm zu. Er nickte kurz und wandte sich dann wieder seinen Fans zu, deren Menge sich langsam lichtete. Eine Weile hielt ich meinen Blick noch auf die Menge, in der ich glaubte Jane zu sehen. Das wird was. maulten meine Gedanken. Schnell richtete ich meinen Blick wieder auf mein Handy, auf dem ich die Uhrzeit sah. Da fiel mir ein, dass ich ja die Staffeln immer noch im Rucksack hatte. Nochmal sah ich auf die Uhr, die mir sagte, dass die zwei Stunden fast um waren. Also wieder kein Autogramm, das meine kleine Sammlung wertvoller machte. Ich zuckte die Schultern und tat es als gegeben ab. Während die Minuten verstrichen und ich darauf wartete, dass ich ihn wenigstens ein paar Minuten für mich allein hatte kam die Frau in Sicht, die mich still angiftete. Aber kein Wort kam über meine Lippen, wollte ich Jason schließlich nicht blamieren. Jane legte ihre Sachen vor Jason, die sie unterschrieben haben wollte und schmachtete ihn dabei an. Eifersucht stieg in mir hoch, die ich nicht haben durfte, die mich all meine Beherrschung kostete, damit ich Jane nicht an die Gurgel sprang.

                "Vielen Dank, Mister Momoa. Oder darf ich sie Jason nennen?" Sie klang in ihren Worten dermaßen erregt, dass es schon an Aufdringlichkeit grenzte. Ich sah nochmal auf die Uhr, die jetzt 16:39 Uhr zeigte. Ich musste an meine Rettung denken und beugte mich zu ihm runter.

                "Komm. Wir wollten doch noch zu George." erinnerte ich ihn an einen fiktiven Termin und legte meine Hand auf seine Schulter. Dann sah er zu mir hoch und nickte. Wie gerne hätte ich mich jetzt in seinen Augen verloren.

                "Stimmt. Das hätte ich fast vergessen." Ich warf Jane einen Blick zu wobei ich missbilligend den Kopf schüttelte während Jason aufstand und meine Hand nahm. Höflich, wie er war, entschuldigte er sich noch bei Jane, die ihm zunickte und mich auch schon wieder ansah.

                "Allan Carver wird sich freuen." sagte sie noch ehe sie sich umdrehte und verschwand. Zischend sog ich die Luft in mich, denn Allan Carver war DER Reporter der New York Times.

                "Scheiße!" rief ich aus und stampfte mit einem Fuß auf den Boden.

                "Danke für die Rettung?" hakte er, verdutzt drein blickend, nach und verstand gerade nur Bahnhof, was ich in seinem Gesicht lesen konnte. Ich ließ seine Hand los, stemmte eine Hand in meine Taille und die andere legte ich an meine Stirn. Dabei lief ich hektisch hin und her.

                "Bitte, aber das ist jetzt nicht wichtig." Nochmal sah ich in die Richtung, in die Jane verschwunden war. "FUCK!" ärgerte ich mich und hatte gute Lust etwas zu zerstören. Ich war schon auf dem Weg zu einer Wand als Jason mich aufhielt.

                "Was ist denn los?" fragte er mich energisch. Ich drehte mich um, um zu ihm hoch zu sehen.

                "Jane" Ich wies mit dem Daumen in die Richtung, in die sie verschwunden war. "ist ein Miststück vor dem Herrn und dazu noch reich. Die kennt jeden in dieser Stadt." Jason sah mich stirnrunzelnd an. "ALLAN CARVER" sagte ich lauter. "Er bekam den Pulitzer für die Berichterstattung über Trump." Es schüttelte mich bereits diesen Namen aussprechen zu müssen. Ich hatte ihn nicht gewählt. Jetzt endlich schien der Cent bei Jason zu fallen.

                "Also ist es gut möglich, dass bereits morgen ein Artikel von nicht gerade schönem Inhalt in der Eventspalte zu finden ist?" hakte er vorsichtig nach.

                "Ja, das ist durchaus möglich. Oder über mich… nein. Das will ich mir gar nicht ausmalen." Ich hob meine Hände an meine Stirn und fing hektisch an zu atmen. Meine Phantasie ging gerade mit mir durch. Jason gab sich alle Mühe mich zu beruhigen.

                "Beth." Er nahm meine Hand und zog mich zu sich. Dass sich eine kleine Traube vor uns gebildet hatte bemerkten weder ich noch er. "Sollte wirklich etwas über uns oder dich in der Zeitung stehen, was nicht der Wahrheit entspricht, nehmen wir uns einen Anwalt." Einen Anwalt. Gegen Allan Carver musste man richtige Geschütze auffahren und die waren, weiß Gott, nicht billig. Aus großen Augen sah ich ihn an ehe ich eine Braue hob.

                "Ja klar. Du kannst dir einen Staranwalt leisten. Ich kann das nicht. Und schon gar nicht gegen Jane. Die ist tierisch eifersüchtig auf mich." Wie gerne hätte ich jetzt an meinen Fingernägeln gekaut. Jason hob verwundert eine Braue.

                "Warum ist sie eifersüchtig?" wollte er wissen und war dabei so unschuldig wie ein neu geborenes Baby.

                "Weil du dich um mich kümmerst und nicht um sie?" Ich hob den freien Arm und ließ ihn gleich wieder fallen. Dann wurde mir bewusst was ich da gerade gesagt hatte. Meine Augen wurden langsam größer, fast schon tellerrund während Jason einmal um das Center grinste. "Oh nein. So hab' ich das nicht gemeint. Du Star!" Ich drückte ihm meinen Zeigefinger in den Bauch. "Ich Fan! Sonst nichts!" Plötzlich hörte man leise jemanden kichern, der sich gleich den Mund zu hielt. Neugierig sah ich über meine Schulter. Ich suchte nach einem passenden Spruch, den ich der Menge an den Kopf werfen konnte, aber mir wollte beim besten Willen nichts einfallen. Stattdessen sah ich Jason wieder an der immer noch grinste. "Hör auf so dämlich zu grinsen." zischte ich ihn an und versuchte ihn mit mir zu ziehen. Das Essen ging bald los. Ich war noch keinen Schritt vorwärts gekommen, als er mich zu sich zog in sowas wie eine Umarmung. Ich hingegen ließ die Arme hängen.

                "Du bist auch ein Star." sagte er trocken und sah dann kurz auf seine Uhr. Es mochte eine Minute später gewesen sein, als man diese Stimme, die einen verabschiedete, hören konnte.

                "Sehr geehrte Gäste. Die Con-Leitung gibt bekannt, dass es in letzter Sekunde gelungen ist die YouTuberin BethanyBathory für ein Panel zu gewinnen." Entsetzt sah ich zu ihm hoch ehe mir bewusst wurde, dass die Menge hinter mir sich über mich unterhielt. Nicht alle aber die jüngere Generation auf jeden Fall.

                "Sie ist hier?" oder "Geil. Die Bilder sind so klasse." Heftig blinzelnd sah ich zu den Leuten, die uns wieder anstarrten. Derweil machte jemand ein Bild von uns, gefolgt von einem Kichern, das ich kannte.

                "Emilia!" rief ich und verdrehte meine Augen. Jason lachte schon wieder weil er es wohl einfach witzig fand wie Emilia sich benahm.

                "Wenn diese Jane uns nicht in die Zeitung bringt, Emilia schafft es mit Sicherheit." Immer noch lachend schüttelte er den Kopf und sah wieder zu mir runter. Und dann veränderte sich die Luft, knisterte als würde sich die Umgebung aufladen. Ich hatte aufgehört zu blinzeln, um seine Augen auch ja keinen Moment aus meinem Blick zu lassen. Dabei hob ich meine Hände und hielt mich an ihm fest.

                "Küssen" rief jemand. "Küssen" stieg ein anderer mit ein. Nach und nach schwoll es zu einem Chor an. Als die Stimmen endlich an mein Ohr drangen hob ich eine Braue. Küssen. Wir sollen uns küssen? Mein Herz startete einen Marathonlauf während Jason sich meinem Gesicht näherte. Und dann spürte ich seine Lippen auf meinen, die mir einen Stromschlag versetzten, der sich bis in meine Zehen ausbreitete. Wenn ich mir vorher nicht sicher war, ob ich in ihn verliebt war, jetzt war ich mir zu 1.000 Prozent sicher. Die Welt um mich herum war still geworden. Nur mein Herz konnte ich noch hören, das sich von mir trennen und zu Jason überlaufen wollte. Doch bevor mein Herz ihn erreichen konnte löste er sacht den Kuss. Meine Lippen waren immer noch zu einem Kuss gespitzt, so wie meine Augen noch geschlossen waren. Es schien mir eine Ewigkeit bis er mich nochmal küsste, um mich aus meiner Trance zu holen. Langsam öffnete ich die Augen auf Halbmast und sah ihn an. Wie gerne hätte ich ihm jetzt gesagt, dass er mich heiraten soll, mich nach Hawaii entführen, bei mir einziehen oder mich einfach nur halten sollte, aber nichts kam über meine Lippen. Nur die beschleunigte Atmung kam hörbar durch meine Nase. Scheiß Gruppenzwang. Wenn die Leute nicht gewesen wären hätte ich ihm garantiert verboten mich zu küssen.

                "Ich kann nicht gehen." flüsterte ich ihm heiser zu und versuchte mich trotzdem zu beruhigen. Noch während die Leute begeistert klatschten hob er mich auf seine Arme und wandte sich dann an die Menge.

                "Wir müssen leider gehen. Die VIPs möchten sich bitte im zweiten Stock im Café einfinden." Kurz und informativ. Dann lief er auch schon los und eilte den Gang entlang.

                "Jason." sagte ich und versuchte auf mich aufmerksam zu machen. Aber irgendwie drang meine Stimme nicht an sein Ohr. "Jason!" sagte ich jetzt fester in der Stimme aber immer noch sah er gerade aus. Wir kamen an einer Uhr vorbei, die bereits zehn nach fünf anzeigte.

                "Joseph Jason Namakaeha Momoa!" Unverhofft blieb er stehen und sah mich an. Geht doch. dachte ich mir und grinste. "Lass mich bitte runter." Er blinzelte mich ein paar Mal an ehe er mich runter ließ. Ich hielt mich noch einen Moment an ihm fest falls ich doch noch zusammen sacken würde, aber meine Knie hatten sich erholt. Er sah mich immer noch an wie ein Lausbub, der gerade bei etwas erwischt wurde.

                "Nur meine Mom nennt mich so, wenn ich was angestellt habe." meinte er kleinlaut. Ich hob eine Braue und sah ihn perplex an.

                "Gut zu wissen." grinste ich ihn fies an und schnappte ihn an der Hand. Diesmal ließ er sich mit ziehen, denn es war nicht mehr weit bis zum Café. Bevor ich ihm die Tür öffnete sah ich ihn nochmal ernst an. "Ich weiß nicht, ob ich das alles verarbeiten kann." sagte ich ehrlich und strich mir mit einem verträumten Lächeln über meine Lippen. "Ich… ich hatte niemals Glück und schon gar nicht wenn es um Stars ging." lachte ich bitter und schüttelte dabei den Kopf. Den Kuss ließ ich lieber mal unter den Tisch fallen. "Ich bin eher das Klischee von jemandem, der nur Glück im Spiel hat. Verstehst du, was ich meine?" fragte ich ihn eindringlich. Sanft lächelte er zu mir runter und nickte.

                "Ja, versteh' ich vollkommen." Er beugte sich zu mir runter und küsste meine Stirn. Sofort überzog sich mein Körper mit einer Gänsehaut "Für mich ist das auch neu. Ich überspiel' das dann mit meinen Scherzen." grinste er und zuckte entschuldigen die Schultern, als er sich wieder erhoben hatte. Ich verstand was er meinte auch wenn ich es nicht glauben konnte. Und im absolut perfekten Moment meldete sich mein Magen. Leise begann er zu lachen und öffnete die Tür. "Wir sollten dir etwas zu essen besorgen." Ich hielt mir den Magenbereich und stieg in sein Lachen ein.

                "Das wäre jetzt das absolut Richtige." stimmte ich ihm zu und ließ mich von ihm vorbei schieben. Wieder glotzten mich alle an, als Jason hinter mir herein kam. Ganz besonders Jane, die sich diebisch über etwas zu freuen schien. Tief atmete ich durch und schlang meinen linken Arm um seine Mitte. Die rechte Hand parkte ich auf seiner Brust. Dass wir uns geküsst hatten machte sicher gerade die Runde und würde auch hier landen. Von einem Nachzügler oder wie auch immer. Jason legte seine Hand auf meine Schulter und sah zu mir runter während er ein Gespräch auf seinem Handy führte. Mein Blick ging wieder zu Jane, die mich wie der Clown aus 'Es' ansah. In meiner Wut verstand ich nicht wirklich, was Jason sagte. Lediglich "Bis gleich" blieb in meinen Ohren hängen. Er schob sein Handy in die Tasche, trat mit mir etwas beiseite und schmiegte mich an sich. Denn in diesem Augenblick öffnete sich die Tür, durch die ein paar Securitys herein kamen. Einer der Männer ging auf Jason zu und flüsterte mit ihm.

                "Danke" sagte der Mann und ging auf die Menge zu. Besser gesagt auf Jane, wie ich feststellte. "Miss. Kommen Sie bitte mit." Jane sah von dem Security zu mir, dann zu Jason und dann wieder zu dem Security, der ihr auf den Pelz rückte.

                "Ist ja gut!" echofierte sie sich mal wieder viel zu laut und wurde dann abgeführt. Ich konnte es mir nicht verkneifen ihr grinsend hinterher zu sehen. Dennoch wusste ich, dass dieses Kapitel noch nicht zu Ende war. Die Türen schlossen sich wieder und ich eilte auf das Essen zu. Lautstark begann mein Magen zu rebellieren. Verlegen lächelnd hielt ich meine Hand auf meinen Magen.

                "Tut mir leid." sagte ich leise.

                "Schon okay. War sicher ein langer Tag." nahm die junge Dame an, die sich einen Teller nahm und mich wieder ansah. "Was darf ich Ihnen denn geben?" Kurz ließ ich meinen Blick schweifen.

                "Von den Nudeln bitte. Ein Stück Geflügelfleisch, wenn sie haben und etwas Soße drauf. Dazu einen Salat mit Joghurt-Dressing bitte." zählte ich schnell auf, was die Bedienung sofort umsetzte.

                "Bitte nehmen Sie doch Platz. Ich bringe Ihnen Ihr Essen." sagte sie und machte ein Tablett zurecht. Ich sah mich um und sah Emilia winken. Irgendwie kam ich mir wie Bella vor, deren beste Freundin ein heiß begehrter Vampir war. Nur, dass Emilia eine, mittlerweile berühmte, Schauspielerin war und ich sie für den Kuss am liebsten töten würde. Ich hielt mir immer noch den Magenbereich, als ich neben ihr stehen blieb und sie ansah. Und dann wurde mir bewusst, dass mich alle ansahen, die ich jemals gezeichnet hatte. Aber das war sicher nur Zufall. So wie Jason, der meinem Account in seiner freien Zeit folgte. Seufzend nahm ich den Rucksack von meiner Schulter und stellte ihn neben meinen Stuhl. Emilia sah mich derweil neugierig schmunzelnd an.

                "Du bist also BethanyBathory." stellte Emilia fest und verschränkte dabei die Arme. Ich zog meinen Mantel aus und hängte ihn über den Stuhl, den Daenerys für mich frei gehalten hatte. Seufzend nickte ich.

                "Ja. Live und in Farbe." sagte ich resignierend, denn ich wollte eigentlich nicht, dass das jemand erfuhr. Während ich mich setzte und die Kellnerin mein Essen brachte nahmen andere Bedienungen die Bestellungen auf. "Du hast mich auch abonniert, richtig?" fragte ich Emilia, die kichernd nickte. Von ganz links konnte ich weitere Stimmen hören, die ich allesamt kannte. Ich beugte mich etwas vor und besah mir wer sich da gemeldet hatte. Auch wenn ich nicht alle mochte war ich trotzdem froh von jedem wenigstens ein Bild gemacht zu haben. Von ganz rechts hörte ich eine Stimme, die mir nicht ganz so geläufig war, ich aber George R. R. Martin zuordnete.

                "Von mir hast du aber noch keins gemacht." Ich lehnte mich erneut vor und sah nach rechts. Ich hatte recht. Es war George, der sich beschwerte. Ich schenkte ihm ein herzliches Lächeln.

                "Sie zeichne ich als nächstes, Ser. Versprochen." versprach ich ihm und spürte in mir ein neues Gefühl aufsteigen. Zugehörigkeit, die mir diese Leute entgegen brachten. Ganz besonders Emilia, die ich wohl nie wieder los werden würde. Scheiß drauf. Die Frau war einfach nur der Burner. Tyrion ergriff das Wort und sprach mich an.

                "Ich finde es bemerkenswert, dass du dir alles selbst beigebracht hast." Dann hob er seine kleinen Hände und klatschte ein paar Mal ehe auch die restlichen Stars in das Klatschen einstiegen oder mir gratulierten.

                "Danke" sagte ich mit hoch roten Wangen und einem verlegenen Lächeln. Dann vergewisserte ich mich nochmal, dass ich jedem geantwortet hatte und von niemandem mehr angesprochen wurde ehe ich endlich zu Essen beginnen wollte. Ein neuerliches Klatschen kam auf von den VIPs, die dazu auch noch aufstanden.

                "Das gilt dir." flüsterte Jason mir zu, der sich die ganze Zeit zurück gehalten hatte. Aber was hatte ich getan um Applaus zu verdienen? Ich war doch nur eine kleine New Yorkerin, die Zeichnen konnte. Ich legte die Gabel weg und besah mir die Leute, die immer noch klatschten. Ich hatte im Fernsehen mal etwas gesehen. Für jemand wurde geklatscht und als der sich dann erhob setzten sich die Leute hin, um einer Rede zu lauschen. Und so wie es aussah warteten die Leute auf genau das.

                "Ich weiß nicht, was ich sagen soll." zischte ich leise zu Jason rüber.

                "Was hältst du von Danke?" fragte er mich schmunzelnd.

                "Ich hab' aber Hunger." brummte ich leise und erhob mich dann.

                "Du schaffst das." motivierte mich der Mann, der mich so hingebungsvoll geküsst hatte. Tief atmete ich durch während das Klatschen verstummte und ich mir nervös die Hände rieb.

                "Danke" sagte ich und verbeugte mich leicht. "Ich möchte Ihnen eine kurze Geschichte erzählen." Ich ließ meinen Blick zu jedem der Anwesenden mit einem verlegenen Lächeln gleiten. Und ich bildete mir sogar ein, dass sie mich verstanden. Niemand machte auch nur im Ansatz eine Bemerkung, dass sie nicht hören wollten, was ich zu sagen hatte. "Vor sieben Jahren lernte ich eine Serie kennen. Nichts hatte ich im Vorfeld über die Geschichte gehört und war trotzdem neugierig." Ich rieb mir die Hände aus Nervosität und sah kurz auf den Tisch. "Bis dahin hatte ich für kaum etwas Interesse. Hatte schon kurz nach dem College Pech einen Job zu finden." Ich begann zu schmunzeln und rieb mir über den Nacken. "Bachelor war wohl doch nicht das Richtige für mich." Leise begann ich zu lachen worauf einige der Anwesenden einstiegen. "Jedenfalls habe ich mit dieser Serie angefangen zu zeichnen. Nicht mal gut, aber das änderte sich im Laufe der Zeit." Ein zustimmendes Raunen ging durch die Menge. "Auf YouTube hatte ich mein erstes Speed Painting gesehen und dachte mir, was die können kann ich auch. Aber wirklich daran geglaubt habe ich nicht. Typisch Pessimist." Ich konnte in vielen Augen sehen, dass sie mit mir dieses Los teilten. "Ich kaufte mir trotzdem eine Kamera, installierte mir ein kostenloses Programm auf meinem Rechner und fing an was ich zeichnete aufzunehmen." Ich sah zu Kit rüber, der mir angetan lauschte, und lächelte ihm zu. "Du warst mein erstes Motiv." ließ ich ihn wissen. "Danke" sagte ich und verbeugte mich in seine Richtung. Jon Schnee klatschte Beifall, erhob sich kurz und schenkte mir einen Luftkuss, den ich symbolisch auffing und in die Hosentasche steckte. "Für schlechte Zeiten." lachte ich und sah Ygritte an, Jon Schnees reale Freundin. Herzlich lachte sie und schmiegte sich kurz an Jon, der ihre Wange küsste. Ich wandte mich wieder an mein Publikum. "Ich machte mir, ehrlich gesagt, keine Hoffnungen jemals so viele Abonnenten zu bekommen wie zum Beispiel PewDiePie," Schnell schüttelte ich den Kopf. "aber als es dann auf die ersten hunderttausend zuging machte mich das schon ein bisschen stolz." Ich zeigte mit Daumen und Zeigefinger eine winzige Menge an und grinste. "Und heute habe ich etwas über eine Million Abonnenten, darunter meine Lieblinge." erzählte ich stolz und sah Jason an, der eine Verbeugung andeutete und dann meine Hand nahm. Ich sah alle nochmal der Reihe nach an. "Ich wollte damit nur sagen, dass man nicht aufgeben soll, wenn man etwas will." Ich musste an meine Diät denken, die aus mir einen neuen Menschen gemacht hatte. "Und jetzt wünsche ich Ihnen allen einen guten Appetit." Wieder begannen die Leute zu klatschen während ich zu der Bedienung sah, die mir mein Essen gebracht hatte. Sie konnte sich denken, dass mein Essen kalt war und richtete mir einen neuen Teller, während ich mich setzte und tief durch atmete. "Oh Mann." brummte ich leise vor mich hin und ließ den Kopf hängen. "Das war alles nur keine Rede." sagte ich noch leiser und versuchte Jason auf den Schenkel zu hauen weil er mir das eingebrockt hatte. "Das wirst du mir büßen." motzte ich ihn leise an, was ihn lachen ließ.

                "Was immer du willst." sagte er in einem normal lauten Ton, den ich ihm nicht verzeihen würde. Emilia fing wieder an zu kichern. Gott, wie ich dieses Kichern liebte.

                "Wie ein altes Paar." neckte sie mich. Und irgendwie stimmte das auch. Ich stritt mich mit Jason mehr als… Ich hatte tatsächlich niemanden mit dem ich das vergleichen konnte. Dann stand mein heißes Essen vor mir, das ich gierig zu essen begann.

                Gegen 19.30 Uhr fing ich an zu gähnen was ich hinter meiner Hand versteckte. Es war ein sehr langer Tag gewesen. Ich hatte ein paar Bilder gemacht, die ich Kate geschickt hatte. Emilia hatte mir ein paar Schnappschüsse des Kusses geschickt, der mir sofort wieder eine Gänsehaut bescherte, und auch die anderen Bilder, die sie von uns gemacht hatte. Leise lachte ich vor mich hin als gerade die Durchsage kam, dass bald geschlossen wurde. Also schickte ich wenigstens die paar Bilder an Kate, die mir zurück schrieb. Den Kuss behielt ich immer noch für mich.

                [Ihr seid ein hübsches Paar.] Und da kein Smilie oder sowas dabei war meinte Kate absolut ernst, was sie geschrieben hatte.

                [Danke. Aber ich mache mir da keine Hoffnungen. Ich bin immer noch der Meinung. Er Star. Ich Fan. Da kann sich nichts entwickeln.] Dann erzählte ich ihr noch was heute so alles passiert war, abgesehen von dem Kuss und der Tatsache, dass ich morgen ein Panel hatte.

                [Hört sich wirklich aufregend an. Ich freue mich für Sie, Beth.] Wieder gähnte ich wie ein Baby-Walross, das darauf wartete, mit dem Bus nach Hause fahren zu können.

                [Das war es auch. Ich melde mich morgen wieder. Bin total müde und muss noch mit dem Bus heim fahren. Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht. Schlafen Sie gut. Bis morgen.] Ich schickte die Nachricht ab und kehrte auf die Home Seite zurück, wo ich das Bild von mir und Jason sehen konnte.

                "Du fährst mit dem Bus?" hakte Jason neben mir nach.

                "Es ist unhöflich fremde Nachrichten zu lesen." Ich sah zu ihm hoch und konnte ein Gähnen nicht unterdrücken.

                "Tut mir leid. Ich hab' ziemlich gute Augen." entschuldigte er sich. Ich winkte ab und schüttelte den Kopf.

                "Passt schon. War ja nichts, das ich verstecken müsste." Ich sah auf mein Handy, das das Bild von uns zeigte und verdeckte es mit meiner Hand. "Oder vielleicht doch." schmunzelte ich müde und sah zu den Glastüren, die sich endlich leerten. Ich drückte mich von der Wand ab und ging auf die Glastür zu. Jason ging neben mir her. Dann schnipste ich mit den Fingern und sah aus kleinen Augen zu ihm hoch. "Deine Frage. Hab' ich vergessen. Ja, mit dem Bus. Ich wohne dreiundzwanzig Minuten von hier." Wieder gähnte ich und spürte dabei den Kajal verschwimmen. Ich brauchte unbedingt wasserfestes Makeup. Ich bekam nicht mehr mit, dass Jason nickte, denn ich sah bereits wieder zu den Türen und dann Richtung der Bushaltestelle, wo mein Bus schon auf mich wartete. "Da steht mein Bus." ließ ich den Riesen an meiner Seite wissen ehe ich durch die Tür und hinaus in die kühle Luft trat. Ruckartig öffnete ich die Augen, als mir die Kälte entgegen schlug, und wäre fast gestolpert. Aber Jason war schneller und fing mich auf bevor ich wirklich stolpern konnte.

                "Soll ich dich nicht lieber nach Hause bringen?" hakte er nach, als er mich langsam auf seine Arme hob. Herr Gott, wo kam nur diese tiefe Müdigkeit her? Ich hatte die Augen bereits geschlossen, schüttelte aber dennoch den Kopf, der längst an seiner Schulter ruhte. Ich merkte nur noch, dass ich mich bewegte, aber wie entging mir völlig.

 

22. Oktober 2017

                Erst als ich am nächsten Morgen in meiner Wohnung aufwachte machte ich mir Gedanken.

                "Wie bin ich denn nach Hause gekommen?" fragte ich mich und sah mich um. Es war definitiv meine Wohnung.

                "Ich hab' dich heim gebracht." ließ mich eine bekannte Stimme wissen, die ich hier niemals vermutet hätte. Ich riss meine Augen auf, dabei zog ich die Decke bis unter mein Kinn, um mich zu bedecken.

                "Jason" sagte ich atemlos und konnte nicht umhin mich unter der Decke zu betrachten. Bis auf meine Stiefel und die Hose hatte ich alles noch an. Überrascht über meine Gedankengänge hob ich eine Braue. Mensch, du bist achtundvierzig! Dann fiel mir das Mieder ein, das die viele Haut verdeckte, die mir das Abnehmen beschert hatte. Aber auch das saß noch an Ort und Stelle. Und als nächstes sah ich mich in meinem Schlafzimmer um, das nicht weniger mit Bildern von Jason behängt war als mein kleines Büro. Ich schlug mir die Hände vor die Augen und kam mir wie ein durch geknallter Teenager vor, der jeden Schnipsel von seinem Star sammelte.

                "Magst du frühstücken?" rief er wohl aus der Küche rüber und schon roch ich den Duft meines Lieblingstees.

                "Äh ja. Ich komme gleich." sagte ich und schälte mich aus dem Bett, das mich mal wieder fest hielt. "LASS LOS!" rief ich, während ich die Decke von mir strampelte.

                "Alles in Ordnung?" rief Jason erneut. Ich konnte hören, dass er aufstand, denn der Stuhl schrubbte etwas über den Boden.

                "Ja. Alles gut. Mir geht's prima." sagte ich hastig und kletterte aus meinem Bett, das ich mir besah und überlegte, ob er hier geschlafen hatte oder heute Morgen her gekommen war. "Oooooooh" machte ich in ansteigendem Ton, ziemlich verzweifelt, weil ich es einfach nicht wusste und eilte ins Bad, wo mir meine Frage beantwortet wurde. Ein Handtuch hing über der Heizung zum trocknen. Mir stockte der Atem, als mir klar wurde, dass Khal Drogo meine Dusche benutzt hatte. Aber all diese Gedanken halfen nichts. Ich musste duschen, um den Schlaf aus meinem Gesicht zu vertreiben. Etwa zehn Minuten später eilte ich in Unterwäsche und Shirt in die Küche und setzte mich auf einen Stuhl. Ich vermied es ihn anzusehen, denn sein Oberteil fehlte ihm gänzlich. Allerdings war ich erstaunt, was alles auf dem Tisch stand. Mein Tee, den ich mit Süßstoff süßte - über die restlichen Lebensmittel bekam ich genug Zucker – Marmelade, das Roggenbrot, sogar zwei Eier hatte er abgekocht. Ich gab zwei Süßstoff in die Tasse, rührte eine Weile um und nahm die Tasse dann an mich. Wie ein Schild hielt ich sie vor mich damit ich nicht mit ihm reden musste.

                "Wie hast du geschlafen?" wollte er plötzlich wissen.

                "Gut." sagte ich schnell, sah ihn ganz kurz an und dann wieder in meine Tasse mit dem Tee.

                "Schön. Du hast ganze zwölf Stunden geschlafen." Diese Worte blieben mir im Hals stecken und ich begann zu husten.

                "Was?" hakte ich nochmal nach ehe sich mein Hustenanfall legte und ich mit einem Niesen abschloss. Ungläubig sah ich ihn an und dann auf die Uhr, die 8:30 Uhr zeigte. Ihn anzusehen war ein Fehler, denn ich bekam rote Ohren. Wie immer, wenn ich mir den Kerl nackt vorstellte. "Nicht gut." Ich griff nach einem Küchentuch und putzte mir die Nase. "Wann ist das Panel? Wenn es das überhaupt gibt." Ich hielt das immer noch für einen Scherz. Er verdrehte seine Augen und schüttelte den Kopf, sagte aber nichts dazu.

                "Das ist erst heute Mittag. Emilia weiß Bescheid, wo ich bin." Ich hob eine Braue und spürte Eifersucht in mir aufkommen, ließ aber nicht zu, dass sie Besitz von mir ergriff. Ich wusste, dass zwischen den Beiden nichts war. Langsam nickte ich und sah an ihm vorbei.

                "Okay, dann haben wir ja noch Zeit." stellte ich fest und nahm meine Tasse an mich, von der ich einen kleinen Schluck trank. Ich besah mir zwar, was er auf den Tisch gestellt hatte, aber wirklich essen wollte ich nichts. Die Kohlehydrate, die ich gestern Abend zu mir genommen hatte lagen mir immer noch schwer im Magen. Wieder sah ich kurz auf seine Brust, auf die er sich die Namen seiner Kinder aus erster Ehe hatte tätowieren lassen. Ich wusste alles, was es ohne Fragen über ihn zu wissen gab. Selbst das Tattoo an seinem Finger kannte ich und wusste um die Bedeutung. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und wog, verzweifelt das Gesicht verzogen, den Kopf hin und her. "Kannst du dir nicht was anziehen?" Ich versuchte mit keinem Auge aus seinem Gesicht zu weichen, das mich verdutzt ansah.

                "Wieso?" fragte er fast schon unschuldig. Manchmal kam es mir so vor, als wüsste er nicht wie gut er aussah.

                "Hast du dich mal im Spiegel betrachtet?" Was für eine dumme Frage. Dennoch nickte er. "Hast du mein Schlafzimmer gesehen?" Und wie auf Kommando lief ich rot an. Grinsend nickte er. "Dann verstehst du sicher warum ich dich bitte dir ein Shirt anzuziehen." Leise begann er zu lachen.

                "Bin ja schon weg." meinte er, als er vom Stuhl aufstand und durch die Tür verschwand. "Übrigends, in deinem Bett schläft man richtig gut." rief er rüber. Man zog mir den Stuhl mit einer Wucht unter dem Hintern weg, dass sogar die Tasse zu Bruch ging als ich auf dem Boden landete.

                "Verdammt!" rief ich aus und versuchte mich auf zu rappeln.

                "Beth! Ist alles in Ordnung?" machte er sich Sorgen und war rüber gerannt, um nach mir zu sehen. Ich rieb mir über den Hintern und versuchte nochmal aufzustehen.

                "Ja. Alles bestens." knurrte ich und sah ihn an. "Das war jetzt nicht dein Ernst, dass du heute Nacht in meinem Bett geschlafen hast." Viel- und nichtssagend sah er mich an. Sprich, ich durfte es mir aussuchen. Meine Chancen standen fifty-fifty, dass ich Recht hatte. Während ich noch überlegte schob er seine Arme unter mich und hob mich vom Boden hoch. Wieder rieb ich mir über den Hintern während ich überlegte. Er sagte vorhin, er habe mein Zimmer gesehen. Aber das konnte er auch gesehen haben als er vom Wohnzimmer ins Bad ging. Andererseits hatte die Couch keine zwei Meter Länge. Also wäre es für ihn sicher unbequem gewesen. "Ja, du hast in meinem Bett geschlafen." brummte ich und verschränkte, soweit es ging, die Arme. Dann fing ich an zu schmollen, weil ich gestern völlig meine Kondition unterschätzt hatte. Er legte den Kopf schief als er sich samt mir auf einen Stuhl setzte.

                "So schlimm?" hakte er nach während er seinen Arm unter meinen Kniekehlen heraus zog und sich seine Tasse Kaffee schnappte. Ich zuckte die Schultern.

                "Ich bin immer noch der Meinung, dass du als Star auf Abstand zu gehen hast und nicht mit mir in meiner Wohnung frühstücken solltest." Und mich schon gar nicht küssen! Der Gedanke an den Kuss war ein Fehler, denn ich mutierte gerade zu einer gerupften Gans.

                "Apropos, darüber wollte ich ja noch mit dir sprechen." Schnaubend verdrehte ich meine Augen und versuchte nach der Flasche O-Saft zu greifen, die auf dem Tisch stand. Lag mein Tee ja immer noch auf dem Boden. "Ich stell' dir ein paar Fragen, okay?" Missmutig nickte ich und befüllte ein Glas, das er aus dem Schrank geholt hatte. "Wer bin ich?" Ich hob eine Braue.

                "Du bist Jason Momoa." antwortete ich ihm stirnrunzelnd, weil ich nicht wusste, was er damit bezweckte. Aber ich glaubte auch nicht, dass er mir meine Frage beantworten würde.

                "Wer bist du?" Er legte den Kopf leicht schief und sah mich aus diesen herrlich braunen Augen an.

                "Ich bin Bethany O'Keefe." antwortete ich ihm.

                "Wer bin ich?" fragte er erneut.

                "Jason Momoa." antwortete ich nun ungehaltener, weil diese Unterhaltung mir langsam bescheuert vorkam. "Und du bist Beth O'Keefe." stellte er erneut fest. "Freut mich dich kennen zu lernen." Und dann schenkte er mir dieses Lächeln, das mir das Höschen ruinierte.

                "Ich freu mich auch." erwiderte ich ungläubig. "Worauf willst du hinaus?" wollte ich nun wissen und trank endlich einen Schluck O-Saft. Er beugte sich zu mir. Es kam mir so vor als würde er an mir riechen.

                "Ich bin ein Mann, der sich für eine Frau interessiert." raunte er gegen die Stelle unter meinem Ohr. Sofort sprang mein Körper an und überzog sich erneut mit einer Gänsehaut. Instinktiv schloss ich meine Augen und hielt still wie ein Lämmchen. So oft hatte ich mir gewünscht mit Daenerys tauschen zu können und jetzt saß ich auf seinem Schoß. Dann spürte ich eine Hand, die auf meinem Schenkel ruhte. Was mich daran erinnerte, dass meine Beine ebenso wenig ansehnlich waren, wie mein Bauch. Aber im Moment war ich nicht fähig mich auch nur einen Millimeter zu rühren. Das würde die Situation zerstören. "Und wer bist du?" wollte er wissen und knabberte frech an meinem Ohrläppchen. Gefühle, die ich schon seit Jahren nicht mehr empfunden hatte, schoben sich in meine Mitte und bündelten sich zu etwas, das gerne explodieren wollte. Das konnte ich aber nicht zulassen auch wenn ich mir das so sehr gewünscht hatte. Leise keuchend krallte ich meine Nägel in meine Haut.

                "Ich bin Beth und sitze auf deinem Schoß." Heftig schluckte ich und öffnete meine Augen. Ich brauchte dringend eine kalte Dusche. "Ich sollte aber jetzt besser runter gehen." Er öffnete seine Augen und sah mich an. "So hatte ich mir dieses Gespräch nicht vorgestellt." sagte ich heiser und gab ihm ein zittriges Küsschen auf die Wange. Ich konnte an meinem Hintern spüren, dass er sich einen anderen Ausgang gewünscht hätte, aber er nahm es hin und ließ mich von seinem Schoß entkommen. Ich brauchte eine Weile, bis ich mich gefasst hatte. "Um nochmal auf das eigentliche Thema zu kommen." Ich räusperte mich heftig, weil ich immer noch heiser klang. "Sind wir doch ehrlich. Wäre ich nicht am Flughafen gewesen und hätte nicht zum ersten Mal Glück gehabt..." Ich hielt inne und schüttelte den Kopf. "Du hättest mich niemals bemerkt, weil ich der Typ bin, der nicht auffallen will." Das gab ihm dann doch zu denken.

                "Hmm" machte er. "Da ist leider was dran." gab er endlich zu aber geschlagen geben wollte er sich nicht. "Aber deswegen bin ich doch kein Arsch, der sich alles schnappt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist." gab er mir zu bedenken. Ich hob eine Braue und konnte mir nicht verkneifen zwischen seine Beine zu sehen. Er räusperte sich, machte aber keine Anstalten seine Erregung zu verbergen. Ich begann zu schmunzeln, kommentierte die Situation aber nicht, sondern dachte an seine Kinder, die ihren Vater abgöttisch liebten. Dementsprechend abwesend sah ich ins Leere und lächelte verzückt. "Beth?" holte er mich aus meinen Träumen. "Einen Cent für deine Gedanken." sagte er. Ich lächelte immer noch, als ich meinen Finger auf die Stelle legte, wo das rote Tattoo seine Brust zierte.

                "Ich musste an deine Kinder denken." sagte ich leise während ich die Stelle auf seinem Shirt zu umkreisen begann. Ich behielt meinen Blick auf der Stelle als ich ihm antwortete. "Jemand, der so mit seinen Kindern umgeht, ist kein Arsch." Ich konnte unter dem Shirt spüren wie er stolz seine Brust schwellte. Wenn es um seine Kinder ging, war er kein Star. Er war einfach nur der Vater, der er immer sein wollte.

                "Ich mach' dir einen Vorschlag." Stirnrunzelnd sah ich ihn an. "Demnächst beginnt der Dreh zu Braven. Und da brauche ich wieder einen Babysitter." Breit grinste er mich an. "Sie wissen, dass ich mit BethanyBathory in Kontakt stehe wegen einem Portrait und sind schon gespannt wie du aussiehst." Heftig blinzelte ich ihn an.

                "Ja, nee is kla. Willst du mich verarschen? Ich hatte noch nie Kinder, geschweige denn Cousins oder Cousinen an denen ich hätte üben können." Ich wich von ihm zurück, nahm das Glas mit mir, das ich leerte und ging an den Kühlschrank, um mir doch etwas zu essen zu machen. Ich konnte seinen verdutzten Blick fast auf meinem Rücken spüren.

                "Eigentlich war das mein Ernst." meinte er als ich mich wieder umdrehte und jetzt in ein Tofusandwich biss. Ich schüttelte den Kopf bis ich den Mund leer hatte

                "Erstens weiß ich, dass du deine Kinder immer mit nimmst." Ich sah ihn an und konnte erkennen, dass ich ihn erwischt hatte. "Apropos, wo sind deine Kinder überhaupt?" Mit erhobener Braue sah ich ihn an.

                "Ausnahmsweise hab' ich sie zuhause gelassen." Meine Braue stieg noch höher.

                "Oh" machte ich überrascht. "Und warum?" wollte ich wissen. Er zuckte die Schultern.

                "Keine Ahnung. Vielleicht damit ich bei dir sein kann?" Ich verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf.

                "Emilia darf mysteriös werden. Du nicht." Grinsend streckte ich ihm die Zunge raus. Aber das verging mir als ich an zweitens denken musste. "Wieder zu meiner Aufzählung. Und zweitens hatte ich ein ganzes Wochenende Glück, viel Zeit mit dir verbringen zu dürfen. Und heute endet dieses Wochenende. Ich geh wieder an meinen Tisch und zeichne Bilder und du gehst nach Venice und wartest darauf wo du hin musst." Er verdrehte die Augen, beließ es aber dabei und aß endlich sein Brot, das er sich gemacht hatte. Hatte ich gewonnen? Es sah ganz so aus. Zufrieden lächelnd nickte ich und aß mein Sandwich zu Ende. "Ich geh mich anziehen. Lass einfach stehen. Ich räume alles weg, wenn du dich anziehst." ließ ich ihn wissen, dass ich durchaus zu schätzen wusste, dass er das Frühstück gemacht hatte. Aber auch jetzt sagte er nichts. Als ich in mein Schlafzimmer kam schloss ich die Tür hinter mir und ließ mich zu Boden sinken wo ich erst mal hemmungslos weinte. Mir wurde gerade bewusst, dass heute der letzte Tag der Convention war und alle Stars heute Abend zurück fliegen würden. Jason würde sicher nach Venice fliegen, wenn er nicht noch was zu erledigen hatte. Ich hob meinen von Tränen verschleierten Blick und versuchte mir vorzustellen, wie ich die DVD aus dem Player nahm und in den Schrank stellte. Vielleicht ließ mich diese Vorstellung zur Ruhe kommen. Pech war nur, dass mir der Kuss sagte, dass da vielleicht hätte mehr sein können. Aber jetzt musste ich mich unbedingt umziehen. Ich wischte meine Schniefnase an meinem Shirt ab und rappelte mich auf, ging zu meinem Schrank und öffnete die Seite mit der Kleiderstange. In der letzten Woche, bevor ich zum Flughafen gefahren war, hatte ich mir ein Gothic-Kleid gekauft, das ich heute anziehen würde. Für den Anlass passte es super. Dazu schlüpfte ich in die Creepers Stiefel, die mir bis zur Wade gingen und neu geschnürt werden mussten. Dann sah ich mich nach meinem Rucksack um, aber im Schlafzimmer fand ich ihn nicht. Ich öffnete die Tür. "Weißt du, wo mein Rucksack ist?" rief ich, als ich auch schon leise Schritte hörte. Ich versteckte mich so gut es ging hinter der Tür, damit er mich nicht zu früh zu Gesicht bekam.

                "Hier." sagte er mit dieser brummigen Stimme, die mir mal wieder das Höschen ruinierte.

                "Danke." sagte ich und nahm ihm den Rucksack ab. Erst, als die Tür wieder geschlossen war, erlaubte ich mir dieses Gefühl aus zu stöhnen. Leise versteht sich. Bevor ich mir frische Unterwäsche anzog suchte ich den kleinen schwarzen Beutel, der den Schmuck beinhaltete, den ich mir gestern gekauft hatte. Ich zog die Silberkette heraus und legte sie mir um den Hals ehe ich im Bad verschwand und Jason das Schlafzimmer überließ.

                "Ich muss noch im Hotel vorbei und mich umziehen." ließ er mich laut wissen. Ich nickte meinem Spiegelbild zu.

                "Alles klar." rief ich zurück und beendete mein leichtes, wenn auch komplett schwarzes, Makeup. Kritisch besah ich mich im Spiegel, überprüfte nochmal den Lidstrich, ob der auch saß, aber sehen konnte man den nicht wirklich, da ich auch schwarzen Lidschatten trug. "Sei nicht albern. Du nimmst heute Abend die DVD aus dem Player und stellst sie ins Regal." rief ich mir meine Ablenkung nochmal ins Gedächtnis und es schien zu wirken.

                "Bist du soweit? Die Limo ist da." informierte er mich, was meiner Nervosität nicht gerade entgegen wirkte. Nochmal besah ich mich im Spiegel.

                "Als nächstes kommt ein Korsett ins Haus." brummte ich auch wenn das Mieder durchaus meine Formen gut zur Geltung brachte. Ich blieb nochmal vor der Badtür stehen und atmete tief durch ehe ich die Tür öffnete und langsam Richtung Wohnzimmer lief. Er stand am Fenster und sah hinaus auf den Central Park. Doch es mutete mehr an als würde er auf etwas sehen, das sich in unmittelbarer Nähe befand.

                "Ich glaube, das ist die Laterne, unter der ich dir…" Dabei drehte er sich um und hielt inne, als er mich sah. Verlegen lächelnd sah ich zu Boden, darauf wartend, dass er etwas sagte. Doch nichts, was ich erwartete, kam von ihm. Er stand nur sprachlos da und gaffte mich an. Anders konnte ich es nicht nennen. Enttäuscht drehte ich mich um, schnappte mir die Handtasche, die ich mir passend zu dem Kleid gekauft hatte und räumte mein Handy und mein Geld ein. Ich war schon an der Tür als ich Richtung Wohnzimmer sah.

                "Kommst du?" wollte ich genervt wissen. Und jetzt schien er aus seiner Trance zu erwachen.

                "Äh, ja." sagte er und kam mir nach. Immer noch sagte er nichts was mich in meiner Meinung wieder bestärkte. Ich öffnete die Tür, schob ihn hinaus und folgte ihm dann. Ich schloss noch die Tür ab ehe ich darauf wartete, dass er die Treppen nach unten ging. Aber wieder rührte er sich nicht, starrte mich nur an als hätte er einen Geist gesehen.

                "Wie gut, dass es heute das letzte Mal ist, das wir uns sehen." Und mit diesen Worten ging ich die Treppe runter. Doch gerade jetzt verfluchte ich das Kleid, mit dem ich ihm gefallen wollte. Als ich unten ankam und ihn hinter mir nicht sehen konnte, ließ ich leise meinem Frust freien Lauf. "Wieso musste ich auch falsch abbiegen?" spielte ich auf den Flughafen an während ich das Kleid ein wenig anhob und nach draußen ging. Der Fahrer der Limo stand schon bereit und als er mich sah begann er zu lächeln. "Wenigstens einer." brummte ich und setzte mein schönstes Lächeln auf, als ich auf den Fahrer zu ging, der die hintere Tür öffnete.

                "Miss O'Keefe" nickte er und reichte mir seine Hand, um mir in den Wagen zu helfen. Und diese Hilfe hatte ich bitter nötig, denn ich hatte keine Ahnung wie man in das Ding rein kam. Der Fahrer schmunzelte, als er sah wie umständlich ich es mir machte. "Bitte. Kommen Sie noch mal raus." bat er mich, die ich zur Hälfte im Wagen hing. Schnaufend krabbelte ich heraus und sah ihn hilfesuchend an. "Heben Sie ihr Kleid an, damit es nicht hängen bleibt. Und dann steigen Sie, wie auf der Beifahrerseite, ein." erklärte er mir freundlich lächelnd. Ich tat wie er mir erklärt hatte und schon saß ich anständig auf dem Rücksitz. "Ging doch ganz einfach." lächelte er mir zu ehe er sich bereit für Mister Momoa machte, der allerdings mit Abwesenheit glänzte. Stirnrunzelnd sah er mich an. Dann sah ich zu meinem Hauseingang aber er war nicht zu sehen.

                "Hmm" machte ich und kletterte aus dem Wagen. Mir ging dieser Moment in der Küche durch den Kopf, der mir jetzt vor kam, als wenn er mich wirklich nur flach legen wollte. Ich schob den Gedanken beiseite und ließ mir erneut von dem Fahrer helfen, der meine Hand jetzt fest hielt. "Ich sehe nochmal nach." seufzte ich und ging kopfschüttelnd zu dem Haus, in dem ich wohnte. Als ich die Tür geöffnet und einmal durch das Treppenhaus gerufen hatte ging ich die Treppe hoch, doch von Jason fehlte jede Spur. Also holte ich mein Handy heraus und schrieb ihm eine Nachricht.

                [Wo bist du?] hielt ich die Nachricht kurz während ich wieder hinaus zum Wagen ging. Aber auch nach zehn Minuten kam keine Antwort von ihm.

                "Er ist weg." ließ ich den Fahrer wissen, der nickte.

                "Ich hoffe, Mister Momoa ist nichts passiert." Dann half er mir erneut in den Wagen und schloss die Tür. Als er sich ans Steuer gesetzt hatte öffnete er das Zwischenfenster. "Laut meinem Plan fahre ich Sie jetzt erst einmal zum Hotel. Und das würde ich auch gerne so machen, wenn Sie nichts dagegen haben, Miss O'Keefe." Ich nickte nur knapp, denn ich schrieb bereits eine Nachricht an Emilia.

                [Hallo Emilia. Hier ist Beth. Hat sich Jason bei dir gemeldet? Wir sind noch zusammen aus meiner Wohnung gegangen und als er nicht zum Wagen kam bin ich nochmal ins Haus, um zu sehen, wo er bleibt. Aber das Treppenhaus war leer.] Ich berührte den Sendenpfeil während die Limo das Hotel ansteuerte. Der Fahrer parkte den Wagen vor dem Hoteleingang und machte dann den Motor aus.

                "Ich gehe eben rein, um zu sehen, ob er auf seinem Zimmer ist." Wieder nickte ich dem Fahrer zu, den ich jetzt ansah und ihm kurz mit meinem Blick folgte, als auch schon eine Antwort von Daenerys kam.

                [Hi Beth. Das hört sich aber nicht gut an. Er hat sich nicht gemeldet. Aber das hat nichts zu bedeuten. Was war denn los, wenn ich fragen darf?] Lange überlegte ich ob ich ihr erzählen sollte, dass ich Jason mit dem Kleid gefallen wollte, er dazu aber nichts sagte und ich deshalb zickig wurde, weil er mich einfach nur anstarrte. Ich kaute mir auf der Lippe rum während ein paar Leute versuchten heraus zu finden, wer in der Limo saß. Um mich abzulenken schrieb ich Daenerys was passiert war und versuchte nichts weg zu lassen oder zu beschönigen. Nur diesen intimen Moment behielt ich für mich. Nach einer Weile kam eine Antwort.

                [Hihi. Das ist das erste Mal, dass er sprachlos ist. Normalerweise hat er für alles einen Spruch übrig. Ach Beth. Ich kann dir nur sagen, was mein Gefühl ist. Und ich habe das Gefühl, dass er verliebt ist. Wenn du es richtig anstellst, hast du ihn an der Angel.]

                "Du spinnst doch." maulte ich mein Handy an auch wenn ich das Gefühl hatte, dass sie Recht hatte. Ich war ja schon seit 1999 in ihn verliebt, aber zugeben würde ich das nicht. Ich seufzte gerade schwer, als die Tür neben mir aufging und ich schon vermutete, dass es einer dieser Gaffer war. "ICH HAB' PFEFFERSPRAY!" brüllte ich los und suchte nach meinem Rucksack, der aber zuhause stand.

                "Du willst mir wirklich Pfefferspray verabreichen?" hakte Jason nach, als er neben mir auf dem Rücksitz Platz nahm. Hinter ihm ging die Tür zu und vorne wieder auf. Dann wurde noch das Zwischenfenster geschlossen und der Wagen gestartet. Erstaunlich leise schnurrte die Maschine, die uns ins Javits Center bringen sollte.

                "Nein. Natürlich nicht. Ich dachte, es wäre einer dieser Gaffer von vorhin." brummte ich und sah auf meiner Seite zum Fenster hinaus. Ich wollte mir nicht die Blöße geben und ihn ansehen, denn ich war immer noch sauer auf ihn auch wenn ich mir Sorgen gemacht hatte. Aber wenn ich richtig gesehen hatte trug er einen Smoking, ein weißes Hemd und eine schwarze Fliege. Hoffentlich trug er keine Flip Flops. Ich versuchte, ohne meinen Kopf zu bewegen, einen Blick auf seine Schuhe zu erhaschen.

                "Keine Flip Flops. Passende Sneakers." antwortete er auf meine Frage, die ich nicht laut ausgesprochen hatte. Ich brummte nur säuerlich, damit er wusste, dass ich ihn durchaus gehört hatte. Etwas änderte sich an der Rückbank, schien sie sich unter meinem Hintern zu bewegen. Und dann konnte ich seinen Atem in meinem Nacken spüren. Er war näher gerutscht. "Du siehst atemberaubend aus." raunte er mir leise zu. Ja, besser konnte er es wirklich nicht ausdrücken. Aber ich ließ mich nicht von seinem Gesäusel einlullen auch wenn mein Herz etwas anderes wollte. Gut, dass der Wagen bereits am Center war. Nochmal hätte ich ihm nicht widerstehen können.

                "Geben Sie mir bitte ein wenig Zeit um die Meute in…" Der Fahrer sah nach draußen und begann zu lächeln. "Ah, sehr gut. Die Security übernimmt das schon." Dann stieg er aus, umrundete die Limousine und öffnete die hintere Tür, durch die ich eingestiegen war. Jason stieg als erstes aus. Logisch, er saß ja an der Tür. Als er gänzlich draußen war schrien die Mädchen wieder hysterisch auf. Gerade wurden mir meine achtundvierzig Jahre sehr bewusst. Wie sollte ich da mithalten? Lange überlegte ich, ob ich mich nicht wieder nach Hause fahren lassen, ob ich das Panel nicht einfach sausen lassen sollte. Ich schloss meine Augen.

                "Heute Abend hole ich die DVD aus dem Player und stelle sie ins Regal zurück." betete ich mir vor ehe ich zur Tür rutschte und einen Fuß hinaus schob. Dann reichte Jason mir seine Hand um mir heraus zu helfen. Ich hatte große Lust ihn zu beißen, aber was ich als nächstes tat würde jedem in Erinnerung bleiben. Langsam glitt ich ganz aus dem Wagen und zupfte erst mal das Kleid zurecht. Ich war so froh, dass meine Arme nichts von dem Gewicht abbekommen hatten sonst würde ich jetzt sicher nicht in diesem Kleid hier stehen. Dann sah ich mich um, sah in die vielen Gesichter, von denen ich ein paar bereits gesehen hatte und nickte ihnen freundlich lächelnd zu während Jason mir seinen Arm anbot, den ich natürlich nahm. Langsam führte er mich durch die Menge, die nur ihn anschmachtete. Ich sah zu ihm hoch und sah dieses verschmitzte Lächeln, das ich so sexy fand. Und nicht nur ich empfand das so, sondern noch 1.000 andere, die wesentlich jünger und schöner waren als ich, die ihm noch mehr Kinder schenken konnten. Und was war ich? Eine achtundvierzig jährige Oma, die am besten in ihren vier Wänden blieb und wieder nur von solchen Momenten träumte. Während ich in die Menge lächelte betete ich wieder. "Heute Abend hole ich die DVD aus dem Player und stelle sie zurück ins Regal." Es war mehr ein Zischen als ein vollständiger Satz. Aber das war auch egal. Ich wusste was es bedeutete und das war das Wichtigste. Endlich hatten wir die Glastüren hinter uns gelassen, als ich mich von ihm trennte und neben ihm her lief. Kurz sah er auf seinen Arm und dann zu mir. Aber ich blieb stur. Zum ersten Mal in meinem Leben gab ich mir die größte Mühe einem Mann zu gefallen und dann stand er nur da und glotzte! Aber vielleicht war das auch der Lauf der Dinge, wie sie mir eben passieren sollten. Und dann kam ich mir plötzlich overdressed vor. Es war doch nur ein Panel, bei dem ich Fragen beantworten sollte. Und Jason in diesem Anzug zu sehen half mir nicht, um ein besseres Gefühl zu bekommen. Ich war umgeben von was weiß ich wie vielen Menschen und doch war ich allein. Wieder schloss ich meine Augen und betete. "Heute Abend hole ich die DVD aus dem Player und stelle sie zurück ins Regal." Ich öffnete meine Augen wieder und sah sein Gesicht dicht vor meinem. Erschrocken wich ich zurück.

                "Was murmelst du denn die ganze Zeit?" wollte er wissen während ich dann doch lieber Ausschau nach Emilia hielt. "Irgendwas von einer DVD und einem Regal." Er hob eine Braue und strahlte mich an, versuchte seinen Fauxpas von vorhin zu überspielen. Ich schüttelte den Kopf.

                "Du musst nicht alles wissen." brummte ich.

                "Aber du darfst alles über mich wissen oder was?" echofierte er sich. Ich winkte ab.

                "Unsinn. Ich weiß nicht alles über dich." konterte ich. Derweil traf Emilia bei uns ein.

                "Du weißt aber sehr viel und ich weiß gar nichts." Ich wollte schon Emilia begrüßen als ich seine Worte hörte. Ich drehte den Kopf und sah ihn aus meinen schwarz geschminkten Augen an.

                "Ach, du weißt nichts? Sieht man mal wie viel Interesse du aufbringst, wenn du in einer fremden Wohnung bist." Ich wollte extra nicht meine sagen, musste das niemand mit bekommen auch wenn der Streit gerade ziemlich heftig wurde. Emilia, verschränkte ihre Arme und hörte erst mal nur zu. Jason sah nicht gerade gut aus. Der Zorn ließ die hübsche Ader an seinem Hals pulsieren. Und das war Zeichen genug für Emilia um einzugreifen.

                "Es reicht jetzt, Mädels." Sie sah zwischen uns Beiden hin und her. Ich kannte sie nicht gut genug, um zu wissen, dass sie, mit diesem Mädels, nicht scherzte und dementsprechend reagierte ich auch.

                "Lasst mich doch alle in Ruhe! Ich wollte immer nur meine Bilder zeichnen, sie anderen zeigen, aber niemals im Rampenlicht stehen." Oh, ich war geladen und entsichert. "Auch wollte ich immer nur von Khal Drogo träumen und mich nicht mit Jason Momoa streiten. Ich bin ein einfacher Fan und ihr seid die Stars. Was soll ich hier?" Um uns herum blieben die Con-Besucher stehen und lauschten neugierig, was wir zu sagen hatten. Tränen stiegen in meine Augen. "Könnt ihr das nicht verstehen?" Ich sah von Daenerys zu Jason und wieder zurück und stellte fest, dass sie es nicht verstanden. "Nein. Ihr versteht das nicht. Für euch ist das alles so einfach. Ihr müsst euch nicht verbiegen, um uns kennen zu lernen. Ihr seid die, die wir wollen und so haben wir euch zu nehmen." Ich kämpfte gegen das Weinen an. "Aber wir. Wir sind die, die euch berühmt machen, die euch anhimmeln weil wir euch so toll finden." Ich versuchte eine Reaktion in Emilias oder Jasons Gesicht zu entdecken, aber zu Interpretationen war ich nicht mehr fähig."Ihr habt das, was wir gerne möchten. Aber wir machen uns auch nicht vor, dass wir euch jemals erreichen könnten." Wieder sah ich zwischen den Beiden hin und her. Nichts, als typische Stars. Ich ließ die Schultern hängen und seufzte. Dann ging ich auf Emilia zu und legte meine Hand auf ihre Wange. Die Tränen begannen sich heraus zu drücken. "Für einen kleinen Moment hast Du mir das Gefühl gegeben eine von euch zu sein. Aber das bin ich einfach nicht." Ich ließ meinen Blick schweifen. Einige der umstehenden Frauen schnieften bereits in ihre Taschentücher. Ich hatte also den Punkt getroffen. "Ich bin einfach nur Bethany O'Keefe, die ein Talent für das Zeichnen hat. Mehr nicht." Ich zuckte die Schultern und ließ ihre Wange los. Immer noch weigerten sich die Stars mich anzusehen. "Na schön." sagte ich resignierend und wandte mich um, um hinaus zu gehen, den Bus zu nehmen und nach Hause zu fahren. Die Leute machten mir Platz und fingen an zu klatschen, doch ich reagierte nicht darauf auch wenn mir gefiel, dass sie meiner Meinung waren. Draußen holte ich tief Luft und ging dann weiter zur Haltestelle. Und da war mein Glück wieder. Der Bus kam erst in einer Stunde. Ich verdrehte die Augen. "Natürlich. Heute ist Sonntag." stellte ich fest und machte mich zu Fuß auf den Weg nach Hause. Ich sah nochmal über meine Schulter zu dem Fenster hinter dem ich Emilia und Jason vermutete, aber die Sonne blendete zu sehr, als dass ich etwas sehen konnte. Also wandte ich mich wieder ab und ging die Straße Richtung Nord-Osten entlang, der ich sicher vierundzwanzig Blocks folgen musste ehe ich nach rechts in eine Straße abbog, um kurz danach zuhause zu sein. Gemütlich ging ich Block um Block entlang und versuchte dieses Wochenende aus meinem Gedächtnis zu verdrängen. " Heute Abend hole ich die DVD aus dem Player und stelle sie zurück ins Regal." betete ich mir immer und immer wieder vor bis ich neben mir einen Wagen hörte. Mit erhobener Braue sah ich zu dem Wagen, den ich als die Limo von vorhin wieder erkannte. Der Fahrer hatte die Scheibe runter gelassen und lächelte mich an.

                "Springen Sie rein, Miss O'Keefe. Ich bringe Sie nach Hause." bot er mir an, was mich zum Lächeln brachte.

                "Mein Name ist Beth. Danke." nickte ich ihm zu, öffnete die hintere Tür und ließ mich auf den Rücksitz gleiten. Die Tür hatte ich hinter mir zu gezogen und saß nun im Halbdunkel.

                "Soll ich noch irgendwo vorbei fahren?" hakte der Fahrer durch die Scheibe nach. Ich schüttelte den Kopf.

                "Nein. Aus dem Alkohol-tötet-meine-Sorgen-Alter bin ich schon lange raus. Aber danke." schmunzelte ich. Ich konnte in seinem Gesicht sehen, dass er es so nicht gemeint hatte, aber ich wollte ihm seine Vermutung auch nicht erfüllen. Für mich war dieses Wochenende gegessen, würde in einer meiner vielen Schubladen oder auch in Ablage P landen. Er nickte und schloss die Scheibe wieder, um den Wagen in Fahrt zu bringen. Weit war es nicht bis zu mir, aber ich war dankbar, dass er sich Zeit ließ. So konnte ich eine Weile die Ruhe genießen und hoffentlich herunter fahren. Und da wir nun mal nicht in einer Traumwelt lebten kamen wir etwa zwanzig Minuten später bei meiner Wohnung an.

                "Wir sind da, Beth." ließ er mich freundlich wissen. Ich machte aber erst mal keine Anstalten aus dem Wagen zu steigen. Selbst meine Wohnung würde mich an dieses Wochenende erinnern. Seufzend rappelte ich mich auf und patschte mit den Händen neben mir auf die Sitzfläche.

                "Hilft alles nichts." murmelte ich vor mich hin ehe ich zum Fahrer sah und nickte. Auch er nickte kurz und stieg dann aus, um mir die Tür zu öffnen. "Danke" sagte ich, als ich seine Hand ergriff, damit er seinen Job machen konnte. Ich blieb vor ihm stehen und lächelte zu ihm hoch. "Wie ist Ihr Name?" wollte ich wissen.

                "Steve" sagte er freundlich lächelnd.

                "Steve" nickte ich und stellte mich auf meine Zehen, um etwas größer zu sein. Ich schlang meine Arme um seine Schultern und drückte ihn fest an mich. "Danke" sagte ich nochmal und küsste dann seine Wange.

                "Nicht doch. Ich hätte gerne mehr getan." sagte er leise neben meinem Ohr und drückte mich freundschaftlich. Dann ließ er von mir ab und schob seine Hand in seine Jacke. Als er sie wieder heraus gezogen hatte reichte er mir seine Visitenkarte, die ich neugierig betrachtete. "Egal, was es ist. Wenn Sie mich brauchen rufen Sie einfach an." Ich sah noch eine Weile zu ihm hoch ehe ich nickte.

                "Werd' ich machen." versprach ich ihm und winkte ihm zum Abschied. Dann ging ich zu meiner Tür, den Schlüssel schon in der Hand und sah die Straße runter. Hoffte ich wirklich, dass er mir nach kommen würde? Ich schüttelte den Kopf und schmunzelte über meine eigene Dummheit, die mal wieder unumstößlich durch gebrochen war. Die Haustür fiel hinter mir zu und ich sah die Treppen hoch, die mir heute furchtbar schwer fielen. Dementsprechend langsam trottete ich Stufe um Stufe hoch, bis ich meine Wohnung erreicht hatte. Ich schloss die Tür auf und drückte sie hinter mir zu, das Wochenende verbannend, das mir noch Wochen vielleicht sogar Monate hinterher laufen würde.

 

24. April 2018

                Gott! War es jetzt wirklich schon ein halbes Jahr her, dass ich dieses beschissene Wochenende hatte? Kopfschüttelnd saß ich an meinem Schreibtisch und dachte wieder an die Convention, von der ich kaum etwas mit bekommen hatte. Ich dachte an den Sonntagmorgen in meiner Wohnung, als mir klar wurde, dass da vielleicht doch mehr war, als nur das Verhältnis zwischen Star und seinem Fan. Und natürlich musste ich an den Kuss denken, der uns aufgezwungen wurde. Ich hätte ja nein sagen können, aber das wollte ich dann doch nicht. Zumal es sich nicht so angefühlt hatte, als wäre er abgeneigt gewesen. Aber das war Vergangenheit.

                In der Zwischenzeit hatte ich genug mit Zeichnen, Malen und Verstecken beziehungsweise Verbarrikadieren zu tun. Denn dieser Reporter ließ einfach nicht locker. Entweder bauten er und sein Team sich gegenüber meiner Wohnung auf oder, wenn er Glück hatte, stand er vor meiner Wohnungstür. Wie gut, dass es in Amerika Gesetze gab. So konnte er mich nicht zwingen etwas zu sagen. Aber es war schon nervig auf diese Weise belästigt zu werden. Ich stellte mir vor wie sich Jane die Hände rieb und stolz auf ihre Tat war, die mir den letzten Nerv raubte. Sicher hätte ich Emilia um Hilfe bitten können, aber keiner von Beiden hatte sich seit diesem Tag nochmal bei mir gemeldet. Und gerade kamen mir die Tränen, weil ich Recht behalten hatte. Stars waren einfach nur Stars und konnten mit solchen Situationen nichts anfangen. Hauptsache sie waren zufrieden. Alle anderen konnten auf der Strecke bleiben. Aber das war alles nicht mehr wichtig. Jetzt bereitete ich mich auf die Operation vor, die mir meine Krankenkasse bezahlen würde. Ja, ich hatte sowas. Recht teuer, aber lieber versichert, als keine Versorgung. Allerdings eines hatte sich seit der Con getan. Meine Abonnenten und Klicks waren seit dem drastisch angestiegen. Ich verdiente jetzt ungefähr 2000 Dollar und konnte mir somit eine Versicherung noch leichter leisten. Ich hatte mir damals Zeit gelassen, um mich mit meiner Krankenkasse auseinander zu setzen wegen der OP, die mir die überschüssige Haut nehmen sollte. Und zwar überall, wo es nötig war. Zwei Monate hatte es gedauert bis ich alles belegt hatte und die Zusage bekam. Kate hatte mir gratuliert und mir alles Gute für die OP gewünscht. Oft hatte ich mit ihr gesprochen. Naja, kurz nach so einem Vorfall brauchte man jemanden zum Reden. Aber sie hatte mir niemals vorgeschlagen mich bei Jason zu melden. Keine Ahnung woher sie die Antennen dafür hatte. Und dann sprachen wir nicht mehr über dieses Wochenende. Kate und ich trafen uns zum Kaffee trinken, unterhielten uns über meine Fortschritte und wie es mit der Krankenkasse lief. Eben all sowas nur nichts Tiefgründiges. Und ich erholte mich bestens. Die Diät hatte ich runter geschraubt damit ich nur noch mein Gewicht hielt. Sport machte ich immer noch, doch nicht mehr so viel wie früher. Trotzdem wollte ich fit bleiben und nicht wieder rumgammeln.

 

                Lachend besah ich mir das Ergebnis meiner Fähigkeiten. George R. R. Martin lächelte mich von dem Blatt an. Es war mir wirklich gut gelungen. Dies sollte das letzte Bild meiner einstigen Lieblingsserie sein. Denn, auch wenn ich diese Serie liebte, brachte sie mir nur Kummer und Tränen. Ich hatte auch nach und nach die Bilder von Jason abgenommen, da ich den Schmerz einfach nicht aushalten wollte. Was einen nicht tötet, härtet ab. Scheiß drauf. So war ich eben nicht gestrickt. Ich rollte das Bild zusammen und schob es in eine Rolle auf die ich den Namen des Bildes hinzufügte. Die Bilder würde ich versteigern. Auf eBay oder vielleicht auch in einem richtigen Auktionshaus, wo man wirklich viel Geld machen konnte. Und 10.000 Dollar hatte ich ja schon für ein Bild bekommen. Ich durfte nicht vergessen mich mit Mister Martin auseinander zu setzen, da ich die Bilder ja verkaufen wollte und seine Erlaubnis brauchte. Oder musste ich mich mit HBO in Verbindung setzten? Bei Jon Schnee hatte das Mister Martin gemacht. Aber der war ja eigentlich nur der Autor und hatte eigentlich nichts mit den Schauspielern zu tun.

                "Ohje" Ich stütze meinen Kopf auf meine Hände und schloss die Augen. Jeden des Casts musste ich darüber informieren und das wollte ich nicht. Ich sah zu der Rolle und brummte vor mich hin, öffnete meinen E-Mail Client und schrieb eine Nachricht an George R. R. Martin persönlich. Seine E-Mail hatte ich schon wegen dem Bild von Jon Schnee, das ich verkauft hatte.

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Von: BethanyBathory

Betreff: Einverständniserklärungen

Datum: 24. April 2018, 8:29 Uhr

An: George R.R. Martin

 

Sehr geehrter Mister Martin,

 

vielleicht wissen Sie ja noch, wer ich bin.

Ich habe ein Anliegen, das Sie mir hoffentlich erfüllen können. Ich möchte die gesammelten Bilder verkaufen, die ich bis heute gemalt oder gezeichnet habe. Und ich brauche die Zustimmung der meisten Schauspieler der Serie. Ihre natürlich auch, denn Ihr Bild habe ich heute fertig gestellt. Ich stelle das Speed Painting später online.

Ich hoffe, Sie verstehen warum ich Sie um diesen Gefallen bitte. Eine Liste der Schauspieler und wie viele Bilder ich von jedem gemalt beziehungsweise gezeichnet habe füge ich als Anhang bei.

Die achte Staffel werde ich mir wohl nicht mehr ansehen. Verständlicherweise. Aber Ihnen und Ihren Büchern bleibe ich treu.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Beth O'Keefe aka BethanyBathory

 

Ich las mir die Zeilen sicher dreißig Mal durch ehe ich eine Liste der Stars machte und wie viele Bilder es pro Star waren. Als ich hatte was ich brauchte hängte ich die Datei noch an die E-Mail und schickte sie ab. Noch nie war es mir so schwer gefallen eine E-Mail abzuschicken. Aber es musste sein. Ich brauchte die Erlaubnis der Schauspieler. Aber jetzt musste ich das Video bearbeiten. Versprochen war nun mal versprochen. Und Mister Martin konnte ganz sicher nichts für diese Situation.

                Das Video hatte ich schnell fertig. Eine gewisse Routine für die Arbeitsschritte stellte sich automatisch mit der Zeit ein. Als zusätzliche Bemerkung schrieb ich, dass dies das letzte Bild sei, das etwas mit Game of Thrones zu tun hatte und ich meine Abonnenten um Entschuldigung bitte. Ich aber trotzdem weiterhin Speed Paintings einstellen würde. Hatte ich ja bereits mit den Stars von Fast and Furious angefangen. Und ich fand die Bilder sehr schön. Noch waren es nur zwei aber wohl die Wichtigsten: Vin Diesel und Paul Walker. Immer wieder hatte ich geweint als ich Paul zeichnete. Es ist einfach ungerecht, dass so ein Mensch so früh aus dem Leben scheiden musste. Das war auch das erste Mal, dass ich froh war, dass ein anderer Mensch ebenfalls gestorben war. Aber das ist eine andere Geschichte, die wohl jeder Fast and Furious Fan kennt.

                Ich entschloss mich für heute Feierabend zu machen. Das Bild war wirklich super geworden und das Video hatte bereits um die 500 Klicks. Das würde morgen schon ganz anders aussehen. Ich wusste auch, dass ich sehr viele Kommentare zu lesen hatte wegen meiner Erklärung. Aber darum würde ich mich auch morgen kümmern. Jetzt war ich müde und wollte auf die Couch. Also fuhr ich den Rechner runter und machte mir etwas zum Abendessen. Ich hatte alles auf den Tisch gestellt und suchte mir nun einen Film aus, den ich mir ansehen wollte. Lange stand ich vor meinem DVD Regal und versuchte einen Film zu finden, der mich weder zum Weinen noch zum Grübeln brachte.

                "Ich sollte wirklich ausmisten." brummte ich vor mich hin während ich meinen Blick über die Fast and Furious Serie gleiten ließ. Aber auf Action hatte ich keine Lust, zumal ab Teil sieben Missandei mitspielte. Also kam das nicht in Frage. Angestrengt pustete ich die Luft aus und suchte weiter. Letztendlich fläzte ich mich ohne Film auf die Couch und schlief dann seelenruhig ein. Wohl wissend, dass dies der einzige Platz war von dem ich niemanden verbannen konnte. Ich hatte mir schon überlegt nach einem Medikament zu fragen, das die Träume unterdrückte. Entschied mich aber dagegen weil ich wusste, ohne Rem Schlaf konnte man den Verstand verlieren.

 

08. Mai 2018

                Seit sechs Monaten heiratete ich Jason, ritt mit ihm über das Grasmeer, lernte für ihn dothrakisch oder saß mit ihm am Ufer des Hudson River, wo ich immer wieder meine Rolle verlor, in der die schönsten Bilder von ihm waren. Und das war noch lange nicht alles, was ich mit diesem Mann zusammen in meinen Träumen erlebte. Jeden Tag erwachte ich, weinte oder schüttelte den Kopf. So oft hatte ich mir gewünscht von ihm zu träumen und jetzt konnte ich es nicht mehr abstellen. Ich brauchte definitiv keine Medikamente, um den Verstand zu verlieren. Auf meine Träume war Verlass. Ich kam mir vor wie Bella, die von Edward, aus Sicherheitsgründen, verlassen wurde. Nur dass ich mich nicht ständig ans Fenster setzte und hinaus starrte. Dazu hatte ich gar keine Zeit. Aber das Gefühl war dasselbe. Ich hatte es geschafft, abgesehen von meinen Träumen, den einen oder anderen Monat nicht an dieses Wochenende zu denken. Wieso gerade jetzt? Ich zuckte ratlos die Schultern und machte mir etwas zu essen bevor ich auf das Laufband gehen würde, das ich mir schicken lassen hatte. Da ich das Haus zurzeit nicht verlassen konnte, war dies eine bequeme Art etwas zu kaufen und zu laufen.

                Wie lange wartete ich jetzt eigentlich schon auf eine Antwort von George? Eine Woche? Einen Monat? Hatte ich einmal vergessen meinen Account abzufragen? Unsinn, dann hätte ich die Nachricht eben später gesehen. Während ich darüber nachdachte stieß ich die Luft aus und ließ meine Lippen flattern. Auf meinem Schreibtisch lagen ein paar Bilder, die ich vor hatte zu malen und jetzt überlegte ich, welches ich als erstes machen wollte. Mia hatte so ein hübsches Lächeln.

                "Ja." Ich nahm das Bild an mich und grinste es an. "Du bist die Nächste." Dann zwinkerte ich ihr noch zu und ging an den Zeichentisch, den ich mir richtete. Derweil klingelte es an meiner Tür. Ich richtete mich auf, sah in Richtung der Tür und überlegte, ob ich überhaupt nachfragen sollte. Aber da mir Allan Carver gerade eine Verschnaufpause gönnte, warum auch immer, ging ich an die Tür und drückte auf die Gegensprechanlage. "Ja, bitte?" hakte ich nach und lauschte was derjenige zu sagen hatte.

