Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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64. Eine seltsame Bitte an Louis

Harry war schon wieder in Gefahr? Das konnte nicht sein. Würden sie denn jemals Ruhe haben? Theobalds Worte hatten Louis hart getroffen und er fühlte sich beinahe so, als hätte man ihm mit aller Kraft gegen die Brust geschlagen. Das Atmen fiel ihm schwer und es kam ihm so vor, als würden sich die Wände des Thronsaals auf ihn zu bewegen, als gäbe es immer weniger Platz. In der Hoffnung, Niemand würde es bemerken, versuchte er tief Luft zu holen, doch es gelang ihm schlecht und er keuchte. Panik stieg in ihm auf und er konnte nichts dagegen tun. Um ihn her verschwamm alles und seine Gedanken drehten sich nur noch darum, dass im Wald Jemand lauerte, der Harry tot sehen wollte. Die Vorstellung, den jungen Mann mit den grünen Augen nie wieder bei sich zu haben, war unerträglich und so schmerzhaft, dass Louis sich die Hand auf die Brust presste. Niemand um ihn her, schien seinen innerlichen Kampf zu bemerken. Alle hatten sich Gwydion zugewandt und hörten ihm zu. Offenbar sprach der Zauberer weiter, doch die Worte erreichten Louis nicht, obwohl er kaum drei Schritte hinter dem alten Mann stand. Die Schlinge aus schlimmen Gedanken und Ängsten zog sich immer enger um Louis Hals und mit einem Mal wurde es um ihn her dunkel.

