Der Gevatter Tod

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  • Veröffentlicht: 16 Jun 2017
  • Aktualisiert: 16 Jun 2017
  • Status: Fertig

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1. Der Gevatter Tod

 

Wir schreiben das Jahr 2145. Vor genau 107 Jahren, starb die Erde. Ja sie starb. Langsam und brutal. Jeden Tag ein bisschen mehr und wir mussten alle weg. Ausgebeutet haben wir sie. Keine einzige Pflanze wuchs mehr, obwohl die Sonne stärker strahlte als jemals zuvor. Die Tiere…sie sind alle verschwunden. Und als man sie suchte, fand man sie nicht. Nur noch ihre Kadaver lagen auf dem immer trockener werdenden Boden. Die Flüsse und Seen, sogar die Meere sind fort. Kein Wasser, kein Leben. Wir Menschen haben alles aufgebraucht, verbraucht. Wir waren nicht umsichtig genug mit dem was wir bekommen hatten. Waren unvorsichtig und geizig, wollten immer mehr und hatten niemals genug. Wir waren wie Dämonen und Monster. Als die Welt unterging, starb auch sie. Ermordet wurde sie. Meine Marry. Wir waren schon so lange beieinander und dann war sie fort. Von einem Tag auf den anderen war ich ganz allein. Und ich hätte auch niemand anderen gewollt.
Jetzt bin ich hier, auf einem fremden Planeten, meiner neuen Heimat und kann euch nicht mal sagen wie er aussieht ob er gut oder schlecht ist. Groß oder klein, welche Farbe der Himmel hat oder die Erde. Ob das Wasser so klar ist und blau wie auf der Erde. Ich habe viele Aufzeichnungen gesehen von damals. Von Menschen die auf dem blauen Planeten lebten. Sie waren schwach und starben jung. Ein neuer Mensch kann bis zu 180 Jahren werden. Und nun sitze ich hier, zeichne mit meinen Gedanken alles auf. Wie diese neue Welt ist. Möchte euch etwas hinterlassen, das euch vielleicht eines besseren belehrt. Euren neuen Planeten besser behandelt, sorgsamer mit ihm umgeht.
Ich heiße Jasper Hale und bin 194 Jahre alt und dem Ende nah. Bald trete ich meine letzte Reise an. Meinem Ende und ich möchte euch sagen, dass ich keine Angst habe. Ich bin bereit. Jetzt merke ich, wie ich immer schwächer werde. Ich spüre nichts mehr. Meine Finger gehorchen mir nicht mehr. 20 lange Jahre liege ich nun, unfähig zu sehen oder zu hören. Das Atmen fällt mir jedes Mal schwerer. Ja ich bin bereit zu gehen und mich zu……

Auf einmal änderte sich alles. Als ich meine Augen öffnete, sah ich. Wie war das möglich? Trotzdem erkannte ich nichts wieder. Alles war so anders. So fremd. Die Wände aus dickem Beton waren kaputt, nur noch Trümmer. Es schien keine Sonne, dunkel war es trotzdem nicht. Es war wie ein Blick durch eine Sonnenbrille. Weiße Punkte fielen herab. Überall. Wie winzig kleine Schneeflocken sah es aus. Als ich nach oben sah, erstreckte sich tiefes schwarz über mir und über alles. Das schwarz zog sich wie ein Trichter zusammen und endete in einem weißen Loch. Ja… Dieses weiße Loch sog das Schwarz förmlich ein. Es war totenstill. Und ich wusste, dass ich so weit war. Das war nicht mehr meine Welt. Dies war etwas anderes.
