Ten- Superheldenroman

" Was mich nicht umbringt, macht mich stärker."
- Friedrich Nietzsche-

So viel Macht. So viel Macht lag da um sein Handgelenk. Er fühlte sich wie ein Gott- unbesiegbar. Jedoch musste er bald lernen, wie schnell diese Macht sein Leben verstören konnte. Wie sie es zerfraß... wie ein Maden in einem Apfel.
Sein Leben war einmal so normal gewesen. Er hatte keinerlei Verlangen gehabt, hervorzustechen. Aber das Schicksal sucht einen nicht immer auf Wunsch heim. Bens leben änderte sich schlagartig, als er in den Besitzt eines uhrartigen Gerätes kommt, das ihm die Kraft verleiht, sich in bis zu 10 Aliens mit unterschiedlichen Kräften zu verwandeln. Er versucht sich als Superheld... träumt von Ruhm und Berühmtheit. Am Ende jedoch, ist er nur ein einsamer Wolf, dessen Rücken sich unter dem Gewicht seiner Taten beugt. Aber vielleicht gibt es doch noch Hoffnung auf ein Morgen?
- Superheldendrama-
Eine erwachsenere Version der Cartoonserie "Ben 10". -

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2. Kapitel 2: Der Fluss in der Mauer

~~Er wusste genau, wo er hinwollte.

Es war ein Café am Stadtpark, der dazu noch auf seinem Schulweg lag. Der Laden sah ziemlich unscheinbar aus. Vermutlich hätte er ihn nie beachtet, wäre da nicht ein Zufall gewesen. Es fühlte sich für ihn an, als wäre es erst 24 Stunden her: Gwen und er waren auf dem nach Hause weg, als es plötzlich anfing zu schneien. Es war Oktober, weshalb sie es nicht für ernst genommen hatten. Ihrgendwann wurde es immer kräftiger. Starker Wind zog auf. Jedoch gab es für sie keinen Platz zum Unterstellen.

Der Schnee war nach fünf Minuten so hoch gewesen, dass er in seine Halbschuhe rutschte und seine Füße in Windeseile in Tiefkühlkost verwandelte. Gwen trug High-Heels, blieb jedoch ebenfalls nicht vom Schnee verschont. Gerade als der Schnee dabei war seine Oberschenkel zu erklimmen, kamen sie bei dem Café an. Sie hatten die Tür aufgerissen und waren hineingestürmt. Total durchgefroren ließen sie sich an dem nächst beheizten Sitzplatz nieder. Sie hatten sich gegenseitig umarmt um sich schneller zu erwärmen. Diesen Moment stufte Ben als romantisch ein. Wie sie in seinen Armen gelegen hatte, die Augen geschlossen und sanft atmete. Das war das erste Mal, das er mehr als nur Freundschaft für sie gespürt hatte. In diesem Moment war etwas in ihm erwacht. Ein Gefühl das er in solchem Ausmaß noch nie für jemanden gespürt hatte.

Die Ladenbesitzerin war eine ältere Dame. Sie hatte all das schweigend von der Theke aus beobachtet. Irgendwann brachte sie jedem von ihnen eine heiße Schokolade und verlangte nicht einen Dollar dafür. Von einem Fernseher im Raum, konnten sie sehen, das ihr „Schneesturm" ein Blizzard gewesen war. Sie bekamen Luftaufnahmen von Toronto zu sehen, die die Stadt komplett weiß zeigten. Überall waren Feuerwehrleute aktiv, die Zivilisten aus den tödlichen Schneemaßen retteten und Autos, die nur noch als Huckel im Schnee zu sehen waren, bargen. Erst dadurch wurde ihnen die Gefahr bewusst: wären sie länger geblieben, wären sie erfroren. Sie verdankten dem Café ihr Leben.

Seitdem gingen sie öfters dort hin, mal gemeinsam und mal getrennt.

Er ging durch die Tür. Der Duft von Brötchen stieg im in die Nase, vermischt mit dem beißenden Geruch von etwas Angebranntem.

Die alte Bäckerin von Damals stand auch heute wieder an der Theke. Als sie ihn sah, lächelte sie.

„Hallo... ehm war Gwen heute schon hier?", fragte er.

Sie machte ein Ratloses Gesicht.

„Ich glaube, da bin ich überfragt, Junge. Ich stehe ja schließlich nicht den gesamten Tag an der Theke, weißt du."

„Okay...dann hätte ich gerne einen Bagel mit Lachs. Zum Mitnehmen."