                "Miss O'Keefe?" Als würde das nicht an der Klingel stehen.

                "Ja, die bin ich."

                "Ich habe eine Lieferung für Sie, die Sie gegen zeichnen müssen." Ganz traute ich der Sache nicht.

                "Moment bitte." Schnell ging ich ans Fenster und beugte mich vor, um zu sehen, ob es nicht doch Carver war, der sich für jemand anderen ausgab. Als ich sah, dass es ein FedEx Angestellter war ging ich zurück zur Tür und öffnete dem Mann. Deutlich konnte ich hören, wie er die Treppen fast schon hoch rannte. Ich setzte ein freundliches Lächeln auf, als der junge Mann in meinem Stockwerk ankam. "Hi" begrüßte ich ihn freundlich. Er nickte und machte schon alles zum Unterschreiben fertig. "Von wem ist das?" wollte ich wissen. Ich konnte erkennen, dass das Paket etwa Din A4 Größe hatte und etwa vier Zentimeter dick war.

                "G. Martin heißt der Absender." antwortete er mir und sah mich fragend an. Ich schüttelte lächelnd den Kopf und winkte ab.

                "Alles gut. Ich nehme es an." Das waren sicher die schriftlichen Einverständniserklärungen. Aber hätte er sich nicht wenigstens melden können? Ich unterschrieb auf diesem kleinen Kasten und nahm das Paket an mich. "Schönen Tag noch." wünschte ich ihm und schloss hinter mir die Tür. Während ich zurück in mein Büro lief besah ich mir das Päckchen, an welcher Stelle ich es denn am besten aufmachen könnte. "Ah, hier." sagte ich, als ich fündig wurde. Ich riss das Päckchen mit der Schnur auf und entleerte den Inhalt auf meinen Tisch. Ich hob eine Braue als ich fest stellte, dass ich ein zweites Päckchen auf dem Tisch hatte, das ich öffnen musste. Verwirrt sah ich mir den Absender an. G. Martin. Ich ging eigentlich nicht davon aus, dass dieser Mann den Schalk im Nacken sitzen hatte. Zumindest nicht, wenn es um etwas Wichtiges ging. Seufzend öffnete ich auch dieses Paket, das ein Kleineres beinhaltete. "Verdammte Hacke! Das ist doch nicht dein Ernst!" meckerte ich lautstark das Päckchen an, das mich zu verhöhnen schien. Knurrend öffnete ich auch dieses und konnte dabei nicht umhin zugeben zu müssen, dass ich neugierig war. Als ich den Inhalt auf den Tisch entleerte fiel scheppernd ein schwarzer Beutel heraus, den ich mit erhobener Braue ansah. Skeptisch sah ich den Beutel an während ich langsam das Paket weg legte und dann auf den Beutel tippte, als würde ich prüfen, ob es noch lebte. Aber natürlich rührte sich nichts. Ich legte den Kopf schief und drehte den Beutel so, dass die Schnur zu mir zeigte. Vorsichtig öffnete ich die Schleife und zog den Beutel auseinander. Wieso ich mich erst mal nicht traute hinein zu sehen, wusste ich nicht. Doch letztendlich siegte die Neugierde. Also hob ich den oberen Teil an und versuchte etwas zu sehen. Der Inhalt lag aber zu weit hinten also musste ich diesen auch auf den Tisch leeren. Vorsichtig hob ich den Beutel an und ließ, was auch immer da drin war, auf den Tisch gleiten. Vollkommen überrascht sog ich die Luft in mich ein und schlug meine Hände vor den Mund. Da lagen 999 Dollar auf dem Tisch. Woher ich das so genau wusste? Ich hatte mich nach dem Preis des Gürtels aus Sterlingsilber erkundigt. Es dauerte ziemlich lange bis wieder Ruhe in mich gekehrt war und ich endlich den Mut hatte, den Gürtel in die Hand zu nehmen. Ich ließ ihn zwischen meinen Händen vor meinem Gesicht baumeln, um ihn ganz genau zu begutachten. Jedes Detail war schwarz lackiert. Es gab viele Unebenheiten, wie sie durch die damalige Verarbeitung entstehen konnten. Der Gürtel war einfach umwerfend, aber ich konnte ihn nicht annehmen. Das war viel zu viel Geld. Also packte ich ihn wieder in den Beutel, zurück in die Pakete und verschloss es wieder. Dann ging ich an meinen Rechner und beauftragte FedEx das Päckchen bei mir abzuholen. Den Termin hatte ich auf morgen früh gelegt. Je schneller das Paket wieder aus meiner Wohnung war, desto besser. Zumal ich nicht verstehen konnte, wie mir George R. R. Martin ein Geschenk machen konnte. Ich strich den Gürtel aus meinem Gedächtnis und kontenzentrierte mich auf das Bild, das ich malen wollte.

                Die Stunden vergingen und plötzlich war es zwei Uhr früh. Das Bild war noch nicht ganz fertig. Dennoch schaltete ich die Kamera ab und machte mich Bettfertig. Gähnend tapste ich von einem Zimmer zum anderen, bis ich wusste was ich wollte. Ein Glas Wasser, denn der Durst plagte mein schläfriges Gemüt. Die gähnende Leere in meinem Kopf breitete sich schleichend aus während ich ans Fenster ging und hinaus in die, von Straßenlaternen beleuchtete, Nacht sah. Leise schmatzend nahm ich noch einen Schluck und sah zu der Laterne unter der einst Jason gestanden hatte, um mir eine Nachricht zu schicken. Dort stand ein Pärchen und unterhielt sich. Um diese Uhrzeit und so müde wie ich war übertrugen sich meine Gedanken auf die Personen.

                "Die sind doch viel zu müde, um da unten zu stehen." Herzhaft gähnte ich und trank nochmal einen Schluck ehe ich eine Braue hob, denn die Frau sah zu mir hoch. Glaubte ich zumindest. Ihre Augen konnte ich auf diese Entfernung nicht sehen. "Jetzt muss ich aber ins Bett." brabbelte ich vor mich hin und brachte das Glas in die Küche. Gott sei Dank stand das Glas schon, denn es wäre jetzt auf den Boden gefallen, da mir gerade klar wurde, wer da zu mir hoch gesehen hatte. Ich eilte wieder ans Fenster und sah runter. "Nein" sagte ich als ich mich versichert hatte, dass dort Emilia stand. "NEIN" rief ich aus und ließ schnell den Rollladen runter. Dann rannte ich zur Tür und machte die Klingel aus, verschloss die Tür und rüttelte kräftig daran, um zu prüfen, ob sie auch zu war. "Was will Sie hier?" fragte ich mich während ich im Wohnzimmer auf und ab ging. Die Frage ob sie wirklich wegen mir hier war erübrigte sich durch die Tatsache, dass sie ausgerechnet unter meinem Fenster stand. Nur Jason und dieser Fahrer wussten wo ich wohnte. Ich schrie auf und zuckte heftig zusammen als sich mein Handy meldete. Das war alles zu viel für mich. Die graue Maus aus Manhatten, der typische Einzelgänger, der maximal zum Einkaufen raus ging. Okay, selbst das hatte sich erst mal erübrigt. Wieder zuckte ich zusammen weil sich mein Handy schon wieder meldete. "LASS MICH DOCH ENDLICH IN RUHE!" schrie ich in der Wohnung rum und kämpfte gegen die Tränen an, die meine Verzweiflung ausdrücken wollte. Nur war es fraglich ob es wirklich Verzweiflung war oder der neuerliche Versuch vor allem weg zu laufen.

                "Beth." hörte ich Emilia rufen. Hatte sie denn nichts zu tun? Einen Film oder eine Folge einer Serie drehen? "Beth bitte." hörte ich sie erneut rufen und hob eine Braue. Dann ging ich zum Tisch und nahm mein Handy an mich, öffnete ihre Nachricht, die mir alles andere als gefiel.

                [Hi Beth. Ich hoffe, du kennst mich noch. Hier ist Emilia. Oder Daenerys, wenn du so willst. J] Ich verdrehte meine Augen, da ich ihre Nummer ja behalten hatte und wusste, wer mir da schrieb. Dann las ich die zweite Nachricht. Dabei sah ich, dass sie online war.

                [Ach komm schon, Süße. Wir sind nicht die Ärsche für die du uns hältst. Wir haben nur weniger Zeit als der Otto-Normal-Verbraucher. Deshalb hab' ich mich auch nicht gemeldet. Ich war für einen Dreh in Spanien.] Derweil konnte ich sehen, dass sie eine dritte Nachricht schrieb.

                [Beth, wenn ich dich nicht mögen würde, würde ich hier jetzt nicht stehen, in der Kälte, und versuchen mit dir Kontakt auf zunehmen.]

                "ABER HINTERHER GELAUFEN BIST DU MIR AUCH NICHT, ALS ES DRAUF ANKAM!" brüllte ich das Handy an und es war mir egal ob die Nachbarn mich hören konnten. Eine weitere Nachricht traf ein.

                [Nein, das habe ich nicht getan und ich bedauere es zutiefst.] Schnell hielt ich mir meinen Mund zu. Hatte sie mich wirklich gehört? Ich sah zum Fenster und ging näher um etwas den Laden zu öffnen, damit ich runter sehen konnte.

                [Und was soll ich deiner Meinung nach tun?] schrieb ich ihr zurück während ich durch die Schlitze nach unten sah. Der Typ stand immer noch unter der Laterne und ich wollte mir einbilden, dass Emilia Jason im Schlepptau hatte. Ich sah, wie Emilia tippte.

                [Lass mich rein, damit wir reden können.] enthielt die Nachricht, auf die ich sofort den Kopf schüttelte.

                [Ich geb' ja zu, dass ich dich vermisse. Ich mochte deine Art schon immer. Aber da kommen nur Erinnerungen auf, an die ich mich nicht erinnern will. Es tut einfach nur weh. Verstehst du das?] Ich drückte auf den Sendenpfeil und beobachtete wieder die Person unter der Laterne, die gerade mit mir schrieb. Sie schien sich mit der anderen Person zu unterhalten. Nur ein paar Minuten. Dann gab er Emilia einen Kuss auf die Wange und ging weg. Schnell zog ich den Rollladen ganz hoch und versuchte ihm nach zusehen.

                "Jason" nuschelte ich gegen die Scheibe, die durch meinen warmen Atem anlief. Ich konnte ihn gerade noch so sehen. Konnte sehen wie er stehen blieb und zu meinem Fenster hoch sah. "Jason" sagte ich wieder. Hoffnung schwang in diesen zwei Silben mit, die ich gegen die Scheibe sprach. Aber er senkte den Kopf und wandte sich zum Gehen. Und dann war er verschwunden. Der Mann, den ich liebte, für den ich sterben würde. Ich hatte ihn mir entgehen lassen weil mein Kopf nicht mit spielte. Andererseits war da immer noch diese Tatsache, die es mir nicht weniger schwierig machte zu glauben, was ich in diesem Kuss gespürt hatte. Jetzt meldete sich wieder mein Handy.

                [Lass mich rein. ICH möchte mit dir reden.] bat sie mich erneut. Ich sah zu ihr runter und seufzte. Dann nickte ich, winkte sie ran und ging zur Tür, um ihr zu öffnen. Lange hielt ich gedrückt bis ich ihre Schritte auf den Treppen hören konnte. Ich hatte mich schon wieder ins Wohnzimmer begeben als Emilia die Tür hinter sich schloss.

                "Hey, Beth." begrüßte mich die Mutter der Drachen, als sie mich gefunden hatte.

                "Hi" sagte ich knapp und wies mit der flachen Hand auf die Sitzgelegenheiten. "Setz dich. Ich mach' Kaffee." Wirklich freundlich kamen meine Worte nicht gerade rüber, aber ich gab mir auch keine Mühe meine Wut zu verbergen.

                "Okay" sagte Emilia und setzte sich in den Sessel. Ich konnte noch sehen, wie sie sich im Wohnzimmer umsah und dabei ihre Hände über die Armlehnen des Sessels gleiten ließ. "Schön hast du es. Nur die Wände…" Ich hob eine Braue. "Wirklich schön." sagte sie schnell, als sie bemerkte, dass mir ein Kommentar zu meinen bilderlosen Wänden nicht gefallen würde, was mich nicken ließ. Schön, dass es dir noch aufgefallen ist. brummten meine Gedanken während ich ein Tablett fertig machte und mit Tassen, Milch und Zucker bestückte.

                "Danke" sagte ich, als ich ins Wohnzimmer ging und das Tablett auf den Tisch stellte. "Kaffee dauert noch etwas." informierte ich sie und ging auch schon wieder in die Küche.

                "Hey, kein Ding. Lass dir Zeit." sagte sie mit einem Lächeln, das ich hören konnte.

                "Was machst du in New York?" wollte ich wissen auch wenn mir nach reden rein gar nicht zumute war.

                "Mein Manager hat sein Büro nach Staten Island verlegt, der Idiot. Und jetzt muss ich, wenn was Wichtiges ist, immer hier rüber jetten. Weil ihm die Gegend dort besser gefällt." Sie schnalzte mit der Zunge, was ich überaus deutlich hören konnte.

                "Aha. Und ansonsten nichts anderes zu tun?" wollte ich weiter wissen, während ich den Kaffee in eine Thermoskanne füllte.

                "Nein. Zurzeit nichts. Der nächste Dreh findet erst im November statt." Ich hob eine Braue und nahm die Kanne, die ich rüber brachte.

                "Ach. Und was ist mit Staffel acht?" Für dumm verkaufen konnte sie mich nicht.

                "Ja, Staffel acht." Mir kam es vor als wenn sie herumdrucksen wollte. "Ich würde dir gerne etwas darüber erzählen, aber ich darf nicht. Bin vertraglich gebunden." Argwöhnisch sah ich ihr eine ganze Weile in die Augen ehe mein Blick sanfter wurde und ich nun die Tassen mit Kaffee befüllte. "Ich hab' gesehen, dass du uns nicht mehr Zeichnen willst." Sie hatte mich also immer noch abonniert. Ich nickte und setzte mich dann auf die Couch.

                "Ja. Ist besser so. Es tut einfach nur weh. Und was mir weh tut schaffe ich ab." Ich gab zwei Tabletten Süßstoff in meinen Kaffee und rührte ihn langsam um. Wieso fiel mir ausgerechnet jetzt ein, dass Jason und ich kein Lied hatten? Nur kurz schenkte ich meinen Gedanken Aufmerksamkeit. "Hat dich Mister Martin schon kontaktiert?" Sie hatte sich gerade ihre Tasse genommen und trank einen Schluck, dabei nickte sie.

                "Ja. hat er. Ich hab' ihm auch schon meine Erlaubnis geschickt." erklärte sie mir und sah mich traurig an. "Es tut mir leid, wie alles gekommen ist." entschuldigte sie sich bei mir, was mir einen Klos im Hals bescherte. Ich schüttelte leicht den Kopf.

                "Ist schon Okay. Wie ich schon öfter sagte. Ihr seid eben so. Entweder man kommt damit klar oder man lässt es. Und ich hab' mich dafür entschieden es zu lassen." Emilia sah mich resignierend an als ich aufstand um das Paket zu holen. Viel lieber hätte ich sie jetzt in meine Arme geschlossen und mich an ihrem Hals ausgeweint, aber einem Traum wollte ich mich nicht schon wieder hingeben.

                "Wir sind nicht so. Es ist einfach nur dumm gelaufen." Als ich mich gesetzt hatte, das Paket neben mir auf der Couch, sah ich, dass sie sich bemühte ruhig zu bleiben. So sah es jedenfalls für mich aus. Und dann platzte sie. "Ich hatte mir zwar vorgenommen nicht von ihm anzufangen, aber ich muss was los werden. Du kannst dir nicht vorstellen wie sehr ich ihm für sein Verhalten den Kopf gewaschen habe. Hinterher musste ich zu ihm runter sehen." Auch wenn ich innerlich brodelte, den Klos in meinem Hals aber leider noch stärker spürte, versuchte ich ruhig zu bleiben.

                "Und? Spielt das jetzt noch eine Rolle?" Ich sah Emilia mit erhobener Braue an und trank dabei einen Schluck Kaffee. Sie wollte schon los wettern doch sie schloss ihren Mund wieder und brummte wie eine typische Frau.

                "Nein. Spielt keine Rolle." Tief atmete sie durch und lehnte sich zurück. Und dann kam die Frage aller Fragen. "Fühlst du denn gar nichts für ihn?" Neugierig sah sie mich an. Das war ein Brett mitten in die Fresse. Mir fehlten sicher ein paar fiktive Zähne. Ich stand auf und nahm meine Tasse mit ans Fenster, aus dem ich zu der Laterne runter sah. Niemand stand dort, um mir eine Nachricht zu schreiben. Ich lehnte mich mit der linken Seite an und überlegte wo ich anfangen sollte. Natürlich liebe ich ihn aber er ist ein Star und ich nur ein Fan, der zur OP muss. Ja, das hätte ich ihr gerne gesagt.

                "Ich war in meiner Jugend bis über beide Ohren in Rick Astley verliebt. Oder in den einen Bruder von Bros.. Shakin Stevens hat sich mein Herz auch mal geschnappt." Ich musste lachen. "Kevin Costner, Sean Connery, Travis Fimmel." Ich konnte mir ein angetanes Lächeln nicht verkneifen. "Und das sind nur ein paar, in die ich verliebt war. Aber es sind Stars, die ich nie erreichen kann. Und das hab' ich auch nie. Es ist nur Schwärmerei. Zumindest hab' ich das zu diesem Zeitpunkt geglaubt." Wieder musste ich lachen. "Eigentlich habe ich ihn ja schon in Baywatch gesehen. Ein hübscher Bengel, der mein Sohn sein könnte. Naja, ich dachte er ist etwas jünger." Ich sah im Fenster Emilias Spiegelung an. Sie lachte nicht sondern nickte nur, dass sie verstand. "Und so, wie etwas Neues von ihm raus kam hab' ich es mir angesehen." Ich trank einen Schluck aus der Tasse. "Aber irgendwie reichte mir das nicht und hab' angefangen alles zu Googeln, was es über den jungen Mann gab." Ich wandte mich um und sah Emilia an. "Man bedenke ich bin fast genau 10 Jahre älter als er." Emilia schmunzelte und nickte. Unterbrach mich aber nicht. Zufrieden wandte ich mich wieder der Scheibe zu. "Stargate: Atlantis, Conan, ich hab' bis zu Game of Thrones alles gesehen, was er bis dahin gemacht hatte." Nochmal trank ich aus meiner Tasse. "Und dann kam Game of Thrones." Ich machte eine kurze Pause. "Fuck! Ich war sofort weg." Ich musste wie ein junger Hüpfer kichern und sah dabei zu Boden. "Ich weiß, es ist nur eine Rolle, aber ihn, Khal Drogo, wollte ich haben. Mit all seinen Macken und dieser unzähmbaren Wildheit." Mir lief ein Schauer über den Rücken. Diese Erinnerung war heftig. Ich hob meinen Kopf und sah zur Decke als hätte sie sich auf getan und würde die Sterne zeigen. "Es geht einfach schon viel zu lange, als dass man von purem Schwärmen reden könnte. Dennoch hab' ich es so abgetan. Er Star. Ich Fan. Und dann kam dieser blöde Tag am Flughafen." Ich schüttelte murrend den Kopf. "Hätte ich doch nur aufgepasst, wo ich hin laufe." Resignierend seufzte ich und sah wieder zu Boden. "Dann wäre ich euch niemals begegnet und mein Leben wäre nicht so chaotisch geworden." Ich zog leicht die Nase hoch, weil der Klos in meinem Hals begann auf die Tränendrüse zu drücken. Ich sah im Fenster, dass ihr etwas auf der Zunge brannte, aber sie sagte immer noch nichts und ließ mich ausreden. "Dann hätte er sich nicht an mich erinnert und mir keine Aufmerksamkeit geschenkt. So ein Unsinn. Wer macht sowas schon? Ich bin ein Niemand. Nur eine Frau, die sich einbildet ein Goth zu sein und Bilder zeichnet. Ja, ich hab' zwei Millionen Abonnenten, aber die kennen mich nicht." Ich stellte meine Tasse auf der Fensterbank ab und ging neben das Fenster, wo ich mir mal wieder die Stirn an die Wand schlug. "Glück. Im. Spiel. Pech. In. Der. Liebe." Und genau in diesem Takt hieb ich mir den Kopf an die Wand. Dann rieb ich mir die Stirn und nahm meine Tasse an mich, lehnte mich ans Fenster, als wäre nichts gewesen. "Aber, wie es nun mal kommen muss, bildete ich mir mal wieder viel zu viel ein. Glaubte er mag mich wirklich und dann dieser Tag mit dem Kleid." Unwillkürlich musste ich an diesen Moment auf seinem Schoß denken und schloss kurz die Augen wobei ich mir auf die Lippe biss. Wieder schüttelte ich den Kopf. "Gott. Ich hab' ihn angestrahlt weil ich so stolz drauf war was ich aus mir gemacht hatte. Von 105 Kilo runter auf knapp fünfzig. Und dann kommt nichts von ihm. Nichts. Klar, sein Starren hätte man durchaus als Kompliment interpretieren können, aber ich bin zu sowas nicht fähig." Tief atmete ich durch und legte meine heiße Stirn an das Fenster, um sie zu kühlen. "Nein. Ich empfinde nichts für ihn. Das ist nur Einbildung, Schwärmerei. Sowas passiert einfach nicht in der realen Welt. Nur in meinen Scheiß Träumen, die ich seit einem halben Jahr nicht mehr los werde." Meine Stimme wurde brüchig und die Tränen liefen langsam über meine Wangen. Diese Lüge würde ich bestimmt mein Leben lang bereuen. "Aschenputtel hat uns den Märchenprinz weg geschnappt. Deshalb heiraten wir den nächstbesten." Und dann verfiel ich in Schweigen, ließ meine Tränen rollen, die ich schon eine ganze Weile unterdrückte. Stille kam auf in dem Wohnzimmer, die mir mehr als gut tat. Man hätte durchaus eine Stecknadel fallen hören können. Doch das Einzige, das ich nach einer Weile hörte, war die Wohnungstür, die geschlossen wurde. Ich öffnete meine Augen und sah ins Fenster. Der Sessel war leer. Sie war gegangen, ohne etwas zu sagen. Vielleicht war das auch besser so. Ich drehte mich um und sah eine ganze Weile auf den leeren Sessel ehe ich nochmal meine Nase hoch zog, mir die Tränen abwischte und dann den Tisch abräumte. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit sehnte ich mich nach einer Zigarette. Natürlich würde ich keine rauchen. Ich hatte zu schwer geschuftet um dieses Ziel zu erreichen. Ich nahm mein Handy an mich und besah mir meine Termine. Morgen würde das Paket abgeholt werden. Am Freitag kam Kate zu mir, um mit mir Kaffee zu trinken und am Dienstag musste ich in die Praxis. Ich hatte also keine Zeit, um mich mit dieser Situation auseinander zu setzen. "Ich nehme jetzt die DVD aus dem Player und stelle sie zurück ins Regal." Mein Gebet hatte ich noch nicht vergessen und jetzt brauchte ich es ganz dringend.

 

15. Mai 2017

                Der Wecker klingelte um fünf Uhr, denn ich musste um acht in der Praxis sein. Also rappelte ich mich auf, versuchte nicht an meinen Traum zu denken und ging ins Bad, um zu duschen. Dreißig Minuten hatte ich im Bad gebraucht. Eine angemessene Zeit, die ich mir zu gestand. Dann ging ich an meinen Schrank, um meine Tasche zu packen. Ich hatte Tessa gebeten mir ein paar Sachen zu kaufen, die ich tragen wollte. Zwei schwarze Pyjamas, die sie aus ihrem Laden besorgte, ein paar weiße Plüschhausschuhe und einen schwarz-weißen Morgenmantel. Alles packte ich in die Reisetasche, die ich auf einem Flohmarkt erstanden hatte. Hygieneartikel, Fön, eben was man so brauchte. Und dann fiel mir ein, dass ich wohl eher keinen Pyjama tragen könnte. Maximal den Bademantel. Also holte ich die Pyjamas aus der Tasche und packte sie wieder in den Schrank. Auf meinem Kanal hatte ich bereits Bescheid gesagt, dass ich eine ganze Weile erst mal nichts mache und ich mich melden würde, wenn ich wieder aktiv sei. Warum blieb meine Sache. Daraufhin hatten sich ganz viele gemeldet, hatten gefragt ob es was Ernstes ist, ob ich krank sei oder, oder, oder. Aber ich antwortete nicht darauf. Ich hatte anderes im Kopf. Jetzt stand ich am Fenster und wählte die Nummer der Taxizentrale. Während ich noch darauf wartete, dass jemand abnahm, fuhr eine Stretchlimo langsam vorbei. Dachte ich, aber sie hielt an und der Fahrer stieg aus.

                "Steve?" fragte ich mich selbst ehe ich auf die glorreiche Idee kam, das Fenster zu öffnen und nochmal "Steve?" zu fragen. Er sah zu mir hoch und nickte.

                "Ich warte auf Sie." rief er zurück und stellte sich schon bereit, um mir die Tür zu öffnen.

                "Äh, okay." Ich beugte mich aus dem Fenster und sah von rechts nach links und wieder zurück, ob das jemand mit bekommen hatte. "Puh." machte ich, als ich das Fenster schloss, alles nochmal überprüfte und dann meine Tasche schnappte. "Woher weiß der das?" fragte ich mich, als ich die Tür abschloss und nach unten eilte. Und Steve war nicht der Einzige. Allan Carver war gerade eingetroffen und stürmte auf mich zu. Steve gab sich alle Mühe mir den Weg zur Limo frei zu halten, aber einfach machte es der Reporter dem armen Fahrer nicht. Ich hielt meine Hand neben mein Gesicht, damit der Kameramann mich nicht direkt filmen konnte.

                "Miss O'Keefe! Miss O'Keefe! Flüchten Sie vor der Wahrheit? Plagen Sie Gewissensbisse?" Dieser Penner ließ einfach nicht locker. Anstatt der Kerl eine private Anfrage machte, um mit mir zu reden, glaubte er die Lügen, die Jane ihm wohl immer noch ins Ohr flüsterte.

                "Kein Kommentar." versuchte Steve mich zu beschützen und schob mich förmlich in die Limo, die er gleich hinter mir schloss. Er stand noch eine Weile schützend vor der Tür bis sich Carver entfernte. Dann stieg auch Steve ein und ließ die Zwischenscheibe runter. "Tut mir leid, Beth. Ich habe ihn zu spät gesehen." entschuldigte er sich bei mir. Das war richtig süß. Deshalb lächelte ich.

                "Schon okay. Sie wussten ja nicht, dass er kommen würde. Woher wissen Sie eigentlich, dass ich heute zur OP muss?" Fragend sah ich ihn an, als ihm die Gesichtszüge entglitten.

                "OP? Sind Sie schwer krank?" machte er sich Sorgen. Ich schüttelte den Kopf.

                "Nein. Keine Sorge. Ich bekomme nur die überschüssige Haut entfernt." Ich patschte mir auf den Bauch und grinste. Der Stein, der ihm vom Herzen fiel, war nicht zu übersehen.

                "Gut. Ich dachte schon." Er sah mich eine Weile an ehe er meine Frage beantwortete.

                "Ich warte schon seit ein paar Tagen hier unten. Seit Sie Ihre Abonnenten informiert haben. Ich dachte, Sie könnten einen Fahrer brauchen." Er schmunzelte. "Und ich konnte mir denken, dass Sie mich nicht anrufen." Verlegen sah ich zu Boden.

                "Natürlich nicht. Ich kann mir so eine Limo nicht leisten." sagte ich ehrlich. Steve verdrehte seine Augen und schüttelte den Kopf.

                "Beth. Das ist mein Wagen." Dann zwinkerte er mir zu. Okay, selbst ich hatte das verstanden. "Okay. Und wo soll ich Sie hin bringen?" Ich kramte das Prospekt der Praxis heraus und gab sie Steve.

                "Die hat mir die Krankenkasse empfohlen." erklärte ich und sah nochmal nach, ob ich die kleine Karte hatte, die für die ganzen Kosten gedeckt war. Steve suchte sich was er brauchte und reichte mir den Prospekt zurück. Ich konnte sehen, wie er die Adresse in das Navi eingab und dann den Wagen startete. Steve fädelte sich in den Verkehr ein und fuhr das kurze Stück, bis er rechts abbiegen musste, dann die 61ste Straße bis zum Broadway fuhr, erneut nach rechts abbog und dem Verlauf lange Zeit folgte. Irgendwann bog er links ab und fuhr eine ganze Weile gerade aus. Ich hatte es mir bequem gemacht und sah nun aus dem Fenster, das mich für andere verbarg. Kurz darauf folgte er einer langen Rechtskurve auf die Straße am Hudson entlang. Ich wusste nicht wie die Straße hieß und im Moment war es mir auch egal. Nach etwa fünf Minuten bog er wieder rechts ab und fuhr nach einer Weile über die Alexander Hamilton Bridge. Aber wie es danach weiter ging, weiß ich nicht mehr, da ich etwa auf der Brücke eingeschlafen bin.

                "Beth? Wir sind da." Leise drangen seine Worte in mein Bewusstsein und weckten mich. Ich schreckte hoch und sah mich verwirrt um.

                "Ah okay. Ich weiß wieder, wo wir sind." Schmunzelnd sah ich ihn an und zupfte meine Haare zurecht. Steve stieg aus und ging um den Wagen herum auf die andere Seite, um mir die Tür zu öffnen. Er reichte mir seine Hand und sagte dazu:

                "Milady" Lachend nahm ich seine Hand und ließ mir raus helfen. An der Praxistür stand schon eine Dame, die mich abholen wollte. Mit erhobener Braue betrachtete sie die Limousine während Steve mich zu ihr brachte. "Wann kann ich sie wieder holen?" wollte er von der Dame wissen, die ihm seine Aufmerksamkeit nun widmete. "Morgen wird sie operiert und je nachdem wie viel gemacht werden muss zwei bis vier Tage." erklärte sie Steve erstaunlich freundlich.

                "Ich rufe Sie an. Versprochen." sagte ich zu Steve und küsste zum Abschied seine Wange.

                "Und wehe nicht." sagte er mit mahnend, wackelndem Zeigefinger. Ich fing an zu lachen. "Bis in ein paar Tagen." verabschiedete er sich und überließ mich somit der Dame, die mich fragend ansah.

                "Oh. Nein." schüttelte ich meinen Kopf. "Ich bin keine Berühmtheit. Er ist ein lieber Freund, der mich nicht mit dem Taxi fahren lassen wollte." Verstehend nickte sie und lächelte mich dabei an. Dann nahm sie mir meine Tasche ab und bat mich hinein.

                "Na kommen Sie. Der Doktor möchte noch ein paar Untersuchungen machen bevor es morgen los geht." Ich ging durch die Tür und nickte.

                "Ich bin froh, wenn die Haut weg ist. Sie schränkt schon sehr ein." Schwester Morrison, wie sie sich vorstellte, nickte.

                "Kann ich mir vorstellen. Von 105 Kilo so viel abzunehmen ist schon eine reife Leistung. Aber Sie hätten sich ruhig Zeit nehmen können." Sie ging mit mir einen breiten Gang entlang von dem ein paar Türen ab gingen.

                "Naja, eigentlich hatte ich mir Zeit gelassen. Ich hab' von jetzt auf nachher meine Ernährung umgestellt und hab' Sport dazu gemacht. Bei mir ist das so. Wenn ich, krass gesagt, nichts esse, nehme ich ab und sehe ich eine Tafel Schokolade auch nur an hab' ich ein Kilo mehr drauf." Schmunzelnd nickte sie.

                "Verstehe. Da sind dann neun Monate wirklich lang." Sie blieb vor einer der Türen stehen und öffnete sie. "Das ist Ihr Zimmer für die nächsten paar Tage. Richten Sie sich ein. Ich komme gleich wieder und bringe Sie zum Doktor." Ich stellte meine Hygieneartikel in das kleine Bad und meine Tasche in den Schrank ehe ich ans Fenster ging und hinaus sah. Dabei hielt ich mein Handy in der Hand und überlegte ob ich Emilia… Ich brachte meine Gedanken zum Schweigen und machte mein Handy aus. Die nächsten Tage würde ich es eh nicht brauchen. Als ich wieder aus dem Fenster sah lächelten mich ein Paar Augen an. Wie in einer billigen Schnulze, wenn Frau sich nach Mann sehnt. Ja, ich sehnte mich nach ihm, aber meine Entscheidung wollte ich davon nicht beeinflussen lassen. Schwester Morrison kehrte zurück und lächelte mich an. "Kommen Sie. Der Doktor wartet." Ich schüttelte meine Gedanken von mir und folgte ihr hinaus in den Gang.

 

17. Mai 2018

                Drei Tage war ich jetzt schon hier. Die OP war sehr gut verlaufen. Das Gewebe hatten sie gut entfernen können und man versicherte mir, dass man keine Narben sehen würde. Natürlich nach einer angemessenen Zeit. Alles hatte man gestrafft worunter mein Körper durch das Gewicht gelitten hatte. Die Beine, der Hintern, mein Bauch, die Brüste. Aber was ich davon halten sollte, dass ich keine Augen mehr auf meinem Steißbein hatte, wusste ich nicht. Sollte ich froh darüber sein oder trauern, weil diese umwerfend schönen Augen nicht mehr da waren? Ich stand am Fenster als Schwester Morrison herein kam, um mir meine Schmerzmittel zu geben. Noch war alles sehr empfindlich. Aber am schlimmsten war dieses Ganzkörperkondom, das ich tragen musste. Von der Brust runter bis zu den Knien. Aber das hatte ich erst noch vor mir. Jetzt war ich komplett verbunden damit nichts an die Nähte kam.

                "Wie fühlen Sie sich, Beth?" wollte sie wissen, als sie mir Tabletten und Wasser gab. Ich nahm es ihr ab und schluckte die Tabletten.

                "Wenn ich davon absehe, dass es sich seltsam anfühlt, fühle ich mich gut." Dazu lächelte ich sie an. Sie nickte.

                "Das freut mich. Der Doktor möchte später nochmal ihre Nähte betrachten und dann entscheidet er, ob sie noch hier bleiben oder nach Hause können." informierte sie mich, was mich strahlen ließ. Zuhause war es immer noch am schönsten.

                "Ja klar. Wäre schön." Ich sah wieder zum Fenster raus während Schwester Morrison das Zimmer verließ. Und da waren sie wieder, diese schönen Augen, die mich jede Nacht fesselten. Ich fühlte mich in die Zeit versetzt, in der alles noch einfach war. Bevor ich mir die Karte für die Convention gekauft hatte. Ich stellte mir vor, wie ich mit Emilia über Gott und die Welt erzählte oder mit Jason meine nicht jugendfreien Phantasien auslebte. Damals waren sie noch Daenerys Targaryen und Khal Drogo und heute? Menschen aus Fleisch und Blut, die mich um den Verstand brachten. Traurig senkte ich meinen Blick, setzte mich aufs Bett und wartete darauf, dass ich zur letzten Untersuchung gebracht wurde.

                Die Untersuchung war nicht schlimm dank der Tabletten, die ich nehmen musste. Er hatte mir erklärt, dass die Nähte wirklich gut aussahen und was ich zu beachten hatte. Es würde also noch eine ganze Weile dauern bis ich wieder ganz normal leben konnte. Obwohl, eigentlich änderte sich nichts für mich. Nur, dass ich es langsam angehen sollte und keinen Sport machen durfte. Das gefiel mir gar nicht aber war leider nicht zu ändern. Dann machte er die Rechnung fertig, schrieb den Bericht für meine Krankenkasse und rechnete über die CareCredit ab. Und jetzt saß ich in der schicken Limousine, die mich nach Hause brachte.

                "Wie geht es Ihnen, Beth?" erkundigte sich Steve als wir gerade los gefahren waren.

                "Ist merkwürdig, die viele Haut nicht mehr mit mir rumschleppen zu müssen, aber ansonsten geht es mir gut." lächelte ich in den Rückspiegel.

                "Ich soll Ihnen Grüße von Misses Clarke ausrichten. Sie entschuldigt sich zum einen, dass sie ohne ein Wort gegangen ist und zum anderen, dass sie sich nicht gemeldet hat. Sie musste ihre Schweigepflicht erfüllen." Er sah mit erhobener Braue in den Rückspiegel. "Sie wüssten schon, um was es geht." fügte er an, was mich grinsen ließ.

                "Ja, ich weiß worum es geht. Danke." Ich holte mein Handy heraus und schrieb ihr eine Nachricht.

                [Wenn ich dich in die Finger kriege, bringe Ich dich um. J Danke für die Grüße. Sind angekommen.] Ich schickte die Nachricht ab und konzentrierte mich wieder darauf mich nicht allzu schnell zu bewegen. Dann sah ich ziemlich herzerweichend in den Rückspiegel.

                "Können wir irgendwo anhalten und Sie holen mir bitte einen Gemüseburger? Ich hab' tierischen Hunger." Als er in den Spiegel sah, fing ich an rehäugig mit den Wimpern zu klimpern. Steve fing an zu lachen.

                "Ja klar. Ich steuere den nächsten McDonalds an." versprach er und sah wieder auf die Straße. Als ich meine zwei Burger hatte und endlich rein biss, ging es mir schon viel besser.

                "Endlich wieder was zu Essen." murmelte ich vor mich hin. Das Essen in der kleinen Klinik war zusammen gestellt, aber passte trotzdem nicht zu meiner Ernährung. Naja, vielleicht doch, aber das Essen war fad und schmeckte nicht. Aber da ich nicht lange dort war wollte ich mich auch nicht beschweren. Während ich noch den ersten Burger verspeiste meldete sich mein Handy. Etwas umständlich kramte ich es hervor und las, was Emilia geschrieben hatte.

                [Hihi, dann geht es dir also besser. Das freut mich sehr. Ich bin noch ein paar Tage hier und wollte fragen ob ich nochmal vorbei kommen darf. Ach und Carver wird dich erst mal in Ruhe lassen. Ich hab' ihn mit Informationen gefüttert, die er sich nicht entgehen lassen will. ;-)] Während ich die Nachricht las hoben sich meine Mundwinkel. Sollte sich da wirklich eine Freundschaft entwickeln? Waren doch nicht alle Stars Idioten? Ich war ziemlich verwirrt. Aber nicht unangenehm.

                [Du bist immer willkommen, Emilia. Ich würde mich riesig über deinen Besuch freuen. Ich muss Dir aber sagen, dass ich erst mal nicht weg kann auch wenn Carver gerade nicht mein Problem ist.] Ich schickte die Nachricht ab und verspeiste den Rest des ersten Burgers. Auf der Hamilton Bridge kam ihre Nachricht.

                [Das weiß ich schon. Ich hab' Steve bekniet mir zu sagen, was mit dir ist.] Automatisch ging mein Blick in den Rückspiegel. Aber Steve war auf die Straße konzentriert. [Sei ihm nicht böse. Ich hab' ihm mit Drogon gedroht und hatte somit ganz schnell meine Antwort.] Ich stellte mir vor, wie sie an dieser Stelle gelacht hatte. [Nein, im Ernst. Ich hab' mir wirklich Sorgen gemacht auch wenn ich mich nicht gemeldet habe. Außerdem musste ich mich noch um ein paar Kinder kümmern. Die letzten Tage waren also richtig stressig.] Ich hob eine Braue als ich Kinder las.

                [Geht es Lola und Wolf nicht gut?] Alles andere interessierte mich nicht. Die Antwort kam sofort, gefiel mir aber ganz und gar nicht.

                [Und du sagst, du empfindest nichts für Ihn?] Brummend schrieb ich zurück.

                [Darum geht es nicht. Ich will wissen ob es den Kindern gut geht.]

                [Ja, es geht ihnen gut. Sie machen sich nur Sorgen um ihren Dad.] Auf Jason würde ich jetzt sicher nicht eingehen.

                [Gut, dann brauch' ich mir keine Sorgen zu machen.] Ich schickte die Nachricht ab und schnappte mir den zweiten Burger.

                "Wir sind gleich da." meldete sich Steve zu Wort. Kauend sah ich in den Rückspiegel und nickte. Mit vollem Mund spricht man nicht. Ich rutschte näher ans Fenster und sah hinaus, versuchte die Straße entlang zu sehen, in der ich wohnte. Steve verlangsamte die Fahrt und hielt punktgenau vor meinem Haus an. Schnell packte ich den angebissenen Burger ein und sah zu Steve, der sich nicht bewegte.

                "Danke fürs Heimbringen." lächelte ich und war überrascht, dass er mir nicht die Tür öffnete. Und im nächsten Moment wusste ich auch warum.

                "Hey, Süße." lächelte mich die gebürtige Engländerin an und reichte mir ihre Hand. Derweil stieg Steve aus und kam zur Tür.

                "Hi" sagte ich, ihr Lächeln erwidernd, und nahm ihre Hand. Vorsichtig rutschte ich zum Rand der Sitzbank und ließ mir raus helfen. Als ich aufrecht vor Emilia stand ging Steve zum Kofferraum und holte meine Tasche heraus, die Emilia ihm abnahm. Ich sah zwischen den Beiden hin und her und war geneigt das Heulen anzufangen. "Danke" sagte ich mit bebender Stimme und blinzelte zwei Tränen weg. Beide schüttelten den Kopf.

                "Nicht dafür." sagte Emilia. "Du bist mir ans Herz gewachsen." gestand sie mir, was mich noch mehr rührte. Steve reichte mir ein Taschentuch mit dem ich meine Tränen trocknete.

                "So, dann wollen wir mal." sagte er und lächelte als er sich runter beugte und mich vorsichtig hoch hob. "Es sind zu viele Stufen. Die sollten einen Fahrstuhl einbauen." Ich reichte Emilia meinen Schlüssel damit sie öffnen konnte. Dann ließ sie Steve als erstes rein und folgte uns. Kurz sah sich Steve um und nickte. "Platz ist genug." Weiter ging er mit mir die Stufen hoch bis er meine Wohnung erreicht hatte.

                "Hier." ließ ich ihn wissen, dass er für Emilia Platz machen konnte. Sie öffnete die Tür und ließ uns wieder den Vortritt. "Die letzte Tür rechts." bat ich Steve mich dort abzusetzen. Emilia schloss hinter uns die Tür und legte den Schlüssel auf den Beistelltisch neben der Tür. Steve brachte mich derweil ins Wohnzimmer und setzte mich auf der Couch ab. "Danke" sagte ich und sah zu ihm hoch. Mir liefen immer noch Tränen über die Wangen. Aber wenigstens schluchzte ich nicht mehr. Das waren jetzt Freudentränen, weil es Menschen gab, die mich mochten.

                "Immer gerne. Und wenn Sie irgendwo hin wollen…" Er machte aus seiner Hand ein Telefon und hielt es sich ans Ohr. "Anrufen."

                "Ja, ich hab's kapiert." Leise begann ich zu lachen. Dann schenkte er mir ein Lächeln und richtete sich auf.

                "Ich werde die Damen jetzt mal allein lassen." verabschiedete er sich. Ich winkte ihm hinterher, als Emilia ihn zur Tür brachte. Es dauerte nicht lange bis sie wieder zurück war und sich in der Wohnung nützlich machte. Wie eine besorgte Mutter, die ihr Kind versorgte. Sie räumte meine Tasche aus, brachte die weißen Hauschuhe ins Wohnzimmer, den Bademantel ins Bad - den hatte ich nicht benutzt – und schaltete dann eine Maschine Wäsche ein. Als sie endlich ins Wohnzimmer kam zog sie mir die Schuhe aus und stellte sie weg. Ich konnte nur dämlich drein schauen, denn Daenerys Sturmtochter, aus dem Hause Targaryen, machte sich in der drei Zimmer Wohnung nützlich.

                "Daen…äh Emilia. Du musst das nicht tun." Sie hielt inne und sah mich mit erhobener Braue an.

                "Ich weiß, aber ich möchte das tun. Du bist doch meine Freundin." Meine Freundin. Wow. Fassungslos sah ich sie an, versuchte das Gehörte zu verarbeiten, aber mit meiner momentanen Einstellung würde das noch Jahre dauern. Sie begann zu schmunzeln und setzte sich neben mich auf die Couch. Langsam, damit mein Körper nicht unnötig in Bewegung geriet. "Süße" Dabei nahm sie meine Hand. "vergiss doch mal für einen Moment wer ich bin." Sie streichelte beruhigend über meinen Handrücken. "Ich bin hier weil ich hier sein will und nicht weil ich mich gezwungen fühle. Wenn ich Zuhause bin bei meinem Mann kochen wir auch nur mit heißem Wasser. Ich bin erst berühmt, wenn ich in eine Rolle schlüpfe und die Menschen mein Spiel sehen. Ansonsten…" Sie zuckte die Schultern. "Ich würde dich so gerne mit nach L.A. nehmen. Da könnte ich mich um dich kümmern und du kannst die Sonne genießen." Sie zwinkerte mir lächelnd zu. "Und du könntest mir deine Meinung zu meinem neuen Haus sagen." Ich konnte nicht anders und begann zu lachen. Großer Fehler, denn ich bekam Schmerzen. Sofort wanderte meine Hand irgendwo hin, denn der Schmerz war überall. Dennoch lachte ich.

                "Au, au, au. Hör auf, mich zum Lachen zu bringen." Sorgenvoll sah mich Emilia an, bereit zum Sprung. "Meine Tabletten sind vorne in der Reisetasche. Bei Bedarf soll ich eine nehmen."

                "Ich hol' sie dir." sagte sie, erhob sich, wieder langsam, und eilte dann ins Schlafzimmer. Von der Couch aus hatte ich einen guten Blick auf die Zimmer. Sie kam, mit Tablette und Wasser bewaffnet, zurück ins Wohnzimmer und reichte mir beides. "Hier" sagte sie sanft. Ich nahm die Tablette und lehnte mich beruhigt zurück. Sie würde schnell wirken und den Rest über den Tag verteilt seine Wirkung ausdehnen. Die Tabletten waren wirklich klasse.

                "Danke" sagte ich und gab ihr das Glas zurück. Sie stellte es auf den Tisch und nahm wieder meine Hand. "Ich kenne dein Haus doch schon. Oder glaubst du ernsthaft, dass ich mir etwas Privates über dich entgehen lasse?" Das Haus hatte sie schon seit etwa einem Jahr. Da war die Welt noch in Ordnung. Als ich ihr das sagte hob sie eine Braue.

                "Stimmt. Ich hab' damals ein Interview gegeben." Wieder streichelte sie beruhigend über meinen Handrücken. "Aber meinst du nicht, dass es schöner wäre, wenn du es dir live ansiehst?" Langsam beschlich mich der Gedanken, dass sie mich nicht nur wegen des tollen Wetters und ihrem Haus bei sich haben wollte.

                "Das geht nicht. Venice Beach ist zwar sehr lang aber…" Ich hielt inne und besah mir eine imaginäre Fliege an der Wand. Emilia seufzte, denn ich hatte sie durchschaut. Sie löste eine Hand von meiner und hielt ihr Handy in der Hand als ich kurz zu ihr sah. Fragend hob ich eine Braue. Doch sie sagte nichts, schien etwas zu suchen, das sie auch schon gefunden hatte. Sie legte ihr Handy auf den Tisch und ließ eine Sprachaufnahme laufen, die mitten in einem Gespräch anfing.

                " …im Krankenhaus. Sie kann im Moment nicht." Das war Emilias Stimme.

                "Geht es ihr nicht gut? Ich will sie besuchen. Wann können wir fahren?" Ich sog die Luft in mich ein. Das war Lola.

                "Erst mal nicht. Tante Beth ist heute ganz lange operiert worden." Emilia erklärte ihr gerade was mit mir geschehen war.

                "Du bist gemein." Man konnte ein dumpfes Geräusch hören. Vielleicht wurde etwas geworfen. "Ich singe ihr Papas Lieblingslied vor, dann wird sie ganz schnell gesund." Wolf. Jasons Sohn.

                "Ach kommt schon. Sie braucht Ruhe. Morgen fliege ich wieder nach New York und wenn sie wieder zuhause ist versuche ich sie mit zu nehmen, damit sie sich hier erholen kann, okay?" Die Beiden schrien vor Freunde im Chor. Und damit endete die Aufnahme. Ich hatte schon bitterlich angefangen zu weinen. Bei Kindern wurde ich immer schwach.

                "Das ist nicht fair. Ihr habt die Kinder schon auf mich angesetzt." Mehr als ein Blubbern war nicht zu hören. Dennoch schüttelte Emilia den Kopf. Hatte sie mich wirklich verstanden?

                "Nein. Als er dich noch nicht kannte fanden sie deine Bilder schon unheimlich toll und wollten dich kennen lernen. Und als er ihnen dann erzählte, dass er dich kennen gelernt hatte, waren sie nicht mehr zu bremsen." Ja, sie hatte mich definitiv verstanden. Während sie mir das erzählte reichte sie mir ein Taschentuch, das ich nicht wirklich damenhaft benutzte.

                "Dann sollte ich vielleicht wirklich mit dir nach L.A. kommen. Nur weiß ich nicht, wie ich das bezahlen soll." schluchzte ich verständlicher als vorhin. Emilia hob eine Braue.

                "Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?" Ich wusste nicht worauf sie anspielte und zog die Brauen fragend zusammen.

                "Ja, natürlich ist das mein Ernst. Oder wie soll ich einen Flug nach Los Angeles von 2000 Dollar im Monat bezahlen?" fragte ich sie aufgebracht. Emilia verdrehte ihre Augen.

                "Schätzchen, ich weiß ganz genau, wen ich Freundin nenne und mir ist klar, dass du das nicht bezahlen kannst." Sie ließ mir Zeit um zu verstehen.

                "Oh" machte ich als ich verstand. "Ich möchte es dir aber zurück geben, sobald ich kann." Sie stieß die Luft aus und ließ dabei ihre Lippen flattern.

                "Wenn es dir dann besser geht… Für mich sind das Peanuts." Sie zuckte die Schultern und nahm ihr Handy zur Hand. "Hi, ihr Süßen. Ratet mal wen ihr demnächst bei mir besuchen dürft." Frech grinsend wackelte sie mit den Brauen.

                "Oh muss das sein? Die Mäuse kennen mich auswendig und ich hab'…" Ich beendete den Satz mit einem missmutigen Knurren und verschränkte trotzig meine Arme.

                "Ach, jetzt hör aber auf. Das sind Kinder, denen ich einen Wunsch erfülle." Sie blinzelte mich unschuldig an und zuckte erneut die Schultern. Derweil traf eine Sprachnachricht ein, wie ich gleich hören sollte.

                "JUHUUUUUUUUUUUUUUU. Sag Tante Beth liebe Grüße von uns und gute Besserung." Ich atmete tief durch und schloss die Augen, im Kampf mit den Tränen, die ich zurück halten wollte.

                "Na komm. Sag ihnen danke. Sie freuen sich unheimlich auf dich." Ich öffnete meine glasigen Augen und sah Emilia an. Nach einer Weile nickte ich und wartete darauf, dass sie den Aufnahmebutton drückte.

                "Hi, Ihr zwei. Danke für die Grüße. Ich weiß noch nicht genau wann, aber Tante Emilia sagt euch Bescheid, wann wir fliegen. Ich denke sobald ich die Fäden gezogen bekommen habe. Und bitte, passt auf euren Dad auf." Ich begann zu schluchzen und schüttelte den Kopf. Doch anstatt die Nachricht zu löschen ließ sie einfach den Button los. Und somit war die Nachricht bei seinem Empfänger. Ich wusste ganz genau warum ich diese Frau mochte. Und nicht nur weil sie mich gerade bemutterte.

                "Ich mach' uns einen Tee." sagte sie lächelnd, drückte mir ihr Handy in die Hand und verschwand dann Richtung Küche. Derweil traf eine neue Sprachnachricht ein. Emilia hatte das Mädchen unter Lola-Maus abgespeichert. Alleine das genügte schon, um mich wieder schniefen zu lassen. "Hör die Nachricht ab." rief sie aus der Küche. Brummend gab ich mich geschlagen und drückte auf den Playbutton.

                "Oh bitte. Nicht weinen. Wolf singt dir ein Lied wenn du da bist und ich male ganz viele Bilder für dich." Dann gab es eine kleine Pause in der man sehr leise eine männliche Stimme im Hintergrund hören konnte. "Regt Sie nicht so sehr auf." bat er seine Kinder. "Okay" sagte Lola leise. Vielleicht hoffte sie, dass ich sie nicht hören konnte. "Warum?" wollte sie wissen als wäre sie nicht gerade dabei mir eine Nachricht zu schicken. "Weil Sie immer noch sehr böse auf mich ist." Womit er Recht hatte, aber ich fand es gut, dass er den Beiden nichts verheimlichte. "Oh" sagten die Beiden gleichzeitig, was mich zum Lachen brachte. "Okay, dann keine Bilder und keine Lieder. Aber wir pflegen dich, wenn wir von der Schule wieder zuhause sind." Ich lächelte das Handy an während Lola an die Aufgaben erinnert wurde. "Oh. Ja. Erst Aufgaben." Dann kicherte sie so herrlich, dass ich sie am liebsten umarmt hätte. Dann endete die Nachricht und ich hatte schwer an dem Gehörten zu knabbern.

                "Er ist ein guter Vater. Hat den Beiden nie etwas verheimlicht. Auch nicht wie seine Gefühle für dich sind." Emilia stand in der Tür und hatte sich an die Angel gelehnt. Ich nickte und wischte mir dabei die Tränen ab. "Aber er will nicht noch mehr kaputt machen, deshalb meldet er sich auch nicht bei Dir. Er weiß durchaus, dass er nicht gut reagiert hat." Sie begann zu lachen und kam zu mir rüber. "Er hat gesagt: Wenn du mich gesehen hättest. Ich sah bestimmt aus wie ein notgeiler Arsch. Fehlte nur noch, dass mir der Sabber aus dem Mundwinkel lief. Und dann hat er die Augen verdreht und seine Stirn an die Wand geknallt. Wie du neulich." Automatisch hob ich meine Hand an meine Stirn und strich mit den Fingerkuppen darüber. Aber da war natürlich nichts mehr zu sehen oder zu fühlen. Wenn ich so darüber nachdachte stimmte das sogar mit dem notgeilen Arsch.

                "Ja, da hat er Recht. Und jetzt sag mir, dass ich falsch reagiert habe." Sie setzte an, sagte aber nichts sondern seufzte nur.

                "Nein, hast du nicht. Aber wenn du ehrlich bist war es nicht der notgeile Arsch, sondern das Chaos, das dir immer noch im Weg steht." Nun wollte ich ansetzen aber ich wurde von Emilias Handy unterbrochen. Lola hatte noch eine Nachricht geschickt.

                "Tante Beth? Geht es dir gut? Du antwortest gar nicht." Eigentlich hatte sich die Nachricht vorhin wie ein Verabschieden angehört. Zumindest für meine Ohren. Tief atmete ich durch und drückte auf Aufnahme. Emilia ging derweil wohl zurück in die Küche weil sie gleich wieder mit einem Tablett, auf dem der Tee war, zurück kam.

                "Hi Mäuschen. Tut mir leid. Ich hatte mit Tante Emilia etwas zu besprechend und hab' darüber vergessen, Dir eine Nachricht zu schicken. Ich hab' eine Idee. Lass dir von deinem Dad meine Nummer geben und schick mir von dir und Wolf ein schönes Bild. Ich hab' sicher noch vierzehn Tage Zeit. Was hältst du davon?" Ich ließ den Button los und legte Emilias Handy auf den Tisch. "Ihr macht es mir echt schwer." brummte ich und gab dann etwas Kandiszucker in meine Teetasse. Ab und zu gönnte ich mir puren Zucker, da ich über das Essen doch nicht genug Zucker bekam.

                "Ich weiß." sagte Emilia und füllte meine Tasse auf. "Manche Menschen muss man zu ihrem Glück zwingen." Frech zwinkerte sie mir zu und machte sich dann ihre Tasse zurecht.

                "Was, wenn ich das gar nicht möchte?" fragte ich sie und war gespannt auf ihre Antwort.

                "Wenn du es nicht möchten würdest, dann würdest du nicht so angeregt mit seinen Kinder sprechen. Denn zwangsläufig wirst Du ihm begegnen. Er gehört zu ihnen wie sie zu ihm. Denk mal drüber nach." Natürlich hatte sie Recht aber das wollte ich nicht zugeben. Mein Chaos sagte immer noch, dass er der Star war und ich der Fan. Auch wenn ich Emilia in meinem Leben akzeptiert hatte und Jason über alles liebte.

                "Mein Chaos will das aber nicht akzeptieren. Es ist immer noch der Meinung, dass er der Star ist und ich der Fan. Warum es Dich akzeptiert weiß ich nicht. Vielleicht weil du mich deine Freundin nennst?" Ich zuckte die Schultern und trank nochmal von meinem Tee.

                "Hmm, das kann durchaus sein." Sie sah eine ganze Weile auf den Tisch, schien zu überlegen was sie als nächstes sagen, tun oder was weiß ich was machen würde. "Okay. Ich lass dich damit in Ruhe und versuche ihn so lange wie möglich von dir fern zu halten. Erzwingen will ich es nicht auch wenn ich ganz genau weiß, wie du fühlst." Wieso musste ich ausgerechnet jetzt an die Geschichte denken, die Gabrielle Iolaus in Xena erzählt hatte? Ich schüttelte den Kopf um den Gedanken los zu werden. Natürlich entging das Emilia nicht und sah mich mit erhobener Braue an. "Stimmt was nicht?" wollte sie wissen und wartete auf eine Antwort.

                "Nein. Alles in Ordnung. Ich musste nur an eine Geschichte denken, die ich mal gehört habe." Sie wurde hellhörig und machte es sich auf dem Sessel bequem.

                "Erzähl." sagte sie strahlend und wartete wieder auf mich. Seufzend versuchte ich es mir ebenfalls gemütlich zu machen und sah in meine Tasse.

                "Vor langer Zeit sahen die Menschen anders aus. Sie hatten vier Beine und zwei Köpfe." Emilia fing genau an dieser Stelle leise an zu lachen. "Ja, so war das. Doch dann schickten die Götter Donner und Blitz herunter und spalteten alle in zwei Teile. Jede Hälfte hatte nun zwei Beine und einen Kopf. Aber nachdem sie getrennt waren sehnten sich die Hälften verzweifelt danach wieder vereint zu sein. Weil jede von ihnen eine Seele mit der anderen teilte. Und seit dieser Zeit verbringen die Menschen auf der ganzen Welt ihr Leben mit der Suche nach der anderen Hälfte ihrer Seele." Ich senkte meine Stimme damit sie wusste, dass die Geschichte zu Ende war. Dann hob ich meinen Blick wieder und sah sie an. Sie hatte tatsächlich Tränen in den Augen.

                "Ich weiß, warum du gerade an diese Geschichte gedacht hast." Sie hatte Mühe nicht zu schluchzen.

                "Ja, aber das ist die reale Welt und wir sind nicht bei 'Wünsch dir was'. Wäre schön aber so ist es nicht." Ich trank nochmal einen Schluck aus meiner Tasse. Dann sah ich auf mein Handy als sich Khal Drogo mit Mond meines Lebens meldete. "Ach Mist. Das hab' ich ganz vergessen." brummte ich und hangelte nach meinem Handy.

                "Mond meines Lebens." Natürlich wusste sie, was er sagte. Sie hatte es ja lernen müssen und diesen Satz vergaß man ganz sicher nicht mehr.

                "Ja" sagte ich ohne eine weitere Erklärung und löschte den Sound aus dem Handy. Ich wollte einen anderen Ton einstellen, musste aber fest stellen, dass ich nur seine Stimme als entsprechende Datei hatte. "Na super." Ich suchte mir aus dem Internet etwas, das mit gefiel und lud es auf mein Handy. Den Abschlussound von Audi. "Schon besser." lächelte ich zufrieden und sah mir dann an, was ich bekommen hatte. Lola hatte mir ein sehr schönes Bild von sich und ihrem Bruder geschickt und dazu noch eine Sprachnachricht.

                "Huhu Tante Beth. Glaubst du, das Bild ist schön genug? Papa sagt ja. Er hat es gemacht, hihi. Aber wir müssen jetzt ins Bett. Bist du nicht auch müde? Bei euch ist doch jetzt drei Stunden später. Naja, ich freu mich riesig auf dich. Bis morgen." In mir kam schon wieder die Frage auf wie viel Glück man haben konnte. Nun war ich dran. Ich drückte auf Aufnahme.

                "Das Bild ist wunderschön. Damit lässt sich etwas anfangen. Ja, bei uns geht es auf Mitternacht zu. Da hast du Recht. Und deshalb gehen Tante Emilia und ich jetzt auch ins Bett. Schlaft gut ihr zwei und seid fleißig in der Schule. Bis morgen." Ich ließ den Button los und sah Emilia an. "DAS bringt mich um."

 

31. Mai 2018

                Die nächsten vierzehn Tage hatte ich regen Sprachkontakt zu den Kindern des Mannes dessen größter Fan ich einmal war. Und dessen Kinder ich gemalt hatte. Ich hatte das Bild rahmen lassen und hatte es mit FedEx nach L.A. geschickt. Ich wollte es nicht im Flieger mit mir rum schleppen. Zumal es mit FedEx sicherer unterwegs war. Emilia war seit vierzehn Tagen bei mir und kümmerte sich rührend um mich, kaufte für mich ein und hatte auch schon ihren Mann von meinen Essgewohnheiten unterrichtet. Um den Sport brauchte ich mir auch keine Sorgen zu machen, sie hatte extra einen Raum dafür. Ich würde ins Paradies kommen. Aber heute ging es nach Great Neck und zu dem Arzt, der mir die vielen Fäden ziehen würde.

                "Gott, wie ich mich darauf freue." Die Ironie trifte aus meiner Stimme.

                "Du schaffst das schon. Ich bin doch bei dir." munterte mich Emilia auf während sie meinen Rucksack richtete. Die Frau kannte mich mittlerweile besser als ich mich selbst. Und auch jede Ecke meines Körpers, denn sie hatte sich der Pflege meiner sämtlichen Nähte angenommen. Sie hatte mir auch gesagt, dass von den Augen nichts mehr zu sehen war. Ich haderte immer noch mit mir, ob ich mir das Tattoo noch mal machen lassen sollte oder lieber nicht. Denn eigentlich schwebte mir ein anderes Tattoo im Sinn. Aber da war ich mir noch nicht sicher. "Und jetzt komm. Steve ist da." Ich sah über meine Schulter und begann zu grinsen. Mit Steve waren wir mittlerweile per Du. In den letzten vierzehn Tagen war er sicher acht Mal hier, um nach mir zu sehen.

                "Ich komme." rief ich und eilte aus dem Büro und zu Emilia, die mich schon erwartete. Sie half mir in meinen Mantel und gab mir dann den Rucksack. Sie ließ mich kaum noch etwas machen seit sie gesehen hatte wie viele Nähte ich hatte. Aber das würde sich ändern. Hoffte ich zumindest, denn faul war nicht mein Ding.

                "Hallo Beth. Emilia." Steve nickte uns Beiden zu und hatte schon die Wagentür geöffnet.

                "Hi Steve." begrüßten wir ihn im Chor. Kurz sahen wir uns deswegen an und begannen dann schallend zu lachen. Es war herrlich wieder lachen zu können ohne gleich Schmerzen zu haben. Ich kletterte vorsichtig in den Wagen während Emilia die andere Sitzbank ansteuerte und einen Hechtsprung darauf machte. Man merkte ihr ihre neunundzwanzig Jahre nicht an. Ich machte es mir bequem und sah Emilia, mir gegenüber, an.

                "Wenn ich ehrlich sein soll kann ich das immer noch nicht glauben." Emilia sah mich mit erhobener Braue an.

                "Was meinst du?" wollte sie wissen und holte sich aus dem Minikühlschrank ein Wasser heraus. Ich deutete zwischen uns hin und her.

                "Na wir zwei." beantwortete ich ihre Frage und reckte meine Hand nach dem Wasser. Schnell trank sie einen Schluck und gab mir dann die Flasche.

                "Liebes," machte sie mal wieder auf Erklärbär. "meine Freunde wähle ich nicht anders als jeder andere." Ich trank einen Schluck während ich ihr lauschte. "Okay, ich bewege mich in anderen Kreisen als du aber Hey. Ist doch super, dass du im Flughafen falsch abgebogen bist." Sie beugte sich zu mir und drückte mir strahlend die freie Hand. Ich musste zugeben, dass Emilia Recht hatte.

                "Ja, wenn man es so sieht…" Ich drehte die Flasche zu und gab sie ihr zurück. Dann begann ich zu lachen. "Sollte ich doch nochmal ein Kind kriegen nenne ich es Emilia."

                "Und wenn es ein Junge wird?" wollte sie wissen.

                "Auch Emilia." Breit fing ich an zu grinsen. Aber eigentlich war es traurig, denn in meinem Alter bekam man keine Kinder mehr.

                "Ladies? Wir sind da." informierte Steve uns, der die Limousine schon geparkt hatte. Überrascht sah ich mich um.

                "Das ging jetzt aber schnell." Emilia zwinkerte mir zu und stieg zuerst aus dem Wagen, um mir zu helfen auch wenn das nicht mehr nötig war. Ich sah zu Steve hoch und lächelte. "Wenn wir fertig sind, gehst du dann mit uns Essen bevor wir an den Flughafen fahren?" Wieder klimperte ich ihn rehäugig an. Er begann zu lachen.

                "Ausnahmsweise kann ich nicht. Ich muss noch etwas erledigen. Aber zum Flughafen fahr ich euch natürlich." Schmollend sah ich zu Steve hoch. "Nicht böse sein. Das ist sehr wichtig." Dann beugte er sich zu mir runter und küsste meine Wange. "Bis später. Ich warte hier."

                "Okay." gab ich mich geschlagen und nahm dann Emilias Hand, die sich jetzt verabschiedete.

                "Bis später." sagte sie und winkte ihm noch ehe sie mit mir in der Praxis verschwand.

 

                Ich fühlte mich wie durch den Wolf gedreht als wir vierzig Minuten später zu Steve zurück kehrten. Pflichtbewusst öffnete er uns die Tür und ließ uns einsteigen. Wollte ich vorhin noch essen gehen, war mir das jetzt gründlich vergangen. Ich machte mich auf dem Rücksitz lang und schlief fast sofort ein.

                "Süße" weckte mich meine neu gewonnene Freundin, mit der ich gerne angegeben hätte, hätte ich irgendwelche Bekannte. Aber da gab es niemanden.

                "Hijaaaaaaaa." gähnte ich und sah sie aus kleinen Augen an.

                "Wir sind zuhause." ließ sie mich wissen und lächelte mich an.

                "Ohje. Ich verpenne noch mein halbes Leben." Dann streckte ich mich und gähnte nochmal ausgiebig ehe ich mich zurecht machte, um dann auszusteigen.

                "Das vergeht auch wieder." tröstete mich Emilia, die zwei Tüten in der Hand hielt. Fragend sah ich auf die Tüten. "Ach, das." Sie hob die Tüten hoch. "Ich hab' uns was zu essen geholt." Samt den Tüten stieg sie aus und reichte mir ihre Hand.

                "Wann geht unser Flug?" wollte ich nochmal wissen während ich aus der Limo stieg. Steve machte hinter mir die Tür zu. Emilia zog mich sanft mit sich, dabei winkte sie Steve zum Abschied.

                "Um 18:14 Uhr." beantwortete sie mir meine Frage als ich ebenfalls nochmal winkte.

                "Ich bin um 15:30 Uhr hier." ließ Steve uns wissen, der sich jetzt in den Wagen setzte und zu seiner wichtigen Angelegenheit fuhr. Schmunzelnd sah ich der Limo hinterher.

                "Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mal mit einer Limo durch die Gegend fahre." Langsam ging ich die Treppen hoch und spürte plötzlich eine Nervosität in mir aufsteigen. In ein einhalb Stunden würde uns Steve zum Flughafen fahren.

                "Da siehst du mal wofür wir alles gut sind." Frech grinste sie und öffnete dabei die Tür zu meiner Wohnung.

                "Du bist doof." brummte ich und ging hinein. Emilia nahm es nicht krumm und fing an zu lachen.

                "Und stolz drauf." Sie zwinkerte mir zu und ging dann in die Küche, um das Essen zu richten. Keine Ahnung was sie in den Tüten hatte. "Willst du ein Glas Weißwein zu deinem Steak?" rief sie aus der Küche während ich ins Schlafzimmer ging und mich auszog, um mir die Narben anzusehen.

                "Ja, gerne." rief ich und zog gerade den BH aus. Kritisch begutachtete ich die vielen Narben, die sich über meinen ganzen Körper erstreckten. "Ich seh' aus wie ein Alien." grinste ich und strich vorsichtig über die Bauchnarbe. Von Lila bis Gelb hatte ich alle Farben auf meinem Körper. Hinter mir konnte ich Emilia hören, wie sie zu mir ins Schlafzimmer kam. Sie stellte sich hinter mich und sah mir über die Schulter in den Spiegel.

                "Du wirst wunderschön aussehen, wenn das alles vorbei ist." Dann fing sie an zu grinsen und hielt das halbe Ganzkörperkondom hoch, das ich die nächsten vier bis sechs Wochen tragen musste. Murrend verdrehte ich die Augen und nahm ihr das Ding ab.

                "Dein Wort in Gottes Ohr." brummte ich und zog meinen BH wieder an ehe ich in diese merkwürdige Hose stieg. Emilia half mir hinten das Ding hoch zu ziehen. Es saß erstaunlich gut und drückte nichts ab. Ich drehte und wendete mich vor dem Spiegel und strich über meine Figur, die endlich nach Figur aussah. "Achtundvierzig Jahre alt und Größe achtunddreißig! Schaffen nicht viele." sagte ich stolz und zog den Rest meiner Klamotten an.

                "Hast du eigentlich ein Bild gemacht bevor du angefangen hast abzunehmen?" fragte sie während sie an mir herum zuppelte. Ich nickte.

                "Klar. Den Unterschied wollte ich fest halten für den Fall, dass ich die Diät durchhalten würde." Ich ging an meinen Rucksack um mein Handy heraus zu holen und suchte das Bild, das ich vor über einem Jahr gemacht hatte. Ich hielt es Emilia hin, deren Braue sofort hoch zuckte. "Ja, so hab' ich ausgesehen nachdem ich aufgehört hab' zu rauchen." Gemeinsam sahen wir uns eine Weile das Bild an ehe sie mich in den Arm nahm.

                "Das ist Vergangenheit. Du kannst sehr stolz auf dich sein." Ich gab ihr ein Küsschen auf die Wange und ging dann ins Wohnzimmer.

                 "Und alles nur, weil meine Con-Karte verkauft wurde." Lachend ließ ich mich auf die Couch fallen. Sie war in die Küche gegangen und hatte unser Essen geholt.

                "Und wieso?" wollte sie wissen, als sie alles richtete und dann noch die Weingläser holte. Ich erzählte ihr die Geschichte und machte mich dabei über mein Essen her. "Ein Spiegelbild." begann sie zu lachen. "Was es nicht alles gibt? Guten Appetit." schmunzelte sie, als sie mich schon den ersten Bissen in den Mund schieben sah.

                "Mhm" machte ich und nickte dazu. Mit vollem Munde wurde nicht gesprochen. "Guten Appetit." sagte ich letztendlich und versuchte den Teller zu leeren. Aber es war viel zu viel für meinen kleinen Magen. Dennoch freute sich Emilia, dass ich, für meine Verhältnisse, gut gegessen hatte. "Hör endlich auf mich zu bemuttern. Das ist ja schlimm." Ich fing an zu lachen und lehnte mich auf der Couch zurück. Ein Esstisch fehlte mir gerade sehr.

                "Lass mich. Ich muss doch üben." grinste sie und leerte ihren Teller. Früher hatte ich auch so viel essen können und mehr. Dann saßen wir noch eine Weile da und ließen das Essen sacken, aber viel Zeit konnten wir uns nicht lassen. Steve hatte Emilias Koffer schon in seinem Wagen. Fehlte nur noch meiner, von dem ich ahnte, dass ich etwas vergessen hatte. Lange stand ich vor dem geschlossenen Koffer und überlegte.

                "Die Creme für die Narben ist drin?" wollte ich wissen.

                "Ja"

                "Die Hausschuhe?"

                "Jaha" Ich verdrehte meine Augen bei dieser Antwort.

                "Ich bin mir sicher, dass ich irgendwas vergessen habe." Aber mir wollte partout nicht einfallen was es sein könnte. Ich seufzte und zog den Koffer hinter mir her. Er war viel zu leicht. Okay, den letzten Koffer hatte ich mit wesentlich mehr auf den Rippen hinter mir her gezogen.

                "Komm jetzt!" hetzte sie mich plötzlich. Ich sah auf die Uhr und zischte auf.

                "Bin doch schon da." Sie zuckte herum und hob eine Braue. Ich hingegen strahlte sie an. Wieder schien ihr was auf der Zunge zu brennen, das sie runterschluckte und mit einem Lächeln quittierte.

                "In sechs Monaten versohl' ich dir den Hintern. Das ist ein Versprechen." Ich hob eine Braue und versuchte nicht los zu lachen.

                "Ist okay." meinte ich, als wir endlich die Treppen runter gingen und ich Steve meinen Koffer übergab. Eilig stieg ich ein und machte es mir auf der Rückbank gemütlich. Wieder spürte ich Nervosität in mir aufsteigen, weshalb ich anfing meine Finger zu kneten. Steve fädelte bereits in den Verkehr ein, als sich Emilia neben mich setzte und meine Hände nahm.

                "Ganz ruhig. Wir fliegen nach Los Angeles und fahren dann zu mir nach Hause. Heute, beziehungsweise morgen, passiert noch nichts." Ein wenig ängstlich sah ich ihr in die Augen und nickte. Dann nahm sie mich in den Arm und wog mich sanft. Ich hatte das Gefühl schon wieder einschlafen zu müssen.

                "Ich schlaf gleich ein." murmelte ich an ihren Hals. Sie löste sich etwas und sah zu mir runter.

                "Dann schlaf doch. Es dauert noch etwas bis wir am Flughafen sind." Grinsend packte sie mir meinen Kopf wieder an ihre Schulter und fing an ihn übertrieben fest zu streicheln.

                "Emilia!" knurrte ich sie an, denn mein Haar lag bereits kreuz und quer vor meinem Gesicht.

                "Oh" machte sie und kicherte diesen süßen Ton hinterher. Dem konnte ich nicht widerstehen und schloss meine Augen. Ich träumte in der kurzen Zeit von den Kindern, die mich in Beschlag nahmen und mich auf meine alten Tage forderten. Und dann tauchte ER auf, kam auf mich zu gelaufen und sah zu mir runter. "Bethany" säuselte ihre süße Stimme in mein Ohr und holte mich weg von Mann und Kindern. Überdeutlich knurrte ich.

                "Wir sind da, richtig?" Emilia hob eine Braue und nickte dabei. Steve war schon ausgestiegen und öffnete uns die Tür. Ich streckte mich ausgiebig und gähnte dabei. "Hoffentlich kann ich im Flieger noch etwas schlafen." brummte ich weil mir das Spielen mit den Kindern so unheimlichen Spaß gemacht hatte. An Jason wollte ich absichtlich nicht denken.

                "Mit Sicherheit. Zumindest bis wir umsteigen müssen." Richtig. Einen Zwischenstopp hatten wir. Steve hatte einen Kofferwagen für uns geholt, auf den er jetzt unsere Koffer stellte. Dann sah er uns beide an, als würde er seine Kinder anschauen. Dabei war er fünf Jahre jünger als ich. Dann legte er seine Hände auf unsere Schultern und sah uns ernst an.

                "Passt auf Euch auf. Und du," Er sah mich dabei an. "erhol' dich gut. Ich bin mir sicher, dass Emilia dir eine schöne Zeit machen wird." Dann knuddelte er uns kurz und entließ uns aus seiner Umarmung. Emilia meldete sich zuerst.

