Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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20. Schwertkampf mit Draca und Zayn

An diesem Abend aßen die Merry Men im Freien. Gwydion versicherte ihnen, dass sie nicht in Gefahr waren und Niemand das Lagerfeuer sehen würde. Seine Wächter hatte ihm mitgeteilt, bisher noch keine Soldaten in der Nähe der Eiche gesehen zu haben.

Endlich wieder etwas anderes, als Beeren und Suppe essen zu können, tat gut und Louis genoss jeden Bissen des gebratenen Fleisches. Sie unterhielten sich angeregt miteinander und Leofwine berichtete, dass Louis heute den Umgang mit Pfeil und Langbogen gelernt hatte. Zwar wäre es Louis lieber gewesen, wenn es nicht sofort alle gewusst hätten, schließlich hatte er heute ja nur die Grundlagen gelernt, doch da war es schon raus und Zayn sprach Louis direkt darauf an: „Du solltest auch das Kämpfen mit einem Schwert lernen. Zwar benutzen wir es äußerst selten und besitzen auch nicht alle eines, aber solltest du doch einmal auf diese Waffe zurückgreifen müssen, wäre es gut, wenn du weißt, was du tust.“ Louis sah Zayn an und nickte dann langsam. Er wusste nie so genau, ob Zayn ihn mochte oder nicht – irgendwie bekam er immer das Gefühl, dass der dunkelhaarige Kerl sich über ihn lustig machte, wenn er ihn ansah. Oder bildete er sich das nur ein, weil Zayn ihm anfangs so misstrauisch gegenüber gestanden hatte? „Gut, dann übst du heute Abend mit Draca und mir zusammen.“ beschloss dieser und Louis stimmte schnell zu, setzte kurz dazu an, Zayn anzulächeln, überlegte es sich aber doch anders und so zuckten seine Mundwinkel nur kurz, bevor er rasch wieder auf seine Hände sah. Um einer Unterhaltung zu entgehen, schob er sich ein faseriges Stück Fleisch in den Mund und musterte seinen Unterarm. Die Sehne des Langbogens hatte mehrere rote Striemen auf seiner Haut hinterlassen, als sie nach vorn geschnellt war. Das war sicherlich der Grund, weshalb die anderen Jungs alle einen Schutz aus dickem Leder am Unterarm trugen. Während Louis mit sich selbst beschäftigt war, wurde er von Zayn gemustert und Louis entging, dass in seinem Gesicht eine winzige Spur Bedauern zu lesen war.

Als sie fertig gegessen hatten, erhob sich der schwarzhaarige Merry Men, verschwand in der alten Eiche und kam mit einem Stock, der mit fettiger Wolle umwickelt war, zurück. Er entzündete die Fackel am Lagerfeuer und kam damit zu Louis hinüber, der zu ihm aufsah. Was wollte Zayn jetzt von ihm? „Na los, steh auf und komm mit. Wir können uns jetzt in der Dämmerung auf den Weg machen und dann bei Einbruch der Dunkelheit ein wenig üben. Los Draca, sieh zu, dass du die Schwerter findest.“ Der Junge, der seiner Brandwunden wegen Draca, oder Drache genannt wurde, schob sich noch ein Stück Fleisch in den Mund und erhob sich dann von seinem Platz am Feuer. „Ich mach ja schon.“ sagte er gespielt genervt und wandte sich der Eiche zu, als Zayn ihm nachrief: „Nimm die aus Holz. Ich glaube nicht, dass Louis genug Kraft hat, um die echten Waffen zu heben.“ sagte Zayn schnell. Seine dunklen Augen musterten Louis und er bemerkte die Enttäuschung, die seine Worte offenbar ausgelöst hatten, weswegen er lächelte und rasch sagte: „Daran ist überhaupt nichts verwerflich, Louis. Wir üben immer zuerst mit Holzwaffen, um unsere Kräfte einzuteilen.“ Louis würde es Zayn gegenüber zwar nie zugeben, doch es erleichterte ihn, das zu hören, denn so wurde ihm bewusst, dass Harrys „Bruder“ ihn womöglich doch gar nicht so schwach und nutzlos fand, wie es zuerst den Anschein gehabt hatte.

