Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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32. Mit den Damen zu Tisch

Die Wanne war größer als gedacht und sie mussten mehrmals über den dunklen Hof laufen, die Eimer am Brunnen mit Wasser füllen und dann zurück in die Badestube schleppen, bis der Wasserpegel hoch genug war. Als sie zum dritten Mal zurück kamen, lagen zwei Stapel Klamotten auf einem Stuhl bereit. Offenbar war die von Niall beauftragte Magd schon dagewesen. Louis wuchtete den Eimer hoch und schüttete den Inhalt in die Wanne. Sie war noch nicht mal halbvoll. Harry stand vor dem Kessel, in dem das Wasser nun zu dampfen angefangen hatte und schöpfte einen Eimer voll, den er Louis reichte, der ihn dann in den Waschzuber kippte. Sie arbeiteten gut und schnell miteinander und so dampfte das Wasser noch, als sie ihre Kleidung ablegten und sich vorsichtig ins Wasser sinken ließen. Louis griff über den Rand des Waschzubers, angelte sich seine Sachen und tauchte den Stoff unter Wasser. Das Wasser wurde sofort trüb und Harry schnaubte amüsiert: „Vielleicht hättest du besser gewartet, bis wir beide sauber sind...nun, jetzt ist es schon zu spät.“ Kurzerhand drückte auch er seine Sachen unter Wasser und eine Weile saßen sie einander gegenüber und schrubbten mit den Fäusten die gröbsten Flecken aus dem Stoff heraus. Als Louis der Meinung war, seine Kleidung sei nun sauber genug, wrang er den Stoff aus, kletterte schnell aus dem Zuber heraus und hängte die triefenden Kleidungsstücke vor dem Feuer an einen Holzstab, der dort vertikal angebracht war. „Machst du meine Sachen auch?“ fragte Harry und warf Louis seine Sachen zu. Nachdem alles aufgehängt war, trippelte Louis über den kalten Steinboden zurück und kletterte zurück in die Wanne. Das warme Wasser war sehr angenehm und er dachte an das letzte Bad zurück, das er und Harry in diesem kleinen Teich im Wald genommen hatten. Wie kalt das Wasser gewesen war. Auch Harry schien gerade dieser Gedanke durch den Kopf zu gehen, denn er seufzte und ließ sich einmal komplett ins Wasser sinken. Prustend tauchte er wieder auf und strich sich die nassen Haare aus dem Gesicht: „Wie schön wäre es, immer warmes Wasser zu haben.“ seufzte er und strahlte Louis dabei glücklich an. „Ja, das ist wirklich schön und es macht viel mehr Spaß, als in einem kalten Fluss.“ stimmte Louis ihm zu. „Und es ist auch unter Wasser nicht so schlimm. Das Untertauchen tut gar nicht so weh, wie in einem kalten Teich. Versuchs mal.“ Ehe Louis hätte reagieren können, hatte Harry ihm die Hände auf den Kopf gelegt und ihn unter Wasser gedrückt. Erschrocken ruderte er mit den Händen und versuchte Harrys Handgelenke zu fassen zu bekommen, doch er war viel stärker. Kurz bevor ihm die Luft ausging, ließ Harry von ihm ab und Louis tauchte japsend wieder auf. „Du bist...“ fing er an, doch Harry hielt seine Hände breit grinsend fest und hob fragend die Augenbrauen: „Was bin ich? Hm...na los, sag schon Louis...trau dich….“ - „Du bist...“ - „Umwerfend? Bezaubernd?“ - „Atemberaubend...das kannst du jetzt verstehen, wie es dir gefällt.“ keuchte Louis und holte erneut tief Luft. „Ich fasse es als Kompliment auf.“ grinste Harry, zog Louis an sich und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. Ob es an dem heißen Wasser war, in dem sie saßen, oder daran lag, dass Harry ihm nackt gegenüber saß, Louis wusste es nicht. Aber er war deutlich empfänglicher für die Berührungen des Jungen und ein wohliges Gefühl breitete sich in ihm aus. Harry  zog ihn eng an sich, bis sie einander berührten und es fühlte sich unbeschreiblich an. Louis zitterte kurz, als etwas Weiches unter Wasser seinen Oberschenkel streifte und er bemerkte, dass auch Harry sich kurz auf die Unterlippe gebissen hatte. „Es ist schön hier...mit dir.“ brachte er hervor und streckte sich, um Harry erneut zu küssen. Dieser hatte sich nach hinten an den Rand des Zubers gelehnt und Louis lag zwischen seinen gespreizten Beinen, hatte die Arme um ihn geschlungen und seufzte genüsslich in den Kuss hinein. „Ich will für immer hier mit dir in diesem Wasser liegen bleiben. Geht das?“ fragte Louis und sah in Harrys grüne Augen, die ihn liebevoll musterten. „Das wünsche ich auch...keine Verantwortung, kein Krieg, kein Machtkampf. Nur du und ich und sonst Niemand auf dieser Welt.“ Diese Worte zu hören, gaben Louis den Rest und er vertiefte den Kuss noch, um Harry zu zeigen, dass er seine Meinung teilte. Sie sanken immer tiefer ins Wasser, bis nur noch ihre Köpfe aus dem Wasser ragten.

