Meerestochter

Das schüchterne niedliche Mädchen, das von ihrem Helden gerettet wird - Das kann mir nicht passieren. Ich bin nicht schüchtern oder zurückhaltend. Ich weiß genau was ich will und hole es mir. Mein Name ist Evelyn Thompson - und das ist meine Geschichte.

Evelyn ist 18 Jahre alt und Vollweise. Ihre Mutter verstarb vor drei Jahren an einem schrecklichen Fieber. Um zu überleben arbeitet sie seit dem in einer schmuddeligen Schenke in ihrer Heimatstadt. Tortuga ist ein Loch. Doch wird sie es schaffen, trotz der miserablen Umstände ihr Schicksal zu erfüllen?


Diese Geschichte ist keine Fanfiction, sie würde allerdings von Fluch der Karibik inspiriert.

Alle Rechte liegen bei mir. Raubkopien, sowie Vervielfältigungen aller Art werden strafrechtlich verfolgt. 06.06.2017

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2. Kapitel 1

Langsam entspannte ich mich. Ich spürte die Wärme des Wassers auf meiner Haut und fühlte, wie sie meine Muskeln lockerte. Ich tauchte unter, um mir die Haare zu waschen. Allmählich musste ich mich beeilen, meine Schicht im ‚Drunken Sailor' würde bald anfangen und ich musste rechtzeitig erscheinen. Larry mochte es nicht allzu gern, wenn man sich verspätete und um das Klosett zu putzen fehlte mir die Motivation. So stieg ich aus der Wanne und legte mein Kleid an. Es war braun und aus Leinen. Die Verzierungen hatten schon bessere Tage gesehen aber meine Mutter hatte mir nicht allzu viel hinterlassen. Das musste reichen.

Ich machte mich auf durch die vielen Gassen, die wegen der untergehenden Sonne recht dunkel und gespenstisch wirkten. Ab und an traf man bereits betrunkene Söldner und Händler, die durch die Straßen wankten, entweder mit einem Trunk in der Hand oder einer geselligen Frau im Arm. Die Straßen mieften. Unrat wurde von den Pferden, die hier durchritten auf den Straßen verteilt. Hier wuchs ich auf. In Tortuga. Mein Vater hatte meine Mutter und mich verlassen als ich noch klein war. Sie hat mir nie viel über ihn erzählt, nur dass er geschäftlich fort musste und niemals wieder kam. Obwohl ich niemanden mehr hatte, der mir nah stand – das war meine Heimat. Ich liebte und hasste die Insel zugleich. Die Palmen, das warme Klima, und die See... Hach ja, die See. Meine Mutter hatte mich sehr früh gelehrt zu schwimmen, so erforschte ich im laufe der Jahre sehr viel der wunderschönen Unterwasserwelt. Ich hatte derart viel Übung, dass ich problemlos acht Minuten die Luft anhalten konnte. Das waren wunderschöne Erinnerungen, aber diese Heimat, die mich einst so glücklich machte, barg auch dunkle Seiten. Meine Mutter hatte einst einen Händler abwehren müssen, der mich mit sich nehmen wollte. Ein anderer, ein Captain hatte versucht mich zu erwerben, doch meine Mutter hatte mich immer beschützt. Ich liebte sie für ihre Stärke und ihre Unabhängigkeit. Niemals hat sie geheiratet. Sie schwor sich, dass kein Mann sie je wieder enttäuschen würde. Diese Kraft hat sie mich ebenfalls gelehrt. «Konzentier dich, du musst immer die Kontrolle über dich selbst haben! Vertraue niemandem, denn hier ist sich jeder selbst der nächste. Du bist stark - werde stärker!» Pflegte sie zu sagen. Sie brachte mir bei mit dem Dolch umzugehen, Tiere zu häuten und mir Kleidung aus Fellen zu nähen. Sie zeigte mir, wo man zustechen muss um noch eine Chance zu haben. Sie war eine einzigartige Frau.

 

«Los, Püppchen, die besoffenen Ratten in der rechten Nische warten schon ewig auf ihr Bier! Beweg dich, sonst mach ich dir Feuer unterm Hintern!» An Larrys Gekeife hatte ich mich inzwischen gewöhnt. Zu Beginn war es beängstigend aber ich hatte keine Wahl. Entweder die Stelle in der Schenke oder ... die Schenke war definitiv die bessere Wahl. «Alter Fettsack» murmelte ich, während ich die Tabletts mit dem Bier zu den drei Tischen in der Sitznische brachte. Das Haus war voll. Gesang, Gejaule und besoffenes Gelächter füllte den Raum. Die Seemannsleute ließen sich immer hier nieder, wenn sie mal wieder unseren Hafen ansteuerten und es sie nach einem Schwips und den vollen Busen einer Dirne dürstete. Es war das übliche Bild. Ab und an prügelten sich ein paar hirnlose Schwachmaten, in anderen Ecken machte sich ein Mann über ein Weib her und alle tranken sie unaufhörlich Bier, Wein und Rum. Es gab nur zwei Regeln. Bezahlt wird sofort und Wer die Beherrschung verliert, schafft auch den Leichnam weg. Es kam nicht selten vor, dass die Männer sich hier stritten. Wegen der Frauen, wegen Glücksspielschulden und manchmal nur aus Lust an der Sache. Ich schlängelte mich geschickt durch die Menschenmenge und stieg die Treppen empor, die an der Linken Wand in das zweite Stockwerk führte. Von oben konnte man wie von einem Balkon aus auf die Menschenmenge herabsehen. Ich bediente die Séparées, in die sich Händler zurückgezogen hatten, die dort krumme Machenschaften betrieben und auch einiges Volk, das ein wenig Privatsphäre suchte. Bevor ich mich daran machte einen Tisch abzuräumen strich ich mir ein paar Strähnen aus der Stirn und verzwirbelte sie wieder mit dem Haarknoten an meinem Hinterkopf. Sobald ich davon lief, klatschte mir ein Kerl mit faulen Zähnen und schmutzigen Händen auf den Arsch. Ich presste die Zähne aufeinander um nicht nach ihm zu schlagen. Larry würde mich umbringen, wenn ich Kundschaft verscheuchte. ‚Bald ist das alles hier vorbei. Bald werdet ihr sehen wer Evelyn Thompson ist. Bald bin ich hier weg.' Dachte ich und ein wissendes Lächeln breitete sich in meinem Mundwinkel aus.

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