Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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24. Im Morgengrauen auf der Plattform

Sie kamen an der Eiche an, als der Morgennebel noch über dem Boden schwebte und es aussah, als würden sie durch Wolken gehen. Mit jedem Schritt, dem sie sich der Eiche näherten, wurden Louis Füße schwerer und der Gedanke, jetzt noch auf die Plattform klettern zu müssen, gefiel ihm ganz und gar nicht. Doch es blieb ihnen nichts anderes übrig, schließlich mussten sie ja irgendwo schlafen.

Gähnend zog sich Louis auf die Plattform, legte den Bogen und den Köcher beiseite und schüttelte die Decke auf. Er legte den Gürtel ab da er beim Schlafen störte und zog sich die Decke über den Körper. Harry hatte die Schwerter noch in die Eiche hinein gebracht, denn Waffen waren auf den Plattformen nicht gerne gesehen, da sie herunterfallen und Jemanden verletzen konnten. So war Louis schon fast eingeschlafen, als Harry ebenfalls auf der Plattform ankam und seine Waffen, sowie den Gürtel ablegte. Das Bündel, das er bei der Reise bei sich getragen hatte und das hauptsächlich aus einer Decke bestand, wickelte er auf und legte sich dann neben Louis. Er schmiegte sich an ihn und plötzlich fühlte sich Louis wieder behaglich und wohl. „Es ist so schön, dass du zurück bist.“ flüsterte er Harry zu, der zur Antwort mit seinen Lippen sanft über Louis Ohrmuschel streifte. „Ja, ich freue mich auch...“ hauchte Harry, drehte Louis auf den Rücken, sodass sie einander ansehen konnten. Er lächelte müde und strich mit einer Hand wieder über Louis Wange. Es war eine liebevolle Geste und Louis erwiderte das Lächeln. „Du hast mir gefehlt...“ Ihre Lippen trafen aufeinander und Harry vergrub eine Hand in Louis Haar. „Wir dürfen keine Geräusche machen, damit die anderen nicht aufwachen...“ hauchte er zwischen zwei Küssen und tastete sich unter der Decke über Louis Körper. Seine Hand war kräftig und stark und fühlte sich sehr angenehm auf Louis Haut an. Sein Atem wurde schwer und er zuckte zusammen, als Harry ein Bein zwischen seine Knie schob und sich dazwischen drängte. Um sie herum wich die Nacht langsam und es wurde immer heller. Sicherlich würden die anderen Jungs bald aufstehen und den Baum hinunterklettern. „Sie werden uns sehen Harry...“ nuschelte Louis mit geschlossenen Augen und versuchte die wandernde Hand auf seinem Körper zu vergessen. „Wir werden sie schon zeitig hören.“ raunte der Lockenkopf und öffnete die Verschlüsse seines Oberhemds, griff Louis Hand und legte sie sich auf die Haut. Er war warm, glühte fast schon unter Louis Fingern.
„Fühlst du, wie nervös du mich machst?“ fragte er und Louis nickte, denn das wilde Schlagen Harrys Herzens war deutlich zu spüren. „Mir geht es genauso...“ Sofort lag Harrys Hand auf Louis Brustkorb und wieder spürten die beiden ihre Herzen schlagen. Louis schloss die Augen und konzentrierte sich auf das Pulsieren. Harrys Blick lag noch immer auf ihm, das spürte Louis und atmete tief ein, um sich ein wenig zu beruhigen, doch er sog Harrys Geruch ein, den er so lange vermisst hatte und sein Herz schlug noch schneller, als er sich bewusst wurde, dass der Lockenkopf wirklich hier bei ihm lag. „Weißt du, was mir aufgefallen ist?“ Louis öffnete die Augen und sah, dass Harry ihn anblickte. Da es um sie her langsam heller wurde, konnte er das Grün seiner Augen nun wieder besser sehen – gerade wurde es allerdings beinahe gänzlich von dem schwarzen Punkt in der Mitte verdrängt. „Immer wenn ich in deiner Nähe bin, spüre ich diese Hitze in mir….es ist fast wie ein prickelndes Feuer...hier Unten.“ Er musste nach Luft schnappen, als Harry seine flache Hand auf die Stelle zwischen seinen Beinen legte und leichten Druck ausübte. „Oh, ich sehe, es geht dir genauso...“ stellte er fest, stützte sich neben Louis Kopf auf und drückte sich an ihn, sodass ihre Erregungen aneinander rieben. „Ich möchte etwas versuchen….“ Louis Stimme zitterte ein wenig, als er das sagte und er war nervös, als Harry nickte. Vorsichtig schob Louis die Hände unter den Stoff, der Harrys Unterleib bedeckte und ließ das Kleidungsstück nach unten gleiten, dann tat er dasselbe bei sich. Irgendwie kam er sich ein wenig komisch dabei vor und wagte es nicht, nach Unten zu sehen, denn noch nie im Leben hatte er einen anderen Mann nackt gesehen. Dem Lockenkopf schien es ähnlich zu gehen, denn er fixierte den Blick nur auf Louis Augen, drückte sich aber immerzu gegen seinen Körper. Sie beide schienen nicht genau zu wissen, was gerade passierte, waren aber so benebelt von ihren Gefühlen, dass ihre Handlungen wie automatisiert abliefen. Die Hitze in Louis stieg an und er reckte den Hals, um Harry zu erreichen, küsste ihn fahrig und zog sacht an den dunklen Locken. Der Brustkorb von ihm hob und senkte sich schneller und er ließ sich nun ganz auf Louis hinuntersinken, sodass sie einander überall berührten. Dabei ging ihnen kein Laut über die Lippen, sie blieben ganz still, während der Druck sich in ihnen aufbaute, unerträglich wurde und sich dann mit Herzrasen, Zittern und schweren Atemzügen entlud. Eine warme, klebrige Flüssigkeit lief an Louis Lenden hinunter und er wischte sie mit der kratzigen Decke beiseite, bevor er sich wieder anzog. Harry hatte sich von ihm herunterrollen lassen und tat dasselbe. Er sah ziemlich müde aus, lächelte Louis aber glücklich an und zog ihn erneut in seine Arme, bevor sie sich endlich gestatteten, zu schlafen.