                "Das werde ich. Verlass dich drauf." versicherte Emilia ihm. Steve war uns wirklich ein treuer Freund geworden.

                "Mach' ich auf jeden Fall. Ich halte Dich auf dem Laufenden. Versprochen." Dann drückte ich mich wieder auf meine Zehen um ihm ein Küsschen zu geben. "Bis" Ich musste tatsächlich überlegen. Dann schüttelte ich den Kopf und zuckte die Schultern. "irgendwann." Ich winkte ihm noch zu während ich schon mit Emilia den Terminal entlang lief um unseren Check-In zu finden. Eilig gingen wir an Leuten vorbei, die uns, besser gesagt, Emilia hinterher sahen.

                "Das ist doch Daenerys Targaryen." Konnte ich hier hören.

                "Khaleesi" raunte jemand dort. Ehrfurcht stieg in mir auf, dass ich mit dieser Frau befreundet sein durfte. Sie hingegen hatte gerade kein Ohr für die Feststellungen von Fans, die ihr hinterher sahen.

                "Da. American Airlines." sagte sie und schob uns in die Reihe der Wartenden. "Siehst Du? Auch ich muss warten." Mittlerweile lernte ich, dass sie wirklich nur ein Mensch war der, genauso wie ich, auch seine Probleme hatte. Vielleicht zwanzig Minuten später standen wir vor der jungen Dame, die Emilia fasziniert ansah. Emilia stellte die Koffer aufs Band, damit die Frau, sie fertig machen konnte und dann zum Verladen schickte. Immer noch starrte sie Emilia an, als sie nach Handgepäck fragte. "Zwei Rucksäcke." sagte Emilia freundlich. Die Tickets hatte sie schon vorgelegt.

                "Okay. Gate drei." sagte sie lächelnd und gab Emilia die Tickets zurück. "Ihr Flug geht in neunzig Minuten." ließ sie uns noch wissen.

                "Danke" sagte Emilia, schnappte sich den Stift der Angestellten und schrieb ihr ein Autogramm auf einen Zettel. Und dann liefen wir auch schon zum Gate und machten es uns in einer abgelegenen Ecke bequem. So konnte uns keiner direkt sehen. Dann sah mich Emilia an. "Glaub mir. So toll ist das nicht. Besonders wenn ich es eilig habe." Ich konnte mir das natürlich nicht vorstellen, war ich schließlich nur für einen Moment berühmt gewesen.

                "Ich würde ja gerne etwas sagen, aber mir fällt gerade nichts ein." Ich grinste sie verlegen an und hob entschuldigend die Arme.

                "Schon okay. Ich verlange nicht, dass du das nachempfinden kannst." Sie lehnte sich zu mir rüber und lächelte mich an. "So wie du bist, bist du genau richtig. Und lass dir bloß nichts anderes einreden." Beruhigt lehnte ich mich auf der Sitzgelegenheit an und schloss für einen Moment die Augen, aber entspannen konnte ich nicht. Hier war es viel zu laut. Ich wurde vom Audi-Sound aus meiner Ruhe geholt. Schnaufend holte ich mein Handy aus dem Rucksack und sah nach wer was von mir wollte.

                "Früher war das so schön." sagte ich laut und seufzte. "Niemand hat mich gestört. Ich hab' immer andere angerufen, wenn es sein musste." erzählte ich vor mich hin während Emilia mir lauschte.

                "Kleiner Einblick, wie es mir immer geht." schmunzelte sie mich an und besah sich dann ihr Handy. Derweil sah ich mir die Nachricht an, die ich bekommen hatte und fing an zu lächeln. Ich drückte auf den Playbutton und hörte mir an, was Lola zu sagen hatte.

                "Huhu Tante. Bist du schon im Flieger? Bringst du das Bild mit? Bringst du uns was mit?" Leise fing ich an zu lachen. Emilia hatte sich auf meine Nachricht konzentriert und betrachtete mich wieder, wie ein Professor sein Studienobjekt. Ich drückte auf Aufnahme.

                "Hi Mäuschen. Nein, wir sitzen noch im Terminal. Unser Flug geht in einer Stunde. Das Bild ist schon auf dem Weg zu euch. Ich wollte es nicht im Flieger mit mir rum schleppen. Und euch etwas mit bringen? Das muss ich mir schweeeeer überlegen." Grinsend ließ ich den Button los und sah Emilia an. Aber sie kam nicht mehr dazu etwas zu sagen. Unser Flug wurde aufgerufen.

                "Die Gäste des Fluges 285 nach Dallas bitte zu Gate drei." Ich hatte nach oben gesehen als wäre da die Dame, die diese Durchsage machte. Wenn es überhaupt eine reale Person war.

                "Das sind dann wohl wir." Ich blieb noch einen Moment stehen und sah sie schmunzelnd an.

                "An dem Gate seid ihr angekommen." erinnerte ich sie an die Convention. Langsam verstand sie und nickte.

                "Richtig. Hier hab' ich dich zum ersten Mal gesehen." Sie drückte mir ein Küsschen auf die Wange und zerrte mich auch schon mit. "Los. Ich will noch shoppen gehen." grinste sie breit und eilte, mit mir im Schlepptau, zum Gate. Shoppen. Abwesend gab ich dem Herrn meinen Rucksack, die Tickets hatte Emilia an sich genommen. Unsere Sachen wurden durchleuchtet und dann gingen wir durch den Metalldetektor, der bei meinen Ohrringen anschlug. Nochmal wurde ich mit dem Handgerät überprüft und dann konnten wir weiter. Ich versuchte mit ihr mitzuhalten, als sie zu den Shops eilte. Aber noch war ich nicht ganz hergestellt.

                "Emilia. Mach' bitte langsam." bat ich sie. Emilia blieb sofort stehen und sah mich besorgt an.

                "Hey. Tut mir leid. Ich hab' nicht mehr dran gedacht." Sie sah sich kurz um. "Komm, da kannst du dich hinsetzen." bot sie mir an und brachte mich zu der Sitzbank. "Ich bin gleich wieder da." lächelte sie und war auch schon in einem der Shops verschwunden. Derweil sie ihre Kreditkarte belastete besah ich mir mein Handy. Ich hatte Lolas Nachricht verpasst.

                "Och. Wenn du da bist, bin ich schon lange im Bett." Wie süß sie schmollen konnte. Und dann hörte man im Hintergrund Jason, der wohl gerade das Bild bekommen hatte. Ich fand es mit FedEx am sichersten und am schnellsten. "Es ist da! Es ist da!" rief Lola. Und dann konnte man hören wie sie mit dem Handy rannte. Ich musste lachen. "Wolf?" konnte ich Jason hören wie er seinen Sohn rief. "Komm her. Tante Beth hat das Bild geschickt – Kommt sie nicht? – Doch. Sie ist schon im Terminal. – JUHUUUUUUUUUUUUUUU" Und dann endete die Sprachnachricht. Lachend schüttelte ich den Kopf und stellte das Handy auf stumm. Lange würde es nicht mehr dauern bis wir einsteigen konnten. Eine Nachricht schickte ich aber doch noch hinterher.

                "Schätzchen, ich mach jetzt das Handy aus. Wir können bald in den Flieger. Fühlt euch geküsst und gedrückt. Hab' euch lieb." Ich ließ den Button los und schaltete das Handy aus. Die Maschinen konnten das heute zwar viel besser verarbeiten als früher, aber ich wollte nichts riskieren. In L.A. warteten schließlich zwei umwerfende Kinder auf mich. Ich sah wieder zu dem Laden, den Emilia betreten hatte und wie sie nun mit ein paar kleinen Tüten heraus kam.

                "Die Jagd verlief bestens." feierte sie ihren Einkauf und setzte sich neben mich, um mir ihre Beute zu zeigen.

                "Die Gäste des Fluges 285 nach Dallas bitte zum Gate." Ich rätselte immer noch ob es eine echte Person war oder nur ein Computer. Dann schulterte ich meinen Rucksack und erhob mich von der Bank während Emilia eine kleine Schachtel öffnete und etwas aus Silber heraus holen wollte.

                "Komm schon. Ich möchte den Flug nicht verpassen." Und nun war ich es, die sie mit sich zog. Emilia behielt die Schachtel in der Hand bis wir den Wartebereich erreicht hatten. Dann schob sie mich nach links zum VIP-Raum. Mit erhobener Braue ließ ich mich von ihr rein ziehen und sah mich zwischen lauter Schlipsträgern und Miranda Priestleys, die mich wie ein Insekt anstarrten. Und so kam ich mir auch vor. Wie etwas Ekliges, das man töten musste. Immer noch sah ich zwischen den Damen und Herren hin und her, als ich mich entschied, nicht das Insekt zu sein, das die gerne getötet hätten. Ich hob eine Braue und verschränkte meine Arme. "Neidisch?" fragte ich in die Runde, die sich sofort leise zu echofieren begann. "Die Hose gibt's bei RMP für sechsundneunzig Dollar." Ich drehte mich herum und wackelte mit dem strammen Hintern. "Kann ich nur empfehlen." Emilia sah mich sehr überrascht an und begann zu kichern.

                "Miss O'Keefe, die erste Klasse wartet auf Sie." Emilia machte auf Fluglotsen und wies mit der flachen Hand Richtung der gerade geöffneten Türen. Nochmal warf ich diesen Warmduschern einen vernichtenden Blick zu ehe ich Emilias Hand nahm und ihr ein Lächeln schenkte.

                "Macht jetzt schon Spaß." grinste ich breit und ging mit ihr den Flur entlang.

                "Guten Abend." sagte die Flugassistentin lächelnd und nahm unsere Tickets in Empfang, die sie prüfte. "Hier links. Plätze sieben und acht." Dabei gab sie uns die Tickets zurück und winkte uns vorbei. Ich konnte nichts sagen weil ich so überwältigt von allem war. Erstens bin ich noch nie geflogen und zweitens schon gar nicht in der ersten Klasse. Mit großen Augen sah ich mich um und fing an alles zu befühlen, wie ein Kleinkind, das seine Welt entdeckt.

                "Wow" sagte ich beeindruckt und suchte die Plätze sieben und acht. Da es hier nicht so viele Sitze gab hatte ich sie schnell gefunden. "Willst du am Fenster sitzen oder darf ich?" Unhöflich wollte ich nicht sein.

                "Setz dich ruhig ans Fenster. Ich kenne das alles schon." Dann zog sie noch das ein oder andere aus ihrem Rucksack, der von einer Stewardess verstaut wurde. Die vielen kleinen Tütchen hatte sie immer noch an ihren Fingern hängen. "Oh" machte sie, als es ihr auffiel. "Die hab' ich ganz vergessen." Sie nahm sie von ihren Fingern und übergab sie der Stewardess, die auch dafür einen Platz fand. Ich hingegen zog einen A4 Zeichenblock und ein kleines Mäppchen aus dem Rucksack ehe ich ihn zum Verstauen gab und mich dann ans Fenster setzte. Sofort nahm ich den Tisch vor mir in Beschlag und richtete mir Bleistifte und Radiergummi. Emilia sah mir fasziniert zu. "Liebes, die Sachen solltest du noch in dem Mäppchen lassen, bis wir in der Luft sind." Fragend sah ich sie an.

                "Warum?" Sie hob tatsächlich eine Braue.

                "Weil du in deinen Sitz gedrückt wirst, wenn der Pilot Gas gibt. Und deinen Stiften wird es nicht anders ergehen." Mit dieser Erklärung konnte ich leben.

                "Okay" Ich packte alles wieder zusammen und suchte etwas wo ich die Sachen verstauen konnte. Emilia zeigte mir eine Tasche unter dem Fenster, in die ich meine Sachen packte. Dann zeigte mir Emilia wie ich mich anschnallten musste. Derweil ging die Stewardess durch die Reihen und versicherte sich, dass es allen gut ging. War ich gerade noch ruhig machte mich diese Untätigkeit wieder nervös. "Wann geht es denn los?" fragte ich Emilia leise, die die Schultern zuckte.

                "Lange kann es nicht mehr dauern." Sie sah auf ihre Uhr und nickte. Dann ging auch schon die Vorführung der Sicherheitsmaßnahmen los und wie man was benutzten musste. Meiner Nervosität half das nicht.

                "Sehr geehrte Fluggäste. Mein Name ist James Hiller. Ich bin ihr Pilot auf dem Flug New York Dallas. Außentemperatur ist bei angenehmen vierundsiebzig Grad Fahrenheit, Luftfeuchtigkeit zehn Prozent. Wir rechnen nicht mit Regen. Bitte schnallen sie sich an. Wir starten in wenigen Minuten. Vielen Dank." Wieder sah ich hoch, als könnte ich dort den Piloten sehen.

                "Ist das immer so?" Ich sah Emilia an, die nickte.

                "Ja, immer." stimmte sie mir zu und holte dann die kleine Schachtel hervor, die sie vorhin schon kurz geöffnet hatte. Jetzt konnte ich sehen, dass da silberne Plugs drin lagen. Sie nahm einen heraus und drehte ihn so, dass ich die Gravur sehen konnte. Man hatte peinlich genau einen Wolfskopf darauf graviert. "Ein kleines Geschenk für dich." sagte sie und gab mir den Plug, den ich sofort auswechselte. Ich hielt ihr mein Ohr hin, damit sie den Plug ausrichten konnte. "So. Jetzt stimmt es." Dann gab sie mir den Zweiten und auch diesen richtete sie aus nachdem ich ihn durch mein Ohr geschoben hatte.

                "Danke. Sie sind wunderschön." Plötzlich fiel mir der Gürtel ein, den ich eigentlich zurück schicken wollte. Ich wusste noch, dass ich den Termin für den nächsten Tag gemacht hatte. Aber ob ich das Paket auch... "Verdammt!" Ich hielt mir die Faust an den Mund und drückte meine Zähne auf den Knöchel meines Zeigefingers. Emilia sah mich fragend an während sie die Schachtel zurück in ihre Jacke schob. Ich schnaufte mal wieder genervt aus weil ich nicht wusste ob ich den Gürtel verschickt hatte. "Ach Mister Martin hat mir einen Gürtel geschickt, den ich mir gerne auf der Con gekauft hätte, aber für meinen Geldbeutel viel zu teuer war. 999 Dollar." erzählte ich ihr die Kurzfassung. "Natürlich wollte ich das Ding wieder zurück schicken und hab' auch einen Termin zur Abholung gemacht. Aber ich weiß beim besten Willen nicht mehr, ob ich das Paket auch weg geschickt habe." In diesem Moment setzte sich die Maschine in Bewegung. "Ho!" machte ich überrascht und hielt mich krampfhaft an den Armlehnen fest. Emilia kicherte neben mir. "Was?" wollte ich wissen.

                "Wir fahren auf die Rollbahn. Vielleicht fünfzehn Meilen pro Stunden." Ich richtete meinen Blick aus dem Fenster und sah zu, wie wir das Gate verließen.

                "So fühlt man sich also." sagte ich gegen die Scheibe, die leicht anlief.

                "Ja und es ist einfach nur klasse." Ich sah über meine Schulter hinweg Emilia an und hob eine Braue.

                "Wenn wir in Dallas sind, gebe ich mein Urteil ab." Der Pilot bog auf die Rollbahn ein und blieb dann kurz stehen. Trocken schluckte ich und wurde plötzlich in den Sitz gedrückt. Die Maschine kam in Fahrt und hob vielleicht zehn Sekunden später ab. Eigentlich sollte ich jetzt meinen Magen spüren, der sich senkte, aber die Schmerzen, die mir die Nähte verursachten waren schlimmer. "Ich brauch' meine Tabletten." zischte ich Emilia an und kniff dabei die Augen zusammen. Emilia sah mich sorgenvoll an.

                "Ich kann sie dir jetzt nicht geben. Wir sind im Steigflug. Versuch' es auszuhalten." Dabei nahm sie meine Hand und streichelte beruhigend meinen Handrücken auch wenn das nicht wirklich half. Ich nickte nur. Tränen liefen meine Wangen entlang, doch ich blieb tapfer still. Gute zehn Minuten. Oder zwanzig? Ich konnte die Zeit nicht einschätzen bis wir uns endlich abschnallen durften. Ich hatte Mühe mit der Atmung, bildete sich auf meinen Nähten Druck, der nun langsam aufhörte. Trotzdem tat es weh und nochmal wollte ich das nicht erleben. Emilia schnallte mich ab und holte meinen Rucksack aus dem Fach. Sie gab mir zwei Tabletten und ließ sich von der Stewardess Wasser geben. Diese Tabletten waren einfach großartig.

                "Sehr geehrte Fluggäste. Wir haben die Höhe von 39.000 Fuß erreicht. Ich wünsche noch einen angenehmen Flug." Ich versuchte aufzustehen, da ich auf Toilette wollte, aber irgendwie schien ich am Sitz fest zu kleben.

                "Was ist denn jetzt los?" Hilfesuchend sah ich meine Freundin an.

                "Das ist nichts Abnormales. Dein Körper denkt, er wird noch runter gedrückt. Gib dir noch ein bisschen Zeit." erklärte sie mir und vertiefte sich dann in eine Lektüre, die sie auf ihrem Pad hatte. Auch damit gab ich mich zufrieden und holte den Block und das Mäppchen heraus, das ich jetzt endlich entleerte. Allerdings hatte ich keinen blassen Schimmer, was ich zeichnen sollte. Also mümmelte ich mich in meinen geräumigen Stuhl und dachte eine Weile nach. Mir kam eine nette Idee zu den Plugs, die mir Emilia geschenkt hatte. Also machte ich mich daran meine Hand zu zeichnen, wie ich die Plugs in der Handfläche hielt und Emilias Finger auf meinen lagen.

                Kurz bevor wir Dallas erreichten schloss ich den Block, räumte alles ein und schob die Sachen wieder in die Tasche unter dem Fenster. Es war ein sehr ruhiger Flug gewesen und deshalb kam ich mit dem Bild auch so gut voran. Fasten Seat Belt leuchtete mit einem Begleitton auf. Diesmal schnallte ich mich selbst an. War doch nicht so schwer wie ich dachte. Emilia erklärte mir, dass wir jetzt etwa eine Stunde Aufenthalt hatten bis wir weiter nach L.A. fliegen würden.

                Der Terminal, in dem wir warteten, fand ich jetzt nicht so toll, aber für eine Stunde konnte man es hier aushalten. Ich musste hier ja nicht einziehen. Einziehen würde ich vorerst bei Emilia. In dieses wunderschöne Haus am Venice Beach. Ich konnte für diesen Monat mit angenehmen zweiundzwanzig Grad rechnen. Ein perfekter Ort um sich zu erholen. Vielleicht könnte ich mit den Kindern spielen, im Sand rum tollen oder eine Sandburg bauen. Mir fielen so viele Dinge ein, die ich als Kind gerne getan hätte aber keine Möglichkeit dazu hatte. Während ich so darüber nach dachte, was ich mit den Kindern alles machen konnte zog ich mein Handy aus meinem Rucksack und schaltete es ein. Emilia beobachtete mich still, was ich aus dem Augenwinkel sehen konnte.

                "Hast du auch wirklich nichts vergessen?" wollte sie wissen als ich gerade Lolas Chat öffnete. Stirnrunzelnd sah ich sie an.

                "Was meinst du?" hakte ich nach bevor ich mir etwas Falsches vorstellte.

                "Na, etwas für die Kinder." Also war ich doch richtig.

                "Ja, hab' ich. Ist im Koffer." Dann sah ich nachdenklich nach unten und fragte mich, ob ich das Richtige gewählt hatte. Für Lola hatte ich ein Silberarmkettchen gekauft, das als einzigen Anhänger das Wappen von Hawaii trug. Ein weiteres Wappen würde ich am Flughafen in Los Angeles kaufen. Oder nein, wenn ich mit den Kindern Spazieren gehen würde. Am Venice Beach gab es sicher hübsche Läden, in denen man sowas kaufen konnte. Und für Wolf hatte ich mir einen Plüschteddy ausgesucht, der mit NY bestickt war. Aber wenn ich jetzt so darüber nach dachte kamen mir die Sachen ziemlich banal vor für Kinder mit so einem berühmten Vater. Lediglich die Flip Flops fand ich angemessen. Warum ich sie gekauft hatte war mir schleierhaft, aber unhöflich wollte ich auf keinen Fall sein.

                "Die Gäste des Fluges 1375 nach Los Angeles bitte zu Gate eins." Kurz sah ich nach oben.

                "Die hören sich alle irgendwie gleich an." schmunzelte ich und schrieb Lola eine Nachricht.

                [Hallo Süße. Unser Flug wurde gerade aufgerufen. So gegen 23.30 Uhr meine Zeit werden wir am Flughafen ankommen. Da gehst du gerade ins Bett. Wir sehen uns dann morgen. Schlaf gut und träum schön.] Ich schickte die Nachricht ab und schulterte dann meinen Rucksack.

                "Und was hast du jetzt für die Kinder?" wollte Emilia wissen. Mir wurde mulmig im Magen. Während Emilia dem Typen unsere Tickets zeigte zählte ich auf:

                "Einen Teddy mit NY für Wolf und ein Armband mit dem Wappen von Hawaii für Lola." Sie konnte hören, dass ich nicht zufrieden mit den Sachen war.

                "Das sind tolle Einfälle. Die Kinder werden sich freuen." Überrascht sah ich sie an.

                "Meinst du?" hakte ich skeptisch nach. Emilia nickte als ich gerade nochmal, wegen meinen Ohrringen, auf Metall gescannt wurde.

                "Auf jeden Fall. Ich glaube es ist eh egal, was du mit bringst. Es ist von dir und sie freuen sich so sehr auf dich." Ihr Lächeln war mal wieder umwerfend und ansteckend.

                "Okay. Überredet." Ich hakte mich bei ihr unter und lief mit ihr den Gang entlang auf die VIP Lounge zu, in der ich erneut wie ein Insekt begutachtet wurde. Wieder konnte ich mir einen Spruch nicht verkneifen.

                "Wäre ich Madonna würde es euch nicht interessieren wie sie aussieht." Diesmal war ich angesäuert. Emilia zog mich zu den Türen, die uns vom Flugzeug trennte. "Was denn? Ist doch so." brummte ich und warf den Leuten nochmal einen Blick zu.

                "Lass sie doch kucken. Die sind nur neidisch, dass sie nicht so cool aussehen wie du." Ich hob eine Braue, lehnte mich etwas zur Seite und sah Emilia skeptisch an.

                "Wärst Du nicht meine Königin würde ich dich fragen, ob du mich verarschen willst." Grinsend schob sie mich von der Tür weg, die gerade geöffnet wurde.

                "Natürlich tu ich das. Wäre ja langweilig wenn ich es nicht mehr machen würde." Schulterzuckend ging sie mit mir den Gang entlang und gab vorne die Tickets ab.

                "Hier rechts, bitte. Die Plätze drei und vier." lächelte die Stewardess und wies mit der Hand in die entsprechende Richtung ehe sie sich dem nächsten Gast widmete. Ich musste schon beim Anblick der bequemen Sessel gähnen. Für mich war es schon ziemlich spät. Also nutzte ich die ein einhalb Stunden Flug und schlief bis wir gelandet waren.

                Der Weg zur Kofferausgabe hatte etwas Seltsames an sich. Ständig hielt ich Ausschau nach jemandem, der sicher nicht da war. Wie ich damals, als ich falsch abgebogen bin. Aber niemand stand hier und filmte unsere Ankunft. Meine innere Uhr sagte mir, dass es zwanzig vor zwölf, sprich Mitternacht, aber laut Zeitzone es erst zwanzig vor neun war. Aber das war mir egal. Zuhause würde ich auch erst jetzt ins Bett gehen. Und hier? Naja, dann war ich eben früher wach. Völlig übermüdet zog ich den Koffer hinter mir her, trottete neben Emilia her, die immer wieder ein Auge auf mich warf für den Fall, dass ich beim Gehen einschlief. Jedenfalls hätte ich es so gemacht. Und dann war ich hell wach.

                "Ich hab' meinen Stick vergessen!" rief ich aus und stampfte auf den Boden. "Verdammt!" War ja klar, dass es mir einfallen würde wenn es bereits zu spät war. Aber wofür brauchte ich den wertvollsten Stick der Welt? Wenn ich wirklich ehrlich zu mir war brauchte ich doch nur mit den Fingern zu schnippen und hatte wovon ich immer geträumt hatte.

                "Beruhig dich, Süße. Wir besorgen dir morgen einen." versuchte sie mich zu beruhigen und schob mich dabei zu einem Wagen, den ich ganz sicher nicht als Taxi identifizierte.

                "Okay" gähnte ich und ließ mich auf den Rücksitz bugsieren. Eine Stretch-Limo war es nicht aber dennoch nicht weniger gemütlich.

                "In etwa einer halben Stunde sind wir bei mir." flüsterte sie mir noch zu ehe ich wieder vor den Altar trat, um Jason zu heiraten.

 

01. Juni 2018

                Brummend wachte ich am nächsten Tag auf und sah mich in dem Zimmer um, das eindeutig nicht meines war. Ach richtig. Das war Emilias Zuhause. Auf einer Uhr, die links neben mir auf einem Nachttisch stand, konnte ich 8:27 Uhr lesen. Aber für das Umrechnen, wie lange ich jetzt geschlafen hatte, war ich noch zu müde. Langsam klärte sich mein Verstand und jetzt hörte ich Geräusche im Haus. Irgendjemand ließ Friends von Justin Bieber laufen. Auf meiner Playlist würde danach Exs and Ohs vom Elle King kommen. Gähnend streckte ich mich und rappelte mich dann auf. Und wie immer hielt mich die Bettdecke fest.

                "Du lässt mich sofort los!" motzte ich und fing an mit der Decke zu kämpfen. Als ich sie endlich abgeschüttelte hatte stand Emilia im Zimmer und grinste.

                "Guten Morgen, Sonnenschein." strahlte sie mich an und kam auf mich zu, um mir ihre Hand zu geben. "Ich hab' deinen Koffer gestern noch ausgeräumt und deine Hygieneartikel hier ins angrenzende Bad gestellt." Sie beugte sich zu mir und flüsterte: "Gehört ganz alleine Dir." Ich hob eine Braue und sah sie an. Ein Bad ganz für mich alleine. Meine Gedanken waren wohl ziemlich laut, denn sie nickte. "Hier gibt es drei Bäder." ließ sie mich wissen ehe sie mir zeigte wo alles war. Meine Klamotten, das Bad und den Rest würde sie mir nach dem Frühstück zeigen.

                "Ich beeil' mich." Nochmal gähnte ich und verschwand dann im Bad, das sicher dreimal so groß war wie mein eigenes. Könnten auch viermal sein. Nach etwa zwanzig Minuten stand ich wieder in meinem Zimmer und zog mich an.

                "Bist du soweit?" rief Emilia von wo auch immer und kam schon den Gang entlang, der zu meinem Zimmer führte.

                "Ja, bin fertig." antwortete ich und ging ihr ein Stück weit entgegen.

                "Komm, wir sitzen auf der Terrasse." Meine Braue sprang hoch.

                "Wir?" wiederholte ich.

                "Ja. Mark, du und ich." Ach richtig. Ihren Mann hatte ich ganz vergessen. Dann setzten wir uns wieder in Gang, um raus auf die Terrasse zu gehen, die einen herrlichen Blick auf den Pazifik hatte. Dachte ich zumindest. Mark stand sofort auf, um mich zu begrüßen.

                "Hi. Ich bin Mark. Freut mich dich kennen zu lernen." Dabei reichte er mir seine Hand.

                "Hi. Freut mich ebenso. Ich bin Beth." lächelte ich ihn an, schüttelte seine Hand kurz ehe ich mich setzte und schon Sachen sah, die für mich gekauft worden waren. Emilia setzte sich neben mich und Mark mir gegenüber. Wenn ich an Mark vorbei sah konnte ich lediglich Gebüsch sehen. Mark sah wohl meinen Blick und drehte sich auf seinem Stuhl um, um zu sehen, was dort war. Fragend sah er mich an.

                "Ich dachte man könnte von hier aus das Meer sehen." erklärte ich ihm während Emilia mir einen Kaffee einschenkte.

                "Ach richtig. Du warst ja noch nicht hier. Wir wohnen nicht direkt am Meer." erklärte sie mir.

                "Wenn wir gefrühstückt haben können wir ja an den Strand fahren und spazieren gehen." schlug Mark vor. "Emilia kann dir das Haus auch später noch zeigen." Emilia sah mich fragend an.

                "Gern" freute ich mich auf diesen Ausflug. Aber jetzt musste ich meinem Magen erst mal was zu tun geben.

 

                Emilia hatte mir ein hübsches zart blaues Sommerkleid gegeben, das ich für den Strand anziehen konnte. Es war Blickdicht und würde die Hose, die ich noch eine Weile tragen musste, gut verbergen. Ich und Blau. Früher ja, aber heute nicht mehr. Ich hatte mich eine Weile skeptisch im Spiegel betrachtet ehe ich mich geschlagen gab und in ein paar Flip Flops schlüpfte, die gut zu dem Kleid passten. Die schwarzen Haare hatte ich zu einem Zopf gebunden und schulterte meinen Rucksack. Nun saß ich hinten in Marks Wagen, Emilia hatte vorne Platz genommen, und ließ mich runter nach Venice Beach fahren. Mark stellte den Wagen auf einen Parkplatz, nicht weit vom Strand weg. Und wie ich später fest stellte, direkt hinter ganz vielen Lädchen, wo ich einen Anhänger für Lolas Armband kaufen konnte. Wir überquerten die Straße und betraten sowas wie einen Park. Rechts und links gab es Grünflächen.

                "Der berühmte Venice Beach Boardwalk." verkündete Mark mit einem Grinsen und wies nach rechts. "Alles was sich hier nach rechts und links erstreckt. Nach rechts bis runter nach Santa Monica und links bis runter zum Pier." Emilia patschte ihm gegen den Arm. "Aua." übertrieb er schamlos. "Ist ja gut. Eigentlich heißt die Promenade Oceanfront Walk." Wieder machte er eine Pause um die Länge nochmals zu verdeutlichen, die er versuchte mit den Armen anzuzeigen. "Und wenn du hier nach links ein Stück weit runter läufst kommst du zum Muscle Beach." Ich sah in die entsprechende Richtung, denn diesen Namen hatte ich schon im Zusammenhang mit Arnold Schwarzenegger gehört.

                "Da hat Schwarzenegger trainiert." gab ich mein Wissen preis während wir weiter Richtung Strand liefen. Mark nickte.

                "Stimmt. Aber ich glaube da war ich noch nicht auf der Welt." feixte er und brachte uns damit zum Lachen. Gut gelaunt gingen wir weiter über die geteerten Wege, die von Sand gesäumt waren. Ein letztes Stück mussten wir noch überqueren, dann ließ mich Emilia los und nahm mir meinen Rucksack ab. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind zu Weihnachten, das ein ganz besonderes Geschenk bekommen hatte und es sich nun genau besah. Ich zog mir die Flip Flops von den Füßen und sah auf meine Zehen, die ich im Sand wackeln ließ. Herzlich begann ich zu lachen ehe ich auf das Meer sah und den herrlichen Anblick genoss. Ich ging noch ein paar Schritte Richtung Wasser ehe ich mich umdrehte und die Beiden anstrahlte.

                "Gibt es hier eine billige Wohnung für mich?" rief ich begeistert zu den Beiden.

                "Das weiß ich nicht. Aber ich kann mich ja mal schlau machen." rief sie zurück was ich strahlend benickte. Ich drehte mich herum, um wieder auf das Meer hinaus zu sehen. Aus dem Augenwinkel konnte ich eine Bewegung sehen. Kinder rannten den Strand entlang und lachten. Zum ersten Mal bereute ich es niemals geheiratet und Kinder bekommen zu haben. Oder überhaupt Kinder zu haben. Aber Nachweinen wollte ich der Situation auch nicht. Weiter ging ich auf das Meer zu, es waren nur noch ein paar Schritte als ich von rechts meinen Namen hörte.

                "Tante Beth!" schrien die Kinder begeistert und rannten auf mich zu.

                "Lola, Wolf." Ich breitete meine Arme aus, ging in die Hocke und ließ meinen Tränen freien Lauf. Zwei Kinder, die ich noch nie gesehen hatte, freuten sich, wie irre, mich zu sehen. Als ich die Beiden genug gedrückt hatte entließ ich sie leicht aus meiner Umarmung und sah sie an. "Ich freu mich so euch zu sehen." schniefte ich lächelnd die Beiden an.

                "Nicht weinen." sagte Lola und erwiderte mein Lächeln während Wolf meine Tränen abwischte.

                "Das sind Freudentränen." Ich sah zwischen den Beiden hin und her ehe ich mich aufrichtete und die Beiden an die Hand nahm. Dann fiel mir auf, dass sie eigentlich viel zu jung waren, um alleine herum zu laufen. Ich sah über meine Schulter zu Emilia, die lächelnd leicht den Kopf schüttelte. Sie hatte mir ja versprochen, dass sie Jason von mir fernhalten würde. Beruhigt sah ich zu den Beiden runter. "Sollen wir ein Eis essen gehen?" schlug ich vor. "Oder was wollt Ihr machen?" Wieder sah ich zwischen den Beiden hin und her, die sich jetzt zu streiten begannen. Mit erhobener Braue zog ich die Beiden auseinander. "Hört auf euch zu streiten. Wir machen alles was ihr wollt." versprach ich und ließ mich nun von ihnen mitziehen. Emilia rannte mir hinterher und gab mir meinen Rucksack.

                "Wir holen dich heute Abend ab, okay?" Noch nie hatte ich jemanden gesehen, der so zufrieden lächelte wie Emilia. Ich küsste ihre Wange und nickte.

                "Bis heute Abend." verabschiedete ich mich von ihr und sah dann wieder zu den Beiden runter die im Chor

                "Eis essen!" riefen.

                "Na schön. Dann zeigt mir mal euren Lieblingsladen." Und schon wurde ich mit gezogen, lief über den Sand, der zwischen meinen Zehen hindurch rieselte.

                Nach dem Eis essen gingen wir an den Strand, dicht ans Wasser wo wir uns in den Sand setzten und anfingen eine Burg zu bauen. Als ich gerade eine Basis für einen Turm baute warf mir Wolf ein imaginäres Brett ins Gesicht.

                "Liebst du meinen Papa nicht?" heftig blinzelte ich den kleinen Mann an während Lola mit ihm schimpfte.

                "Ist schon gut Lola." legte ich meine Hand auf ihren Arm um sie zu beruhigen. Dann rückte ich zu Wolf und zog ihn auf meinen Schoß. "Weißt du, das ist alles nicht so einfach. Du weißt doch, dass dein Papa berühmt ist, oder?" Aufmerksam sah ich den kleinen Kerl an. Es dauerte eine Weile bis er verstand und nickte.

                "Ja, das weiß ich. Er hat doch diesen Krieger gespielt. Wie heißt der nochmal?" Ich musste schmunzeln.

                "Conan" sagte ich.

                "Ja genau." meinte Wolf und zeigte mit dem Finger auf mich.

                "Und ich bin das nicht. Ich bin nur jemand, der deinen Papa bewundert. Ein Fan." Ich musste grinsen. "Bis zu der Veranstaltung wahrscheinlich sein größter Fan." Und dann kam Lola auf den Plan.

                "Und jetzt magst du ihn nicht mehr?" Ich seufzte und sah aufs Meer hinaus.

                "Doch, aber es ist einfach zu viel passiert, verstehst du?" Natürlich schüttelte Lola den Kopf. "Okay" Tief atmete ich durch und versuchte es zu erklären. "Wenn du deinem Bruder etwas zeigst von dem du denkst es könnte ihm auch gefallen" Lola sah mich aufmerksam an und versuchte zu verstehen was ich ihr erklärte. Also nickte sie leicht. "und dein Bruder starrt dich nur an und sagt kein Wort. Was würdest du dazu sagen?" Ich sah ihr an, dass sie versuchte sich diese Situation vor zu stellen.

                "Hmm" machte sie. "Ich denke, ich würde mich über ihn ärgern." sagte sie und sah ihren Bruder lächelnd an, der allerdings nicht so begeistert von der Situation war. Ich streichelte ihm mit der Hand über die Wange.

                "Das ist nur eine Erklärung, Wolf." Ich zwinkerte ihm zu und sah Lola wieder an.

                "Ich denke, ich weiß, was du meinst." sagte Lola wozu ich nickte.

                "Und wenn man seine Meinung über Stars hat ist es nicht einfach von seiner Meinung abzuweichen. Tante Emilia hat lange gebraucht bis ich sie akzeptiert habe. Und jetzt sind wir Freundinnen." Meine Güte! Ich konnte aber auch mit Vehemenz darauf bestehen Jason nicht zu lieben, nur ein einstiger Fan zu sein. Also brummte ich und verdrehte meine Augen ehe ich mich zu Lola lehnte. "Ja, ich liebe ihn aber sag das bloß niemandem." flüsterte ich ihr verschworen zu. Lola sah mich skeptisch eine Weile an und nickte dann.

                "Auch nicht Papa, oder?" flüsterte sie zurück.

                "Auch nicht Papa." stimmte ich ihr zu. Sie seufzte und sackte etwas in sich zusammen.

                "Na schön." schmollte sie mich an und sah dabei so hinreißend aus. Dann zog ich sie in meinen Arm und begann die Kinder sacht zu wiegen während ich mit meiner Verleumdung weiter machte. "Ich glaube nun mal nicht, dass Träume in Erfüllung gehen. Genau dafür sind es Träume." Lola wollte einen Einwand bringen.

                "Ich hab' aber geträumt, dass wir zusammen spielen. Und jetzt bist du hier." Ich hob beide Brauen und schnaufte aus.

                "Naja, aber so ein Traum ist wesentlich einfacher zu erfüllen als den Mann seiner Träume zu bekommen." Lächelnd zwinkerte ich ihr zu und sah zu Wolf runter, der zu schwächeln begann. "Bist du müde?" Wolf hatte sich an mich geschmiegt und schloss jetzt seine Augen. Ich lachte leise. "Möchtest du auch etwas schlafen, Lola?" fragte ich und machte mich bereit als Kissen zu dienen.

                "Ein bisschen müde bin ich schon." gab sie zu.

                "Na komm. Schlaf ein bisschen." bot ich ihr an. Sie legte ihren Kopf auf meinen Oberschenkel und schlief fast sofort ein. Wie lange waren wir jetzt schon unterwegs? Mit kam es wie fünf Minuten vor. Derweil die Beiden schliefen sah ich aufs Meer raus und empfand ein Glück, das man nicht beschreiben konnte. Es war einfach nur schön diese Beiden im Arm zu halten und ihnen beim Schlafen zuzusehen. Das wäre sicher guter Stoff für einen Film. Ich lachte in mich hinein, weil ich sie nicht wecken wollte. Die Zwei sahen so süß aus. Während sie schliefen hatte ich genug Zeit nach zudenken. Ich dachte an den Flughafen wo ich ihn zum ersten Mal so richtig gesehen hatte. Ich schmunzelte als ich mir die Situation durch den Kopf gehen ließ. 'Interessant' hatte ich ihn sagen hören, hatte das aber als was auch immer abgetan. Selbst gedanklich wusste ich nicht welche Worte ich benutzen sollte. Schmunzelnd schüttelte ich den Kopf und sah wieder hinaus aufs Meer. Ich mochte diesen Anblick, denn er beruhigte mich. "Ich bin jetzt achtundvierzig Jahre alt und verliebe mich in Kinder." sagte ich leise in die Ruhe hinaus, die mir eine gewisse Sicherheit gab. Ein paar Mädchen fingen an zu schreien. Ich sah in deren Richtung während ich den Kindern die Ohren zuhielt damit sie nicht wach wurden. Wütend sah ich in die Richtung aus der die Schreie kamen und ich meinte einen mir sehr gut bekannten Mann zusehen. Ungewöhnlich wäre es nicht, denn es waren ja seine Kinder. Und er hatte bereits gesagt, dass er schon immer ein Vater sein wollte. Während sich in mir alles verkrampfte und meine Liebe zu diesem Mann verriet hielt ich meinen Blick nicht lange in der Richtung, um auch ja kein Interesse zu zeigen. Zumal ich ihn nicht mal entfernt sehen wollte. Eine Lüge nach der Anderen sprach ich gedanklich aus. Ich wollte mir einfach nicht gestatten zuzugeben, dass Jason nur mit dem Finger zu schnippen brauchte und ich tat, was immer er wollte. WENN ich mich nicht ständig selbst belügen würde. Ich sah wieder hinaus aufs Meer als sich mein Handy meldete. Schnaufend verdrehte ich meine Augen und kramte in meinem Rucksack danach. Wie gut, dass ich kaum etwas in dem Ding hatte sonst hätte ich Lola und Wolf geweckt. Meine Neugierde musste ich unbedingt in den Griff kriegen, aber es hätte ja auch Emilia sein können, die etwas von mir wollte. Ich aktivierte das Display und sah schon, dass ich eine WhatsApp bekommen hatte. Jason hatte mir ein Foto geschickt. Davon konnte ich ihn natürlich nicht abhalten. Vielleicht sollte ich seine Nummer wirklich blockieren. Aber meine Neugierde siegte und ich sah mir das Bild an. Es zeigte mich mit den Kindern, als wir die Burg bauten. Leise fing ich an zu weinen und drückte das Handy an meine Brust. Eine Erinnerung, die ich niemals vergessen würde. Nochmal sah ich auf das Display, das das schöne Bild zeigte. Das musste ich mir als Hintergrund speichern. Dann sah ich mich um konnte ihn aber nicht sehen. Besser so, denn ich würde nur wieder zu viel nachdenken über was hätte sein können und was meiner Realität entsprach. Ich deaktivierte mein Handy und sah wieder auf das Meer. Ich begann über meinen Sinn des Lebens nach zu denken. Aber ob das so klug war stand in den Sternen. Was hatte ich in meinem Leben erreicht? Ich hatte es geschafft, ohne meine Eltern auf eigenen Beinen zu stehen. Gott hab' sie selig. Dann hatte ich mit dem Rauchen aufgehört. Nein, die Reihenfolge stimmte nicht. Vorher hatte ich angefangen zu zeichnen. DANN hatte ich aufgehört zu rauchen. Als nächstes hatte ich eine Diät begonnen, die mich von 105 Kilo auf knapp fünfzig brachte. Und jetzt lebte ich nach diesen Regeln. Und nicht mal schlecht. Was gab es noch Interessantes in meinem Leben? Ich hatte Jason Momoa kennen gelernt und hatte mit ihm ein doch recht schönes Wochenende. Und zu guter Letzt durfte ich die Schauspielerin Emilia Clarke meine Freundin nennen. Wenn nicht sogar meine beste Freundin. Auf meinem Schoß kam Regung auf und ich sah runter zu den Helden, die mich als Bett missbraucht hatten. Strahlend sah ich zwischen den Beiden hin und her. "Gut geschlafen?" wollte ich wissen während sich erst Wolf und etwas später Lola die Augen rieben.

                "Ich hab' Hunger." gähnte Wolf, der sich gerade streckte.

                "Ich will was trinken." nörgelte Lola, die immer noch mit dem Schlaf zu kämpfen hatte.

                "Dann sollten wir etwas dagegen unternehmen. Wo wollt Ihr hin?" Und wenn sie Burger King gesagt hätten, ich wäre mit ihnen dorthin gegangen. Die Zeit war für mich zu kostbar, um auf Ernährung oder sowas, zu achten.

                "Wir könnten doch einfach den Boardwalk entlang laufen und kucken, was es gibt." schlug Lola vor womit Wolf wohl einverstanden war da er sich nicht beschwerte.

                "Okay. Das kommt mir recht. Dann kann ich dein Geschenk vervollständigen." Lola wurde hellhörig.

                "Du hast uns doch was mitgebracht." Sie patschte auf meinen Arm.

                "Ja. natürlich. Ich werde euch zwei doch nicht vergessen." Doch außer Lola freute sich niemand. Wolf war wieder eingeschlafen. Ich schmunzelte zu meinem Bündel runter, das ich versuchte zu wecken. Brummig sah mich Wolf an. "Schatz, ich kann dich beim besten Willen nicht tragen." Er blinzelte eine ganze Weile ehe er gähnend von mir runter rutschte und sich aufrappelte. Ich nahm meinen Rucksack an mich und die beiden Kinder an meine Hände. "Ich denke, wir sollten links runter gehen." Lola nickte und drückte meine Hand. Ich fühlte mich wie eine Mutter, die mit ihren Kindern unterwegs war. Ich ließ Wolfs Hand nochmal los um mein Handy einzupacken. Fragend sah Lola mir zu. Ich seufzte. "Dein Vater hat mir ein Bild geschickt." erklärte ich kurz und aktivierte mein Display damit sie es sehen konnten.

                "Das ist ganz schön schön." stellte sie fest, nahm mir das Handy ab und steckte es in meinen Rucksack. Dann liefen wir über den Sand Richtung Boardwalk. Ein paar Schritte weiter gab es einen Donut Stand. Ich konnte nicht wiederstehen und kaufte mir und den Kindern einen.

                "Morgen müssen wir aber ein bisschen Sport machen, damit der nicht ansetzt." Lachend zwinkerte ich den Beiden zu und biss in den Donut, der nicht besser hätte schmecken können. Während wir weiter den Boardwalk rauf liefen hörte ich ein anerkennendes Pfeifen hinter mir, das auch Lola nicht entging.

                "Der hat dir nach gepfiffen." sagte sie finster und ging ein Stück zurück um dem Typen ihre Faust zu zeigen. "SIE GEHÖRT MEINEM PAPA!" Okay, das war deutlich.

                "Lola!" mahnte ich sie und reckte meine Hand nach ihr. "Lass das." Wie ein typisches Kind brabbelte sie vor sich hin und nahm meine Hand ehe wir weiter liefen. Ich ging nicht auf ihre Aussage ein, denn ich empfand das gerade als unproduktiv. Dann sah ich einen Souvenirladen, den ich zielstrebig ansteuerte. Aber sie hatten nicht, was mir zusagte und ging unverrichtete Dinge mit den Beiden wieder hinaus. An einem Futterstand hielten wir an und holten uns etwas zum mitnehmen. Ein paar frische Sandwiches und etwas zu Trinken. Dann liefen wir wieder ein Stück zurück und setzten uns auf eine Bank um unsere Beute zu verspeisen. Als ich die erste Hälfte meines Sandwiches verspeist hatte sah ich zu Lola runter, die die Backen prall voll hatte. Ich musste lachen, versuchte aber es zu unterdrücken.

                "Was?" fragte sie als sie ihren Mund leer hatte

                "Du hast ausgesehen wie ein Hamster." Sie hob eine Braue und begann dann zu lachen, was Wolf ebenso eine Braue heben ließ. Der junge Mann war wohl eine ganze Weile woanders gewesen. Murrend sah er sich um und rieb sich die Augen. "Na? Schon wieder müde?" fragte ich ehe ich ihn auf meinen Schoß setzte.

                "Jaaaaaaa" gähnte er mich ausgiebig an.

                "Dann sollten wir zusehen, dass du nach Hause kommst." Wolf sah mich mit erhobenen Brauen an.

                "Ich will aber noch nicht nach Hause. Ich will mit dir spielen." Dabei rieb er sich die Augen und gähnte erneut.

                "Wenn du es schaffst wach zu bleiben, dann können wir auch spielen." Ich zwinkerte ihm noch zu ehe ich einen Schluck trank und dann zu sah, wie der junge Mann auf meinem Schoß einschlief. Seufzend schüttelte ich den Kopf. "Ich kann ihn doch nicht tragen." sagte ich verzweifelt und rüttelte an Wolf um ihn zu wecken. "Schatz, du musst wach bleiben." Mürrisch sah er zu mir hoch und rutschte von meinem Schoß. Warum ich ihn nicht tragen konnte würde ich ihm morgen erklären. Er angelte nach seinem zweiten Sandwich, das schneller weg war als ich Humuhumunukunukuapua'a sagen konnte. So ein langes Wort für Bambusmann. Der kleine Mann aß eifrig sein Sandwich während wir den Boardwalk entlang liefen.

                "Kann ich dich etwas fragen, Tante Beth?" wollte Lola wissen und ihre Stimme klang sehr ernst.

                "Alles, was du willst." versicherte ich ihr und sah sie gespannt an.

                "Wie lange bleibst du hier?" Eine Frage mit der ich jetzt nicht gerechnet hätte. Die aber auch nicht unerwartet kam so wie sie mich herbei gesehnt hatten.

                "Erst mal sechs Monate. Tante Emilia passt auf mich auf und versorgt meine Narben." lächelte ich sie an.

                "Welche Narben?" wollte sie wissen während sie wieder in ihr Sandwich biss. Ich sah mich kurz um, schob mein Kleid nach oben und dann die Hose, damit sie die Narbe an meinem Bein sehen konnte. Lola begutachtete die Narben sorgfältig. "Ich möchte dir auch helfen." sagte sie und sah mich aus ihren wunderschönen Augen an.

                "Das geht nicht." sagte ich und schüttelte dabei den Kopf.

                "Warum nicht?" wollte sie wissen.

                "Weil du zur Schule musst." Ich streichelte mit dem Daumen über ihre Wange.

                "Aber nach der Schule kann ich dir doch helfen." Wenn ich gewusst hätte wie weit Jasons Haus von Emilias weg wäre, wäre es einfacher für mich gewesen zu erklären. Aber das Internet hatte mir keine genauen Angaben gegeben. Ich schüttelte den Kopf.

                "Nach der Schule musst du lernen und außerdem möchte dein Vater auch noch etwas von euch haben bevor er weg muss, um den neuen Film zu machen." Lola riss die Augen auf denn sie wusste, dass sie und Wolf mit ihrem Vater reisen würden. Auch darüber wusste ich Bescheid. Bitterlich fing sie an zu weinen und schmiegte sich an mich, klammerte sich schon fast an mich. Jedenfalls hielt sie mich fest. Stirnrunzelnd sah ich zu ihr runter. "Schätzchen, nicht weinen. Ich laufe nicht weg. Ich hab' Tante Emilia gebeten nach einer Wohnung für mich Ausschau zu halten." Aber wenn ich ehrlich war glaubte ich nicht, dass ich mir hier auch nur zwei Zimmer leisten konnte. Das war eben Venice Beach. Hier wohnten die Stars. Und mit meinen 2.000 Dollar monatlich gehörte ich nicht in die Liga der Auserwählten. Lola sah zu mir hoch und schniefte.

                "Wirklich?" Ihr Ton sagte mir, dass sie mir nicht glaubte.

                "Wirklich. Du kannst Tante Emilia fragen, wenn du möchtest." Mein Handy meldete sich und lenkte mich für einen Moment ab. Emilia hatte mir geschrieben.

                [Süße, wir sind da, wo wir uns getrennt haben. Wir warten auf dich. :-*] Ich sah Lola an.

                "Möchtest du kurz mit Tante Emilia sprechen." Doch Lola schüttelte den Kopf.

                "Nein. Ich glaube dir auch so." Wolf aß immer noch an seinem Sandwich.

                "Lasst uns gehen. Tante Emilia ist da, um mich abzuholen." ließ ich die Beiden wissen, schob Wolf vor mir her und lief mit den Beiden über den Strand zurück. Die Zeit war doch sehr schnell vergangen. Als wir an der Sandburg vorbei kamen musste ich lächeln. "Sollen wir die noch fertig machen?" fragte ich die Beiden, doch die gähnten schon wieder. "Okay" sagte ich schmunzelnd und versuchte die Beiden wach zu halten. Dabei sah ich mich um. Jason stand abseits an der Ecke eines Skatebording Shops. Lange sah ich ihn an bis er sich endlich auf den Weg machte um seine Kinder zu holen. Ich bereute meine Entscheidung sofort, denn er trug nichts für seine Verhältnisse. Ein Tank, kurze Hosen und die Flip Flops, von denen ich ihm ein paar gekauft hatte. Ich betrachtete ihn von Kopf bis Fuß ehe er den Mut fasste und ein Gespräch anfangen wollte.

                "Ich hoffe…" schnell hob ich die Hand damit er still war. Alles an ihm machte mich wahnsinnig und ich wollte stark bleiben. Nicht nur für mich, sondern auch für die Kinder, die mich ins Herz geschlossen hatten. Ich ging in die Knie und sah zwischen den müden Kriegern hin und her.

                "Es hat mir ganz viel Spaß gemacht." sagte ich und küsste die Beiden nach einander auf die Wange. Wolf meldete sich zuerst.

                "Können wir morgen wieder an den Strand gehen?" wollte Wolf wissen. Ich sah zu Jason hoch, der sanft lächelnd nickte.

                "Ja klar. Vielleicht gehen wir zur Halfpipe, dann könnt ihr mir zeigen wie gut ihr mit dem Skateboard umgehen könnt." schlug ich vor. "Aber erst Aufgaben machen. Morgen ist Montag." sagte ich gespielt mahnend. Beide nickten schläfrig. Ich spürte den Klos in meinem Hals größer werden und wie die Tränen meine Augen verlassen wollten. "Schlaft gut und träumt schön. Ich hab' euch lieb." Ich küsste die Beiden nochmal ehe Jason die Beiden auf seine Arme nahm. Und dann rollten die Tränen als er zu mir runter sah während ich die Kinder ansah. Als ich endlich meinen trüben Blick hob konnte ich ihm ansehen, dass er etwas fragen wollte. Ich nickte in seine Richtung um ihm zu signalisieren, dass seiner Frage Gehör geschenkt wurde.

                "Ich hoffe es geht dir gut?" wollte er zu meiner Überraschung wissen. Um diesen so unglaublich schönen Mann nicht ansehen zu müssen drehte ich mich um.

                "Ich kann soweit nicht klagen. Die Narben verheilen gut. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit." Auch wenn ich ihn frei weg gegen eine Wand schlagen könnte wollte ich nicht unhöflich sein, wenn er sich schon nach meinem Befinden erkundigte. Dann wurde ich von einer bekannten Umgebung abgelenkt. Manchmal hatte ich die Aufmerksamkeit einer Fliege. "Das kenne ich." murmelte ich vor mich hin und ging langsam an Jason und seinen Kindern vorbei um dieses Stück des Boardwalk zu betrachten. Kritisch sah ich mir die Gegend an während ich weiter in meinem Hirn forschte wo ich diese Gegend schon mal gesehen hatte. Ich hatte definitiv zu viele Filme gesehen. Dass Jason mir hinterher kam bemerkte ich erst an dem Schatten, den er vor mir auf den Boden warf. Ich drehte mich nicht um, sondern ging weiter die kleine Seitenstraße hinein, die mir so unheimlich bekannt vorkam. Und dann sah ich woher ich diese Gegend kannte. Es war zwar über die Jahre verblasst aber noch deutlich zu erkennen. "Die Musen" rief ich verblüfft aus und hob meine Hände in Richtung des riesigen Bildes. Ich wollte mein Handy aus meinem Rucksack holen, aber den hatte ich bei Lola stehen. "Verdammt." Ich sah auf den Boden und seufzte. "Dann eben morgen." brummte ich vor mich hin.

                "Hier." sagte Jason und gab mir sein Handy, damit ich ein Bild machen konnte. Ich sah zu ihm hoch wobei ich sein Handy an mich nahm. Lächelnd nickte er zu mir runter. Ich nickte als Dank und drehte mich um, aktivierte das Handy, das mich mit ihm hinter der Halle zeigte und öffnete schnell die Kamera, um nicht mehr an dieses Bild erinnert zu werden. Dann machte ich ein paar Bilder aus verschiedenen Perspektiven und gab es Jason zurück.

                "Danke" sagte ich, sah aber dabei in eine andere Richtung. "Schick sie mir bitte auf mein Handy." bat ich ihn noch ehe ich mich umdrehte und so schnell ich konnte davon ging. Ich hielt Ausschau nach Mark, der ein paar Schritte entfernt von Emilia stand, die auf die Kinder aufpasste und bereits meinen Rucksack geschultert hatte. Ich wusste jetzt schon, dass ich eine schreckliche Nacht vor mir hatte.

 

28. Juli 2018

                "Beth. BETH!" hörte ich jemanden nach mir rufen. Und dann spürte ich, dass mir Tränen über die Wangen liefen.

                "Was ist denn…" brummte ich vor mich hin bis ich Emilias Hände an meinen Oberarmen spürte.

                "Du hast Lolas und Wolfs Namen gerufen." Ich hob eine Braue weil ich erst mal nicht wusste worum es ging. Und so ging es mir die nächsten acht Wochen, in denen ich täglich mit den Beiden zusammen war. Jeden Abend holte Jason seine Kinder ab und machte es mir schwer 'Auf Wiedersehen' zu sagen. Und jeden Morgen weckte mich Emilia aus Alpträumen, die ich nicht zu erzählen wusste. Ich kam mir mittlerweile richtig schuldig vor, weil ich Emilia und Mark mit meinen Alpträumen auf Trapp hielt. Und jeden Tag bat ich Emilia:

                "Bitte. Lass mich nach Hause gehen. Dort bin ich von allem weg und belästige niemanden." Doch Emilia lehnte jeden Tag ab.

                "Nichts da. Du bleibst, bis du wieder ganz gesund bist." Aber ihre Augenränder sprachen eine andere Sprache. Sie hatte sogar die Dreharbeiten für ihren neuen Film verschoben um bei mir zu sein. Ich setzte mich im Bett auf und nahm ihre Hände.

                "Liebes, ich liege dir nur auf der Tasche und das will ich nicht." Sicher konnte sie sich das leisten aber ich wollte sie nicht ausnutzen. Ich war einfach nicht der Typ für sowas.

                "Na schön." gab sie sich geschlagen. "Aber du wirst Venice nicht verlassen." Ich hob eine Braue und sah sie perplex an. Dann verschränkte ich die Arme und sah sie aus kleinen Augen an.

                "Und wo soll ich hin? Wir haben bereits fest gestellt, dass ich mir noch nicht mal ein Zimmer hier leisten kann." Diese Tatsache war unumstößlich. Emilia atmete tief durch. Ich war mir sicher, dass jetzt etwas kam, dass mir gar nicht gefallen würde.

                "Jason hat dir sein Gästehaus richten lassen. Dort hast du alles was du brauchst und bist ungestört." Sie überlegte, mit was sie das vergleichen sollte. Ich hob eine Braue und sah sie forschend an.

                "Wie Kevin Costner in Bodyguard?" Emilia nickte.

                "Genau. Nur, dass du eben auf niemanden aufpassen musst. Außer vielleicht auf die Kinder, wenn Jason nicht da ist." Sie wusste genau, wie sie mich kriegen konnte, denn ich begann zu seufzten.

                "Na schön, aber sag ihm ich bezahle ihm wenigstens 500 Dollar. Ich will nicht auf seine Kosten leben. Genauso wenig wie auf deine." brummte ich sie an während sie schon eine Nachricht schrieb. "Und wehe, du vergisst die 500 Dollar." mahnte ich Emilia grimmig. Sie nickte und zeigte mir seine Antwort. Geht in Ordnung hatte er geschrieben. "Und jetzt willst du mich loswerden?" hakte ich nach, denn sie fing schon an meine Sachen aus dem Schrank zu holen.

                "Du wolltest weg. Jetzt hast du den Salat." grinste sie mich frech an, was mir noch mehr das Gefühl gab, dass das eine abgekartete Sache war.

                "War ja klar." maulte ich und begann ihr beim Packen zu helfen. Ich ging in das anliegende Bad und duschte nochmal ausgiebig ehe ich meine Sachen zusammen räumte. Dann suchte ich noch die restlichen Klamotten und brachte sie ins Schlafzimmer, um sie in die Tasche zu geben. Emilia hielt in allem inne und sah mich mit glasigen Augen an.

                "Ich habe die Zeit mit dir genossen." gestand sie mir mit brüchiger Stimme und zog mich in eine Umarmung. "Ich bin immer für dich da." versicherte sie mir und küsste meine Wange. Dann löste sie sich von mir und sah mich mit glasigen Augen an. Nun war ich es, die Tränen weg wischte.

                "Ich weiß und dafür bin ich dir dankbar." Ich schenkte ihr ein aufrichtiges Lächeln und streichelte mit beiden Daumen über ihre Wangen. Ich drückte sie nochmal ehe ich meinen Koffer packte und ihn hinter mir her zog. Langsam gingen wir hinaus und auf den SUV zu, der Jason gehörte. Alleine die Tatsache, dass er am Steuer saß machte mich nervös. Ich blieb stehen und sah den Wagen eine Weile an. Eben war ich noch Gast im Hause Targaryen und nun sollte ich mit dem Khal der Dothraki zusammen leben. Zittrig suchte ich nach Emilias Hand, die ich sofort drückte, um mich an ihr fest zu halten. "Ich liebe dich." sagte ich meiner angenommenen Schwester.

                "Ich dich auch. Pass auf dich auf. Ich melde mich sobald ich kann." Ihr Dreh stand an. Ich nickte verständnisvoll.

                "Ich würde dich gerne begleiten." Aber ich wusste, dass das nicht möglich war. Emilia gab mir noch ein Küsschen auf die Wange, das ich gerne erwiderte. Ich sah mich nochmal um ehe ich Emilias Hand los ließ und dann zu Mark ging, den ich ebenfalls umarmte. "Danke für alles, Mark." sagte ich, als ich ihn zum Abschied umarmte.

                "Immer wieder gerne. Wann immer du willst." Doch ich wusste, dass er nicht jetzt meinte. Er schloss sich wohl seiner Frau an.

                "Das weiß ich zu schätzen." lächelte ich und gab ihm ein Küsschen auf die Wange. Und dann kam der Gang zum Wagen, der sich anfühlte wie der Gang zum Schafott. Hinter den getönten Scheiben wartete Jason darauf, dass er mich zu seinem Haus fahren konnte. Mark lud meine Sachen in den Kofferraum des SUV und hielt mir die Tür auf. Jetzt liefen die Tränen, die Emilia weg wischte.

                "Nicht weinen." flüsterte mir Emilia zu. "Du schaffst das." bekräftigte sie mich und sah mich an. Sie nickte und half mir dann in den Wagen. Das Ding war ziemlich hoch und für mich Minimaus ziemlich schwer zu erklimmen. Naja, beim ersten Mal war es eh am schwierigsten. Aber ich musste erst mal nur aussteigen und dann in meine vier Wände einziehen. Da ich mich hier nicht auskannte würde ich die meiste Zeit auf seinem Anwesen verbringen.

                "Melde dich." bat ich sie, als ich die Scheibe runter gelassen hatte. Ich hatte wirklich Angst bei Jason für eine Weile einzuziehen.

                "Mach' ich." versprach sie und nahm meine Hände, die sie küsste. Jason setzte den Wagen in Gang, so dass Emilia noch einen Moment mit laufen musste. "Denk dran, du bist meine beste Freundin." versuchte sie mich zu ermuntern, was ihr auch gelang. Dann ließ sie meine Hände los und winkte mir zu. Ich strahlte noch eine Weile in ihre Richtung ehe Jason abbiegen musste und Emilia aus meinen Augen verschwand. Als wenn ich für immer aus ihrem Leben scheiden würde. Schmunzelnd schüttelte ich den Kopf und sah aus dem Fenster.

                "Können wir bitte zu einem Juwelier fahren?" wollte ich von Jason wissen, der hoch konzentriert auf die Straße achtete.

                "Ja klar." sagte er sofort und folgte der Straße etwa zwei Minuten. Dann bog er ab und hielt auch schon eine Minute später auf einem Parkplatz. "Soll ich dich begleiten?" Er hatte sich auf seinem Sitz umgedreht und sah mich an. Mein Herz fing an zu rasen und es sagte mir, dass ich ihn auf der Stelle küssen sollte. Doch nichts dergleichen geschah.

                "Nein, danke. Ich schaff' das schon." sagte ich freundlich und öffnete die Tür um auszusteigen. Zumindest hatte ich es so geplant. Weil ich dachte, ich krieg' das schon hin, stieg ich mit dem falschen Bein aus und landete unsanft auf meinem straffer werdenden Hintern. "Schei…" Ich schluckte den Rest und rappelte mich auf, als Jason auch schon vor mir stand.

                "Ist alles in Ordnung?" Seine Stimme klang mehr als sorgenvoll. Um ihn zu beruhigen nickte ich und rappelte mich auf. Er hielt seine Hände als würde er mich jeden Moment greifen.

                "Ja, alles bestens. Ich bin nur auf meinen Hintern geplumpst." Er hob eine Braue.

                "Du hast am Hintern auch Narben." gab er mir zu bedenken, was mich knurren ließ. Und weil die neu errungene Beth wieder mal aus mir heraus brach boxte ich ihm in den Bauch.

                "Lass das!" Er verdrehte seine Augen und atmete tief durch.

                "Tut mir leid." Er sah zu dem Geschäft. Nicht groß, aber auch nicht klein und nickte hinüber. "Ich warte hier auf dich." sagte er und sah mich wieder an. Viel zu lange sah ich ihn an wobei ich glasige Augen bekam. Ich wandte mich ab und wischte mir schnell über die Augen für den Fall, dass Tränen heraus gekrochen waren. Aber ich hatte Glück.

                Lächelnd betrat ich das Geschäft und sah mich um. Die Tür hatte ein klingelndes Geräusch von sich gegeben worauf hin eine Dame durch eine Tür kam und mich mit erhobener Braue begutachtete. Von oben bis unten sah sie mich an ehe sie sich herab ließ mit mir zu reden.

                "Kann ich Ihnen helfen?" wollte sie wissen, sah aber nicht danach aus als würde sie es ernst meinen. Ich hingegen versuchte es mit dem schönsten Lächeln, das ich aufbringen konnte und nickte zu ihren Worten.

                "Das hoffe ich doch. Ich habe einem jungen Mädchen ein Armband mit einem Wappen von Hawaii geschenkt. Beides ist Sterlingsilber. Und jetzt suche ich natürlich ein weiteres Wappen. Entweder von Venice oder Los Angeles. Oder beides." erklärte ich ihr. Sie hatte schon bei dem jungen Mädchen angefangen zu lächeln.

                "Ist zwar nicht unser Standartprogramm, aber ich denke, dass ich da etwas für Sie habe." Mit großen Augen sah ich sie an,

                "Das wäre wirklich toll. Ich suche schon seit ein paar Wochen nach etwas Passendem." gestand ich ihr. Dann erzählte ich ihr die Geschichte wobei ich Jasons Namen ganz heraus ließ. Aber die Dame wusste wohl trotzdem um wen es ging. Wie oft gab es die Kombination Lola und Wolf schon unter Geschwistern? Sie bat mich kurz zu warten und verschwand hinter der Tür aus der sie vorhin gekommen war. Es dauerte sicher fünf Minuten bis sie mit einer Schmuckablage und einem kleinen Kästchen zurück kam. Allerdings hatte sie noch ein Bild dabei. Und mir schwante Übles.

                "So. Hier sind die Anhänger. Alle Sterlingsilber. Nicht versilbert." sagte sie während ich mir schon die kleine Auslage ansah. Ich nahm ein paar Anhänger heraus und legte sie auf die Schmuckablage, damit ich mich letztendlich entscheiden konnte. Sie waren alle sehr schön, aber nur maximal zwei wollte ich kaufen. Ich entschied mich dann doch nur für einen, der das Wappen von Los Angeles zeigte.

                "Diesen hier." sagte ich freundlich und deutete auf den Anhänger, den ich haben wollte.

                "Gerne" nickte die Dame. "Eigentlich kostete der fünfunddreißig Dollar, aber ich würde ihn Ihnen auch billiger geben." erklärte sie mir während sie den Anhänger ein packte. Ich sah auf das Bild und nickte.

                "Kann ich machen." sagte ich freundlich.

                "Dann wären das fünfundzwanzig bei Bildübergabe." sagte sie immer noch freundlich und schob das Bild zu mir rüber. Du miese Schlampe. schallte es durch meinen Kopf als ich gerade das Bild an mich nahm. "Für Stella." sagte sie noch.

                "Bin gleich wieder da." Erstaunt sah sie mich an ehe ich aus dem Laden und auf den SUV zu ging an dem Jason stand und auf mich wartete.

                "Können wir?" wollte er wissen. Ich schüttelte den Kopf.

                "Tu' mir doch den Gefallen und unterschreib' das Bild hier, ja?" Ich hielt ihm das Bild hoch, damit er es sehen konnte. Dann sah ich über meine Schulter zu dem Laden, wo dieses Miststück schon an der Scheibe gierte. Jason tat es mir wohl gleich, denn er knurrte und öffnete dann die Tür um einen Stift aus dem Wagen zu holen. Er legte das Bild auf seinen Sitz, bereit es zu unterschreiben.

                "Hat sie einen Namen gesagt?" wollte er brummig wissen und zum ersten Mal verstand ich warum er mich mochte.

                "Für Stella." sagte ich und beobachtete dann wie er das Bild unterschrieb. Dann erhob er sich und gab mir das Bild zurück. Dabei sah er mich über seine Brille hinweg an. "Vielleicht verstehst du mich jetzt ein bisschen besser." Ich hob eine Braue und boxte ihn nochmal.

                "Hör auf meine Gedanken zu lesen." zischte ich ihn an ehe ich in den Laden zurück ging und mit meiner Beute nach kaum zwei Minuten zurück kehrte. "Was?" hakte ich etwas aufgebracht nach, denn er grinste mich breit an.

                "Och nix." meinte er und entlockte mir damit ein Knurren. Er öffnete mir die hintere Tür zu der ich den Kopf schüttelte. Fragend hob er eine Braue.

                "Vorne bitte." sagte ich mit trockener Kehle und ging neben den SUV und die Beifahrerseite, die er mir öffnete und mich dann in den Wagen hob. Reflexartig hielt ich mich an seinen Oberarmen fest was mir erst auffiel, als ich auf dem Sitz saß. Sofort nahm ich meine Hände weg und drehte mich, um die Beine rein zu ziehen. "Danke" sagte ich und vermied es geflissentlich ihn anzusehen. Ich schnallte mich noch an und tat dann so als wäre auf der Beifahrerseite etwas hoch Interessantes zu sehen.

                "Gerne" sagte er als er neben mir Platz nahm, sich anschnallte und den Motor startete. "Musst du noch irgendwohin oder können wir heim?" wollte er wissen und sah zu mir rüber. Ich schüttelte den Kopf.

                "Nein. Heute nicht mehr. Aber morgen könnten wir einen Schreibtisch und ein paar Utensilien kaufen. Ich muss ein Bild fertig malen und eins für ein neues Speed Painting anfangen. Aber mein Equipment ist zuhause." erklärte ich mein Anliegen, das er benickte.

                "Klar. Gehen wir morgen shoppen." Ich konnte sein Grinsen deutlich hören und patschte ihm deshalb auf seinen Oberschenkel.

                "Hör auf damit. Ich bin immer noch sauer auf dich." Und schon war er still. Aber ich war mit der Situation, trotz meiner Aussage, nicht zufrieden. Ich kniff die Augen zusammen und stützte meinen Kopf auf meine Hände. Immer wieder versuchte ich mir klar zu machen, dass ich ihn zwar liebte aber ich es mir einfach nicht eingestehen wollte. In letzter Zeit dachte ich eh zu viel nach und jetzt machte es mir sogar Probleme. Ich hatte gerade mit Kurzatmigkeit zu kämpfen. "Halt bitte an. Ich brauche Luft." Ich hatte plötzlich das Gefühl zu ersticken und begann aufgeregt an meinem Gurt zu nesteln. Er fragte erst gar nicht, ob alles in Ordnung war, sondern hielt bei nächster Gelegenheit an und öffnete den Gurt für mich. Hastig stieg ich aus dem SUV und japste nach Luft als er den Wagen umrundete und nach mir sah. Wie sagte man jemandem, dass man ihn liebte aber das nicht sein durfte weil das Chaos nein sagte? Ich schlüpfte aus den Sandalen, die ich mir gekauft hatte und rannte auf den Strand und das Meer zu. Erst als das Wasser meine Füße umspülte hielt ich an. Tief atmete ich durch und spürte Ruhe einkehren. Derweil kam Jason gemächlich hinter mir her und blieb etwas von mir entfernt stehen. Mittlerweile konnte ich ausmachen ob die Schritte dicht neben mir waren oder weiter weg. Ich stützte meine Hände in meine Taille und begann bitter zu lachen. "Ich hatte mir das immer so romantisch vorgestellt." Dreh dich um. Dann hast du was du willst! "Mein Prinz rettet mich aus meinem Trübsinn und verbringt mit mir den Rest meines Lebens." Hinter dir steht er! Greif zu! "Aber das gibt es nur in Filmen. Pretty Woman zum Beispiel. Sie hat ihren Ritter in weißer Rüstung doch noch gekriegt." In meinem Kopf herrschte Stille. Little Beth hatte es aufgegeben mir zu sagen, was ich tun sollte. "Aber für unsereins bleibt nichts übrig. Wir kriegen nur den kläglichen Rest, den Cinderella uns übrig gelassen hat. Und selbst das blieb mir nicht vergönnt. Und wenn wir doch mal die zweite Hälfte unserer Seele finden, dann ist sie unerreichbar für uns." Ich sah auf meine Füße, die jetzt sandig nass waren während neben mir die zweite Hälfte meiner Seele stand. "Weil es Menschen sind, die in einer ganz anderen Welt leben als wir. Wir sind die, die den anderen anbeten aber ihn niemals bekommen." Die Erklärung war bescheiden aber nur so floss es mir über die Lippen. Dafür tobte Little Beth in meinem Kopf wieder und versuchte mir einen Aluminiumschläger über die Rübe zu ziehen. Irgendwie sah sie wie Tank Girl aus. Sie stand schon längst mit Jason vor dem Altar und beendete was ich immer nur träumte. Wieder musste ich bitter lachen. "Andererseits habe ich etwas bekommen mit dem ich niemals gerechnet hätte. Meine beste Freundin ist Emilia Clarke, Daenerys Targaryen." Ich ging ein paar Schritte, um eine Stelle zu erreichen, die feucht war aber nicht von Wasser umspült. Auch hier hin folgte er mir und hörte mir zu. Ich ließ mich auf meine Knie fallen und fing an in den feuchten Sand zu zeichnen ohne zu sehen, was ich da überhaupt malte. "Weißt du, mein Chaos hat Emilia rein gelassen. Warum, weiß ich nicht auch wenn ich vermute, dass es damit zusammen hängt, dass sie mich Freundin nennt." Ich zuckte die Schultern während Jason sich neben mich in den Sand setzte und raus aufs Meer sah. Immer noch blieb er still und ließ mich reden. "Tja, und dann habt ihr mich rein gelegt. Habt die Kinder auf mich gehetzt, ohne die ich nicht mehr sein will." Ich spürte wie Tränen über meine Wangen liefen und in den Sand fielen. Und dann blieb ich still, denn ich wusste nichts mehr zusagen.

                "Wenn du ohne meine Kinder nicht sein willst dann lass es." sagte er ruhig und sah mich an. Ich wandte meinen Kopf und sah ihn fragend an. "Ich hab' dir ein schönes Zuhause bei mir eingerichtet. So kannst du dich erholen und kannst die Kinder jeden Tag sehen, wenn du willst." Ich konnte sehen wie er seine Hand hob und sie Richtung meiner Schulter führte. Diesmal wollte ich mich nicht wehren und ließ ihn gewähren. Auch wenn es nur die Schulter war. "Gib deine Wohnung in New York auf. Billiger kriegst du keine Wohnung an einem der schönsten Strände der Welt." Ich spürte, wie er mich mit seinem Daumen an der Schulter streichelte. Ich sah hinaus aufs Meer und sackte mit dem Hintern zwischen meine Beine. Mit dem Malen hatte ich aufgehört.

                "Das geht nicht. Ich hab' den besten Vertrag, den man sich am Central Park vorstellen kann."

                "Dann behalte die Wohnung und bleib trotzdem hier. Du weißt, dass ich nichts von dir haben will. Lola und Wolf sind glücklich, wenn sie mit dir zusammen sind und das will ich ihnen nicht nehmen." Mittlerweile hielt er mich an der Schulter fest. Aber nicht fest genug um mir weh zu tun. Ich sah ihn an und versank sofort in seinen Augen. Ich hatte meiner Beherrschung nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt.

