Dreamer - Träumst du noch oder lebst du schon?

Jayla ist eigentlich eine gewöhnliche, junge Frau. Sie hat durchschnittlich viele Freunde, mit denen sie gut auskommt und sie hat einen ebenso normalen Job in einem kleinen Bistro, das einem amerikanischen Diner ähnelt. Durch ihren amerikanischen Vater, der sich während des Medizinstudiums in die deutsche Lisa Adelmann verliebte und so seine Heimat, New York City hinter sich ließ, brennt in Jayla schon immer das dringende Bedürfnis, ihren Wurzeln zu folgen.
Ihr Traum ist es insgeheim mit ihren Geschichten, die sich auf ihrem Laptop angesammelt haben, Geld zu verdienen. Bislang hat sie davon niemandem erzählt. Als sie eines abends frustriert über den sich immer wiederholenden Alltag ein wenig zu viel Wein trinkt und ihrer besten Freundin May von ihren Sorgen erzählt, hat diese eine Idee, von der die Halb-Amerikanerin erst so gar nicht überzeugt ist.Woher sollte sie auch ahnen, dass genau diese Idee ihr die Tür in eine Welt öffnet, die ihr komplettes Leben auf den Kopf stellt..

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6. Sechs.

#6 Neue Welt

 

Mein Hintern fühlt sich nach den vierzehn Stunden und fünfzehn Minuten Flugzeit an, als sei er abgenutzt und irgendwo in den tiefen des Sitzes versunken. Außerdem habe ich kein Gefühl mehr darin, sodass ich es kaum noch schaffe still zu halten. Draußen strahlt die morgendliche Sonne und endlich erkennen meine übermüdeten Augen, die ersten Umrisse der amerikanischen Landschaft unter uns. Geschlafen habe ich die ganze Zeit kaum, man bezeichnet es wohl eher als kurzes dösen. Dank der vielen Leute drumherum, schafft mein Gehirn es nicht, auf Standby zu schalten. Ständig habe ich das Gefühl, ich könnte gleich sabbern, oder den Mund aufreißen, als sei ich gestört. Also habe ich meine Zeit sinnvoll genutzt und geschrieben, Filme angesehen und zwischendurch einfach die vorbeiziehende Landschaft genossen, wenn ich davon nachts auch nicht all zu viel mitbekommen konnte.

Ich habe die Fluggäste wirklich beneidet, die sich ihre Schlafmaske aufsetzen und bis vor zwei Stunden noch tiefenentspannt auf ihrem Sitz gekauert haben. Vielleicht sollte ich mir nächstes Mal einfach eine Schlaftablette einwerfen, die mein Gehirn in den Ruhezustand zwingt.

Die vertraute Stimme des Piloten erklingt und kündigt gut gelaunt, wohl mit Aussicht auf Feierabend, den Landeanflug auf den LAX – Flughafen an.
Ich realisiere noch gar nicht, dass ich wirklich da bin und reibe mir gähnend die Augen, während mein Körper bereits einen Jetlag ankündigt. In Köln bricht der Abend an und hier beginnt der Morgen. Das ist doch verrückt. Im Moment frage ich mich, wie ich mich an die Zeitverschiebnung von neun Stunden gewöhnen soll, aber ich bleibe zuversichtlich. Seit dem letzten Streitgespräch mit Jonas, habe ich nicht mehr viel von ihm gehört. Außer zwei Anrufen und einer Nachricht, in der er seinen Fehler immer noch nicht so recht einsieht, hat er keinen weiteren Versuch gestartet sich zu verabschieden. Dafür hat May mich zum Flughafen gebracht und mit mir mitgefiebert. Im Gegenzug soll ich ihr etwas mitbringen, versteht sich von selbst.

Erst als das Flugzeug federleicht auf der Landebahn des Flughafens aufkommt, zwingt mich mein Kopf wieder ins Hier und Jetzt. Der Himmel ist jetzt schon blau und ich spüre, dass das ein toller Tag wird. - Nach einer Mütze Schlaf.