Ich versuchte meinen Körper zu spüren und tatsächlich, da war etwas. Es fiel mir anfangs schwer doch dann war da etwas was ich kontrollieren konnte. Ich spürte meinen Hals, ich schluckte. Ich erwartete einen Schmerz oder ähnliches, doch da war nichts. Ich wartete einen kleinen Moment. Dann weiter zur Schulter und hob sie kurz an. Als nächstes meinen Arm. Und dann meine Hand. Ich hob sie hoch, direkt vor meine Augen, drehte sie und spielte mit meinen Fingern. Ich sah sie an, drehte sie hin und her. Wieder keinen Schmerz. Nicht mal Anstrengung. Es war als wäre ich wieder jung. Und als ich genauer hinsah, konnte ich meine Falten, meinen blauen Flecken verblassen sehen. Sie gingen langsam aber sicher fort. Sofort sprang ich vom Bett auf, hatte kurzzeitig Angst, dass ich umfiel oder mir das alles nur einbildete, doch da stand ich nun. Vor dem Bett indem ich die letzten 20 Jahre meines Lebens verbracht hatte ohne etwas zu sehen oder zu hören. Langsam und vorsichtig ging ich einen Schritt. Nur um sicher zu gehen. Und dann rannte ich zu einem Spiegel. Stellte mich davor und sah in meine alten müden Augen. Ich sah mich selbst. Wie alt ich war, wie ich mich verändert hatte. Es war grausam. Doch ein merkwürdiges Gefühl legte sich über mich. Ich sah mich an und während ich das tat, veränderte ich mich. Meine Haut wurde straffer… Meine Augen bekamen wieder Farbe, viel intensiver als damals. Das grün erstrahlte förmlich. Als ich mit meinen Fingern über das immer jünger werdende Gesicht fuhr, fing ich an zu weinen. Es war so wunderschön. So leicht. Berauscht von diesem Glücksmoment strich ich mir mein kaputtes graues Haar zurück. Und genau in dem Moment fing es an blond zu werden. Heller als sonst. So hell wie sie damals waren, als ich ein Kind war. Und als ich wieder zurück in mein Gesicht schaute, sah ich mich. Jung und stark und bildschön. Ich war wieder 21. Nur sah ich noch friedlicher und stärker aus. Mein Ganzer Körper hatte sich verändert. Ich zog das Krankenhemd hoch um mir meinen Körper anzusehen. Keine Falten, alles so gut wie neu. Das musste der Himmel sein. Ich ließ das Hemd wider an mir herunterfallen und sah mich um.
Es war so still hier? Bin ich trotzdem taub geblieben. Es wäre nicht schlimm. Denn auch die Stille kann manchmal laut sein. Doch trotzdem sah ich niemanden außer mir. Ich ging zum Kleiderschrank und öffnete ihn. Ich wusste nicht wonach ich suchte, oder ob ich überhaupt nach etwas suchte. Doch zu meiner Überraschung sah ich etwas Braunes darin und zog es heraus. Mein brauner Kaputzenpullover den ich damals so geliebt hatte. Meine Hose war auch im Schrank. Ich zog mich um. Es fühlte sich warm und vertraut an. So als hätte ich niemals was anderes angehabt.

Während ich durch die Trümmer ging, sag ich mich um. Es war alles so anders. Doch gut. Ich hatte keine Angst. Ich fühlte mich so frei und leicht. Als wäre ich schon immer hier gewesen. Ich wusste nicht wohin ich ging, doch ich ging. Und es war mir auch egal. Ich achtete nicht darauf. Meine Beine trugen mich. Ich wusste nicht mal wie lange ich lief. Doch ich spürte auch keine Erschöpfung, keine Müdigkeit. Auch das Wetter, wenn man es denn so nennen konnte, veränderte sich nicht. Der schwarze Himmel blieb, auch das weiße Loch was alles aufsog. Auch der Schnee fiel weiterhin. Doch es war nicht kalt. Auch nicht zu warm. Einfach genau richtig.

