Dreamer - Träumst du noch oder lebst du schon?

Jayla ist eigentlich eine gewöhnliche, junge Frau. Sie hat durchschnittlich viele Freunde, mit denen sie gut auskommt und sie hat einen ebenso normalen Job in einem kleinen Bistro, das einem amerikanischen Diner ähnelt. Durch ihren amerikanischen Vater, der sich während des Medizinstudiums in die deutsche Lisa Adelmann verliebte und so seine Heimat, New York City hinter sich ließ, brennt in Jayla schon immer das dringende Bedürfnis, ihren Wurzeln zu folgen.
Ihr Traum ist es insgeheim mit ihren Geschichten, die sich auf ihrem Laptop angesammelt haben, Geld zu verdienen. Bislang hat sie davon niemandem erzählt. Als sie eines abends frustriert über den sich immer wiederholenden Alltag ein wenig zu viel Wein trinkt und ihrer besten Freundin May von ihren Sorgen erzählt, hat diese eine Idee, von der die Halb-Amerikanerin erst so gar nicht überzeugt ist.Woher sollte sie auch ahnen, dass genau diese Idee ihr die Tür in eine Welt öffnet, die ihr komplettes Leben auf den Kopf stellt..

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2. Zwei.

2.- Träume.

 

 

"Schätzchen, jetzt lümmel doch nicht so mit dem Handy in der Ecke. Bist du hier, um uns zu besuchen, oder auf das flackernde Ding in deiner Hand zu starren? Überhaupt; glaubst du nicht, dass es ungesund für die Augen ist. Was bin ich froh, dass ich sowas nicht brauche."
Mum hat mal wieder nichts weiter zu tun, als zu analysieren, was ich tue und wie. Sie ist ein toller Mensch, aber an Tagen wie heute, frage ich mich doch ernsthaft, wieso ich sie überhaupt einmal die Woche besuchen fahre.
"Ich gehe auf die dreißig zu, überlass' doch bitte mir, wie oft ich darauf sehe. Und nebenbei bemerkt, stehe ich May gerade bei. Sie hat einen miesen Tag. Sowas machen Freunde nämlich", erkläre ich mich mit einem selbstgefälligen Ausdruck auf dem Gesicht, bei dem Mum nichts erwidern kann. Sie weiß, dass ich Recht habe.
Ha!
"Hi Darling, wie geht's dir heute?" Dad betritt den Raum, wie immer ziemlich schick gekleidet. Er ist einer dieser Männer, die wohl auch im Anzug schlafen. Jedenfalls könnte man das meinen, wenn man ihn so sieht. Egal zu welcher Tageszeit man ihm begegnet, er strahlt immer diese gewisse Autorität aus.
"Daddy! Mir geht's toll, wie war es in München?" Kurzerhand stehe ich auf, drücke ihn an mich und lasse dafür sogar mein Smartphone links liegen. Dafür ernte ich einen finsteren Blick von Mum, die deswegen wohl beleidigt ist.
Diese Frau kann ja so eine Diva sein, dabei behauptet sie immer, sie ist vollkommen unkompliziert.
"Ach, bloß ein Ärztekongress. Ein Klugscheißer neben dem Anderen und jeder will der Klügste sein. Wir sollten aber mal als Familie dorthin fahren", schlägt er vor und wieder einmal fällt mir auf, wie gut sein Deutsch doch geworden ist. Seinen Akzent wird er zwar immer behalten, doch wenn man ihn so reden hört, versteht man ihn ohne Probleme. Beeindruckend, wenn man mich fragt, denn wenn ich so an Granny denke, die noch immer in New York lebt, erinnere ich mich an ihre Versuche die Sprache zu lernen. Sie hat es schnell aufgegeben.
"Jayla würdest du gütigerweise den Tisch decken, oder bist du deine Freundin dann los?", mischt sich Mum von der Küchenzeile ein und vermischt den Salat in der gläsernen Schüssel.
"Komm schon, jetzt schmoll' nicht, du bekommst heute noch genug meiner Aufmerksamkeit, versprochen." Versöhnlich gehe ich zu ihr, drücke ihr einen Kuss auf die Wange und decke den Tisch ein.
"Red keinen Unsinn, ich bin doch deswegen nicht sauer." Auffällig gut gelaunt, strahlt sie plötztlich und widmet sich dann Daddy mit einem ausgiebigen Kuss, der ein eigenartiges Knurren von sich gibt und ihr über den Rücken streicht.
Ew.
Eigentlich bin ich froh darüber, dass meine Eltern zu den wenigen gehören, die auch nach all den Jahren noch so glücklich miteinander sind, aber ihre Liebkosungen sind mir doch unangenehm.