                "Für die Kinder würde ich es tun." Ich biss mir auf die Lippe, die zu bluten anfing, weil sie gerade viel zu trocken war. Er ließ meine Schulter los und strich über meine Lippe, um das Blut weg zu wischen. Nur langsam entstieg ich diesen unsagbar tiefen Augen und merkte, dass hier etwas vorhing, das ich nicht wollte. Vielleicht doch, aber jetzt musste ich aus den nassen Sachen raus, damit ich keine Probleme mit den Narben bekam. Ich schob seine Hand sacht von mir und erhob mich aus dem Sand, der diese dämliche Hose befeuchtet hatte. Ich versuchte Schadensbegrenzung zu machen, wischte mir über den Hintern und sah dabei auf den Sand, den ich mit meinen Fingern bearbeitet hatte. "Oh" entfuhr es mir als mir klar wurde, dass ich eine Sonne und Sterne in den Sand gemalt hatte. Ein hörbares Grinsen entglitt mir ehe ich den Kopf schüttelte und dann meinen Fußspuren zurück folgte während ich ständig "Wir sind hier nicht bei 'Wünsch dir was'." murmelte. Als ich im Wagen saß und mich wegen dem Sitz schuldig fühlte, weil ich ihn gerade einsaute, hing ich wieder laut meinen Gedanken nach. "Wohnung ausräumen, Adressen ändern, E-Mails verschicken, Wohnung kündigen… Was mache ich, wenn ich dich nicht mehr sehen will? Irgendwann ziehen die Kinder aus!" warf ich ihm an den Kopf. Ich sah ihm an, dass es in ihm arbeitete.

                "Na, ich hoffe, bis dahin hast du mich geheiratet." Er blieb dabei so trocken, dass mir schlecht wurde.

                "Halt an." sagte ich keuchend und hielt mir den Mund zu. Er ging auf die Bremse und auf meiner Seite ging die Tür auf, aus der ich mich raus lehnte und meinen fehlenden Mageninhalt auf die Straße ergoss. Verdammt! Dieses Zusammenziehen und nichts kommt dabei raus, tat schweineweh. Ich musste noch das ein oder andere Mal würgen ehe ich unter meiner Nase ein Taschentuch sah, das ich an mich nahm. "Danke" sagte ich heiser und wischte mir den Mund ab, der kein bisschen feucht war. Nichts, noch nicht mal Galle wollte aus mir heraus. Dafür liefen mir Tränen der Anstrengung über die Wangen. Für heute war ich echt bedient. Und dabei war es nicht mal elf Uhr morgens. Vielleicht hatte die Uhr noch nicht mal zehn erreicht. Er war in die Hocke gegangen und hob mich jetzt langsam hoch. Als ich wieder saß reichte er mir eine Flasche Wasser, die ich ihm dankbar ab nahm.

                "Geht's wieder?" wollte er wissen und strich mir die Haare zurück, die mir ins Gesicht gefallen waren. Ich trank einen Schluck, dann gurgelte ich, um auch ja keinen Geschmack oder sonstiges im Mund zu haben, das da nicht hin gehörte. Ich spuckte das Wasser an ihm vorbei und nickte.

                "Natürlich geht es wieder. Du passt doch auch mich auf." echofierte ich mich und trank nochmal einen Schluck wobei ich ihn im Blick behielt. "Warum machst du das alles?" Ich sah ihn fast schon vernichtend an, als würde er mir so auf jeden Fall antworten müssen. Er atmete tief durch, umrundete den Wagen und setzte sich wieder neben mich.

                "Du weißt warum." sagte er lediglich, was selbst die abgebrühte Beth in mir zum Schreien brachte. Er schnallte sich wieder an, wartete darauf, dass ich es ihm gleich tat und fuhr dann weiter den Boardwalk entlang.

                "So so. Ich weiß das also." Ich verschränkte meine Arme und sah ihn herausfordernd an. Was wohl ein Fehler war, denn gerade war Khal Drogo Dreck gegen den Mann, der mich zu sich nach Hause fuhr.

                "Du bist jetzt still bis wir zuhause sind. Dann kannst du mich weiter auf den Arm nehmen." Er hob seinen rechten Arm und legte ihn über die Rückenlehne meines Sitzes. "Aber mach' dich darauf gefasst, dass meine Geduld Grenzen hat." Er schrie nicht, er knurrte nicht, aber seine Stimme war so dermaßen kalt, dass ich mir die Arme um den Körper schlang.

                "Okay" sagte ich mit eingezogenem Kopf und schwieg. Mein Magen sagte mir gerade, dass ich vielleicht besser die Richtung wechseln sollte. Und Little Beth brüllte KÜSS IHN EINFACH.

 

29. Juli 2018

                Als ich meine Sachen in dem hübschen Gästehaus untergebracht hatte stellte ich fest, dass mein komplettes Equipment bereits hier war. Ich lief zum Fenster und suchte das Gelände ab. Irgendwie wusste ich, dass er mich beobachtete. Letztendlich fand ich ihn an eine Palme gelehnt, die Arme verschränkt und diesen Blick drauf, für den ich töten würde, nur um ihn zu sehen. Ich konnte nicht anders als ihn aus Dankbarkeit anzustrahlen, dass er meine Sachen hatte kommen lassen. Emilia hatte ihm sicher dabei geholfen und ihm meinen Schlüssel gegeben. Sogar meine Sammlung, die ich eigentlich wegwerfen wollte, hatte er mit gebracht. Ich saß auf dem Boden und betrachtete die vielen Sachen, die ich als meine Schätze bezeichnete und sie verliebt streichelte. Neben mir lagen die Flip Flops, die ich ihm bisher noch nicht gegeben hatte.

                "Für den Fall, dass du das Original doch nicht willst." raunte er hinter mir.

                "Soll ich dazu jetzt wirklich etwas sagen?" fragte ich ihn schmunzelnd, ohne mich zu ihm umzudrehen. Ich hielt lieber die Silberkette hoch die mit Mond meines Lebens auf dothrakisch graviert war.

                "Nein. Eigentlich nicht. Ich weiß es ja schon."

                "Dann weißt du mehr als ich." Fest biss ich mir auf die Lippe damit ich nicht los schrie und mir meinen Kopf an der Wand einschlug.

                "Scheint wohl so." Mir gefiel der Klang in seiner Stimme nicht. "Meine Kinder willst du ja nicht mehr missen und die gibt’s nun mal nicht ohne mich." warf er mir eine unumstößliche Tatsache an den Kopf.

                "Irgendwann sind sie groß und ziehen aus, um ihren eigenen Weg zu gehen. Dann brauchen sie mich nicht mehr." Ich hörte mich gerade an, als wäre ich die Mutter der Kinder, deren Vater vom Heiraten fantasierte.

                "Das stimmt. Aber deine Sehnsucht bleibt." Ich hob eine Braue und drehte meinen Kopf leicht, als wollte ich ihn ansehen. Diese Sehnsucht würde mich noch umbringen, wenn ich mir nicht endlich eingestehen würde, dass ein Star sich in mich verliebt hatte.

                "Welche Sehnsucht?"

                "Nach mir." Ich bekam eine Gänsehaut und verfluchte plötzlich das Sommerkleid, das mir Emilia gekauft hatte.

                "Ich sehne mich nicht nach dir. Ich sehne mich nach…" hektisch sah ich mich um, doch mir wollte nichts ein fallen. Also wechselte ich das Thema und nahm die Flip Flops in die Hand. "Ich hatte bisher noch keine Gelegenheit, dir die zu geben." sagte ich lächelnd und hielt ihm die Flips Flops hoch. Jetzt konnte ich sehen, dass er ein Päckchen in der Hand hielt, das mir bekannt vor kam. Er legte es auf den Tisch und setzte sich zu mir auf den Boden. Mit erhobener Braue sah ich seinen Beinen zu wie sie sich rechts und links an meinen vorbei schoben. Jetzt konnte ich seine Atmung an meinem Rücken spüren. Wieder hinterging mich mein Körper und schickte alle Botenstoffe aus, die man in solchen Momenten brauchte. Während ich noch mit mir zu kämpfen hatte nahm er mir die Flip Flops ab und betrachtete sie sich ganz genau. "Ich hoffe, die Größe stimmt." Auf gut Glück hatte ich sechsundvierzig gewählt.

                "Egal. Die sehen klasse aus." sagte er begeistert und schlüpfte dabei in die Schuhe, die er jetzt an seinen Füßen wackeln ließ. Ich wollte keine mit irgendwelchen Aufdrucken kaufen, da ich nicht wusste, was Jason mochte. Und so wählte ich ein Paar, die japanischen Flip Flops, Zori, recht ähnlich waren. In schwarz. Eine andere Farbe konnte ich mir an ihm nicht vorstellen. Eine Weile sah ich noch auf die Schuhe ehe ich lächelnd zu ihm hoch sah.

                "Schön, dass sie dir gefallen." Und dann umschlangen mich lange Arme, die mich an ihn drückten. Schon fast aus Reflex schloss ich meine Augen und legte meinen Kopf gegen seine Schulter während er sich mit einem Wangenküsschen bedankte.

                "Werden meine Lieblingsschuhe." grinste er meine Wange an. Und ich genoss zu ersten Mal seine Zuneigung für mich.

                "Wenn das so ist, kaufe ich dir noch ein paar mehr, damit Du Vorrat hast." Leise lachte ich und öffnete auf Halbmast meine Augen.

                "Yer jalan atthirari anni" raunte er mir hingebungsvoll zu. Und wieder spürte ich seine Gefühle an meinem Hintern. Doch er drückte sich nicht gegen mich, als wolle er mich zu etwas überreden, das ich jetzt nicht wollte auch wenn mein Unterleib etwas anderes sagte.

                "Yer shekh ma shieraki anni." Ich versuchte mein bestes Dothrakisch in diese Erwiderung zu legen, die seine Brust anschwellen ließ. Ich verdrehte meine Augen und schüttelte den Kopf. "Das hört sich grausam an." brummte ich, Doch Jason schüttelte den Kopf.

                "Das ist unwichtig. Ich habe es verstanden und das alleine zählt." Ich sah mit meinen glänzenden Augen zu ihm hoch.

                "Danke. Ich mag diese Kosenamen. Ist mal was anderes als Schatz oder Liebling." Ich hoffte zum ersten Mal inständig, dass er das nicht für albern hielt. War das ja immerhin aus der Serie, die ich so sehr geliebt hatte oder noch liebte. Eine Weile sah er mich mit erhobener Braue an ehe er nickte.

                "Da ist was dran." Er schenkte mir dieses umwerfende Lächeln, das mir den Unterleib zusammen zog. Also gefiel es ihm durchaus auch wenn das recht lange Kosenamen waren. Mir fiel die Kette ein, die ich gerade noch in den Händen hielt und sah mich nach dem Schmuck um. "Was suchst du?" erkundigte er sich während er seine Hände seitlich auf meine Schenkel legte. Was mir bewusst machte, dass ich meine Narben noch eincremen musste.

                "Die Kette, die ich vorhin in der Hand hatte." Ich richtete mich etwas auf und fand sie zwischen meinen Beinen liegen. "Da ist sie ja." lächelte ich den Schmuck an und wollte ihn mir über den Kopf ziehen. Doch Jason hielt mich davon ab, übernahm die Kette, die er mir über mein Haar schob und es dann aus der Kette zog.

                "Yer jalan atthirari anni" sagte er und ich war dabei in mich zusammen zu sacken. Wie so ein dämlicher Teenager, der schon bei einer kleinen Bewegung einen Herzinfarkt bekam. Aber er ließ es erst gar nicht dazu kommen und zog mich auf seinen Schoß, wo er mich wieder an sich drückte. Und gerade spürte ich, wie sich die Stimmung veränderte. Stirnrunzelnd sah ich ihn an. "Süße, ich bin nicht Khal Drogo. Ich bin nur der Mann, der das Glück hatte sich zu verlieben." Okay, das schlug dem Fass den Boden aus.

                "Verliebt?" Ich sah zu ihm hoch. Und in einer Umarmung war das gar nicht gut, wie ich direkt fest stellen konnte. Lippen berührten meine, die mich seit etwa neun Monaten in meinen Träumen wahnsinnig machten. Eine warme, weiche Zunge versuchte meine Lippen zu durchdringen, meinen Mund zu erobern, der sich willig öffnete, seiner Zunge Einlass gewährte, um mit meiner zu tanzen. Ich spürte, wie er mich langsam auf seine Arme nahm, den Höhenunterschied ausglich und mich, gefühlt, ins Koma küsste. Doch das Koma blieb aus, als ich die johlenden Rufe der Kinder hörte. Sie hatten uns beim Küssen erwischt. Er löste sich von meinen Lippen, die gierig nach den seinen schrien.

                "Ja, verliebt." wiederholte er und schenkte mir dieses unglaubliche Lächeln ehe er samt mir aufstand und sich umdrehte, um seine Kinder anzusehen. Lola grinste breit, als sie zu mir hoch sah und Wolf sah mich skeptisch an. Natürlich. Bei unserem ersten Treffen hatte ich Wolf etwas anderes gesagt als er jetzt vor fand. Dann hoben sie beide ihren Zeigefinger mit dem sie auf mich deuteten und mal wieder im Chor sprachen:

                "Also liebst du unseren Papa doch!" Und wieder fingen sie an zu feiern. Seufzend vergrub ich mein Gesicht an seinem Hals. "Sie wird unsre Mama. Sie wird unsre Mama." sangen die Beiden lauthals ehe ihre Stimmen leiser wurden und dann gänzlich verstummten.

                "Das musst du ihnen ausreden." sagte ich als ich meinen Kopf gehoben hatte und ihn ansah. "Ich kann dich nicht heiraten. Ich bin viel zu alt für dich." Seine Braue sprang hoch bei meinen Worten.

                "Ist jetzt nicht dein Ernst oder?" wollte er todernst wissen.

                "Doch, ist mein Ernst." Ich fühlte mich irgendwie im falschen Film. Er atmete tief durch und versuchte dabei ruhig zu bleiben.

                "Um es mal mit Worten aus deiner Lieblingsserie zu sagen. Wir suchen uns nicht aus, wen wir lieben." Und dann lenkte mein Chaos ab.

                "Sind meine DVDs auch hier?" Ich spürte, wie sich alles an ihm anspannte. Er war sauer. Ich musste das mit meinen Gedankensprüngen unbedingt in den Griff kriegen. "Ja, ähm" versuchte ich einzulenken und legte schnell einen Arm um seinen Nacken und die andere Hand auf seine Brust. "Ich weiß, was du meinst. Aber…" Ich rutschte auf seinen Armen rum, um ihm zu bedeuten, dass ich runter wollte. Er brachte mich auf den Boden der Tatsachen zurück, auf dem ich etwas von ihm wich. "Du wolltest mich doch kennen lernen, mehr von mir wissen oder?" Vielleicht bekam ich ihn so dazu mich zu verstehen. Was ich bezweifelte wenn ich diesen Kuss beurteilen müsste. Misstrauisch sah er mich eine Weile an, aber da ich wohl keine Anstalten machte davon zu laufen, nickte er und lehnte sich bequem gegen die Küche. Ich setzte mich auf die Kücheninsel, schob meinen Fuß unter meinen Hintern und hangelte nach der Creme, mit der ich mich einreiben wollte. Dann dachte ich kurz nach, meinen Blick in die Dose gerichtet. "Ich liebe dich." war das Erste das ich sagte, womit ich ihn völlig aus dem Konzept brachte. Strahlend eilte er auf mich zu, ließ sich nicht von mir abhalten, da ich gerade die Hände hob und küsste mich erneut. Doch dieser Kuss fühlte sich anders an. Erleichtert, vielleicht sogar angekommen. Ich schloss meine Augen, schob meine Hände unter sein Haar und kraulte seinen Nacken während meine Beine ihn einfingen. Ich glaube uns fiel gerade Beiden eine große Last vom Herzen. Nach einer gefühlten Stunde löste er den Kuss und sah mich glücklich an.

                "Und ich liebe dich." raunte er mir zu und legte seine Pranken unglaublich zärtlich auf meine Wangen. Ich hob eine Hand und legte sie auf seine, die ich nun sanft in der Innenfläche küsste.

                "Ich wollte dir doch etwas erzählen." Meine Stimme klang heiser. Ich räusperte mich und schob meine Hände auf seine Taille. Er atmete tief durch und nickte. Es sah aus als würde er schmollen.

                "Na gut." Ohja, er schmollte.

                "Das Einzige, das ich bisher erreicht hatte war mein Schulabschluss. Ich hab' sogar das College abgeschlossen. Die Geschichte kennst du ja." Er nickte. "Ich hatte immer gehofft einen tollen Job zu bekommen, damit ich mir kaufen konnte wovon ich träumte. Aber so kam es nicht. Und um nochmal zu studieren, war es zu spät. Ich hatte die Zeit einfach nicht und das Geld erst recht nicht. Meine Eltern starben noch bevor ich in die Wohnung nach New York gezogen bin. Bis dahin konnte ich mich mit billigen Jobs über Wasser halten." Ich sah zum Kühlschrank, aus dem ich mir gerne eine Flasche Wasser geholt hätte aber meine Arme waren zu kurz. "Gibst du mir eben eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank?" bat ich ihn. Vorerst wollte ich ihn nicht los lassen. Er streckte seinen Arm aus und holte eine Flasche heraus.

                "Hier" meinte er leise und reichte mir die Flasche, die ich widerwillig öffnete, da ich meine Hände von ihm nehmen musste. Ich trank einen Schluck und bot dann Jason die Flasche an. Kopfschüttelnd lehnte er ab.

                "Und dann sah ich diese dämliche Serie, die ich schon mochte als David Hasselhoff die Hauptrolle spielte." Schmunzelnd sah ich ihn an und sah zu wie seine Braue hoch kroch, dabei grinste er. "Wer weiß, vielleicht war es Schicksal, dass ich erst zu Staffel zehn eingeschaltet habe." Ich konnte ihm ansehen, dass er sich erinnerte. "Ich saß also da und sah diesen hübschen, jungen Mann, der gerade mal neunzehn oder zwanzig Jahre alt war. Zehn Jahre jünger als ich. Und trotzdem fand ich den Typ zum anbeißen. Aber da kamen mir schon meine Zweifel in den Weg. Zehn Jahre älter und der Junge hatte eine Karriere vor sich. Unerreichbar für mich. Also tat ich es mal wieder als gegeben ab und fand mich damit ab. Glück hatte ich selbst in jüngeren Jahren nicht." Ich trank nochmal einen Schluck und stellte die Flasche neben mich auf die Kücheninsel. Meine Hände glitten sofort wieder an seine Taille, wo ich mich an den Schlaufen seiner Hose fest hielt. "So wie Fans eben sind. Sie machen sich nichts vor. Aber die Geschichte kennst du auch schon." Ich besah mir die Flasche neben mir als wäre sie hoch interessant. "Das hielt mich aber nicht davon ab die Karriere des hübschen Bengels zu verfolgen. Ach, das hätte ich fast vergessen." Ich küsste ihn flüchtig ehe ich mich aus seiner Umarmung befreite, von der Theke runter hüpfte und mein Handy holte, das in dem süßen Schlafzimmer auf meinem Nachttisch lag. Ich nahm es an mich und ging wieder rüber, suchte dabei ein paar Bilder heraus, die ich anfing zu ordnen. Ich hatte, seit ich das erste Handy mit Kamera hatte, das ein oder andere Bild von mir gemacht, wie ich zu verschiedenen Zeitpunkten aussah. Ich bearbeitete die Bilder noch schnell und fügte mein Alter hinzu. Dann gab ich ihm das Handy mit dem ersten Bild. Fragend sah er mich an. "Sieh dir die Bilder einfach an." Er nahm das Handy an sich während ich wieder auf die Kücheninsel sprang und etwas Wasser trank.

                "Bist du sicher, dass du mir die zeigen willst?" wollte er wissen. Ich nickte.

                "Du wolltest mich kennen lernen. Jetzt bekommst du einen ersten Eindruck von mir."

                "Okay" sagte er und sah sich nun die Bilder an. Sie zeigten mich wie ich immer dicker wurde und zuletzt mit 105 Kilo. Seine Brauen sprangen hoch und er sah mich verdutzt an. Wohl eher meine Figur. Ich begann zu lachen.

                "Ich hab' sehr viel geraucht und bin davon krank geworden. Ich konnte nicht mehr laufen also hat man mir Stents in die Beinadern eingesetzt und mir dringend empfohlen mit dem Rauchen aufzuhören. Und da ich nicht an irgendeinem Scheiß sterben wollte hab' ich es von jetzt auf nachher aufgegeben. Und ich hab' mindestens achtundzwanzig Zigaretten am Tag geraucht." Beeindruckt ging sein Blick in meine Augen. "Ja, so war das." nickte ich und erzählte dann weiter. "Jedenfalls war mein Selbstbewusstsein kaum bis gar nicht vorhanden." Ich zog ihn wieder zwischen meine Beine. "Und welcher Mann stand schon auf sowas? Ich kenne jedenfalls keinen. Die stehen alle nur auf sowas." Ich fuhr mit einer Hand meine jetzige Silhouette nach. "Also Selbstwertgefühl gleich null. Wo soll dann Hoffnung her kommen? Jedenfalls lebte ich praktisch in meiner Welt. Mit den Jahren fand ich heraus, dass mir der Gothic-Stil gefiel, aber ein Goth war ich noch lange nicht. Wer hätte es mir auch näher bringen sollen? Meine Apothekerin?" Ich schüttelte den Kopf. "Und neben all meinen Problemen hab' ich immer nach diesem hübschen Bengel gesehen, der mit zunehmendem Alter immer schöner wurde." Ich atmete tief durch und schloss meine Augen. "Gott, was hätte ich dafür gegeben nur einen Wimpernschlag mit ihm zu verbringen." Ich strich mir über meinen Hals, der schon wieder trocken war. Ich trank also einen Schluck und fuhr dann fort. "Und dann war er siebenundzwanzig und hat geheiratet. Einfach so." Dabei schnipste ich mit dem Finger. "Und als ich die zukünftige Mutter seiner Kinder sah fiel mein Selbstwertgefühl auf minus 432 Grad Fahrenheit. Ich hab' sogar geheult, weil meine Träume wie eine Blase zerplatzten. In diesem Moment wurde mir wieder bewusst wer ich war und wer der hübsche Mann war. Er war der Star und ich der Fan." Ich konnte sehen wie Jason seine Augen verdrehte und den Kopf schüttelte. "Ach, jetzt tu nicht so als hätte ich nicht Recht. Der Sonntag der Con hat es doch ganz deutlich gezeigt." Er sackte in sich zusammen.

                "Ich geb' mich geschlagen." Ich zwinkerte ihm zu und nickte.

                "Sag ich doch." Ich musste kurz überlegen wo ich war. "Wo war ich? Ach ja. Ich hab' ihn dennoch beobachtet und gefeiert als sie den, mittlerweile Mann schlechthin, verlassen hat." Ich hob abwehrend meine Hand. "Keine Lügen, nichts beschönigen." Denn er wollte zu etwas ansetzen, das mir sicher nicht gefallen hätte. "Es war mir schlichtweg egal was mit ihr war. Der Mann meiner Träume war wieder frei und hatte zwei umwerfende Kinder bekommen. Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass ich diesen Mann niemals bekommen würde. Sowas passierte nur Cinderella." Ich schloss meine Beine wieder um seine Hüfte und legte meine Hände auf seine Brust. "Dann kam Game of Thrones und das unterzeichnete mein Todesurteil. Der Mann war in Conan schon so scharf, dass er einen Waffenschein brauchte und dann verkörperte er den wilden Krieger, den niemand besiegen konnte. ROLLENTAUSCH! Bitte! Scheiß egal wie er die Frauen behandelt. Er soll mich nehmen!" Ich hielt meine Hand an die Stirn und tat auf Diva. "Haaaaaaaach" Ich grinste ihn an und nahm meine Hand wieder runter. "Ich glaube, da wusste ich, dass ich doch verliebt war. Aber ich wollte es mir nicht eingestehen, weil sowas einfach nicht passiert." Er hob eine Braue. Natürlich. Ich hatte gerade gestanden doch in ihn verliebt zu sein. Aber hatte ich das nicht schon mit diesen kleinen drei Worten? Ich blieb eine Weile still um zu sehen, ob er was sagen wollte. Doch er war immer noch dabei das Gehörte zu verarbeiten. Okay, dann erzähl ich weiter. "Sieben Staffeln vergingen, die ich mir alle auf Blu-ray gekauft habe, um mir immer wieder Staffel eins anzusehen." Ich spürte, wie meine Wangen rot wurden, weil ich mir die alten Erinnerungen zurück holte. "2015 wurde bereits eine große Convention für 2017 angekündigt, für die ich angefangen habe zu sparen. Egal was die Karte kostete, ich wollte dabei sein. Ende 2016 wurde das Ganze bestätigt und die Gästeliste veröffentlicht. Du kannst dir vorstellen, wie ich gefeiert habe, als ich seinen Namen auf der Liste fand. Endlich würde ich ihm so nah sein wie noch nie und wenn es nur im gleichen Gebäude wäre. An den Rest solltest du dich erinnern." Ich endete absichtlich hier, denn ich hatte noch eine andere Version auf Lager.

                "Puh, das war jetzt ziemlich viel. Hat mir aber nur deinen Charakter beschrieben. Wie groß du bist oder welche BH Größe ich kaufen muss weiß ich immer noch nicht." Ich konnte nicht anders und begann zu lachen.

                "Ich erstelle ein paar Websites, dann kannst du es googeln." Frech grinste ich ihn an ehe ich wieder auf das Eigentliche zurück kommen wollte.

                "Wie du mir so ich dir, hm?" Ich kicherte und nickte dabei.

                "Japp, so in etwa. Aber lass mich dir jetzt eine andere Version erzählen. Und bitte, versuch dich wirklich rein zu versetzen, es dir vorzustellen." Er nickte, hob aber einen Finger.

                "Ich versuche es, wenn ich danach deine Körbchengröße kriege. Sonst muss ich sie mir mit Gewalt holen." Und dann setzte er wieder diesen Blick auf, diesen Ich-krieg-was-ich-will-Blick.

                "Hör auf mich so anzusehen, sonst sterbe ich und du bekommst gar nichts." Ich versuchte vergebens meine Beine zusammen zu pressen, die ich ja um seine Hüfte geschlungen hatte, weil nicht nur mein Höschen in Flammen stand. Tief atmete ich durch während ich ihn ernst ansah. "Stell dir einmal folgende Situation vor. Du, der Traum einer jeden Frau und ich? Dein größter Fan, alles wäre so gekommen wie es kam, aber ich wäre nicht am Flughafen gewesen." Ich beugte mich ein wenig vor und sah ihn an. "Sei ehrlich. Wie groß wären die Chancen gewesen mich zu entdecken?" Verstehend sah er mir lange in die Augen und nickte dann.

                "Schwindend gering." gab er zu und reichte mir mein Handy.

                "Richtig. Und jetzt sag mir, dass ich mich falsch verhalten habe." Er schüttelte den Kopf. "Ein Fan bekommt seinen Star nicht. Menschen wie Jane kriegen das, aber nicht jemand wie ich." Ich überlegte ob ich meiner Rede noch etwas hinzufügen wollte aber entschied mich dafür es für heute gut sein zu lassen.

                "Ich gebe mich geschlagen." sagte er erneut und wollte sich mir entziehen. Stirnrunzelnd hielt ich ihn fest und sah ihn fragend an.

                "Wo willst du hin? Fliehst du jetzt vor mir?" Er löste sich von mir und sah mir tief in die Augen.

                "Nein. Ich fliehe ganz sicher nicht vor dir. Aber ich muss das Gehörte erst mal verdauen. Sowas bekommt man nicht jeden Tag an den Kopf geworfen." Lächelnd beugte er sich zu mir runter und küsste meine Wange. Ich legte meine Hand auf seine Wange und erwiderte sein Lächeln.

                "Ich weiß, dass du eigentlich ein ganz normaler Typ bist, der seine Kinder und seinen Job über alles liebt." Ich strahlte ihn an, schob ihn etwas von mir und sprang von der Kücheninsel runter. Dann zog ich ihn mit hinaus Richtung des Pools, für den ich mir noch den ein oder anderen Bikini kaufen musste. Dann blieb ich stehen und drehte ihn um. "Und ich verwette meinen Hintern, wenn du das nicht mit den Kindern zusammen gebaut hast." Mit erhobener Braue sah er mich an. Leise begann ich zu kichern. "Ich hab' 'Canvas of my Life' gesehen." gestand ich ihm noch mehr zu wissen, als ihm vielleicht lieb war. Aber andererseits hätte er das Video nicht machen dürfen, wenn es niemand sehen sollte. Ich fand es toll, dass noch jemand außer mir seine Braue so hoch ziehen konnte. "Ich sagte doch, dass ich dein größter Fan bin. Ich hab' alles gesehen, was es im Internet gibt." Skeptisch sah er mich an.

                "Da wäre ich mir nicht so sicher." Ich zog die Brauen zusammen, weil ich gerade auf dem Schlauch stand.

                "Natürlich bin ich mir sicher." Allerdings hatte ich die Zeit nach der Con vergessen, in der ich ihn vergessen wollte. Er setzte dieses überlegene Grinsen auf und zog sein Handy heraus um im Internet etwas zu suchen. Dann schnappte er sich meine Hand und zog mich mit sich zu einer der Sonnenbänke auf die er sich setzte und mich auf seinen Schoß zog. Ich legte meinen Arm um seine Schulter und sah auf sein Handy. Ich konnte erkennen, dass es ein Video auf YouTube war. Aber er ließ es noch nicht laufen.

                "Meine Kinder haben sich einen Kanal gemacht für den Fall, dass sie mal ein Video hochladen möchten." Und dann drückte er auf Play. Das Bild wackelte ganz schön, aber ich sah es nach, da es entweder Lola oder Wolf aufgenommen hatte. Man sah wie sie durch Gebüsch liefen und dabei flüsterten. 'Sei leise sonst bekommen wir Ärger.' sagte Lola, worauf Wolf sich aufregte. 'Ich sag' doch gar nichts.' Automatisch fing ich an zu grinsen. 'Psst jetzt. Wir sind gleich da.' Vorsichtig schoben sie die Zweige der Büsche beiseite und zum Vorschein kam der Mann, bei dem ich gerade auf dem Schoß saß. Er stand vor etwas, das ich noch nicht sehen konnte und hielt einen Pinsel in der Hand. Ich hob eine Braue. Dann schwenkte Lola langsam nach rechts. Die Wand war mit zu viel Licht beleuchtet, was Lola dazu zwang, die Position zu wechseln. Doch sie blieben still dabei. Langsam wurde deutlicher was man auf der Wand sehen konnte. 'Alles liebe zum Valentinstag, Tante Beth.' sagte Lola leise und jetzt konnte man richtig sehen was es war. Jason war dabei das Bild von mir und ihm hinter dem Javits-Center an die Wand zu pinseln. Kurz sah ich ihn an und blinzelte heftig ehe ich ihn leidenschaftlich küsste.

                "Ich liebe euch alle Drei." nuschelte ich gegen seine Lippen ehe ich Tränen in die Augen bekam und mich von seinem Schoß erhob. Jason sah zu mir hoch während ich verträumt zu ihm runter lächelte. "Okay, ich geb' es zu. Manchmal bekomm' ich wovon ich träume." Nochmal küsste ich seine Lippen ehe ich mich gänzlich von ihm löste.

                "Wo willst du hin?" Er zog fragend seine Brauen zusammen und hielt mich an meiner Hand fest.

                "Zurück ins Gästehaus." Ich nickte in die Richtung. "Ich muss die Narben noch eincremen." Deutlich konnte ich in seinem Gesicht lesen, das er das gerne machen wollte. Leise fing ich an zu lachen. "Okay, aber lass deine Finger dort, wo sie hin gehören." Ich zog leicht an seiner Hand damit er von der Sonnenbank aufstieg.

                "Ich geb mir die größte Mühe." versprach er grinsend ehe ich dann mit ihm im Gästehaus verschwand.

 

17. August 2018

                Nach und nach hatte ich meine Sachen so gestellt, wie ich es brauchte, denn ich hatte wieder mit dem Zeichnen angefangen. Lola saß oft bei mir, wenn ich nicht mit ihr an den Strand konnte oder wir im Pool plantschten. Ebenso Wolf, der sich unheimlich für die Zeichnungen interessierte.

                "Ist eigentlich ganz einfach." sagte ich und gab ihm einen Stift in die Hand, legte ihm einen kleinen Zeichenblock hin und tippte drauf. "Du hast ein paar Möglichkeiten wie du was zeichnen kannst." Doch er hörte mir nicht zu sondern ließ den Stift schon über das Blatt wandern. Der perfekte Maler war er jetzt nicht, aber was er da zeichnete sah schon richtig gut aus. Er versuchte sich an Händen, Fingern, die eine Hand klein, die andere groß. Die Proportionen stimmten nicht ganz, aber das würde ich niemals von dem jungen Mann erwarten. Lola setzte sich derweil auf mein Bein und ließ sich von mir umarmen während sie ihrem Bruder zusah. Dann kam sie dicht an mein Ohr.

                "Ist das gut, was er da macht?" wollte sie im Flüsterton wissen. Langsam nickte ich.

                "Dafür, dass er zum ersten Mal etwas in der Richtung zeichnet ist das sogar richtig super." flüsterte ich zurück und küsste ihre Wange ehe ich wieder auf den Block sah. Lola kicherte leise als ich sie küsste und schmiegte sich an mich. Ich wandte meinen Kopf als ich Jason hörte.

                "Beth? Wo seid ihr?" wollte er wissen.

                "In meinem Arbeitszimmer." rief ich und sah wieder zu Wolf, den gerade gar nichts interessierte.

                "Und was zeichnest du? Wieder einen dieser Stars, die du nicht erreichen kannst?" neckte er mich.

                "Nicht doch. Du hängst gefesselt an einer Wand und wir bewerfen dich gerade mit Kuchen." Frech grinste ich zu ihm hoch als er hinter mir stehen blieb. Er ließ seinen Blick wandern und blieb dann an Wolfs Zeichenblock hängen. Mit erhobener Braue starrte er eine Weile das Bild an, das sich recht gut formte.

                "Das sieht aus wie deine Hand, Süße." Dann sah er zu mir runter und nickte ihm als Bestätigung zu.

                "Und die kleinere Hand ist seine." erklärte ich Jason, der seine Hände gerade auf meine Schultern legte.

                "Wow" machte er beeindruckt. "Aber deshalb bin ich nicht hier." Neugierig sah ich zu diesem unglaublich schönen Mann hoch, dem ich meine Liebe gestanden hatte. "Emilia kommt gleich und passt auf die Kinder auf." Natürlich kroch meine Braue hoch, denn ich passte viel lieber selbst auf die Kinder auf. Auch Lola sah fragend zu ihrem Dad hoch. Jason streichelte seiner Tochter sacht über die Wange. "Ich hab' eine Überraschung für Beth." Lächelnd zwinkerte er Lola zu als wüsste sie wovon er sprach.

                "Okay, dann bleiben wir hier, damit Wolf sein Bild fertig malen kann." Lola sah mich an.

                "Ja klar, aber bitte nichts durcheinander machen, okay?" Lola drückte mich nochmal ehe sie von meinem Schoß rutschte und sich wieder auf ihren Stuhl setzte.

                "Jason? Beth?" konnte man meine Freundin bereits hören.

                "Im Arbeitszimmer." riefen wir und fingen an zu lachen. Jetzt erst hob Wolf seinen Kopf um zu sehen, was ihn da störte. Der Junge war einfach nur der Knaller. Er sah sich kurz um, zuckte mit den Schultern und widmete sich wieder seinem Bild. Ich erhob mich als Jason mir seine Hand reichte und Emilia herein kam. Mit erhobener Braue besah sie sich meine Hand in seiner und nickte leicht.

                "Hi ihr vier." schmunzelte sie und sah von mir zu Jason. Schmunzelnd nickte ich als hätte sie mir eine Frage gestellt. "Sehr schön." sagte sie zu meiner stummen Antwort und gab mir ein Küsschen auf die Wange. "Und jetzt ab mit euch. Ich will euch vor heute Abend hier nicht sehen." Und schon wurden wir hinaus bugsiert.

                "Bis heute Abend." rief Jason seinen Kindern noch zu und zog mich mit sich hinaus in die Sonne. Dann nahm er meine Hände, zog meine Arme auseinander und betrachtete mich eine Weile. "Ja" nickte er langsam. "so kannst du bleiben." Meine Braue verschwand mal wieder in meinem Haaransatz als er mich angrinste. Skeptisch schmunzelte ich ihn an.

                "Und wofür?" hakte ich nach als er mich auch schon zum SUV zog, die Beifahrerseite öffnete und mich auf den Sitz hob.

                "Das wirst du schon sehen." Schnell küsste er mich und umrundete den Wagen während ich mich anschnallte und er sich nun neben mich setzte.

                "Wir fliegen jetzt aber nicht nach Rio rüber, oder?" Ich drehte mich auf meinem Sitz damit ich ihn bequem ansehen konnte. Verwirrt hob er eine Braue, was mich leise lachen ließ. Ich senkte den Kopf und schüttelte ihn kurz. "Ist nicht so wichtig." Forschend sah er mich eine Weile an.

                "Bist du sicher?" hakte er nach.

                "Ganz sicher." nickte ich langsam und hielt dabei meinen Blick in seinen Augen.

                "Okay" brummte er und startete den Wagen, steuerte ihn durch das große Tor und fuhr rechts runter auf die fourth Street, der er sehr lange folgte. Während er sich auf den Verkehr konzentrierte sah ich neugierig aus dem Fenster. Viel hatte ich von Venice noch nicht gesehen. Aber mehr als Häuser, Bäume und Büsche gab es nicht zu sehen. Ich drehte mich um und rutschte dicht zu ihm, um mich an ihn zu lehnen. Lächelnd sah er mich kurz an und hob seinen Arm, damit ich es mir bequem machen konnte. Gut, dass der SUV ein Automatik war.

                "Danke." sagte ich leise und küsste seine Brust. Naja, mehr das Shirt als die nackte Haut. Während meine Hand auf Wanderschaft ging, schloss ich meine Augen und genoss seinen ganz eigenen Geruch. Duschgel mischte sich mit Deo und seinem Duft, was fast schon berauschend auf mich wirkte. Ähnlich einem Aphrodisiakum, das tatsächlich wirkte. Spürend um das Verlangen, das in mir aufstieg löste ich mich von Jason, der mich einen Moment verwirrt ansah.

                "Alles okay?" wollte er wissen und bog auf die Pacific Avenue ein, die ich bereits kannte.

                "Ja." sagte ich heiser und lächelte ihn verschmitzt an. Die Beine drückte ich fest zusammen, da meine Mitte die Kontrolle übernehmen wollte. Er betrachtete mich eine Weile von Kopf bis Fuß ehe er nickte.

                "Wir sind bald da." ließ er mich wissen und lächelte die Scheibe an. Ich nickte leicht und versuchte mich zu erinnern, ob ich hier schon war, denn er war gerade in den Washington Boulevard eingebogen. Kurz danach bog er rechts ab. Linkerhand lag ein Gebäude, das mir die Sicht versperrte. Ich hatte mich mittlerweile aufgerichtet und sah nun neugierig durch die Frontscheibe. Dann sah ich Wasser und ziemlich viele Boote. Ich war schon drauf und dran mein Fenster herunter zu lassen, mich abzuschnallen und mich aus dem Fenster zu lehnen oder auf den Holm zu setzen.

                "Ist das nicht Marina del Rey?" fragte ich als ich mich aus dem Fenster lehnte um mehr sehen zu können.

                "Eins zu null für die schönste Frau der Welt." Dann spürte ich ein Zwicken an meinem Po und hörte ein leises Lachen dazu.

                "Autsch" machte ich übertrieben und rieb mir über die Stelle, die er gekniffen hatte. Dabei rutschte ich langsam wieder ins Auto und sah ihn neugierig an. "Was wollen wir hier?" Er steuerte linkerhand einen großen Parkplatz an.

                "Wir machen einen Ausflug." Er parkte den Wagen und stieg dann aus. Während ich mich abschnallte sah ich ihm nach.

                "Und wohin?" Er öffnete mir die Tür und hob mich aus dem Wagen.

                "Zu einer Insel." gab er mir noch eine Information, die mein Gedächtnis wieder als Vorlage benutzte. Aber ich kam nicht dazu etwas zu sagen. "Und nein, es ist nicht Esmes Insel." Mit erhobener Braue sah ich zu, wie er einiges aus dem Kofferraum nahm.

                "Und ich nehme mal an, dass wir nicht dorthin schwimmen?" Ich wollte ihm etwas abnehmen aber er schüttelte nur den Kopf und nahm stattdessen meine Hand.

                "Mein Transportmittel gefällt dir sicher besser." Er zwinkerte zu mir runter während er mich zu einem Weg am Wasser entlang und zu den Stegen manövrierte, wo die vielen hübschen Boote lagen.

                "Ein Boot." stellte ich begeistert fest und strahlte ihn an.

                "Mhm" machte er als er mit mir den dritten Steg betrat. Ich hielt mich auch mit der anderen Hand an ihm fest als wir die Boote passierten und bei einem anhielten. 'Coni' stand auf dem Heck, was mir Tränen in die Augen trieb.

                "Gott ist das süß." schniefte ich. Er hatte mich los gelassen und brachte seine Mitbringsel an Bord.

                "Fand meine Mutter auch." Lächelnd zwinkerte er mir zu und reichte mir seine Hand, damit ich sicher an Bord gehen konnte. Ein wenig wackelig stieg ich in das Boot, das von der Belastung ein wenig hin und her wog. Doch das brachte mich nicht dazu alles mit Faszination anzusehen.

                "Ich war noch nie auf einem Boot." gab ich zu und setzte mich auf den Platz, der eigentlich dem Skipper gebührte. Mit großen Augen sah ich mir alles an, streichelte über das kühle Metall des Steuerrades ohne es wirklich zu berühren. Ich sah zu ihm hoch, als er sich neben mich stellte und lächelte zu mir runter.

                "Du bist wirklich erstaunlich." Seine braunen Augen funkelten mich an während er mir die Schwimmweste hin hielt, damit ich sie anziehen konnte. Schmunzelnd zog ich die Stirn kraus.

                "Wieso?" wollte ich wissen und erhob mich von meinem Platz. Ich schloss meine Weste gerade als mir auffiel, dass er seine schon anhatte.

                "Weil dich Kleinigkeiten mehr freuen, als zum Beispiel die Tatsache, dass du bekommen hast, was du dir immer gewünscht hast." Wir wechselten die Plätze während ich ihn fragend ansah. Er startete den Motor des Schnellbootes, fuhr langsam aus dem Liegeplatz und raus aus dem Hafen. Dabei setzte ich mich auf seinen Schoß und sah ihm fasziniert zu.

                "Dass ich bekommen habe, was ich wollte?" wiederholte ich während ich mir die vielen Boote ansah, die an uns vorbei zogen. Und dann fiel der Cent und hob meine Brauen hoch. Ich sah ihn überrascht an. "Oh" machte ich und begann zu grinsen. "Stimmt" zärtlich küsste ich ihn ehe er uns sicher aufs offene Meer gebracht hatte. Meine Haare flatterten im Fahrtwind, den ich mit geschlossenen Augen genoss. Ich fragte mich, was wohl passiert wäre wenn ich Jason schon viel früher begegnet wäre? Als er noch nicht verheiratet war. Wäre ich die Frau an seiner Seite geworden? Hätte ich ihm diese entzückenden Kinder geschenkt? "Ich liebe dich." hauchte ich ihm ins Ohr und eilte dann ans Heck um ins Wasser zu sehen.

                "Und ich liebe dich." Ich hielt mich an der Reling fest während das Boot über das Wasser sauste. "Komm lieber wieder zu mir. Hier bist du sicherer." Ich drehte mich ein wenig und sah ihn an. Er reckte mir seine Hand entgegen, die ich ergriff und mich zu ihm ziehen ließ. Wieder saß ich auf seinem Schoß und hielt mich an ihm fest.

                "Dauert es noch lange bis wir da sind?" Als hätte ich das noch nie getan streichelte ich über das zusammen gebundene Haar. Und dann fiel mir ein, dass ich das wirklich noch nie gemacht hatte. Schmunzelnd sah ich ihn an.

                "Nein" raunte er mich an und biss mir sacht in die Unterlippe. Lange sah ich ihn lächelnd an ehe ich ein

                "Au" verlauten ließ. Er hob eine Braue wobei er mich dichter an sich zog.

                "Wir sind fast da." flüsterte er mir zu und ich sah natürlich durch die kleine Frontscheibe ehe ich mich aufrichtete um über die Scheibe hinweg zu sehen. Und wieder durchforstete ich mein Gedächtnis, ob es einen Name dieser Insel für mich hatte.

                "Ich hab definitiv zu viel Zeit zuhause verbracht." Ich betrachtete die Küste während Jason auf sich aufmerksam machte.

                "Ja, hast du. Und jetzt setz dich bitte auf den Sitz. Ich muss Bescheid sagen, dass wir da sind und wo wir hin wollen."

                "Okay" Ich setzte mich neben ihn und sah dann wieder zu der Küste, die immer näher kam. Ich bekam nicht wirklich mit, mit wem er da redete. Davon verstand ich eh nichts. Er steuerte einen kleinen Hafen an, wo wir von jemandem empfangen wurden. Aber wir blieben nicht hier, sondern fuhren die Küste entlang und wieder aufs offene Meer. Ich hatte es mir ein wenig zu bequem gemacht, denn ich verschlief den Rest der Fahrt und wachte erst wieder auf als ich auf etwas weichem abgelegt wurde. In der Zwischenzeit hatte ich wieder von Jason geträumt, der mit mir zu Esmes Insel fuhr. Langsam schlug ich die Augen auf, sah aber nur Holz. Jasons bevorzugtes Material. Ich wischte mir einmal übers Gesicht und richtete mich auf. "Jason?" rief ich nach ihm und stand von meinem Bett auf, das sich als hübsche Liege heraus stellte. Da er sich nicht meldete sah ich mich in dem Holzhaus um. Ich fand eine kleine Küche, ein Bad, ein unglaubliches Kingsize Bett und das geräumige Wohnzimmer, in dem ich erwacht war. Blinzelnd drehte ich mich um die eigene Achse bevor ich mir eine Wand suchte und meine Stirn dagegen schlug. Es tat schon beim ersten Mal weh also war das alles echt. Murrend rieb ich mir über die Stirn während ich in die Küche ging und den Kühlschrank auf etwas zu Trinken überprüfte. Hier standen einige Flaschen meiner bevorzugten Marke drin. Ich schnappte mir eine und ging zurück ins Wohnzimmer, wo ich mich meiner Schuhe entledigte und durch die breite Glastür hinaus ging. SO hatte ich mir Emilias Haus vorgestellt. Direkt am Wasser. Und jetzt stand ich auf feinem weißem Sand, der sich bis zum Wasser erstreckte. Ich trank einen Schluck während ich weiter aufs Wasser zu ging und mal wieder meine Füße beobachtete, wie das Wasser meine Zehen umspülte. Freudig begann ich zu lachen, warf die Flasche weg und zog das Kleid aus, das mir jetzt nur im Weg war. Nur im BH und Höschen rannte ich weiter ins Wasser bis ich abtauchen und schwimmen konnte. Das Wasser war nicht kalt. Richtig angenehm was wohl an der geringen Tiefe zum Meeresboden lag. Aber genau wusste ich das natürlich nicht. Ich fühlte mich wie Julia Roberts als sie in der Wanne abtauchte und herzlich lachte. Nur dass ich lauthals lachend im Wasser platschte. Dass ich beobachtet wurde bemerkte ich erst als ich zurück zum Strand schwamm. Er stand einfach da. Kurze Hose, kein Shirt, mit offenen Haaren, die sich sacht in der leichten Brise bewegten. Und er hielt etwas in der Hand, das scheinbar viel zu wenig Stoff hatte als dass es eine Shorts sein konnte. Neugierig geworden schwamm ich näher. "Da bist du ja." sagte ich und entstieg langsam dem Wasser. Weiße Unterwäsche war einfach nicht geeignet zum Schwimmen, denn der Stoff zeigte mehr als er verbarg. Wieder starrte er mich an, aber nicht wie damals in meiner Wohnung.

                "Du solltest lieber den hier anziehen." raunte er heiser und ließ den Badeanzug vor mir baumeln.

                "Ach wirklich?" tat ich auf unschuldig. "Eigentlich hatte ich vor nackt zu schwimmen." Frech grinste ich ihn an, schnappte mir den Badeanzug und rannte was das Zeug hielt, denn sein Gesicht verdunkelte sich. Oh ja, genau das wollte ich schon immer.

                "Na warte." brummte er und kam mir hinterher. Ich sah kurz über meine Schulter und fing an zu lachen. Ich versuchte noch etwas schneller zu laufen, aber bei seinen großen Schritten würde ich keine Chance haben. Im Haus sah ich mich kurz nach einer Fluchtmöglichkeit um, denn in den Dschungel hinter dem Haus wollte ich nicht laufen. Ich hatte Angst mich zu verirren. Tja und jetzt stand ich da. Das Haus war recht groß und trotzdem fand ich keine Tür, die mich hinaus ließ. Also öffnete ich ein Fenster und wollte hinaus klettern als mich seine Pranken griffen und zurück in den Raum zogen. Erschrocken schrie ich auf und lachte irgendwie dabei. Dazu strampelte ich ein bisschen wie ich es in meinen Träumen das ein oder andere Mal getan hatte. "Hab' ich dich." verkündete er triumphal und hob mich noch höher. Und da ich ihm den Rücken zu gewandt hatte kam ich mir vor wie Simba, der auf diesem Felsen in die Luft gehalten wurde.

                "Jetzt hast du mich." Ich hielt mich an seinen Handgelenken fest, aus Reflex, denn wirklich fallen konnte ich nicht. "Und was machst du jetzt mit mir?" wollte ich wissen und spürte wieder das Verlangen nach ihm aufkommen.

                "Jetzt reibe ich deine Narben ein und dann essen wir." Kurz wurde es still. "Oder ich esse dich." Ich hob eine Braue und versuchte ihn anzusehen.

                "Dazu muss ich aber erst mal wieder runter." Es fiel mir sehr schwer mich zu beherrschen. Brummend ließ er mich runter. Dann half er mir die nasse Unterwäsche auszuziehen und holte ein Handtuch und die Creme. Wieder wurde ich gemustert ehe er mir das Handtuch um die Schulter wickelte und mich abtrocknete. "Irgendwie ist das gerade ziemlich kitschig oder?" Mit erhobener Braue sah ich zu ihm hoch. Er zuckte nur die Schultern.

                "Ich bin ja auch Jason Momoa und nicht Khal Drogo." meinte er und rubbelte auf meinem Rücken, was meinen Körper in Bewegung setzte.

                "Letztens hast du viel schlimmer als Khal Drogo ausgesehen." Meine Stimme wackelte heftig. Stirnrunzelnd sah er mich an und nahm dabei das Handtuch von meinen Schultern.

                "Und wann soll das gewesen sein?" Er ging in die Hocke, öffnete die Creme und begann meine Narben am Bauch einzureiben. Kurz schloss ich meine Augen, atmete tief durch und sah zur Decke um mich irgendwie abzulenken.

                "Als wir nach dem Juwelier nach Hause gefahren sind." Ich dachte kurz nach, spürend um seine Finger, die sich behutsam auf meinem Bauch bewegten. "Als du sagtest, dass deine Geduld Grenzen habe." Ich sah zu ihm runter, denn er hatte aufgehört mich einzureiben.

                "Ach ja. Ich erinnere mich." Dann sah er zu mir hoch. "Hab ich dir Angst gemacht?" wollte er wissen. Ich nickte.

                "Um ehrlich zu sein ja. Aber…" ich biss mir auf die Lippe und Jason hob eine Braue.

                "Aber was?" Er beendete seine Fürsorge an meinem Bauch und schob nun meine Beine auseinander. Ich versuchte meine Atmung im Zaum zu halten, denn ich stand gerade nackt vor dem Mann, den ich seit neunzehn Jahren liebte.

                "Es hat mich angemacht." gab ich recht atemlos zu. Er strich langsam über die Narben an meinen Innenschenkeln während ich mir den absoluten Nullpunkt vorstellte.

                "Aha" sagte er nur während ich mich in mein Handtuch krallte und daran zerrte. Es waren NUR meine Narben zwischen meinen Beinen, denen er sich widmete und trotzdem hatte ich das Gefühl gleich in Millionen Teilchen zu zerspringen.

                "Ja" fiepste ich in dem verzweifelten Versuch mich abzulenken. Immer wieder spürte ich die kühle Creme viel zu dicht an meiner Mitte, die bereits verräterisch glitzerte, ihm verriet wie es um mich bestellt war.

                "Gut zu wissen." raunte er gegen die nackte Haut meines Hügels. Wimmernd legte ich meinen Kopf in den Nacken während er mich nur mit seinem Atem reizte. Und dann schrie ich auf. Warf meinen Höhepunkt geräuschvoll gegen die Decke und versuchte dabei nicht in mich zu sacken. Dann spürte ich einen Arm, der sich um meine Taille legte, der andere schob sich unter meine Knie und dann ging es aufwärts während ich immer noch mit mir zu kämpfen hatte. Erneut spürte ich Kühle an meiner erhitzten Haut, als er mich auf das Kingsize Bett legte. Als ich endlich wieder klar denken und normal atmen konnte drehte er mich auf den Bauch und rieb noch die Narben an meinem Hintern ein. Ich legte meinen Kopf zur Seite und versuchte zu ihm hoch zu sehen. Meine Augen wurden glasig, als ich ihn anlächelte.

                "Du weißt nicht, wie sehr ich dich liebe." Der Klos in meinem Hals machte es mir schwer mich richtig zu artikulieren. Ich konnte sehen wie sich seine Mundwinkel hoben.

                "Und ich liebe dich." Er sah mich eine ganze Weile an ehe er nickte und dann "Mahalo" sagte. Es dauerte eine Weile, bis ich wusste, dass er 'Danke' auf Hawaiianisch gesagt hatte und worauf sich das bezog. Ich lief rot an und versteckte mein Gesicht in der Seidenbettwäsche. Ich konnte ihn lachen hören ehe er leicht auf meinen Hintern klapste und dann das Schlafzimmer verließ. "Wir essen in zwanzig Minuten." rief er noch was mich dazu verleitete ruckartig meinen Kopf zu heben, aus dem Bett zu klettern und ins Bad zu eilen. Schnell wusch ich die Spuren meines Höhepunktes weg ehe ich nach einem Rasierer und Schaum suchte.

                "Ich komm' mir vor wie Bella." lachte ich und zog den Rasierer an meinem Bein nach oben. Ich saß auf dem Badewannenrand, das Wasser lief aus dem Wasserhahn und ich rasierte auf die Schnelle meine Beine. Dann kämmte ich mein Haar, das langsam mit seiner Naturfarbe heraus wuchs und ich bald färben musste. Aber ob ich es nochmal schwarz färben würde wusste ich noch nicht. Ich fand in einer der Schubladen ein paar Haargummis die ich nun ansah. "Zopf oder kein Zopf?" Da ich aber noch keine Antwort fand holte ich den Badeanzug und zog ihn an, damit ich nicht nochmal in Atemnot geriet. Es war ein hübscher Monokini in Hellblau mit rosa Kirschblüten. Ich besah mich im Spiegel und musste zugeben, dass der wirklich gut aussah.

                "Beth" hörte ich Jason rufen und machte mir doch schnell einen Zopf.

                "Ich komm schon." rief ich zurück und eilte ins Wohnzimmer, da ich nicht wusste wo er sich aufhielt. Jetzt erst stieg mir der Duft von Essen in die Nase.

                "Setzt' dich an den Tisch, Süße." bat er mich, als er ins Wohnzimmer kam, mich aber erst mal begutachtete. "Der steht dir unheimlich gut." meinte er zu dem Kini, den er mir gekauft hatte. Sofort fing ich an zu strahlen und betrachtete von oben das hübsche Stück. Dabei drehte und wendete mich als könnte ich so alles sehen.

                "Danke" sagte ich, als ich auf ihn zu ging und seine Wange küsste.

                "Gerne" Er ging auf den Tisch zu und stellte die Teller ab. Sofort rumorte mein Magen, dem ich heute noch nichts gegeben hatte. "Iss. Wir haben heute noch einiges vor." Grinsend zwinkerte er mir zu und machte sich über sein Essen her.

 

                Als ich abends todmüde in mein Bett fiel setzte er sich noch eine Weile zu mir. Aus kleinen Augen sah ich zu ihm auf, das Kissen unter meinem Kopf zusammen gedrückt, als würde ich mit einem Teddy schmusen.

                "Wird es immer so sein?" wollte ich wissen. Zärtlich streichelte er eine Strähne aus meinem Gesicht.

                "Noch viel besser." Er hatte den Kopf etwas schief gelegt und lächelte mich an. Ich schaffte es ein Lächeln aufzulegen.

                "Ich freue mich darauf." Ich spürte noch, wie ich ihn zu mir zog, sofern man das Ziehen nennen konnte, und es mir auf seinem Schoß gemütlich machte.

                "Schlaf gut, Jalan atthirari anni. Morgen früh bin ich hier." Ich schmatzte noch einmal leise, schloss meine Augen und schlief zufrieden ein.

 

18. August 2018

                Als ich am nächsten Morgen erwachte, war er nicht bei mir. Nicht, dass ich gestern noch mit bekommen hätte, wie er das sagte. Dafür war ich fiel zu müde. Gähnend streckte ich mich ausgiebig und setzte mich an den Bettrand.

                "Duschen, Futter, Arbeit." Nochmal gähnte ich ehe ich aufstand und ins Bad wollte. Doch ich wurde von etwas aufgehalten. Ich sah auf mein Bett und hob eine Braue. Es hatte mich mal nicht fest gehalten. Leise begann ich zu lachen, schüttelte den Kopf und ging dabei ins Bad. "Lag sicher an Jason." Kichernd zuckte ich die Schultern und ging unter die Dusche. Ich wusch mir gerade die Haare als ich es an der Badtür klopfen hörte. "Ja?" fragte ich und eilte mich mit dem Duschen fertig zu werden.

                "Ich hab' Frühstück gemacht und dann müssen wir reden." informierte mich Jason, was mir sofort Angst einjagte. Schnell wischte ich mein Gesicht ab und öffnete die Duschtür.

                "Stimmt etwas nicht?" Man konnte sicher hören, dass meine Stimme vor Angst zitterte. Jason hob eine Braue und kam auf mich zu.

                "Ja, aber nicht was du denkst." Dann küsste er mich. "Ich liebe dich und das wird immer so bleiben." Er schenkte mir ein Lächeln, das mich erleichtert aufatmen ließ. Dennoch kullerte eine Träne über meine Wange.

                "Bitte, erschreck mich nicht so." Ich schloss die Tür wieder, machte das Wasser aus und trat aus der Dusche. Er reichte mir ein Handtuch.

                "Tut mir leid." entschuldigte er sich und schloss mich in seine Arme. "Ich geh wieder in die Küche und warte auf dich." Nochmal küsste er mich und verließ dann das Bad. Ich sah ihm noch eine Weile verwirrt nach ehe ich mich abtrocknet, einen Monokini anzog und darüber ein knielanges Kleid. Emilia hatte mich mit einer Ladung farbenfroher Sommerkleider eingedeckt. Ich schlüpfte noch in die passenden Ballerinas und ging dann, Haare abtrockend in die Küche. Er hatte es sich schon bequem gemacht und löffelte an einer Schüssel Müsli.

                "Das sieht lecker aus." lobte ich die Auswahl während ich das Handtuch weg legte und mich auf einen Hocker setzte. "Henkersmahlzeit?" feixte ich und nahm mir ein paar Gurkenscheiben, die ich verspeiste. Jason nickte langsam.

                "So in etwa." antwortete er und schob mir einen Brief zu, den ich öffnete. Er war von Allan Carver. Ich überflog ihn erst und las ihn dann genau.

                "Das ist nicht sein Ernst, oder?" Somit war das Frühstück gelaufen.

                "Doch, leider. Ich hab' auch einen bekommen." brummte er. "Emilia hat eine Klage am Hals wegen Vorspiegelung falscher Tatsachen." Ich erinnerte mich, dass sie mir erzählt hatte, dass sie Carver Informationen gegeben hatte, die ihn erst mal von mir fern hielten. Ich schnaufte resignierend aus.

                "Und alles nur weil ich dich nicht Jane vorgestellt habe." Ich spürte, wie sich Tränen in meinen Augen bildeten. Noch konnte ich sie aber zurück halten. Ich las mir den Brief nochmal durch während Jason anfing den Tisch abzuräumen. Meine Tasse und eine Scheibe Brot ließ er stehen. Nochmal las ich mir den Text durch, der sich ganz nach Jane anhörte. "Wenn ich beweisen könnte, dass der Text von ihr ist..." Ich knirschte mit den Zähnen und schüttelte dann den Kopf. Jason hatte derweil die Brote geschmiert und sie mir hin gestellt. Obenauf lagen Gurkenscheiben wie ich es mochte. "Danke" sagte ich und biss wenigstens einmal ins Brot.

                "Gerne" sagte er lächelnd und setzte sich zu mir.

                "Ich muss rüber nach New York fliegen und mit ihm reden. Er muss dich ganz raus halten." grummelte ich vor mich hin.

                "Du gehst da nicht alleine durch. Ich werde mitkommen." sagte er in einem Ton, der keinen Zweifel aufkommen ließ, dass er es nicht ernst meinte. Ich schüttelte dennoch den Kopf.

                "Kommt gar nicht in Frage. Das habe ich mir selbst eingebrockt und jetzt löffle ich die Suppe selbst aus." Skeptisch sah er mich an und nickte resignierend.

                "Na gut. Er droht uns mit Anzeige." Ich nickte, das hatte ich verstanden.

                "Ja und ich kann es ihm nicht verdenken. Jane hat ihn sicher so gut im Griff, dass er alles macht, um einen weiteren Pulitzer zu bekommen." Jason hob eine Braue als er von seinem Stuhl aufstand und meine Tasse mit Tee befüllte. "Danke" sagte ich und fuchtelte dann wieder mit dem Brief rum. "Es wundert mich ehrlich gesagt, dass noch nichts in der Zeitung steht." Jason sah mich mit erhobenen Brauen an. Wieder verstand ich sofort. "Das ist nicht wahr! ICH BRING IHN UM!!!" Es ging hier nicht mal um Jason sondern nur um mich. Er wurde nur nebenbei mit rein gezogen. Ich fing an durch die kleine Küche zu wandern und hatte das Gefühl eine Schneise in den Boden zu laufen. "Ich versteh es nicht." Dabei zerknüllte ich den Brief und warf ihn ans Fenster. "Diese Vorwürfe sind haltlos. Würde er das überprüfen würde er selbst merken, dass es hier keinen Preis zu holen gibt." Ich eilte ins Schlafzimmer, holte meinen Koffer runter und fing an zu packen.

                "Süße? Was hast du vor?" Er kam mir hinterher und setzte sich aufs Bett.

                "Na was werd' ich wohl vorhaben? Ich fliege zurück nach New York und reiße Jane den Hals vom Kopf." Ich merkte nicht mal, dass ich mich versprochen hatte und Jason war so anständig und unterdrückte ein Lachen. Ich sah eine Weile abwesend in den Koffer. "Vielleicht kann ich bei Kate oder Tessa wohnen, bis das vorbei ist." Meine Wohnung in New York war ja gekündigt.

                "Sag mal, hörst du dich eigentlich reden?" holte mich Jason auf den Boden der Tatsachen zurück, was mich zum Weinen brachte.

                "Was soll ich denn sonst machen? Ich will nicht, dass du in einen Skandal verwickelt wirst, der auf einer Lüge basiert." Hektisch wischte ich mir mit dem Arm die Tränen weg.

                " Ist mir doch scheiß egal, ob das zum Skandal wird oder nicht. Du bist mir viel wichtiger, als das alles." Stritten wir uns gerade?

                "Aber mir ist es nicht egal." Ich schnappte mein Handy und fragte meinen Kontostand ab. Ich hatte 6.000 Dollar auf meinem Konto. Ich hob eine Braue und sah ihn aus glasigen Augen an. "Darüber reden wir noch, Mister Star." brummte ich ihn an und rief mir dann American Airlines auf um mir ein Ticket erster Klasse zu buchen. "Ja, hi. Beth O'Keefe mein Name. Ich möchte gern ein Ticket erster Klasse von Los Angeles nach New York buchen." Jason war damit gar nicht einverstanden und verließ das Gästehaus für eine Weile. "Ja, Nonstop, wenn es geht. Ach und heute, spätestens morgen." fügte ich noch an während ich ins Bad ging und meine Zahnbürste und Zahnpasta holte, die ich einfach in den Koffer warf. "Was? Heute Abend? Klasse. Ich zahle mit Kreditkarte." Ich suchte meinen Geldbeutel, der in der Küche lag und fand mich vor zwei Kindern wieder, die mich traurig ansahen. "7381 5002 6218 1094" diktierte ich der Dame am Telefon während ich Lola und Wolf ansah. Jason bekam von mir einen bösen Blick. Denn das war nicht fair. Dann unterrichtete mich die Dame noch, dass das Ticket bei Gate zwei hinterlegt werden würde und ich somit keine Probleme mehr hatte. "Vielen Dank." sagte ich und beendete das Gespräch. Jetzt kam etwas, dem ich hoffentlich gewachsen war. Aber ich glaubte eher nicht. Die Beiden kamen auf mich zu. Ich ging in die Hocke und sah die Beiden an.

                "Nimm uns mit." bat mich Lola in einem Ton, den man nur als herzzerreißend beschreiben konnte.

                "Schatz, das geht nicht." Wolf fing an zu weinen und klammerte sich an mich. Und da sollte ich stark bleiben. Ich hielt Wolf fest während ich mit Lola redete. "Ich muss das alleine machen. Weder dein Vater noch ihr Beiden dürft da mit rein gezogen werden." versuchte ich ihr zu erklären. "Ich hab' das angezettelt, jetzt muss ich es auch ausbaden." Ich spürte wie eine Träne mein Auge verließ und über meine Wange runter kullerte.

                "Ist das wirklich so schlimm?" wollte sie wissen, was ich benickte.

                "Wäre es nicht so, dann wäre es auch kein Problem euch mit zu nehmen." Ich versuchte den Klos in meinem Hals runter zu schlucken. Lola klammerte sich nun ebenfalls an mich und fing bitter an zu weinen. "Bitte, Schatz. Nicht weinen. Ich tue das für euch. Damit euch kein Leid geschieht." Ich gab zum ersten Mal zu, zu dieser Familie zu stehen. Jason kniete sich zu uns und nahm uns alle in den Arm.

                "Wenn du dir sicher bist, lassen wir dich gehen." Ich öffnete meine tränengefüllten Augen und sah Jason an.

                "Ich bin mir sicher." versicherte ich ihm auch wenn das eine glatte Lüge war. Wenn ich Carver nicht überzeugen konnte würde eine Verhandlung auf mich zu kommen, die ich nicht bestreiten konnte. Schniefend küsste ich die Kinder und entließ sie aus der Umarmung. Ich musste mich fertig machen und mit Kate reden, damit ich eine Unterkunft hatte.

                "Ich bring' die Beiden eben zu Emilia." sagte er. Ich nickte und sah ihm noch kurz nach ehe ich ins Schlafzimmer zurück kehrte um den Koffer auszuleeren und meinen Rucksack zu befüllen. Viel brauchte ich ja nicht. Zumindest hoffte ich das. Ich tauschte das Kleid und den Kini gegen meine Gothic-Klamotten, schwarze Unterwäsche und meine Lieblingsstiefel. Als ich meinen Geldbeutel überprüfte, ob ich alles hatte, kehrte Jason in das Gästehaus zurück und wartete auf mich.

                "Geht es den Beiden gut?" wollte ich als erstes wissen und schob meinen Geldbeutel in die hintere Hosentasche. Dann zog ich meinen Mantel darüber. Jason nickte.

                "Ja. Emilia geht mit ihnen ins Kino." Ich lächelte zufrieden.

                "Gut, dann brauche ich mir keine Sorgen zu machen." Jason kam auf mich zu und nahm mir den Rucksack ab.

                "Wann geht deine Maschine?" hakte er nach und steuerte schon die Tür an.

                "23:24 Uhr" ließ ich ihn wissen und ging ihm hinterher. Ich zog die Tür zu und nahm seine Hand.

                "Okay. Gehst du mit mir noch eine Runde spazieren?" hakte er nach und sah mich hoffnungsvoll an. Es war noch zu früh um an den Flughafen zu fahren.

                "Gerne" sagte ich lächelnd und schmiegte mich an seinen Arm während er mich zum Auto brachte. Er hob mich wieder auf den Sitz ehe er auf dem Fahrersitz Platz nahm und mich schmunzelnd ansah. "Eigentlich kann ich selbst in den Wagen einsteigen." ließ ich ihn wissen.

                "Lass mich doch. Mir macht das Spaß." Er startete den Motor und verließ das Grundstück, von dem ich nicht wusste wie lange ich es nicht wieder sehen würde. Ich drehte mich auf meinem Sitz um und sah aus der Heckscheibe.

                "Ob es anders gekommen wäre, wenn ich Jane ihren Willen gelassen hätte?" Jason sah kurz zu mir rüber.

                "Möglich. Aber wenn ich ehrlich sein soll glaube ich das nicht. Nachdem, was du mir alles über sie erzählt hast." Ich seufzte bei seinen Worten und machte mich auf dem Sitz klein.

                "Ich freue mich nicht darauf. Zumal ich nicht weiß, wie es weiter gehen soll, wenn ich Carver nicht von der Wahrheit überzeugen kann." Als Jason den Wagen geparkt hatte sah er mich an.

                "Wenn es soweit ist sehen wir weiter." versuchte er mir zu helfen, aber das beruhigte mich nicht.

                "Okay" sagte ich dennoch und stieg dann aus dem Wagen. Wollte er ja mit mir spazieren gehen. Er zog sich noch eine Jacke an, da es abends auf dem Boardwalk kalt werden konnte. Wir liefen eine Weile die Straße entlang. Hie und da hatte noch ein Laden geöffnet. Unter anderem ein Tattoo Shop, der mich daran erinnerte, dass ich mich eigentlich tätowieren lassen wollte. "Verdammt! Und ich dachte ich hätte noch genug Zeit." Fragend sah mich Jason an. Ich tippte auf seine Brust, an die Stelle, an der die Unterschriften seiner Kinder waren.

                "Wolltest du sie dir tätowieren lassen?" fragte er mich überrascht. Ich nickte.

                "Ja. Ich wollte etwas aus diesem Leben mit nehmen, wenn es nicht klappen würde." Jason strahlte mich an was mir meine Braue hob.

                "Das kriegen wir hin." Er sah nochmal nach der Uhrzeit und rief dann irgendwo an. "Hi Emilia. Könntest du mit den Kindern zum Black Diamond kommen? Beth lässt sich noch ein Tattoo machen." Ich hob eine Braue. "Okay. Bis gleich." Er beendete das Gespräch und zog mich mit in das Tattoo Studio, in dem er herzlich begrüßt wurde.

                "Hey Jason. Lange nicht gesehen. Gibt’s was Neues für mich zu tun?" Ich blinzelte und sah mich lieber um als zuzugeben, dass es eigentlich um mich ging. Aber ich war mir sicher, dass Jason das schon machen würde. "Ist das nicht die Kleine von der Con?" wollte der Typ wissen.

                "Japp und sie kriegt ein Tattoo, wenn du jetzt Zeit hast. Sie fliegt nämlich heute noch nach New York und würde das gerne noch mitnehmen." Ich konnte einen gewissen Stolz in seiner Stimme hören als die Tür aufging und drei Personen herein kamen.

                "Da sind wir." meldete sich Emilia zur Stelle während sich die Kinder von dem Typen, der mit Jason sprach, knuddeln ließen.

                "Das ging schnell." Jason ging in die Hocke und zog seine Kinder zu sich. "Wie sieht's aus? Wollt ihr nochmal unterschreiben?" Er grinste die Beiden an und sah dann zu mir rüber. Ich hatte mich den Vieren zugewandt und sah nun zu den Kindern runter.

                "Klar" sagte Lola und sah mich fragend an, aber ich antwortete erst mal nicht. Wolf nickte nur. Der Junge sah müde aus. Lola kam auf mich zu und schob meine Bluse etwas auseinander. Sie tippe auf meine Herzseite. "Hier?" fragte sie lächelnd.

                "Ja" sagte ich leise und zog meinen Mantel aus, um die Bluse ganz zu öffnen. Lola schnappte sich einen Stift und schrieb ihren Namen auf mein Dekolleté. Dann gab sie Wolf den Stift und tat es ihr gleich. Dicht bei ihrem Namen schrieb er seinen hin. Derweil fing ich an zu weinen. "Danke" sagte ich und küsste die Beiden kurz ehe ich mich aufrichtete und mich von dem Typ fort führen ließ. Als wir bei dem Stuhl ankamen, in den ich mich gleich setzen würde, konnte ich im Spiegel sehen, dass ich rote Unterschriften auf meiner Haut hatte.

                "Magst du die selbe Farbe?" fragte er mich. "Ich bin übrigens Boomer." Ich nickte.

                "Ja bitte." sagte ich und zog die Bluse aus, die eigentlich meine Narben verbergen sollte. Während draußen die tollste Familie der Welt wartete bereitete sich Boomer auf das Tattoo vor. Tief atmete ich durch als er die Tätowiermaschine mit Farbe bestückte.

                "Das geht ganz schnell. Bereit?" Ich blinzelte ihn an und musste an mein Steißtattoo denken, das schweineweh getan hatte. Aber ich nickte und krallte mich in die Liege. Er schaltete die Maschine ein, die dieses widerliche Geräusch machte, und im nächsten Moment Schmerzen verursachte. Ich kniff die Augen und biss die Zähne zusammen, den Kopf zur Seite gedreht, als würde das etwas nutzen. Das Ganze dauerte etwa vier Minuten und dann war es fertig. Ich keuchte und schnaufte vor mich hin, war das schließlich eine sehr empfindliche Stelle. Er säuberte es anständig, rieb mir noch Gel drauf und klebte dann Folie drüber. "Richtig hübsch geworden." sagte er als ich mich aufrappelte und ihn fragend ansah. "Schau's dir im Spiegel an." Und während ich mich von seinen Worten überzeugte machte er seinen Arbeitsplatz sauber. Leise fing ich an zu schluchzen.

                "Danke" sagte ich und gab Boomer ein Küsschen ehe ich mich nach dem Ausgang umsah, der mich zu meinen Lieben bringen würde.

                "Hey. Mach langsam." schmunzelte er und gab mir meine Bluse, die ich fast vergessen hätte. "Na komm. Ich bring dich raus." Ich schlüpfte in meine Bluse, ließ sie aber noch offen, damit die Kinder es sich ansehen konnten. Doch die schliefen bereits auf der kleinen Couch, die am Fenster stand. Dafür begutachteten Emilia und Jason, was ich nun für immer auf meinem Dekolleté haben würde.

                "Sehr schön. Das wird ihnen gefallen." Dabei sah er seine Kinder an und ließ Emilia einen Blick drauf werfen.

                "Und an der richtigen Stelle." Emilia zwinkerte mir zu und beugte sich dann zu mir. "Du hast es geschafft." flüsterte sie mir ins Ohr und löste sich auch schon wieder von mir. Lange sah ich sie an ehe ich breit lächelnd nickte und dann zu Jason gehen wollte, der gerade das Tattoo bezahlte. Kein Ton kam über meine Lippen als er mir das Gel für das Tattoo gab.

                "Mindestens einmal am Tag. Besser zweimal." sagte Boomer. "Und in zwei Tagen die Folie weg lassen." erinnerte er mich daran, dass es an der Luft besser heilte.

                "Ich werd's nicht vergessen." lächelte ich Boomer an. Dann sah ich Jason an, der Lola auf dem Arm hatte.