„Harry! Schön, dass du wieder da bist!“ mit diesem Ausruf wurde ihnen die Decke weggezogen und sowohl Harry als auch Louis zuckten zusammen und richteten sich verschlafen auf. Es schien Mittag zu sein und sie blinzelten in die grelle Sonne, die zwischen den Blättern er Eiche hindurch schien. Nerian hielt sich an einem Ast fest und lugte über den Rand ihrer Plattform. Er grinste, als er ihre Gesichter sah und warf ihnen dann die Decke wieder zu, die er ihnen weggezogen hatte. „Wieso hast du dich nicht zurückgemeldet?“ fragte er und Harry gähnte ausgiebig, bevor er antwortete: „Ich bin erst heute in den Morgenstunden angekommen und wollte erst ein wenig Schlaf aufholen. Aber beim nächsten Mal werde ich daran denken und DICH genauso unsanft aufwecken, wie du es gerade bei mir getan hast, Nerian.“ - „Meinetwegen. Komm runter. Gwydion hat dein Schwert im Baum gesehen und ist ganz neugierig auf deinen Bericht.“ sagte er, nickte dann auch Louis zu, zum Zeichen, dass er ihn bemerkt hatte und kletterte wieder nach Unten.

„Es gibt nichts zu berichten...ich bin ein Versager.“ seufzte Harry, zog die Beine an und stützte den Kopf auf den Knien ab. Er sah wirklich niedergeschlagen aus und tat Louis unglaublich Leid. „Gwydion wird das sicherlich verstehen. Er weiß doch, dass er dir keine leichte Aufgabe gegeben hat.“ versuchte Louis ihn aufzumuntern und strich Harry über den Rücken, der seufzte und nickte: „Ja, vermutlich hast du Recht. Ich gehe dann mal nach Unten.“ Er erhob sich, schob sich das Oberhemd in die Hose zurück und band alles mit einem Gürtel fest, dann sah er Louis auffordernd an: „Kommst du mit?“