„Du machst mir aber heute einen mürrischen Eindruck. Erzähl doch mal. Wie geht es zu Hause zu? Wie läuft es mit Gwen?"

„Ach nein...mir ist heute nicht so zu mute. Tut mir leid."

Die Bäckerin machte ein besorgtes Gesicht. Sie kannte ihn inzwischen schon so gut, das sie wusste, wenn etwas nicht stimmte. Jedoch verzichtete sie darauf, ihn weiter zu drangen und gab ihm den Bagel im Tausch gegen ein paar zerknitterte Dollar über die Theke.

„Auf wiedersehen.", verabschiedete er sich und ging hinaus, ohne auf eine Rückantwort zu warten.

Er ging in den Park und suchte eine der schwarz angestrichenen Metallbänke auf. Dort ließ er sich nieder und genoss das schöne Wetter. Sein sitzendes Ich spiegelte sich im von Laub übersäten Wasser des Teiches vor ihm. Wenn Wind heranzog, verschwamm das Bildnis und krümmte sich zusammen. Ein schöner Platz zum Nachdenken war das. Rechts von ihm stand ein Zeitungsautomat, dessen Innereien ihn mit der fetten, roten Schlagzeile einer Kaufzeitung anstrahlten:
‚Polizei stellt 22 Bandmitglieder der Eisernen Hand bei Razzia in Fabrikgebäude'

Die eiserne Hand-
Eine Mafiaartige Bande in Toronto die von vielen korrupten Männern mit viel Einfluss geführt wurde.
Illegaler Organhandel, Geldwäsche und Zwangsprostitution waren nur ein Bruchteil der Straftaten der organisierten Verbrecherbande. Die Gruppe war wie Wasser, das durch eine spröde Mauer lief: man konnte noch so viele Löcher abdichten und Zuflüsse abkappen, irgendwo lief immer noch ein kleiner Fluss, der sich wieder ins Gestein fraß, bis er ein großer Schwall war. Die Polizei war total überfordert mit diesem übermächtigen Gegner. Aber wer könnte helfen?
Um mit diesem Problem fertig zu werden, brauchte es mehr als die Blaulichter. Man brauchte einen Mann, der dieser Bedrohung die Stirn bot. Aber dafür musste schon ein Superheld aus dem Boden wachsen.


Er ließ seinen Blick durch den begrünten Park schweifen.

Hier war viel los nachmittags. Jogger drehten in überteuerten Rennanzügen oder herkömmlicher Rennkleidung  schwitzend im Park ihre Runden,

Pärchen tauschten auf Parkbänken und beim Picknick Zärtlichkeit aus oder Geschäftsleute und Spätschichter eilten zu ihren Arbeitsplätzen.

Ach, wie einsam er sich gerade fühlte. Wenn Gwen jetzt doch nur bei ihm wäre… mit ihr konnte er über jedes Thema reden. Egal wie abstrakt oder bescheuert es war, sie hörte ihm zu.

Eine Idee kam ihm in den Sinn, als er einen Blick auf seine Armbanduhr warf. Es war 16 Uhr. Um diese Zeit hatte Gwen immer Kickboxen im Kampfsportzentrum. Wie wäre es, ihr einen Besuch abzustatten? Ja, dass klang gut. Es war definitiv besser als hier zu sitzen und sich zu langweilen.

Ben stand auf und suchte an der Wand des Bäckerstübchens nach seinem Fahrrad.

Er fand es, festgekettet im Fahrradständer stehend. Mit Leichtigkeit öffnete er das Fahrradschloss und sprang auf.


Er hatte eine Weile zu fahren. Das Kampfsportzentrum lag im Süden der Stadt, im reicheren Viertel wo Gwen wohnte.

Die Wolkenkratzer strahlten das Licht der Sonne auf die Straße ab. Er fühlte sich wie im Zentrum einen Solargrills. Trotzdem wollte er keine Pause machen, da das Center bereits in Sichtweite war. Es sah aus wie ein herausgeschnittenes Stück Wolkenkratzer. Ein Glaskasten, durch den Man den Sportlern zusehen konnte wie durch ein Schaufenster in einer Shopping Street.

Er ging durch das gläserne Schwenktür Pärchen und fand sich sofort im Getümmel aus Gruppen wieder. Im Inneren befand sich eine große Halle auf

3 Etagen verteilt, auf der sich 7-10 Schüler einen Lehrer teilten und eher schlecht als Recht dessen Schläge, Tritte und Abwehrbewegungen nachahmten.

Er war total orientierungslos. Wie wollte er sie hier nur finden?

