Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

0Likes
0Kommentare
593Views
AA

47. Zu Zweit

Mit jedem Schritt, den sie auf dem weichen Waldboden taten und der sie weiter von der Burg wegführte, schien Harry gelöster zu werden. Sie sprachen kaum miteinander, stattdessen lauschte Louis auf die Geräusche des Waldes um sie her. Lag es daran, dass er sich schon ein wenig an das Leben auf der Burg gewöhnt hatte, oder waren seine Ohren schon nach wenigen Tagen überempfindlich geworden? Jedes Zwitschern eines Vogels, jedes Knacken der Zweige auf die sie traten, sogar das Rascheln von Grashalmen, die vom Luftzug ihrer Umhänge aneinander gedrückt wurden, konnte er hören. Mit jedem Atemzug füllten sich seine Lungen wieder mit frischer Waldluft, die nach Moos und modriger Erde roch. Es tat unglaublich gut.
Sie gingen eine Weile bergab, bis sie den Hügel auf dem die Burg stand, hinter sich gelassen hatten. Die Dornenhecken wurden weniger, was Louis begrüßte, denn sie hatten ihm die Beine und Hände zerkratzt. Diese Kratzer brannten nun und waren ein wenig angeschwollen, sodass man sie fühlen konnte, wenn man mit den Fingern über die Haut strich, was Louis unablässig tat, während er neben Harry herstapfte. „Wo willst du eigentlich hin?“ fragte er Harry irgendwann. Dieser antwortete ihm nicht sofort, sondern schien einen Moment nachzudenken, dann sagte er: „Ich hab es mir nicht überlegt. Ich wollte sehen, wohin mich meine Füße tragen.“ Louis deutete auf den Wald um sie her und sagte: „Aber es dämmert schon. Lange werden wir nicht mehr herumlaufen können, bevor er so dunkel ist, dass wir nichts mehr sehen können...und du solltest vielleicht wieder in der Burg sein, wenn die Nacht anbricht.“ Harry verdrehte die Augen und stöhnte: „Bitte...reicht es nicht, wenn Gwydion denkt, dass ich mich nicht verteidigen kann? Und jetzt legst du mir auch schon nahe, mich wieder auf den Rückweg zu machen? Ich will zurückgehen, wann mir danach ist.“ Fast schon trotzig, sah er Louis an, als wartete er darauf, von ihm Widerworte zu bekommen, doch Louis sagte nichts, sondern zuckte nur mit den Schultern. „Mir ist das gleich. Wenn du magst, können wir auch gerne hier im Wald bleiben...ich wollte dich lediglich darauf aufmerksam machen, dass es dunkel wird.“ - „Es tut mir Leid, ich wollte dich nicht verurteilen.“ entschuldigte sich Harry rasch und schloss Louis in die Arme.  Er legte sein Kinn auf Louis´ Kopf ab und strich ihm durch die Haare, dann hauchte er ihm einen Kuss auf die Stirn, hob sein Kinn an und sah ihm in die Augen. „Danke, dass du bei mir bist.“

Die Sonne glühte am Horizont noch einmal orange auf und tauchte den Wald in goldenes Licht, bevor sie hinter den Hügeln verschwand und die Grafschaft der Nacht übergab, die sie augenblicklich mit klammen Fingern nach ihnen tastete.
Sie kamen an einen Fluss entlang, der leise rauschend dahinfloss und aus dem dichter Nebel emporstieg, der über das Ufer kroch und sich in den Sträuchern und Gräsern zu verfangen schien. Instinktiv griffen sie nach der Hand des anderen, um einander im Nebel nicht zu verlieren und um ein wenig mehr Nähe zu haben.
„Wie sind gleich bei der alten Eiche.“ raunte Harry und tatsächlich zeichnete sich der mächtige Baum mit den schweren Ästen, die bis auf den Boden hinunterreichten, bald aus dem Nebel ab. „Lass uns heute Nacht hier bleiben. Wir können jetzt sowieso nicht mehr zurückgehen.“ schlug Harry vor, als sie an den dicken Stamm herangetreten waren. Mittlerweile war es so dunkel, dass sie einander nur noch schemenhaft sehen konnten. Louis war froh, dass sie neben der vertrauten Eiche standen, denn er wollte sich nicht mehr länger als nötig im Freien aufhalten. Noch immer war es neblig und der Mond, der langsam aufging, sorgte dafür, dass die Schwaden zu einer einzigen, undurchdringbaren Wand wurden.
