Revenge

Cassy lebt unter Menschen zu denen sie nicht gehört, ihre einzige Möglichkeit ihr Ziel zu verfolgen - die Prüfung. Was, wenn sie nicht besteht?

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3. Kapitel 3

Cassy kann gut im Dunkeln sehen. Sie erkennt die Umrisse von Möbeln. In den Häusern fehlt ihr jedoch das Mondlicht. Deshalb hat sie eine Minikamera mit integrierter Taschenlampe mitgenommen.
Ein Tisch, ein Sofa, viele Vierecke an der Wand, auf denen Gestalten abgebildet sind. Ein großer Schrank zu ihrer Linken. Dort beginnt die Arbeit.
Cassy weiß nicht, was sie sucht. Sie muss gut genug suchen, um irgendetwas zu finden. Jede Information könnte wichtig sein. Aber der Schrank beinhaltet nur Gläser, Bücher und Pappkarten mit Bildern von Gebäuden. Also macht sie sich auf in den nächsten Raum. Die Küche duftet nach nichts, ebenso wie das Badezimmer, der Flur und der Keller. Alles scheint sauber und ordentlich zu sein.  
Cassy öffnet langsam die Tür zum nächsten Zimmer. Ein Büro, das erkennt sie an dem Schreibtisch in der Mitte, dem Computer und den Regalen mit Akten. Damals hatte ihr…sie will sich nicht erinnern.
Systematisch fängt sie an, das Zimmer zu durchsuchen. Ordner für Ordner, Akte für Akte. Zwischendurch fotografiert sie mögliche wichtige Dokumente mit der Minikamera. Die Bilder werden direkt an den Computer im Hauptsitzt gesendet.   
Sie öffnet die nächste Akte. Ein Bild von einem alten Mann, mit grauen Haaren und Bart, ist zu sehen. Jeffrey Karton, Parteivorsitzender, liest sie. Unter dem Bild stehen Daten, wie sein Alter, das Geburtsdatum und  der Geburtsort.
Cassy fotografiert die Seite ab. Als nächstes folgt Melissa Carton. Cassy drückt den Auslöser der Kamera. Sie blättert zu der nächsten Seite.
Ihr Herz bleibt stehen. Auf der Seite befindet sich das Foto eines Mannes. Dunkel braune Haare, dunkel grüne Augen. Ein Lächeln auf seinem Mund.
Cassy lässt die Akte fallen. Ihre Kehle schnürt sich zu.  Ihr wird ihr übel.
Sie erinnert sich. Nicht mehr nur an das Haus und die kalte Nacht. Dass diese Menschen sie vor die Tür gesetzt hatten, war nicht der Grund, für ihren jahrelangen Hass.
Der Grund, sind ihre Eltern.
Eltern.
Die Worte dröhnen in ihrem Kopf. Ihr Vater steht vor ihr, mit seinem verlogenen Lächeln. Setzt sich auf seinen Bürostuhl und – plötzlich hört sie Schritte.
Reflexartig springt Cassy auf, schnappt sich die Akte und huscht an die Wand neben die Tür. Kniend versucht sie ihren Herzschlag zu verlangsamen und sich zu konzentrieren. Die Schritte werden lauter. Schließlich stoppen sie. Die Türklinke drückt leise herunter.
Cassy zieht ein Messer aus der Halterung. Mit der anderen Hand umklammert sie die Akte. Sie konnte noch kein Foto machen. Aber in dieser Akte steht alles über ihren Vater. Sie muss wissen wo er wohnt. Sie muss diese Informationen haben.
Die Tür öffnet sich langsam, ohne jeden laut. Bloß die Schritte durchdringen den Holzboden. Jede Vibration spürt Cassy in ihren Knien. Sie sieht nichts, als die hölzerne Tür vor sich. Aber sie hört, wie die Schritte sich dem Schreibtisch nähern. Ohne weitere Zeit zu verlieren kommt sie aus ihrem versteckt hervor. Sie erlaubt sich nicht die Person am Schreibtisch anzugucken und verschwindet so schnell sie kann aus dem Zimmer. Ein lautes Knistern ertönt aus diesem, wie von einer Plastiktüte. Und die Schritte näheren sich ihr erneut.   