Dann sah ich jemanden. Sehr weit weg in der Ferne sah ich etwas. Ich konnte nicht sagen was es war. Doch ich ging los, direkt darauf zu! Dann spürte ich einen kalten, eiskalten Hauch hinter mir. Nicht unangenehm, aber spürbar. „Wer bist du?“, fragte ich die Gestalt direkt vor mir. Ich sah kein Gesicht, denn eine lange, abgenutzte, braune Kapuze verdeckte alles und umhüllte die Stelle des Gesichtes in Schwarz. Das Braune Tuch war um den ganzen schmalen, aber übernormal großen Körper gewickelt und schleifte auf dem Boden. Keine Hände oder Arme, keine Füße. Nur ein Mantel. Nochmal fragte ich: „Wer bist du?“ Und es antwortete niemand. Dann dröhnte eine Stimme im meinem Kopf. Zunächst sehr leise, wie ein Flüstern und dann sehr laut, fast schon dröhnend. „Was glaubst du denn wer ich bin?“ Natürlich wusste ich wer er war. Es war nur so anormal vor dem zu stehen, der einen ins Jenseits bringt. Das er wirklich so aussieht. „Du weißt wer ich bin. Sehr gut.“ Was sollte ich denn dazu sagen. Plötzlich bekam ich Zweifel. War ich wirklich schon so weit? Körperlich ja. Aber war mein Geist, meine Seele auch schon soweit? „Natürlich sind sie es.“ Woher wusste er das? Konnte er etwa Gedanken lesen? „Es gibt nichts was ich nicht kann, außer leben!“ Verwirrend diese Stimme neben seinen eigenen Gedanken im Kopf zu haben. Wie kann er nicht leben? „Ich existiere.“ Das ist doch vollkommen dasselbe. „Dasselbe oder das gleiche? Beides sind von Grund auf verschiedene Dinge. Ich lebe nicht. Ich existiere. Genau wie der Wind nicht leben kann aber dennoch existiert.“ Ja. Und was mache ich jetzt hier? Wo soll ich hin? Gibt es den Himmel? „Du meinst gibt es die Hölle?“ Die ganze Zeit über merkte ich nicht mal dass ich nicht mal wirklich mit ihm gesprochen hatte. Ich dachte nur an all das und er antwortete mir einfach. Ich habe nach dem Himmel gefragt, dachte ich. Und wieder antwortete seine kühle Stimme: „Und dennoch willst du nur wissen ob du vor der Hölle gerettet wirst. Viele die so sind wie du fragen nach dem Himmel, obwohl sie nur Angst davor haben das der Himmel existiert denn dann gibt es auch eine Hölle. Denn euresgleichen kann nicht frei von Sünde leben.“ Das ist wohl wahr. Natürlich habe ich Angst vor der Hölle. Wer auch nicht?! „ Ich.“
Mir war klar, dass der Tod keine Angst vor der Hölle hatte. Wie er das wohl aushalten kann. Wie es wohl in der Hölle ist? Ich wusste nicht ob ich das wirklich wissen wollte. Aber ich bin doch schon tot. Ich könnte Dinge fragen. Dinge die kein anderer weiß. „Es ist anders als hier. Es ist weder heiß noch kalt. Sie ist weder klein noch groß. Dort sind weder Steine noch sind keine Steine dort. Es gibt Wasser, aber auch nicht. Es gibt kein Licht. Denn wo kein Licht ist, gibt es keine Dunkelheit.“ Der Tod war wirklich unheimlich. Aber nicht auf eine grausame Art und Weise. Auf eine Weise die nicht verstanden werden konnte. Genauso wie die Dinge die er einem sagt. „Wie soll mir das weiterhelfen?“, fragte ich ihn in meinen Gedanken. Lange breitete sich Stille in meinem Kopf aus. „Lass uns ein Stück gehen“, sagte der Tod zu mir und er schien zu schweben oder zumindest lautlos zu schleichen. „Die Hölle ist etwas was man nicht beschreiben kann, denn sie sieht für jeden anders aus. Genauso wie der Himmel für jeden aussieht. Oder der Tod selbst.“ Seine Gangart war mehr gemütlich, aber die Stimme blieb unverändert. „Du meinst also, wenn ich mir den Tod als Tier oder Frau oder Baum vorstelle würde ich jetzt mit einem Baum reden?“ Das war noch verwirrender als ich dachte. Ein Mensch wie ich würde jetzt lachen, doch nichts geschah. Er blieb weder stehen noch verschnellerte seinen „Schritt“. Es war als würde er Dinge die er nicht hören wollte oder ohne Bedeutung waren einfach überhören. „So ist es. Die Heiden glauben an die Kraft der Bäume. Wieso könnte der Tod dann kein Baum sein.“ Es war erstaunlich, wenn ein Mensch sprach, hörte man immer etwas in der Stimme heraus. Doch hier war nichts. Kein Sarkasmus, keine Trauer, keine Freude. Weder Interesse noch Desinteresse. Einfach nichts. „Ich bin kein Mensch.“ Was war der Tod dann? Ein Engel? „Ich bin der Tod.“ Und hast du auch einen Namen? „Ich habe viele Namen. Für viele bin ich einfach nur der Tod. Aber man nennt mich auch Schnitter, Sensenmann. Auf anderen Orten dieser Welt Thanatos oder Ankou. Aber auch Mara und Yama heiße ich. Die Lebewesen aus Japan nennen mich Izanami. Und woanders Santa Muerte. Ich habe viele Namen. Und jeder davon ist mein echter. Auch deine nächste Frage kann ich dir beantworten. Nicht alle Wesen sehen ein Licht am Ende des Tunnels. Sie glauben nur das sie es nach dem sie sterben sehen werden, weshalb sie es dann tun.