                "Ich bring sie noch zu Emilias Wagen. Warte bitte hier drin." Ich küsste nochmal Emilias Wange ehe ich ihnen durchs Fenster nach sah. Dann ließ ich mich auf die Couch fallen und schloss für einen Moment meine Augen.

                "Ich hab' mal 'ne Frage an dich." fing Boomer ein Gespräch an. Ich öffnete meine Augen und sah ihn neugierig an. "Stimmt es, dass du Bilder malst?" Ich hob eine Braue.

                "Ja. Warum?" Er zuckte die Schultern und grinste.

                "Ich hab' da eine Wand, die neu bemalt werden müsste." Ich atmete tief durch während meine Braue noch höher kroch.

                "Und was soll da drauf?" Er zeigte mir eine Variante von Dalis Persistence of Time. Die Ameisen waren umgestaltet worden und sahen jetzt wie krabbelnde Tätowiermaschinen aus, die überall herum krabbelten, nicht nur auf der kleinen Taschenuhr. Ich hob beide Brauen und sah es mir eine Weile an. "Kein Problem." sagte ich und reichte ihm das Bild zurück.

                "Klasse." meinte er und legte das Bild wieder in die Schublade. "Wenn du zurück bist, können wir uns ja mal darüber unterhalten." schlug er vor. WENN ich zurück bin. Ich musste daran denken, was passierte wenn mein Vorhaben scheiterte.

                "Na klar." Neben mir öffnete sich die Tür. Jason kam herein, um mich abzuholen. "Das ging aber schnell." stellte ich fest und erhob mich, um zu gehen.

                "Jepp. Ihr Wagen stand nicht so weit weg." informierte er mich und nahm dann meine Hand. "Nochmal danke." verabschiedete er sich und zog mich mit sich hinaus. Lachend stolperte ich ihm hinterher und winkte Boomer wenigstens noch zu.

                "Hast du es eilig?" wollte ich wissen. Er sah zu mir runter und nickte.

                "Ja" sagte er knapp und bog in eine Straße ab, die ich kannte. Am Ende war das Wandgemälde der Musen. Doch was ich da sah verschlug mir die Sprache. Es war restauriert worden und strahlte wieder in herrlichen Farben. Er ließ mich los und trat einen Schritt zurück, damit ich es mir ansehen konnte.

                "Das ist ja noch viel schöner als es beim letzten Mal war." rief ich begeistert aus und betrachtete mir die Farben, die Strichführung, die wirklich gelungen war. Am liebsten hätte ich die Wand abreißen lassen und mit nach Hause genommen. "Es ist wunderschön." sagte ich leise und lächelte die Musen an.

                "So wie du." sagte er. Seine Stimme klang leise, als wäre er weiter entfernt. Stirnrunzelnd drehte ich mich um, konnte ihn aber nicht sehen.

                "Wo bist du?" wollte ich wissen. Ich wollte schon los laufen als er plötzlich aus einem Schatten trat und mich anlächelte. Ich erwiderte sein Lächeln und ging langsam auf ihn zu. "Erschreck' mich nicht so." Ich stupste ihn spielerisch am Arm und wollte mich bei ihm einhängen, doch er entzog sich mir. Stirnrunzelnd sah ich ihn an. "Stimmt was nicht?" Ich sah zu, wie er wieder im Schatten verschwand. "Bitte. Lass das. Du machst mir Angst." Und ich hatte wirklich Angst. Angst, dass ich etwas Falsches getan hatte.

                "Ich möchte dir einen Wunsch erfüllen." Er machte eine hoffnungsschwere Pause. "Nur einen." Er trat aus dem Schatten und sah mich von unten heraus an. Er wusste, wie er mir zusetzen konnte. "Und überleg gut, was es sein soll." Stirnrunzelnd sah ich ihn an.

                "Eigentlich bin ich wunschlos glücklich." sagte ich ehrlich. Er kam auf mich zu und hakte meinen Arm bei sich unter.

                "Wie gesagt, ich werde dir einen Wunsch erfüllen. Egal was es ist." Den letzten Satz betonte er. Ich verstand nicht was er wollte. Aber um ihn nicht zu kränken nickte ich.

                "Okay. Ich überleg' mir was." Geschmeide, Autos, wertvolle Bilder, all sowas schoss mir in den Kopf. Was konnte es sein, das ich mir wünschen könnte?

                "Lass dir Zeit." grinste er und ich hieb ihm wieder auf den Arm.

                "Du sollst nicht meine Gedanken lesen." Grinsend beugte er sich zu mir runter und küsste meine Stirn.

                "Hab' ich nicht. In dir kann man nur gut lesen." Er hob entschuldigend eine Hand. "Das stimmt nicht. ICH kann sehr gut in dir lesen." Langsam wurde es Zeit zum Flughafen zu fahren. Also brachte er mich zum Wagen und hob mich wieder auf den Beifahrersitz.

                "Das macht dir wirklich Spaß." stellte ich fest ehe ich mich anschnallte und darauf achtete, dass der Gurt nicht auf dem Tattoo lag. Als er sich neben mich setzte grinste er immer noch.

                "Japp." sagte er lediglich und startete den Motor. Mein Herz wurde mir schwer als mir klar wurde, dass ich bald nach New York unterwegs wäre. Traurig sah ich in die Dunkelheit hinaus, die alles zu verschlucken schien. Die meiste Zeit war die Straße beleuchtet aber hin und wieder gab es nur das Licht der Scheinwerfer am SUV. Unangenehme Stille breitete sich zwischen uns aus. Auch auf dem Weg zu Gate zwei sprachen wir nicht. Erst als wir am Durchgang an kamen, wo mein Ticket auf mich wartete, zog er mich beiseite. Er schlang seine Arme um mich und sah in meine Augen. "Ich möchte, dass du mich über alles informierst. Wenn ich dir schon nicht helfen kann, dann lass mich wenigstens teilhaben." Er sah süß aus, wenn er zu schmollen begann. Lächelnd sah ich zur Seite.

                "Ja, mein Khal. Nichts bleibt dir verborgen." Eine Gänsehaut berührte meinen Nacken, richtete die kleinen Härchen auf, die eigentlich nicht stehen konnten. Er sah mich wieder an wie es NUR dieser Mann konnte.

                "Yer jalan atthirari anni." Und das brummte er mit solcher Hingabe, dass es mir die Schuhe auszog. Ich biss mir auf die Lippe und lächelte dabei. Aber ob ich seine Aussage erwidern sollte wusste ich nicht. Waren das eigentlich Worte aus einer Serie. Eine erfundene Sprache, die es nicht gab. Erwartungsvoll sah er mich an. Ich konnte nicht anders und musste leise lachen.

                " Yer shekh ma shieraki anni." erwiderte ich und war mir sicher, dass sich das immer noch furchtbar anhörte obwohl ich jede Szene verschlungen hatte nur, um es richtig auszusprechen. Ein Lächeln schob sich auf seine Lippen ehe er mich mit diesen Lippen küsste und mich auf Wolke sieben beförderte.

                "Die Gäste des Fluges 2381 nach New York bitte zu Gate zwei." Er löste den Kuss und sah mich an. Sah in diese tränenverhangenen Augen, die nicht wussten, ob sie ihn wieder sehen würden.

                "Ich muss gehen." sagte ich heiser und versuchte seinen Blick zu meiden.

                "Ja" sagte er und brachte mich zu dem Typen, der uns skeptisch ansah. Ich zog meinen Geldbeutel aus der hinteren Hosentasche und holte meinen Ausweis heraus, damit ich mein Ticket bekam.

                "Ein Ticket wurde für mich hinterlegt." Der Typ überprüfte meinen Ausweis genau ehe er sich geschlagen gab, das Ticket nochmal ansah und mir dann Beides gab.

                "Einen angenehmen Flug, Miss O'Keefe." sagte er und machte mir Platz, damit ich vorbei konnte. Ich sah nochmal zu Jason hoch und kam mir vor wie in einer billigen Seifenoper, bei der es fast immer tränenreich zuging.

                "Ich melde mich zwischen drin." versprach ich, auch wenn es nur etwas mehr als fünf Stunden bis nach New York dauern würde.

                "Und Kate holt dich ab?" vergewisserte er sich nochmal.

                "Ja. Ich hab' ihr die Ankunftszeit schon durch gegeben." Beruhigt atmete er tief durch.

                "Gut" Er legte seine Hände auf meine Wangen und küsste mich nochmal. "Und jetzt geh!" befahl er mir lächelnd und sah kurz den langen Gang hinunter. Nickend ging ich an dem Typ vorbei, der mein Ticket überprüft hatte. Einen Moment sah ich Jason noch lächelnd an wobei ich mir eine Träne weg wischte. Dann drehte ich mich um und eilte den Gang entlang als ich eine Nachricht auf mein Handy erhielt.

                [Du kommst zu uns zurück, verstanden?] Ich sah mich nochmal um. Er stand immer noch dort, wo ich ihn verlassen hatte. Schnell tippte ich eine Nachricht zurück.

                [Ich liebe dich.] Es war nicht die Antwort, die er haben wollte aber ich dachte, das würde alles sagen. Ich lief weiter und fand die VIP Lounge, wie gewöhnlich, links des Wartebereichs vor. Der Raum war leer. Endlich musste ich mich mal nicht mit irgendwelchen hochnäsigen Leuten rumärgern. Und deshalb nahm ich auf einem der Sessel Platz und wartete darauf, dass die Türen sich öffneten. In der Zwischenzeit trudelten noch ein paar Gäste ein, sichtlich verschlafen, gähnend, die mir kurz zu nickten und sich dann setzten. Ich hingegen war hell wach. Meine Gedanken drehten sich um die Kinder, Jason und Emilia. Ich hatte große Angst, dass ich sie nie mehr wieder sehen würde. Immer positiv denken. schwirrte mir durch den Kopf als sich die Türen öffneten und ich eiligst den Gang entlang lief um zu meinem Sitz zu kommen.

                Ich wusste noch, dass ich mich angeschnallt hatte aber dann gingen mir die Lampen aus und ich erwachte gähnend gute fünf Stunden später. Eine Stewardess hatte mich sacht geweckt.

 

19. August 2018

                "Wir sind gleich da." flüsterte sie mir lächelnd zu.

                "Danke" gähnte ich, was die junge Dame lachen ließ und sich dann entfernte. Ich war immer noch angeschnallt. Perfekt, denn wir waren gerade im Landeanflug. Die 'Bitte anschnallen' Leuchten gingen an und im Flugzeug wurde es ruhig. Niemand lief mehr herum, unterhielten sie sich nur noch und warteten darauf, dass der Flieger landete. Die Maschine war nicht ausgebucht und somit hatte ich die erste Klasse fast für mich allein. Aber nicht mehr lange, denn wir setzten gerade auf und schon ging der spärliche Applaus aus der Touristenklasse los. Ich verdrehte meine Augen ehe ich sie schloss und darauf wartete, dass ich endlich aussteigen konnte. Ich wollte mich nur noch hinlegen. Einen Koffer hatte ich ja nicht, somit brauchte ich auch nicht an die Kofferausgabe, die mich nur aufhalten würde. Ich bedankte mich noch bei der jungen Frau, die mich geweckt hatte und rannte auch schon den Gangway runter und rein ins Gebäude, wo ich nach Kate Ausschau hielt.

                "Beth! Hier!" sah ich sie winken und eilte auf sie zu. Ich umarmte sie und lächelte sie an.

                "Danke, dass Sie das für mich machen." Ich spielte natürlich auf die Schlafgelegenheit an, die sie mir sofort zugesagt hatte. Aber in den ganzen Schlamassel wollte ich sie nicht mit rein ziehen.

                "Freunden hilft man in der Not." sagte sie lächelnd und gab mir ein Küsschen auf die Wange. "Was hat sich denn noch getan?" wollte sie wissen. Soweit ich konnte hatte ich ihr immer erzählt was sich bei mir abspielte.

                "Keine Ahnung." blieb ich ehrlich als wir auf dem Weg zu den Taxis waren. "Ich glaube er hat mir einen versteckten Antrag gemacht." Und dann erzählte ich ihr wie wir uns wegen den Kindern und Ausziehen gestritten hatten. Kate machte große Augen.

                "Beth! Das ist doch wunderbar! War es nicht das, was Sie sich immer wünschten?" Ich hielt ihr die Tür des Taxis auf damit sie einsteigen konnte. Dabei verdrehte ich meine Augen.

                "Ja, schon. Aber trotzdem bin ich mir nicht sicher. Ich hab' immer noch Angst, dass ich aus dem Traum aufwache." erklärte ich als ich hinter ihr in den Wagen stieg. Verständnisvoll sah sie mich mit an.

                "Stimmt schon, aber diesmal ist es kein Traum. Und Träume gehen durchaus in Erfüllung." Dann fing sie an mysteriös zu lächeln. "Hemsworth ist mein Mädchenname." Ich hob eine Braue und war gespannt, was jetzt kommen würde. "Ich war verheiratet mit Charles Durning." Sie ließ mir Zeit um über den Namen nach zu denken. Ich schüttelte den Kopf, was mich aber nicht davon abhielt nach dem Herrn zu googeln. Schon der erste Link verwies auf einen Wikipedia Eintrag, den ich aufrief und mir den Artikel kurz besah.

                "Ach. Jetzt weiß ich wer das ist."Breit lächelte ich sie an. Kate nickte.

                "Mir ging es ähnlich wie Ihnen. Ich hatte mich verliebt, aber glaubte nicht daran, dass es was werden könnte. Und doch…" Abwesend sah sie hinaus in die Nacht. Das Taxi näherte sich der Brücke, die uns nach Manhattan brachte und kurz darauf zu Kate's kleinem Haus, das sie sich gekauft hatte, nachdem ihr Mann gestorben war. Kinder hatte sie keine aber eine sehr schöne Katze, die mir eine ganze Weile um die Beine strich. Kate zeigte mir das Gästezimmer, in dem ich eine Weile wohnen würde und machte uns noch einen Tee. Sie würde aufbleiben und ich schlafen, da ich ausgeruht sein wollte. Als wir zusammen in dem gemütlichen Wohnzimmer saßen und Tee tranken sah ich sie nachdenklich an.

                "Also soll ich den Antrag annehmen?" hakte ich vorsichtshalber nach. Kate lächelte mich sanft an und nickte.

                "Schätzchen, Sie werden es Ihr Leben lang bereuen, wenn Sie es nicht tun. Und da ist es egal ob es nur eine Zeit hält oder für immer." Sie gab mir Zeit ihre Antwort zu überdenken. Langsam nickte ich.

                "Vielleicht haben Sie recht, aber ich muss mich jetzt auf Allan Carver konzentrieren sonst kann ich aus dem Gefängnis einer Hochzeit nachtrauern." Tief atmete ich durch ehe ich gähnte und mir die Augen rieb.

 

21. August 2018

                Geschlagene zwei Tage riss ich mich mit Leuten rum, die von nichts eine Ahnung hatten und davon sehr viel. Wie gerne hätte ich jetzt meine Wut an dem Sandsack in Jasons Sporthalle ausgelassen. Aber das würde auch nichts bringen. Ich musste unbedingt Allan Carver ans Telefon bekommen. Oder sollte ich direkt zur Zeitung fahren? Lange überlegte ich bis ich eine Idee hatte. Dann wählte ich Steves Nummer. Ich wartete eine ganze Weile darauf, dass er ran ging. Als sich eine Frau meldete legte ich erschrocken auf.

                "Oh fuck!" entfuhr es mir wobei ich verstört auf mein Handy sah. Ich starrte es immer noch an als Steves Name im Display auf leuchtete. Misstrauisch nahm ich das Gespräch an. "Ja?" meldete ich mich und war schon darauf gefasst die Frau wieder zu hören.

                "Beth?"

                "Ja?"

                "Oh gut. Ich hab' dir ganz vergessen zu sagen, dass ich geheiratet habe." Es dauerte eine Weile bis ich verstand was er da sagte.

                "Oooooooh" machte ich und begann zu lächeln. "Dann meinen herzlichen Glückwunsch. Liebe Grüße an deine Frau." sagte ich erleichtert, dass die Nummer nicht an jemand anderes vergeben worden war. "Steve, ich brauche deine Hilfe." sagte ich ernst.

                "Schieß los." forderte er mich auf ihm zu erzählen, was ich wollte. Zuerst erzählte ich ihm von dem Brief, den ich von Allan Carver bekommen hatte und dann, dass ich nicht zu ihm durch kam. "Verstehe."

                "Ja und jetzt dachte ich mir, dass ich direkt zur Zeitung fahre und dabei ein wenig Aufsehen errege. Vielleicht komm' ich so an ihn ran." Abwartend lauschte ich und konnte fast schon hören, wie er nach dachte.

                "Klar. Können wir machen." Mir fiel ein Stein vom Herzen, als er zusagte.

                "Okay, ich geh' mich noch mit Klamotten eindecken, die ich brauche und sag dir dann Bescheid, wann ich gerne hinfahren würde." Dann fiel mir ein, dass ich gar keine Ahnung von eleganten Klamotten hatte. "Ohje" Ich kratzte mich am Kopf. "Wo kauf ich denn sowas?" Dann konnte ich hören, wie er seine Frau danach fragte.

                "Fifth Avenue." rief sie. "Ich kann mit ihr gehen, wenn sie mag." fügte sie noch an, was mir unheimlich gefiel. Scheinbar sah sie in mir keine Gefahr.

                "Du hast ihr von mir erzählt, oder?"

                "Ja natürlich. Ich habe keine Geheimnisse vor ihr." Dann hörte ich ein leises Schmatzen und Gelächter.

                "Er hat mir alles erzählt." sagte sie mir. "Ich freu mich darauf, dich kennen zu lernen. Wird sicher lustig." Ich konnte sie grinsen hören.

                "Ich freu mich auch." gab ich zu. "Hast du morgen Zeit? Ich möchte das nicht auf die lange Bank schieben. Ich muss zwei Kinder schützen." Jason bezog ich nicht mit ein, auch wenn Steve wusste wessen Kinder ich meinte.

                "Ja, klar." sagte sie ernst. "Steve und ich holen dich morgen früh bei Kate ab." Tief atmete ich durch, dass endlich mal was klappte.

                "Dann bis morgen." verabschiedete ich mich und sah auf mein Handy. Ich hatte gerade fast 2000 Dollar für ein Flugticket ausgegeben und jetzt würde ich auf die Fifth Avenue einkaufen gehen. Panisch rief ich Emilia an.

                "Hi Süße." freute sie sich von mir zu hören.

                "Liebes, ich hab' ein Problem." versuchte ich direkt zur Sache zu kommen und erzählte ihr, was bisher passiert war.

                "Hmm, das wird ein Problem. Hast du genug Geld?" wollte sie wissen. Ich zuckte die Schultern.

                "4000 Dollar, aber davon muss ich noch zurück fliegen, wenn ich die Gelegenheit dazu bekomme." Emilia wusste ja, was ein Flug erster Klasse kostete.

                "Hmm" machte sie wieder. "Ich lasse dir 8.000 Dollar anweisen, okay?" Ich wusste warum ich sie so sehr mochte.

                "Danke" sagte ich gerührt. "Ich weiß nicht, womit ich dich verdient habe." Sie begann zu lachen.

                "Oh doch. Das weißt du genau. Dich kann ich ungestraft ärgern." Ich stimmte in ihr Lachen ein. "Sag Steve liebe Grüße, ja? Und auch liebe Grüße an seine Frau."

                "Mach ich. Ich hab' dich lieb." Und schickte ihr ein Küsschen nach Venice.

                "Ich dich auch. Möchtest du sonst noch jemandem ein Küsschen geben." Tief atmete ich durch und nickte.

                "Grüß die Kinder und Jason von mir und küss' die Mäuse für mich." bat ich sie noch.

                "Aber klar doch. Melde dich wenn du alles hast. Ich würde gerne sehen, wie du in hellen Farben aussiehst." Ich wollte mich schon aufregen, als sie sich verabschiedete. "Bis morgen." Ich konnte sie noch kichern hören. Dann war das Gespräch beendet.

                Kate richtete gerade das Abendbrot, als ich aus meinem Zimmer ins Wohnzimmer kam und mich in den bevorzugten Sessel fallen ließ. Es wunderte mich, dass sie jeden Tag zu Hause war. Letztendlich hatte sie mir erzählt, dass sie sich Urlaub genommen hatte. Schließlich arbeitete sie schon seit 25 Jahren in der Apotheke und hatte sich vielleicht zweimal Urlaub genommen.

                "Und? Alles erledigt?" wollte sie wissen, als sie dabei war den Tisch zu decken.

                "Nein, aber ich hoffe, dass sich das in den nächsten Tagen ändert. Ich geh morgen erst mal einkaufen." Ich schloss meine Augen und atmete tief durch.

                "Und wo?" fragte sie und kam ins Wohnzimmer.

                "Fifth Avenue." Ich runzelte die Stirn als mir klar wurde, dass es wohl das Pendent zum Rodeo Drive war. Ich sah mir wirklich zu viele Filme an. Zumindest früher.

                "Oh, da werden Sie sicher etwas Hübsches finden. Haben Sie genug Geld?" Ich hob eine Braue und sah sie überrascht an.

                "Äh, ja. Emilia leiht mir eine angemessene Summe." Kate nickte.

                "Sie ist wirklich eine tolle Freundin." freute sie sich für mich und ging wieder in die Küche, um Tee zu richten.

                "Ja, ist sie. Ich möchte sie nicht mehr missen." Ich überlegte mir, was ich mir zum Anziehen kaufen sollte. Vielleicht einen weißen Hosenanzug und dazu einen riesigen Tellerhut, der mein schwarzes Haar zur Geltung brachte. Oder eine Kombi mit einem knielangen Rock, eine passende Handtasche, dazu High Heels und ein bisschen Schmuck. Und über all das fiel mir ein, dass ich mein Tattoo einreiben musste. Die Folie hatte ich heute Morgen abgemacht. Ich erhob mich um ins Bad zu gehen. "Ich reib' eben mein Tattoo ein." Kate kam gerade mit dem Tee rein und nickte.

                "Ich fülle schon mal die Tassen." Eine Weile sah ich sie noch lächelnd an ehe ich auf sie zu ging und ihre Wange küsste. Dann eilte ich ins Bad, um die Unterschriften zu pflegen.

 

22. August 2018

                Steve holte mich mit seiner Frau so gegen 9 Uhr ab. Natürlich in der Limousine. Ob er das Ding nur unheimlich gerne spazieren fuhr oder mir zuliebe den edlen Wagen nahm, blieb wohl sein Geheimnis. Mary ging auf mich zu als hätte sie mich seit Jahren nicht gesehen und knuddelte mich wie einen Teddy, den sie nie mehr hergeben wollte.

                "Lass Jason noch etwas übrig." mahnte Steve seine Frau zärtlich ehe sie sich von mir löste und verlegen zu grinsen anfing.

                "Schon okay. Ich werd's überleben." Ich schenkte Mary ein Lächeln und hielt ihr dann die Tür auf. "Misses Chauffeur." sagte ich todernst, denn ich kannte seinen Nachnamen nicht auch wenn der sicher auf der Visitenkarte stand. Vor Überraschung plumpste sie hinten auf den Sitz und fing an zu lachen.

                "Das muss ich mir unbedingt merken." Steve wollte gerade ansetzen, als ich zu ihm hoch zwinkerte.

                "Lass mal. Mir gefällt das gerade." Er nickte und setzte sich ans Steuer während ich in den Wagen kletterte und hinter mir die Tür zu zog. Ich wusste, dass er später wieder den vollkommenen Chauffeur mimen würde.

                Er fuhr am nächsten Block rechts, drei Blocks weiter links und gleich wieder rechts um eine rege befahrene Straße entlang zu fahren.

                "Ladys. Die Fifth Avenue." verkündete Steve und ich sah natürlich gleich durchs Fenster für den Fall, dass ich mir die Nase platt drücken wollte. "Aber es dauert noch eine Weile bis wir angekommen sind." Stirnrunzelnd sah ich Mary an, die mich angrinste.

                "Ich denke Unterwäsche von Victoria's Secret, Schmuck von Tiffany," Automatisch musste ich an Breakfast at Tiffany's denken. Gott, bin ich alt. "Hosenanzug und eventuell eine Handtasche von Armani und Schuhe von Manolo Blahnik, wenn wir nichts Passendes bei Armani finden." Ich hob eine Braue. Das würde sicher ziemlich teuer werden.

                "Na hoffentlich reicht mein Geld." Mary begann zu kichern.

                "Für die Fifth Avenue sind 10.000 Dollar gerade mal eine Kombi." Ich konnte ihr ansehen, dass sie es todernst meinte. Dann fiel mir noch etwas ein.

                "Ist das wie wenn ich auf dem Boardwalk shoppen gehe? Muss ich da auch rum suchen wie eine Irre?" Ich hatte von sowas wirklich keine Ahnung. Derweil meldete sich Steve.

                "Schatz, wo möchtest du als erstes hin." Er sah in den Rückspiegel aber gleich wieder auf die Straße.

                "Tiffany oder Armani. Was als erstes kommt." Steve nickte und passte sich weiterhin dem Verkehr an. Bei diesen Namen wurde mir schlecht. Etwas Teureres kannte ich nicht. Mary hatte neben mir ihr Handy geöffnet. "Mal sehen, ob ich auf die Schnelle etwas finde." Sie hatte ihren Spaß an der Sache. "Mir schwebt da eine moderne Audrey Hepburn vor." Ich ließ sie mal machen während ich schnell eine Nachricht an Emilia schrieb.

                [Hallo Süße. Ich hätte das niemals machen dürfen. Ich glaube ein Anwalt wäre billiger, wenn ich mir die Namen so anhöre. Mary will mit mir zu Armani und Tiffany. Sie sagte ihr schwebt eine moderne Audrey Hepburn vor. Ich mag aber diesen Tellerhut nicht.] Sogar in Gedanken brummte ich den Text vor mich hin.

                "Ladys, wir sind bei Armani." ließ uns Steve wissen. Ich hob eine Braue und sah an mir runter.

                "Wehe du lässt später nicht Pretty Woman laufen." mopperte ich in Steves Richtung, der sich umdrehte und eine Braue hob. "Das war ein Witz, aber so werd' ich mir gleich vorkommen. Ein Haufen Geld und keiner will mich bedienen." Steve verdrehte seine Augen und schüttelte den Kopf als er ausstieg um uns die Tür zu öffnen. Er hielt seine Hand in den Wagen um uns heraus zu helfen. "Danke" sagte ich und lächelte zu ihm hoch.

                "Mary hilft dir. Und wenn das auch nicht hilft komm ich rein und beiß die Herren und Damen." Grinsend zwinkerte er zu mir runter und half dann seiner Frau aus dem Wagen "Ich warte hier draußen." und ließ Marys Hand los. Sie nickte ihm kurz zu und hakte sich dann bei mir unter. Ich bekam jetzt schon die ersten Reaktionen zu spüren.

                "Wieso kaue ich keinen Kaugummi?" Mary fing an zu lachen und schob mich Richtung der Türen.

                "Weil du nicht Julia Roberts bist und keine… Egal." Dann öffnete sie mir die Tür und schlüpfte hinter mir hinein. Ich wollte mich schon mit riesigen Augen umsehen, doch hier sah es nicht anders aus, als in dem Gothic Laden, in dem ich immer einkaufte. Nur, dass die Sachen hier viel eleganter waren. Neugierig sah ich mir nun die Auslagen an und tippte mit meinen schwarz lackierten Fingernägeln auf das Glas.

                "Es wäre nett, wenn Sie das lassen würden." Eine schick angezogene Frau kam aus dem Nichts auf uns zu geeilt. Ich gab Mary einen Ich-hab's-dir-doch-gesagt-Patscher auf den Arm und verdrehte meine Augen. Übertrieben rieb sie sich über den Arm und schmollte mich an ehe sie ganz plötzlich ein überwältigendes Lächeln aufsetzte, mit dem sie die Verkäuferin umstimmen wollte. Was ich mir nicht vorstellen konnte, denn Mary hatte auf ihre legeren Jeans abgetragene Ballerinas an, die ich sofort mit ihr tauschen würde.

                "Wir würden gerne etwas einkaufen." sagte sie freundlich zu der Dame, die eine Braue hob und an uns runter und wieder rauf sah. "Und zwar dachte ich an eine weiße Kombi für meine Freundin." Mein Stichwort. Ich setzte ein aufgewecktes Lächeln auf, mit dem ich die Frau beglückte und trat neben Mary. Die Dame hob eine Braue und betrachtete mich nochmal ehe sie sich wieder Mary widmete.

                "Eine Kombi. Hose oder Rock?" hakte sie nach. Der Ton in ihrer Stimme war immer noch skeptisch. Aber dennoch ging sie vor, um uns zu zeigen, was sie hatte.

                "Hose." meinte Mary, die sich schon nach weiß umsah, aber der Dame folgte und mich mit sich zog. "Dazu brauchen wir natürlich ein passendes Oberteil." Schade, dass ich der Frau nur auf den Rücken sehen konnte, denn mich hätte schon interessiert, ob sie eine Braue hob oder die Augen verdrehte.

                "Ich denke, wir werden etwas Passendes finden." Dann zog sie von einer Kleiderstange eine Kombi, die mir so gar nicht zusagte. Klar. Das Ding war weiß. Mary schien begeistert zu sein und nahm der Frau die Kombi ab um sie mir anzuhalten. Derweil Mary mich in ihre Welt zog sah sich die Frau nach einem Oberteil um und kam mit zwei Blusen zurück. Die eine sah aus wie gewickelt und die andere war oben sehr weit offen. Die gefiel mir besser. Wenn ich schon weiß tragen sollte, dann die Bluse mit den Knöpfen. Sie schien langsam aufzuwärmen, denn sie hatte ein Lächeln für mich übrig. "Kommen Sie, im hinteren Bereich können Sie sich umziehen." Die Freundlichkeit ließ noch etwas zu wünschen übrig, denn die Klamotten kosteten ja keine zwanzig Dollar im Ausverkauf. "Möchten Sie etwas trinken?" fragte uns die Dame, die wir überrascht ansahen.

                "Ja, gerne. Ein Kaffee wäre toll." Ich hingegen wollte ja weiter auf meine Figur achten.

                "Für mich nur ein Wasser bitte." Und so wie die Verkäuferin verschwand ging ich in die geräumige Umkleide und tauschte schwarz gegen weiß. Ich sah an mir herunter und konnte nicht glauben, dass ich sowas trug. Andererseits, bevor ich mich entschlossen hatte mich nicht mehr von der Mode leiten zu lassen, trug ich auch helle Sachen. "Also, ich weiß nicht." brummte ich kurz bevor ich durch den Vorhang trat und Mary die Kinnlade auf den Boden drückte. Resignierend hob ich die Arme und ließ sie wieder fallen. "Sag ich doch. Das sieht…" Ich hielt inne als ich die Verkäuferin ansah, die den Mund ebenfalls offen hatte.

                "Beth! Du siehst umwerfend aus." sagte Mary und stand langsam auf um mich einmal zu umrunden. Ich fühlte mich wie damals als Tessa mich betrachtete. Auch die Verkäuferin bestätigte mir, dass mir die Sachen sehr gut standen. Sie stellte die Getränke auf den Tisch und kam dann zu mir um den Sitz der Hose zu prüfen. Die Jacke hatte ich noch nicht angezogen.

                "Sie sitzt sogar sehr gut." gab sie zu und betrachtete noch die Länge der Hose. Ich war nun mal ziemlich klein. "Die könnte man mit ein paar Stichen an ihre Größe anpassen. Brauchen wir nur die Schuhe, die sie darauf tragen wollen." Ich hatte bemerkt, dass Mary verschwunden war und sah mich nach ihr um. Und da ich sie erst mal nicht finden konnte, sah ich wieder zu der Verkäuferin.

                "Wie lange dauert das Abändern?" wollte ich wissen während ich in die Jacke geholfen bekam und mich nun endlich im Spiegel begutachten durfte. Die Dame schüttelte den Kopf während sie die Jacke zurecht zupfte.

                "Nicht lange. Um den Stoff nicht zu ruinieren sind es nur vier Stiche. Der Umschlag wird natürlich noch gebügelt." Sie trat vor mich und ging einen Schritt zurück um das gesamte Bild zu sehen. "Zwanzig Minuten vielleicht." gab sie mir eine Zeit mit der ich arbeiten konnte. Lächelnd nickte ich und sah nochmal an mir herab.

                "Jason wird ausflippen, wenn er mich so sieht." Ich sagte das wohl etwas zu laut, denn Mary nickte als sie auf mich zu gestürmt kam mit ein paar Brogues, die mir absolut zusagten.

                "Ohja, wird er." Grinsend ging sie um mich herum während sie die drei Paar dieser Stiefeletten auf den Tisch stellte. "Ich wusste nicht genau, welche Größe du hast. Also hab' ich von sechsunddreißig bis achtunddreißig genommen."

                "Siebenunddreißig. Kommt aber drauf an, wie der Schuh ausfällt." Die Verkäuferin besah sich meine Füße und schnappte sich die siebenunddreißiger.

                "Die passen Ihnen. Versprochen." Natürlich blieb ich skeptisch auch wenn ich die Schuhe an mich nahm und in der Kabine verschwand um sie anzuziehen. Ich zog den Umschlag der Hose über die Stiefel und ging wieder hinaus. Blitzlicht traf mich als der Vorhang auf ging.

                "Was" begann ich und erkannte jetzt, dass es mein Handy war. Ich rannte auf sie zu und versuchte ihr das Handy abzunehmen. "Schick ihm das nicht. Ich will ihn überraschen." Angestrengt hangelte ich nach dem Handy.

                "Na schön." gab sich Mary geschlagen und gab mir mein Handy zurück. "Du solltest mehr solcher Sachen tragen." stellte sie fest.

                "Das ist eine einmalige Sache." Ich stellte mich wieder vor den Spiegel und strich mir über die Taille und Hüfte. "Sag mal, wie war eigentlich deine Hochzeit?" Ich musste an Jasons Worte denken.

                "Ganz normal. Wir waren auf dem Standesamt. Kirchlich kommt erst noch. Warum?"

                "Ich nehme die Sachen." lächelte ich die Verkäuferin an, die nickte und mein Lächeln erwiderte. Ich ging wieder in die Umkleide um mein geliebtes Schwarz anzuziehen. "Naja, Jason meinte, er würde mir einen Wunsch erfüllen. Egal, was es ist und ich sollte mir ganz genau überlegen, was ich mir wünsche." Ich streckte die Hose hinaus, die mir die Dame direkt abnahm.

                "Ich bin gleich wieder da." versprach sie, und an den Schritten konnte ich hören, dass sie eilig davon ging.

                "Wow" machte Mary beeindruckt und sah eine Weile zu Boden. "Ich würde dir ja helfen, aber so gut kenne ich dich auch wieder nicht um zu sagen: Wünsch dir das oder das." Sie zuckte entschuldigend die Schultern als ich gerade heraus kam. So schwarz gekleidet wie immer. Dann hatte Mary einen Einfall. Das konnte ich an ihrem Gesicht und dem Fingerschnippen ablesen. "Okay, wenn du Jason nicht kennen würdest, was würdest du dir dann wünschen?" Ich zog gerade meine Kreditkarte aus dem Geldbeutel und sah Mary an.

                "Naja" Ich versuchte rum zu drucksen. "als ich ihn noch nicht kannte, hab' ich mir oft gewünscht Daenerys Targaryen zu sein." Mary versuchte nicht zu lachen. Ich verdrehte die Augen und zuckte die Schultern. "Du wolltest es wissen. Jetzt leb damit." brummte ich und ließ mich schmollend in den Sessel plumpsen.

                "Hey, tut mir leid. Ich bin halt nicht der Typ, der sich solche Serien ansieht." Aber anscheinend kannte sie die Serie. "Ich kenne sie nur, weil Steve mir so viel über dich erzählt hat." gab sie zu, was mir gefiel. Ich lächelte wieder und nahm mein Glas Wasser an mich, von dem ich einen kleinen Schluck trank. "Na komm. Hilf mir. Ich möchte es gerne verstehen." Lange sah ich sie an ehe ich seufzend zu erklären begann.

                "Naja, ich steh' schon sehr lange auf den gebürtigen Hawaiianer." Ich sah zu den vielen Klamotten während ich überlegte. "Irgendwann hab' ich fest gestellt, dass ich auf Bad Guys stehe. Eben meine Vorstellung eines richtigen Mannes." Ich musste angetan lächeln als ich daran dachte, wie ich Jason zum ersten Mal genau so gesehen hatte wie ich mir den Inbegriff eines Mannes vorstellte. "Oh Gott. Ich muss aufhören daran zu denken." Kichernd rieb ich mir über die Arme auf denen sich Stehplatzpanik ausbreitete. Ich atmete tief durch. "Und dann hatte er lange Haare, einen Bart und mich völlig aus den Angeln gehoben." Ich konnte Mary ansehen, dass sie versuchte es nach zu vollziehen. "Hey! Ich bin Single und darf träumen." Ich begann zu lachen und stellte schnell das Glas weg bevor der Inhalt auf dem Boden landete. Derweil hob Mary abwehrend die Hände.

                "Ist ja schon gut." Meine Braue kroch hoch, als ich sah, dass ihre Wangen rot anliefen. "So ging es mir mit Steve. Er ist für mich der Inbegriff eines Mannes." sagte sie leise als würde sonst der Traum zerplatzen. Ich nickte verstehend.

                "Es ist ganz egal, welche Vorlieben man hat. Im Endeffekt suchen wir genau das, was wir eigentlich nicht haben können." Ich zuckte die Schultern. "Naja, ist nicht bei jedem so aber bei mir halt." Ich versuchte immer noch aus der Perspektive zu erklären, in der ich Jason nicht persönlich kannte und darüber nachdenken musste ob seine Aussage wegen dem Heiraten nur Unsinn war oder sein absoluter Ernst. "Ich war immer der Meinung, dass man an Stars als Fan nicht heran kommt. Für mich war das halt so. Er Star. Ich Fan. Und als Fan darf ich ihn anhimmeln… machen was ich will. Es tut ja niemandem weh, wenn ich mir vorstelle, ich würde sein Kind tragen und somit zur Mutter des prophezeiten Khals werden. Oder wenn er sich einfach nimmt was er will und ich bin es, die er begehrt. Es interessiert niemanden." Ich machte eine Pause um ihr Zeit zu geben es zu verstehen. Langsam nickte sie.

                "Ich glaube, ich verstehe, was du meinst." Sie hob ihren Blick um mich wieder anzusehen. "Und jetzt stehst du davor, dir alles wünschen zu dürfen was du willst." Ich nickte und nahm nochmal das Glas an mich um einen Schluck zu trinken. Sie kratzte sich eine ganze Weile am Kopf ehe wir bemerkten, dass die Verkäuferin uns zuhörte. Ich hob eine Braue als mir auffiel, dass sie rote Wangen hatte. Sie räusperte sich und versuchte ihren Fauxpas zu überspielen.

                "Die Hose ist fertig, Miss O'Keefe." Ich hob eine Braue. Die Hose rückte gerade in den Hintergrund.

                "Woher kennen Sie meinen Namen?" wollte ich wissen, denn vorgestellt hatte ich mich ihr nicht.

                "Ein paar Freundinnen und ich waren sonntags auf der Con als sie Khal Drogo und Daenerys die Meinung gesagt haben." Ich sah zu Boden und betete inständig, dass er sich öffnen möge. Das war mir sehr peinlich.

                "Das hätte ich nicht tun dürfen. Ich …" Ich schüttelte immer wieder den Kopf.

                "Nein, das war sogar genau richtig. Wir Fans machen doch aus ihnen was sie sind. Ohne uns würden sie doch weiter nur im Schatten stehen und nicht im Rampenlicht." Sie hatte ja Recht. Das waren meine Beweggründe. Dass er mich nur angestarrt hatte wie ein notgeiler Arsch und ich deshalb auf diese Rede kam, behielt ich natürlich für mich.

                "Sie haben durchaus Recht. Aber was würden Sie machen?" Ich sah sie eine ganze Weile an.

                "Ich würde ihn auf Hawaii heiraten, bei fünfundsiebzig Grad Fahrenheit in diesen schicken Lederhosen." Sie kicherte wie ein Teenager und erinnerte mich an mich selbst. Ich erhob mich von dem Sessel und nickte.

                "Gute Idee, aber ich bin mir nicht sicher ob ich das möchte. So hat eben jeder seine Vorlieben." Ich sah zu Mary mit der ich gerade darüber diskutiert hatte. "Dem einen reicht das Standesamt, der andere will auf dem Mond heiraten und ich?" Ich zuckte die Schultern. Mir schoss das Bild von Jason als Khal Drogo in den Kopf als er Daenerys zum ersten Mal begutachtete. "Ihn in diesem Nichts von Kleid heiraten, durch das man den Körper sehen kann und dann mit ihm auf einem schönen Rotfuchs in den Sonnenuntergang reiten." Ich bekam mal wieder einen Klos in den Hals. Wie früher. Nur damals wusste ich, dass meine Träume niemals in Erfüllung gehen würden. Ich zog die Nase hoch und sah mich dabei um ob ich irgendwas vergessen hatte. Die Beiden sahen sich an und beschlossen wohl es gut sein zu lassen mit dem Mann, den ich liebte. "Wir müssen noch ein paar Accessoires kaufen." erklärte ich und steuerte die Kasse an, nicht wissend, ob das die richtige Richtung war. Ich war nur damit beschäftigt die aufgekommenen Tränen in Schach zu halten. Still standen wir alle an der Kasse während die Verkäuferin die Rechnung fertig machte.

                "Das macht dann 5564 Dollar." Ich gab ihr meine Kreditkarte, die sie durch den Leser zog während eine andere Dame, die Sachen anständig in Schachteln verpackte und sie dann hinaus brachte. Als die Dame mir meine Karte zurück gab lächelte sie mich an. "Kopf hoch. Sie finden schon etwas, das Sie sich wünschen können." Ich schob die Karte in meinen Geldbeutel und sah sie an.

                "Ich bin zufrieden wenn es den Kindern gut geht." Ich hob eine Braue. "Apropos Kinder." Ich kramte in meinem Rucksack nach der Salbe und eilte zu einem Spiegel wo ich mir schnell das Tattoo einrieb. Dann ging ich zurück und wurde von Beiden stirnrunzelnd angesehen. Schmunzelnd verdrehte ich die Augen und zog meine Bluse auseinander, damit sie das Tattoo sehen konnten.

                "Das ist ja süß." meinte Mary.

                "Fast das gleiche Tattoo wie Khal Drogo." stellte die Verkäuferin fest wozu ich nickte.

                "Ja. DAS ist eine Erinnerung, die ich niemals vergessen werde." Ich versuchte auf mein Dekolleté zu sehen und lächelte stolz dabei. "Aber jetzt ab mit uns. Wir sind noch nicht fertig mit shoppen." Ich zog die Bluse wieder zusammen und schulterte meinen Rucksack. "Danke für alles." sagte ich noch ehe ich Mary mit hinaus zog, die ziemlich still geworden war. Steve erwartete uns bereits und hielt uns die Tür auf. Doch bevor wir einstiegen sah ich Mary ernst an. "Was ist denn los?" wollte ich wissen. Sofort machte sich Steve Sorgen.

                "Schatz, alles in Ordnung?" Gerade vermisste ich die Kinder und Jason unheimlich.

                "Ja." versicherte sie uns mit einem Lächeln. "Alles in Ordnung." Sie küsste ihren Mann auf die Wange und kletterte dann in den Wagen. Stirnrunzelnd sah ich Steve an ehe ich es Mary gleich tat. Er zuckte die Schultern, da er es auch nicht wusste und setzte sich ans Steuer. Sie sah eine Weile zum Fenster hinaus ehe sie sich umdrehte. "Wolford, Tiffany oder Anna Fontaine." Ich sah sie nur verwundert an, weil sie wusste wo wir hin sollten. Ich hingegen war lediglich fähig Gothic-Läden ausfindig zu machen, die meistens viel zu viel kosteten. Ich fing an zu lachen, als mir klar wurde, dass meine Klamotten nur Peanuts kosteten im Gegensatz zu denen, die ich mir gerade eben gekauft hatte. Mary sah mich mit erhobener Braue an.

                "Es ist nichts. Ich musst nur gerade daran denken, wie billig meine Klamotten im Gegensatz zu den Armani Sachen sind." Ich atmete tief durch. "Die ich mir normalerweise nicht leisten kann." Mary hob eine Braue und stieg dann in mein Lachen mit ein.

                "Wer weiß, vielleicht kannst du dir sowas zukünftig öfter leisten." Schmunzelnd zwinkerte sie mir zu. Aber irgendwie fand ich das gar nicht komisch und brachte mich zum Nachdenken. Steve war mittlerweile stehen geblieben, weil wir Tiffany erreicht hatten.

                "Sowas öfter kaufen?" Ich schüttelte den Kopf. "Da geh' ich doch lieber in meine Wohnung zurück." Immer noch bewegte sich mein Kopf hin und her. "Oder glaubst du ernsthaft mich interessiert sein Geld? Das ist nur ein Bonus ohne den ich gut leben könnte." Mary sah mich schuldbewusst an.

                "Tut mir leid. So hab' ich es nicht gemeint." Steve hatte sich umgedreht und dem Ganzen zugehört. Natürlich, er stand zu seiner Frau. Die Stimmung war gedrückt. Also öffnete ich die Tür selbst und sah erst mal an dem Gebäude entlang nach oben. Ziemlich beeindruckend, der Kasten. Ich trat ein paar Schritte vor und sah zur offenen Tür. Dann runzelte ich die Stirn, weil Mary nicht heraus kam.

                "Mary?" rief ich nach ihr und wollte gerade auf den Wagen zu gehen, als sie ihren Kopf heraus streckte.

                "Ich komm' schon." sagte sie und stieg aus dem Wagen. Sie ging auf mich zu und hakte sich unter. "Es tut mir ehrlich leid. Das war nur ein Witz um die Stimmung heiter zu halten." Mit erhobener Braue sah ich sie an.

                "Ich muss mich auch entschuldigen. Bei solchen Aussagen reagiere ich allergisch." Seufzend nahm ich sie in den Arm. "Tut mir leid." Ich sah sie mit einem leichten Lächeln an wobei ich mich von ihr löste und ihr die Hand reichte. "Wieder Freunde?" Meine Brauen standen auf Halbmast wie auch meine Mundwinkel. Nach achtundvierzig Jahren sollte ich einen Scherz eigentlich verstehen.

                "Freunde" sagte sie erleichtert und schüttelte meine Hand. Ich sah nochmal zu dem Laden, der schon vor meiner Geburt berühmt war.

                "Na komm. Ich hab' noch ein bisschen Geld, das ich ausgeben kann." Situation gerettet. Und dann fiel mir ein, dass ich schon vor ein paar Stunden Emilia eine Nachricht geschrieben hatte und sah auf mein Handy. Emilia hatte nicht zurück geschrieben. Ich hob eine Braue, die aber auch gleich wieder sank. Klar, sie war Schauspielerin und hatte nicht immer Zeit. Mary beobachtete mich während ich mein Handy in die Tasche schob und mich dann bei ihr unterhakte.

                "Alles in Ordnung?" wollte sie wissen und schob mich Richtung des Eingangs.

                "Na ich hoffe doch. Emilia hat sich nicht gemeldet." Ich zuckte die Schultern und sah Mary an, die mir die Tür zu Tiffany öffnete.

                "Sie ist Schauspielerin." sagte sie nur und wies mit der flachen Hand in den Laden.

                "Allerdings." pflichtete ich ihr bei und ging durch die Glastür hinein. Ich sah mich um, besah mir alles was es zu erfassen gab während ich einen Ohrwurm bekam. Breakfast at Tiffany's von Deep Blue Something hörte ich als Dauerschleife in meinem Kopf. Überall glitzerte und funkelte es. Ich hätte mir eine Sonnenbrille mitnehmen sollen. Und dann hörte ich Moonriver. Das berühmte Lied, das Audrey Hepburn in Frühstück bei Tiffany's sang. Meine Mutter hatte diesen Film geliebt. Keine Ahnung was sie an George Peppard fand. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal selbst hier sein würde." Begeisterung schwang in meiner Stimme mit und spiegelte sich in meinem Gesicht als ein Schlipsträger auf mich zu kam und breit lächelte.

                "Miss O'Keefe. Es freut mich, dass sie unser Etablissement beehren." Er nahm meine Hand und drückte sie herzlich. Verwirrt sah ich Mary an, die nicht weniger dumm aus der Wäsche sah.

                "Danke, Mister…" Fragend sah ich ihn an.

                "Oh, Verzeihung. Mein Name ist Garrett Finnigan." stellte er sich vor und machte dabei einen leichten Diener. Dann ließ er meine Hand los und wies in eine unbestimmte Richtung. "Darf ich Sie herumführen?" Ich hob eine Braue und sah ihn verdattert an. Der Kerl ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

                "Zuerst möchte ich wissen, woher Sie meinen Namen kennen." Ich verschränkte meine Arme und sah den Typen an, der scheinbar über mich Bescheid wusste. Aber da ich anständig behandelt wurde nahm ich an, dass der Herr den Artikel nicht gelesen hatte.

                "Eine meiner Angestellten hat Sie wohl bei einer Veranstaltung gesehen und hat sich in ihrer Pause mit ein paar ihrer Kollegen darüber unterhalten. Ich kam dazu und wurde neugierig." lächelte er und ging nun vor, um mir das ein oder andere Geschmeide zu zeigen. "Und gerade hat sie Sie gesehen und mich darauf aufmerksam gemacht."

                "Verstehe. Ich dachte, Sie hätten ihn in der Zeitung gelesen." Mister Finnigan sah mich mit erhobener Braue an.

                "Wenn es so einen Artikel gegeben hätte, dann wüsste die junge Dame davon. Soweit ich verstanden habe ist sie ein großer Game of Thrones Fan." Er schien stolz darauf zu sein, dies über seine Mitarbeiterin zu wissen. "Aber nun zu Ihnen. Was kann ich für Sie tun?" Ich hatte wirklich an diesem Sonntag zu viel Aufsehen erregt. Aber dass es nun doch keinen Artikel gegeben hatte machte mich böse. Allan Carver hatte Jason belogen und das gefiel mir gar nicht.

                "Ich suche etwas aus Silber. Keine Diamanten. Aber aufwendig genug um aufzufallen." Ich dachte kurz nach und schüttelte dann den Kopf. "Nein, für die Klamotten brauche ich etwas Schlichtes." Mary nickte.

                "Ja. Du wirst umwerfend aussehen. Da soll der Schmuck nicht von deiner Erscheinung ablenken." Mister Finnigan lächelte zwischen uns Beiden hin und her ehe er nickte.

                "Ich denke, ich habe da genau das Richtige. Paloma Picasso hat eine hübsche Serie aus Sterlingsilber gemacht." klärte er mich über etwas auf, von dem ich nichts verstand. Er führte uns zu einer kleinen Sitzgelegenheit mit Tisch, an der er uns bat Platz zu nehmen. "Ich hole eben die Stücke." sagte er und verabschiedete sich lächelnd. Ich sah ihm noch kurz nach und seufzte dann.

                "Jetzt werd' ich doch noch berühmt." Was mir natürlich gar nicht recht war, denn ich mochte durchaus meinen anonymen Status. Andererseits… Wenn… Nein, sollte ich nach Venice zurück kehren konnte ich nicht mehr mit Ausreden kommen. Ich musste an das Bild der Musen denken, das er für mich restaurieren lassen hatte und begann zu lächeln.

                "Woran denkst du gerade?" wollte Mary wissen, die sich von meinem Lächeln angesteckt fühlte.

                "An ein Bild, das er für mich hat restaurieren lassen. Eigentlich ziemlich kitschig, aber ich finde das Gemälde unheimlich schön." sagte ich verträumt als auch Mister Finnigan zurück kehrte. "Erzähl ich dir bei Gelegenheit." versprach ich ihr und besah mir dann, was auf dem Schmucktablett zu sehen war. Beeindruckt nickte ich zu dem Schmuck mit den vielen Blättern. "Ich muss zugeben, der Schmuck sieht wirklich sehr schön aus." Und schon strahlte Mister Finnigan und sah sich schon ein tolles Geschäft abschließen. Ich entschied mich für den Manschettenarmreif, wie er es nannte, einen Ring, ein paar hübsche Ohrringe und eine Halskette, die ich aber als zu lang empfand. "Die Bluse ist bis zum Brustansatz geöffnet." Dabei deutete ich auf einen Punkt auf meinem Dekolleté, der nicht wirklich tief war, aber dennoch ausreichend Haut zeigte. Inklusive des Tattoos, das ich mir hatte machen lassen. Mister Finnigan nickte.

                "Verstehe. Ich hole noch schnell ein paar Ketten in verschiedenen Längen." Wieder lächelte er und verschwand erneut. Seufzend holte ich mein Handy heraus um zu sehen ob sich Emilia gemeldet hatte. Immer noch nichts von ihr. Dafür hatte sich Lola gemeldet, die mir schrieb, dass sie mich vermisste. Ich schickte ihr eine Nachricht zurück, dass es mir genauso ging und dass ich hoffentlich bald wieder zuhause sei. Ich wollte es ihr nicht versprechen, da ich nicht wusste, ob sich alles zum Guten wenden würde. Und dann kehrte Mister Finnigan zurück, der den Anhänger an eine kürzere Kette fädelte und sie mir anlegte. Dann ließ er mich sie in einem Spiegel begutachten.

                "Vielleicht etwas kürzer um den Raum zwischen Hals und Ausschnitt auszufüllen." Während Mister Finnigan sich um die Kette kümmerte hatte sich Mary in ihre eigene Welt zurück gezogen. "Mary?" versuchte ich sie zu mir zurück zu holen. Und tatsächlich blinzelte sie, als sie mich fragend ansah. "Was ist denn los mit dir?" wollte ich wissen. Aber ich bekam keine Antwort und sah dann Mister Finnigan an, der mir gerade die Halskette anlegen wollte. "Könnten Sie uns kurz allein lassen?" bat ich ihn.

                "Natürlich." Er erhob sich und verließ uns um derweil jemand anderen zu bedienen.

                "Liebes, was ist los?" Ich drehte mich zu ihr und nahm ihre Hände. Ich sah ihr an, dass sie mit sich rang, ob sie mir, was auch immer, erzählen sollte. Letztendlich rückte sie mit der Sprach raus.

                "Ich muss schon wieder an die Kinder denken." Fragend hob ich eine Braue. "Wenn ich schwanger werden sollte, dann nur, weil mein Körper großzügig war." Das war heftig.

                "Oh Gott, Liebes. Das tut mir leid. Warst du schon beim Arzt?" Natürlich war sie das sonst würde sie das nicht wissen. Mary nickte wobei sie mit den Tränen kämpfte.

                "Ja, natürlich. Er macht mit mir eine Kur, um meine Eier in Schwung zu bringen." Eine Braue schoss nach oben und ich versuchte mir ein Grinsen zu unterdrücken. "Er sagte, ich bin noch jung. Das wird schon wieder." Aufmunternd lächelte ich sie an.

                "Aber natürlich. Davon bin ich überzeugt." Was mich daran erinnerte, dass ich niemals eigene Kinder haben würde. Mit achtundvierzig bekam man keine Kinder mehr. Mary ließ sich aufmuntern und legte mir die Kette an.

                "Die Länge finde ich gut. Passt schön zwischen Hals und Ausschnitt." Ich sah nach unten und musterte den hübschen Anhänger.

                "Ja, gefällt mir auch." Dann nahm sie mir die Kette wieder ab und legte sie etwas seitlich auf das Schmucktablett. Ich besah mir noch eine Weile den neuen Schmuck während ich eine Nachricht bekam. Emilia hatte sich endlich gemeldet.

                [Hey, Süße. Das hört sich ja richtig aufregend an. Ich will unbedingt ein Bild von dir in den neuen Sachen. :-D Ach und sorry, dass ich mich nicht gemeldet habe. Ich war in Hollywood für eine Rolle vorsprechen. Nein, ich weiß noch nicht, ob ich sie bekomme. ;-) Ich sag dir Bescheid. Komm' bald wieder nach Hause. Wir vermissen dich.] Mary hatte mitgelesen und legte mir tröstend ihre Hand auf den Rücken, denn ich schluckte heftig.

                "Was soll ich dazu noch sagen?" Meine Stimme klang brüchig.

                "Nichts, Beth. Nimm es hin. Sie ist deine Freundin. Egal ob berühmt oder nicht." Ich sah Mary aus trüben Augen an, die jetzt eine Träne fallen ließen.

                "Nach so langer Zeit mit meiner Meinung ist das nicht einfach." Ich versuchte mich zu beruhigen, denn Mister Finnigan kam zurück und ich wollte nicht, dass er meine Tränen sah.

                "Darf ich stören?" fragte er freundlich nach.

                "Ja" sagte ich und versuchte das Beste aus diesem Moment zu machen.

                "Haben Sie sich für etwas entschieden?" wollte er wissen, als er sich uns gegenüber setzte.

                "Die Ohrringe, das Manschettenarmband, die Halskette und den Ring." Mister Finnigan nickte lächelnd und nahm das Schmucktablett an sich.

                "Ich lasse alles verpacken." Ich nickte zu seinen Worten und erhob mich.

                "Komm, lass uns noch ein bisschen kucken. Er wird bestimmt noch etwas brauchen." Auf dem Weg zu der Sitzgelegenheit hatte ich Parfüm gesehen, das ich mir ansehen wollte. Nun war ich es, die Mary mit mir zog, denn sie hatte wohl nicht auf den Rest geachtet.

                "Ich wusste gar nicht, dass Tiffany auch Parfüm hat." sagte sie, als wir vor dem hohen Regal stehen blieben. Ich musste mich mal wieder recken um zu bekommen, was ich wollte.

                "Na, dann lass uns mal riechen." grinste ich und besprühte unsere Handgelenke mit dem Duft. Mary rümpfte sofort die Nase, doch ich fand den Duft recht anregend. Kein Wunder. "Patchouli ist da mit drin." Aber da gab es noch andere Düfte, die sich mit dem Patchouli mischten. "Gefällt mir." lächelte ich und suchte die größte Flasche, die ich mit Richtung Kasse nahm. "Das kommt noch dazu." sagte ich freundlich, als ich die Flasche auf dem Tresen abstellte. Die junge Dame, die alles für mich richtete, sah mich eine Weile perplex an ehe sie sich wieder um die Päckchen kümmerte, die sie in eine Tasche packte.

                "Das wären dann 2.856 Dollar." So viel Geld hatte ich noch nie ausgegeben und kam mir langsam schuldig vor. Ich gab der jungen Dame meine Kreditkarte, die sie mit dem Betrag belastete und mir dann Tasche und Karte gab. "Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, Miss O'Keefe." Sie war wohl diejenige oder eine von denen, die Mister Finnigan erwähnt hatte. Langsam wurde mir das alles zu viel.

                "Ich möchte nach Hause." brummte ich und verließ gemeinsam mit Mary den berühmten Juwelierladen. Sie schüttelte den Kopf.

                "Noch zwei Läden, dann hast du es geschafft." versprach sie mir und zog mich zum Wagen, der neugierig begafft wurde. Steve war voll damit beschäftigt eifrige Fotografen aufzuhalten. Touristen, die auf einen Star hofften. Spitze. Und ich kam gerade mit einer Tüte von Tiffany an. Als sie sahen, dass sich kein vermeintlicher Star näherte gingen sie enttäuscht von dannen. Nur eine blieb und machte noch ein paar Fotos. Aber die galten dem Wagen. Steve öffnete uns die Türen, damit wir schnell darin verschwinden konnten.

                "Ich hasse das." brummte ich im Wagen, den Steve in Gang gesetzt hatte. Wir fuhren noch zu Wolford um Unterwäsche zu kaufen und dann bei Anna Fontaine vorbei, weil Mary eine Handtasche entdeckt hatte, die gut zu meinem Outfit passte.

                Und jetzt saß ich in Kates Wohnzimmer und grübelte darüber nach, was ich da eigentlich tat. Aber zuerst musste ich Emilia sagen, dass ich ihre 8.000 Dollar komplett ausgegeben hatte. Und das hatte nicht gereicht. Als ich alles zusammen gerechnet hatte kam ich auf satte 9.389 Dollar. Ich hatte absolut keine Ahnung, wie ich Emilia das Geld wieder geben sollte.

                [Hallo Emilia] Lange besah ich mir diese Begrüßung, die mir nicht gefiel und löschte sie deshalb wieder. [Hi Liebes. Ich verstehe nicht, wie man sich so teure Klamotten kaufen kann? Wenn ich NUR solche Sachen hätte wäre ich nach den nächsten Hosen schon pleite. Jedenfalls ist das Geld komplett weg und nur, weil die Jacke und die Hose aus Doppelwolle ist. Was auch immer das sein soll. Aber ich zahl' es dir zurück. Irgendwie. Drück' mir die Daumen, dass es so klappt, wie ich es mir vorstelle.] Ich drückte auf Senden und ließ das Handy neben mich auf die Couch fallen. Kate hatte Tee gerichtet, den sie gerade auf den Tisch stellte und mir ein Lächeln schenkte.

                "Liebes, du siehst gar nicht gut aus." bestätigte mir Kate, was ich schon die ganze Zeit vermutete. Sie setzte sich neben mich und nahm mich in den Arm.

                "Ich muss die ganze Zeit daran denken, ob alles gut geht und ich wieder zurück gehen kann. Sollte das nämlich nicht der Fall sein…" Ich wollte nicht daran denken, was passieren könnte und dennoch schwebten mir die wildesten Möglichkeiten durch den Kopf.

                "Die Anschuldigungen sind doch haltlos. Reine Erfindung." erinnerte mich Kate daran, dass Jane die Finger im Spiel hatte.

                "Ja, schon, aber was, wenn ich nicht die richtigen Worte finde? Was, wenn Janes Eifersucht noch schlimmer geworden ist? Sie ist reich und ihr stehen alle Mittel zur Verfügung. Mir nicht." Kate streichelte mir tröstend über mein Haar.

                "Ich bin mir sicher, dass du auch dann Hilfe bekommst." Sie schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln. Skeptisch hob ich eine Braue.

                "Da wäre ich mir nicht so sicher." Mein Brummen zeigte deutlich, dass ich nicht daran glaubte. Wenn es brenzlich wurde stand ich bisher immer alleine da. "Kate, ich hab' gerade 8.000 Dollar ausgegeben, von denen ich nicht weiß, wie ich sie zurück zahlen soll." Schwer seufzte ich und setzte damit ein paar von Kates Strähnen in Bewegung, die ihr aus dem Dutt gefallen waren. Und weil ich ja gerade nicht genug den Kopf voll hatte, meldete sich mein Handy.

                [Süße, mach dir mal um das Geld keine Sorgen. Ich hab' es dir gegeben weil ich dir helfen wollte und nicht weil ich ein Kreditinstitut habe. Ich soll dir liebe Grüße von einer dreiköpfigen Familie ausrichten.] Ich gab Kate die Nachricht zu lesen während ich meinen Tränen freien Lauf ließ.

                "Siehst du? Alles halb so wild." Dass sie ins Du übergegangen war störte mich überhaupt nicht. Im Gegenteil. Sie verkörperte einen Teil meines Lebens, den ich früh verloren hatte: Meine Mutter.

                "So wie es aussieht, muss ich meine Einstellung nochmal überdenken." Ich sah nochmal auf die Nachricht wegen der ich geweint hatte.

                [Du weißt gar nicht wie dankbar ich dir bin. Und ehe ich es vergesse. Bitte richte ihm aus, dass es doch keinen Artikel gab und er sich schon mal mit seinem Anwalt darüber unterhalten soll.] Ich drückte auf Senden und legte das Handy wieder weg.

                "Das wird schlimmer als ich…" Ich zog meine Brauen zusammen und richtete mich langsam auf. "Das ist es!" rief ich aus und strahlte Kate an. "DAS IST ES!" sagte ich noch etwas lauter, denn die Idee die mir gekommen war fand ich überaus genial. Kate hingegen sah mich nur wie vom Donner gerührt an. "Oh" machte ich und kicherte verlegen. "Carver ließ in seinem Brief an Jason verlauten, dass er einen Artikel geschrieben hat, der vor ein paar Wochen gedruckt wurde. Aber ich hab' heute erfahren, dass es keinen solchen Artikel gab." Kate verstand sofort und nahm meine Hand.

                "Deine Pechsträhne hat dich wohl verlassen."

                "Nach achtundvierzig Jahren, naja, nicht ganz, wäre das ein Lichtblick." nickte ich und schnappte mir mein Handy um Jason anzurufen. Während Kate in die Küche ging wartete ich darauf, dass Jason ran ging. Ich wollte schon los erzählen als ich eine weibliche Stimme hörte, die eindeutig nicht Lola gehörte.

                "Ja bitte?" meldete sie sich. Ich starrte mein Handy an und fragte mich, ob ich schon wieder eine falsche Nummer gewählt hatte. Aber mein Display zeigte Jason an. "Wer ist denn da?" rief sie nochmal.

                "O'Keefe hier und wer sind Sie?" Aber irgendwie wusste ich, dass mir nicht gefallen würde, was ich zu hören bekam.

                "Wolfs und Lolas Mutter." Das Handy wurde plötzlich so heiß, dass ich es am liebsten von mir geworfen hätte. Ich ärgerte mich gerade zu Tode, dass ich seinen Antrag nicht angenommen hatte. Jetzt musste ich mich aus der Sache heraus halten.

                "Kann ich bitte Jason sprechen?" Ich verdrehte meine Augen.

                "Nein. Er ist nicht zu sprechen." sagte mir dieses Miststück rotze frech und würde wahrscheinlich auch noch damit durch kommen.

                "Das werden wir sehen." Ich legte auf und bekam direkt einen Anruf von Emilia. "Sind die Kinder bei dir?" fragte ich noch bevor sie mich begrüßen konnte.

                "Nein. Sie sind bei Jason und das gefällt mir gar nicht. Du weißt es also schon?"

                "Wissen? Was?" Naja, dieses Miststück war die Mutter also war es klar, dass sie ab und zu vorbei kam um nach ihnen zu sehen. Redete ich mir zumindest ein, denn in den letzten Monaten war sie nicht da.

                "April will das Sorgerecht für die Kinder." Das verschlug mir die Sprache. "Beth?" Ich bekam keinen Ton heraus. "Beth!" Ich sah meinen Traum dahin schwinden. War ja klar, dass ich nach einem kurzen Moment des Glücks in meinen alten Trott zurück fallen würde. "BETH!" schrie Emilia nun ins Handy was mich zusammen zucken ließ.

                "Ja. Bin da." Ich sah Kate an, die mittlerweile wieder ins Wohnzimmer gekommen war. "Hast du einen Whiskey für mich?" Sorge machte sich in ihrem Gesicht breit aber sie wetterte nicht gegen ein Glas Whiskey und brachte mir ein Glas, das ich an mich nahm und erst mal nur mit mir rum schleppte. "Wieso will sie auf einmal das Sorgerecht?" wollte ich wissen. Hoffend Emilia wusste näheres.

                "Oh Schatz, ich traue mich gar nicht es dir zu erzählen." sagte sie und ich ahnte schon, dass es mit Carver zu tun hatte. Aber durch einen Artikel konnte Misses Miststück Ex Momoa nichts erfahren haben.

                "Diese Jane hat sich mit ihr in Verbindung gesetzt." Das war mein Todesurteil. Ich konnte nichts mehr tun, was mein Schluchzen verdeutlichte.

                "Das war's. Ich habe versagt!" Ich ließ Handy und Glas fallen und fiel auf meine Knie. "Ich kann mir keinen Anwalt leisten." weinte ich bitterlich meine Tränen auf den Teppich und ließ mich dann nach vorne fallen, um auf den Teppich einzuhämmern.

                "Emilia? Kate hier. Es wäre besser wenn Sie her kommen." Ich bekam nur so halb mit, dass Kate sich mein Handy genommen hatte. "Danke" sagte sie noch und legte das Handy auf den Tisch. Mich ließ sie in Ruhe, damit ich das alles verdauen konnte.

 

                Ich hatte mich in das kleine Gästezimmer geschleppt und hinter mir die Tür verschlossen, damit ich ungestört die nächsten Stunden meinem Selbstmitleid frönen konnte. Wie immer hob ich die Sorgen der Welt auf meine Schultern und gab mir an allem die Schuld zu.

                "Hätte ich doch Jason nur Jane vorgestellt. Hätte ich sie doch bloß nicht so angefahren." Mein Schluchzen klang sicher erbärmlich. Eines stand allerdings fest. Jason würde wegen mir die Kinder verlieren. Und sofort wurde mein Weinen, Jammern lauter ehe ich mein Gesicht wieder in das Kissen vergrub, das langsam einen Grauschleier durch mein Makeup bekam. Jemand klopfte an meine Tür. Da ich aber niemanden sehen wollte reagierte ich auch nicht.

                "Schätzchen. Mach' auf. Ich mache mir Sorgen." sagte Kate und klopfte noch einmal an.

                "Lass mich doch in Ruhe. Ich bin schuld, dass Jason seine Kinder verliert." Und wieder weinte ich lauthals ins Kissen.

                "Das ist nicht wahr, mein Schatz. Rede Dir nichts ein. Bitte, mach die Tür auf." bat sie mich wieder.

                "Natürlich ist das wahr. Dieses Miststück!" Ich rappelte mich auf dem Bett auf und fing an mit dem Kissen auf das Bett einzuschlagen. "Ich wusste genau, dass sie ein hinterfotziges Miststück ist. Keine Frau für so einen wundervollen Mann." Die Erinnerung an Vergangenes holte mich ein. Ich war geladen und auf 360 gedreht. "Wahrscheinlich nur auf sein Geld aus." Wütend schrie ich die Decke an. "Und jetzt geht sie über die Kinder. Was für eine Mutter ist das, die über Kinder geht?"

                "Eine schlechte." sagte jemand laut hinter der Tür. Heftig begann ich zu blinzeln als mir klar wurde wer da hinter der Tür stand.

                "Jason?" Hastig kletterte ich vom Bett und schloss die Tür auf. Ein Meter dreiundneunzig bückten sich etwas um durch die Tür zu kommen. Meine blutunterlaufenen Augen sahen zu ihm hoch.

                "Wieso bist du nicht bei den Kindern?" Er drehte sich um und sah durch die Tür, durch die jetzt zwei Kinder gerannt kamen, um mich zu umarmen.

                "Ohne meine Kinder gehe ich nirgends hin." Eilig ging ich in die Hocke und breitete meine Arme aus, um die Beiden aufzufangen. Freudentränen drückten sich aus meinen roten Augen, die schon furchtbar brannten.

                "Richtig. Das hatte ich vergessen." schniefte ich zu Jason hoch, der lächelnd zu uns runter sah.

                "Papa hat versprochen, dass wir nicht weg müssen." Lola hatte sich gelöst und präsentierte mir nun ihr rotes Gesicht über das zahlreiche Tränen liefen. Auch Wolf sah mich mit roten Augen an, der eigentlich nach seinem Vater kam und immer auf hartgesotten machte.

                "Und was Papa verspricht, das hält er auch." Ich schenkte ihr ein Lächeln, das ziemlich schräg rüber kam.

                "Die Frau war ganz schön böse zu uns." erzählte Wolf in einem Ton, der sich anhörte als erwarte er, dass ich dagegen etwas unternahm. Zumal er von 'der Frau' sprach und nicht von Mama. Stirnrunzelnd sah ich zu Jason hoch.

                "Wolf war nicht mal ein Jahr alt." Diese Aussage reichte schon, um mich verstehen zu lassen. Ich nickte und sah erst Wolf dann Lola an.

                "Ich lasse nicht zu, dass sie euch eurem Papa weg nimmt." Nur wie ich das anstellen sollte wusste ich nicht. Ich blinzelte ein paar Tränen weg, die nicht aus meinen Augen wollten. Und im nächsten Moment spürte ich, wie sich die Beiden an mich klammerten. "Wir schaffen das schon. Morgen gehe ich zur Times und versuche diesen bösen Mann heraus zu locken." Ich sah sie aus meinen roten Augen enthusiastisch an auch wenn ich mir eigentlich nicht sicher war.

                "Und dann wirst du meine Mama?" Wieder so ein Schlag ins Gesicht, den nur Kinder ausführen durften.

                "Und dann werd' ich eure Mama." In dem kleinen Haus wurde es still.

                "Versprochen?" Die Kinder waren sich mal wieder einig und sprachen im Chor.

                "Versprochen." sagte ich und schloss die Beiden fest in meine Arme. Ich hob eine Braue als ich von irgendwo her Emilia feiern hörte. Tief atmete ich durch und verdrehte dabei die Augen. Ich sagte nichts dazu, denn die Kinder waren mir grad viel wichtiger. Und zu Jason wollte ich nicht hoch sehen, denn ich konnte mir vorstellen, dass er die Arme verschränkt hatte, breit grinste und einen Blick drauf hatte, der sagen sollte: Ich hab's dir doch gesagt.

                "Lasst ihr mich und eure zukünftige Mutter für einen Moment allein?" Jason war in die Hocke gegangen und küsste seinen Kinder nach einander die Stirn.

                "Okay" Wieder ein Chor, der schöner nicht sein konnte. Lächelnd sah ich den Beiden nach bis sie verschwunden waren. Mein Lächeln verschwand als sie weg waren und die Tränen fingen wieder an zu kullern.

                "Süße. Nicht weinen. Mein Anwalt ist schon an der Sache dran." Ich richtete mich langsam auf meine wackeligen Beine auf und setzte mich aufs Bett. Jason setzte sich neben mich und sah mir beim Schniefen zu. "Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich dieser Frau meine Kinder überlasse." Seufzend schüttelte ich den Kopf.

                "Nein. Natürlich nicht. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass ich der ausschlaggebende Grund dafür bin. Wäre ich nicht so stur gewesen, hätte Jane keine Gerüchte bei Carver in die Welt gesetzt. Ich könnte in Ruhe in meiner Wohnung am Central Park zeichnen und mit dir wegen einem Portrait verhandeln. Und niemand würde dir wegen deinen Kindern zu setzen." Ich beugte mich über seine Schenkel und angelte nach den Taschentüchern. Ich hob eine Braue, richtete mich auf und schlug mir die Hand an die Stirn, dass es laut patschte. "Ich könnte natürlich auch dieser Karte die Schuld geben." Ich ließ mich neben ihn auf das Bett fallen. Jason sah mich schmunzelnd an.

                "Und wieso ist jetzt die Karte schuld?" hakte er nach und legte sich neben mich. Den Kopf auf seine Hand gestützt und wusch mir mit dem Daumen die Tränen weg.

                "Na überleg doch mal. Du hast mich angeschrieben wegen einem Portrait. Und das war vor der Con. Ich hätte dich auf jeden Fall kennen gelernt." Jason fing an leise zu lachen und nickte.

                "Stimmt." sagte er und näherte sich meinem Gesicht. Ich kam ihm ein Stück entgegen und küsste ihn zärtlich.

                "Und das nehm' ich als Aufhänger. Ich geh morgen zur Times." beschloss ich und suchte nach meinem Handy. "Ach, ich Depp. Emilia ist ja im Wohnzimmer." Ich rappelte mich auf und atmete tief durch. "Ich brauche meine Bilder."

                "Und wofür?" Er hatte sich ebenfalls aufgesetzt und sah mich nun fragend an.

                "Stimmt. Eigentlich brauche ich nur das Internet." Ich rieb mir über den nicht vorhandenen Bart. "Er hat sich sicher schlau gemacht, um mir noch mehr anhängen zu können." Ich zog meine Augen zu Schlitzen. "Morgen lernt er mich kennen." knurrte ich und sah auf die Uhr. "Ohje, schon so spät." Automatisch fing ich an zu gähnen. Wieso man das immer machte, wenn man die späte Uhrzeit sah, war mir ein Rätsel. Jason schmunzelte als er aufstand und die Tür schloss. Ich hingegen ließ mich nach hinten fallen und schloss meine Augen.

