Meerestochter

Das schüchterne niedliche Mädchen, das von ihrem Helden gerettet wird - Das kann mir nicht passieren. Ich bin nicht schüchtern oder zurückhaltend. Ich weiß genau was ich will und hole es mir. Mein Name ist Evelyn Thompson - und das ist meine Geschichte.

Evelyn ist 18 Jahre alt und Vollweise. Ihre Mutter verstarb vor drei Jahren an einem schrecklichen Fieber. Um zu überleben arbeitet sie seit dem in einer schmuddeligen Schenke in ihrer Heimatstadt. Tortuga ist ein Loch. Doch wird sie es schaffen, trotz der miserablen Umstände ihr Schicksal zu erfüllen?


Diese Geschichte ist keine Fanfiction, sie würde allerdings von Fluch der Karibik inspiriert.

Alle Rechte liegen bei mir. Raubkopien, sowie Vervielfältigungen aller Art werden strafrechtlich verfolgt. 06.06.2017

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3. Kapitel 2

«Na Evy, wie war deine Schicht?» Grinsend stand Tom in der Tür, strahlend wie immer. Eine seiner blonden langen Strähnen hing ihm ins Gesicht, das er gegen den Türrahmen lehnte. Ich kannte Tom seit ich denken konnte, er war der Metzgerssohn und mein bester Freund. Nicht selten verpasste er dem ein oder anderen aufdringlichen Typ eine Abtreibung, wenn dieser mich angetatscht hatte und aus der Schenke torkelte. Ich steckte meinen Lohn in den Topf unter der Spüle, wo ich mir Geld zusammensparte und lächelte ihn schräg an. «Es war in Ordnung, Larry hat mich größtenteils in Ruhe gelassen. Wollen wir los?» Die Sonne stand schon hoch am Himmel und es war unglaublich heiß. Um diese Jahreszeit war die Hitze kaum auszuhalten. Ich zog mir ein luftiges Kleid an und wir machten uns gemeinsam auf zum Marktplatz. Die Straßen waren überfüllt von Menschen. Frauen mit ihren Kindern, Männer, die ihren täglichen Arbeiten nachgingen. Irgendwo hörte man einen Schmied ein Schwert mit einem Hammer bearbeiten. Tagsüber war hier genauso viel Trubel wie in der Nacht. «Komm lass uns meinen Vater suchen, der hat sicherlich die ein oder der Schweinshaxe übrig.» zwinkerte mir Tom zu, als wir auf den Markt traten. Allerlei Gerüche lagen in der Luft, von Fleisch, orientalischen Parfüm Düften, Gewürze, wie Koriander, Curry und Muskat. Wir schlenderten an einigen Ständen mit exotischen Teppichen, Trockenblumen und Gemüse vorbei, als wir schließlich an einen Stand mit allerlei Fleisch kamen. «Hallo Alfred! Wie laufen die Geschäfte?» Ich grinste den Mann an, der mir nach dem Tod meiner Mutter zur Seite stand und immer ein wachendes Auge auf mich hatte. «Hallo, ihr zwei! Bisher eher mäßig, bei der Hitze weichen die Menschen gerne auf Fisch und Gemüse aus.» er schnaubte. «Ein gutes, saftiges Stück Fleisch weiß eben nicht jeder zu schätzen, aber ihr seht mir recht hungrig aus! Hier habt ihr ein großes Stück Schweinebauch, sonst fallt ihr mir ja noch vom Fleisch!» Er nahm ein großes Stück aus einem Weidenkorb und packte es in eine Kiste um es schließlich Tom zu reichen. «Danke, Vater! Brauchst du mich später noch?» Tom nahm die Kiste dankbar entgegen. Man musste den alten Mann einfach respektieren. Trotz der schmutzigen Schürze und dem eingefallenen Gesicht, strahlte er noch immer Autorität aus. «Ja, kurz vor Sonnenuntergang, einige Hühner wollen noch geschlachtet werden.» Alfred nickte uns zu und wendete sich an eine ältere Frau mit zwei Kindern, die einige Filetstücke begutachtete. Ich stupste Tom spielerisch in die Seite «Wir machen deinen Vater noch arm, wenn das so weiter geht.» «Mach dir keine Sorgen, Evy, er kann nicht anders, du kennst ihn doch.» Ich nickte zustimmend. Wir flanierten noch etwas über den Markt und machten an einem weiteren Stand halt, an dem exotische Früchte und Obst angeboten wurde. Wie zu jedem Wochenbeginn kaufte ich frische Erdbeeren, etwas Melone, helle Trauben und Bananen ein. Meine Mutter hatte daraus stets einen wunderbaren Obstsalat kreiert, den wir nach der Hauptmahlzeit gerne verputzten. Ich besorgte noch Kartoffeln und Zwiebeln, während Tom sich bereits auf den Weg zu mir begab um das Wasser für die Kartoffeln über das Feuer zu hängen. Als ich dem graubärtigen Händler drei Silberlinge reichte, stieß mich jemand unsanft von der Seite an. Ich erblickte einen recht ungepflegten, hochnäsigen Mann, mit einer dreckigen weißen Perücke. «Bei Seite, Weib!» bellte er. Wütend funkelte ich ihn an «Commodore, drückt der gestrige Wein heute aufs Gemüt? Oder ist es doch die Syphilis?» Diese Ratte hatte gestern nicht einen Taler Trinkgeld da gelassen «Ich erinnere mich, sie mit Madame Rouge die Schenke verlassen gesehen zu haben.» Madame Rouge war wohl die üppigste, ungepflegteste Dirne, im mittleren Alter, die man sich wohl vorstellen kann. «Pass auf welche Worte du an mich richtest Thompson. Es wäre ein leichtes für mich, dich meinen Männern zum Fraß vorzuwerfen.» Seine Stimme klang nun streng, leise und höchst bedrohlich. Ich setzte mein künstlichstes Lächeln auf «Ihr entschuldigt mich, Commodore!» trällerte ich und machte einen absichtlich nicht allzu tiefen Knicks als ich die Kartoffeln und Zwiebeln vom Händler entgegen nahm. Dieser Mann schikanierte mich seit ich sein werben recht schroff abgewiesen hatte. Ein widerlicher Kerl. Grausam und gemein. So wie es ihm passt, lässt er Leute verschwinden und niemand macht etwas dagegen.