“ Und werde ich auf ewig hier rumlaufen? „Nein. Du wirst gehen.“ Wohin werde ich denn gehen? In den Himmel? „Du wirst dahin gehen wo du hin gehen willst.“ Aber wo ist das denn? „Dort wo du sein willst.“ Ich verstehe das nicht! „Das versteht keiner!“ Und wieso gibt es dich dann! Du antwortest nur, aber helfen tust du nicht! „Ich bin nicht zum Helfen hier. Ich bin der Tod.“ Und was ist dann deine Aufgabe?! „Meine Aufgabe ist es die Seelen hinüberzugleiten. Nicht ihnen Fragen zu beantworten.“ Wieso tust du es dann? „Seelen können nicht hinüber gehen ohne losgelassen zu haben. Loslassen ist schwer.“ Aber ich habe doch losgelassen. Stille…HEY! ICH HABE DOCH LOSGELASSEN! Weiterhin gnadenlose Stille. Kannst du mir sagen was mich denn hier noch hält, denn ich weiß es selber nicht. „Nein.“ Und wie soll ich dahinter kommen? Wieder schwieg der Tod und ich schwieg mit ihm. Was war es? Ich hatte doch mit allem Abgeschlossen. „Und dennoch bist du hier!“ Der Tod machte es mir nicht einfacher darüber nachzudenken was mich noch in dieser Welt gefangen hält. „Kannst du mir nicht dabei helfen?“, fragte ich ihn. Und er antwortete darauf mit Nein. Dann war er verschwunden. Einfach fort. Stundenlang lief ich umher. Auf einmal schien mir dieser Ort nur noch trostlos. Ich ließ mich einfach auf den beschneiten Boden fallen und dachte nach. Es fühlte sich an wie Jahre. Langsam und leise drang Musik in meinen Ohren. Friedliche ruhige Musik, gespielt auf einer Flöte. Ich lief den Tönen nach und suchte sie. Ich rannte den Hügel hoch und da sah ich sie sitzen. Bildschön und jung wie ich sie am ersten Tag kennen lernte. Marry, meine Frau. Ihr langes schwarzes Haar war übersät vom Schnee und sie hatte nur das weiße Kleid an. Sie war barfuß. Sie sah mich an, spielte auf der Flöte und lächelte leicht dabei. „Seit wann spielst du ein Instrument?“, fragte ich sie. Ich wusste noch, damals sagte sie zu mir, dass sie so unmusikalisch sei. Und das stimmte auch. Wenn sie sang war das so schief und schrecklich, dass man kaum zuhören konnte. Doch wenn ich sah wie viel Spaß ihr das machte, musste ich ihr einfach zuhören. Ich liebte sie so sehr und nach 30 Jahren hatte ich sie endlich wieder. Wir hatten uns wieder. Sie nahm die Flöte von den Lippen und sprach: „Es ist jetzt leichter. Hier kann man alles. Es ist schön dich wieder zu sehen Jasper. Ist es nicht schön hier?“ Ich nickte. Ich habe sie wieder. Ich habe meine Marry wieder! Ich konnte meine Tränen nur schwer zurückhalten und lächelte sie an. „Endlich lachst du wieder.“ Ihre Stimme war wie Balsam. Ihr Lächeln wie ein Wunder. Wie all das Glück das man haben kann. Meine Marry. Sie führte die Flöte zum Mund zurück und führte das Musikspiel fort. Dieses Glück sie zu sehen, ihre Stimme zu hören all das hier, dieser Moment brachte mich endgültig zum Weinen. „Ich liebe dich!“, sagte ich. Und sobald ich das letzte Wort beendet hatte, veränderte sich alles. Die Flöte aus Holz veränderte sich. Sie wurde kahl und weiß. Ein Knochen. Meine Marry verschwand. Dort wo sie war, dort wo sie saß, tauchte ein Wesen, gekleidet in einen schwarzen Umhang, so schwarz wie das Haar meiner Marry. Die Musik hörte nicht auf. Große schwarze Schwingen die lila, blau schimmerten breiteten sich auf seinem Rücken aus. Die Kapuze rutschte hoch und ich sah endlich das Wesen darunter. Ein Totenschädel und Augen aus zwei großen weißen Perlen. Leer und undurchdringlich, kalt. Unter den Perlen lief Blut heraus. Um den Hals trug der Tod einen Schlüssel mit drei Kreisen. Auf seinem Schloss lag ein Teller und darauf. Darauf lag ein Herz. Pumpend und blutend. „Ist das, ist das mein Herz?“, fragte ich den Tod. Die Flöte aus Knochen verließ den Schädel. Man konnte nicht sagen wo er hinsah. Denn die Perlen waren kahl, ausdruckslos, ohne jeden Ausdruck, geisterhaft. So öde und still, entseelt…tot. „Ja.