Es war gerade alles egal. Sie scherten sich nicht darum, ob Jemand die Tür öffnen und sie erwischen könnte, zu sehr waren sie in die Berührung des anderen versunken. Harry legte seine Hände auf Louis Rücken, strich daran auf und ab und umschlang ihn mit seinen langen Beinen. Erneut machte sich diese Hitze, die er noch nicht so lange kannte, in seinem Körper breit und machte ihn überempfindlich gegenüber jeder Berührung, die Harry ihm bescherte. „Weißt du, dass du der Einzige bist, für den ich manchmal gerne König wäre?“ fragte Harry, löste sich von Louis und sah ihn ernst an. „Was? Wieso das denn?“ Es amüsierte Louis, das zu hören und war neugierig, welchen Grund Harry ihm wohl nennen mochte. „Naja, wenn ich König wäre, dann könnte ich die bestrafen, die dich gefoltert haben. Es wäre mir eine Genugtuung, wenn ich diese Männer drankriegen würde.“ - „Das ist sehr lieb von dir.“  bedankte sich Louis, hob eine Hand aus dem Wasser und legte sie an Harrys Wange. Der drehte den Kopf, schmiegte sich in Louis Hand und platzierte einige Küsse auf dem Handballen und strich mit leicht geöffneten Lippen über die weiche Haut. Sie hätten noch ewig in der Wanne liegen bleiben können, wenn nicht plötzlich Schritte zu hören gewesen wären, die sich der Waschstube näherten. „Lass uns schnell aufstehen, bevor man uns sieht.“ zischte Harry, löste sich von Louis, stand auf und streifte sich mit den Händen das Wasser vom Körper, wrang seine Haare aus und griff dann nach dem ersten Hemd auf dem Schemel. Auch Louis schüttelte sich das Wasser aus den kurzen Haaren und zog sich dann ebenfalls an. Das Hemd war aus weichem und schwerem Stoff gefertigt und fühlte sich auf der frisch gewaschenen Haut sehr angenehm an. Die Hose bestand aus einem groben, dunklen Stoff, war an den Oberschenkeln weit und wurde ab den Knien eng, sodass man die Stiefel gut darüber tragen konnte. Harrys Hemd war am Kragenausschnitt mit einem Lederband zu geschürt, doch er löste das Band, sodass das Hemd vorne offen war und einige dunkle Brusthärchen herausblitzten. Louis´ Hemd verfügte über einen Knopf, was etwas war, womit er sich bisher nie hatte auseinandersetzen müssen und es ein wenig dauerte, bis er fertig angezogen war.
Die Tür öffnete sich und eine Magd erschien. Sie senkte sofort den Blick und sagte: „Meine Herren, König James und die Herren Prinz Bob und Prinz Niall erwarten Euch im Speisesaal.“ Sie klang ehrfürchtig und hob dann kurz den Blick, um sie anzusehen. „Bringt uns zu ihnen.“ verlangte Harry freundlich und die Magd nickte. Sie wandte sich ab und ging ihnen voraus die Treppe hinauf und über den Hof. Mittlerweile war die Sonne untergegangen und der Vollmond stand am Himmel. Er war so hell, dass sie auch ohne Fackelschein gut sehen konnten.

Sie folgten dem jungen Mädchen einige Treppen hinauf, bis sie wieder vor der großen Holztür standen und dieses Mal wurde ihnen der Zutritt gestattet.