Ich ließ auf dem nach Hause Weg meine Gedanken schweifen und trottete durch die altbekannten Straßen. Sobald ich die Stufen zu dem Haus emporstieg, das meine Mutter mir hinterlassen hatte, roch ich bereits Basilikum und den herzhaften Geruch von bratendem Fleisch. Ich trat durch die Tür und sah Tom, der am Herd das Fleisch wendete. Auf dem Tisch stand eine Schale, mit geschnittenen, gewürzten Tomaten. «Hallöchen, Madame.» begrüßte mich Tom, der mich bereits kommen hörte. «Du wirst nicht glauben, wem ich begegnet bin.» antwortete ich ernst. Er drehte sich um und sah mich fragend an während ich begann die Kartoffeln zu schälen und in Spalten zu schneiden. «Commodore Wyatt.» entgegnete ich seiner stummen Frage, ohne aufzuschauen. «Sollte der nicht noch auf See sein und irgendwelche Seeleute nerven?» Tom zog die Augenbrauen zusammen. «Ja, sollte er. Aber er ist hier.» endlich blickte ich ernst in Toms Augen. Nicht einmal Tom konnte etwas gegen diesen menschlichen Abschaum unternehmen. «Ich hasse diesen Mann, Tom. Eines Tages werde ich ihn zur Strecke bringen und ihm zeigen wo sein Platz ist!» Meine Wut trat in Form von Tränen aus meinen Augen. Er eilte zu mir und hielt mich im Arm. Einige Sekunden war es ganz still, bis auf das Brutzeln des Fleisches in der Pfanne.

Sobald wir uns satt gegessen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Hafen. Einige Schiffe hatten angelegt und wir liebten es die Seeleute zu Beobachten, wie sie die verschiedensten Dinge abluden und zum Verkauf anboten. 

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