Lars

Ich liebe Lars. Er ist unglaublich. Aber warum sieht er mich nicht mehr?

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1. Weil es Liebe ist

Er rennt den Gang hinunter. Er ist schon wieder zu spät. Für die Schule. Wie immer. Schweißperlen auf seinem Gesicht und Nacken. Schnell, schnell. Beeil dich. Er klopft an die Tür der Klasse 12a. Klopf, Klopf. „Herr Nachtwerker? Kommen Sie herein“, hört man den Lehrer von innen. Herr Grüber, glaub ich. Lars, also der zuvor erwähnte Herr Nachtwerker,  öffnet die Tür. „20 Minuten zu spät. Es reicht mir, ich gebe Ihnen eine letzte Verwarnung. Die Letzte!“, schreit Herr Grüber. Die anderen Schüler schauen ihn mitfühlend an. Bis auf Johannes, er grinst. Er findet das lustig. „Tut mir leid“, Lars versucht sich gar nicht mehr heraus zu reden. Dafür ist er zu bekannt. Fürs zu spät kommen bekannt. Nach 6 einschläfernden Stunden geht Lars nach Hause. Bei seiner Bushaltestelle warte ich auf ihn. Okay, du schaffst das… „He Lars!“, grüße ich ihn. Wir haben eine schwierige Zeit hinter uns, wird er mir jetzt, das erste Mal nach gut einem Jahr, endlich wieder seine Aufmerksamkeit schenken? Nichts. Er sagt nichts. Er ignoriert mich. Schon wieder. Immer noch. Wieso?

Er ist so schön. Er ist die wahre Schönheit in Person. Versteht ihr was ich meine? Verstehst Du was ich meine? Er ist DIE wahre Schönheit. Die einzig wahre. Blaue Augen, hellbraunes Haar, gebräunt, groß, schlank, trainiert, das ist alles hübsch. Vielleicht auch geil. Es gibt viele Menschen die all diese Merkmale aufweisen. Aber seine Schönheit ist einzigartig. Seine Gelassenheit, seine Verletzlichkeit, sein Stolz, seine Wahrnehmung, seine Gedankengänge, die Art wie er deine Hand hält wenn du dich schämst, die Art wie er deine Hand hält wenn du weinst, seine Sensibilität, seine Liebe; das ist seine Schönheit, das ist DIE wahre Schönheit. Und die hat nur er. Wenn Du jetzt in einen anderen Jungen verliebt bist, und dich gekränkt dabei fühlst wie jemand anderes behaupten kann, nicht dein Junge, sondern irgendein wildfremder Typ, besitze die wahre Schönheit, Vollkommenheit; dann kannst du gerne den Namen deiner Liebe, anstelle von Lars, einfügen. Kannst Du mich jetzt verstehen? Ja? Toll. Nein? Warst du schon einmal verliebt? Ja? Dann denke an diese Zeit zurück. Nein, warst du nicht? Dann genieße die Zeit, denn sie schlägt ein wie eine Bombe und lässt dich nicht mehr los. Die Liebe meine ich, die wahre Liebe.

Lars und ich, wir lernten uns auf einer Party kennen. Ich weiß noch, es war eine gute Party. Sommer, eine heiße Nacht. Die Jungs trainiert und gebräunt, die Mädchen in kurzen Shorts. Die Musik war laut, „Why don‘t you get a job?“ von The Offspring, lief. Es war echt eine geile Party. Eine gute Party, für die Anderen. Zu dieser Zeit war ich noch mit Johannes zusammen. Er ist groß, hat schwarze Haare, blaue Augen, alles in allem, richtig hässlich rückblickend. Damals sah ich das nicht. Im Nachhinein ist man immer schlauer, oder? Die ersten Stunden stand ich inaktiv in der Ecke und trank mein Gösser-Radler. Ich schaute Johannes zu, wie er Spaß mit seinen Freunden hatte. Es war so einschläfernd. Ich fühlte mich richtig unwohl. Bis der Alkoholpegel der feierwütigen Besucher stieg (meiner inklusive). Die Jungs fingen an mit mir zu flirten, manche niveauvoll, viele abstoßend. Dies stoppte abrupt als Johannes ihnen einen „Finger-weg-oder-ich-mach-dich-fertig“-Blick zuwarf. Aber ich hatte Spaß, mehr Spaß als zuvor. Jedenfalls war Lars auch auf der Party. Ich hatte ihn schon den ganzen Abend ihn meinem Blickfeld. Er war so sexy. Er ist sexy. Irgendwann bemerkte ich, dass er anfing mich immer mehr in SEIN Blickfeld aufzunehmen. Wuhu. Yeah. Yeah. Cool wirken. Cool. Er kam auf mich zu. Cool. Cool. Er legte seine Hand auf den Tisch neben mir. Cool. Cool. Co. „Hey, wie geht’s?“. Coole Pause. Coole Pause, Okay, jetzt. „Gut, dir?“, ich schluckte. Oh Gott, wieso klang meine Stimme so hoch. Tat sie das immer? Er grinste. „Auch gut, bist du die Freundin von Hannes?“, er klang interessiert, wirklich interessiert. Würde er gehen, wenn er erfahren würde, dass ich nicht Single war? Ich nickte. Er nickte. Wieso wirkte es so als wäre ihm das egal? Wieso war mir das wichtig? Mein Herz pochte so stark.

Mit der Ankunft des Busses werde ich aus meinem Tagtraum gerissen. Wie schön einfach alles da noch war. Wie lange das her ist? 2 Jahre, 4 Monate und 23 Tage. Glaub ich mal. Vielleicht ja auch 24 Tage. Mir ist das ja eigentlich egal. Oh Gott, er sitzt vor mir. Er strahlt so eine Wärme aus. Diese Wärme, diese Liebe.

Damals war ich 17, er auch. Wir redeten noch gut 10 Minuten, bis Johannes Lars bemerkte. Er musterte Lars, dann kam er auf uns zu. „Hey Kleine“, er küsste mich auf die linke Wange. Ich sah währenddessen in Lars Augen. Es war komisch. Im Nachhinein vielleicht auch lustig. Mhhmm, obwohl wenn ich überlege – es war komisch, eindeutig. Lars warf mir einen kurzen, aber aussagekräftigen Blick zu und ging. Johannes schaute ihm hinterher, er lächelte triumphierend. Dann küssten wir uns.

Am nächsten Tag machte ich mit Johannes Schluss. Er zeigte keinerlei Reaktion, nur sein linkes Auge zuckte. Er wusste wieso ich es beendete, wegen Lars.

Vielleicht klingt das alles verrückt und surreal, glaub mir das war es auch. Aber das mit Lars, es war echt, es war Liebe. Mir muss niemand erzählen, dass es keine Liebe auf den ersten Blick gibt. Ich habe sie erlebt. Es war so echt, und auch so surreal.

 

 

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