                "Ist schon faszinierend, wie schnell du müde werden kannst." Und dann merkte ich wie ich ausgezogen wurde. Schuhe, Strümpfe, Hose, Bluse. Dann spürte ich etwas Kühles auf meinem Dekolleté.

                "Ich hatte nie viel zu tun." brummelte ich und wurde im nächsten Moment zu gedeckt. "Viel Zeit um zu schlafen." Erneut gähnte ich ausgiebig und schmatzte leise nach. Die Hände belagerten mein Kissen und meine Rückseite schmiegte sich an etwas unglaublich Warmes. Angetan murrte ich und rekelte mich an seiner warmen Haut. "Könnte ich mich doch nur mit dir zudecken." Ein letztes Mal gähnte ich und schlief mit seinem leisen Lachen in den Ohren ein.

 

23. August 2018

                "Guten Morgen, jalan atthirari anni." Nur langsam drangen die Worte in mein Bewusstsein, denn ich heiratete ihn gerade traditionell hawaiianisch. Allerdings schob sich gleich eine andere Erinnerung vor, in der er mich über sein Pferd geworfen hatte und jetzt mit mir davon ritt. Brummend öffnete ich die Augen. Was ich sah, sah irgendwie seltsam aus. Und ich bewegte mich. Leicht aber definitiv Bewegung. Langsam blinzelnd und die Luft durch die Nase saugend sah ich mich um und stellte fest, dass ich ihn in Beschlag genommen hatte. Ich lag mittig auf seinem Bauch.

                "Guten Morgen, shekh ma shieraki anni." Leise fing er an zu lachen und drehte sich samt mir so, dass ich leicht unter ihm zu liegen kam.

                "Wie hast du geschlafen?" wollte er wissen wobei er mir ein paar Strähnen auf die andere Seite schob.

                "Ich kann mich nicht beklagen." strahlte ich ihn an und legte meine Hände in seinen Nacken. Mittlerweile hatte ich akzeptiert, dass auch solche Träume wahr werden konnten. Dennoch fühlte es sich merkwürdig an Khal Drogo zu küssen. Oder Conans Kinder ins Herz zu schließen.

                "Und was hat Misses Drogo geträumt?" Sofort fiel mir dieses Bild aus der Graham Norton Show ein. Is it like looking in the mirror? Normalerweise war ich nicht der Typ, der über ein Cosplay lachte aber das war einfach nur ein Witz. Ich hatte sicher zehn Minuten gelacht ehe ich im Stande war aufzustehen und mein Gesicht zu waschen. Aber jetzt versuchte ich mir das Lachen zu verkneifen.

                "Wir haben geheiratet. Das tun wir seit der Con so ziemlich jede Nacht." Dann biss ich mir auf die Lippe, denn eigentlich gefiel mir der andere Teil, den ich in dieser Nacht gesehen hatte, viel besser. Jason nickte langsam und zeichnet die Konturen meines Gesichts nach.

                "So so." sagte er langsam, fast schon als würde er mir nicht glauben. "Ich kann dir an der Nasenspitze ansehen, dass das nicht alles ist." raunte er und hatte nicht mehr Beth unter sich sondern ein nacktes Huhn. Leise lachte er, dieser Mistkerl und brachte mich aus dem Gleichgewicht, aus der Konzentration, was auch immer… Geschichte.

                "Ich" Ich versuchte ihn nicht direkt anzusehen. "Du hast mich über dein Pferd geworfen und bist mit mir davon geritten." Dass ich kaum etwas anhatte und er diesen wunderschönen Zopf trug, verheimlichte ich ihm lieber. Von Khal Drogo zu träumen während Jason Momoa neben einem lag war nicht gerade förderlich für eine Beziehung. Er sah lange in mein Gesicht, hob eine Braue und ließ sie wieder fallen. Dann lachte er erneut. Neugierig sah ich ihn an.

                "Und das ist alles, ja?" Verdammt! War ich wirklich so leicht zu lesen?

                "Ja" sagte ich schnell, hoffend die Antwort kam genau in der richtigen Geschwindigkeit.

                "So so." sagte er abermals. "Und ich trug Jeans, ein Shirt," begann er in einem neutralen Ton aufzuzählen. "hatte keinen langen Zopf, keine Lederhosen an. Und du trugst auch kein halb durchsichtiges Kleid." Bei dem Kleid hob ich eine Braue.

                "Nein, sowas hab' ich nicht getragen." Es war durchsichtig und zeigte genau das, was ein Khal sehen wollte.

                "Ach, das nicht." Grinsend nickte er während ich rot anlief und unter ihm hervor aus dem Bett krabbeln wollte. "Nichts da! Du bleibst schön hier. Wir haben noch genug Zeit." Ich merkte nicht mal wirklich wie er sich auf mich setzte und mich am Gehen hinderte. "Hör auf vor mir zu fliehen. Ich bin nicht dein Feind." Er beugte sich zu mir runter und küsste mich kurz.

                "Ich weiß." seufzte ich als er sich wieder erhoben hatte.

                "Dann weißt du auch, dass ich wissen möchte wovon du träumst. Dass ich der Mittelpunkt deiner Träume bin weiß ich, aber was genau du träumst möchte ich wissen. Das sind deine Sehnsüchte." Er zwinkerte zu mir runter und wartete gespannt darauf, was ich sagen würde. Ich betrachtete eine Weile seinen Oberkörper während ich versuchte zu entscheiden, ob ich meine Träume preis geben sollte oder nicht. Dann zog ich die Brauen zusammen.

                "Muss das unbedingt heute sein? Ich hab' bald einen ganz wichtigen Termin." Ich sah zwischen seinen Augen hin und her, die mich anfunkelten und gar nicht mit dem zufrieden waren, was ich gerade gesagt hatte. Langsam nickte er.

                "Du wirst mir antworten." knurrte er mich an und schnappte sich meine Hände, die er über meinem Kopf fixierte. Hektisch kaute ich mir auf der Lippe rum, während er den Mann meiner Träume verkörperte.

                "Das Kleid war durchsichtig." sagte ich heiser. "Wie es ein Khal möchte." Meine Stimme wurde brüchig. Während er sich wohl vorstellte, wie ich in so einem Kleid aussah, konnte man vor der Tür Stimmen hören. Und dann klopfte jemand an die Tür. Erschrocken sah ich zur Tür, dann zu Jason hoch, der zu grinsen begann. "Oh nein. Das wagst du nicht." Energisch zerrte ich an meinen Fesseln, die seine Hände gerade für mich dar stellten.

                "Oh doch." sagte er und sah zur Tür. Doch er ließ mich los und zog die Decke über uns. "Herein?" sagte er und stützte seinen Kopf auf seinem Arm ab. Emilia lugte strahlend durch die Tür.

                "Na, ihr zwei Schlafmützen? Kommt zum Frühstück. Die Kinder warten auf euch." Emilia sah mich an und sofort fühlte ich mich schuldig für etwas, das nicht stattgefunden hatte. "So so" sagte sie nickend und grinste noch breiter. "Ja, ja" kicherte sie als sie die Tür schloss und wieder verschwand.

                "Ich bringe sie um!" motzte ich die geschlossene Tür an während ich aus dem Bett kletterte und in meiner Wut ein Shirt vom Boden klaubte und es anzog. Jason hatte sichtlich seinen Spaß an mir.

                "Mein Shirt steht dir gut." ließ er mich wissen und betrachtete mich von oben bis unten. Ich sah an mir herunter und hob beide Brauen. Die Wut war verflogen.

                "Oh" machte ich überrascht und wollte das Shirt ausziehen, um es ihm zurück zugeben. Schnell richtete er sich auf und schüttelte den Kopf.

                "Behalt' es für das Frühstück an. Ich hab' noch ein paar." Stirnrunzelnd sah ich ihm zu, wie er auf der anderen Seite das Bett verließ und sich zu etwas beugte, das als Koffer auf dem Bett landete. "Später gehen wir duschen und dann zeigst du mir, was du dir gekauft hast." Ich nickte nur zu seiner Aussage, die ich kaum mitbekam, da ich bereits anfing mir gedanklich ein paar Szenarien mit Carver auszumalen, die vielleicht passieren konnten. Ich schlüpfte in meine weißen Hausschuhe und öffnete die Tür.

                "Na komm. Emilia hat sicher etwas mit gebracht, von dem ich wieder dick werde." Ich reckte ihm meine Hand entgegen, die er lächelnd ergriff.

 

                Das Frühstück war wunderschön. Zusammen mit den Kindern, die mich bereits jetzt schon Mom nannten. Aber viel Zeit hatte ich leider nicht mehr für die beiden und eilte ins Schlafzimmer wo ich die neuen Sachen heraus holte. Inklusive der weißen Unterwäsche, die ich gekauft hatte. Als ich gerade das Höschen hoch hielt um es mir zu betrachten ging hinter mir die Tür zu. Erschrocken drehte ich mich um. Jason sah mich aus glühenden Augen an.

                "Wenn du so weiter machst, vollziehe ich die Ehe noch bevor ich mit dir in den Sonnenuntergang reite." Blinzelnd biss ich mir auf die Lippe und wich vor ihm zurück. Er hatte diesen Blick drauf, dem ich verfallen würde wenn ich ihn noch länger ansehen würde.

                "Hör auf damit. Bitte." flehte ich ihn an. "Ich konnte diesem Blick noch nie widerstehen." Weiter wich ich zurück, doch er folgte mir mit jedem Schritt.

                "Dann hör du auf damit mich anzuheizen." knurrte er und grinste finster dabei.

                "Ich mach' doch gar nichts." wehrte ich mich gegen seine Unterstellung und hob dabei abwehrend die Hände. Dabei sah ich, dass ich immer noch das neue Höschen in der Hand hatte. "Oh" machte ich als mir klar wurde, dass ich ihn wohl wirklich gereizt hatte. "Tut mir leid." sagte ich schuldbewusst und packte die Unterwäsche weg. Jason atmete tief durch als ich die Gefahr gebannt hatte und er nun seine Hygieneartikel aus dem Koffer holte. Dazu frische Unterwäsche und ein frisches Shirt. Stirnrunzelnd sah ich ihn an. "Es wäre nett, wenn ich vor dir duschen könnte." Ich wusste wie lange ich brauchte, wenn ich mich für etwas zurecht machen musste. Jason sah mich überrascht an.

                "Wollten wir nicht zusammen duschen?" Ich schüttelte den Kopf.

                "Nein? Wer behauptet denn sowas?" Ich schüttelte nochmal den Kopf und wollte zur Tür hinaus und ins Bad. Aber schon wurde ich verbal fest gehalten.

                "Du. Ich hab' vor dem Frühstück den Vorschlag gemacht, dass wir beide duschen gehen und du hast genickt." Wieder sah er aus wie die Unschuld in Person. Ich verschränkte meine Arme und tippte mit dem Fuß auf den Boden.

                "Wenn ich mit dir jetzt duschen gehe, komme ich garantiert vor drei Tagen nicht wieder aus diesem Bad." Und das meinte ich todernst. "ICH gehe jetzt duschen und DU kümmerst dich um die Kinder." Er wollte schon ansetzen um etwas zu sagen, aber ich schüttelte nur den Kopf. "Erst nach dem Ritt in den Sonnenuntergang." Dabei hob ich mahnend meinen Zeigefinger.

                "Na schön." gab er sich geschlagen und ging ins Wohnzimmer wo ich die Kinder hören konnte.

                Ich sah auf die Uhr und seufzte. Es war bereits 9:30 Uhr und ich immer noch in meinem schwarz-weißen Bademantel. Ich sah auf die Klamotten auf dem Bett, die darauf warteten begutachtet zu werden. Ich hatte mich für ein helles Makeup entschieden und für einen eleganten Zopf, den mir Emilia geflochten hatte. Doch jetzt wurde es Zeit mich fertig zu machen. Ich konnte hören, wie sich nach und nach alle in Kates Wohnzimmer versammelten. Mary lernte Emilia kennen und auch Jason. Die Kinder rannten in dem kleinen Haus herum und brachten Leben hinein. Steve fehlte auch nicht. Er würde mich zur Times fahren während die anderen hier blieben und darauf warteten, ob ich Erfolg hatte oder nicht. Doch jetzt stand erst mal Modeschau an. Ich tat mich ein bisschen umständlich an den halterlosen Strümpfen, die eh keiner sah und nur ich wusste, dass ich überhaupt welche trug. Mary hatte mir erklärt, dass ich mich weiblicher fühlen würde. Zumindest war das bei ihr immer so, wenn sie sich schick machte. Na schön. Dann die Hose und die Bluse, dann die Schuhe, die Jacke würde ich als letztes anziehen. Dann legte ich den Schmuck an und betrachtete mich im Spiegel. Lange begutachtete ich mich.

                "Du siehst ja richtig gut aus. Alle Achtung." Ich zwinkerte meinem Spiegelbild noch zu ehe ich in die Jacke schlüpfte, die Handtasche an mich nahm und dann ins Wohnzimmer ging. "Tadaaaaaaa" machte ich und präsentierte mich mit ausgebreiteten Armen. Von einer Sekunde zur anderen wurde es still. Ich hob eine Braue bei so vielen geöffneten Mündern. "Nicht schon wieder." murmelte ich vor mich hin und sackte in mich zusammen. Zuerst kam Emilia wieder zu sich.

                "Du meine Güte! Du siehst umwerfend aus." Ich blinzelte verwirrt zu diesem Kompliment.

                "Wow" machten die Kinder leise und gingen langsam um mich herum.

                "Du warst ja schon immer hübsch. Aber jetzt? Du bist wunderschön." lobte Steve mein Aussehen, der Mary im Arm hielt weil sie vor Freude weinte. Das war auch ein schönes Kompliment. Dann kam Kate auf mich zu.

                "Du solltest öfter helle Farben tragen. Du siehst unglaublich aus." Kate bekam Tränen in die Augen. Ich zupfte ein Taschentuch aus meiner Handtasche und tupfte ihr die Tränen weg.

                "Nicht weinen, Mom... Kate!" verbesserte ich mich schnell und schloss sie in meine Arme. Es dauerte einen Moment bis sie sich wieder im Griff hatte und sich von mir löste.

                "Ich würde mich geehrt fühlen, wenn du mich Mom nennst." flüsterte Kate mir leise zu. Meine Mutter war leider früh gestorben und ich war deshalb früh auf mich allein gestellt.

                "Danke" meinte ich noch ehe ich in die Knie ging, um die Kinder zu knuddeln. "Wir sehen uns später." sagte ich leise zu den Beiden und gab ihnen ein Küsschen bevor ich mich aufrichtete um Jason anzusehen, der mich schon wieder nur anstarrte wie… "Ach vergiss es." Ich winkte ab und wollte schon hinaus gehen als er mich aufhielt.

                "Hier geblieben." brummte er mich an. Er hätte wahrscheinlich auch nur brummen können wäre ich an Ort und Stelle fest gewachsen. Dann nahm er meine Hände und betrachtete mich. Wenn ich ein Wort dafür hätte wählen müssen, wie er mich ansah, dann wäre es genüsslich gewesen. "Du siehst atemberaubend aus." sagte er leise und kam auf mich zu. Lange sah er mir in die Augen ehe er mich küsste, einen Schritt zurück ging und meine Hände los ließ. "Pass auf dich auf, jalan atthirari anni." heftig schluckte ich und nickte.

                "Ich bin bei Steve in guten Händen." Dabei wandte ich mich zu Steve um und schenkte ihm ein Lächeln.

                "Ich pass auf sie auf. Verlass dich drauf." meinte er zu Jason, der Steve zu nickte. Ich sah meinen Mann in spe an und fing an zu zittern. Fest drückte Jason mich an sich und versuchte mich zu beruhigen.

                "Du schaffst das. Wir sind alle bei dir." Ich hob meinen Kopf und sah ihn an. Die Angst in meinen Augen war zu erkennen. "Es ist gut, wenn du Angst hast. Das macht dich wachsam." Es war ja nett, dass er versuchte mich aufzumuntern, aber irgendwie half das nicht. Langsam löste ich mich von ihm und sah die Menschen in diesem Raum der Reihe nach an.

                "Ich liebe und danke euch, dass ihr für mich da seid." Ich zog leise die Nase hoch und sah dann Steve an. "Wir können." Steve nickte und verabschiedete sich von seiner Frau, die er zum Abschied zärtlich küsste.

                "Bis später, Schatz." raunte er ihr leise zu ehe er voraus ging und ich ihm hinter her lief. Als wir am Auto waren, drehte ich mich nochmal um und sah meine Freunde an. Selbst Mary, die ich gerade mal zwei Tage kannte, hatte ich ins Herz geschlossen. Ich winkte der Meute zu, die sich überschwänglich verabschiedete und dann hinter mir still wurde.

                Ich ließ mir von Steve in den Wagen helfen und machte es mir so bequem es eben ging. Dann sah ich nochmal nach draußen als sich der Wagen in Bewegung setzte und die eighth Avenue ansteuerte. Stille breitete sich im Wagen aus. Was hätten wir auch bereden sollen? Die Sache war zu wichtig, als dass ich abgelenkt sein durfte. Ich malte mir bereits aus, wie ich diesen Mistkerl gegen ein Fenster drängte und ihm dann einfach einen Schubs gab. Schön wär's ja, aber das ging beim besten Willen nicht. Welche Alternativen gab es noch? Ich tippte mit dem Zeigefinger auf meinen Daumen während der Wagen langsamer wurde.

                "Wir sind da." informierte mich Steve, der zu den Glastüren der New York Times sah was ich ihm gleich tat.

                "Ja." Ich ließ meinen Blick an dem Gebäude nach oben wandern bis mir der Holm der Wagentür die Sicht versperrte. "Nicht zu übersehen." flüsterte ich die Scheibe an, die leicht anlief. Ich lehnte mich zurück und sah gerade aus, dachte darüber nach, ob ich noch sitzen bleiben sollte. Derweil sah Steve in den Rückspiegel und schien auf mich zu warten. "Ich bleib' noch etwas sitzen." Schief lächelte ich ihn an.

                "Ich denke, ich verstehe warum." Schmunzelnd zwinkerte er mir zu und sah wieder zu den Türen, die ich jetzt zu beobachten begann. Wie lange dauerte es bis man bei einer Zeitung auf eine Limousine aufmerksam wurde, die vor dem Verlagsgebäude angehalten hatte? Nicht mal fünf Minuten. Ich sah gerade auf die Uhr meines Handys, als ich aus dem Augenwinkel Bewegung aufkommen sah.

                "Es geht los." sagte ich während ich mein Handy wieder in meine Handtasche schob und sie verschloss.

                "Showtime." grinste Steve, schob sich seine Mütze auf den Kopf und stieg aus dem Wagen aus. Langsam umrundete er den Wagen und ich konnte sehen, dass sich seine Aufmerksamkeit wesentlich gebessert hatte. Was würde ich nur ohne dich machen? fragte ich mich während Steve seine Hand an den Griff legte, kurz nochmal alles überprüfte und mir dann öffnete. Wie gewohnt schob er seine Hand in meine Richtung, die ich ergriff. Ich konnte sehen, dass ein paar Fotografen sich versammelt hatten und auch ein paar Reporter, die sich wohl Notizen machen wollten. Es waren nicht viele, vielleicht vier Stück, nur der Wichtigste fehlte. Allan Carver war nicht unter den Anwesenden. Ich schob einen Fuß hinaus und stieg langsam aus. Die vier Typen rückten langsam vor als sie sahen, dass ich ausstieg. Als Steve hinter mir die Tür schloss und ich meine Jacke zurecht zupfte machten die zwei Fotografen tatsächlich Bilder von mir. Eigentlich hätte ich jetzt übertrieben posieren sollen, aber das war nicht mein Stil auch wenn ich sicher zwei Sekunden darüber nach dachte. Ich sah nochmal an dem Gebäude entlang nach oben ehe ich mich in Bewegung setzte. Steve folgte mir, um mir zu helfen sollte irgendetwas passieren. Wovon ich nicht ausging, denn Mister Drecksack zeigte sich nicht.

                "Beth." begrüßte mich eine Stimme, die ich zu gerne vergessen würde. Aber ich lächelte und drehte mich etwas in Janes Richtung.

                "Missy Jane." nickte ich ihr überaus freundlich lächelnd zu. Kurz blinzelte sie mich bei dieser Begrüßung an und sah sich dann um als wolle sie sich versichern, dass niemand in Reichweite war. Noch waren die Reporter weit genug weg, aber das änderte sich sicher bald. Einer von den beiden hing am Handy und redete mit jemandem. Vielleicht hatte ich ja Glück und dieser junge Mann informierte gerade Carver darüber, dass ich vor dem Verlag stand. Ich konzentrierte mich wieder auf Jane, die sich gefangen hatte.

                "Du siehst aber sehr verändert aus. Wie kommt's?" Jane betrachtete mich lange von oben bis unten ehe sie sich zufrieden gab und mir wieder in die Augen sah.

                "Du musst nicht alles wissen." lächelte ich ihr frech ins Gesicht, als meine Überlegungen bestätigt wurden.

                "Miss O'Keefe. Das ist aber ein Zufall." Der Kerl war so schmierig, dass sich sogar seine Aussage schmierig anhörte. Gute Miene zum bösen Spiel. Carver eilte auf mich zu und nahm meine Hand, die er manierlich schüttelte. Jane sah den Herrn finster an, da sie dachte er wurde sie als Erste begrüßen. Ich kannte sie einfach zu gut.

                "Ich glaube nicht an Zufälle, Mister Carver." ließ ich ihn in meiner besten Arroganz wissen und hoffte er verstünde. Jane derweil ärgerte sich grün und blau.

                "Ach nein?" Er drehte sich ein wenig und wies mit seiner Hand auf die Türen, dabei bot er mir seinen Arm an. Wow, der konnte sogar richtig freundlich sein. Ich hakte mich bei ihm unter und sah ihn aufmerksam an. "Sie sehen umwerfend aus, wenn ich das mal anmerken darf." Langsam ging er mit mir zu den Türen.

                "Vielen Dank." sagte ich und schaffte es sogar freundlich zu sein auch wenn ich ihn lieber herab lassend behandelt hätte. Aber da er sich gerade gut anstellte und keinen Artikel geschrieben hatte gab ich ihm eine Chance.

                "Was verschafft mir die Ehre?" wollte er nun wissen, als wir an den Türen ankamen, von denen Steve uns eine öffnete.

                "Danke Steve. Warten Sie bitte." Ich sah meinen Freund an, der nickte und dann wartete bis wir durch die Tür gegangen waren. Nun sah ich Carver wieder an. "Da Sie schwerer zu erreichen sind als der Papst, dachte ich mir, ich komme persönlich vorbei." Er fing doch tatsächlich an zu lachen. Amüsiert lächelte ich darüber.

                "Termine, Termine." entschuldigte er sich und führte mich zu einem der Fahrstühle. Hinter mir motzte Jane leise vor sich hin. Sie hatte ich ganz vergessen. Ich hob eine Braue und drehte mich zu ihr um.

                "Ich hoffe, du hast nicht wieder diese Murmel-Phase." Übertrieben entschuldigend sah ich Carver an. "Du solltest damit wirklich zum Arzt gehen, Jane." Besorgt sah ich sie an und streichelte beruhigend über ihren Arm. Carver runzelte die Stirn und sah von mir zu Jane und wieder zurück. Jane hingegen sah mich fassungslos an. "Bei einem Gespräch kann sowas ziemlich störend sein." stachelte ich Carver nun an dafür zu sorgen, dass sie bei unserer Unterhaltung nur stören würde. Aber Carver wäre nicht Carver, wenn er nicht erst mal daran zweifeln würde.

                "Ist das eine Masche? Ich wüsste nicht, dass ihr das jemals bei unseren Gesprächen passiert wäre." Überaus skeptisch sah er mich an. Um meiner Empörung Ausdruck zu verleihen stemmte ich eine Hand in die Taille.

                "Ich kenne Jane jetzt schon seit 7 Jahren. Ich weiß wie sie tickt." Jane war von fassungslos zu empört und von empört zu aufbrausend übergegangen.

                "Was fällt dir eigentlich ein mich so zu brüskieren?" Sie wollte auf mich losgehen, was Carver zu verhindern wusste. Ich blieb ruhig und wartete ab, was Carver tun würde.

                "Sehen Sie? Und so ist sie immer. So laut war sie auch bei dem Sektempfang." Ich unterstrich meine Aussage mit einem langsamen Nicken. Carvers Braue hob sich und auch wenn er dem ganzen nicht wirklich glaubte, wollte er kein Risiko eingehen.

                "Jane" sagte er langsam und winkte einen Sicherheitstypen heran. "Bringen Sie die Dame doch bitte nach Hause." meinte er zu dem Security, der nickte und Jane sacht hinaus bugsieren wollte.

                "Das hat ein Nachspiel." zischte sie mich an und ließ sich dann hinaus führen. Eine ganze Weile sah ich ihr noch nach ehe ich in Carvers nachdenkliches Gesicht sah. Fragend sah ich ihn eine Weile an. Nach etwa einer Minute hob er seinen Blick und lächelte.

                "Gehen wir in mein Büro. Ich glaube wir haben viel zu bereden." sagte er freundlich. Für mich klang es aufrichtig. Ich nickte.

                "Ja, das glaube ich auch." Er hatte bereits den Knopf gedrückt und nun warteten wir bis der Fahrstuhl seine Türen öffnete.

                "Nach Ihnen." bat er mich, als sich die Tür öffnete und kam hinter mir her. Er betätigte den Knopf für den 32. Stock. Jetzt wurde mir doch mulmig. Ich schluckte trocken und hielt mich an meiner Handtasche fest. "Noch nie in einem Wolkenkratzer gewesen?" Ganz sicher war ich mir nicht aber ich glaubte in seinem Ton etwas Verächtliches zu hören. Ich hob eine Braue und sah ihn von der Seite her an.

                "Um ehrlich zu sein, nein." Der Aufzug setzte sich in Bewegung und ich hob meinen Kopf als könnte ich sehen, wie der Aufzug hoch fuhr. Ich hatte das Gefühl, dass Carver mich musterte. Also nahm ich meinen Blick von der Decke und sah den Reporter wieder an. "Nicht das, was Sie erwartet haben, oder?"

                "Wenn ich nun ehrlich sein soll, nein." Ich schnalzte mit der Zunge und zwinkerte ihm grinsend zu.

                "Nicht nur Papier ist geduldig. Huh!" Der Fahrstuhl hatte im 32. Stock angehalten. Meine Hände waren an die Haltestangen geklammert. Langsam ging ich hinaus, meinen Blick noch eine Weile auf den Fahrstuhl gerichtet. Als dieser sich schloss wandte ich mich um und fand mich, ziemlich mittig, vor zwei Rolltreppen mit rotem Geländer vor. Es war nun nicht das typische Großraumbüro, aber dennoch arbeiteten hier schätzungsweise 100 Leute. Ich konnte nicht alles einsehen aber die Fläche war riesig. Es gab auch abgetrennte Büros mit Glasfronten von denen sicher eines Carver gehörte.

                "Hier entlang." sagte er freundlich und ging nach links auf zwei Büros zu. An einem war sein Name angebracht, zu dem er jetzt die Tür öffnete. "Bitte." bat er mich einzutreten und ließ mir wieder den Vortritt.

                "Danke" nickte ich im Vorbeigehen und sah mich in dem Büro um. Das Oval Office war es nun nicht, aber es hatte alles was Carver wohl brauchte. Als er nun an mir vorbei ging wies er auf einen der Stühle.

                "Nehmen Sie Platz." Während ich es mir nun Lady-like bequem machte setzte er Kaffee auf. "Kaffee, Wasser, Cola…" Er drehte sich zu mir und sah mich gespannt an. "Was möchten Sie trinken?" Der Pulitzer Preis Träger konnte doch anders.

                "Wasser bitte." sagte ich und schlug die Beine übereinander. Während er nun ein Glas fertig machte, holte ich mein Handy heraus für den Fall, dass ich es brauchte. Carver stellte mir das Wasser vor mich hin und setzte sich mir gegenüber. Erneut begutachtete er mich. Sehr lange und genau ehe er endlich zu reden anfing.

                "Miss O'Keefe" Er schien seine Worte genau zu überlegen. "es gibt nicht viele Menschen, die mich vorführen können." Das wunderte mich jetzt doch. Ich war eher der Typ, der anderen eine Vorlage bot. Und zwar zu so ziemlich allem. Ich sah ihn abwartend an, denn ich wollte wissen, was er zu sagen hatte. "Warum dieser Stil?" spielte er auf meine Klamotten an. "Ich weiß, dass Sie nur Schwarz tragen." Gut aufgepasst. Ich fing an zu lächeln.

                "In meinen Gothic-Klamotten wäre ich uninteressant gewesen. Auch mit der Stretch-Limo." antwortete ich ihm ehrlich. Er nickte zu meinen Worten und lehnte sich zurück.

                "Aber kommen wir zu dem weshalb Sie wohl hier sind." Er holte eine mitteldicke Akte aus dem Regal hinter sich und öffnete sie. "Der Artikel ist schon lange fertig." Ich hob eine Braue und war sofort bereit ihm an den Hals zu springen. Aber ich versuchte ruhig zu bleiben, was mir nicht so gut gelingen wollte. Ich war nun mal kein Schauspieler. "Nur die Ruhe. Ich mag mich auf solche Geschichten stürzen, aber ganz dumm bin ich nicht." Er zwinkerte mir zu und gab mir den Artikel zu lesen. Da ich noch nie der Schnellleser war brauchte ich einen Moment bis ich den Text gelesen hatte.

                "Sie wissen, dass ich Sie verklagen könnte, sollten Sie davon auch nur ein Wort drucken?" Meine Halsschlagader pochte viel zu schnell. Carver nickte.

                "Ist mir absolut klar." Verdutzt sah ich ihn an. Er stand auf und befüllte sich eine Tasse mit Kaffee. "Ich hatte den Artikel schon fertig, als diese Jane erneut bei mir auftauchte. Sie erzählte mir Dinge, die nicht zu ihrer ersten Geschichte passten." Meine Braue hob sich verdächtig nahe an den Haaransatz während Carver sich nachdenklich über sein Kinn strich. Er setzte sich wieder und stellte seine Tasse auf den Tisch. "Und deshalb habe ich den Artikel nicht drucken lassen. Darauf beruhen lassen kann ich es aber nicht. Das verstehen Sie sicher. Aber ich würde gerne die Wahrheit wissen." Lange sah ich ihn an, trank einen Schluck vom Wasser und schob das Glas dann beiseite.

                "Die Wahrheit." Ich war immer noch skeptisch.

                "Ungeschminkt, unverblümt. Nichts verschweigen und nichts beschönigen." fügte er sozusagen an und griff nach einem Aufnahmegerät, das er zwischen mich und sich auf den Tisch legte. "Nur um es klar zu stellen. Sie und Jason Momoa kennen sich erst seit diesem Event?" Er sah mich durchdringend an. Ich nickte.

                "Ja." Ich starrte das Aufnahmegerät an, das bereits aufnahm was ich zu sagte. "Unter der Bedienung, dass ich entscheide, ob Sie meine Geschichte verwenden dürfen oder nicht." Sein Gesichtsausdruck verriet mir, dass er solche Sätze schon öfter gehört hatte.

                "Einverstanden." nickte er und sah mich weiterhin aufmerksam an. Tief atmete ich durch und nahm mein Handy an mich um ihm zu meiner Geschichte ein paar Bilder zu zeigen. Ich begann mit meiner Einstellung zu Stars, ging dann über zum Kartenkauf und wie ich den Entschluss gefasst hatte abzunehmen. Das passende Bild legte ich bei. Dann folgte der Flughafen, der erste Tag mit dem Sektempfang und wie Jane mich blamiert hatte. Ich erzählte so ausführlich wie es nur ging und erstaunlicherweise erinnerte ich mich überaus gut. Ein eidetisches Gedächtnis hatte ich zwar nicht aber dennoch konnte ich mich an fast alles erinnern. Dann kam der zweite Tag und letztendlich der Dritte mit dem Streit. Als Grund für den Streit gab ich die Differenzen zwischen Star und Fan an. Und darum ging es ja in der Predigt, die ich Emilia und Jason gehalten hatte. Ich vergaß auch nicht die Geschichte mit meinen Speed Paintings. Das Portrait würde ich gleich erwähnen. Dann folgte ein Bericht darüber, wie ich nach Venice kam und mich bei Emilia erholt hatte. Wie ich mit Lola und Wolf jeden Tag am Strand spielte oder wir uns das Fernglas auf der Main Street ansahen. Ich drückte meine Gefühle für die Kinder aus, verbarg aber immer noch, dass ich Jason liebte und er mich. Aber so wie Carver mich hin und wieder ansah, schien ihm klar zu sein, dass ich nicht nur Babysitter spielte. Schließlich bin ich bei Jason eingezogen. In das Gästehaus, dass er und seine Kinder gebaut hatten.

                "Und dann kam Ihr Brief, der uns ganz schön aus der Bahn geworfen hat. Für mich war klar, dass ich sofort nach New York fliegen musste, um mit Ihnen zu reden. Ich muss die Kinder schützen." Mein Ton ließ keinen Zweifel daran, dass ich die Kinder mit meinem Leben schützen würde. "Das Einzige, das uns jetzt noch Probleme macht ist Jane. Sie hat sich mit Mister Momoas Exfrau in Verbindung gesetzt und ihr Lügen über mich erzählt." Ich schloss meine Augen und atmete tief durch, um nicht die Fassung zu verlieren. "Sie will das Sorgerecht für die Kinder." Carvers Braue kroch hoch, doch äußern tat er sich nicht dazu. Ich trank nochmal einen Schluck aus dem Glas und lehnte mich zurück. "Den Rest kennen Sie ja." Langsam nickte er und sah auf das Aufnahmegerät.

                "Eine wirklich informative und schöne Geschichte." Er sah sich nochmal die Bilder an, die ich auf meinem Handy hatte und lächelte. "Ja, wirklich schön." Dann hob er seinen Blick. "Und wann wird geheiratet?" Diese Frage kam so unverhofft, dass ich nicht mal merkte dass ich sie beantwortete.

                "Das wissen wir noch…" Ich riss meine Augen auf und hielt erschrocken meine Hand vor den Mund. Breit grinste Carver mich an.

                "Erwischt." meinte er ehe er wieder ernst wurde.

                "Ich möchte Ihnen aber noch etwas erzählen." Das Portrait hatte ich vorhin ausgelassen. Ich öffnete meinen Email Client und suchte die erste Email raus. Gut, dass ich irgendwann eingestellt hatte gelöschte Emails nicht zu löschen. Das hatte ich vergessen. Und jetzt kam es mir zu Gute. Die Email zeigte den 17. August 2017 als Datum. "Wie sie sehen, ist das Datum noch vor der Convention." Er besah sich das Datum und nickte.

                "Und was wollen Sie mir damit sagen?" hakte er nach.

                "Lesen Sie bitte den Inhalt." Ich gab ihm mein Handy damit er die Email lesen konnte. "Okay, einen Moment bitte." bat ich ihn als er gelesen hatte und öffnete die zweite Mail dazu. Auch die gab ich ihm zu lesen.

                "Ich verstehe immer noch nicht." Seine Stimme klang ungehalten. Ich begann zu grinsen.

                "JosephHawaii79 ist Jason Momoa." Ich ließ diese Information erst mal sacken, aber er schien nicht zu begreifen. "Okay, andersrum. Stellen Sie sich vor, ich hätte keine Karte gekauft, wäre nicht auf die Convention gegangen und wäre niemals Jane begegnet." Ich machte eine kurze Pause. "Ich hätte Jason Momoa auf jeden Fall kennen gelernt." Dann öffnete ich die Mail in der ich ihm zugesagt hatte. Carvers Augenbrauen krochen hoch.

                "Ah, jetzt verstehe ich." Nickend lächelte er und dachte eine Weile darüber nach. "Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen. Das werde ich auch noch schriftlich bei Mister Momoa machen." Der Mount Everest fiel mir drei Mal vom Herzen. Ich hatte gewonnen.

                "Entschuldigung akzeptiert." Dazu nickte ich und nahm dann mein Handy an mich. Während ich noch überlegte nahm er den Artikel und die Kopien und schob sie in den Shredder. Ich trank noch mal aus dem Glas ehe ich meinen Blick auf das kleine Gerät richtete, das meine Geschichte enthielt. "Wenn ich Ihnen diese Geschichte überlasse, was machen Sie dann damit?" Wieder strich er sich nachdenklich über sein Kinn.

                "Naja, das wird ein toller Artikel. Aber um einen wirklich guten Artikel zu schreiben muss ich noch einige Nachforschungen anstellen. Ich würde mich mit Ihnen in Verbindung setzen damit Sie alles absegnen können oder ablehnen." Ich sah wieder auf das kleine Gerät.

                "Ich hätte gerne eine Kopie davon." Um mich abzusichern, war mir das nur recht.

                "Selbstverständlich" gab er sich einverstanden, schaltete das Gerät ab und machte sich sofort daran das Notebook zu starten. Dabei telefonierte er mit jemandem, der ihm einen Stick bringen sollte. Ich blendete den Reporter aus und schrieb Jason eine Nachricht.

                [Ich wünsche mir eine Hochzeit auf Hawaii. Mein Kleid soll hellblau sein und so durchsichtig wie es mein Khal wünscht. Ich denke, du kannst dir den Rest denken, yer shekh ma shieraki anni.] Ich schickte die Nachricht ab als gerade ein junger Mann mit dem Stick herein kam.

                "Miss O'Keefe" begrüßte er mich nickend und überreichte dann Carver den Stick. Mit erhobener Braue sah ich dem jungen Mann nach.

                "Kennt mich denn inzwischen jeder?" Ich hob die Hände und ließ sie brummend fallen. Carver schob den Stick seitlich ins Notebook und sah mich dann an.

                "Ja, mittlerweile haben Sie einen gewissen Bekanntheitsgrad." Er hob abwehrend seine Hände und schüttelte den Kopf. "Ich schwöre. Ich habe nichts damit zu tun." Ich musste lachen, da er auf meine ungestellte Frage antwortete. Derweil traf eine Antwort von Jason ein.

                "Das will ich auch schwer hoffen." meinte ich zu Carvers Erklärung und las dann die Nachricht.

                [Nein, kann ich mir nicht denken, yer jalan atthirari anni. Ich will, dass du mir deinen Wunsch ausführlich sagst.] Ich seufzte und sackte leicht in mich zusammen.

                [Na gut. Wenn ich alles zusammen habe lass' ich es dich wissen.] Ich drückte den Sendenpfeil und ärgerte mich direkt, dass ich so schnell abgeschickt hatte. Erneut schrieb ich eine Nachricht.

                [Carver hat sich entschuldigt und das wird er auch bei dir noch machen. Den Rest erzähle ich dir, wenn ich zuhause bin.] Wieder drückte ich den Sendenpfeil und schloss nun endlich mein Handy, das ich in meine Handtasche schob.

                "So" machte Carver auf sich aufmerksam und reichte mir den Stick. "Ich hab' es als MP4 gespeichert." informierte er mich. Ich nahm die kleine Speichereinheit an mich und schob sie zu meinem Handy in die Tasche.

                "Danke" sagte ich während ich aufstand und meinen Anzug glatt strich.

                "Ich habe zu danken, Miss O'Keefe." Sein Gesichtsausdruck war aufrichtig.

                "Das mit der Hochzeit behalten Sie bitte noch für sich." Aber irgendwie bezweifelte ich, dass ich eine Hochzeit ohne Reporter haben würde. Er schmunzelte nur und öffnete mir die Tür.

                "Ich bringe Sie zum Wagen." meinte er und bot mir wieder seinen Arm an. Ich hakte mich unter und ließ mich von ihm zum Fahrstuhl führen. "Runter ist angenehmer." versicherte er mir was mich eine Braue heben ließ.

                "Ihr Wort in Gottes Ohr." Freundlich lächelnd ging ich neben ihm her bis wir den Fahrstuhl erreicht hatten. Als wir in den Fahrstuhl gingen und er uns nach unten brachte musste ich an einen Film denken. Ich hatte in meinem Leben wirklich zu viele Filme gesehen. Wir gingen auf die Glastüren zu und hinaus an die frische Luft, die ich tief in mich einatmete. "Ich hoffe, ich konnte Sie von der Wahrheit überzeugen." wollte ich auf dem Weg zum Wagen wissen. Steve stand schon vor der Tür und wartete darauf sie für mich zu öffnen.

                "Wie gesagt, zu vieles, das mir Jane erzählte, passte einfach nicht. Und Ihre Geschichte gefällt mir wesentlich besser. Direkt aus dem Leben gegriffen. Wenn der Artikel gedruckt wird werden die Verkaufszahlen in die Höhe schießen." Grinsend zwinkerte er mir zu und blieb mit mir vor Steve stehen. "Und was diese Jane angeht. An Ihrer Stelle würde ich zusehen, dass ich eine einstweilige Verfügung bekomme." Dieses nachdenklich über das Kinn streichen war wohl sowas wie ein Markenzeichen. "Oder Sie machen eine Anzeige wegen Rufmord. Was vielleicht noch das Klügste wäre." Ich hatte 10.000 Dollar am Leib aber einen Anwalt konnte ich mir nicht leisten. Dennoch nickte ich zu seinen Vorschlägen.

                "Stimmt. Etwas muss ich tun, sonst macht sie mir weiterhin das Leben schwer. Und ich bin mir sicher, dass es in Los Angeles ebenso fleißige Reporter gibt, die sich eine Story nicht entgehen lassen." Ich trat einen Schritt auf die offene Tür zu und reichte dann Carver meine Hand. "Danke, Mister Carver." Er nahm meine Hand und drückte sie sacht.

                "Nennen Sie mich Allan." Meine Liste an berühmten Leuten hatte sich gerade verlängert.

                "Allan." wiederholte ich und nickte dazu. "Beth" sagte ich im Gegenzug, denn ich sah keinen Grund ihm nicht zu erlauben mich beim Vornamen zu nennen.

                "Ich melde mich, sobald ich etwas habe." Ich nickte noch und löste mich von seiner Hand.

                "Bis dann." verabschiedete ich mich und stieg dann in den Wagen ein. Steve kam pflichtbewusst um den Wagen herum und setzte sich ans Steuer.

                "Scheint ja gut gelaufen zu sein." Ich sah Steve über den Rückspiegel an und nickte.

                "Ja. Die Kinder sind in dieser Geschichte außer Gefahr." Ich hob eine Braue und dachte über dieses Wort nach. "Naja" grinste ich und zuckte die Schultern. "Aber ich fürchte, dass ich meine Hochzeit nicht reporterfrei haben werde." Dann erzählte ich Steve die Geschichte während er sich in den Verkehr einfädelte und Kates Haus ansteuerte. Als ich geendet hatte begann Steve zu lachen.

                "Die wissen ganz genau, wie sie es machen müssen." Ich stieg in sein Lachen ein und nickte.

                "Ist nicht schlimm. Da ich einen Wunsch erfüllt bekomme wird das eine Hochzeit, die es so noch nie gab." Steve sah mich fragend an, aber ich grinste nur mysteriös und sah aus dem Fenster.

                "Na schön. Ich lass' mich überraschen." Kurz darauf blieb der lange Wagen vor Kates Haus stehen, aus dem zwei Kinder auf den Wagen zu rannten. Sie rissen förmlich die hintere Tür auf und zerrten mich aus dem Wagen. Lachend ließ ich sie gewähren und umarmte die beiden herzlich. Ich küsste die Beiden von einer Wange auf die andere und drückte sie dann fest an mich.

                "Ich hab' euch lieb." flüsterte ich den beiden zu.

                "Wir dich auch." erwiderten sie im Chor.

                "Ist jetzt alles okay?" wollte Lola wissen. Für ihre fast elf Jahre war das Mädchen sehr aufgeweckt. Ich schüttelte den Kopf, lächelte aber dabei.

                "Nein. Noch nicht ganz. Da ist noch die böse Frau und Jane, die uns das mit dem Reporter eingebrockt hat." Lola nickte langsam ehe sie sich an mich drückte und mir einen Kuss auf die Wange gab.

                "Das schaffen wir auch noch." Lola strahlte mich an und sah dann über ihre Schulter zu ihrem Dad, der in der Tür stand und uns beobachtete. Jason nickte.

                "Auf jeden Fall." meinte er und verpasste mir mal wieder eine Gänsehaut. Leise begann ich zu lachen. Das musste ich unbedingt in den Griff kriegen. Die Kinder eilten ins Haus und verschwanden dabei hinter ihrem Vater. Steve war ebenfalls ins Haus gegangen. Ich war noch in der Hocke, die Handtasche über die linke Hand gestreift, und himmelte Jason eine Weile an. Dann erhob ich mich langsam und ging auf ihn zu. "Du siehst wirklich umwerfend aus." stellte er erneut fest und reichte mir seine Hände. Auf Kommando lief ich rot an. Komplimente machte man mir erst seit etwa einem Jahr.

                "Genieße es. Morgen hab' ich wieder meine Klamotten an." Frech grinste ich zu ihm hoch. Er zuckte die Schultern.

                "Du siehst in allem gut aus." Er beugte sich zu mir runter. "Aber in diesem hellblauen Kleid wirst du am besten aussehen." Zärtlich küsste er den empfindlichen Bereich unter meinem Ohr ehe er sich wieder aufrichtete. Das Gefühl verfehlte seine Wirkung nicht und ließ mich leise keuchen. Schnell räusperte ich mich um dieses Geräusch zu übertönen.

                "Das ist unfair." Jason sah mich mit erhobener Braue an.

                "Warum?"

                "Na weil es einfach nichts gibt, in dem du am besten aussiehst." Schmunzelnd hob er eine Braue.

                "Ich bin mir sicher, dass es etwas gibt, das dich umhauen wird." Sofort biss ich mir auf die Lippe. "Na also." meinte er mit diesem unglaublichen Lächeln auf den Lippen. Mein Fan-Dasein spielte mir so manchen Streich. Hatte ich ihm ja selbst die Vorlage gegeben, dass er mir als Khal Drogo am besten gefiel. Allerdings war das eine andere Situation. Jetzt war ich kein Fan mehr sondern… Was war ich eigentlich? Ich hob eine Braue als mir bewusst wurde, dass an meinem rechten Finger ja etwas fehlte. Er ließ eine Hand los und zog leicht an der anderen. "Na komm. Sie warten darauf, dass du ihnen die Geschichte erzählst." Ich sah ins Haus hinein und seufzte.

                "Wenn doch nur alles schon vorbei wäre." Ich musste an Allans Vorschlag mit der Anzeige denken. "Und ich muss endlich die Bilder versteigern." Die Einverständniserklärungen hatte ich mittlerweile über Emilia bekommen. Während ich neben Jason her ging überlegte ich mir wie viel so ein Anwalt kostete. Kurz vor dem Wohnzimmer bliebt er stehen und sah mich an.

                "Wieso sind die Bilder jetzt wichtig?" Durchdringend sah er mich an.

                "Ich brauche Geld und nicht gerade wenig." Sein Blick schwang um zu fragend.

                "Und wofür?" Tief atmete ich ein und entließ die Luft durch meine flatternden Lippen.

                "8.000 Dollar für Emilia, die ich mir geliehen habe und ich brauche einen Anwalt." Eigentlich wollte ich ihm das nicht erzählen. Er hob eine Braue.

                "Darüber reden wir später im Hotel." ließ er mich wissen und zog mich dann mit ins Wohnzimmer.

                "Im Hotel?" hakte ich stolpernd nach und fand mich zwischen all meinen Freunden und meiner angenommenen Mutter wieder, die mich alle gespannt ansahen. Jason ging natürlich nicht auf meine Frage ein, was mich etwas ärgerte aber verständlich war. Ich setzte mich in den freien Sessel und machte es mir bequem. "Also" begann ich die Geschichte zu erzählen, die leider noch kein Ende hatte.

 

Mai 2019

                Vierzehn Tage ließen wir uns noch Zeit ehe wir einen Flug zurück nach Los Angeles buchten, um zumindest teilweise ins normale Leben zurück zu kehren. Ich hatte mir mittlerweile die Örtlichkeiten angesehen, wo ich gerne heiraten wollte. Aber ob auch alles so klappen würde stand auf einem anderen Blatt. Die Villa, die ich gefunden hatte, hatte genug Platz für alles, was wir brauchten. Blieb nur noch die Frage, ob wir die Villa für diesen Zeitraum mieten konnten. Allerdings, der Ort, den ich mir für danach ausgesucht hatte schien mir doch sehr belebt. Also suchte ich nach etwas anderem. Dazu sah ich mir Kaua'i näher an. Hier war wesentlich weniger los, als auf Oahu. Lange schob ich die Strände, in Google Earth, durch die Gegend bis ich auf eine Landzunge stieß, die alles hatte, was mich ansprach. Abgesehen von einem Haus. Das fehlte gänzlich. Jason war gebürtiger Hawaiianer und sein Vater lebte noch dort. Vielleicht konnte er etwas in die Wege leiten. Zu dumm, dass ich den Herrn noch nicht kannte. Und das würde sich erst mal nicht ändern. Außerdem hatte ich immer noch keinen Ring, der mir bewies, dass ich Misses Momoa werden sollte. Ich hatte immer noch Angst aus diesem Traum zu erwachen.

 

                Ich saß im Gästehaus in dem hübschen Sessel, den mir Jason geschenkt hatte und hatte den Kopf nach hinten gelegt, die Augen geschlossen und murrte vor mich hin. Den Termin für die Versteigerung hatte Emilia für mich gemacht. Sie war doch etwas bekannter als ich. Aber der Termin zog sich noch hin. Erst im September würde Sotherby's die Auktion machen und jetzt hatten wir gerade mal Mai.

                "Ich brauch' dringend Urlaub." brummte ich vor mich hin als gerade Wolf herein kam. Ich hob träge meinen Kopf, um ihn anzusehen. "Hey Schätzchen." Ich schenkte dem jungen Mann ein Lächeln und beugte mich vor.

                "Wir wollen an den Strand in den Skate Park. Kommst du mit?" Durch die ganze Aufregung war ich dermaßen schlapp, dass ich zurzeit für nichts Lust hatte.

                "Na klar." sagte ich enthusiastisch und raffte mich auf. "Geh schon vor, mein Schatz. Ich komme gleich nach." versprach ich dem jungen Mann, dessen Locken ich so neckisch fand. Feiernd eilte er nach draußen und ich in mein Schlafzimmer. Als ich mich auszog betrachtete ich meine Narben, die man kaum noch sah. Dafür sah ich einen wohl geformten Körper, nicht zu dürr, nicht zu dick, den ich mal wieder strahlend betastete. In diesen Momenten kamen immer Zweifel auf. Hatte er sich nur wegen meines Aussehens in mich verliebt oder würde er mich auch dick nehmen? Aber danach hatte ich ihn nie gefragt. Und jetzt zuckte ich zusammen als er sein Kinn auf meine Schulter legte und mich im Spiegel bewunderte. Es war mir zwar unangenehm, dass er mich nackt sah aber dennoch machte ich keine Anstalten mich zu bedecken.

                "Um ehrlich zu sein, weiß ich das nicht." Er schob seine Hände auf meine Taille und schob sie runter auf meine Hüfte. "Aber ich glaube schon. Ich bin nicht der Typ, der nur auf Äußerliches Wert legt. Dein Charakter ist viel Wichtiger." Die Gänsehaut unter seinen Händen drohte mich umzubringen, als er seine Hände nun auf meinen Bauch schob. "Allerdings hat dein Aussehen vieles erleichtert." gestand er mir und schob seine Hände unter meine Brüste. Seine Daumen streichelten seitlich an meinen Brüsten entlang während ich hochkonzentriert in seine Augen sah, denn mein Körper drohte durch zu drehen und ich mit ihm. "Aber deswegen bin ich nicht hier. Ich wollte mich nach deinem Wunsch erkundigen." Was jetzt?!? Seine Daumen streichelten mich immer noch als ich versuchte mich klar zu artikulieren.

                "Ich habe…" Tief atmete ich durch und versuchte dabei an etwas Kaltes zu denken. Die Antarktis oder sowas. "Kaua'i, Landzunge, kein Haus." Er machte es mir Beton schwer. Meine Hände schnellten hoch und legten sich auf seine Hände, die ich nun runter auf meine Taille schob und sie dort fest hielt. Leise begann er zu lachen.

                "Okay. Kein Haus, aber wir brauchen eines." sagte er und küsste meinen Hals.

                "Ich dachte an ein schickes Holzhaus, wenn man das Land kaufen kann." Und jetzt hatte ich ihn am Haken. Er richtete sich auf, die Braue erhoben und sah mir in die Augen.

                "Land auf Kaua'i kaufen." wiederholte er mich und entzog mir eine Hand, die er über seinen drei Tage Bart streichen ließ. "Ich könnte Dad anrufen und ihn fragen, ob er da was machen kann." Wir lagen auf einer Wellenlänge.

                "Ja, das dachte ich mir auch." gab ich zu und öffnete den Schrank um mir einen Monokini heraus zu holen. Bei dieser Familie wusste man nie ob man trocken blieb oder nass wurde. Er stand immer noch hinter mir als ich den Schrank wieder schloss und in den Spiegel sah. Aber so konnte ich den Monokini nicht anziehen. "Ich nehme mal an, dass du auf allen Inseln der Star bist als gebürtiger Hawaiianer." Als ich mich bücken wollte, merkte ich, dass ich so nicht in das Kleidungsstück steigen konnte. Wenn ich aber ehrlich zu mir selbst war wollte ich aus diesem Zustand nicht raus. Und so, wie mich Jason gerade ansah würde er das auch nicht zulassen. Ich ließ den Monokini fallen und präsentierte ihm wieder meinen Hintern, mit dem ich sacht zu wackeln begann. Ich musste zugeben, dass ich aufgeregt war. Und ein bisschen Angst kam auch in mir auf. Ich hatte sicher seit fünfzehn Jahren keinen Sex mehr und jetzt würde ich gleich mit einem Mann schlafen, der nicht nur groß von Statur war. Lasziv lächelte ich ihn über meine Schulter hinweg an und bewegte mich aufs Bett zu. Im Spiegel wollte ich mich nicht sehen. Langsam kletterte ich aufs Bett und drapierte mich in der Mitte. Und dann hörte ich nur noch ein Knurren, das mich dort hin brachte wo ich noch nie gewesen war.

                Meinen Schrei erstickte er hastig, denn schalldicht war das Haus nicht und die Kinder spielten draußen. Lange lag ich da und besah mir die Holzbalken, behandelt, damit sie nicht splitterten, während ich versuchte zu verinnerlichen, was gerade passiert war. Letztendlich streichelte ich über das verschwitzte Gesicht und schob seine Haare nach hinten.

                "Schatz, wir sollten ins Bad." raunte ich ihm zu, denn ich rang immer noch nach Luft, die meinen Lungen fehlte. Ich spürte an meinem Hals wie er blinzelte und sich langsam erhob.

                "Ja, sollten wir." brummte er und vergrub sich auch gleich wieder an meinem Hals. Leise begann ich zu lachen.

                "Na komm schon. Die Kinder warten draußen." Ächzend und stöhnend versuchte ich Jason hoch zu drücken, aber bei 106 Kilo Kampfgewicht war das nicht leicht. Leise schmatzend und brummelnd schob er seine Arme um mich.

                "Noch ein bisschen." Es hörte sich tatsächlich wie ein Schmollen an.

                "Nein. Nicht jetzt. Heute Abend." Abrupt hob er seinen Kopf und sah mich misstrauisch an. Und wieder hatte ich ihn am Haken. Das musste ich mir unbedingt merken. Land kaufen und Sex am Abend versprechen.

                "Du. Heute Abend. In meinem Bett." hakte er ungläubig nach. Ich verdrehte grinsend die Augen und nickte dann.

                "Ja. Heute Abend. In deinem Bett. Und jetzt geh runter von mir." Unter Ächzen lachte ich und schob ihn seitlich von mir runter. Das war leichter als ihn hoch zu drücken. Schnell stieg ich aus dem Bett und eilte ins anliegende Bad. Während ich mich nun von gewissen Spuren befreite kam er hinter mir ins Bad und klapste mir auf den Hintern.

                "Und wehe du machst einen Rückzieher." Ich hob meinen Kopf um ihn, mal wieder, in einem Spiegel anzusehen.

                "Schatz. Das steht dir so gar nicht." bezog ich mich auf seinen Ton, der schon fast etwas Kindliches an sich hatte, wäre da nicht diese Stimme, die mich immer wieder umhaute. Er nahm sich ein paar Tissues und säuberte sich während ich mich umständlich waschen musste um auch ja nichts mehr befürchten zu müssen. An seiner Armbewegung konnte ich sehen, dass er die Tücher in die Toilette warf und die Spülung drückte. Dann packte er mich an der Hüfte und drückte mich an sich.

                "Woman … here … now … me" Aufmerksam sah er mich an. "Besser?" Meine Augen wurden tellerrund.

                "Lass mich bloß nicht los." befahl ich ihm, denn so weiche Knie hatte ich noch nie. Nicht mal als er mich zum ersten Mal geküsst hatte. Breit fing er an zu grinsen. "Das kannst du doch nicht mit mir machen! Ich bin immer noch mit dieser Welt verflochten!" Ich gab mein Bestes um ihm zu erklären, wie es mir ging, aber ich wusste, dass ihn das von nichts abhalten würde.

                "Klar, kann ich. Sonst würde ich es doch nicht machen." Ich verdrehte meine Augen und hangelte mich an ihm hoch um endlich den Monokini anzuziehen.

                "Ja und deshalb müssen die Kinder so lange warten." brummte ich ihn an und zog den Kini zurecht. "Und jetzt geh, damit ich mich fertig machen kann." Er grinste immer noch als er schon auf dem Weg nach draußen war.

 

                Die Fahrräder waren schnell klar gemacht und wir unterwegs zum Boardwalk, auf dem ich mich hatte tätowieren lassen. Mittlerweile war es verheilt und zierte mein Dekolleté in diesem schönen Rot, wie es auch Jason hatte. Der Juni zeigte sich in einem sonnigen Kleid, das uns gerade recht kam. Mit dicken Klamotten skaten war nicht gerade prickelnd. Während die Herren sich auf die Boards schwangen, holte ich für mich und Lola ein Eis. Es hatte sich wohl herum gesprochen, dass Khal Drogo zum skaten hier war, denn als wir zurück kamen waren die Geländer übervoll mit Frauen, die meinen Mann anhimmeln wollte.

                "Würden Sie uns mal durchlassen. Meine Tochter möchte gerne ihrem Vater zusehen." sagte ich genervt als wir uns durch die Menge nach vorne schoben. "Danke." sagte ich auch wenn sich viele darüber aufregten weil sie ihren Platz verloren. Ich nahm Lola auf meinen Arm damit ihr auch ja nichts passierte. Als wir endlich wieder am Geländer waren versuchte ich eine Weile Jason und Wolf zuzusehen. Doch der Druck von hinten war kaum auszuhalten. Aber ich würde durchhalten solange meine Eingeweide das aushielten. "Schatz, kletter' auf meine Schultern." sagte ich eindringlich wenn auch schwer atmend zu Lola, die mich besorgt ansah. Ich lächelte sie an, um sie zu beruhigen, denn ihr Wohl war wichtiger als meines.

                "Jason!" riefen sie hinter mir. "Khal Drogo" kam es von rechts. Und von oben konnte man ein

                "DAD!" brüllen hören. Das Eis lag schon lange auf dem Boden während mir die Lichter ausgehen wollten. Wieder und wieder wurde ich gegen die Stange gedrückt, während ich Lola an ihren Beinen krampfhaft fest hielt damit sie auch ja nicht runterfiel. Nur schwach konnte ich etwas hören. *Runter* und *Bruder* aber einen Reim konnte ich mir darauf nicht machen. Erst als die Luft in meine Lungen zurück kehrte hörte ich Lola schimpfen.

                "Ihr habt meiner Mama weh getan. Schämt ihr euch nicht?" Ich schmiegte mich an Jasons Schenkel, denn ich saß zwischen seinen Beinen und er beugte sich schützend über mich.

                "Lola. Komm her, Schatz." rief Jason das Mädchen, das mich Mom nannte. Sie kam zu uns und betrachtete mich genau. Irgendjemand hatte den Sicherheitsdienst geholt, der nun die Leute auseinander trieb.

                "Geht's dir wieder gut, Mom?" Ich würde jedes Mal am liebsten heulen wenn ich aus ihrem Mund dieses Wort hörte.

                "Ja" nickte ich. "Es geht wieder." Lächelnd sah ich zu Jason hoch, der sich langsam erhob und mir dabei half aufzustehen.

                "Skaten hat sich für heute erledigt." Seufzend sah er zu Wolf runter, der so gar keine Lust hatte auf das Skaten zu verzichten. Aber dass man mir nochmal weh tat wollte er auch nicht. Also holten wir uns noch ein Eis und machten uns auf den Heimweg. Als wir die Räder verstaut hatten schwamm ich noch ein paar Runden im Pool während Lola am Pool spielte und Jason sich wohl mit Wolf beschäftigte. Immer mal wieder tauchte ich bei Lola auf, die etwas erschrak und dann zu lachen anfing. So sah ich sie am liebsten und bisher lief es wirklich gut. Vielleicht war es genau das, was sich in meinem Leben ergeben sollte.

                "Schatz?" rief Jason vom Balkon zu mir herunter. Ich hielt in meiner Bahn inne und schwamm vor mich hin.

                "Ja?" rief ich zurück.

                "Dad hat gerade angerufen. Wir können das Land kaufen." Stirnrunzelnd sah ich Lola an, dann hoch zu Jason und wieder zu Lola, die nicht verstand worum es gerade ging. Und dann wurde mir klar, welches Land er meinte. Begeistert hob ich die Brauen und plantschte aufgeregt im Wasser rum.

                "Iss ja geil. Ich werd' irre!" rief ich aus und schrie, was das Zeug hielt. Jason lachte noch eine Weile ehe er wieder ins Haus ging und dann zu uns an den Pool kam. Lola sah, immer noch nicht verstehend, zu mir als ich gerade an den Rand schwamm. Jason setzte sich auf den Boden und zog Lola auf seinen Schoß.

                "Wir brauchen einen Architekt, der uns die Pläne macht. Und einen Bauleiter. Ich will nicht, dass die Umgebung unnötig Schaden nimmt." Lächelnd nickte ich.

                "Richtig. Schon allein wegen den Vögeln." Ich hatte mich wegen diesem Strand schlau gemacht. Wenn wir wirklich dort ein Haus hatten würde ich surfen lernen. Der Kahili Beach war ein begehrter Strand für Surfer. Aber bis dahin gab es noch viel zu tun. Lola sah uns immer noch verwirrt an. "Ach richtig. Du weißt ja gar nicht worum es geht." Ich legte meine Arme auf die Steine und begann hinter mir sacht im Wasser zu paddeln. "Dein Vater erfüllt mir einen Wunsch. Und der beinhaltet Land auf Kaua'i." Langsam nickte sie und sah zu Jason hoch, der mir zustimmte.

                "Und was ist das für ein Wunsch?" Ich spürte meine Wangen rot werden während ich leise lachte.

                "Wie ich deinen Dad gerne heiraten möchte." antwortete ich ihr aufrichtig während sie sich an ihren Dad schmiegte.

                "Wirst du dann richtig meine Mama?"

                "Wenn du das möchtest kann ich dich adoptieren." Ich wollte nicht über ihren Kopf hinweg entscheiden. Aus dem Hintergrund konnte man Wolf hören.

                "Und was ist mit mir?" Der kleine Mann kam herbei gerannt und setzte sich zu seinem Vater.

                "Dich natürlich auch. Wenn ihr das wollt." wiederholte ich und sah dann Jason an. "Und wenn euer Vater damit einverstanden ist." Jason beugte sich etwas vor um meine Wange zu streicheln.

                "Was meine Kinder wollen, will ich auch." Bis dahin wäre die Sache mit Jasons Exfrau durch und ich hatte was ich wollte. Die Tollste Familie der Welt.

                "Aber das dauert noch ein bisschen. Euer Vater macht diesen Film, ich hab' im September eine große Versteigerung und außerdem hast du noch Geburtstag junge Dame. Und dein Bruder im Dezember." Wenn der Geburtstag so ziemlich mit einem Festtag zusammen fiel, war das immer doof. Fand ich zumindest. Dann bekam das Geburtstagskind nur einmal Geschenke. "Und außerdem muss erst das Haus gebaut werden." Zum ersten Mal wurde mir klar, was es bedeutete Geld zu haben. "Aber darüber sprechen wir noch ausführlich." Ich hob eine Braue, als ich merkte wie spät es schon war. Lola fing an zu gähnen. Wolf folgte darauf. Schmunzelnd sah Jason zwischen seinen Kindern hin und her.

                "Ich bring' die Beiden eben ins Bett." Nickend stieß ich mich vom Rand ab und schwamm auf dem Rücken. So konnte ich den Dreien hinterher sehen. Als sie im Haus verschwunden waren drehte ich mich wieder um und begann zu kraulen. Sport war mir sehr wichtig geworden. Und beim Schwimmen bewegte man Muskeln, von denen man nicht wusste, dass man sie hat. Nachdem ich mich für den Rückweg an der Wand abgestoßen hatte, konnte ich unter Wasser Jason sehen, der unter mir weg tauchte. Ich legte an Geschwindigkeit zu, hoffend ich könnte ihn bis zur anderen Seite einholen. Doch mit seinen langen Beinen und der Spannweite seiner Arme war er lange vor mir angekommen. Ein paar Meter von ihm entfernt hörte ich mit dem Kraulen auf und schwamm langsam auf ihn zu. Als ich in seiner Reichweite war, packte er mich und drückte mich an die Wand des Pools. Ich schlang meine Beine um ihn und hielt mich neben meinem Kopf am Rand fest. Er ließ sich hängen und machte es sich mit seinen Armen auf mir bequem.

                "Wird das nicht zu teuer?" ging ich auf das Land und das Haus, und was es sonst noch so gab, ein. Er hob eine Braue.

                "Mach' dir darum keine Sorgen. Ich wollte mir schon lange ein Haus auf Hawaii zulegen." Er zuckte ungerührt die Schultern und hielt sich jetzt am Rand fest damit ich es mir bequem machen konnte.

                "Das tröstet mich, ehrlich gesagt, nicht." Ich wollte nie etwas von seinem Geld haben. Geschweige denn ein Haus bauen auf Land, das er gerade kaufte. Und fühlte mich deswegen elend.

                "Wenn ich das Land nicht kaufen soll und du kein Haus willst, wieso hast du dir dann dieses Land ausgesucht?" Ich hob beide Brauen ehe ich aus schnaufte. Jetzt war wohl mein Wunsch im Detail fällig, aber ich würde es nicht freiwillig ausplaudern.

                "Es musste ein Platz sein, an dem Beides stattfinden kann. Unsere Hochzeit und abseits…" Ich biss mir auf die Lippe. In den Folgen klang das wesentlich besser mit dem Ehe vollziehen. Grinsend hob er eine Braue.

                "Ja?" hakte er nach und sah mich wie ein Lausbub an.

                "Wenn du" Die Ehe vollziehst. DIE EHE VOLLZIEHST. Sollte eigentlich nicht so schwer sein. Aber Gedanken waren immer leichter zu formen als sie auszusprechen. "Wenn du die Ehe vollziehst." sagte ich so schnell ich konnte und suchte mir einen Punkt, den ich ansehen konnte. Grinsend sah er mich an.

                "Was? Ich hab' dich nicht verstanden." Dabei hielt er seine Hand hinter sein Ohr, damit er mich besser hören konnte. Ich verdrehte die Augen und schnaufte aus.

                "Wenn du die Ehe vollziehst." Ich gab mir wirklich Mühe den Satz anständig auszusprechen. Er nickte zufrieden und nahm seine Hand wieder runter.

                "Geht doch." Schmunzelnd küsste er mich zärtlich. "Und was noch?" Aber ich wollte nicht weiter darauf eingehen und betrachtete sattdessen meine rechte Hand. Ich spürte gerade die typische Frau hervorbrechen und überlegte ob ich ihr freien Lauf lassen sollte.

                "Dir ist schon klar, dass du mir immer noch keinen Antrag gemacht hast?" Absichtlich hielt ich meinen Blick auf meiner Hand.

                "Ja" sagte er als wäre das etwas, das nicht sein müsste.

                "Okay" zog ich das Wort lang und fing zu gähnen an. "Ist schon spät. Ich werd' ins Bett gehen." sagte ich in einem neutralen Ton und versuchte mich aus seiner Umarmung zu lösen. Er hob eine Braue und unterband meinen Versuch.

                "Was ist denn jetzt los? Hab' ich was verpasst?" wollte er wissen und sah mich eindringlich an.

                "Nein. Ich bin nur müde und möchte ins Bett." Ich versuchte meinen Blick unschuldig zu halten. Aber so wie er mich ansah gefiel ihm meine Antwort überhaupt nicht. Er stieß sich mit den Füßen von der Wand ab und entfernte sich von mir. Ich zuckte kaum merklich die Schultern und schwamm auf das Haus zu, das mir Jason zu Verfügung gestellt hatte.

                "Verdammt nochmal! Was hab' ich denn jetzt wieder gemacht?" Er sah mir nach, was ich aus dem Augenwinkel sehen konnte. Er patschte mit seinen großen Händen aufs Wasser. "Wie kann ich es dir recht machen, wenn ich dich kein Stück kenne?" Das ließ mich nun inne halten und ihn anstarren. Ich zuckte die Schultern und kletterte aus dem Pool. Am Rand blieb ich sitzen und sah ihn an.

                "Keine Ahnung?" Dann schwamm er dermaßen schnell auf mich zu, dass ich es mit der Angst zu tun bekam und mich an eine Palme zurück zog, die neben dem Gästehaus stand. Ich zog die Beine an und umklammerte sie. Dabei sah ich in seine Richtung. Er kam noch ein Stück näher und legte seine Arme auf den Rand, blieb aber wo er war. Ich hingegen dachte, er würde aus dem Pool steigen, was mich ängstlich zusammen zucken ließ. Wieder ging meine Fantasie mit mir durch und ließ mich mir Dinge einbilden, die vielleicht passieren konnten. Deshalb saß ich nun zitternd an dieser Palme.

                "Hast du Angst?" fragte er mich in einem ruhigen Ton. Ich nickte. "Warum?" wollte er wissen. Am liebsten hätte ich ihm gesagt, dass wo er hinschlug kein Gras mehr wuchs. Aber das behielt ich dann doch lieber für mich und wandte mich ab, den Kopf zwischen meine Schultern gezogen und sinnierte darüber ob ich den Bogen überspannt hatte. Ich konnte hören, dass er tief durchatmete. "Schatz, bitte. Du musst keine Angst vor mir haben." Vorsichtig drehte ich meinen Kopf und sah den Mann an, den ich eigentlich heiraten wollte. Immer noch brachte ich kein Wort über meine Lippen. Er senkte leicht seinen Kopf, was ich als auf den Boden blicken interpretierte und versuchte zur Tür vom Gästehaus zu krabbeln. Er räusperte sich und ich hielt inne. "Wo willst du hin?" Ich kam mir sowas von dämlich vor. Zitternd auf allen Vieren und hatte Angst vor einem Mann, der keiner Fliege was zuleide tun konnte.

                "Ich, äh, will ins Haus?" stammelte ich leise und zeigte mit dem Daumen auf das Gästehaus. Er hob eine Braue und tippte mit seinen nassen Fingern auf dem Stein rum.

                "Meinst du nicht, dass wir erst etwas zu klären haben?" Ich zog mich an die Palme zurück und suchte dahinter Schutz, lugte aber hinter der Palme hervor.

                "Und was wäre das?" hakte ich hinter meinem Schutz nach. Er zuckte die Schultern, drückte sich aus dem Wasser hoch und setzte sich auf den Rand. Meine Hormone gingen bei diesem Anblick mit mir durch, deshalb biss ich mir auf die Lippe, die zu bluten begann.

                "Och, ich weiß nicht. Vielleicht darüber, dass ich dich nicht kenne. Oder du mich nicht mehr heiraten willst." Er hob beide Brauen und sah mich wieder an.

                "Du spinnst doch." brummte ich hinter der Palme hervor.

                "Ach ja? Welche Schuhgröße habe ich?"

                "Fünfundvierzig" Ich sog die Luft scharf in mich und hielt mir die Hand vor den Mund.

                "Deine kenne ich immer noch nicht." Womit er leider recht hatte. Bisher hatte ich noch nichts von mir preis gegeben. Ich kniff meine Augen zusammen und hieb meine Stirn einige Male gegen die Palme, die sich unbeeindruckt davon gab. Allerdings gefiel Jason das überhaupt nicht. "Hör' auf damit. Ich sagte dir bereits, dass das verboten ist." Ja, daran konnte ich mich sehr gut erinnern und lugte nun hinter der Palme hervor.

                "Und was willst du wissen?" Zögernd kam ich aus meinem Versteck und ging auf eine der Sonnenliegen zu, auf die ich mich legte und ihn ansah. Langsam drehte er sich, um meinen Blick zu erwidern. Dann zuckte er die Schultern.

                "Weiß nicht. Nimm dir ein Beispiel an dem was du von mir weißt." gab er als Beispiel und machte es sich jetzt auf dem Boden bequem. Ich drehte mich auf die Seite und machte mich auf der Liege lang.

                "Okay. Geboren bin ich am 13. September 1969 in Detroit, Michigan. Als ich sechs war sind wir nach New York City gezogen. Meine Eltern sind früh gestorben. Noch bevor ich in die Wohnung am Central Park gezogen bin." Ich überlegte kurz ehe ich weiter sprach. "Ich wiege knapp fünfzig Kilo und bin eins fünfundfünfzig klein." Ich konnte sehen, dass er schmunzelte. "Ich habe grün-grau-blaue Augen wie mein Vater, nur dass meine mehr grün sind." Ich hob meine Haare etwas an. "Meine Naturfarbe ist blond." Beide Brauen sprangen hoch als er diese Offenbarung hörte. "Ich mag Katzen ganz gerne." fuhr ich fort. "Und ich liebe Ruhe. Wenn sich niemand streitet, wenn alles zur Zufriedenheit aller läuft." Ich biss mir mal wieder auf die Lippe, die erneut aufriss und wieder anfing zu bluten. "Naja, wenn es Streit gibt, bin ich die Erste, die sich für die Fehler eines anderen entschuldig." Jason zog die Brauen zusammen, sagte aber kein Wort dazu. Mittlerweile wurde es kalt weshalb ich zu zittern begann und versuchte, mich mit reiben meiner Arme warm zu halten. "In der Schule war ich ein Einzelgänger. Möglich, dass es an meinem Gewicht lag. Ich hatte in der Highschool bereits Größe vierzig." Ich zuckte die Schultern und schnatterte kurz. Schnell räusperte ich mich, doch ihm war aufgefallen, dass ich fror. Wortlos stand er auf und ging ins Gästehaus, aus dem er die dicken Decken holte, die ich aus New York mit gebracht hatte. Er kam zu mir und legte eine über mich, schob sie unter mich und wickelte mich praktisch damit ein. Die andere legte er um seine Schultern und setzte sich neben mich auf den Boden. "Danke" sagte ich und zog die Knie an um auch ja kein Stück von meinem Körper unbedeckt zu lassen. "Aber das ist jetzt nicht so wichtig. Davon erzähle ich dir ein anderes Mal." versprach ich ihm und leckte über meine Lippe, die nach Blut schmeckte. Ich wischte mir über den Mund und hatte das Blut nun auf meiner Haut. Noch während ich weiter erzählte sah ich auf den Blutfleck. "Körbchengröße 75C, Kleidergröße 38, Schuhgröße 37 und Handschuhe Größe 6." Ich wusste nicht ob ihn das interessiert, aber es gehörte nun mal zu meinen Maßen. "Ich hatte zwar den einen oder anderen Freund aber verheiratet war ich noch nie." Jason sah mich mit erhobener Braue an und nickte.

                "Jetzt verstehe ich das mit dem Babysitten." meinte er wozu ich nickte.

                "Genau. Und deshalb hab' ich so konkrete Vorstellungen wie ich heiraten will." Ich lachte leise. "Naja, zumindest seit dem Zeitpunkt als du mir sagtest, dass du mir einen Wunsch erfüllst." Ich glaube, dass ihm gerade klar wurde wieso ich mich so merkwürdig verhalten hatte.