„Harry, schön, dass du wieder da bist.“ Zayn umarmte den Lockenkopf fest, als er ihn sah und auch die anderen Jungen hießen Harry freudig willkommen. „Hallo Liam, wie geht es dir?“ fragte Harry und begrüßte Liam, den er ja eigentlich kaum kannte. Liam nickte und zeigte Harry die verheilten Wunden. „Oh ja, das sieht wirklich gut aus. Ich habe gehört, du hast dich mit Ed schon gut zusammengefunden.“ Liam wurde ein wenig rosa um die Ohren und nickte, bevor er hastig den Blick senkte und sich wieder zu Ed setzte. Die Beiden hatten eine Menge Federn vor sich auf dem Boden liegen und verarbeiteten diese gerade zu Pfeilenden. „Wo ist Gwydion?“ fragte Louis, der den alten Mann noch nicht gesehen hatte und sah die andren Jungs an. „Draußen. Er sagt, er wolle Bericht der Vögel haben...“ - „Dann weiß ich, wo ich ihn finden kann.“ sagte Harry ruhig und verließ den Baum wieder. Louis war sich einen Moment nicht sicher, ob er ihm folgen sollte, blieb dann aber bei den anderen. Sicherlich wollte Harry den Druiden allein sprechen, um ihm seine Mutlosigkeit zu klagen. „Wie lief deine Wache gestern?“ Cuthbert hatte sich neben Louis gestellt und gemeinsam sahen sie Harry nach, der sich von der Eiche entfernte. Noch immer humpelte er leicht. „Gut...es gab keine besonderen Vorkommnisse.“ antwortete Louis. Er hielt es nicht für nötig, Cuthbert zu sagen, dass er sich mit Harry duelliert hatte, weil sie einander nicht erkannt hatten. Vielleicht würde sich der älteste der Merry Men dann über ihn lustig machen und das wollte Louis nicht. „Und wie war es bei dir?“ - „Auch Ereignislos. Außer einigen Tieren habe ich nichts gesehen. Aber ich glaube, einmal das Klingen von Schwertern gehört zu haben. Vielleicht haben Soldaten in unserer Nähe geübt...ich werde der Sache heute Nacht nachgehen.“ Louis biss sich auf die Lippen. Cuthbert hatte sie also gehört. Vielleicht war es doch besser, wenn er ihm sagte, dass er und Harry gekämpft hatten, denn er wollte nicht, dass er sich unnötig in Gefahr brachte. „Oh, das waren Harry und ich.“ sagte er schnell und fing sich dabei einen erstaunten Blick von Cuthbert ein. „Du hast Harry getroffen?“ - „Ja. Leider hatten wir uns zuerst nicht erkannt, weil es so dunkel war und uns gegenseitig erst mit dem Bogen bedroht und uns dann einen Schwertkampf geliefert. Das war das, was du gehört hast.“ Cuthbert strich sich durch die langen Haare und schüttelte ungläubig aber amüsiert den Kopf, dann sagte er. „Ach weißt du Louis, du bist nicht der Erste, dem das passiert. Als Nerian neu bei uns war, hatte er in der Nacht Leofwine für einen Eindringling gehalten und ihn beinahe erschossen. Wie du siehst, lebt man hier im Wald nicht ganz ungefährlich.“ Louis lehnte sich an den Baumstamm der Eiche und ließ sich auf den Boden sinken. Er war noch immer sehr müde, weil er nicht sonderlich lange geschlafen hatte und sah zu Cuthbert auf. „Du bist hier aufgewachsen, stimmt das?“ Bisher hatten sie noch nicht richtig miteinander sprechen können und Louis nutzte die Gelegenheit, um ein wenig mehr über ihn herauszufinden. „Ja. Meine Eltern sind zusammen mit König Harold geflüchtet. Meine Mutter war zu dieser Zeit schwanger mit mir. Anfangs gab es bei den Merry Men auch noch einige Frauen, die mit den Kindern unter sich blieben, da die Männer sich ja ständig in Gefahr begaben und man die Damen nicht mit hineinziehen wollte. Ich bin also bei meiner Mutter aufgewachsen, bis ich sieben Jahre alt war.“ Cuthbert hielt die Finger in die Höhe, um  Louis die Zahl zu zeigen, dann fuhr er fort. „Als ich alt genug war, kam ich zu den Männern und wurde ausgebildet. Leider wurde die Gruppe über die Jahre immer kleiner, weil viele nach dem Tod von Harold und Edward die Hoffnung verloren hatten und sich wieder in kleine Dörfer ansiedelten. So wurde die Gruppe immer kleiner. Auch meine Eltern haben die Merry Men irgendwann verlassen, ich blieb aber bei Gwydion, denn ich wollte nicht akzeptieren, dass man aufgegeben hatte. Nunja  darum sind wir heute nicht mehr sonderlich viele.“ Cuthbert seufzte wehmütig. „Hast du Harrys Mutter gekannt?“ - „Ja. Aber sie starb, nachdem Harry geboren war. Da hatte ich gerade die Frauen verlassen und war zu den Männern gekommen. Gwydion hatte Harry gleich von Anfang an zu uns geholt und er wurde von allen Männern gemeinsam aufgezogen. Ich vermute, Gwydion hatte Angst, dass die Frauen ihn und Zayn mitnehmen und die Gruppe dadurch noch kleiner werden würde.“ Louis musterte Cuthbert – dieser Mann schien mit Leib und Seele den Merry Men anzugehören, sonst würde er nicht so reden. „Du weißt auch nicht, wo der Kronprinz sein könnte?“ wagte Louis zu fragen. Cuthbert schnaubte: „Nein. Ich wünschte ich wüsste es. Aber ich habe keine Ahnung und ich bewundere Harry dafür, dass er so lange schon auf der Suche nach dem Kronprinzen ist. Ich weiß nicht, ob ich so lange durchhalten würde, wenn ich keinen Erfolg hätte.“ Cuthbert seufzte und sah nachdenklich in die Ferne, wo Harry irgendwo gerade mit dem Druiden redete, dann klopfte er Louis auf die Schulter und verschwand wieder im Baum, nur um kurz danach mit Pfeil und Bogen ausgestattet wieder aufzutauchen. Er machte sich auf den Weg zur Jagd.

     
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