Die Person muss auf die Tür zu gehen. Würde Cassy zum Fenster gehen, würde selbst ein Oberflächler sie in der Dunkelheit erkennen. Also bleibt ihr nur der Weg nach rechts, den Flur entlang.
Sie schleicht zur nächsten Tür. Öffnet sie und schließt sie möglichst leise. Jede Prüfung die sie bis jetzt hatte, war nichts gegen diese. Denn die Prüfungen waren nie echt. Läuft jetzt etwas schief, war es das.
Cassy bleibt an der Tür gehockt und schaut sich im Zimmer um. Ein Schrank zu ihrer rechten, ein Schreibtisch vor ihr unter dem Fenster und zwei weit geöffnete Augen zu ihrer linken.
Zwei Augen starren sie an. Einen Moment macht Cassy nichts weiter, als zurück zu starren.
Im nächsten Moment lässt sie die Akte fallen und sprintet  zu dem Bett. Sie springt auf den Jungen rauf und hält ihm ein Messer an die Kehle.
„Kein Ton“, flüstert sie.
Der Junge verengt seine blauen Augen.
„Ein Schatten“, sagt er, viel zu laut.
„Kein Ton“, zischt sie.
„War das nicht einer?“, fragt er.
Ihre Faust festigt sich um das Messer.
„Willst du sterben?“
„Nein, danke. Du bist ein Mädchen? Ich wusste nicht, dass ihr auch Mädchen aufnehmt. Macht das ganze makaber, oder nicht?“
Es klopf an der Tür.
„Kile?“, fragt eine dunkle kratzige Männerstimmte.
Kile zieht eine Augenbraue hoch.
Cassy beißt sich auf die Unterlippe. Sie muss Kile still stellen und unbemerkt das Haus verlassen.   
„Ja“, sagt Kile, bevor sie ihn stoppen kann. Die Tür öffnet sich. Cassy lässt sich neben das Bett zwischen die Lücke an der Wand fallen. Das Messer hält sie unter der Bettdecke an sein Handgelenk. Ein falsche Wort und sie schneidet ihm seine Pulsadern durch.
„Was gibt’s, dad?“, fragt Kile.
„Warst du in meinem Büro?“, fragt der Mann an der Tür.
„Ich nicht“, antwortet Kile. Cassy schneidet ihm leicht in das Fleisch. Als Warnung. Sein Muskel zuckt zusammen.
„Ah, muss wohl vergessen haben die Akten zu ordnen…wie auch immer.“, sagt der Mann.
„Und du? Warst du wieder heimlich am Essen?“, fragt Kile.
Der Mann schnauft. „Sag deiner Mutter nichts. Dieses, dieses grün Zeugs kann doch keiner Essen.“
„Keine Sorge, ich sag nichts.“
„Gut Junge. Bleib nicht zu lange wach. Morgen ist die Versammlung.“
„Ja, ich weiß. Und ess du nicht zu viel“, sagt Kile. Mit einem weiteren Schnaufen verlässt der Mann das Zimmer wieder.
Cassy kommt aus ihrem Versteck hervor. Das Messer landet sofort an Kiles Kehle.
„Was willst du?“, fragt dieser unbeeindruckt.
Die Akte, denkt Cassy und ihr Blick viel auf die Akte neben der Tür.
„Du spionierst?“, fragt Kile. „Was soll das? Was wollt ihr?“ Sein Blick wird hart. „Hat das was mit der Versammlung zu tun?“
„Was für eine Versammlung?“, fragt sie leise. Kile lacht auf.
„Das weißt du nicht?“ Er mustert sie. „Bist du neu oder erzählen sie euch Mädchen nichts?“
Es hätte keinen Sinn weiter mit ihm zu reden.
„Du bleibst liegen. Ich werde gehen“, sagt sie.
„Und warum sollte ich dich gehen lassen?“, fragt er.
„Weil ich dir in einer seiner Sekunde den Hals durchschneiden könnte.“ Kile gibt einen nachdenkenden Laut von sich.
„Dann müssen wir das ändern.“ Er greift ihr Handgelenkt und hält es fest. Cassy reagiert schnell und zieht mit ihrer linken ein weiteres Messer aus der Halterung. Doch Kile ist schneller und ergreift auch ihr linkes Handgelenk. Mit einem Ruck schubst er sie von sich runter. Jetzt liegt sie mit beiden Händen über ihren Kopf gedrückt auf dem Bett.
„Und jetzt nochmal, warum sollte ich dich gehen lassen?“    

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