Zusammen mit Draca entfernten sie sich von der Eiche und suchten eine kleine Lichtung auf, wo ein wenig Licht der Nachmittagssonne bis auf den Waldboden hinunter schien. Es wurde durch das Blätterdach gebrochen und sprenkelte die Bäume und Sträucher mit ihrem Licht. Das Grün leuchtete hell und freundlich. Noch immer waren keine Vögel zu hören. Alles um sie her war stumm – einzig ihre Schritte, die das Laub und Gras zum Rascheln brachten, waren zu hören.
„Wie lange ist Harry denn für gewöhnlich weg?“ fragte Louis vorsichtig. Zayn nahm eines der Holzschwerter in die Hand und warf es Louis zu. Überrascht fing er es auf und wog es in der Hand. Es war ganz schön schwer und mit einem Mal war er froh, dass sie nicht gleich mit den echten Waffen übten. „Harry bleibt unterschiedlich lange weg. Mal ist er nur einige Tage nicht hier, mal kommt er erst nach einer Mondphase zurück. Das kommt darauf an, wie weit er läuft und wie erfolgreich er war. Wieso fragst du?“ Neugierig sah Zayn ihn an und Louis schoss das Blut ins Gesicht, als sich ihre Blicke trafen und er war froh darüber, dass das Licht hier nicht so grell war. Vielleicht übersah Zayn dann, dass er rot wurde. „Och...ich wollte nur wissen, wie lange ich auf der Plattform alleine schlafen kann.“ redete sich Louis schnell heraus und wandte sich dann an Draca: „Was muss ich nun genau machen?“  - „Am Besten siehst du uns erst einmal zu.“ sagte Draca, nahm Louis das Schwert ab und stellte sich Zayn gegenüber, der seine Waffe hob und den anderen Jungen nicht aus den Augen lies. Louis machte sicherheitshalber einen Schritt zurück, damit er nicht getroffen wurde und sah sich an, was die Beiden nun anstellen mochten.
Sie taxierten einander einen Moment, dann ging Draca zum Angriff über: er machte einen Schritt auf Zayn zu, hob die Waffe und verteidigte sich so flink, dass Louis gar nicht genau sagen konnte, wie er es genau gemacht hatte. Draca ließ sofort von ihm ab, machte eine Drehung und versuchte, seitlich anzugreifen, doch auch hier trafen die Schwerter aufeinander. Zayns Reaktionsgeschwindigkeit war unglaublich hoch und er war flink und wendig, sodass es Draca wirklich schwer fiel, ih zu erwischen. Louis beobachtete die Beiden und fragte sich, ob er es jemals hinbekommen würde, sich genauso zu bewegen, wie sie. Ob Harry auch so kämpfen konnte? Die Vorstellung von Harry mit einem Schwert in der Hand schlich sich in seinen Kopf. Die grünen Augen, die sich konzentriert verengten, wenn er sein Ziel fixieren würde und die vollen Lippen, die Harry zusammenpressen würde...Louis Herz schlug schneller, als er an Harrys Lippen dachte. Daran, wie sie sich auf seinen eigenen angefühlt hatten. Das tiefe Grummeln in seiner Kehle, als sie sich geküsst hatten. Seine Kehle war trocken geworden und obwohl er die Augen noch geöffnet hatte, sah er Draca und Zayn nicht mehr, die noch immer umeinander herumtänzelten. „Möchtest du es mal versuchen? Ich kann dir die Grundlagen zeigen.“ bot Draca an und riss Louis aus seinen angenehmen Tagträumen. „Louis, hörst du mir zu?“ - „Oh...natürlich.“ Er schüttelte den Kopf und blinzelte Draca an, um das Bild von Harry aus seinem Kopf zu verbannen. Es gelang ihm ganz gut und er nahm das Holzschwert wieder auf, das neben ihm im Gras gelegen hatte. „Wichtig ist, dass du breitbeinig stehst. Du musst einen stabilen Stand haben, damit du genug Kraft hast, um zurückschlagen zu können. Versuch große, ausladende Bewegungen zu vermeiden, denn das kostet dich nur Kraft und im schlimmsten Fall verlierst du sogar das Gleichgewicht und stürzt. In einem echten Kampf kann das für dich den Tod bedeuten. Also überlege dir jede Bewegung gut.“ Draca sprach mit ruhiger Stimme und schien vermeiden zu wollen, dass er Louis zu viele Informationen auf einmal vermittelte, um ihn nicht durcheinander zu bringen. Doch die zerstreute Art, die Louis gerade an den Tag legte, lag nicht an zu viel Information, sondern an einem jungen Mann, der gerade durch die Grafschaft streifte und in Louis Kopf einen Platz eingenommen hatte, den er so schnell nicht mehr aufgeben würde.