Ein Feind oder ein wildes Tier könnte sich im Schutz des Nebels ganz nah an sie heranschleichen und das vermittelte Louis das ungute Gefühl, angreifbar zu sein, weshalb er froh war, als sie in den Schutz des Baumes getreten waren.
In der Eiche war es recht warm und ein wenig stickig. Weil es noch dunkler war, als im Freien, mussten sie sich tastend orientieren und fanden mehrere Decken, die die Merry Men zurückgelassen hatten. „Hast du Werkzeug dabei, um ein Feuer zu machen?“ fragte Louis in die Dunkelheit und bekam ein Brummen zur Antwort. „Wir brauchen noch Holz zum Nachlegen. Ich gehe rasch noch was suchen.“ sage der König, trat nah an Louis heran, griff nach seiner Hand und legte ihm ein kleines Säckchen hinein. Nachdem er Louis noch einen Kuss auf die Lippen gehaucht hatte, verschwand er durch den Spalt im Stamm wieder hinaus ins Freie. Louis ging in die Knie und zog Zunderschwamm, Markasitknolle und das Stück Metall, sowie den Feuerstein heraus. Sofort machte er sich daran, das trockene Gras zu seinen Füßen zu entzünden und tatsächlich dauerte es nicht lang, bis ein ganz kleines Feuer in der Eiche brannte. Die Flammen züngelten gerade hoch genug, dass Louis das Innere des Baumes sehen konnte. Die Tonkrüge, die Gwydion immer benutzt hatte, um seine Kräuter zu trocknen, lagen zerborsten auf dem Boden. Louis runzelte die Stirn: waren die Merry Men so überstürzt aufgebrochen, dass dabei versehentlich etwas zu Bruch gegangen war, oder hatte Jemand hier mutwillig etwas zerstört? Waren die Scherben womöglich eine Warnung? „Harry!“ rief Louis, ließ das Feuer brennen und stürzte hinaus aus dem Baum. Weil sich seine Augen an die Flammen gewöhnt hatten, war es ihm, als sei er plötzlich erblindet. Wohin er auch blickte, konnte er nur den Geist der Flammen vor seinen Augen sehen. „Harry!“ rief er so laut, dass sein Ruf durch die Dunkelheit schnitt, wie ein Schwert, „Lou, was ist?“ Der junge König kam aus einem Gebüsch, verhakte sich kurz in den Ästen und kam dann mit besorgtem Gesicht auf Louis zu. In den Armen trug er einige Äste und im Gesicht lag ein besorgter Ausdruck. „Harry, die Tonkrüge von Gwydion...alle sind zerborsten. Sicherlich hat Jemand das Lager zerstört, um zu verhindern, dass du zurückkommst. Was, wenn das ein Hinterhalt ist?“ sprudelte es aus Louis hervor und er zog Harry dabei zum Baum, um ihm die Scherben zu zeigen. „Louis, es ist alles gut.“ sagte Harry, machte sich los, und wollte Louis beruhigend, den Arm um die Schultern legen, doch der war viel zu nervös. Was für eine dumme Idee es gewesen war, allein in den Wald zu gehen. „Nein, es ist nicht alles gut. Alles ist kaputt.“
„Lou, das war Absicht.“
„Was?“ Geschockt sah er Harry an, der in in den Baum hineinzog, wobei er darauf achten musste, nicht mit den Ästen, die er trug, in de Spalt hängen zu bleiben. „Wir wollten nicht, dass Jemand denkt, das Lager wäre noch in Benutzung. Hättest du genau hingesehen, dann hättest du erkannt, dass die Tonscherben gar nicht zusammenpassen. Das waren Bruchstücke, die wir zur Ablenkung gelegt haben.“ Louis blickte Harry mit leicht geöffnetem Mund an, klappte ihn wieder zu, öffnete ihn wieder und schloss ihn erneut, dann lachte er ungläubig: „Du...du hast gedacht, dass ich erst in aller Ruhe die Scherben wieder zusammenbaue?