„Wie kann man es hier nicht lieben, oder?“, strahle ich meinen Sitznachbarn an, der sich ein Lächeln nicht verkneifen kann und nickt.

„Defintiv.“ Er scheint Amerikaner zu sein, wie ich gleich zu Anfang festgestellt habe und er sieht meinem Dad ein bisschen ähnlich. Ein Stück Heimat direkt neben mir.
Meine Eltern können es im Übrigen immer noch nicht fassen, dass ich ihnen erst so spät davon erzählt habe, nämlich am Tag der Abreise. Sie freuen sich für mich, selbst meine Mutter scheint dem Ganzen positiv entgegen zu sehen. Alle unterstützen mich, nur mein eigener Freund nicht.

Und da wäre er wieder; der Grund weswegen ich Beziehungen so lange gemieden habe.

Als ich endlich, erleichtert darüber, dass mein Gepäck heile angekommen ist, mit den zwei Koffern wegrolle, mache ich eine Pause am Ausgang, um meiner Familie und May zu berichten, wie der Flug war und vor allem, dass ich amerikanischen Boden unter den Füßen habe.

Ich bin überrascht, wie frisch ich trotz den Strapazen des Fluges noch aussehe, als ich ein Selfie schieße und es ihnen mit einem passenden Spruch zusende.

Und promt antwortet May.

Du strahlst ja richtig! Schön, dass es dir gut geht. Vermisse dich jetzt schon, ich denke an dich. Knutscher.*

Ich schreibe zurück und fühle einen kurzen Stich in der Brust. Es ist seltsam allein auf sich gestellt, so weit weg von zuhause. Und trotzdem überwiegt die Freude.

Vor dem Flughafengebäude, schlägt mir eine Hitzewelle entgegen, die ich um diese Uhrzeit nicht erwarte. Blinzelnd streiche ich mir die Haare aus dem Gesicht, die von dem lauen Wind erfasst werden und das Kribbeln in meinem Bauch verstärkt sich nochmals. Ich steuere ein freies Taxi an und lasse mich zu einem der Double Tree Hotels fahren. Es ist nicht weit vom Flughafen entfernt. Leider ist es mir nicht möglich all die Eindrücke aufzusaugen. Müde, durstig, Hunger. Zum Glück schlafe ich nicht ein und bezahle den Fahrer zügig, als er mir auch das Gepäck noch ausgeladen hat.

Es dauerte keine zehn Minuten, da der Service in dem Hotel erstklassig ist, und ich befinde mich inmitten meines Traumparadieses.

Ich kann nicht anders, als einen freudigen Kiekser von mir zu geben und mich mit voller Wucht auf das Boxspringbett zu werfen, welches leicht nachgibt. So muss sich der Himmel anfühlen.

Als ich erstmal so daliege, spüre ich die Erschöpfung in jeder Faser. Sie droht mich zu überrollen, also stehe ich auf, krame aus meinem Koffer ein leichtes Top und eine Shorts, dann öffne ich das Fenster weit und lasse mich von der angenehmen Geräuschkulisse im Hintergrund berieseln, während ich es mir auf dem Bett gemütlich mache. Ich spüre, wie sich auf meinen Lippen ein Lächeln breit macht, als mir im Schlummermodus bewusst wird, dass ich wirklich in Los Angeles bin.

Soeben schaffe ich es ein Auge zu öffnen und nach meinem Handy zu fischen, auf welchem ich den Wecker auf 10 stelle, um nicht den ganzen Tag mit schlafen zu verbringen. Es gibt genug zu entdecken und ich möchte die Zeit auskosten, auch wenn mir noch zwei Wochen bleiben. Meine Muskeln entspannen sich und endlich lasse ich los, lasse mich einhüllen von der Schwere und sinke in einen Tiefschlaf, den ich bitternötig habe.

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