Zwei Stunden später sitzen wir im Wohnzimmer, meine Eltern auf der Couch, ich für meinen Teil in dem gemütlichen Sessel. Nebenher läuft der Fernseher.
Wieder kann ich es nicht lassen und mache mir Notizen, die Ideen sprudeln mal wieder so über und ich spüre das dringende Bedürfnis nach Hause zu fahren, um mich an den Laptop zu schmeißen.
"Was machst du denn da schon wieder?", höre ich Mum sagen, die neugierig den Blick hebt und ihren Oberkörper durchstreckt, um sehen zu können, was ich notiert habe.
Augenblicklich klappe ich den Block zu, auf dem es seitenweise von Ideen wimmelt. Mein Heiligstes!
"Nichts, nur eine Einkaufsliste. Da fällt mir ein, dass ich dringend noch Quark brauche und neues Müsli, sonst habe ich morgen kein Frühstück."
Die ideale Gelegenheit, um sich aus dem Staub zu machen.
"Du kannst doch aber von uns etwas mitnehmen, dafür musst du nicht extra einkaufen heute."
"Doch, weil..ich brauche da noch dieses..das gibt's nur in dem einen Supermarkt da neben dem..Kaufhaus", stammel ich.
Oh, wie schlecht. Wieder mal. Ich sollte in Zukunft wirklich nicht mehr lügen.
"Alles in Ordnung, Darling?", lenkt Daddy nun ein und mich packt das schlechte Gewissen. Wieso erzähle ich ihnen nicht einfach von meinem Hobby. Wobei das Schreiben für mich noch soviel mehr ist. Es ist eine Ablenkung, eine Befriedigung, ein Traum.
In mir ist es, dass schreckliche Angst vor ihrer Reaktion ist. Mum ist nicht immer die Feinfühligste, was wenn sie Dinge sagt wie; 'Da gibt es aber bessere Geschichten. Konzentrier dich lieber auf etwas anständiges.' - oder 'Du bist kindisch, werd doch endlich erwachsen und such dir einen reichen Mann.'
Sie predigt mir oft, dass es doch endlich Zeit für eine Beziehung ist. Meine Verwandtschaft fragt sich, was mit mir nicht stimmt. Es ist ja nicht so, als hätte ich nicht schon so meine Erfahrungen mit Männern gemacht, sie haben mir nur schlichtweg nicht gefallen. Wozu also die ganze Mühe?
"Es ist alles okay, ich muss nur wirklich los jetzt. Danke für das Essen, genießt den Abend." Etwas zu überstürzt, drücke ich meinen Eltern also einen Kuss auf und hetze aus dem Haus. Nicht einmal die Schuhe habe ich richtig zugebunden.
In meinem Wahn, renne ich zur anderen Straßenseite, wo ich mein Auto geparkt habe und übersehe dabei einen Mann auf dem Fahrrad, der soeben bremsen kann, mich jedoch seitlich erwischt und den Block dazu bringt, in die Luft zu fliegen.
Während ich mir schmerzerfüllt den Ellenbogen reibe, sehe ich über mir die Notizen umher wirbeln, bis sie in einem einzigen Chaos auf der Straße landen.
"NEIN!", schreie ich etwas zu entsetzt und beachte das brennende Gefühl an meinem Arm nicht weiter. Statt dessen krieche ich zu den Notizblättern und versuche sie schnellstmöglich einzusammeln.
"Du warst ganz schön schnell unterwegs, ich habe dich gar nicht gesehen." Neben mir hockt Mr. Paketbote. Er hat strahlende Augen, irgendein Grauton und sein Lächeln ist auch nett. Nur interessiert mich das herzlich wenig.
"Tut mir leid, das war mein Fehler. Ich will nur schnell nach Hause."
Verlegenheit steigt in mir auf und macht sich auf meinen Wangen bemerkbar. Sie sind feuerrot, könnte ich wetten.
Auch das noch!
"Das passiert, kein Thema. Ich hoffe das hier war nicht für die Universität, davon sind nämich ein paar ziemlich dreckig geworden." Stirnrunzelnd hebt er drei der Blätter an und wedelt damit vor meiner Nase herum. Neugierig beginnt er die Worte zu überfliegen.
"Hey, hör sofort auf damit, das ist privat!" Meine Augen funkeln wütend. Wenn ich eins nicht mag, dann unvollendete Ideen preiszugeben. Überhaupt..was fällt dem Kerl ein?
"Wow, sorry. Wusste ja nicht, dass es Geheimunterlagen sind. Bist du vom FBI oder so?"
Sein Lachen klingt niedlich und endlich entspanne ich mich etwas. Streng genommen ist es wirklich meine Schuld gewesen und wer kann es ihm verübeln? Ich hätte wohl ebenso auf die Zettel gelunscht.
"Ist schon gut..ich muss jetzt echt los. Hoffe an deinem Fahrrad ist alles heile", beeile ich mich zu sagen, raffe mich auf und halte den Block fest zugedrückt, damit die einzelnen Zettel nicht wieder runterfallen können.
"Nichts passiert." Charmant lächelnd fährt er sich durch die braunen Haare, die er etwas länger trägt.
"Also dann, man sieht sich!"
Wohl eher nicht, wenn man bedenkt, dass ich mich von Männern fernhalte. Außerdem hat er nicht geflirtet. Definitiv nicht. So ein Kerl steht wohl eher auf Blondinen.
Ohne mich umzusehen, reiße ich die Autotür auf, werfe meine Sachen rein und höre ihn noch rufen: "Wie heißt du denn?"-
Der Motor heult auf und ich lasse das Fenster runter.
"Jayla", teile ich ihm grinsend mit und verschwinde. Auf mich wartet eine lange Nacht voller Ideen, die noch geschliffen werden müssen.

 

 

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