Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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13. Nebelschwaden und Irrlichter

  Die große Hand auf seiner Brust krümmte sich ein wenig zusammen, als sich ihre Lippen berührten. Einen Moment verharrten sie bewegungslos in dieser Position, dann bewegten sich Harrys Lippen ganz zögerlich und sanft gegen Louis´ und ein heißes Brennen, ein Verlangen und ein unglaubliches Glücksgefühl durchströmte seinen Körper. Harry schob sich über ihn und hielt sich auf die Arme gestützt, während sie einander zärtlich und schüchtern küssten. Louis vergaß alles um sich herum: es war ihm gleich, dass neben ihnen ein toter Beamter des Königs lag oder dass sie sich am Rande eines großen Moors befanden, über das unheimliche Nebelschwaden hinweg zogen. Er konnte nur an Harry denken und daran, dass sein Herz so köstlich schnell schlug, während sie einander so nahe waren, wie niemals zuvor. Der Lockenkopf lies sich ein wenig auf Louis heruntersinken und keuchte, als ihre Körper wieder aufeinander trafen. Mit einer Hand fuhr Louis durch Harrys dunkle Locken, strich ihm die Haare aus dem Gesicht und lächelte ihn an. „Fühlst du dich gerade auch so glücklich?“ fragte er und seine Stimme zitterte ein wenig. Harry nickte: „Ja und ich bin ein wenig durcheinander...ich weiß nicht, was das ist, was ich fühle. Das Gefühl habe ich vorher noch nie empfunden und ich weiß auch nicht genau, was ich dagegen tun soll.“ Louis glaubte zu wissen, was Harry ihm da gerade versuchte zu beschreiben, denn ihm ging es genauso. Das Pochen in seinem Unterleib war auf der einen Seite sehr angenehm, auf der anderen Seite tat es fast schon ein bisschen weh und er hatte das Verlangen, die Hüfte gegen die von Harry zu pressen. Wieso auch immer. Er beschloss, sich seinen Instinkten hinzugeben und hob die Hüfte etwas an. „Oh...“ entfuhr es dem Lockenkopf überrascht und er drückte die Augen zu. Neugierig beobachtete Louis die Reaktion und als er sich sicher war, Harry nicht wehgetan zu haben, wiederholte er die Bewegung. „Oh...das ist gut...“ entfuhr es dem Lockenkopf und er stieg mit ein, rieb sich ebenfalls an Louis und er konnte etwas Warmes und Hartes zwischen seinen Beinen fühlen. Mit der flachen Hand griff er durch den Stoff von Harrys Beinkleidern und berührte ihn an der Stelle. Ihre Küsse wurden fahriger und gierig, während sie einander gegenseitig zögerlich berührten. Mit einem Mal keuchte Harry, bäumte sich auf und der Stoff, den Louis berührte, wurde feucht und warm. Zitternd rollte Harry das Becken nochmals vor und in Louis schien sich eine Anspannung aufzulösen und verursachte ein Gefühl, dass er nicht beschreiben konnte. Es war wie Euphorie, wie unbeschreibliches Glück, Freude und Erlösung. Schwer atmend lagen sie da, sahen einander an und streichelten sich liebevoll, dann reckte Louis nochmals den Hals und hauchte Harry einen Kuss auf die Lippen. „Hast du das auch gefühlt?“ - „Du meinst dieses...unglaubliche Gefühl? Ja, habe ich.“ Vorsichtig malte Harry Kreise auf Louis Brustkorb und strich dann mit einem Finger über den nassen Stoff, der Louis bedeckte. Interessiert schnüffelte er an seinen Fingern und leckte sie dann ab: „Das riecht nach etwas, das ich noch nie gerochen habe...“ teilte er Louis mit und wischte sich dann die Hand an der Hose ab. Sein Blick glitt über das Moor und er richtete sich auf. „Ich denke wir sollten uns auf den Weg machen. Es ist dunkel genug.“ Er nickte zu dem Toten hin und Louis war einverstanden. Er wollte den Kerl nun auch dringend loswerden.

Durch seinen Verband ein wenig eingeschränkt, konnte er allein nicht in sein Oberhemd schlüpfen und Harry half ihm dabei, dann legte er ihm den Umhang über die Schultern und gemeinsam hoben sie den leblosen Körper wieder auf das Pferd.