“ Ich erschrak. „Und wieso schlägt es noch. Es schlägt noch!“ Langsam senkte sich der Schädel. Fast so als würde der Tot darauf sehen. Die Hand, die Hand eines Toten, die knochigen Finger des Todes griffen nach dem Herz und streichelten sanft darüber. Es war ein unwirkliches Bild. Etwas so schauriges und gruseliges, dass dennoch so zart und vorsichtig sein kann. „WIESO SCHLÄGT MEIN HERZ DENN NOCH. ICH DACHTE ICH WÄRE TOT!“ Der Schädel erhob sich wieder. „Du bist noch nicht tot. Das verstand ich nicht. Da sprach der Tod wieder. „Ein Wesen verlässt seine Welt wenn der Körper bereit ist zu sterben. Aber wenn die Seele noch an etwas hängt, an etwas festhält, dann bleibt dem Herzen noch ein kleiner Impuls. Ein kleiner Herzschlag. Bis die Seele loslässt und frei wird. Das alles was du hier erlebst, erscheint dir vielleicht wie mehrere Jahre. Aber in deiner irdischen Welt sind das nur wenige Sekunden, vielleicht ein paar Minuten. Du kämpfst grade um dein Leben. Du bist alt und gebrechlich. Dein Körper ist bereit. Aber irgendwas hält dich auf. Leben ist so schwer. Doch der Tod ist leicht, wieso fällt es dir so schwer.“ Ich sah vor meinem inneren Auge eine Filmszene in einem Krankenhaus wo ein Mensch im Sterben liegt. Wie der Puls immer niedriger wird und immer langsamer aber sicher stirbt. In diesem Moment soll ich mich grade befinden? Ich hatte das Gefühl das ich mich schon seit mehreren Tagen hier befand. Seit Jahren. „Du solltest loslassen!“, sagte der Tod. „Sie wartet schon auf dich!“ Ich blickte ihn an. Ungläubig fragte ich ihn: „Das heißt das du sie kennst. Hast du sie getroffen? War sie auch bei dir?“ Langsam stand der Tod auf. Fing an auf der Flöte weiterzuspielen. Doch seine Stimme hallte dennoch in meinem Kopf: „Jedes Lebewesen kommt zu mir. Ich bin schließlich der Tod.“ Ich musste schwer schlucken. „Ging, ging es schnell bei ihr? Hat sie gelitten?“ Ich wurde nervös. Langsam gingen wir den Hügel wieder hinunter. Ich folgte dem Tod in der Hoffnung über Marry reden zu können. „Marylin Maria Rathbone kam am 17. Januar 2038 zu mir. Ihr Herz schlug auch noch als sie hier war. Sie dachte an dich und erzählte von dir. Sie war bemerkenswert. Weder Angst noch Zweifel hatte sie. Sie ging mit mir. Als sie fertig war mir von dir zu erzählen, hörte ihr Herz auf zu schlagen. Sie lächelte mich an und nahm meine Hand. Sie war bereit zu gehen. Als ich das Tor für sie öffnete, lächelte sie und sagte zu mir, dass ich sie bald wieder sehen würde. Denn sie würde auf dich warten und auf den Tag an dem ich dich zu ihr bringen werde.“ Ich fing an zu weinen. Meine Marry. Ich würde sie wiedersehen und mit einem Mal, wurden all meine Ängste, meine ganzen Zweifel erloschen. Marry! Ich sah wie der Tod den Schlüssel nahm, der um seinen Hals hing. Doch vor uns war keine Tür. Der Schlüssel war in der Luft und der Tod drehte ihn. Geräuschlos fuhr der Schlüssel herum. „Das Herz.“ Als er die Worte sprach, wurde mir innerlich warm und ich sah, dass mein Herz aufhörte zu schlagen. Er nahm den Schlüssel heraus und ein weißer Kreis blieb zurück. Er hob den Schlüssel neben den Kreis und drehte ihn nochmals herum. „Die Seele.“, als er das sagte, breitete sich das warme Gefühl in mir, in meinen ganzen Körper aus. Ich fühlte mich wohl und frei. Dann erschien ein zweiter weißer Kreis direkt neben dran. Danach senkte er den Schlüssel in die Mitte unter den beiden Kreisen und schwenkte den Schlüssel erneuert. „Und der Geist.“ Der dritte Kreis erschien und alle drei leuchteten auf. Marry stand vor mir. Sie hielt mir ihre Hände hin. Ich nahm sie und zog sie an mich. Vorsichtig als könnte man sie mir nehmen aber stürmisch küsste ich sie. Als unsere Lippen sich lösten sah sie von mir weg und lächelte. Sie begrüßte den Tod wie einen alten Freund. Dann sah sie zur anderen Seite. Ich folgte ihrem Blick und dann sah ich es…

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