Sie konnten nicht mehr lange üben, denn die Sonne ging rasch unter. Obwohl Zayn eine Fackel mitgebracht hatte, reichte das Licht, das sie spendete nicht aus, um genug zu sehen. So konnte Draca Louis vor Einbruch der Dunkelheit nur noch beibringen, wie man einen Angriff abwehren konnte. Mehr war nicht mehr möglich und sie machten sich zu Dritt auf den Weg zurück.

Louis war froh, dass er Zayn und Draca bei sich hatte, denn bei ihnen fühlte er sich sicher. Die Vorstellung, allein durch den Wald gehen zu müssen gruselte ihn. Er musste an Harry denken, der jetzt gerade sicherlich auch irgendwo im Wald sein musste – hoffentlich gab es dort, wo er war keine Irrlichter. Auf dem Moor hatten sie sehr unheimlich gewirkt und Harry hatte sich vor ihnen gefürchtet. Ob er jetzt gerade auch Angst verspürte, weil er allein irgendwo saß und ein gespenstisches, blaues Licht in der Ferne über eine Wasseroberfläche tanzte? Im Gehen ließ Louis den Blick hin und her schweifen und blicken die großen Bäume an, die ihren Weg säumten. Im Lichtschein, den die Fackel in Zayns Hand auf die warf, bekamen die borkigen Stämme verzerrte Gesichter und schienen immer größer zu werden. Rasch beschleunigte Louis seine Schritte, um dicht hinter den anderen gehen zu können, wo er sich deutlich sicherer fühlte.

Glücklicherweise erreichten sie die Eiche rasch, wo er sich deutlich wohler fühlte und Louis kletterte hinauf auf seine Plattform. „Gute Nacht Louis.“ sagte Zayn und kletterte an ihm vorbei zu seinem Schlafplatz, der noch ein wenig höher in der Baumkrone lag, während Louis die Decke auseinander faltete, die er heute Morgen nur hastig zusammengerollt hatte. War es tatsächlich heute gewesen, dass Harry gegangen war? Es kam ihm vor, als hätte er den Lockenkopf schon tagelang nicht gesehen. Louis setzte sich, zog sich die raue Decke bis ans Kinn und schnupperte daran: sie roch nach Wald, frischer Luft und irgendwie auch nach dunklen Locken. Wie gerne würde Louis den Geruch, der kaum mehr als eine Vermutung, eine Ahnung war, festhalten und immer wieder riechen zu können. Doch das war nicht möglich und so musste sich Louis damit abfinden, Harry nur einmal – ganz kurz – gerochen zu haben.

Obwohl es Sommer war, wurde es nach Einbruch der Dunkelheit schnell kalt und der Wind, der durch die Blätter der Baumkrone fuhr, war alles andere als erfrischen. Der Wind war kalt und biss ihm ins Gesicht und Louis wickelte sich schnell in die Decke ein bevor er sich auf die Holzbretter legte, aus der die Plattform gebaut war. Gestern noch hatte er in Harrys Armen gelegen und erst jetzt, wo er keine Ablenkung mehr hatte, vermisste er den Jungen sehr. Den ganzen Tag über war er mit Bogenschießen, Jagen und Schwertkampf beschäftigt gewesen, sodass er gar keine Zeit gehabt hatte, an Harry zu denken. Doch jetzt, wo er über sich nur das fahle Licht des Mondes sehen konnte und seine Gedanken sich frei entwickelten, weil er es zuließ, vermisste er Harry und es war ein Gefühl, dass sich vielleicht noch am ehesten mit der Trauer vergleichen ließ, die Louis empfand, wenn er an Vater und Mutter dachte.