Auf dem Moor war es finster und nur das Licht der unzähligen Sterne hoch über ihnen sorgte für ein wenig Helligkeit, sodass sie zumindest die größten Wasserlöcher sehen konnten. Trotzdem passierte es ab und zu, dass sie kurz bis zu den Knöcheln im Morast versanken, weil man einfach nicht immer unterscheiden konnte, wann der Boden fest und wann er sumpfig war. Außerdem schien der Untergrund manchmal zu schwanken und jeder Schritt den sie taten bebte unter ihren Füßen. Das Pferd trippelte vorsichtig hinter ihnen her und so brauchten sehr lange, bis sie in der Mitte des Moors angekommen waren. Harry hatte einen langen Stock bei sich und tastete unentwegt den Untergrund ab. Manchmal drehte Louis sich um und sah in der Ferne noch die Glut ihres Feuers glimmen, doch auch das war bald in den Nebelschwaden verschwunden, die über das Moor zogen.

Irgendwann blieb Harry an einem vermoderten Baumstumpf stehen und sagte: „Ich glaube hier ist es gut. Wir müssten jetzt in der Mitte des Moors sein.“ hörte Louis Harry sagen und spürte, wie ihm die Zügel des Pferdes in die Hand gedrückt wurden. „Ich habe eine gute Stelle gefunden.“ raunte Harry ihm zu und Louis spürte, wie er eng an ihm vorbei ging und die Leiche vom Pferd herunterzog. „Bleib bitte hier stehen. Ich ziehe ihn ins Moor hinein und du musst mir gleich wieder heraushelfen, denn der Schlick saugt sich an denen fest, die sich zu weit hinein wagen.“ Wollte Harry sich etwa selbst auf den gefährlichen Untergrund begeben? „Nein, ich will das nicht. Du hast selbst gesagt, dass man untergehen kann und ich will nicht alleine hier zurückbleiben. Das ist viel zu gefährlich. Es muss einen anderen Weg geben, ihn ins Moor zu bekommen.“ protestierte Louis und hielt Harry fest. „Bitte Harry.“ Der Lockenkopf seufzte: „Aber wir können ihn nicht hineinwerfen, das würde dir mit deinen offenen Verletzungen weh tun.“ - „Es ist mir weit lieber, als dass du im Moor untergehst und ich nichts tun kann.“ widersprach Louis und lies Harrys Mantel nicht los, bis der seufzte und sich geschlagen gab. „Na gut, meinetwegen. Dann halte du seine Beine und wir werfen ihn, bist du damit einverstanden?“ -“Ja, das klingt besser.“ Louis lächelte und er war sich sicher, dass Harry es gehört hatte, denn er seufzte auf eine freundliche Art und Weise. Sie packten den Mann an Händen und Füßen, schwangen ihn ein wenig hin und her und warfen ihn dann in hohem Bogen in den Sumpf. Es gab ein patschendes Geräusch, als der Körper auf die feuchte, schlammige Oberfläche traf, dann war ein gleichmäßiges Schmatzen zu hören, das irgendwann zu einem Blubbern wurde. Tatsächlich hatte die Bewegung des Werfens an Louis offener Wunde auf der Schulter geschmerzt und er ächzte kurz. „Ich hab doch gesagt, dass es wehtun wird. Wieso hast du ihn mich nicht ins Moor hineintragen lassen?“ fragte Harry und  legte Louis vorsichtig den Arm auf die Schulter. „Ach, das ist nicht so schlimm. So ist wenigstens keiner von uns in Gefahr.“ widersprach Louis und setzte sich auf ein Fleckchen Gras, das trocken war. Gemeinsam blieben sie am Rand  des Sumpflochs sitzen und sahen dabei zu, wie das Moor sich den Steuereintreiber einverleibte. Ihre Augen hatten sich mittlerweile an die Dunkelheit gewöhnt und das Sternenlicht reichte aus, damit sie genug erkennen konnte. Es sah ein wenig unheimlich aus, wie der Körper vor ihren Augen versank und es geschah beunruhigend schnell. Als nur noch Luftblasen nach Oben stiegen, erhob sich Harry wieder und zog Louis auf die Beine. Um sie herum war es mittlerweile ziemlich dunkel, denn am Himmel waren Wolken aufgezogen und verdeckten die Sterne. „Weißt du noch, aus welcher Richtung wir kamen?“ fragte Louis und sah sich um, ob er vielleicht noch die Glut des Feuers sehen konnte, doch das war in der Zwischenzeit sicherlich erloschen. Oder sie hatten sich zu weit davon entfernt. Harry drehte sich einmal um sich selbst und ließ den Blick schweifen, dann deutete er in die Ferne, wo ein kleines, blaues Licht ganz nah über dem Boden auf und ab hüpfte. „Sieh mal...“ - „Oh nein...“ entfuhr es Louis und er starrte das kleine Licht gebannt an. Es schien sich auf sie zuzubewegen, oder bewegte es sich von ihnen fort? Auf diese Entfernung war es schwer auszumachen, doch Louis wollte sich am Liebsten gar nicht länger mit dem Licht beschäftigen, denn er hatte schon einmal von den Lichtern im Moor gehört und sie bedeuteten nichts Gutes.  