                "Ich verstehe." sagte er, was mich in meiner Annahme straucheln ließ. Er erhob sich und legte sich zu mir auf die Bank. Sofort zog ich die Decke unter mir hervor, damit er sich an mich schmiegen konnte. Beziehungsweise ich mich an ihn.

                "Was gibt es noch über mich zu erzählen?" Lange dachte ich nach ehe ich den Kopf schüttelte. "Im Moment fällt mir nichts ein." Ich seufzte und versuchte ihn anzusehen. Und dann fiel mir doch etwas ein. Banal aber vielleicht ganz witzig. "Ach, da fällt mir ein, dass ich sicher 1000 Filme gesehen hab'. Und deshalb fällt mir auch zu so vielem ein Film ein." Ich konnte spüren, dass er in sich lachte. "Hör' auf zu lachen. Ist nicht witzig, wenn ich mit den Kindern eine Sandburg baue und ich automatisch an Winterfell denken muss. Oder bei Venice an Navy CIS L.A. denke." Missmutig brummte ich ihn an und zog den Kopf ein.

                "Und an was denkst du, wenn du mich ansiehst?" Er schlang seinen Arm unter der Decke um mich und drückte mich an sich.

                "An kanadische Holzfäller." So schnell, wie er mich umgedreht hatte und ich nun auf seinem Bauch lag, konnte ich gar nicht reagieren. Allerdings konnte ich nun die erhobene Braue sehen.

                "Wieso kanadische Holzfäller?" Meine Lippe musste heute ziemlich viel ertragen, denn ich biss mir wieder auf die Stelle, die sich gerade verkrustet hatte und nun wieder aufplatze.

                "Naja" Ich versuchte mir mit der Antwort Zeit zu lassen und sah dabei auf sein Kinn, um ihn nicht direkt ansehen zu müssen. "Ein Mann mit Bart ist erst dann ein Mann, wenn er eigenhändig einen Baum fällen kann, ein Auto reparieren, Feuer machen und ein Wildschwein töten kann." Verlegen lächelte ich ihn an. Als er herzlich zu lachen anfing bebte mein ganzer Körper auf ihm. Ich hob eine Braue, denn ich fand das nicht witzig.

                "Ich kenne den Spruch. Der ist geil." sagte er und betrachtete nun skeptisch meine Lippe, die sicher schlimm aussah. "Wie oft hast du dir auf die Lippe gebissen?" wollte er wissen und richtete sich samt mir auf um meine Lippe zu begutachten. Ich hatte die Beine angewinkelt und kniete nun auf ihm. Ratlos zuckte ich die Schultern.

                "Keine Ahnung. Drei Mal?" Es konnte natürlich auch öfter gewesen sein, so wie der Mann mich aus dem Gleichgewicht brachte. Besorgt strich er über meine Lippe.

                "Hmm" machte er und sah mich wieder an. "Warum?"

                "Weil du mich ständig dazu bringst mir auf die Lippe zu beißen? Denk dran, dass du der Mann bist, den ich seit zwanzig Jahren begehre, von ihm träume und mir das ein oder andere ausmale. Und den Mann soll ich nächstes Jahr heiraten." gab ich ihm zu bedenken worauf er langsam nickte.

                "Dann muss ich dir das eben auch verbieten. Apropos, wie geht es deiner Stirn?" Und sofort begann die Inspektion meiner Stirn, die abgesehen von ein paar kleinen Kratzern, nichts abbekommen hatte. Traurig seufzte er und nahm mein Gesicht in seine Hände.

                "Normalerweise ist da eine Tapete dazwischen." versuchte ich mich zu entschuldigen und lächelte schief. Eine ganze Weile sah er mich noch an ehe er sich mit mir erhob und mich zu seinem Haus trug. Ich sah zum Gästehaus, das an mir vorbei zog ehe ich kapierte, dass es in sein Haus ging. Heftig blinzelnd begann ich zu strampeln.

                "Können wir nicht lieber zu mir gehen?" Sein Haus hatte ich noch mit keinem Fuß betreten. Da kam der Respekt des Fans wieder in mir auf. Jason blieb stehen und sah mich an.

                "Hast du etwa Angst?" wollt er wissen. Ich schüttelte den Kopf.

                "Respekt vor der Privatsphäre meines Stars." sagte ich heiser und sah zurück zu dem Gästehaus, das ich gedanklich herbei sehnte.

                "Bethany O'Keefe! Du bist die Frau, die ich heiraten will und die mit mir in diesem Haus wohnen wird." Daran hatte ich gar nicht gedacht und sah ihn verdattert an. "Jetzt sag nicht, dass du das nicht wusstest." Verlegen zuckte ich leicht die Schultern.

                "Daran hab' ich nicht gedacht." gab ich zu und sah wieder auf das riesige Haus, das aussah als könne es mich mit einem Happs verschlucken. Grinsend schüttelte er den Kopf und küsste mich innig und sehr lange. Als er sich von meinen Lippen löste setzte er sich wieder in Bewegung und brachte mich in sein Schlafzimmer, in dem ich versprochen hatte heute die Nacht mit ihm zu verbringen. Behutsam legte er mich auf dem Kingsize Bett ab und betrachtete mich ausgiebig.

                "Das wird dir auch alles gehören." Derweil hatte ich mich von meinem Monokini befreit und warf ihm das feuchte Ding zu, das er grinsend auffing.

                "Und der gehört jetzt dir." Grinsend versuchte ich mich in Pose zu legen, ihm zu gefallen, während er sich seiner Hosen entledigte und sich dann nahm was ihm gehörte.

                Drei Tage hatte Emilia alle Hände voll mit den Kindern zu tun ehe wir das Schlafzimmer verließen, weil wir Hunger hatten.

 

September 2019

                Ich hasste diesen Monat. Nicht weil da die Versteigerung war sondern weil mich eine runde Zahl erwartete. Aber zuerst hatte ich mich um anderes zu kümmern, denn meine Tage, die eh nur spärlich kamen, waren nun seit zwei Monaten gänzlich ausgeblieben. Jason hatte ich nichts von meinen Sorgen erzählt, dafür war ich nach Island geflogen, da dort Emilia gerade drehte. Island – saukalt. Verwundert hatte sie mich angesehen als sie mich hatte herein holen lassen. Anscheinend war ihr klar, dass etwas nicht stimmte.

                "Bringen Sie Miss O'Keefe bitte in meinen Trailer." meinte sie zu dem Typen, der mich zu ihr gebracht hatte. Dann wandte sie sich an mich. "Wenn ich hier fertig bin reden wir." Ich nickte nur und ließ mich fort bringen. Als ich den Trailer betrat spürte ich wie es mir warm wurde. Hier drin war es gut beheizt. Ich machte es mir gemütlich und dachte darüber nach, was ich über eine Schwangerschaft in meinem Alter gelesen hatte. Wenn man kern gesund und körperlich fit war, brauchte man sich so gut wie keine Sorgen zu machen. Aber was war mit diesen Stents? Die Dinger hielten meine Venen offen, damit ich laufen konnte. Aber gesund war ich deshalb nicht. Lange machte ich mir darüber Gedanken während ich Nachrichten auf mein Handy bekam. Kate hatte sich gemeldet weil sie sich Sorgen machte. Denn so wie sie mich kannte, war so eine Reise nicht normal für mich.

                [Hey Mom. :-* Es ist alles in Ordnung. Ich wollte nur Emilia sehen. Ich hatte Sehnsucht nach ihr.] Natürlich war das gelogen aber ich wollte sie nicht unnötig aufregen.

                [Na schön. Du wirst schon wissen, was du tust.] Und dann fing ich bitterlich zu weinen an. [Ich liebe dich, mein Schatz.] hatte sie noch angefügt. Sie machte mir so ein großes Geschenk und ich belog sie dafür.

                [Ich liebe dich auch, aber ich kann es dir jetzt noch nicht sagen. Bitte verzeih' mir.] Ich drückte den Sendenpfeil und wartete auf Antwort.

                [Schatz, es gibt nicht zu verzeihen. Du bist meine Tochter und meiner Tochter muss ich nichts verzeihen.] Ja, ich liebte sie wirklich.

                [Danke, dass du für mich da bist. Wenn ich soweit bin, melde ich mich bei dir. :-*] Als ich diese Nachricht abgesendet hatte sah ich mir die von Jason an.

                [Ich hoffe, du hattest einen guten Flug. Ich hab' heute die ersten Bilder der Baustelle bekommen. Dad macht das wirklich klasse. Und er freut sich, dich endlich kennen zu lernen. Wenn du wieder zurück bist, sollten wir uns um deine Details kümmern. Ich liebe dich und pass auf dich auf. :-*] Wieder begann ich zu weinen, denn eigentlich hatte ich nicht vor mit einem dicken Bauch auf einem Pferd zu liegen.

                "Scheiße! Scheiße! SCHEIßE!" Juli, August, September, Oktober, November, Dezember, Januar, Februar, März. Oder April, zählte ich die Monate an meinen Fingern ab und sah einen Hoffungsschimmer doch noch meine Traumhochzeit zu bekommen. Immer wieder zählte ich die Monate auf und ging dabei im Trailer auf und ab, der zu wackeln begann.

                "Ich werd' fünfzig." Ich fing an meine Nägel zu malträtieren. "Ich bin zu alt für ein Kind." Ich merkte nicht, wie hinter mir die Tür aufging und Emilia herein kam.

                "Was für ein Kind?" sagte sie unverhofft, was mich zusammen zucken ließ. Ich wirbelte herum und fing an zu weinen. Sofort kam sie auf mich zu und umarmte mich. Sie bugsierte mich auf die Couch und schmiegte mich an sie. "Sssssssshhhhh" machte sie und streichelte mich beruhigend. "Was ist los, Liebes?" fragte sie sanft nach während ich zu schluchzen begann.

                "Ich glaube, ich bin schwanger." heulte ich an ihren Pulli. Ich konnte spüren wie sie plötzlich in allem inne hielt und sich versteifte. Diese Reaktion hatte ich mir nicht erhoffte. Deshalb löste ich mich von ihr und sah sie eine Weile an.

                "Ho wow" machte sie und blinzelte mich an. Lange sah sie mich an ehe sie endlich die Zähne auseinander bekam. "Und was sagt Jason dazu?" wollte sie wissen.

                "Ich hab' es ihm noch nicht gesagt. Meinen Termin hab' ich erst am dreizehnten." Ohweia, das wäre ja ein tolles Geburtstagsgeschenk.

                "Das solltest du aber ganz schnell machen. Ihr müsst entscheiden was ihr tun wollt." Ich runzelte die Stirn.

                "Wie was wir tun wollen?" hakte ich nach und sah sie fragend an.

                "Na ob du abtreibst." Sofort fühlte ich mich als Mörder.

                "Ob ich abtreibe?" Heftig schüttelte ich den Kopf. "Wenn der Test positiv ist kommt Abtreiben gar nicht in Frage." regte ich mich auf.

                "Liebes, überleg' dir das genau. Du wirst fünfzig. In deinem Alter ist es ein Risiko noch mal schwanger zu werden." Gerade fühlte ich mich von allen verlassen. Ich stand auf und zog meinen Mantel, Handschuhe und Mütze wieder an. Emilia sah mich stirnrunzelnd an. "Süße, geh' nicht. Ich mach' mir nur Sorgen." Sie stand von der Couch auf und ging auf mich zu. Ich hingegen wich vor ihr zurück.

                "Und sowas nennt sich beste Freundin." Schwer enttäuscht schüttelte ich den Kopf und verließ den Trailer.

                "Beth!" konnte ich sie noch rufen hören, aber ich rannte weiter und sah zu, dass ich irgendwie zurück nach Reykjavik kam. Als ich endlich in einem Wagen zurück in die Hauptstadt saß, schrieb ich Jason eine Nachricht.

                [Ja, ich bin gut angekommen, aber ich werd' heute noch weiter fliegen. Zurück nach New York. Die Details kannst du erst mal vergessen. Es hat sich etwas ergeben, dass es mir unmöglich macht dich zu heiraten, wie ich es mir vorstelle. Ich liebe dich auch.] Wieder einmal drückte ich auf den Sendenpfeil und schloss das Handy. In Reykjavik am Flughafen nahm ich den erst besten Flieger zurück nach New York. Mittlerweile hatte ich mich an die erste Klasse gewöhnt und buchte natürlich nur noch first class. Schon alleine deswegen, weil ich hier meinen Freiraum hatte. Sechs Stunden würde der Flug nonstop dauern. Allerdings landete ich am JFK und nicht am LaGuardia. Ich hatte Steve eine Nachricht geschickt, dass Mary mir doch bitte einen Termin beim Gynäkologen machen sollte und beide darüber Still schweigen sollten. In der Nachricht bat ich Steve mich am JFK abzuholen und gab ihm noch die Daten durch, damit er wusste, wann er da sein musste. Alles hatte ich somit erledigt und saß nun im Flugzeug, das mich weg von Island und zurück in die Heimat brachte. Ich überlegte, ob ich meine Sorgen in Alkohol ertränken sollte. Aber wenn ich wirklich schwanger war, war das das Schlimmste, das ich dem ungeborenen Leben antun konnte.

                Immer wieder sah ich auf mein Handy, hoffend, Jason würde sich endlich melden. Aber selbst nach vier Stunden hatte er sich noch nicht gemeldet. Immer mal wieder sah ich ihn online aber er schrieb nicht zurück. Ich stellte mir vor wie er fassungslos das Handy anstarrte und darüber grübelte, ob er es an die Wand werfen sollte. Was auch immer es war, dass ihn davon abhielt mir zurück zu schreiben, gut konnte es nicht sein. Letztendlich fand ich mich damit ab, dass er sich nicht meldete und ließ mich nun nach Hause zu Mom fahren.

                "Mary hat einen Termin für morgen für dich bekommen." ließ mich Steve wissen und sah mich im Rückspiegel besorgt an.

                "Danke" sagte ich und sah mit glasigen Augen aus dem Fenster.

                "Wenn es das ist, was ich mir denke…" er hielt inne und sah in den Spiegel, ob er meine Aufmerksamkeit hatte. Mit gehobener Braue erwiderte ich seinen Blick. "dann lass dich bloß nicht mürbe machen. Es ist deine Entscheidung und wir müssen akzeptieren wie du dich entscheidest." Mittlerweile hatte er angehalten und drehte sich zu mir um. "Mary und ich stehen hinter dir. Egal, wie du dich entscheidest." Hemmungslos fing ich an zu weinen und stützte mein Gesicht in meine Hände. Steve stieg vorne aus und hinten bei mir ein. Ich spürte, wie er seinen Arm um mich legte und mich an sich drückte. "Es wird alles gut. Das schwöre ich dir." Kurz darauf meldete sich mein Handy, das ich sofort öffnete weil ich hoffte, dass es eine Nachricht von Jason war. Fehlanzeige.

                "Carver" schniefte ich und las die Nachricht, die ich auch direkt beantwortete.

                [Machen Sie ruhig. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass die Story so gut wird, dass Sie einen weiteren Pulitzer bekommen.] Ich schickte die Nachricht weg und warf das Handy neben mich auf den Sitz während Steve seinen Arm auf meinen Schultern platzierte und meine Schulter streichelte.

                "Danke, dass ihr wenigstens für mich da seid." Ich küsste seine Wange und schmiegte mich wieder an ihn. So einsam hatte ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.

                "Was ist mit Emilia?" wollte er wissen. Ich schüttelte den Kopf und erzählte ihm die Situation im Trailer. "Ohje, Beth. Das tut mir unendlich leid." Ich weinte noch eine Weile ehe ich meine Nase schnäuzte und mir die Tränen abwischte.

                "Lass uns fahren. Mom und Mary machen sich sicher schon Sorgen." Und mit meiner Spekulation lag ich nicht falsch. Mom meldete sich per WhatsApp bei mir und wollte wissen, ob mit uns alles in Ordnung sei.

                [Ja, Mom. Alles in Ordnung. Ich hatte nur Redebedarf. J] Ich schickte die Nachricht ab und sah Steve an, der mich sorgenvoll ansah.

                "Okay." sagte Steve ehe er mich verließ und am Lenkrad wieder Platz nahm. Er fädelte sich in den Verkehr ein und fuhr nun zügig zu Kates Haus wo ich schon erwartet wurde. Während Steve meinen Rucksack aus dem Kofferraum holte, stieg ich aus und fiel Kate direkt in die Arme. Wieder fing ich zu weinen an während Kate versuchte mich zu beruhigen.

                "Sssssssshhhhh. Alles wird gut." versuchte sie mich zu beruhigen während sie über mein Haar streichelte und mich ins Haus brachte. Im Wohnzimmer setzte ich mich auf die Couch und belagerte meine angenommene Mutter, die mir treu zur Seite stand. "Schatz, wenn es so ist, ist es so. Wir kriegen das schon hin. Und wenn wir alle Ärzte zu Hilfe rufen." Wieder ein Aufmunterungsversuch, der bei mir ankam. Ich hob meinen Kopf und sah Kate aus meinen blutunterlaufenen Augen an. Ich bekam kein Wort über die Lippen, dafür fing an Steve zu erzählen, was ich erzählt hatte. Kate sah Steve eine Weile an und hörte ihm zu ehe sie seufzend wieder mich ansah und meine Wange streichelte. Ich war dankbar, dass sie Emilia nun nicht versuchte in Schutz zu nehmen, sie aber auch nicht schlecht über Emilia sprach. Ich drehte mich ein wenig, so dass ich ziemlich grad zur Couch saß und Steve und Mary ansehen konnte. Ich konnte sehen, dass Mary, in einer merkwürdigen Weise, ihre Hand auf ihrem Bauch liegen hatte. Und dazu lächelte Mary überaus glücklich. Fragend hob ich eine Braue. Steve war es, der mir antwortete.

                "Es hat geklappt." strahlte er mich an. "Sie ist schwanger." Heftig rollten mir wieder die Tränen über mein Gesicht, vernebelte mir die Augen, die kaum noch Wasser produzieren konnte. Kate zog mich wieder zu sich und streichelte erneut mein Haar.

                "Steve bringt dich in dein Zimmer. Schlaf' eine Weile und dann reden wir in Ruhe darüber." Sie lächelte mich an und gab mir ein Küsschen auf die Wange. "Alles wird gut, mein Schatz." versicherte sie mir erneut als mich Steve hoch hob und auf seinen Armen in mein Zimmer brachte. Ich hatte nicht mehr die Kraft noch irgendwas zu tun und deshalb zog mir Steve Jacke und Schuhe aus und deckte mich dann zu. Dann setze er sich zu mir ans Bett und streichelte mir ein paar Strähnen aus dem Gesicht.

                "Egal was ist, wir sind immer für dich da." Ich drehte mich umständlich auf die Seite, versuchte Steve aber nicht aus den Augen zu lassen. Ich nickte leicht ehe ich die Augen schloss und von einer Geburt träumte, die mich mein Leben kostete.

 

06. September 2019

                Schreiend wachte ich an diesem Morgen auf und atmete hektisch, mit aufgerissenen Augen, den Schock aus, den ich gerade geträumt hatte. Kate stürzte in mein Zimmer und sah mich besorgt an.

                "Schatz." Sie kam auf mich zu und setzte sich neben mich, umarmte mich und hielt mich fest. "Nur ein Traum. Du hast geträumt." Langsam entkam ich meiner Starre und sah Kate an.

                "Meine Träume haben es aber, in letzter Zeit, an sich in Erfüllung zu gehen." Ich legte meine Hände auf meinen Bauch und streichelte darüber, als wäre es schon sicher, dass sich in mir ein Leben entwickelte.

                "Das werde ich nicht zulassen, Schatz." Eindringlich sah sie mich an. "Du wirst nicht sterben und das Kind auch nicht." Irgendwie klang dieses Schimpfen überaus zärtlich und brachte mich zum schmunzeln. Die Situation war sicher nicht witzig, aber nur mit Weinen wurde es auch nicht besser.

                "Das hoffe ich. Jetzt muss ich erst mal zum Arzt, der mir sicher zur Abtreibung raten wird, sollte ich wirklich schwanger sein." Ich sah Mom noch eine Weile an ehe sie mich aufstehen ließ.

                "Wann ist dein Termin?" erkundigte sie sich und zog ein paar Klamotten aus meinem Schrank, die sie auf das Bett legte.

                "10:30 Uhr." Ich sah auf den Wecker, der 9:26 Uhr anzeigte. "Ich sollte ins Bad und mich waschen." Zum Duschen hatte ich keine Zeit mehr. "Steve ist um zehn da." Kate nickte.

                "In Ordnung. Ich drück' dir die Daumen." Was sie auch tat und mich breit lächelnd dabei ansah.

                "Danke" sagte ich noch ehe ich ins Bad verschwand um mich fertig zu machen. Ich musste mir keine Mühe geben, deshalb war ich nach zwanzig Minuten aus dem Bad und bestückte meinen Rucksack mit Geldbeutel und Handy, das ich bereits gecheckt hatte, ob Jason sich gemeldet hatte. Aber er zog es immer noch vor mir nicht zu schreiben. Wieder kamen Gedanken in mir auf, die ich eigentlich nicht haben sollte. Die Hochzeit wurde abgesagt, ich durfte die Kinder nicht mehr sehen. Ich wusste schon an wem ich meinen Frust auslassen würde aber dazu brauchte ich das Geld von der Versteigerung, die in neun Tagen stattfinden würde. Ich holte meinen Mantel aus meinem Zimmer und schlüpfte hinein, während ich ins Wohnzimmer ging. Kate hatte mir einen Tee und ein Sandwich gerichtet, das ich mir jetzt gönnte. Erneut bedankte ich mich während draußen Steve vor fuhr. Ich konnte den Wagen hören aber irgendwie hörte er sich anders an. Mom öffnete die Tür und bat Steve ins Wohnzimmer.

                "Schicker Wagen." hörte ich Kate sagen, was mir eine Braue hoch hob.

                "Danke. Er ist ganz neu." erklärte er ihr, blieb dann in der Tür stehen und sah mich lächelnd an. "Hi Beth" begrüßte er mich. Ich nickte nur und beendete in Ruhe mein Frühstück. Dann brachte ich Tasse und Teller in die Küche. Mom nahm mir beides ab und stellte es auf die Anrichte. Dann küsste sie meine Wange und lächelte mich an.

                "Sag' mir Bescheid sobald du etwas Definitives weißt." bat sie mich. Ich erwiderte ihr Küsschen und nickte.

                "Mach' ich." Auch wenn ich ihr das versprach, war ich mir nicht sicher, ob ich es auch tun würde. Steve brachte mich nach der Verabschiedung an den Wagen, den ich als einen SUV von Mercedes identifizierte. Die Marke mochte ich gar nicht, aber das würde ich natürlich für mich behalten. Wieder einmal machte ich es mir schwer in den Wagen einzusteigen. Wieso musste man so hohe Autos bauen? Natürlich waren die nicht hoch, aber wenn man gerade mal eins fünfundfünfzig groß war, brauchte man eine Leiter. Steve bugsierte mich schmunzelnd auf den Beifahrersitz und setzte sich ans Steuer. Während er den Motor startete sah ich mich in dem Wagen um. "Für das Baby?" wollte ich wissen und sah ihn an. Steve nickte und fädelte sich in den Verkehr ein.

                "Eine Limousine ist nicht gerade das Wahre für einen Familienausflug." Schmunzelnd sah er mich an und bog dann nach rechts ab.

                "Da hast du allerdings recht." Ich versank wieder in meine Gedanken und malte mir Szenarien aus, die mich nur noch näher an den Abgrund brachten. "Du weißt nicht zufällig, ob meine Wohnung noch frei ist?" fragte ich und sah Steve wieder an. Dieser hob eine Braue und musterte mich einen Moment.

                "Warum?" wollte er wissen. Ich sah wieder aus meinem Fenster und sah mich schon unter der Hamilton Bridge schlafen. Ich zuckte die Schultern, sah ihn aber im Rückspiegel nicht an.

                "Interessehalber." Ich ließ meinen Blick über die vielen Häuser gleiten ehe wir zu diesem Komplex mit allen möglichen Ärzten kamen. Ich mochte die Tatsache, dass das Gebäude zu beiden Seiten gebaut wurde und nicht nach oben. So hatte es etwas Beruhigendes auch wenn ich suchen musste wo der Gynäkologe war. Ich ließ Steve nicht die Zeit, um mir zu helfen und eilte aus dem Wagen und auf eine Tafel zu, die mir zeigte welche Tür ich nehmen musste. Kurz sah ich über meine Schulter zu Steve, der mir, ehrlich gesagt, leid tat, aber ich wollte einfach nicht über meine Gedanken reden. Lange blieb ich vor der Tür stehen, neben der sich in beide Richtungen vier Fenster zogen. Klein war die Praxis nicht. Ich überlegte wieder, was alles passieren konnte. Was wenn ich mich irrte und nicht schwanger war? Dann hatte ich die Welt rebellisch gemacht und konnte zusehen, wie ich alles wieder auf die Reihe bekam. Und wenn ich schwanger war gab es zwei Optionen. Abtreiben oder behalten. Und dann musste ich auch noch Jason Bescheid sagen. Aber der meldete sich schon eine ganze Weile nicht. Ich sah nochmal auf mein Handy, öffnete WhatsApp und Jasons Chat. Wieder konnte ich sehen, dass er online war aber nichts schrieb. Tief atmete ich durch, stellte das Handy auf stumm und schob es in meine Jackentasche.

                Als ich mich angemeldet hatte, den Grund wollte ich nur dem Arzt sagen, saß ich nun zwischen lauter jungen Hüpfern, die mich kurz ansahen und zum Gruß nickten. Freundlich erwiderte ich den Gruß und setzte mich dann zwischen zwei Schwangere. Ich sah einmal von einer zur anderen ehe ich bemerkte, dass ich von zwei Frauen beobachtet wurde. Selbst hier blieb ich nicht von meinem Auftritt von vor zwei Jahren verschont. Um mich abzulenken und nicht mehr auf die Bäuche sehen zu müssen, zog ich mein Handy wieder aus der Tasche und beschäftigte mich mit den Spielen, die ich installiert hatte.

                "Miss O'Keefe, bitte in Zimmer zwei." Ich hob meinen Kopf, packte das Handy weg und erhob mich um nach dem Zimmer zu sehen, wo ich hin musste. Und wieder kam ich mir vor als würde ich zu meiner Hinrichtung gehen. Eine junge Dame führte mich lächelnd zu dem Zimmer, dass ich erst nicht fand.

                "Danke" sagte ich leise und betrat das Zimmer, das mir auf einmal so anders vorkam. Früher war ich wegen den Kontrollen in so einem Zimmer. Also nichts Besonderes. Und jetzt fühlte ich mich schuldig, weil ich die Pille nicht weiter genommen hatte. Aber wozu? Zudem Zeitpunkt, als ich mich dafür entschieden hatte gab es schon etwa zehn Jahre keinen Mann mehr an meiner Seite. Also wozu verhüten? Zumal man von den Dingern zunahm. Und jetzt saß ich in der Ecke hinter dem Vorhang und wartete auf den Arzt, der sich Zeit ließ. Je mehr Zeit verging, desto nervöser wurde ich. Ich fing an mit dem Bein zu wackeln, knubbelte an meinen Fingern rum und ließ auch meine Lippe nicht unbehandelt.

                "Miss O'Keefe?" Ich zuckte zusammen und lugte hinter dem Vorhang hervor.

                "Hier." sagte ich und kam aus meinem Versteck. Doktor Michaelson hob eine Braue, äußerte sich aber nicht dazu und bot mir einen Platz an seinem Tisch an, während er sich auf den Hocker setzte und sich die Angaben ansah, die die Assistentin eingetragen hatte.

                "Was kann ich für Sie tun?" fragte er mit einem Lächeln und sah mich erwartungsvoll an. Tief atmete ich durch.

                "Es ist möglich, dass ich schwanger bin. Ich möchte Sie bitten einen Test zu machen." Ich konnte ihm an der Nasenspitze und der erhobenen Braue ansehen, dass er mich gleich zur Sau machen wollte. "Ich wäre Ihnen dankbar wenn Sie nur den Test machen würden. Über die Risiken bin ich mir im Klaren." wehrte ich seinen Versuch ab. Er gab sich geschlagen, zumindest für den Moment und lächelte wieder.

                "Dann machen Sie sich bitte untenrum frei, damit ich einen Ultraschall machen kann. Danach nehme ich Ihnen Blut ab und zur Sicherheit brauche ich noch Urin." ließ er mich wissen, was er vor hatte. Ich nickte und verschwand hinter dem Vorhang. Der Stuhl, auf den ich mich jetzt setzte, kam mir wie ein Monster vor, das mich fressen wollte. Wirklich bequem war das Ding nicht. Es sollte lediglich seinen Zweck erfüllen. Der Arzt legte das Ultraschallgerät auf meinen Unterleib, was mich zusammen zucken ließ, denn das Gel war ziemlich kalt. Ich sah auf den Bildschirm, der mir nun deutlich zeigte, dass ich wohl wirklich schwanger war. Man konnte die Fruchtblase und, als winzigen Punkt, das neue Leben sehen. Tränen stiegen mir in die Augen, denn ich hatte Angst, dass uns etwas passieren könnte. Der Arzt bat mich, mich wieder anzuziehen und dann zur Toilette zu gehen. Danach ins Labor zur Blutabnahme. Ich nickte nur und tat wie geheißen. Während die junge Dame, die den Schwangerschaftstest machte, mich anstarrte, sah ich zu, wie der Streifen sich färbte.

                "Ja, ich bin Beth O'Keefe." brummte ich sie an was sie leicht zusammen zucken und sich wieder auf ihre Arbeit konzentrieren ließ.

                "Tschuldigung" sagte sie leise und sah mich dann lächelnd an, den Streifen hatte sie in eine Tüte gepackt und zu den Unterlagen gelegt. "Ich nehme Ihnen noch schnell Blut ab." Wieder nickte ich und machte meinen Arm frei, damit sie abbinden konnte. Ich sah weg, als sie die Nadel in meinen Arm schob und mir ein Röhrchen Blut abnahm. Dann war ich auch schon fertig und bereit zurück ins Wartezimmer zu gehen. "So in zehn Minuten ist das Ergebnis fertig, Miss O'Keefe." Jetzt war es aber gut mit dem Lächeln, denn das wurde immer breiter.

                "Danke" sagte ich und wollte schon rübergehen als die junge Dame mich aufhielt.

                "Könnte ich ein Autogramm von Ihnen haben?" Meine Braue sprang hoch, als ich dann auch noch sah, worauf ich unterschreiben sollte. Das Blatt, das sie in der Hand hielt zeigte mein Gesicht. Ich kannte das Makeup. Das trug ich am letzten Tag der Con. Man hatte mich vor der Limousine erwischt. Tief atmete ich durch und nickte. Dann holte sie einen Stift und überreichte mir beides. Ich versuchte mich in einem freundlichen Lächeln und sah sie an. Den Stift in der Hand.

                "Und für wen?" Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen, was ich da gerade gefragt hatte.

                "Für Mandy, bitte." Sie flippte jetzt nicht aus aber ich konnte ihr ansehen, dass sie sich riesig freute. Dann unterschrieb ich das Bild mit meinem Namen und gab ihr den Stift zurück.

                "Danke, danke, danke." sagte sie leise und nahm das Bild an sich. Schmunzelnd nickte ich ihr zu auch wenn ich mich wunderte, wo sie das Bild jetzt plötzlich her hatte.

                "Gerne. Ich gehe jetzt ins Wartezimmer." ließ ich sie wissen. Als ich mich gerade gesetzt hatte meldete sich mein Handy, das ich vergessen hatte aus zu machen. Emilia hatte geschrieben. Ich verdrehte die Augen. Sie konnte ich jetzt garantiert nicht gebrauchen. Einmal hatte mir gereicht und nochmal erleben wollte ich das nicht. Dafür schrieb ich Kate eine kurze Nachricht.

                [Ich habe es gesehen.] Ich tippte auf den Sendenpfeil und schaltete das Handy aus. Wieder sahen mich ein paar Frauen an. Neuankömmlinge, die sich angemeldet hatten als ich gerade beim Ultraschall oder zur Blutabnahme war.

                "Miss O'Keefe, bitte in Zimmer zwei." Ich erhob mich und ging zügig in das Zimmer, wo ich schon erwartete wurde. Wieder bot er mir einen Platz an. Die Unterlagen konnte ich vor ihm liegen sehen.

                "Die Tests sind positiv." sagte er knapp, seinen Blick auf die Unterlagen gerichtet. Ich nickte und erhob mich.

                "Danke" blieb ich höflich. Er sah mit erhobener Braue zu mir hoch und erhob sich dann von seinem Stuhl.

                "Miss O'Keefe, soll ich Sie nicht zuerst über ihre Möglichkeiten aufklären?" Ich sah ihn lange mit erhobener Braue an. Dann schüttelte ich den Kopf.

                "Eine Abtreibung kommt nicht in Frage auch wenn es aufgrund meines Alters besser wäre. Ich treibe Sport, ernähre mich gesund. Das Einzige, das ich habe, sind die Stents und vor drei Jahren hab' ich direkt aufgehört zu rauchen. Sollte das alles etwas ausmachen, wird man dafür eine Lösung finden." Die Gesichtszüge entglitten ihm nicht aber dennoch sah er mich besorgt an.

                "Na schön." Er machte noch ein Heft fertig, das er mir gab: Den Mutterpass. "Ich möchte Sie alle zwei Wochen sehen und Ihren Zustand begutachten." Jetzt lächelte er und legte mir seine Hände auf die Oberarme. "Ich gratuliere Ihnen." Wieder sah ich ihn eine Weile an ehe ich nickte.

                "Danke" Dann wandte ich mich zum gehen. "Bis in zwei Wochen." sagte ich noch und ging dann an den Empfang um meine Termine für die nächsten zehn Monate zu vereinbaren.

                Steve sah mich neugierig an, als ich auf den Wagen zu ging und die Termine in mein Handy eintrug. Als ich mit dem Eintragen fertig war sah ich ihn an.

                "Ich bin schwanger." nickte ich und stieg dann in den Wagen ein. Steve schloss lächelnd die Tür und ging um den Wagen herum und stieg auf der Fahrerseite ein.

                "Herzlichen Glückwunsch." sagte er und startete den Wagen.

                "Danke" sagte ich und nahm mein Handy wieder an mich um die Nachricht von Emilia zu lesen.

                [Hi Süße. Zuerst möchte ich mich bei dir entschuldigen. Es war nicht richtig wie ich reagiert habe. Es tut mir sehr leid. Egal, was ist, ich bin bei dir.] Tränen stiegen mir in die Augen. Ich versuchte sie zu unterdrücken, damit ich weiter lesen konnte. [Jason hat mir in einer freien Minute eine Nachricht geschrieben. April setzte ihm ganz schön zu. Sie will unbedingt die Kinder haben.] Ich hatte meine Hand auf mein Herz gelegt, wo die Namen der Kinder standen. Tief atmete ich durch und entschied mich ihr zu antworten.

                [Entschuldigung angenommen. Um es salopp auszudrücken, du wirst Tante. Aber ich muss hier bleiben weil ich alle zwei Wochen zum Arzt muss. Sprich, ich kann die Versteigerung nicht machen.] Hier machte ich eine Leerzeile rein. [Und das hat er mir nicht selbst sagen können? Seit zwei Tagen meldet er sich nicht bei mir.] Ich drückte auf den Sendenpfeil und sah dann zum Fenster hinaus. Wir waren angekommen. Mom und Mary standen schon an der Tür. Ohne meinen Blick von den Beiden zu nehmen, stieg ich aus dem Wagen und ging schweren Herzens auf die Frauen zu. Keine von Beiden lächelte, war mir auch nicht wirklich danach, auch wenn eine werdende Mutter strahlen sollte.

                "Wie geht es dir?" fragte mich meine Mutter als ich sie erreicht hatte.

                "Keine Ahnung. Erleichtert, weil ich Gewissheit habe. Angst, weil ich bald fünfzig werde." Ich schnaufte aus und sah kurz zum Himmel während Kate mich ins Haus schob.

                "Wir schaffen das." versuchte Mary mich aufzumuntern, die hinter mir mit Steve uns folgte. Kurz sah ich über meine Schulter und sah Mary mit erhobener Braue an.

                "Ich hab' Hunger. Könnten wir nicht einfach etwas essen?" Ich ließ mich auf die Couch fallen und stellte meinen Rucksack auf den Boden. Aber ich blieb nicht dort sitzen sondern ging ans Fenster um hinaus zu sehen, über die Situation nach zu denken, die ich gerne für mich behalten hätte. Derweil machte Kate etwas zu essen, dessen Duft langsam das Haus erfüllte. Ich musste an den Tag denken als ich den Fernseher eingeschaltet und diese Serie gesehen hatte. Oder an den Tag als er mich mit langen Haaren und seinem Bart das erste Mal aus den Schuhen gehauen hatte. "Ich hätte diesen beschissenen Fernseher einfach wieder ausschalten sollen." murmelte ich gegen die Scheibe, die leicht anlief. Mein Handy meldete sich, das ich immer noch in der Hand hatte. Emilia hatte zurück geschrieben.

                [Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Einerseits freue ich mich, andererseits habe ich Angst um dich. Aber da du dich entschieden hast, gehe ich morgen einkaufen. Das Kind braucht doch Klamotten ;-) Ich weiß nicht, warum Jason dir nicht Bescheid gesagt hat. Es ist auf jeden Fall sehr ernst. April versucht es nun wie Jane und sie verstrickt die Geschichte ziemlich gut. Du brauchst ganz dringend einen Anwalt, Süße. Ach und eh ich es vergesse. Denk dran, du wolltest das Kind Emilia nennen. :-D] Erneut sah ich aus dem Fenster hinter dem die Sonne schien. Und dann fing ich an zu rennen. Ich schaffte es gerade noch ins Bad als sich mein Frühstück in der Toilette verteilte. Ich würgte ein paar Mal ehe ich erschöpft neben der Toilette sitzen blieb und mir den Schweiß von der Stirn wischte.

                "Durchschnittlich drei Monate wirst du morgens ins Bad rennen." erklärte Mary, die gerade herein kam und mir einen feuchten Waschlappen gab, mit dem ich mein Gesicht kühlen konnte. "Steve macht die Badtür schon gar nicht mehr zu." Tief durchatmend sah ich zu ihr hoch.

                "Etwas, worauf man sich freuen kann." Meine Brauen verschwanden in meinen Haaren als mir klar wurde, dass ich Emmet aus Twilight zitiert hatte. "Ich kuck zu viele Filme." Mary sah mich fragend an. "Das ist aus der Twilight-Sage." Aber weiter ging ich nicht drauf ein, denn was ich gerade an Mineralien von mir gegeben hatte musste ich wieder aufnehmen.

                "Hast du es Jason schon gesagt?" wollte Mary wissen als sie mir aufhalf, um wieder ins Wohnzimmer zu gehen. Ich schüttelte den Kopf.

                "Nein. Ich weiß nicht, ob ich es ihm sagen soll. Was, wenn der schlimmste Fall eintritt? Ich will ihn nicht enttäuschen." Und das war nur eine meiner Befürchtungen.

                "Er ist der Vater. Du kannst ihm das nicht vorenthalten." Mary führte mich langsam rüber ins Wohnzimmer und nahm mir den Mantel ab, den ich immer noch trug. Ich setzte mich wieder auf die Couch und sah zu Kate hoch, die gerade herein kam um sich nach mir zu erkundigen.

                "Alles in Ordnung?" wollte sie wissen und streichelte zärtlich über meine Wange.

                "Morgenübelkeit" lächelte ich zu ihr hoch und nahm dann ihre Hand, die ich küsste. Dann meldete sich Mary erneut.

                "Schreib ihm wenigstens eine Nachricht, wenn du schon nicht mit ihm reden willst." Ich konnte sehen, dass sie sich fragte warum ich nicht mit ihm sprechen wollte. "Warum eigentlich nicht? Habt ihr euch gestritten?" Ich schüttelte den Kopf.

                "Nein. Ich könnte ihm eh nicht lange böse sein. Wie ich schon sagte. Ich will ihn nicht enttäuschen." Und dann beließen meine Freunde es erst mal dabei. Ich machte mich daran Emilia zurück zu schreiben.

                [Genau. Ich habe mich entschieden. Tu was du nicht lassen kannst, aber mach dich darauf gefasst, dass die Sachen nach New York müssen. Ich überlege, mich nach meiner Wohnung zu erkundigen. Da ich hier bleiben muss und Kate nicht den ganzen Tag nerven will, ist eine eigene Wohnung das Beste. Ich muss zuerst die Bilder versteigern. DANN kann ich mir einen Anwalt leisten, wenn die Bilder gutes Geld gebracht haben. Ich muss auch gegen Jane etwas unternehmen. Sie nimmt mir meine Unterstellungen sicher übel.] Ich drehte mich auf der Couch und sah zum Esstisch, auf dem Kate das Essen richtete. Deutlich konnte ich meinen Magen spüren, der nach Futter brüllte. Ich wandte mich meiner Nachricht wieder zu und schrieb weiter. [Kannst du bitte die Versteigerung übernehmen? Ich hab zu diesem Zeitpunkt einen Termin und werde nicht rüber fliegen können. Egal, was die Bilder bringen, entweder bekommst du dein Geld. Möglich, dass das mit Jon Schnee einfach nur Zufall war. Nun ja, in diesen Streit kann ich mich nicht einmischen. Ich kann höchstens Carver bitten für Jason auszusagen, was meine Person angeht. Genau das sind die Momente, wo ich am liebsten in meiner Welt bin. Da gibt es keinen Streit, keinen Stress. Ich hasse sowas.] Abwesend strich ich mir über meinen Bauch. Dann drückte ich auf den Sendenpfeil und erhob mich, um mich an den Tisch zu setzten. Steve und Mary hatte Kate eingeladen zum Essen zu bleiben.

 

13. September 2019

                Heute war der Tag an dem die Versteigerung bei Sotherby's stattfand. Und mein Geburtstag. Ich ärgerte mich zu Tode, dass ich die Versteigerung nicht selbst machen konnte. Zu gerne hätte ich mir die Location angesehen. Nichtsdestotrotz würde ich die Versteigerung sehen könne. Sotherby's hatte einen Livestream angekündigt. Nun saß ich am Esstisch, umgeben von Kate und Mary, und sah auf den Bildschirm meines Notebooks, das ich mir gekauft hatte. Nervös sah ich auf die Uhr. Noch fünf Minuten.

                "Ganz ruhig." versuchte Mom mich runter zu holen, denn ich war sehr aufgeregt.

                "Das ist nicht so einfach. Was, wenn niemand die Bilder will?" Blinzelnd sah ich sie an.

                "Warte es einfach ab, Schatz." Und dann meldete sich der Livestream, den ich sofort lauter machte. Eine Dame stand vor einem Publikum und begrüßte die Anwesenden. Erklärte, dass heute die Versteigerung meiner Bilder war, ich aber aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein konnte. Sie entschuldigte sich für meine Abwesenheit. Dann schwenkte die Kamera auf das Publikum.

                "Ach du scheiße." flüsterte ich als ich den Raum sah, der fast schon vor Interessenten überquoll. Mary, neben mir, begann zu feiern und tippte in ihr Handy. Kate hingegen strahlte mich an und drückte mich in einer Umarmung an sich. Dann kam Applaus auf und Emilia wurde angekündigt. Sie trug dieses umwerfende Chainmail-Kleid. Hautfarben, das ihr so unheimlich gut stand. Dazu hatte sie ihre Haare hoch gesteckt. "Sie sieht umwerfend aus." Entzückt lächelte ich und strich mit dem Finger über den Monitor. Es mutete an als wolle ich sie streicheln.

                "Zuerst möchte ich meine beste Freundin grüßen, von der die Bilder sind. Ich bin mir sicher, dass sie sich die Versteigerung ansehen wird." Das Publikum begann zu klatschen und ich klatschte mit während sich Tränen aus meinen Augen lösten. Und dann ging es los. Die Bilder waren gerahmt worden und standen jetzt auf Staffeln in Gruppen oder einzeln. Je nachdem wie es passte. Das Haus Stark hatte seinen Platz bekommen, ebenso die Lennisters, sowie die Drachen und die Wölfe, die ich alle beschriftet hatte, damit man wusste wie die Tiere hießen. Auch die Bilder der Stars hatte ich mit Namen versehen. Die Bilder waren wirklich sehr schön drapiert worden. Emilia ging nun zu den Bildern um mit der Versteigerung zu beginnen. "Wie sie sehen können sind die Bilder der Serie Game of Thrones entnommen. Den Bildern liegen Zertifikate bei, die den Verkauf legitimieren." Langsam ging sie an den Einzelbildern entlang und blieb dann bei Grauer Wurm stehen. Sie stellte sich neben das Bild und hielt ihre Hände hoch um auf das Bild zu zeigen. "Jacob Anderson verkörpert Grauer Wurm. Der Kommandant der Unbefleckten. Ich bin..."

                "5.000" rief jemand von weiter hinten weshalb Emilia in ihrer Erklärung inne hielt.

                "5.000 Dollar sind geboten. Wer bietet 6?" Sie sah sich eine Weile um ehe wirklich eine Hand in die Höhe ging. "6.000 von dem Herr in dem weißen Jackett." Sie schenkte dem Kerl ein Lächeln ehe sie sich dem Erstbieter zuwandte. "7?" fragte sie nach.

                "10.000" Während sich die Herren und Damen sogar um die Nebenrollen rissen wurde mir das Herz schwach. Nach und nach wurden die Bilder zwischen 10 und 15.000 Dollar verkauft. Und das waren fast nur Nebenrollen. Es gab nur noch ein einzelnes Bild, aber das hob sich Emilia wohl auf. Jetzt ging es an die Mehrfachbilder, die ich gemalt hatte.

                "Zwei hübsche Bilder von Carice Van Houten oder Melisandre, wenn sie so wollen." Umwerfend lächelte sie ins Publikum. Eine Dame, die nicht weniger rotes Haar hatte, als die rote Hexe bot direkt 12.000 Dollar und bekam den Zuschlag. So wie ich mich gerade fühlte war es gut, dass Emilia die Versteigerung abhielt. Mit diesen Summen konnte ich so gar nicht umgehen. Ich sah Kate an, deren Augen sich mit Tränen gefüllt hatten, weil sie sich wohl freute. Ich legte meinen Arm um sie und drückte sie lächelnd an mich.

                "Genau das wollten wir doch. Meine Schulden begleichen." Ich zwinkerte ihr zu ehe ich zu Mary rüber sah, die die Summen mit aufschrieb, die auf dem Stream bestätigt wurden. Samwell Tarly war mittlerweile für 16.000 verkauft worden. Cersei und Margaery wurden von zwei Herren gekauft. Ich hatte nie verstanden, was man an Cersei toll finden konnte. Nun ja, Cersei hatte 15.000 gebracht und Margaery 12.000. Die Herren waren sehr mit ihrer Beute zufrieden. Tormund, Varys und Jamie brachten, je Bündel, 16.000 Dollar und mir schwante schon, dass ich langsam auf die halbe Million zu ging. Nervös rieb ich mir über den Nacken während Mary nach Luft schnappte, sich aber gleich wieder fing. Ser Jorah von der Bäreninsel war wohl nicht so beliebt und brachte nur 20.000 Dollar. Schlimm fand ich das jetzt nicht, da ich niemals gedacht hätte, dass die Bilder für so viel Geld verkauft würden. Kat und Ned würden sicher gutes Geld bringen. Jeder hatte die Beiden ins Herz geschlossen.

                "Catelyn Stark, kurz Kat oder Michelle Fairley. Wunderschöne Bilder, die ihre Sammlung sicher aufwerten werden." Und schon gingen die Gebote los. Ich hatte mir ein Blatt von Mary geschnappt und wedelte mir jetzt Luft zu. Da ging es um Summen, die ich mir nicht vorstellen konnte.

                "10.000"

                "15.000"

                "30!" Das Gebot schnellte hoch und blieb bei 45.000 Dollar stehen. Dann folgten die restlichen Starks, von denen ich mehrere Bilder gezeichnet hatte. Insgesamt hatten Kat, Ned, Arya und Sansa mir 219.000 Dollar eingebracht. Soviel konnte ich noch im Kopf mit rechnen. Die Drachen wurden ebenfalls als Bündel angeboten und brachten satte 75.000 Dollar. Nicht weniger kosteten die Schattenwölfe, die Emilia ebenso herrlich in den Vordergrund rückte. 110.000 Dollar winkten mir für die schönen Geschöpfe. Tyrion bekam bei 116.000 Dollar den Zuschlag. Eine stolze Summe für den Zwerg. Jon Schnee hatte sich etwas in die Länge gezogen, denn einige Interessenten hatten ihre Töchter mit gebracht, die unbedingt die Bilder haben wollten. Letztendlich ging das Bündel für 133.000 Dollar über den Tisch. Nun waren noch meine Lieblinge übrig. Emilia und Jason, der sich immer noch nicht gemeldet hatte. Insgesamt 88 Bilder, die ich alle liebte.

                "Daenerys Targaryen oder Emilia Clarke." strahlend zwinkerte sie ins Publikum, das einen donnernden Applaus für meine Freundin übrig hatten. "Danke" Sie verbeugte sich und strich über die Bilder, die wie Karten auf einander lagen. Ich wusste, dass man die Bilder in einer Broschüre ansehen konnte und somit war es nicht nötig, die Bilder hier einzeln auf zu stellen. Dann hörte ich nur noch ein Stimmengewirr aus dem man kein Gebot hören konnte auch wenn da nur Zahlen fielen. Letztendlich ging das Bündel für 250.000 Dollar weg. Ich japste nach Luft.

                "Ich bin Millionärin." murmelte ich mit großen Augen während ich von beiden Seiten fest gehalten wurde. Kate eilte in die Küche um mir etwas zu trinken zu holen. Hastig leerte ich das Glas, denn jetzt würden meine liebsten Bilder unter den Hammer kommen.

                "Und last but not least ein Leckerbissen für die Frauen. Miss O'Keefes Sammlung von 56 Bildern des berühmten Khal Drogo oder Jason Momoa." Wieder ging sie an den Bildern entlang und ließ ihre Finger über die gerahmten Bilder wandern. "Unter anderem finden sie auch noch Bilder von der realen Person. Eine wunderschöne Sammlung die einem echten Game of Thrones Fan nicht fehlen sollte." Ich hatte mich ein bisschen unter Kontrolle gebracht und war nun gespannt, was diese Bilder einbringen würden. Doch niemand gab auf nur einen Dollar als Gebot ab. Stirnrunzelnd sah ich von Kate zu Mary und wieder zurück.

                "500.000 Dollar" Ich konnte es nicht fassen. Nicht nur Millionärin sondern auch noch angesagte Malerin. Ich legte meine Hände auf meinen Bauch und streichelte ihn zärtlich. Meinem Kind würde es an nichts fehlen.

                "600.000" Eine Dame hatte sich eingeschaltet, die den schönen Mann auch anhimmeln wollte.

                "750.000" Mir sträubten sich die Haare im Nacken. Die Banken würden sich darum reißen mein Geld anlegen zu dürfen. Emilia sah zu der zweiten Dame, die den Kopf schüttelte. Emilia schwang den Hammer und ließ ihn auf den Klotz sausen.

                "Verkauft" Das Publikum fing an zu klatschen während jemand, der mir doch unheimlich bekannt vor kam, auf Emilia zu ging. Das Mädchen hatte einen großen Rahmen in der Hand, den sie Emilia überreichte. "Danke, Mäuschen" konnte man Emilia leise hören ehe sie Lola an der Hand nahm und mit dem Bild zu einer Staffel ging, auf die sie das Bild stellte. Die Kamera fuhr auf das Bild drauf auf dem Jason zu sehen war. Seine Hand hatte er vor seinem Gesicht, so dass man nur noch seine Augen sehen konnte. Und zwischen seinen Finger glitzerte ein Ring. Es war gezeichnet wie meine Bilder, die ich gerade erfolgreich versteigert hatte. Und dann fing eine Stimme an zu reden, die mir eine Gänsehaut verpasste.

                "Seit fast zwei Jahren kennen wir uns jetzt schon und für mich stand schon am ersten Tag fest: Diese Frau werde ich heiraten und sonst keine." Ich sah gebannt auf den Monitor, der dieses schöne Bild von Jason zeigte. "Lang hast du mich zappeln lassen. Hast mich immer wieder abgewiesen und ich habe es hin genommen, da ich dich zu nichts zwingen wollte. Und dann hast du 'Ich liebe dich' zu mir gesagt und da stand für mich fest, dass sich das Warten gelohnt hatte." Ich erinnerte mich an den Tag als ich ihm mit diesen drei Worten etwas erklärt hatte. Tränen standen in meinen Augen, die ich nun vorsichtig abtupfte. "Du hast meine Welt auf den Kopf gestellt, meine Kinder im Sturm erobert und deshalb möchte ich dich fragen:" Das Bild schwenkte um auf einen knienden Jason mit eben diesem Ring in der Hand. "Möchtest du meine Frau werden?" Hastig nahm ich mein Handy an mich und wählte Emilias Nummer. Ich hielt es nicht ans Ohr, während ich den Bildschirm weiter beobachtete. Als sich Emilia meldete brüllte ich ein paar Mal:

                "JA! JA! JAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!" Ich konnte mich über den Stream hören. Jason begann zu lächeln.

                "Sobald ich kann, komme ich persönlich bei dir vorbei und schiebe dir diesen Ring auf deinen Finger." Wieder fing ich an zu schreien.

                "ICH LIEBE DICH!" Endlich war ich die Verlobte von Jason Momoa. Das Publikum begann zu klatschen und rief uns seine besten Wünsche aus. Hemmungslos fing ich an zu weinen, mit dem breitesten Lächeln auf den Lippen, das man je gesehen hatte. Kate wischte mir die Tränen weg während Mary mir gratulierte und mir die Summe zeigte, die ich, abzüglich der vereinbarten Kosten, bekommen würde. Wir hatten uns auf fünf Prozent geeinigt, da ich keine Ahnung hatte, was die Bilder mindestens bringen sollten. Ich hatte lediglich den Vorschlag gemacht jedes Bild mit 5.000 Dollar anzubieten. Und es hatte sich gelohnt. Ich war gerade zur Millionärin geworden und hatte endlich meinen Antrag bekommen. Ich hielt das Handy noch eine Weile in der Hand während ich den Monitor beobachtete. Ich konnte sehen, wie sich Emilia mit Jason unterhielt. Vermutlich informierte er sie gerade über den Stand der Dinge. "CARVER" brüllte ich ins Telefon. "Carver" rief ich nochmal. So lange, bis Emilia endlich reagierte. "Er soll mit Carver reden. Allan wird sicher etwas machen können." Ich konnte noch sehen, wie Emilia Jason meine Nachricht übermittelte und dann wurde der Stream abgeschaltet. Sofort hielt ich mein Handy ans Ohr.

                "Erst mal herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Süße. Er macht sich jetzt auf den Weg nach Hause und wird sich dann mit Carver in Verbindung setzte. Und er lässt fragen, wann du nach Hause kommst." Zischend legte ich das Handy auf den Tisch und starrte es eine Weile an. "Liebes?" Ich überlegte lange, ob ich auf ihre Frage reagieren sollte. Hilfesuchend sah ich Kate an, die nickte.

                "Egal wie. Sag es ihm." Sie küsste meine Wange und ließ mich dann allein. Mary nahm sie mit sich in die Küche. Seufzend nahm ich das Handy an mein Ohr und schloss die Augen.

                "Süße, gibst du ihn mir eben?"

                "Na klar doch." Ich konnte Emilias Lächeln hören. Und dann hörte ich seine Atmung.

                "Schatz?"

                "Ja? Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag." Ich schmunzelte und sah kurz zu Boden.

                "Danke. Ich kann noch nicht heim kommen. Warum wirst du in den nächsten Tagen erfahren." Ich lehnte mich bequem zurück und wartete darauf, dass er sich dazu äußern würde.

                "Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes." raunte er mir ins Ohr, was mich wieder frösteln ließ. Ich rieb mir über die Arme während ich ihn beruhigte.

                "Nein. Nichts Schlimmes. Vertrau mir." Dabei lächelte ich, was er hoffentlich hören konnte.

                "Okay. Ich lass mich überraschen, Misses Momoa in Spe." Es war unglaublich wie sehr ich mich gerade nach ihm sehnte. Nach dem Mann schlechthin, den ICH bekommen hatte.

                "Ich liebe Dich. Gib den Kindern ein Küsschen von mir."

                "Mach' ich. Pass auf dich auf."

                "Du auch auf dich und die Kinder." Leise lachte ich.

                "Bis, wann immer du kannst." Dann beendete ich das Gespräch und fing erst mal an lauthals zu schreien. "Das ist der beste Geburtstag in meinem Leben." Kate kam mit einem Kuchen herein, den sie gebacken hatte. Mary kam ihr hinterher und hatte ein paar Päckchen in der Hand. Sie blieben vor mir stehen und sangen 'Happy Birthday' für mich. Strahlend schniefte ich zu den Beiden hoch ehe sie mich drückten und sich dann zu mir an den Tisch setzten.

                "Na los. Wünsch' dir was." Gespannt sahen mich die Beiden an während ich überlegte, was ich mir wünschen könnte. Gesundheit für mich und das Baby. Ich holte tief Luft und pustete die Kerzen aus. Mary und Kate klatschten aufgeregt und widmeten sich dann den Päckchen, die wohl für mich waren.

                "Alles Gute zum Geburtstag." wünschte mir Mom und gab mir dabei ein kleines Päckchen, das ich öffnete. Zum Vorschein kam ein Schmuckkästchen. Es enthielt eine Kette mit einem Medaillon daran. Es wirkte alt und war aus Silber. Es schien mir frisch gesäubert. "Mach' es auf." sagte Kate strahlend und wies auf den Verschluss an der Seite des Medaillons. Als ich den Kniff raus hatte fand ich ein Bild von Kate. Blinzelnd sah ich sie an und spürte Tränen über meine Wangen laufen. "Ich wollte es irgendwann meiner Tochter vererben." Sie zuckte lächelnd die Schultern. "Aber ich dachte, warum warten?" Sie küsste mich und drückte mich an sich.

                "Danke" Heftig schniefte ich an ihr Kleid ehe ich mir ein Taschentuch nahm, um mir meine Nase zu putzen. Dann streifte ich die Kette über meinen Kopf und besah den Anhänger nochmal, den ich jetzt schloss. Dann schob Mary mir ein Päckchen zu.

                "Von mir und Steve. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag." Ich wusste, dass Steve einen Auftrag für die ganze Woche hatte und deshalb nicht da sein konnte. Ich nahm es ihm nicht übel. Mit dem Auto versorgte er seine Familie.

                "Danke" sagte ich und küsste ihre Wange ehe ich das Päckchen öffnete und wieder ein Schmuckkästchen fand. Darin waren Plugs aus Sterlingsilber, die kunstvoll mit J, L und W graviert waren. Wieder schniefte ich und wechselte die Plugs direkt aus. Kate gab mir das nächste Päckchen das ähnlich groß war wie die Kästchen vorher. Doch in diesem Schmuckkästchen fand ich etwas, womit ich niemals gerechnet hätte. Der Schlüssel zu Emilias Haus. Eine kleine Karte verriet mir das. 'Meine Schwester sollte ins Haus können, wenn sie mich besuchen mag. Ich liebe dich, Schwesterchen.' Mehr Vertrauen ging nicht.

                "Und das Letzte ist von Jason." sagte Mom und gab mir auch das. Es war größer als die anderen und auch etwas schwerer. Ich öffnete es und hob eine Braue. Ich kannte dieses Paket. Hastig öffnete ich es weiter und entließ das zweite Päckchen in die Freiheit und auch das Dritte würde endlich seinen Weg in die Tonne finden. Doch der schwarze Samtbeutel würde in meinem Safe landen. Strahlend zog ich den Gürtel heraus und legte ihn um meine Hüfte, verschloss den Gürtel wie man es mir gezeigt hatte und ließ mich nun begutachten.

                "Das ist der Gürtel, von dem ich schon erzählt habe." Ich sah nach unten und streichelte über das kalte Silber. "Vor ein einhalb Jahren hatte ich den schon in der Hand." Als bei den Frauen der Cent fiel nickten sie verstehend.

                "Er ist wirklich sehr schön." meinte Kate während Mary ihre Finger darüber gleiten ließ.

                "Und das ist eine Replique von Khal Drogos Gürtel." Es war keine Frage. Ich nickte.

                "Das hat er also gemacht als er länger brauchte, um mich einzuholen." Herzlich fing ich an zu lachen und nahm dann mein Handy an mich um mich bei Emilia und Jason zu bedanken.

                "Die Kinder haben Dir Bilder gemalt." ließ mich meine Mutter wissen und zeigte auf zwei Bilder, die vier Personen zeigte.

                "Die sind wirklich schön geworden. Lass ich mir rahmen." Und schon wurden Nachrichten an die Kinder verschickt. Aber weder von Emilia noch von Jason oder den Kindern kam eine Nachricht zurück. Vielleicht waren sie gerade unterwegs also machte ich mir nichts draus. Nochmal besah ich mir die Geschenke, die ich von meinen Freunden bekommen hatte. Und natürlich das von Mom. Das Medaillon war wirklich umwerfend. Ich brachte meine Geschenke gerade in mein Zimmer als ich zufällig durch die Haustür sah. Meine Braue kroch hoch, denn Jane lungerte draußen rum. Aber noch war das nicht verboten. Eilig ging ich zurück ins Wohnzimmer und nahm mein Handy an mich. Ich wählte Allans Nummer und wartete darauf, dass er abnahm.

                "Hallo Beth." begrüßte er mich.

                "Hi Allan. Ich wollte fragen, ob Sie einen wirklich guten Anwalt kennen." Ich konnte hören, wie das Handy weg gelegt wurde und dann etwas auf einer Oberfläche landete. Dann wurde das Handy wieder genommen.

                "Sorry. Ich hab' die Namen leider nicht im Kopf. Einen guten Anwalt. Wegen Jane?" hakte er nach.

                "Ja. Sie lungert gerade vor dem Haus einer guten Freundin rum, bei der ich zurzeit bin." Ich ging wieder in das Nichts von Flur und sah durch die Haustür. "Ja, sie ist noch da." Allan schien wohl zu blättern. "Hat Mister Momoa Sie eigentlich angerufen?" wollte ich wissen auch wenn ich das nicht glaubte.

                "Nein. Noch nicht. Geht es um seine Ex?" Ich hörte ihn immer noch blättern.

                "Ja, genau." Dann stoppte das Geräusch.

                "So, ich hab' einen passenden Anwalt gefunden. Wird aber nicht billig." wies er mich auf die Kosten hin.

                "Das ist schon okay. Schicken Sie mir die Daten doch bitte per WhatsApp. Ich muss schnell etwas in die Wege leiten." Als wir das Gespräch beendet hatten bekam ich direkt die Daten auf mein Handy. Ich speicherte mir alles ab und rief in der Kanzlei direkt an. Noch bevor ich den teuren Anwalt an der Strippe hatte, sah ich wieder hinaus in den Vorgarten, den Jane schon ganz schön belastet hatte.

                "Milton" meldete er sich, was mich eine Braue heben ließ.

                "Hi. Mein Name ist Beth O'Keefe. Mister Carver hat Sie mir empfohlen." Erst war nichts zu hören und dann gedämpfte Stimmen.

                "Entschuldigen Sie, Miss O'Keefe. Was kann ich für Sie tun?" Ich wusste warum ich Anwälte nicht mochte.

                "Es geht um Miss Jane Fullerton. Ich brauche eine einstweilige Verfügung, eine Anzeige oder sonst etwas gegen Sie." Ich konnte ihn blättern hören.

                "Und um was genau geht es?" wollte er wissen.

                "Sie hat Allan Carver mit erfundenen Informationen über mich gefüttert. Haltlose Beschuldigungen, die ich aufklären konnte, aber ich denke, damit ist das noch nicht vorbei." Jetzt war ich es, die suchte. Den Brief von Carver hatte ich mir aufgehoben. "Okay, ich hab' den Brief hier." Dann las ich ihm vor, was Jane über mich zu erzählen hatte. Dass ich hinterhältig wäre, nur auf Geld aus und es schon bei vielen Stars versucht hätte. Dass ich immer im Mittelpunkt stehen wollte und solche Sachen. "Und gerade steht sie im Vorgarten einer sehr guten Freundin und versucht ins Haus zu sehen. Ich weiß, dass das eigentlich nichts Schlimmes ist, aber meine Freundin ist schon älter und ich will sie nicht in diese Sache mit rein ziehen." Kate war wohl schon eine Weile in meinem Zimmer, denn sie trat jetzt neben mich und legte ihre Hand auf meine Schulter.

                "Ich verstehe. Heben Sie den Brief auf. Den brauchen wir noch." Wieder wurde es still. "Ich hätte nächste Woche Montag um 15 Uhr einen Termin für Sie." Ich besah mir, was ich in meinem Handy an Terminen hatte und nickte dann.

                "Das passt." sagte ich freundlich und notierte mir den Termin in meinem Handy.

                "Dann bis Montag und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag." Meine Braue sprang hoch.

                "Danke. Bis Montag." Ich beendete das Gespräch und sah mein Handy eine Weile verwirrt an. "Anwälte. Die verpassen mir immer eine Gänsehaut." Mom begann zu lachen.

                "Was war denn?" Sie ließ meine Schulter los und sah mich neugierig an.

                "Dieser Milton hat mir zum Geburtstag gratuliert." Ratlos zuckte ich die Schultern ehe ich wieder aus dem Fenster sah, hinter dem Jane endlich abzog.

                "Schatz, du bist nicht mehr die anonyme YouTuberin von einst. Und wenn ihr erst verheiratet seid reißen sich die Reporter um dich. Du heiratest keinen Dachdecker." Ich hob eine Braue und begann zu lachen.

                "Doch, eigentlich schon." Und dann erzählte ich ihr, dass Jason das Gästehaus mit den Kindern zusammen gebaut hatte. Kate brummte mich gespielt an.

                "Du weißt, was ich meine." Ich umarmte sie und gab ihr ein Küsschen auf die Wange. Und dann wurde ich ernst.

                "Ich möchte, dass du mit nach Venice kommst." Meine angenommene Mutter sah mich nachdenklich an.

                "Schatz, ich lebe schon so lange hier." Sie sah sich um als könne sie das ganze Haus durch mein Zimmer sehen.

                "Ich weiß, aber du bist hier ganz allein." Als wenn es der Kater gemerkt hätte kam er ins Zimmer und schlich Kate um die Beine. "Foster" schmunzelte ich und streichelte den Kater eine Weile. "Bitte. Du kannst im Gästehaus wohnen bis wir ein Häuschen für dich gefunden haben." Ich spürte Tränen aufsteigen. Ich war aber auch ein Sensibelchen. "Und du hättest die Kinder um dich. Alle drei." Hoffnungsvoll sah ich sie an. Lange streichelte sie mein Gesicht ehe sie seufzte.

                "Na schön. Wäre schade, wenn ich mein Enkelkind nicht aufwachsen sehen könnte." Ihre Mundwinkel hoben sich zu dem schönsten Lächeln, das man sich vorstellen konnte.

                "Ja!" quietschte ich begeistert aus, riss die Arme in einer Siegerpose hoch und tanzte um Mom herum. Dann umarmte ich sie herzlich und begann erneut zu tanzen.

                "Es wird dir in Venice gefallen." strahlte ich sie an, als ich mich von ihr gelöst hatte.

                "Bestimmt." Kate küsste meine Wange und ließ mich dann alleine, da sie Tee richten wollte, denn der beruhigte mich immer. Außerdem musste ich noch nach etwas suchen, wie ich Jason sagen konnte, dass er Vater wird. Und meinen Traumwagen wollte ich mir auch noch kaufen. Jetzt konnte ich mir das leisten. "Ach, da fällt mir noch etwas ein." Kate kam wieder rüber. "Du brauchst unbedingt eine Creme für deine Narben. Damit die nicht reißen." Fragend hob ich eine Braue. "Deine OP ist jetzt fast ein einhalb Jahre her, aber trotzdem musst du aufpassen." Sie dachte eine Weile nach ehe sie lächelnd nickte. "Ich bringe dir etwas Anständiges aus der Apotheke mit." versprach sie mir und küsste meine Stirn. Dann verschwand sie wieder und ließ mich erneut allein. Ich sah auf meinen noch nicht vorhandenen Bauch und hob eine Braue.

                "Oh Mann. Ich hab' abgenommen weil ich mich unwohl gefühlt habe und jetzt nehm ich wieder zu. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH" Ich ließ mich rückwärts auf das Bett fallen und brummte vor mich hin.

                "Schatz. Alles in Ordnung?"

                "Ja. Alles gut." rief ich rüber und erhob mich wieder, um an mein Notebook zu gehen. Kate hatte es sich am Tisch gemütlich gemacht und trank schon von ihrem Tee, als ich mich neben sie setzte."Was hältst du von Babyschühchen?" Fragend sah ich Mom an, die an ihrer Tasse nippte.

                "Eine süße Idee." Dann sah sie mir zu, wie ich im Internet nach neutralen Babyschuhen suchte, die ich Jason schicken konnte. Es dauerte sicher zehn Minuten bis ich etwas gefunden hatte, das mir zusagte.

                "Die werden es." strahlte ich die weißen Schühchen an und zeigte mit dem Finger darauf damit Kate wusste, welche Schuhe ich meinte.

                "Gott. Die sind ja süß." Lächelnd legte sie den Kopf leicht schief. Was hätte ich darum gegeben zu wissen, woran sie gerade dachte. Aber ich ließ ihr ihre Gedanken und rief die Seite auf. Es dauerte nicht lange bis ich zum Kaufabschluss kam und dort eine Nachricht platzierte. Die Schühchen sollten als Geschenk verpackt werden. Außerdem sollte das Päckchen gegen gezeichnet werden, damit ich mir sicher sein konnte, dass es ankam. Ich gab auch an, dass man mir diese Kosten auf die Rechnung setzten sollte. Dann gab ich noch eine Lieferadresse an und rief meine Emails ab ehe ich meinen Traum angehen würde.

                "So. Jetzt muss ich nur noch auf den Anruf warten." Aber vor dem hatte ich unglaublichen Schiss.

 

16. September 2019

                Ich hatte schon wieder das Outfit an, das mich fast 10.000 Dollar gekostet hatte. Alle sagten, das würde mir gut stehen und zu diesem Anwalt wollte ich dann doch nicht in meinen Gothic-Klamotten gehen. Das Gebäude der Kanzlei war groß, konnte aber nicht mit z.B. dem Gebäude der Times mithalten. Was mir recht war, denn ich mochte hohe Gebäude nicht. Aber was mich in der richtigen Etage erwartete, war fast noch schlimmer als in den 32. Stock zu fahren. Wirklich jeder begrüßte mich mit meinem Namen. Als wäre ich Madonna, die jeder kennt. Wie gerne hätte ich meine Jacke über meinen Kopf gezogen nur um nicht erkannt zu werden.

                "Miss O'Keefe." begrüßte mich Mister Milton, der mich im Foyer abholte, und reichte mir seine Hand. Wie gut, dass er nicht mal im Ansatz wie Al Pacino aussah.

                "Mister Milton" erwiderte ich und nahm die mir angebotene Hand, die er sachte schüttelte.

                "Ich habe mir erlaubt schon ein paar Nachforschungen anzustellen." informierte er mich während er mir voraus in sein Büro ging. Er blieb neben der offenen Tür stehen bis ich den Raum betreten hatte und bot mir dann einen Platz an.

                "Danke" Ich drapierte mich, wie damals in Carvers Büro, Lady-like und überschlug die Beine. "Und was haben Sie heraus gefunden?" wollte ich wissen während er eine Akte holte, die er vor sich auf dem Tisch ausbreitete.

                "Banales. Informationen über Miss Fullerton. Mister Carver habe ich interviewt. Er wird für Sie aussagen, wenn es zu einer Verhandlung kommen sollte." Mir schob sich ein winziges Lächeln auf die Lippen. Meine Pechsträhne hatte sich wirklich zu achtzig Prozent gebessert. "Ich habe auch Mister Momoa und Misses Clarke gesprochen." Sein Blick schien irgendwas von mir zu erwarten. Ich hob eine Braue.

                "Und?" fragte ich vorsichtig nach.

                "Auch sie werden für Sie aussagen." Etwas anderes hatte ich auch nicht erwartet. Mittlerweile nicht mehr. Mister Milton blätterte ein paar Seiten weiter und las sich die Fakten nochmal durch. "Ich würde vorschlagen, dass wir eine Anzeige machen wegen Rufmord und übler Nachrede. Sollte das nicht reichen, wovon ich eigentlich nicht ausgehe, ziehen wir vor Gericht. Was ich über Miss Fullerton heraus gefunden habe sagt mir, dass sie alleine da steht. Während Sie mit einigen Zeugen aufwarten können." Meine Mundwinkel schoben sich langsam hoch.

                "Ich überlasse es ganz Ihnen wie Sie damit verfahren wollen. Ich möchte nur, dass sie mich und die meinen ein für alle Mal in Ruhe lässt." Auch wenn ich gerade sehr selbstbewusst auftrat hatte ich nur im Hinterkopf, wie viel mich dieser Anwalt kosten würde. Milton nickte.

                "Verlassen Sie sich auf mich. Sie wird für alles aufkommen und noch ein Schmerzensgeld bezahlen, wenn ich mit ihr fertig bin." Überzeugt lächelte er mich an. "Aber ich bräuchte noch ein paar Informationen von Ihnen." Ich nickte und beantwortete jede Frage, die er mir hinsichtlich Jane und später Jason und dem Cast von Game of Thrones, stellte. Nach schätzungsweise dreißig Minuten lehnte sich Milton zurück und nickte. Ich hatte gesehen, dass er sich unglaubliche viele Notizen gemacht hatte. "Dann wären wir für heute fertig. Wenn sich etwas ergibt melde ich mich bei Ihnen." Er erhob sich wobei er seine Akte schloss. Ich tat es ihm gleich und war verwundert wie schnell dieser Termin beendet war. Wenn ich so an die Filme dachte, war dieses Gespräch nichts. Aber gut. Wenn er erreichte, was mir vorschwebte sollte es mir recht sein.

                "Über mein Handy bin ich immer zu erreichen." Ich ging auf die Tür zu, die Milton mir öffnete und mit mir zum Fahrstuhl ging. Er drückte sogar den Knopf für mich. Waren Staranwälte immer so zuvorkommend? Die Tür öffnete sich und nahm mich mit sich. "Bis bald und danke." sagte ich und nickte meinem Anwalt zu.

                "Auf Wiedersehen." sagte er lächelnd und dann schloss sich die Tür. Tief atmete ich durch. Hatte ich mir so einen Termin viel schlimmer vorgestellt.

 

                Die Klamotten flogen im hohen Bogen auf das Bett als ich endlich zuhause war und mich schnellstens umzog.

                "Ach, Schatz. Du siehst so gut in den Sachen aus." Ich verdrehte meine Augen und schlüpfte in den Pyjama, den mir Tessa gekauft hatte.

                "Ich fühl' mich aber in Schwarz wohler." Noch während ich das Oberteil über meinen Kopf streifte ging ich rüber ins Wohnzimmer und setzte mich an den Esstisch, den Kate gedeckt hatte. Während wir aßen erzählte ich ihr was beim Anwalt geschehen war.

                "Na, das hört sich doch prima an." meinte sie und nickte dabei strahlend.

                "Ja, schon. Aber Jane wird sich auch einen guten Anwalt nehmen, der sein Fach versteht." Seufzend leerte ich meinen Teller und trank dann von meinem Wasser.

                "Das spielt keine Rolle. Du wirst sehen, alles wird gut." Sie strahlte mich, überzeugt von ihren Worten, an.