Wo Harry wohl gerade war? Sicherlich hatte er sich gerade auch irgendwo hingelegt, denn in der Nacht wanderte man nicht durch den Wald. Das war viel zu gefährlich, denn Nachts waren Wölfe und Wildschweine auf der Jagd. Doch Harry hatte ja seinen Bogen dabei und wusste, wie er sich verteidigen konnte, wenn es nötig war – das hatte er beim Zusammentreffen mit dem Steuereintreiber ja bewiesen.

Louis schlang seine Arme um den Oberkörper und stellte sich vor, es wäre Harry, der ihn festhielt. So wurde er ruhiger und war schon fast eingeschlafen, als von Unten ein Rascheln zu hören war, gefolgt vom Schrei mehrerer Krähen. Louis zuckte zusammen. Flint hatte gesagt, die Krähen hielten Wache und nachdem Louis den Druiden heute mit einem schwarzen Vogel gesehen hatte, war er sich nun ziemlich sicher, dass es die Tiere waren, die die Umgebung der Eiche im Auge behielten. War der Schrei gerade eben dann ein Warnruf gewesen? Hatte sich Jemand dem Baum genähert, dem es nicht erlaubt war, hier zu sein?
Bäuchlings robbte Louis näher an den Rand der Plattform und lugte nach Unten. Obwohl das Mondlicht heute Nacht nicht von Wolken getrübt wurde und hell genug schien, konnte er nichts erkennen, denn das Blattwerk unter ihm war so dicht, dass sie ihm die Sicht verdeckten. Einzig die Bewegung von zwei großen Gestalten, vielleicht Pferden, und das Raunen von Stimmen war zu hören. Das Herz schlug ihm bis zum Hals. Niemand der Merry Men hatte ihm gesagt, was in einem solchen Fall zu tun war. Er sah sich um in der Hoffnung eine der anderen Plattformen zu sehen, doch da war nichts. Irgendwie musste er den anderen ein Zeichen geben, ohne dabei von den Fremden, die am Fuß des Baumes standen, bemerkt zu werden. Louis hob die kalten Hände an die Lippen, formte sie zu einem Hohlraum, um den Eulenruf nachzuahmen, doch sie waren so kalt, dass nur ein klägliches Keuchen zu hören war. Über Louis raschelte es und Veland tauchte auf. Er war von seiner Plattform heruntergekommen und hielt sich den Finger an die Lippen: „Sei still, du machst sie nur auf uns aufmerksam.“ zischte er, kniete sich neben Louis und zog eine kleine Steinschleuder aus seinem Gürtel.

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Ach ich weiß ja auch nicht. Irgendwie schreibe ich das hier wohl eher für mich selbst. Zumindest hab ich das Gefühl. Von den treuen Lesern melden sich ja im Prinzip nur Saskia, Mukkimaus, Rina und Alpha Mum zurück...der Rest ist ziemlich faul, wenn ich das so sagen darf.
Ich mache das hier eigentlich aus Spaß, um euch an meiner Fantasie teilhaben zu lassen und um euch zu unterhalten aber wenn ich ehrlich sein soll, dann überlege ich schon, wieso ich weiterschreibe, da es zumindest nicht interessant genug zu sein scheint, damit man sich mal die Mühe macht, mir zu schreiben.
Ich weiß, ich update nicht mehr jeden Tag, wie bei den FFs davor, dafür ist diese Geschichte aber auch ein wenig zu komplex.
Mit der Info könnt ihr jetzt tun, was ihr wollt (aktiver werden oder weiter Winterschlaf halten;)
   
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