„Das sind Irrlichter.“ hauchte Harry, der ebenfalls wie gebannt auf das Licht starrte.
Irrlichter waren kleine, meist blaue Lichter, die in der Nacht auf den Weiten des Moores erschienen. Man erzählte sich, dass es sich dabei um die Seelen derer, die im Moor versunken waren, handelte. Auf der Suche nach ewiger Ruhe irrten diese Seelen in der Nacht über das Moor und lockten Wanderer in die Tiefen der Sümpfe. Wenn man ein solches Licht sah und ihm folgte, dann konnte das kein gutes Ende nehmen, denn meist versank man irgendwann im Morast und konnte sich allein nicht mehr daraus befreien. Das Irrlicht machte Louis Angst und er tastete nach Harrys Hand, der seine schnell ergriff.
Es war ganz still, nur das Blubbern und Glucksen aus dem Loch neben ihnen war zu hören, während sie beide wie gebannt in die Ferne blickten. Das Irrlicht war erloschen, dafür erschien ein neues, das sich dieses Mal deutlich näher an ihnen befand. „Wir sollten hier weg...diese Lichter sind mir nicht geheuer.“ murmelte Harry und atmete schwer. Ihm war genauso bange, wie Louis, denn ein Irrlicht konnte man nicht einfach mit einem Pfeil erschießen. Es war etwas aus einer anderen Welt und dagegen konnten die Menschen nichts ausrichten. „Gwydion sagt, Irrlichter sind kleine Gestalten, die ihre Beute mit Lämpchen in die Falle locken wollen, deswegen darf man ihnen nicht folgen, egal wie sehr man sich auch verlaufen hat. Ich denke, vielleicht ist es das Beste, wenn wir einfach hier bleiben, bis die Dämmerung anbricht und uns erst dann auf den Weg machen, wenn wir wieder etwas sehen können.“ schlug Harry vor, setzte sich an Ort und Stelle wieder auf den Boden und zog Louis neben sich. „Lass uns einfach nicht mehr in die Richtung des Lichts schauen.“

Das war leichter gesagt als getan, denn die Lichter schienen Louis Blick geradezu magisch anzuziehen und er tat sich nur äußerst schwer, ihnen nicht mit den Augen zu folgen, wenn sie über das Wasser des Moors tanzten. Harry hatte sich neben ihn gesetzt, die Beine angezogen und die Stirn auf die Knie gepresst. „Hast du Angst?“ fragte Louis vorsichtig und berührte zaghaft Harrys Finger, die sich in den Stoff seiner Hose krallten. „Ja und ich bin wütend, dass wir hergekommen sind. Wir hätten ihn einfach irgendwo verscharren sollen, anstatt uns mitten in der Nacht auf ein von Geistern heimgesuchtes Moor zu wagen.“ flüsterte er ein wenig heiser, ohne dabei den Kopf zu heben. „Aber, wenn wir nicht hierher gekommen wären, dann hätten wir einander vielleicht niemals geküsst...“ überlegte Louis. Vielleicht konnte er damit diese ganze Situation ein wenig freundlicher gestalten. „Nein, das glaub ich nicht. Ich hätte dich irgendwann in den nächsten Tagen geküsst, da bin ich mir sicher. Seit wir in der zweiten Nacht auf meiner Plattform geschlafen haben und ich zum ersten Mal deine Haut berühren durfte, habe ich mir gewünscht, deine Lippen zu spüren.“ sagte Harry, immer noch zu seinen Knien. „Wollen wir versuchen zu schlafen? Ich bin sehr müde.“ fragte Louis leise und noch immer ein wenig gerührt von Harrys Geständnis, dass er ihn schon länger begehrte. Harry schüttelte den Kopf: „Ich kann nicht schlafen. Wir sitzen neben dem Grab eines Toten und Irrlichter geistern um uns herum. Ich muss wach bleiben, wer weiß, was sonst mit uns geschieht. Aber du kannst gerne schlafen. Ich halte Wache.“
Das Moos auf das Louis sich legte war weich. Weicher als alles, worauf er bisher geschlafen hatte und er wurde schnell schläfrig. Im Moor war es so still, dass es beinahe auf die Ohren drückte und außer Harrys Atem und dem Schnauben des Pferdes, das noch immer neben ihnen stand, war nichts zu hören. Zwar beunruhigten die Irrlichter Louis ebenso sehr, wie Harry, doch mit dem Lockenkopf an seiner Seite fühlte er sich sicher und während er so dem Nichts lauschte, fielen ihm irgendwann die Augen zu.    
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