Das Kitzeln

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  • Veröffentlicht: 16 Dez 2017
  • Aktualisiert: 16 Dez 2017
  • Status: Fertig

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1. Das Kitzeln

Dieses unweigerliche, dumme Grinsen.

Ich erwische mich immer wieder dabei. In der Bahn, wenn aus dem Perspektivenwechsel zwischen den kullernden Regentropfen an der Fensterscheibe zur grauen Stadt unter einer dichten Wolkenschicht zu einem neuen Regentropfen plötzlich ein ganz anderes Szenario wird.
Eine Erinnerung. An dich, uns.

Zu Hause, wenn ein albernen Kichern aus meinem Bauch in mein Herz und von da aus zu meinen Lippen  wandert. Wenn es raus, raus, raus muss und ich mir nicht einmal sicher bin, warum es existiert.

Wenn ich deine Stimme höre und sie banale Dinge sagt, die aus deinem Mund nicht mehr banal sind.

Immer ist es da. Und wenn es nicht sichtbar ist, ist es tief in meiner Brust, hinter Haut, Muskeln und Rippen gleich zwischen den Lungenlappen in der hinteren Spitze meines Herzens.

So tief verwurzelt, wie nur möglich.

Es fühlt sich warm an und kitzelt ein wenig, so wie eine Feder über die Innenseite meines Unterarmes, bis zu der Spitze meines Ringfingers.
Und es strahlt aus.

Von der Mitte meines Thorax in meine Kehle zu der kleinen Mulde unter meiner Nase, rüber zu meinen Wangen, die sich wie von selbst voneinander entfernen und meine Zähne aus ihrem Versteck hohlen.

In meinen Bauch, der in einem rasenden Auto sitzt, dass immer bergauf fährt, ins Ungewisse. Und man sagt sich, dass natürlich ein Bergab kommen muss. Dass man von dem Kilometer über dem Meeresspiegel wieder auf 0 kommt und man meilenweit sehen kann, was kommt. Nur dass das nicht passiert. Man fährt auf einen Abgrund zu und fliegt und fliegt und unter einem ist nur die dichte Wolkenschicht.
Mein Bauch ist der Beifahrer.

Und von der Mitte meines Thorax durch mich zu meiner Wirbelsäule. Hoch zu meinem Nacken, in dem sich meine Haare aufstellen, als würde er ein Atmen spüren. Deins. Von da direkt in meinen Kopf.

Und mein Kopf?
Der denkt an das eine Mal. Als du meine Hand nahmst, ohne ein Wort zu sagen. Obwohl wir nur Freunde waren.
An den Moment im Club, als dein rechter Arm sich um meine Schultern legte und du mich von den anderen wegzogst. Mir irgendeine Geschichte erzähltest und plötzlich, einfach so, meine Mitte umfasstest und wir uns drehten, immer weiter, ohne Grund, weil wir keinen brauchten.
Vielleicht hattest du ja auch das Kitzeln.

Mein Kopf denkt auch an Sachen, die gar nicht passiert sind.

Wie sich zum Beispiel eine Wand in meinem Rücken anfühlen wurde. Weil du mich dagegen presst. Deine Hand an meiner Taille und deine andere an meinem Hinterkopf und deine Stirn an meiner. Augen zu.

Oder wie gut ich mich in Röcken fühle, weil ich ein Bett und dich und mich rittlings darauf spüren möchte. Wie du dich hochstemmst und deine Lippen, ein bisschen rau, die Haut über meiner Schlagader berühren.

Mein Kopf denkt auch „Vielleicht“.

Vielleicht passiert es. Vielleicht dreht sich der Gedanke an mich wie ein Wirbelsturm in deinem Gehirn. Vielleicht renne ich das nächste Mal einfach auf dich zu und küsse dich.

 

Hoffentlich.

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