“ fragte er und klang spöttisch. „Nein, natürlich nicht...das war ein unüberlegter Kommentar von mir. Ich hatte einfach ganz vergessen, dass wir das Lager so hergerichtet haben.“ Harry bückte sich und schichtete das Holz auf das Feuer. Louis stand neben ihm und sah ihn noch immer ungläubig an. „Wieso habt ihr das Lager überhaupt so getarnt?“ fragte er und setzte sich dann mit gekreuzten Beinen ans Feuer. „Das war Cuthberts Idee. Ich hab keine Ahnung, aber ich war zu dieser Zeit auch viel zu sehr damit beschäftigt – schließlich mussten wir deinen Tod verhindern.“ Bei diesen Worten züngelte kurz die Wut in Louis wieder hoch, doch er schaffte es, sie unter Kontrolle zu bringen und riss sich zusammen. Harry hatte sein Gesicht bemerkt und seufzte: „Oh Louis, du bist noch immer wütend auf mich.“  - „Natürlich bin ich das. Du hast schließlich mein Leben aufs Spiel gesetzt, wer wäre da nicht ein wenig wütend?“ gab Louis zu. Er wusste, dass er Harry eigentlich vergeben hatte, aber seiner Meinung nach, war es schon in Ordnung, ihm das noch ab und zu vorzuhalten. Der Lockenkopf seufzte tief, lehnte sich an den Baumstamm zurück und sah Louis von der Seite her an. Das warme Licht flackerte, und gab ihm ein weiches Aussehen. Er lächelte mild. „Weißt du  noch, wie wir uns zum ersten Mal hier drin getroffen haben?“ fragte er, streckte den Arm aus und strich Louis liebevoll über die Wange. „Ja, das weiß ich noch. Ich hatte Hunger und du hast die letzte Schüssel direkt vor meinen Augen gegessen.“ - „Nein, ich habe dir einen Rest übrig gelassen.“ widersprach Harry und hob ermahnend den Zeigefinger, dann rutschte er näher an Louis heran und zog ihn in seinen Arm. „Danke, dass du mitgekommen bist. Es tut wirklich gut, wieder hier zu sein.“ Nachdem er ihm einen Kuss auf den Kopf gegeben hatte, fuhr er fort: „Ich bin sehr froh, dass du damals in Zayns Falle geraten bist. Wer weiß, wo du sonst gelandet wärst. Bei mir sicherlich nicht und das wäre wirklich schade gewesen.“ Mit diesen liebevollen Worten, zog er Louis in einen Kuss. Obwohl er ja eigentlich vorgehabt hatte, noch ein wenig sauer auf Harry zu sein, war es mit seinen Vorsätzen vorbei, als sich ihre Lippen trafen und er ihn schmecken konnte – sie verpufften einfach und lösten sich in Luft auf. Harrys Lippen waren weich und so samtig, dass Louis leise in den Kuss stöhnte und in die dunklen Locken griff. Wie seltsam es war, sich im ehemaligen Lager der Mery Men zu küssen. Es hatte etwas Verbotenes und das spornte Louis nur noch mehr an. Er öffnete die Lippen, drängte seine Zunge gegen die Harrys und seufzte. Langsam und vorsichtig löste der König den Umhang und drängte Louis zurück, sodass er über ihm kniete. „Louis, ich will dir wieder so nah sein, wie in der letzten Nacht.“ keuchte er und drückte Louis auf die weichen Decken, die noch am Feuer lagen. „Ich muss dich einfach berühren und anfassen...“ - „Dann tu es...“ presste Louis hervor, zog Harry an sich und schlang die Beine um seine Hüften, sodass Harry sich nicht mehr zurückziehen konnte. „Liebend gern...“ mit geschickten Fingern öffnete Harry die Knöpfe an dem grauen Hemd, dann hielt er inne. „Wo hast du dieses Gewand her? Deines hatte nur einen Knopf – dieses hier, hat deutlich mehr.