Der Thronsaal war ein langgezogener Raum. Die Wände waren auch hier aus dunklem Stein, doch hingen Wandteppiche daran, die mit dem Wappen des Königs, sowie einigen Bildern von Schlachten vergangener Zeiten verziert waren. Ein dunkler, schmaler Teppich führte in der Mitte des Raumes auf eine Erhöhung zu, wo ein schön geschnitzter Holzstuhl stand. Die Lehne war deutlich länger, als das bei einem gewöhnlichen Stuhl der Fall gewesen wäre und ein samtenes, grünes Kissen lag auf der Sitzfläche. Rechts und links des Throns standen geschmiedete Kerzenständer, die auf eine einfache, aber elegante Art und Weise verschlungen waren, sodass die aussahen, wie die Wurzeln der Bäume. Die Decke des Thronsaals wurde von dicken, hölzernen Säulen getragen, die genauso aufwändig mit Mustern verziert waren, wie der Thron selbst. Die Kerzen tauchten den Raum in warmes Licht, doch die Seitenflügel des Saals, die nicht beleuchtet waren, lagen in Dunkelheit und Louis fühlte sich etwas unwohl, als sie an den Schatten vorbeigehen mussten. Der Diener, der sie in den Saal geführt hatte, bog vor dem Thron ab und trat zwischen die Säulen in die Schatten. Harry folgte ihm unbeirrt und Louis trippelte rasch hinterher. Ihre Schritte hallten laut auf dem Sandsteinboden wider. Hinter den Säulen befand sich eine weitere Tür, die vom Diener geöffnet wurde. Er hielt das Türblatt fest und trat dann einen Schritt zurück. „Eure Majestät; die Gäste des heutigen Abends!“ sagte er laut an und gab ihnen mit Blicken zu verstehen, dass sie diesen Raum nun allein würden betreten müssen.
Dieser Raum war kleiner als der Thronsaal und wurde von vielen Kerzen erhellt, die unter der Decke an einem runden, metallenen Kronleuchter hingen. Zu ihrer Linken befand sich ein mannshoher Kamin in dem ein Feuer prasselte, das den ganzen Raum wärmte. In Verlängerung des Kamins stand ein langer, dunkler Holztisch mit einzelnen Stühlen, jeder davon mit einem grünen Sitzkissen versehen. Auch hier hingen Wandteppiche, die den Raum viel gemütlicher wirken ließen und die im Licht des Feuers ihre Farben erstrahlen ließen.
Harry und Louis gingen am Tisch entlang und wurden dabei neugierig von einigen Damen betrachtet, die in schönen Kleidern am Tisch saßen. Am Kopfende der Tafel saß ein alter Mann; ganz offenbar der König, denn er trug einen reich verzierten Mantel über einem Wams, das aus edelsten Stoffen hergestellt war. Sein Haupthaar und der Bart waren grau und wurden von weißen Strähnen durchzogen und seine blauen Augen sahen müde aus. Trotzdem hob er den Kopf, als sie sich näherten.
Weder Louis noch Harry waren jemals einem König begegnet und wussten nicht so genau, wie sie sich nun zu verhalten hatte. Louis ließ sich einfach von seinem Instinkt führen und sank auf ein Knie herunter. Aus den Augenwinkeln sah er, dass Harry seinem Beispiel folgte und ebenfalls niederkniete. Der alte Mann erhob sich von seinem Platz und ging langsam und bedächtig auf sie zu. Er legte Harry die Hand auf die Schulter und gestattete ihnen, sich zu erheben. Im Stehen war Harry beinahe so groß, wie der König, wenn nicht sogar ein kleines bisschen größer. „Ihr seid der Sohn von Edward….“ hauchte der alte Mann andächtig und Louis war überrascht, wie kräftig seine Stimme klang. „Das kann ich leider nicht genau sagen, Eure Majestät.“ antwortete Harry und senkte den Blick ehrfürchtig. Offenbar hielt er es nicht für angebracht, dem König offen zu widersprechen. Niall, der ihnen am nächsten saß, stand auf, legte nun seinem Großvater die Hand auf die Schulter und sagte: „Großvater, lass uns erstmal essen.“ Er führte den alten Mann zurück zu seinem Platz.
Louis fühlte sich durch die Reaktion des Königs in seiner Vermutung nur bestätigt, dass Harry wirklich Erbe des Throns von Cheshire war.

Ihnen wurden Plätze zwischen Prinz Niall und einer jungen Dame zugewiesen. Vor ihnen standen Holzschalen und jeder hatte einen Löffel bekommen, dann tauchten Diener auf und trugen eine Platte mit Fleisch, einen Eintopf und eine Menge Brot in flachen Körben herein. Alles wurde auf den Tisch gestellt und das Abendessen begann. Unsicher, wie man sich wohl an einer solch noblen Tafel benehmen musste, warteten Harry und Louis mit dem Essen, bis sich alle anderen bedient hatten. Glücklicherweise aßen hier alle mit den Händen, wenngleich es auch ein wenig eleganter und gesitteter zuging, als sie es aus dem Wald gewohnt waren. „Ihr habt eine weite Reise hinter Euch, wie ich hörte.“ sagte die junge Dame neben Louis plötzlich und sah ihn direkt an. Louis nickte und antwortete mit vollem Mund: „Ja, Milady.“ - „Oh, nennt mich Eleanor.“ sagte sie und lächelte ihn zurückhaltend an. Eleanor war eine hübsche, junge Frau. Ihr Haar war lang und aufwändig frisiert, soweit Louis das beurteilen konnte. Sie trug ein hochgeschlossenes, hellblaues Kleid mit langen Ärmeln, das mit goldenen Fäden durchzogen war, die sich auch in ihrer Frisur wiederfanden. Sie schien eine Prinzessin zu sein, weshalb Louis auf ihre Fragen nur knappe Antworten gab. Er hatte ja keine Ahnung, ob es ihm gestattet war, Konversation mit einer Dame von Stand zu halten.

Harry war da nicht so gezwungen, denn er unterhielt sich mit einer jungen Frau, die ihm gegenüber auf der anderen Seite der Tafel saß. Sie hatte flachsblondes Haar, war groß und hielt sich sehr aufrecht. Sie war in dunklem Grün gekleidet und ihr Gewand schien noch ein wenig aufwändiger gestaltet worden zu sein, als das von Milady Eleanor. Auf Harrys Frage hin, wie ihr Name sei, antwortete die blonde Schönheit mit, Taylor. Sie schien einen Narren an Harry gefressen zu haben und ließ es während des ganzen Abendessens nicht zu, dass sich jemand anderes mit Harry unterhielt.    
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