Plötzlich fiel ihm etwas wieder ein, was sie ihm einmal über die Struktur der Anlage erzählt hatte:
„Im Erdgeschoss sind die Neuen, in der 2. Etage sind die Fortgeschrittenen und ganz oben sind die Profis.“
In seinem inneren Auge tauschte ein selbstsicheres Grinsen auf ihrem Gesicht auf
„Du weißt ja, wo du mich findest.“
Oh ja. Das wusste er nur zu gut. Sie war fast mit ihrer Ausbildung fertig. Manchmal unterrichtete sie sogar die Frischlinge im Erdgeschoss, wenn der Lehrer mal keine Zeit hatte.
 Zumindest behauptete sie das so.
Da er ihr jedoch voll und ganz vertraute, trat er seinen Weg an und lief am Rand der Halle zur linken, hinteren Ecke, wo eine steile Treppe auf ihn wartete.

Mit schmerzenden Knien kam er im obersten Geschoss an.
Die Halle war von insgesamt 2 Gruppen belegt. Nicht gerade viel, wie er bemerkte, was wohl daran lag, dass so viele ihre Ausbildung nicht abschlossen, sondern einfach das Handtuch warfen und aufgaben. Der Fakt, dass sie immer noch dabei war, demonstrierte ihr unglaubliches Durchhaltevermögen. Davor konnte er nur den Hut ziehen. Für ihn war so etwas unvorstellbar.
Gwen befand sich in der zweiten Gruppe, die gleich neben einer großen Spiegelwand trainierte. Ihre Blicke trafen sich und ein Lächeln tauchte auf ihrem Gesicht auf. Ihr Blick vertiefte sich für einen Moment so sehr in seinem, dass sie beinahe vergaß, ihre Übung durchzuführen.
„Gwen“, ermahnte sie ihr Lehrer, ein breiter Typ mit kurzem braunen Haar.
„Bist du immer noch mit uns?“
Sie erwachte schreckhaft aus ihrer Starre.
„Oh…Entschuldigung“, murmelte sie.
Einige ihrer Mitschüler kicherten in sich hinein.
Sie musste ihnen nur einen wütenden Blick zuwerfen und ihre Emotionen verflüchtigten sich sofort.
Er nahm auf einer Bank, rechts neben sich Platz und sah ihr beim trainieren zu.
Die Zeiger seiner Uhr neigten sich 17 Uhr. Gwens Training war gleich vorbei.
Irgendwann, nach einer halben Ewigkeit, zog der Lehrer den Schlussstrich. Augenblicklich zerstreute sich die Gruppe im Raum, wie Billardkugeln die von der weißen Kugel am Anfang des Spiels angestoßen wurden.
Gwen ging zur nächsten Wand, wo ihre Wasserflasche und ein Handtuch lagen.
Langsam sah Ben, wie das Wasser im inneren der transparenten Flasche langsam zurückging, als sie trank. Sie wischte sich den Mund und das schweißüberströmte Gesicht mit dem Handtuch ab und kam auf ihn zu.
„Hey“, sagte sie lächelnd. „Und wie sieht deine Bestrafung aus?“
Sie verzog vorahnend das Gesicht und war wohl auf das schlimmste gefasst.
Er zuckte nur die Schultern.
„Ach das Übliche. Videospielverbot und eine Standpauke…du weißt schon.“
„Na Super.“
Sie ließ sich erschöpft neben ihn auf die Sportbank fallen.
„Dann bist du ja noch mal ganz gut davongekommen.“
„Naja… diese Entscheidung liegt wohl beim Betroffenen.“
„Ja da hast du Recht. Bist du mit dem Fahrrad hier?“
„Ja.“, antwortete er. „Und du?“
Sie nickte.
„Dann lass uns nicht länger warten. Fahren wir nach hause.“
Er sah ihr immer noch ziemlich erschöpftes Gesicht.
„Das geht doch klar, oder?“
„Jaja.“, antwortete sie schnell zurück, um jedes Anzeichen von Schwäche zu verbergen.

Die Sonne war gerade dabei, unterzugehen. Das war um diese Jahreszeit üblich. Der Späte September hatte die Stadt in ein braunes Rostrot gehüllt.
Sie fuhren durch die Straßen, immer Seite an Seite.
Irgendwann bog Gwen in die Querstraße ab, in der sich der Wolkenkratzer erhob, den sie ihr zu hause nannte.
„Bis Morgen.“, verabschiedetete sie sich und warf ihm ein warmes Lächeln über die Schulter zu.
„Ja.“, antwortete er. „Bis Morgen.“

 

 

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