“ stellte er fest, hob den Kopf und sah Louis an. Dieser war sich mit einem mal nicht mehr so sicher, ob es weise gewesen war, Kleidung aus der Truhe zu nehmen. „Ich...nun, mein anderes Obergewand war noch nass und ich sah in deiner Kammer diese Truhe. Ich habe mir ein Obergewand genommen. Verzeih´ ich wusste nicht, ob es mir gestattet ist. Immerhin ist es die Kleidung des Königs.“ stammelte Louis und hoffte, Harry würde nicht allzu böse auf ihn sein. „Unfug. Es ist niedlich zu wissen, dass du meine Kleidung trägst,“ Harry grinste „und hier habe ich viel mehr Knöpfe, die ich öffnen kann.“ setzte er genüsslich nach, strich mit dem Zeigefinger, die Knöpfe entlang und öffnete lächelnd einen nach dem anderen. Noch immer kniete er zwischen Louis Beinen und strich mit der Nasenspitze immer wieder über die Haut seiner Brust. Seine Hände waren angenehm warm, als sie ihn umschlangen und Louis vorsichtig auf seinen Schoß zogen. Das Brennen, das die Berührung ihrer Lippen bei Louis auslöste, waberte durch seinen Körper und ließ ihn seufzen. Es war berauschend und glückbringend und er wusste, dass er davon nie genug bekommen würde. „Meine Kleidung kannst du häufiger tragen.“ mit diesen Worten streifte Harry ihm nun endgültig das Hemd ab und schob ihn noch ein wenig höher auf seinen Schoß. Louis konnte durch die enge Hose, die zu Harrys neuer Aufmachung gehörte, deutlich spüren, dass auch ihm diese Position gut gefiel. „Keine Frau der Welt könnte mich so erfüllen, wie du es tust.“ murmelte der König und den Kuss, den sie teilten und Louis unterbrach den Kontakt sofort. „Wieso sagst du so etwas?“ fragte er und sah Harry an, der verwirrt von seiner Frage schien. „Nun, ich werde sicherlich als König den Verpflichtungen einer Ehe nachkommen müssen...“ sagte Harry und klang dabei ganz unglücklich. „und ich wünschte mir, es wäre gestattet, dich zu meinem Gemahl zu nehmen.“ Louis schluckte: „Das ist nicht erlaubt. In der Kirche werden die genauen Regeln festgelegt.“ Harrys Wunsch, ihn zu seinem Gemahl machen zu wollen, löste bei ihm ein starkes Herzklopfen, dass es schon beinahe unangenehm war. Glück und Trauer wechselten sich in windeseile in ihm ab, denn tief in seinem Inneren wusste Louis schon lange, dass Harry als König eine Königin brauchte, um seine Regierung zu sichern. Daran würde kein Weg vorbeiführen, denn wenn sich Harry einer Ehe entzog, dann wäre der Jahrelange Kampf Gwydions und der Merry Men umsonst gewesen.
Ohne es zu realisieren, waren Tränen in seine Augen gestiegen und er bemerkte es erst, als Harry ihm diese mit dem Daumen fortwischte: „Ich hatte nicht vor, dich mit meinen Worten zu verletzen, Lou, ich habe dir schon genug wehgetan. Du verdienst das nicht, so behandelt zu werden. Verzeih mir.“ Louis nickte unter Tränen: „Ich weiß doch, dass es nicht deine Absicht war, aber die Vorstellung, du könntest Jemand anderen lieben, ertrage ich nicht. Niemals könnte ich daneben stehen und zusehen, wie du eine andere Frau küsst...wenn das passiert, werde ich die Burg verlassen. Allein der Gedanke, macht mir Magenschmerzen.“ schluchzte Louis und wand sich aus Harrys Armen.

Die Stimmung war verflogen.    
Melde dich bei Movellas anFinde heraus worüber alle reden. Registriere dich jetzt bei Movellas und teile deine Kreativität und deine Passion
Lade ...