                "Wenn man ein Pessimist ist glaubt man da nicht wirklich dran." Dennoch lächelte ich und half Mom beim Abräumen. Den restlichen Abend sahen wir uns eine Wiederholung von Game of Thrones Staffel 7 an. Natürlich musste ich Kate erklären wer wer war und was es mit dem Ganzen auf sich hatte. Ich hatte einen Heidenspaß dabei und Mom hörte mir geduldig zu. Für eine Weile vergas ich meine Sorgen.

 

20. September 2019

                Eine Woche nach meinem Geburtstag hatte ich immer noch nichts von Jason gehört. Ob er nicht begeistert war von dem, was er da in den Händen hielt? Besorgt raufte ich mir die Haare ehe ich meine Emails aufrief und nach einer Sendungsverfolgung suchte. Es dauerte etwas aber letztendlich fand ich was ich brauchte und rief die Seite auf.

                "Ach, die sind noch gar nicht dort." Brummend schloss ich die Seite wieder und kümmerte mich um die Bestellung, die nicht billig werden würde. Der Audi Q2 sollte mein Wagen werden. In Brillantschwarz mit Carbonverzierungen und was man sonst noch so brauchte. S-tronic sollte es sein mit Quattro Antrieb. Auf jeden Fall Benzin. Diesel kam nicht in Frage. Ein Hybrid wäre mir noch am liebsten gewesen aber darauf musste ich bei diesem Modell verzichten. Dafür gab es andere Annehmlichkeiten, die mich zu guter Letzt etwa 69.000 Dollar kosten würden. Die Kindersitze hatte ich direkt dazu gekauft. Dann würde noch die Umrüstung für den amerikanischen Standard hinzu kommen, die Überfahrt, Zoll und was es sonst noch so gab damit ich den Wagen hier fahren durfte. Aber noch konnte ich den Kauf nicht beenden, da meinem Konto das Geld von der Auktion noch nicht gut geschrieben worden war. Also meldete ich mich auf der Seite an und speicherte die Konfiguration meines zukünftigen SUV, von dem ich, mehr oder weniger, geträumt hatte. Eigentlich schwebte mir der Q7 vor, aber als der Q2 raus kam war das mein Traumwagen geworden. Zufrieden klatschte ich in die Hände und zog meine Sportklamotten an. Noch musste ich nicht darauf achten, was ich an Sport machte also wollte ich ein paar Mal um den Block joggen. Kate hatte ihre Arbeit wieder aufgenommen und somit hatte ich das Haus für mich alleine. Jetzt war ich zuständig für Kochen und das kleine Häuschen sauber halten.

                Ich war sicher schon zehn Mal um den Block gelaufen ehe ich meinen Puls prüfte und anhand der Schläge entschied, ob ich für heute genug hatte oder nicht. Zu lange hatte ich nichts mehr gemacht und bekam nun die Quittung. Knapp 200 Puls. Für heute hatte ich genug. Als ich die paar Schritte zum Haus ging bog Kates Buick um die Ecke und parkte in der kleinen Einfahrt. Lächelnd ging ich auf den Wagen zu. Aber mir verging direkt das Lächeln als ich Moms Gesichtsausdruck sah. Mit erhobener Braue öffnete ich die Tür.

                "Du siehst nicht gerade fröhlich aus." stellte ich fest. Sie stieg aus und schlug hinter sich die Tür zu.

                "Es ist alles in Ordnung." Zischend ging sie an mir vorbei und hinein ins Haus. Eilig folgte ich ihr, denn dieses Verhalten war nicht normal.

                "Mom, was ist los?" drang ich auf sie ein.

                "Er hat mir gekündigt." Blinzelnd sah ich sie an, denn eigentlich wollte sie auf jeden Fall kündigen.

                "Und was ist daran so schlimm?" Mit zusammen gezogenen Brauen sah ich sie an. Aber Kate sagte nichts. Sie legte mir einen Brief vor, den ich mir direkt durch las. Derweil ging sie in die Küche. Sie kam mit einem Glas zurück, bei dessen Inhalt ich auf Whiskey tippte, und hob eine Braue.

                "Es ist mir egal, was Scott von mir hält. Aber dass er mir kündigt weil ich dich kenne." Sie schüttelte den Kopf und leerte das Glas in einem Zug.

                "MOM!" rief ich aus und nahm ihr das Glas ab, auch wenn es zu spät war. Ich stellte es auf den Tisch und schnappte mir mein Handy. Milton musste davon erfahren.

                "O'Keefe hier. Ich muss unbedingt Mister Milton sprechen." Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass er sich gerade in einer Besprechung befand. "Das ist mir scheißegal. Sie holen ihn sofort ans Telefon!" Erneut versuchte sie mich zu vertrösten. "Nur mal so zur Info, wenn ihr Chef keine Kunden hat, kann er Sie nicht bezahlen. Also wenn man es genau nimmt bin ich es, die Sie bezahlt. UND JETZT STELLEN SIE MICH DURCH!" Ich glaube, ich war mir bewusst, dass ihr das egal war, aber sie setzte mich in die Warteschleife und kurz darauf meldete sich Milton.

                "Miss O'Keefe. Was kann ich für Sie tun?" So hatte er sich bei unserem ersten Gespräch auch angehört.

                "Es hat sich etwas ergeben. Meine Mom." Ich hielt kurz inne. "Sie ist nicht meine leibliche Mutter." stellte ich schnell klar. "Ihr wurde heute gekündigt, weil sie mich kennt und es dem Ruf der Apotheke schaden würde, wenn dieser…" Kurz sah ich Kate an weil ich den Nachnamen nicht wusste.

                "Davenport" antwortete sie und ging zurück in die Küche. Ich folgte ihr um mich zu versichern, dass sie nicht nochmal einen Whiskey trank.

                "Scott Davenport sie weiterhin beschäftigte." Ich machte eine verhaltene Pause. "Mister Milton, ich bin schwanger und kann solchen Stress nicht gebrauchen. Sie müssen sofort etwas unternehmen." Ich zog Kate sacht an mich und legte meinen Arm um sie.

                "Ich werde sehen, was ich tun kann. Vielleicht kann ich eine einstweilige Verfügung bis morgen früh bekommen. Sarah?" Den Namen rief er. Dann konnte ich die klackernden Schuhe einer Frau hören. "Rufen Sie sofort Richter Emmerson an. Ich brauche noch heute einen Termin."

                "Ja, Sir." konnte ich etwas leiser hören und wie die Dame wieder weg ging.

                "Sie ist die Freundin, bei der Sie zurzeit wohnen, richtig?" Ich seufzte leise.

                "Ja, aber eigentlich wollte ich sie raushalten." Ich küsste das Haar meiner Mutter während ich meinem Anwalt lauschte.

                "Ich verstehe. Können Sie mir den Brief zufaxen?"

                "Leider nicht. Wir haben kein Faxgerät."

                "Ich schicke einen Boten, der den Brief abholt." ließ Milton mich wissen wozu ich nickte.

                "Bitte. Das muss aufhören." Meine Stimme klang flehend.

                "Die einstweilige Verfügung bekomme ich heute. Spätestens morgen. Ich lasse sie direkt zustellen. Den entsprechenden Brief lege ich bei. Dann sehen wir weiter." Ich hoffte inständig, dass er das schnell regeln konnte.

                "Vielen Dank, Mister Milton." Ich hatte Mühe meine Frustration zu unterdrücken.

                "Gern geschehen. Ich melde mich heute Abend bei Ihnen." Dann legte er auf und ich schlang meine Arme um Kate, die es mir gleich tat.

                "Ich wünschte, wir wären schon in Venice." Lange standen wir in der Küche und versuchten das Geschehene zu verarbeiten ehe ich Kate zur Couch brachte, damit sie sich ausruhen konnte. "Ich mache dir etwas zu essen." sagte ich lächelnd und ging zurück in die Küche. Doch zum Kochen kam ich erst mal nicht, denn Emilia rief mich an. "Hi Süße." begrüßte ich sie kraftlos und versuchte nun die Zutaten zusammen zu suchen, die ich für das Essen brauchte.

                "Gott, Liebes. Wie hörst du dich denn an?" Mir war klar, dass ich nicht mit meinen Sorgen hinterm Berg halten konnte. Ich erzählte ihr, was sich zugetragen hatte, dass ich den Anwalt vor ein paar Tagen engagiert hatte und dass er schneller tätig werden musste als geplant. "Schwesterchen, das tut mir sehr leid." Ich konnte ihr seufzen deutlich hören.

                "Ist schon gut. Ich versuche ruhig zu bleiben. Aber warum rufst du an?" erinnerte ich sie daran, dass sie mich angerufen hatte.

                "Oh ja." Wieder war dieses Kichern zu hören, dass ich so liebte. "Also. Carver hat sich gemeldet und seine Aussage gemacht. Es sieht super aus. Ich hab' auch schon ausgesagt. Jetzt fehlst nur noch du." Ich hob eine Braue.

                "Wieso fehle ich noch? Es geht doch um mich oder nicht?"

                "Ja, schon aber Jasons Anwalt will trotzdem hören was du zu sagen hast." Ich knurrte und drosch mit dem Messer auf die Zwiebel ein, die ich geschält hatte.

                "In Ordnung. Aber begeistert bin ich nicht." Wieder Stress, den ich nicht brauchen konnte.

                "Alles in allem sieht es gut aus April zu widerlegen. Carver hat nicht nur deine Geschichte erzählt sondern auch, was Jane mit ihm gemacht hat. Aber deswegen hab' ich eigentlich nicht angerufen." Ich hielt inne und besah mir, was ich mit der Zwiebel angestellt hatte.

                "Und warum dann? Aber bitte nichts mehr Stressiges. Den hatte ich heute zu Genüge."

                "Nein. Ich hab' mir erlaubt mich nach einem guten Arzt umzusehen. Wir wollen dich zuhause haben." Ich packte die Zwiebeln gerade in eine Pfanne als sie mir das gestand.

                "Aha." Ich gab etwas Öl in die Pfanne um die Zwiebeln anzubraten. "Du hast ihn natürlich schon über alles informiert und er freut sich schon darauf mich kennen zu lernen." Emilia blieb erst mal still. "Jetzt sag nicht, ich habe Recht."

                "Äh ja. Hast du. Er ist solchen Schwangerschaften offener eingestellt und wird dich gut betreuen." Ich seufzte und schnitt nun Kartoffeln klein, die ich nach und nach in die Pfanne warf.

                "Ist okay. Er soll sich mit meinem Arzt in Verbindung setzen." Ich gab ihr den Namen und die Adresse durch wobei ich die Kartoffeln und die Zwiebeln durcheinander schüttelte. "Ich hab' aber auch ein Anliegen an Dich." Ich hatte das Geflügelfleisch abgewaschen und würzte es jetzt. "Such bitte nach einem kleinen Häuschen bei uns in der Nähe. Kate kommt mit nach Venice." Ich konnte sie nach Mark rufen hören, den ich gleich darauf am Telefon hatte. "Hi Mark." begrüßte ich ihn freundlich.

                "Erst mal herzlichen Glückwunsch." sagte er. "Was gibt es?" fragte er nach.

                "Ich brauche ein kleines Häuschen in unserer Nähe. Kate wird zu mir nach Venice ziehen. Sie kann natürlich bei uns im Gästehaus wohnen aber sie zieht ein eigenes Haus vor." Ich packte das Fleisch in eine zweite Pfanne, in die ich ein bisschen Öl gab.

                "Du weißt, dass Venice nicht billig ist, Beth."

                "Lieb von dir, dass du auf meine Mom Rücksicht nimmst, aber ich werde es bezahlen. Ob ich es nun kaufe oder miete spielt keine Rolle. Was mich daran erinnert, dass ich eine gute Bank brauche." Nach und nach wendete ich das Fleisch, wendete die Kartoffeln und besah mir das Gefrierfach, ob wir einen Nachtisch da hatten.

                "Okay, das ist eine Aussage mit der ich arbeiten kann. Ich melde mich sobald ich etwas habe. Wie geht es dir?" erkundigte er sich nach meinem Befinden.

                "Naja, eigentlich fühle ich mich gut auch wenn ich mir Sorgen mache." Ich sah auf das Essen, das fröhlich vor sich hin brutzelte.

                "Kann ich verstehen. Aber du schaffst das. Das weiß ich. Wir sind für dich da, Beth." Rührend, wie er das sagte.

                "Danke. Gibst du mir bitte Emilia nochmal?"

                "Na klar. Bis demnächst." Dann hörte ich auch schon Emilias Stimme.

                "Ja?"

                "Liebes, ich brauche eine gute Bank. Da ich nicht Jason das Haus bezahlen lassen will, muss das Geld gut angelegt werden damit es schön Zinsen trägt." Über sowas musste ich mir nie Gedanken machen.

                "Kein Problem. Sobald du zuhause bist mach ich einen Termin auf meiner Bank. Die machen dir ein gutes Angebot." versicherte sie mir. "Hast du Jason schon Bescheid gesagt?" Ich verdrehte meine Augen.

                "Nein. Ich warte jeden Tag darauf, dass er meine Nachricht bekommt aber es wurde noch nicht übergeben." Ich machte den Herd aus und holte zwei Teller aus dem Schrank, auf denen ich das Essen verteilte.

                "Nachricht?" hakte sie nach.

                "Ja. Ich hab' Babyschühchen gekauft. Sie werden als Geschenk geliefert und muss gegen gezeichnet werden." Ich trug die Teller ins Wohnzimmer und stellte sie auf den Tisch.

                "Och wie süß. Ich bin gespannt wie er reagiert." Ich blieb stehen. Die Bestecke hielt ich in der Hand.

                "Ich hab' ehrlich gesagt Angst. Du hast auch nicht gut reagiert." erinnerte ich sie an das Gespräch in Island.

                "Süße, ich bin aber nicht Jason. Und du hast keine Ahnung wie er reagiert. Mach' dir doch keine Sorgen wenn noch gar nichts passiert ist. Ach und noch was. Du brauchst dir nichts mehr für das Baby zu kaufen. Hab' ich alles schon gemacht." Und wieder dieses entzückende Kichern. Unwillkürlich begann ich zu lächeln.

                "Ich seh' schon, dass Jason anbauen muss." Ich schüttelte den Kopf und brachte die Bestecke zum Tisch.

                "Süße, mach' dir keinen Kopf. Er wird ausflippen vor Freude." Ihr Wort in Gottes Ohr.

                "Ich beruf' mich auf dich. Aber jetzt wollen wir essen. Moms Tag war nicht weniger stressig als meiner." Ich sah noch einen Moment zum Fenster raus.

                "In Ordnung. Sag ihr liebe Grüße von mir. Bis dann." Sie warf mir noch ein Küsschen zu und legte dann auf.

                "Dein Wort in Gottes Ohr." murmelte ich vor mich hin und ging dann zur Couch um Mom zum Essen zu holen.

 

02. Oktober 2019

                Milton hatte mich erst am nächsten Tag angerufen. Aber seine Nachrichten waren das Beste in dieser Woche. Jane hatte man fürs Erste auf Eis gelegt. Aber das sollte nichts heißen, denn das Recht auf einen Anwalt hatte jeder. Aber das sollte mir egal sein. Ich hatte genug damit zu tun meine Termine wahr zu nehmen und den Flug nach L.A. zu planen. Mom musste entscheiden, was sie mitnehmen würde und was man neu kaufen konnte. Mark hatte mir die Unterlagen für drei Häuser zukommen lassen, die alle in unserer Nähe waren.

                "Nein, Mom. Du musst dich um nichts kümmern. Such dir ein Haus aus, und wenn dir keines davon gefällt, dann bitte ich Mark nach anderen zu suchen." Ich ging vor Kate in die Knie und hielt ihre Hände. "Du hast so viel für mich in den letzten zwei Jahren getan. Jetzt bin ich dran." Ich küsste ihre Hände und lächelte zu ihr hoch. Kate streichelte mir sacht über die Wange.

                "Das Zweite würde mir gut gefallen." gab sie zu, was mich aufstehen ließ, um es mir anzusehen.

                "Alles klar." sagte ich und schnappte mir mein Handy. Doch ich kam nicht dazu Marks Nummer zu wählen, denn gerade leuchtete Jason im Display auf. Panisch sah ich Mom an. Sie verstand sofort und erhob sich von ihrem Stuhl.

                "Ganz ruhig. Egal wie, ich bin für dich da. Vergiss das nicht." Aus glasigen Augen sah ich sie an und nickte. Dann ging mein Blick auf das Handy, das ich lieber gegen die Wand geworfen hätte als das Gespräch anzunehmen. Ich sah Kate noch mal an, die mir zu nickte. Tief atmete ich durch als ich das Gespräch annahm und zu lauschen begann. Viel zu lange konnte ich nur seinen Atem hören.

                "Ist es wahr." Aber irgendwie hörte es sich nicht nach einer Frage an. Hatte ich gerade noch glasige Augen, liefen mir jetzt Tränen über die Wangen.

                "Ja" sagte ich mit belegter Stimme.

                "Ich werde Vater?" Meine Braue sprang hoch und mein Blick ging verwundert zu Kate, die kaum noch erwarten konnte, wie Jason reagierte.

                "Ja?" Und was ich dann hörte trieb mir die Tränen in die Augen.

                "Du machst mich zum glücklichsten Mann der Welt." Ich konnte ihn weinen hören. Strahlend umarmte ich meine Mutter, die sich nicht weniger freute.

                "Siehst du? Alles halb so schlimm." munterte sie mich auf während im Hintergrund die Kinder zu hören waren.

                "Schatz. Komm nachhause solange du noch kannst. Ich will dich bei mir haben." Lola und Wolf dachten sich Namen im Hintergrund aus.

                "Ich weiß nicht, ob ich kommen kann. Mein Anwalt ist hier." Auch ich wollte lieber bei meiner Familie sein als hier. "Aber ich werd' sehen, was ich machen kann. Versprochen."

                "Na schön, aber ich denke schon, dass du heim kommen kannst. Er kann dich auch so vertreten. Niemand wird von dir verlangen in deinem Zustand nochmal in den Flieger zu steigen." Er hatte immer noch mit Tränen zu kämpfen. "Ich hab' übrigens auch gute Nachrichten für dich. Wenn deine Aussage bei meinem Anwalt ist dauert es nicht mehr lange bis das Urteil rechtskräftig wird." Ich hob eine Braue. "Sie hat sich einige Male widersprochen. Lola und Wolf bleiben bei mir." Nun war ich es die feierte.

                "Drück' die Kinder ganz fest von mir. Jetzt fehlt nur noch Jane. Dann kann ich endlich wieder ruhig schlafen." Ich meinte es zwar nicht wörtlich aber Jason nahm es als Aufhänger.

                "Du kannst nicht schlafen?" Sofort machte er sich Sorgen.

                "Das war nicht wörtlich gemeint. Es geht um den Stress, den ich gar nicht brauchen kann."

                "Verstehe." brummte er. Es wirkte immer noch wie eh und je.

                "Ich setzte mich diese Woche mit meinem Anwalt in Verbindung und unterrichte ihn von meinem Entschluss. Dann kümmere ich mich um den Transport der Möbel. Ach, ich muss das Haus ja noch kaufen." Tief atmete ich durch.

                "Haus? Welches Haus? Und welche Möbel?" Leise begann ich zu kichern.

                "Richtig. Das weiß ja nur Emilia und Mark. Kate wird mich nach Venice begleiten."

                "Wirklich? Das ist ja super. Es wird ihr hier gefallen." Herzlich begann ich zu lachen.

                "Das hat mir Emilia auch mal gesagt." Schmunzelnd sah ich Kate an.

                "Okay. Ich setzte mich mit Mark in Verbindung. Sag ihm welches Haus du haben möchtest. Ich kümmere mich darum." übernahm er diese Sorge für mich.

                "Ich liebe dich." Ich machte eine kurze Pause.

                "Ich dich auch, jalan atthirari anni." Ich bekam eine Gänsehaut.

                "Du glaubst nicht, wie sehr ihr mir fehlt. Bis bald."

                "Du fehlst uns auch. Bis bald." Ich beendete das Gespräch und schrieb Emilia eine Nachricht.

                [Hi Tantchen. Du solltest dich mit Jason kurz schließen wegen den Sachen für das Baby. Da ich bisher nur sein Schlafzimmer gesehen habe, weiß ich nicht, wie der Rest des Hauses aussieht. Morgen rufe ich meinen Anwalt an und sage ihm, dass ich zurück nach Venice fliege. Jason wird sich mit Mark in Verbindung setzten wegen dem Haus. Es ist das mit den vier Zimmern. Das mit den Möbeln lass ich von einem Makler regeln. Der soll sich auch um den Verkauf kümmern.] Ich dachte eine Weile nach ob ich etwas vergessen hatte. [Ach und melde mich bei diesem Arzt an. Der muss mich nach dem Flug sofort untersuchen, ob alles in Ordnung ist. Ich will kein Risiko eingehen.] Ich drückte den Sendenpfeil und nahm dann die Teller an mich um unser Essen aufzuwärmen.

 

10. Oktober 2019

                Die nächsten Tage verliefen endlich mal Vorfalllos. Ich hatte Ruhe, um mit Milton zu reden, den Makler klar zu machen, der sich um die Möbel und den Verkauf kümmern würde und dann buchte ich noch die Flüge für mich und Mom. Es war bereits Mitte November und nicht mehr ganz so warm. Schon alleine deswegen freute ich mich auf Venice. Dort war es nie kalt genug um richtige Winterklamotten zu tragen. Zumal ich langsam in einen Bereich kam in dem ich nicht mehr fliegen durfte.

                "Mom? Bist du soweit?" Das Taxi war gerade angekommen und sollte uns an den Flughafen bringen. Ich hatte die Flüge ab dem JFK Airport gebucht. So wäre der Flug nonstop.

                "Ja. Gleich. Ich suche noch etwas." Ich sah ungeduldig auf meine Uhr und begann mit dem Fuß auf den Boden zu tippen.

                "Na komm schon, Mom." bat ich sie sich zu beeilen. Lächelnd kam sie auf mich zu und hängte sich eine Kette um den Hals, die ich ihr geschenkt hatte.

                "Das kann ich doch nicht hier lassen." Breit lächelte sie mich an. Ich hatte ihr ein Medaillon gekauft in dem bereits vier Bilder drin waren. Jason, Lola, Wolf und ich. Fehlte nur noch eines, aber darauf musste Kate noch eine Weile warten.

                "Nein. Das geht natürlich nicht." Strahlend nahm ich sie bei der Hand und ging mit ihr vor die Tür. Ich schloss sie ab und ging dann mit Kate zum Taxi. Sie drehte sich nochmal um, um sich ein letztes Mal ihr zuhause anzusehen. Ich ließ ihr die Zeit, in der sie sich verabschiedete. Dann sah sie mich an.

                "Wir können." Ich nickte und öffnete ihr die hintere Tür. Ich hielt ihre Hand, als sie sich auf den Rücksitz setzte und fühlte mich wie Steve, der mir immer geholfen hatte. Ich schloss die Tür und umrundete den Wagen, um auf der anderen Seite neben ihr Platz zu nehmen.

                "JKF Flughafen bitte." informierte ich den Fahrer, der nickte, die Uhr einschaltete und sich in den Verkehr einfädelte. Ich sah Kate an, die sich nochmal nach dem hübschen Häuschen umsah ehe sie sich von mir einfangen ließ.

                "Du wirst dich in deinem neuen Haus wohl fühlen." versprach ich ihr und nahm ihre Hände in meine. Tief atmete sie durch und sah dann wohl aus ihrem Fenster. Es wurde eine sehr stille Fahrt. Aber das schienen wir wohl beide zu brauchen. Nach etwa vierzig Minuten erreichten wir den Flughafen. Ich gab dem Fahrer ordentlich Trinkgeld und bat ihn noch einen Moment zu warten. Ich brauchte einen Wagen für unsere Koffer, die der Fahrer heraus heben musste. Ich bedankte mich noch bei ihm ehe ich den Wagen vor mich her schob und ich mich dabei dem Tempo meiner Mutter anpasste. "Da vorne ist unser Check-In." Ich zeigte auf einen Delta Airlines Schalter, vor dem doch einige Leute warteten. Kate hielt mich an und lehnte sich zu mir.

                "Ich habe das Gefühl, dass wir beobachtet werden." flüsterte sie mir zu. Ich sah mich um und hob eine Braue. Und tatsächlich, der ein oder andere sah zu uns rüber.

                "Langsam verstehe ich, was Emilia mir sagen wollte." Kurz informierte ich sie über den Vorfall am LaGuardia. Kate nickte.

                "Sei froh, dass sie dich nicht belagern." Weiterhin flüsterte sie während wir uns wieder in Bewegung setzten. Langsam nickte ich und blieb dann an der Schlange stehen.

                "Bin ich auch. Mir hat das in der Praxis gereicht. Bilder, die man von mir in Umlauf bringt, damit man sie sich rahmen kann." Ich verdrehte meine Augen. "Und alles nur, weil ich den Beiden meine Meinung gesagt habe." Ich schob den Wagen etwas vor als die Schlange um ein Stück kürzer wurde. "Und jetzt muss ich damit leben." Kate drückte mir sacht den Arm und lächelte mich an.

                "Halt' dir immer vor Augen was daraus entstanden ist. Dafür hat es sich doch alle Mal gelohnt, oder nicht?" Ich mochte ihr Lächeln.

                "Stimmt und ich werde nichts tun, was diese Zukunft gefährden könnte." Nach und nach kamen wir an den Schalter.

                "Guten Tag, Miss O'Keefe." lächelte mich die junge Frau an und eilte eiligst hinter ihrem Schalter hervor als sie sah, dass ich zusammen mit Kate, die Koffer auf das Band heben wollte. "Ich mache das für Sie." lächelte sie weiterhin und stellte unsere Koffer auf das Band. Dann ging sie wieder hinter den Schalter.

                "Danke" sagte ich nicht weniger freundlich und holte die Tickets heraus, die ich der Dame überreichte. Mittlerweile wunderte ich mich nicht mehr, dass man mich mit Namen ansprach.

                "Ihr Flug geht in fünfundachtzig Minuten." sagte sie freundlich und übergab mir die Tickets. Unser Handgepäck hatte sie bereits angemeldet.

                "Danke" sagte ich und nahm Kate bei der Hand. "Komm. Ich möchte im Duty-free-Shop noch etwas kaufen." Schmunzelnd erinnerte ich mich an den Flug mit Emilia. Langsam gingen wir zu Gate drei, wo wir auf unsere Maschine warten würden. Doch zuerst ging ich mit Kate in den Shop und sah mich nach etwas für die Kinder um. Aber nichts von dem, was es hier gab, sprach mich an. Ich sah mich noch einen Moment um als ich schon gehen wollte und ein Bild von mir entdeckte. Ich hob eine Braue und ging auf den Zeitungsstand zu. Ich nahm die Zeitung an mich, suchte noch etwas Süße für unterwegs und sah dann Mom an. "Hast Du etwas gefunden?" wollte ich wissen und sah sie fragend an.

                "Hier gibt es Opium." sagte sie leise. Ich konnte sehen, wie sie zart rot anlief. Schmunzelnd sah ich mich nach dem Parfüm um.

                "Das nehmen wir auch noch mit." An einem Wandregal wurde ich fündig. Ich nahm die 100 Milliliter-Flasche und nahm sie mit an die Kasse. "Ich zahle mit Kreditkarte." Dass mein Konto nicht gedeckt sein würde, darum machte ich mir keine Sorgen. Das Geld aus der Versteigerung war mittlerweile auf meinem Konto eingegangen. Der Herr, der mir die Sachen fertig machte sah mich mit erhobener Braue an. Seufzend nickte ich. "Ja, das auf dem Bild bin ich."

                "Oh, ähm. Tut mir leid. So oft haben wir hier keine Leute, die auf der Titelseite der Times sind." Lächelnd nickte ich.

                "Und ich hab' nicht damit gerechnet mein Bild auf der Zeitung zu sehen." Ich gab ihm die Kreditkarte und nahm sie mit einer kleinen Tasche zurück.

                "Ich wünsche Ihnen noch einen guten Flug, Miss O'Keefe. Ma'am." Auch Kate vergas er nicht, was ich ihm hoch anrechnete.

                "Danke." sagte ich noch und führte meine Mutter hinaus und Richtung VIP-Lounge, in der ich zum ersten Mal nicht wie ein Insekt angestarrte wurde. Ich wurde sogar freundlich begrüßt. Lag wohl daran, dass ich mich neu eingekleidet hatte und leider nichts wirklich Schönes im Gothic-Style für Schwangere gefunden hatte. Also trug ich Jeans, einen lockeren Pulli darüber, Chucks und eine bequeme Lederjacke. Die Haare hatte ich wie eh und je.

                "Guten Abend" grüßte ich in die Runde und setzte mich mit Kate auf die Couch, die man für uns frei machte. Lächelnd nickte ich zum Dank und atmete tief durch. "Ich bin froh, wenn wir im Flieger sitzen." Ich schloss meine Augen und genoss die Ruhe.

                "Ich bin gespannt, wie der Boardwalk jetzt aussieht." Meine Brauen sprangen hoch als ich diese Worte hörte und sah Kate fragend an. "Oh, ich kenne Venice schon. Ich war früher mit Charles einige Male dort." Ich knuffte sie sacht in die Seite.

                "Schön, dass du mir das erst jetzt sagst." Ich lehnte mich zu ihr und küsste ihre Wange.

                "Du hast nie danach gefragt." Sie zuckte die Schultern und grinste mich frech an.

                "Das stimmt allerdings." Doch weiter ging ich nicht darauf ein, denn gerade öffneten sich hinter uns die Türen. Ich erhob mich und nahm Kate wieder an meine Hand. Ich mochte es, sie als mir zugehörig zu zeigen. Als wir unsere Plätze hatten schrieb ich meinen Lieben eine Nachricht.

                [Wir sitzen im Flieger. In sechs Stunden sind wir wieder zusammen. :-*] Ich schickte die Nachricht erst an Jason und leitete sie dann an die anderen weiter. Dann schnallte ich mich an und achtete darauf, dass der Gurt nicht auf meinem Bauch lag auch wenn der noch nicht so groß war. Dies würde vorerst mein letzter Flug sein.

 

13. Oktober 2019

                Ich hätte es toll gefunden, wenn ab jetzt alles gut gegangen wäre. Aber nur Glück passte nicht zu mir. Jetzt wurde ich von der Los Angeles Times genervt. Ich schützte Kate während wir davon eilten, hinter Jason her, dem das nicht weniger auf die Nerven ging. Dann gebot er den Reportern Einhalt.

                "Wenn Sie etwas wissen wollen, dann setzten Sie sich mit Allan Carver von der New York Times in Verbindung oder machen sie einen Termin mit meiner Frau." Knurrend ging er nun hinter uns her und versuchte uns zu schützen. Irgendwann gaben die Reporter auf und zogen sich zurück.

                "Darüber muss ich meinen Anwalt informieren." sagte ich als ich gerade Kate in den SUV half und dann auf den Vordersitz gehoben wurde.

                "Mach' das, wenn wir zuhause sind." Ich nickte nur zu seinen Worten ehe ich aus dem Fenster sah, um die mir bekannte Gegend zu beobachten.

                "Gott, hab' ich das vermisst." Mit leuchtenden Augen sah ich mir rechts die Häuser an während wir auf der Pacific Avenue entlang fuhren, die in die Neilson Avenue über ging. Gleich würde es nach rechts in den Ocean Park Boulevard gehen, dann den nächsten Block links. Die Einbahnstraßen in New York waren mir gerade lieber. Jedenfalls kamen wir etwa fünf Minuten später bei dem schönen Anwesen an, auf dem ich nun im Haupthaus wohnen würde. Kate zog für eine Weile ins Gästehaus bis ihr Häuschen fertig war. Und ich wollte mich nur noch schlafen legen. Es brauchte jetzt wieder ein, zwei Tage bis ich mich an die drei Stunden Zeitunterschied gewöhnt hatte. Den schlichten Silberring mit dem Brillanten drin, hatte er mir am nächsten Tag gegeben. Er hatte sich vor mich gekniet und steckte mir den schönen Ring an den Finger. Ich hab' natürlich geweint wie ein Schlosshund. Aber welche Frau hätte das nicht, die so einen Antrag gemacht bekam? Emilia hatte mir die Termine durch gegeben und sich sehr lange mit mir unterhalten. Und schon war eine Woche um, in der ich mich weder um die Kinder noch um Jason oder Kate kümmern konnte.

                Mein erster Termin bei diesem Arzt war doch viel versprechend. Er hatte mich genauestens untersucht, sich über meine Stents erkundig und welche Medikamente ich deshalb nehmen musste, aber wirklich verboten hatte er mir nichts. Jason ließ sich alles genau von mir erzählen, damit er wusste woran er war und worauf er achten musste. Es war schon süß, wie hingebungsvoll er sich um mich kümmerte.

                Die Los Angeles Times machte sich nicht mehr bemerkbar. Anscheinend hatte man wirklich Carver angerufen um Genaueres zu erfahren. Was jetzt noch zu Ende gebracht werden musste waren Jane und diese April. Aber darum machte ich mir nicht mehr viel Sorgen. Die Beweise lagen vor und somit konnte Mister Milton auch ohne mich die Verhandlung abschließen. Er wusste ja, dass ich nicht mehr fliegen durfte. Einstweilige Verfügung, Kostenübernahme, Rufmord, üble Nachrede und natürlich Schmerzensgeld, das alles Jane zahlen durfte. Ich war gespannt, wie hoch die Summe sein würde. Kate hatte mittlerweile ihr Haus bezogen und musste sich nur noch einleben. Das mit der Bank hatte ich auch geregelt und jetzt, nach gut drei Wochen, hatte ich Zeit mich um die Kinder zu kümmern, die ständig nach mir fragten.

                "Was haltet ihr davon, wenn wir Oma besuchen gehen?" wollte ich wissen und würde daraus einen Abenteuerspaziergang machen.

                "Jaaaaaaaaaa" riefen die Beiden im Chor. Jason stand oben auf dem Balkon und sah zu uns runter.

                "Komm mit. Wir können noch einen Fährtensucher gebrauchen." Lachend schlüpfte ich in meine Jacke, während die Kinder im Kreis rannten und sich jagten.

                "Ich komme gleich." rief er zu uns runter und verschwand im Haus. Es dauerte doch ganz schön lange, um ein paar Flips Flops und eine Jacke anzuziehen. Mit erhobener Braue sah ich zur Haustür. Aber selbst nach knapp zehn Minuten war immer noch nichts von ihm zu sehen. Auch die Kinder wurden langsam quengelig.

                "Dad!" riefen sie und rannten rüber zum Haus und hinein. Ich hob beide Brauen als mich die Zwei hier allein ließen.

                "Wie ich es liebe." brummte ich, hob meine Arme und ließ sie resignierend fallen. Als sich nach weiteren fünf Minuten immer noch nichts tat ging ich, leise vor mich hin moppernd, ins Haus um nach zu sehen, was die Drei machten. Und da standen sie. Jason flankiert von Wolf und Lola. "Wollt ihr mich veralbern?" Ich drückte meine Hände in die Taille und begann mit dem Fuß auf den Boden zu tippen. Immer noch kam kein Wort von den Dreien, die jetzt zur Seite traten und den Blick auf eine Schaufensterpuppe freigaben, die ein, mir unheimlich bekanntes, Kleid trug. Mit erhobenen Brauen und herunter gefallener Kinnlade ging ich zwischen den Dreien durch und betrachtete das schöne Stück genau. "Ist es das, was ich denke?" wollte ich wissen und strich gerade mit dem Finger über die silbernen Nadeln, die das Kleid an den Schultern zusammen hielten.

                "Ja, genau. Das ist es." bekam ich die Antwort von Jason, der sich hinter mich stellte und seine Hände auf meinen Bauch legte. "Meins ist auch schon da." Ich starrte ins Leere und fand mich in eben jenem Traum wieder, den ich als meine Hochzeit umsetzen wollte. Er in diesem Outfit aus der Serie, womit er mich jedes Mal aus den Angeln hob. Ich in diesem Kleid, das ich bis zum Sonnenuntergang tragen würde. Erst wurden meine Beine schwach, dann zog sich mein Magen zusammen und letztendlich meine Mitte, die einem Vulkan Konkurrenz machte. Mir entfuhr ein Ton, der alles und nichts sagte. Doch zusammen sacken konnte ich nicht. Jason hielt mich fest. Und dann konnte ich ihn an meinem Ohr grinsen hören. "Womit wir beim Thema wären worin ich am besten aussehe." Ich biss mir auf die Lippe, damit ich meine Töne unter Kontrolle hielt, die die Kinder nicht hören sollten.

                "Das ist nicht fair." nuschelte ich vor mich hin während er mich auf seine Arme nahm, damit ich, eventuell, meine Gefühle unter Kontrolle bekam. Aber mit diesem Wissen im Hinterkopf ging nichts mehr. "Ich sollte ins Gästehaus ziehen." Ich räusperte mich, um den Frosch aus dem Hals zu bekommen. Er ließ wieder den Spitzbub raus hängen und sah mich unschuldig an.

                "Was denn?" meinte er und sah mich aus diesen braunen Augen an. Lange sah ich ihn an, zeichnete die Konturen seines Gesichts nach ehe ich es mir auf seinen Armen bequem machte. Mit diesem Mann würde es mir garantiert nicht langweilig werden.

                "Nichts" winkte ich schmunzelnd ab. "Lass uns jetzt endlich gehen." bat ich ihn und küsste seine Wange. Er beugte sich an mein Ohr.

                "Kannst du denn schon laufen?" Ich hatte ihm eindeutig zu viel über mich und meine Welt erzählt. Misstrauisch sah ich auf meine Beine und hob eine Braue.

                "Lass mich runter. Dann werden wir es sehen." Langsam ließ er mich runter, hielt mich aber vorsichtshalber noch fest, falls meine Beine doch keine Knie haben sollten. Ich sah nach unten und nickte langsam. "Geht wieder." Lächelnd sah ich zu ihm hoch und strubbelte dann den Kindern durch die Haare. "Na los. Gehen wir." Grinsend sah ich den Beiden nach, als sie durch die Eingangstür hinaus rannten und aus meinem Blickfeld verschwanden. Ich schmiegte mich in Jasons Umarmung, als wir hinaus gingen und uns nach den Kindern umsahen. Die waren aber fast schon am Tor. "Macht langsam, ihr Zwei." rief ich den Beiden hinterher und begann leise zu lachen. "Sie haben mir unheimlich gefehlt." Ich sah zu Jason hoch, der meine Stirn küsste.

                "Wir haben dich auch vermisst." gab er zu und ging mit mir den Kiesweg bis zum Tor, wo er das Tor öffnete und hinter uns wieder schloss. Doch aus dem Spaziergang zu Mom sollte nichts werden. Denn gerade hörte ich den Bass, des Mannes, der mich im Arm hielt. "Das kostet dich 10.000 Dollar." Fragend sah ich mich um. April stand einige Meter von uns entfernt. Die Kinder hatten sich direkt hinter uns versteckt. Was wollte sie noch hier?

                "Werde ich zahlen." sagte sie und sah mich eine ganze Weile an. Ich hatte das Gefühl als würde sie mich röntgen. Ich zog die Brauen zusammen, als ich ihre Mimik bemerkte. Sie fing an zu lächeln und bekam sanfte Gesichtszüge. Misstrauisch hob ich eine Braue, denn sie hob ihre Hand und schien meinen Bauch berühren zu wollen. Wieder sah ich zu Jason hoch, der nicht weniger doof drein sah als ich. Er musterte seine Ex-Frau eine Weile ehe er zu mir runter sah und nickte. Ich sah April an und gab ihr nickend die Erlaubnis. Vorsichtig legte sie ihre Hand auf meinen Bauch und schloss lächelnd ihre Augen. Eine ganze Weile lauschte sie in sich als könne sie das ungeborene Kind hören. Dann nahm sie ihre Hand runter und sah mich wieder an. "Seien Sie den Kindern die Mutter, die ich nicht sein konnte." Und dann konnte ich ihr nur noch nachsehen bis sie verschwunden war. Und ich hoffte, dass es für immer war.

                "Zuerst will mich die ganze Welt schlecht machen und jetzt heben sie mich alle hoch? Bin ich im falschen Film?" Während die Kinder über diesen Sieg feierten sah ich Jason nur entgeistert an.

                "Du brauchst unbedingt ein dickeres Fell." grinste er und beugte sich zu mir runter um mich zu küssen. "Ich denke, der Spaziergang hat sich erledigt." Er dachte eine Weile nach, denn seine Kinder, unsere Kinder, fingen an zu schmollen. "Wir holen Eis aus dem Gefrierfach und spielen Jenga. Was meint ihr dazu?" Und schon war die Welt wieder in Ordnung. Ich sah mich nochmal nach April um. Dann musste ich an Jane denken, die hoffentlich eine Gefängnisstrafe bekam, aber eigentlich glaubte ich nicht daran. Denn Leute wie Jane kamen grundsätzlich mit einem blauen Auge davon.

                "Eis. Und dazu saure Gurken." Breit grinste ich Jason an, der mich leicht angewidert ansah. "Was denn? Ich hab' Lust drauf." Sachte boxte ich ihm mal wieder in den Bauch während er das Tor wieder öffnete um mit uns zurück zum Haus zu gehen.

                "Du bekommst, was du willst. Nur nicht zu viel." Frech grinste er mich an und löste sich von mir.

                "Willst du deinem Kind etwa Nahrung vor enthalten?" wollte ich wissen und machte Anstalten ihn zu jagen. Er setzte sich in Bewegung damit ich ihm folgen konnte.

                "Nein, aber dir enthalte ich das Futter vor." Noch breiter grinste er mich an ehe er im Haus verschwand und ich langsam hinter her kam. Ich blieb vor der offenen Tür stehen und sah nach oben, besah mir das Haus, das zukünftig auch mir gehören würde. Dann erklomm ich die Stufen, um mich mit den drei Rabauken zu beschäftigen.

 

August 2020

                Pünktlich zum 30. April bahnte sich Jasons Sohn seinen Weg in unsere Welt. Lange hatten wir uns darüber Gedanken gemacht, wie der Junge heißen sollte und letztendlich hatte ich mich durch gesetzt. Joseph Sean Jason tauften wir den jungen Mann, der die dunklen Haare von seinem Vater hatte. Und eine kräftige Stimme dazu. Die würde mich so manche Nacht wach halten. Aber das war mir egal. Wir hatten es beide überstanden und das war das Wichtigste. Emilia hatte sich echauffiert, weil ich den Jungen dann doch nicht Emilia nennen wollte. Letztendlich fand sie meine Namenswahl dann doch besser.

                Und jetzt – etwa vier Monate später – saß ich auf Kaua'i im Schlafzimmer vor dem Spiegel und dachte darüber nach, was in meinem Leben passiert war. Jason hatte für mich ein Ankleidezimmer bauen lassen, in dem ich jetzt darüber sinnierte, dass mein Leben doch nicht so schlecht verlaufen war. Ich hatte den Mann meiner Träume bekommen und würde ihn am dreizehnten September heiraten. So, wie ich es wollte. Die letzten Vorbereitungen liefen schon. Die Gäste waren bereits hier und machten Urlaub auf der schönen Insel. Emilia und Mark kümmerten sich um die Kinder während ich delegierte, wie meine Vorstellungen aussehen sollten. Die Makeup- und Hair-Stylisten würden im September eintreffen. Ich fand es aufregend von denen geschminkt zu werden, die auch schon Emilia geschminkt hatten. Das Kleid hatte man neu nähen müssen, da es mir nicht durchsichtig genug war. Das würde mir Emilia anziehen. Aber dafür hatte ich noch Zeit. Jetzt musste ich mich um die Stelle am Ende der Landzunge kümmern. Schließlich wollte ich genau dieses Zelt haben, in dem er mir gehörte. Die Requisite hatte sich freudig bereit erklärt, das Zelt zur Verfügung zu stellen. Doch auch darauf musste ich noch mindestens einen Monat warten. Der Stall für die Pferde war gebaut worden und dort standen nun ein Rotfuchs und ein weißer Schimmel, den ich noch reiten lernen musste. Reiten, surfen, ich würde noch in Jasons Vielfalt an Sportarten fallen. Und jetzt spazierte ich auf dieser Landzunge entlang. Suchte mir einen Weg, der auf dem Pferd sicher einfacher gewesen wäre. Aber egal, das Spazieren gehen tat meiner Figur gut, die ich unbedingt wieder vollständig zurück wollte. Das Öl, das mir Kate mitgebracht hatte, hatte meine Haut wirklich geschmeidig gehalten.

                Ich hatte keine Ahnung wie lange ich schon gelaufen war als ich den Platz erreichte, der ebenfalls uns gehörte. Man hatte alles schon zurecht gemacht, damit man hier das Zelt aufstellen konnte und ein Lagerfeuer richten. Lange sah ich aufs Meer hinaus. Wie immer beruhigte mich dieser Anblick.

                "Yer jalan atthirari anni" Ich begann zu lächeln als seine Arme sich um mich schlangen.

                "Yer shekh ma shieraki anni" Mitterlweile hörte es sich nicht mehr so schlimm an.

                "Du hast gut gewählt. Die Aussicht gefällt mir." sagte er und küsste meinen Hals. Automatisch legte ich meinen Kopf schief um ihm mehr Fläche zu bieten.

                "Und das habe ich über Google Earth gefunden." Leise begann ich zu kichern.

                "Spielt keine Rolle." Nochmals verpasste er mir eine Gänsehaut ehe er mich in seinen Armen drehte. Ich sah zu ihm hoch und lächelte ihn an.

                "Ich mag diese Stille, diese Ruhe." gestand ich ihm ehe ich mich an ihn schmiegte und genießerisch meine Augen schloss. Und dann wurde ich ruckartig hoch gehoben.

                "Ich auch. Aber heute nicht." Ich sah ihn mit erhobener Braue an.

                "Und wieso nicht?" Er setzte sich in Bewegung und lief Richtung Haus.

                "Dad macht mit den Kindern Party." Grinsend sah er nach vorne um seinen Weg auch ja zu finden.

                "Irgendwann zieh' ich euch beiden die Ohren lang." Womit ich natürlich ihn und seinen Vater meinte. Schmunzelnd ließ ich es mir auf seinen Armen gut gehen.

                "Lass mal. Das könnte ihm gefallen." Lauthals begann er zu lachen.

                "Dann soll sein Enkel ihn an den Ohren ziehen." Ich himmelte ihn eine Weile an ehe ich feststellte, dass wir beim Haus angekommen waren. Er stellte mich auf den Boden, was mich schmollen ließ. Es gefiel mir einfach besser, wenn er mich trug.

                "Jetzt feiern wir erst mal." Er öffnete mir die Tür. Von drinnen konnte man Musik hören, Kinder, die begeistert schrien und eine Emilia, die sich für die Kinder zum Affen machte. Doch bevor ich mit Lola und Wolf tanzen würde wollte ich meinen Sohn sehen, für den ich gestorben wäre. Die Nanni, die unseren Sohn betreute, wenn wir etwas zu tun hatten, saß mit Klein Joseph im Pavillon und sang ihm etwas vor. Lächelnd beobachtete ich die Beiden eine ganze Weile ehe ich mich zu ihnen gesellte.

                "Wie geht es ihm?" wollte ich wissen und ließ mir meinen Sohn in den Arm legen. Sofort fing ich an ihn zu wiegen. Iolani lächelte und zupfte die Decke zurecht.

                "Es geht ihm gut. Alles so, wie es sein soll." antwortete sie mir und erhob sich von ihrem Platz. "Ich lasse sie ein bisschen allein." Dabei lächelte die Nanni und ging zum Haus zurück. Ich sah strahlend das Kind in meinen Armen an, von dem ich niemals gedacht hätte es zu bekommen. Freudentränen stiegen in meinen Augen auf, die langsam, eine nach der anderen, auf die Decke tropften. Die braunen Augen hatte er von seinem Vater bekommen. Das schwarze Haar ließ auf Jasons Vater schließen.

                "Hoffentlich wirst du eine Kopie deines Vaters." flüsterte ich ihm zu und küsste seine Stirn. Ich hatte geglaubt, dass Jason das Beste war, das mir passieren konnte. Und nun lag ein strammer Bursche in meinen Armen und sah mich aus braunen Augen an. Besser ging es einfach nicht. "Ich liebe dich." sagte ich mit zitternder Stimme und schmiegte ihn an mich. Oder war es eher umgekehrt? Ich sah zum dunkler werdenden Himmel und fing leise an zu singen:

                "He nani lua 'ole

                  Ku'u wehi o nâ lani

                  He kilohana 'oe"

Ich senkte meinen Kopf um meinen Sohn anzusehen.

                "Na'u e pûlama mau

                  Hô'olu i ka poli e

                  Mehana i ke anu e."

Der Junge schlief schon lange in meinem Arm, doch es war mir ein Bedürfnis, was ich für ihn gelernt hatte, zu singen.

                "Mau loa ke aloha"

Verwundert sah ich über meine Schulter, als ich Jasons Stimme dieses Lied hören sang. Dabei kam er auf mich zu und legte seine Hände auf meine Schulter. Ich sah wieder zu Joseph runter, der seinem Vater so unglaublich ähnlich sah und stimmte in das Lied ein.

                "i kô pu'uwai hâmama

                  He u'i lani 'oe

                  Na'u e mâlama mau

                  Aia i ka la'i e

                  Hemolele i ka mâlie."

Es fiel mir schwer nicht zu weinen, denn mein Glück war endlich komplett. In jeder Hinsicht.

                "Er ist so wunderschön." flüsterte ich während ich den jungen Mann weiterhin sachte wiegte.

                "So schön, wie seine Mutter." meinte Jason, was mich eine Braue heben ließ. Doch streiten wollte ich jetzt sicher nicht und behielt meinen Kommentar für mich.

                "Hol' bitte Iolani. Ich bringe ihn ins Bett." Jason hatte auch hier ein Gästehaus bauen lassen, dass uns heute zugutekam. Dort würde der junge Mann schlafen, wenn es im Haupthaus zu laut war. Und unsere Nanni kümmerte sich liebevoll um ihn. Da hatten wir einen guten Griff gemacht. Langsam ging ich auf das Gästehaus zu, Joseph an mich geschmiegt und wiegte ihn weiter auf meinem Arm. Iolani ging plötzlich an mir vorbei und öffnete mir die Tür. "Danke" sagte ich leise und brachte mein kleines Wunder ins Kinderzimmer, wo ich ihn in sein Bettchen legte. "Schlaf gut, kleiner Mann." flüsterte ich ihm zu und küsste seine Stirn ehe ich mich erhob und noch eine Weile in die Wiege sah. Sacht streichelte Iolani über meinen Rücken.

                "Ich passe gut auf ihn auf." versprach sie mir und lächelte mich an.

                "Danke" sagte ich erneut und ging dann hinaus um mich meinem Mann noch kurz zu widmen ehe wir auf die Party gingen. Ich sah mich nach ihm um und fand ihn am Stall stehen. Mit erhobener Braue ging ich auf ihn zu und stellte mich neben ihn, besah mir die zwei Pferde, die ich ausgesucht hatte.

                "Seit wann kannst du hawaiianisch?" wollte er wissen als er merkte, dass ich neben ihm stand. Ich zuckte die Schultern.

                "Seit etwa zwei Monaten. Ich kann aber nur dieses Lied." Dass ich nicht wusste, was die Worte bedeuteten sagte ich ihm natürlich nicht. Und dass da noch zwei englischsprachige Strophen dazu gehörten unterschlug ich auch. Aber wenn er das Lied kannte, wusste er das sicher. Er beugte sich zu mir runter und küsste meine Stirn.

                "Tanz mit mir." bat er mich, denn gerade lief dieses Lied, das ich im Ohr hatte, als er mich auf der Convention zu sich bat. A Thousand Years von Christina Perri. Ich begann zu lächeln und schmiegte mich in seine Arme. Langsam bewegten wir uns zu dem Lied, das mich wohl ewig daran erinnern würde, wie er nach mir gesehen hatte.

                "Ja, das ist es." murmelte ich an seine Brust und schloss meine Augen.

                "Was meinst du?" wollte er wissen. Ich sah zu ihm hoch mit meinen glitzernden Augen, die kurz davor standen vor Freude zu weinen.

                "Das ist unser Lied." erklärte ich. Auch wenn er schmunzelte konnte ich sehen, dass er nicht wusste, wann wir das gemeinsam gehört haben sollten. "Ich hab es gehört, als du Autogramme gegeben hast." erinnerte ich ihn an den Tag unseres ersten Kusses. Langsam nickte er.

                "Ich erinnere mich an diesen Tag." Er hielt inne und sah mich lange an. Dann küsste er mich zärtlich und trieb mir einen Klos in den Hals. Ich war gerade ziemlich nah am Wasser gebaut. Langsam löste er sich von mir und wischte meine Tränen mit seinen Daumen weg. Ich hörte ein leises Klicken und den Versuch ein Kichern zu unterdrücken. Schniefend, aber zufrieden lächelnd, schlang ich meinen Arm um Jasons Mitte und drehte mich in Emilias Richtung.

                "Na kommt, ihr zwei. Sie warten schon auf euch." Dabei winkte Emilia uns heran. Ich sah nochmal zu Jason hoch, der mich mit diesem Drogo-Schlafzimmerblick ansah.

                "Wir haben noch genug Zeit um zu tanzen." raunte er mir zu und schob mich sanft Richtung Haus. Coni, Jasons Mutter, stand in der Tür und hatte uns wohl beobachtet. Als wir sie erreicht hatten sah sie mich eindringlich an. Und dann ging sie hinein ohne ein Wort zu sagen, aber ein Lächeln hatte sie auf den Lippen. "Ich glaube, sie mag dich." schmunzelte er während Emilia neben mich kam.

                "Oh ja, so wie dich jeder hier mag." Strahlend sah sie zu Jason hoch, der ihr mit einem Nicken Recht gab.

                "Dein Wort in Gottes Ohr." Breit grinsend zwinkerte ich ihr zu, löste mich von Jason und zog Emilia mit mir ins Haus. Lange hatte ich nicht mehr so ausgelassen getanzt und ich genoss die Party, die Jasons Vater angezettelt hatte.

 

12. September 2020

                Einen Tag vor meiner Hochzeit fühlte ich mich fürchterlich. Seit Tagen konnte ich nicht richtig schlafen und morgen würde ich in einem Kleid heiraten, das der Idee der Kostümdesigner von Game of Thrones entsprang. Nur, dass es nicht das Hochzeitskleid war, sondern das, das Daenerys anhatte als Khal Drogo sie zum ersten Mal begutachtete. Dieses Kleid fand ich umwerfend schön. Allerdings würde die Farbe meiner Augen so gar nicht dazu passen. Tiefe Augenringe hatten sich gebildet und verhöhnten mich. Emilia hielt nicht viel davon mir eine Tablette zum Schlafen zu geben und deshalb beschäftigte sie sich den ganzen Tag mit mir. Zwei Stunden Surftraining, zwei Stunden ausreiten, Mountainbiking und was es hier sonst noch so gab. Aber am meisten triezte sie mich in der kleinen Sporthalle, auf die Jason nicht verzichten wollte. Während Lola und Wolf sich einen Spaß daraus machten die Hanteln ihres Vaters zu vertauschen musste ich Klimmzüge machen. Und das mir. Ich schaffte es ja noch nicht mal mich an einem Seil fest zu halten. Immer wieder rutschte ich ab.

                "Verdammt, Emilia! Ich bin nicht Jason, der einfach mal so sich die Sprossenwand hoch zieht." Schwer atmete ich dabei und trocknete mich ab.

                "Du versuchst es ja nicht mal!" Ich hob eine Braue und sah an mir runter. Die Fitnessklamotten waren schon völlig durch geschwitzt.

                "Ach nein? Und was mache ich schon seit einer Stunde? Mit dem Hintern wackeln und gut aussehen?" Böse fauchte ich sie an. Emilias Gesichtszüge wurden weicher als sie auf mich zu kam. Abwehrend hob ich meine Hand. "Ich hab genug Sport gemacht." schnauzte ich sie an und verließ die Halle im Laufschritt. Im Vorbeieilen sah ich Gesichter, die mir bekannt vorkamen. Ich zog die Brauen zusammen während ich den Ausgang ansteuerte. Als ich die zwei großen Türen geöffnet und hinter mir gelassen hatte schrie ich erst mal meinen Frust von der Seele. Das Handtuch hatte ich mir um den Hals gelegt und lief nun langsam Richtung Strand, der seit ein paar Tagen gesperrt war. Allerdings stand ein Trailer in der Nähe des Strandes. Allan Carver hatte sich doch angekündigt. Aber das interessierte mich gerade nicht, lief ich Richtung Norden und blieb am Abhang sitzen. Die Sonne ging langsam unter, aber ich spürte immer noch keine Müdigkeit.

                "Beth?" Ich runzelte die Stirn, denn diese Stimme kannte ich noch nicht. Also drehte ich mich um und sah Coni mit Joseph auf dem Arm auf mich zu kommen. Ich folgte ihr bis sie mir meinen Sohn gab und sich dann neben mich setzte.

                "Danke" sagte ich und sah in das kleine Gesicht, das ich so unendlich liebte. Coni legte ihre Hand auf meinen Rücken und streichelt mich sacht.

                "Wie fühlst du dich?" fragte sie mich. Ich sah sie mit erhobener Braue und ziemlich überrascht an. Danach hatte mich in letzter Zeit niemand gefragt. Eine Weile sah ich sie an ehe ich aufs Meer sah und in mich lauschte.

                "Ich weiß es nicht." sagte ich ehrlich und seufzte aus.

                "Ist okay." nickte sie und sah mich lächelnd an. Irgendwie fühlte ich mich wie eine junge Frau, die von der zukünftigen Schwiegermutter geprüft wurde. "Er liebt dich über alles." Wieder bekam ich einen Klos in den Hals und spürte wie Tränen aufstiegen.

                "Und ich liebe ihn. Niemand kann verstehen wie sehr ich ihn liebe." Meine Stimme begann zu beben als ich Jasons Sohn wieder ansah für den ich gestorben wäre. Ich schluchzte nicht aber dennoch bahnten sich Tränen den Weg über meine Wangen und fielen in das Handtuch um meinen Hals.

                "Wahrscheinlich nicht." Coni rückte ein Stück an mich und zog mich an sie. "Ich habe meinen Sohn noch niemals so glücklich gesehen." Sie schenkte mir ein Lächeln und mir fiel der Stein vom Herzen, den ich seit ihrer Ankunft mit mir herum schleppte. "Und das macht mich glücklich." Sie zwinkerte mir zu und stand dann auf. Ich sah zu ihr hoch. Meine Augen sahen bestimmt noch schlimmer aus als sonst. Coni blieb still und nickte als wäre sie mit etwas überaus zufrieden. Dann beugte sie sich zu mir runter und küsste meine Stirn ehe sie sich auf den Weg zurück machte. Ich sah wieder aufs Meer und zum ersten Mal in meinem Leben dachte ich an nichts. Kein Gedanke formte sich. Es war einfach nur unglaublich still. Genau die Atmosphäre für die ich gemacht war. Während ich den Sinn meines Lebens im Arm hielt kullerten die Tränen wie kleine Rinnsale über meine Wangen.

                "Niemand hat je einen anderen so sehr geliebt wie ich dich liebe." Die ersten Sterne standen am Himmel und funkelten hell zu mir herunter.

                "Und wir lieben dich. Bis die Zeit endet." Ein Lächeln schob sich auf meine zitternden Lippen als ich Jason hinter mir hörte. Vorsichtig stand ich auf um den kleinen Mann nicht zu wecken. Er besah sich, was er morgen heiraten würde und strahlte heller als die Sterne über uns. Dann nahm er mir Joseph ab und lief langsam Richtung Haus. "Na komm, Mond meines Lebens. Emilia macht sich schwere Vorwürfe." Er nahm mich in seinen freien Arm und zog mich an sich.

                "Ist auch gut." Ich sah nochmal zu den Sternen hoch ehe ich mich auf den Weg konzentrierte. Die Solarleuchten lagen noch verpackt in einem Raum und warteten darauf aufgestellt zu werden.

                "Sei nicht so streng mit ihr. Sie versucht nur dich müde zu machen." verteidigte er die Patin seines Sohnes.

                "Ich weiß." seufzte ich und sah zu dem Bündel in Jasons Arm. Er schlief immer noch. Es dauerte sicher zehn Minuten bis wir das Haus erreicht hatten und Iolani Jason seinen Sohn abnahm. Ich sah unserer Nanni noch einen Moment hinterher ehe Jason mich an den Armen packte und mich eindringlich ansah.

                "Geh. Sonst ist unser Kühlschrank leer." Ich hob eine Braue, denn Frustessen war so gar nicht Emilias Art. Schmunzelnd zog ich ihn an seinem Shirt zu mir runter.

                "Bis morgen." raunte ich ihm zu und küsste ihn ehe ich ins Haus eilte und nach meiner Freundin suchte. Doch in der Küche fand ich sie nicht. Dafür in dem separaten Schlafzimmer, das ich für heute Nacht bezogen hatte. Ich blieb in der Tür stehen und verschränkte mit erhobener Braue meine Arme. "Hier seid ihr, meine Königin." Frech grinsend wurde sie zu Daenerys Targaryen. Und das machte sie auch nur für mich.

                "Ihr wisst, dass ihr einen Befehl verweigert habt und welche Strafe darauf steht?" Ich konnte nicht anders und fing an zu heulen als ich vor ihr auf die Knie ging und mich an ihre Beine schmiegte. Sofort schlang sie besorgt ihre Arme um mich. "Süße, was ist los?" wollte sie wissen.

                "Ich heirate meinen Traummann. Du bist mir eine Schwester geworden. Ich weiß nicht, womit ich das alles verdient habe." Wieder blubberte ich das mehr als dass man es verstehen konnte. beruhigend streichelte Emilia über mein Haar.

                "Einmal im Leben hat jeder Glück. Egal in welcher Form und du hast uns bekommen." Ich hob mein verweintes Gesicht und sah sie an.

                "Ja. Ich habe euch bekommen." Sie streichelte meine Tränen von meinen Wangen und lächelte mich an.

                "Und jetzt solltest du schlafen gehen. Bist du müde?" wollte sie wissen. Ich schüttelte wahrheitsgemäß den Kopf.

                "Nein. Tut mir leid." Sie reichte mir ein Taschentuch und schob mich dann sacht von sich. Während ich meine Nase putzte ging sie aus dem Zimmer und kam ein paar Minuten später zurück. Emilia kümmerte sich wirklich rührend um mich und gab mir für heute Nacht eine Schlaftablette. Ich glaubte nicht, dass sie wirken würde aber wer wusste schon, was passieren konnte? Für diese Nacht hatten wir getrennte Zimmer, denn morgen wollte niemand den anderen sehen auch wenn ich wusste, wie er aussehen würde. Vielleicht lag es ja an diesem Wissen, dass ich nicht schlafen konnte. Also schluckte ich das Ding und zog die Decke hoch.

 

13. September 2020

                Ich wurde nicht enttäuscht, da ich erst am nächsten Morgen aufwachte. Komplett ausgeruht und die Frische in Person. Aber viel Zeit hatte ich nicht, denn plötzlich stand ein Haufen Leute um mein Bett, aus dem ich noch nicht aufgestanden war.

                "Ich bin ja schon weg." sagte ich mit erhobenen Händen und eilte ins Bad um mich zu duschen und zu rasieren. Das würde ich niemand anderem überlassen. Während man das Kleid herein brachte frühstückte ich etwas und dann wurde ich geschminkt. Dabei gab ich meinem Sohn die Flasche, denn ganz wollte ich nicht auf meine Mutterrolle verzichten. Dann flocht man mir die Haare, die ich mittlerweile wieder in meiner Naturfarbe trug. Gerade so viel, dass es gut aussah. Meine Haare waren schon immer dünn gewesen. Nackt saß ich an diesem Tisch, kam mir wie eine Schauspielerin vor, die für ihre Rolle fertig gemacht wurde. Es mochte ja viel Geld einbringen, aber ob ich wirklich tauschen wollte glaubte ich nun nicht. Noch bevor ich angekleidet wurde nahm Joseph seinen Enkel und ging mit ihm hinaus. Lächelnd sah ich den beiden nach. Und dann wurde mir das Kleid angezogen. Ich schloss meine Augen um auch ja alles zu spüren, was der Stoff auf meiner Haut auslöste. Weich fühlte es sich an. Seidig. Sehr luftig, aber das lag wohl daran, dass ich nichts unter dem Kleid trug. Oder weil das Kleid jetzt ziemlich durchsichtig war? Man zog mir noch Ledersandalen an, die extra für mich gefertigt worden waren. 2016 hätte ich sowas noch nicht tragen können. Und jetzt war ich der Star in meinem eigenen Game of Thrones. Mark hatte sich vorgenommen diesen Tag auf Video fest zu halten. Eine schöne Erinnerung an einen unvergesslichen Tag.

                Wie lange saß ich jetzt schon hier? Mittlerweile waren zwei Hubschrauber gelandet, die einige Statisten und den Standesbeamten brachten, der sich viel Zeit für unsere Hochzeit nehmen würde. Alles hatte ich bis ins Detail geplant. Nur die Outfits und das Zelt. Darum hatte sich Jason gekümmert. Meine Brautrede stand fest, die konnte ich auswendig. Ich hatte sie an meine Wünsche angepasst und hier würde es auch kein 'Sie dürfen die Braut jetzt küssen' geben. Jason würde ich überlassen, was er sagen wollte. Dem Standesbeamten hatte ich ebenfalls schon übermittelt wie er unsere Ehe schließen sollte. Abgesehen von den Papieren, die uns vor dem Gesetz verbanden. Aber das würden wir noch vor der eigentlichen Zeremonie machen und zwar in getrennten Zimmern. Keinen Moment zu früh wollte ich meinen Khal sehen. Und diese Papiere unterschrieb ich jetzt. Emilia war meine Zeugin. Ich strahlte jetzt schon über das ganze Gesicht weil ich wusste, dass nach mir Jason und sein Zeuge unterschreiben würden. Lächelnd streichelte Emilia immer wieder das Kleid, das sie einst getragen hatte.

                "Da kommen Erinnerungen auf, oder?" Ich sah sie im Spiegel an. Lächelnd nickte sie.

                "Es hat unheimlich Spaß gemacht, die Serie zu machen." Sie sah mich eine Weile an ehe sie mir sacht über die Wange streichelte. "Und jetzt trägst Du es. Du siehst wunderschön aus." Ich spürte, dass ich Tränen in die Augen bekam.

                "Du warst viel schöner. Es war ja für Dich gemacht." erinnerte ich sie. Ich besah mich im Spiegel und strich über den zarten Stoff, der kaum noch etwas verdeckte. Emilia schüttelte den Kopf.

                "Ich hab' es nur getragen, um es für Dich aufzuwärmen." Herzlich begann ich zu lachen.

                "Naja, nachdem ich jetzt einundzwanzig Jahre gewartet habe, habe ich mir das verdient." Ich drehte mich zu ihr und sah zu ihr hoch. Sie nahm mein Gesicht zwischen ihre Hände und erwiderte mein Lächeln.

                "Es gibt nicht viele, die so lange auf ihren Auserwählten warten." Emilia zwinkerte mir zu und sah kurz auf ihre Uhr. "Es wird langsam Zeit." Ich spürte wie mein Herz anfing zu rasen. Ich erhob mich von meinem Stuhl und nahm Emilias Hände.

                "Ich hab' ein bisschen Angst." gab ich zu und versuchte tief durch zu atmen.

                "Also ich hätte ja Angst vor der pinken Plüschsocke." Ich blinzelte Emilia ein paar Mal an ehe mir ihr Interview über die Sexszene mit Jason einfiel. Schallend begann ich zu lachen und schon hatte ich meine Angst vergessen. In einer kurzen Lachpause hörte ich Trommeln, die rhythmisch geschlagen wurden. Mein Lachen gefror und ich sah wieder Emilia an, die meine Hand nahm.

                "Komm. Sie warten auf Dich." Ich spürte meinen ganzen Körper zittern vor Aufregung, als mich meine beste Freundin jetzt aus dem Haus führte damit ich den Khal heiraten konnte, wie ich es schon 1.000 Mal in meinen Träumen getan hatte. Eigentlich sollte ich wissen, was mich erwartete. Alles hatte ich geplant. Und jetzt stand hier ein riesiges Zelt mit Fleischspießen über dem Feuer. Weiterhin trommelten ein paar Männer ihren Rhythmus, der mir unheimlich bekannt vor kam. Und dann sah ich meinen fleischgewordenen Traum. Das lange schwarze Haar zu einem Zopf gebunden, dunkel seine Augen, die mich fixierten. Lederarmbänder auf beiden Seiten, die Hose, auf alles hatte man geachtet, nur um meinem Wunsch gerecht zu werden. Sogar ein Arakh war an diese Art Thron gelehnt, auf dem er saß. Woman…here…now …me konnte ich durch meine Gehirnwindungen schallen hören während ich geflochtenes Gras, Felle, Holz und Knochen sah, aus denen der Thron gemacht war. Langsam ging ich auf ihn zu. Die Lippen leicht geöffnet, die die Luft leise in meine Lunge sogen während meine Knie weich werden wollten. REISS DICH ZUSAMMEN! NUR DIESES EINE MAL! Mein zweites Ich zog mir einen Baseballschläger über den Schädel damit ich klar denken konnte. Als ich ihn erreicht hatte und vor ihm stehen blieb, hob er eine Braue und nickte nach unten. Sofort setzte ich mich ihm zu Füßen und sah zu ihm auf.

                "Yer shekh ma shieraki anni" sagte ich und legte meine Hände auf seine Schenkel. Ein Mann, der passend gekleidet war, kam zu uns. Er sah uns nur an. Dann nickte er zu mir runter. Ich machte meinen schönsten Augenaufschlag, den ich zu bieten hatte. "Viele Winter und Sommer ist es her, seit du mein Herz gestohlen hast, meine Sonne, Sterne." Ich sah wieder in dieses Gesicht, das mir eine angenehme Gänsehaut bescherte und aufrichtete, was im Normalfall, niemand sehen sollte. "Nimm mich in deinen Schutz. Auf dass mir kein Leid geschehen möge." Ich hatte nicht viel Text vorgesehen. Nur sehr wichtiges.

                "Yer jalan atthirari anni" Niemand konnte Mond meines Lebens mit solcher Inbrunst sagen und ich spürte wie ich in meinem Stolz ein wenig größer wurde. Ich schmiegte mich fest an seine Beine und sah zu ihm auf. Ich hoffte, dass ich meinen Schutz in meiner Körpersprache ausdrücken konnte. Denn meine Augen konnten es nicht. Die loderten bereits wie ein Vulkan. "Nichts soll dir geschehen." Er richtete sein Augenmerk auf seinen jüngsten Sohn. Ich hielt meinen Blick jedoch auf ihn gerichtet. Er sah wieder zu mir runter. "Mein sollst du sein. Heute, und bis zu meinem letzten Tag." Ich spürte, wie mich meine Mitte zerreißen wollte. Der Mann, der sich zu uns gesellt hatte, trat vor uns und verbeugte sich. Mir fiel ein Stein vom Herzen, dass nicht noch mehr gesagt wurde, auch wenn ich das geplant hatte. Mein Khal, dessen Khaleesi ich nun war, nickte neben sich auf einen Sitz und nahm sich dann ein Horn, von dem er trank. Ich erhob mich langsam und setzte mich auf den Sitz, den er für mich vorgesehen hatte. Ich konnte nicht anders als ihn anzusehen. Mit diesen schwarz geschminkten Augen, dem langen Haar. Aber jetzt wurde gegessen und getrunken. Mark tat mir am meisten leid, denn er hatte versprochen bis zu unserem Ritt alles auf Video aufzunehmen. Emilia fütterte ihn zwar aber das war nicht dasselbe, wie wenn man es selbst aß. Tessa trat auf uns zu, die ich schon vor über einem Jahr eingeladen hatte bei unserer Hochzeit dabei zu sein.

                "Für den Kahl und die Khaleesi." Ich platzte vor Stolz weil sie sich anpasste auch wenn ich das von niemandem verlangen würde. Es ging ja nur um Jason und mich. Tessa legte eine kleine Schachtel auf den Boden, die sie öffnete und den Deckel leicht schräg oben auf legte. Ich sah mir an, was sie da gebracht hatte ehe Lola es sich zur Aufgabe machte, die Sachen weg zu legen. In der Schachtel lagen Handschellen aus rostfreiem Stahl. Ich versuchte mein Grinsen im Zaum zu halten während Jason da saß und keine Miene verzog. Der Fan in mir betete darum, der Fußboden zu sein auf dem sich Jason bewegte. Jeder hatte etwas für uns gekauft, das sie nun vor uns hinstellten. Steve und Mary schenkten uns drei Bilderrahmen. Einen von Steve, einen von Mary und noch einen des jüngsten Zuwachses. Bethany hatten sie ihr Mädchen genannt und mich damit zum Weinen gebracht. Ich nickte als Dank und wartete darauf, dass Lola die Bilder weg nahm. Doch die spielte mit ihrer Puppe oder besah sich das Armband, das ich ihr gekauft hatte. Emilia kam vor uns und stellte zwei Rahmen dazu. Von ihr und Mark je ein Bild. Auch Coni und Joseph, Jasons Eltern, stellten Rahmen dazu. Ich spürte erneut Tränen in mir aufsteigen. Lola und Wolf waren die nächsten. Fehlte nur noch Kate, die es sich bis zuletzt aufgehoben hatte. Hoch lebe wasserfestes Makeup, denn die Tränen kullerten auch wenn ich mir verwehrte auch nur einen Ton von mir zu geben. Auch meiner Mom nickte ich zu, die sich leicht verbeugte und sich dann zurück zog. Ich würde morgen allen verbal danken, für diese fabelhafte Idee. Das war eindeutig besser als Essbesteck oder ein Essservice. Die Sonne neigte sich im Osten dem Meer zu. Das Fest war beendet. Ich ließ meinen Khal vorgehen damit er mehr von meinem Anblick hatte wenn ich letztendlich auf ihn zu ging. Joseph hatte die Pferde geholt und wartete auf uns. Langsam ging ich auf meinen Mann zu, verführte ihn mit meinem Anblick auch wenn er mich schon seit Stunden am Haken hatte. So würde ich ihn nie wieder sehen also kostete ich jede Sekunde aus, die ich mit meinem König hatte. Lächelnd streichelte ich die weiße Stute, auf der ich im letzten Monat reiten gelernt hatte. Und jetzt hob er mich in den Sattel wie er es vor Jahren mit Emilia gemacht hatte. Ich setzte mich richtig in den Sattel und nahm die Zügel an mich. Lächelnd sah ich nochmal in die Runde ehe Jason die Zügel meines Pferdes übernahm und mich von dem Zelt fort führte. Im leichten Trab ging es zum Ende der Landzunge, wo er mich vom Pferd hob. Meine Hände lagen auf seinen Oberarmen und mein Blick in diesem undurchschaubaren Blick, den er mir schenkte. Als ich den Boden unter meinen Füßen spürte, ging ich an den Rand der Felsen. Nicht zu nah. Ich wollte nicht im Krankenhaus landen. In diesem Augenblick wurde mir so manches klar. Nicht nur, wie gut ich gewählt hatte, denn gerade ging ein leichtes Lüftchen, das mein Kleid in Bewegung setzte, sondern auch, dass ich mit einem Star verheiratet war. Überaus glücklich beobachtet ich den Sonnenuntergang als ich seine Hände auf meinen Schultern spürte. Ich würde ganz sicher nicht weinen wie Daenerys Targaryen. Er umrundete mich und sah mich an. Mit diesem Blick, für den ich morden würde. Er blieb vor mir stehen und betrachtete, was er gerade bekommen hatte. Dabei zog er die Gürtel aus, die ihm nur hinderlich wären, und warf sie beiseite. Dann löste er die Nadeln an meinen Schultern. Das Kleid rutschte zu Boden und ich stand, nur mit dem hübschen Tattoo bekleidet, vor ihm. Er drehte mich um und drückte mich an sich.

                "Ich liebe dich." brummte er mich an. Dann beugte er mich nach vorne, so dass ich auf allen Vieren vor ihm kniete.

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