Die Ohnmacht konnte nicht lange angehalten haben, denn als Louis ganz dumpf wieder zu sich kam, nahm er Stimmen um sich her war, die seinen Namen sagten und viele Hände, die ihn berührten, vermutlich, um ihn vom Boden zu heben. „Was ist geschehen?“ hörte er Harry fragen und nahm wahr, dass er sich neben ihn kniete. „Er ist einfach umgefallen, ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte.“ - „Louis...kannst du mich hören?“ Ja, er konnte Harry hören, doch fühlte er sich gerade viel zu schwach, um zu antworten und wandte nur den Kopf in seine Richtung. „Ich bringe ihn hier raus. Er braucht ein wenig Ruhe. Zayn, besprich´ bitte alles weitere mit Gwydion.“ sagte Harry und Louis spürte, wie er ihn in seine Arme hob. Harry ging zwischen den anderen Jungs hindurch, wobei Louis Beine ab und zu Jemanden streiften, und trug ihn aus dem Thronsaal hinaus. Er schmiegte sich an Harrys Brust und lauschte seinem Atem und dem regelmäßigen Klopfen seines Herzens. Das leichte Schaukeln beruhigte Louis auf eine angenehme Art und Weise, doch fühlte er noch immer die Angst, die wie ein Knoten in seiner Brust saß. Harry trug ihn bis in ihre Kammer, wo er ihn vorsichtig auf dem Bett ablegte und rasch die Felle über ihn warf. „Louis...bitte öffne die Augen wieder, damit ich weiß, dass es dir gut geht.“ flüsterte Harry und seine Stimme klang ein wenig heiser, fast so, als sei er den Tränen nahe. Obwohl Louis noch immer das Gefühl hatte, keinen Platz zum Atmen zu haben, öffnete er die Augen und sah Harry an. Der Blick, mit dem der junge König ihn bedachte, war voller Sorge. „Du bist wach...“ wisperte er und strich Louis ganz sanft mit den Fingern über die Wange. „Was ist passiert?“ - „Ich...ich weiß nicht. Als ich von Benjamin hörte, da ist mir mit einem Mal die Luft weggeblieben. Ich konnte kaum noch atmen...ich habe so große Angst, dich zu verlieren, Harry.“ gestand Louis und eine Träne rann ihm über die Wange. Harry streifte sich die Stiefel ab und schlüpfte zu Louis unter die Decken, zog ihn in seinen Arm und presste ihn an sich. „Ich habe auch Angst, weißt du….ich habe Angst, dass Jemand herausfindet, wie wichtig du mir bist und man dich gefangen nimmt...wie damals, als Prinz Niall diese Idee hatte….obwohl ich wusste, dass dir nichts geschehen wird, hatte ich Angst um dich. Aber dieses Mal ist es anders. Dieses Mal könntest du wirklich in Gefahr sein und wenn ich dich verliere...dann weiß ich nicht, ob ich noch weitermachen kann. Du bist alles für mich...“ Louis Tränen wurden durch diese rührenden Worte Harrys, nicht gerade weniger und er drückte das Gesicht erneut an den Stoff seines Obergewands. „Du bedeutest mich auch alles. Da Draußen lauert Jemand auf dich, der dich tot sehen will...ich kann das nicht aushalten...mich überkommt allein beim Gedanken daran eine Panik, die mich bewusstlos werden lässt.“ Jetzt, wo er es aussprach, kam es Louis ein wenig lächerlich vor, doch der König schien nicht der Meinung zu sein. Stattdessen küsste er Louis auf die Stirn und umarmte ihn noch ein wenig fester. „Ich liebe dich, Louis. Mach dir keine Sorgen um mich. Wir haben einen Zauberer auf unserer Seite, ich bin sicher, dass wir alle heil aus diesem Kampf herauskommen werden.“ Er stützte sich auf den Unterarm und sah Louis forschend an: „Möchtest du hier liegen bleiben, während ich weiter mit den anderen bespreche, was wir unternehmen wollen?“ fragte er, doch Louis schüttelte den Kopf und schlang die Arme um Harry: „Bleib bei mir, bitte. Die anderen werden auch ohne dich einen Plan schmieden können. Ich will jetzt bei dir bleiben.“ Harry lächelte und wuschelte ihm durch die Haare: „Na gut. Du weißt, dass ich dir nur schlecht einen Wunsch abschlagen kann.“ Wieder trafen sich ihre Lippen und Louis seufzte in den Kuss, schmiegte sich an Harry und obwohl er sich noch immer zittrig und schwach fühlte, erweckte der Kuss in ihm wieder Lebensgeister. Die weichen Lippen auf seinen zu spüren, ließ ihn erzittern und die Hitze, die nur Harry in ihm auslösen konnte, stieg in ihm auf, gefolgt von einem Kribbeln im Bauch. Mit einem Mal unterbrach Harry den Kuss und blickte Louis fast schon erschrocken an. „Ich habe eine Lösung für ein anderes Problem gefunden.“ hauchte Harry und sein Blick wurde leer, als wäre er in Gedanken bereits mit der Umsetzung beschäftigt. Louis ließ ihn gewähren und strich ihm dabei sanft übers Kinn, während er ihn dabei beobachtete. Harry blickte ins Nichts, bewegte die Lippen, als würde er sich selbst seinen Plan erklären und vergaß sogar zu blinzeln. „Harry?“ flüsterte Louis, um seinen Geliebten wieder in die Wirklichkeit zurück zu holen.
„Ja...“ hauchte der Prinz und rieb sich rasch über die Augen, bevor er Louis anstrahlte, wie es nur er konnte. „Was hattest du für einen Einfall?“ fragte er und anstatt zu antworten, drückte Harry ihm seine Lippen auf den Mund. Erst, als sie sich wieder voneinander lösten, sagte er: „Ich weiß, wie ich es schaffen kann, die Ehe mit Lady Taylor zu vollziehen.“ - „Das ist dir gerade eingefallen, als du mich geküsst hast?“ fragte Louis ein wenig verwirrt, denn es war schwer vorstellbar, dass Harry bei ihrem Kuss tatsächlich an seine Frau gedacht hatte. „Ja. Immer wenn du mich küsst, dann bekomme ich so ein Kribbeln im Bauch und in meinem...also...da unten.“ Wie zum Beweis hob er die Decke an und beide senkten den Blick. Tatsächlich konnte man eine Beule unter dem Stoff der Hose sehen. Verlegen räusperte sich der König und bedeckte sich wieder, bevor er weitersprach: „Nun, ohne das kann ich nicht mit Taylor die Ehe vollziehen. Ich habe es versucht, aber es ist nicht möglich. Wenn du mich aber küsst, dann passiert das sofort. Nun, was würdest du davon halten, wenn du einfach mitkommst?“ Louis glaubte, sich verhört zu haben: bat Harry ihn gerade darum, gemeinsam mit ihm zu seiner Frau zu gehen und die Nacht bei ihr zu verbringen? „Verzeihung, aber ich glaube ich kann dir nicht ganz folgen.“ stammelte er. Verlegen, weil er die ganze Idee ein wenig genauer erklären musste, fuhr sich Harry durch die langen Haare und sagte: „Du kommst mit in ihre Gemächer, bringst mich in Stimmung, sodass ich in der Lage bin, ein Kind mit ihr zu zeugen. Wenn ich dich vor mir sehe, wenn du mich anfasst, küsst und mir nahe bist, dann kann ich das schaffen.“ - „Aber, was wird deine Frau dazu sagen?“ - „Sie wird es so annehmen müssen. Ich lasse ihr keine Wahl. Sie kann ja die Augen schließen, wenn sie nicht sehen will, dass ich dich küsse.“ Louis nickte und schwieg. Natürlich wollte er Harry helfen, seine Pflicht zu erfüllen, aber er war nicht sonderlich erpicht darauf, das Bett mit der blonden, jungen Frau zu teilen. Ihn nochmal in die Arme schließend, kuschelte sich Harry an ihn und murmelte: „Ich spüre, dass es dir schwer fällt….aber du wirst mir sehr helfen...denk darüber nach, ich bitte dich.“ Louis nickte erneut und verflocht seine Finger mit denen Harrys, küsste seinen Handrücken und murmelte: „Lass mich eine Nacht darüber schlafen, ja?“ - „Natürlich. Es ist eine große Sache, die ich von dir erwarte, da ist es das Mindeste, dass ich dir Zeit lasse.“ Der König stand auf, deckte Louis wieder fürsorglich zu und zupfte sich dann seine Kleidung zurecht. Er strich Louis über den Kopf und sagte: „Ich werde jetzt zurück zu den anderen gehen und mir anhören, was sie für einen Plan geschmiedet haben. Bleib bitte noch ein wenig hier liegen und ruhe dich aus, damit du noch einmal zusammenbrichst.“ - „Gut, aber lass mich nicht zu lange allein.“

Louis kuschelte sich in die Felle und Decken und blickte in die Flammen, die knistern einen Holzscheit verschlangen. Er fühlte sich müde und schwach und hätte gerne ein wenig geschlafen, doch die aktuellen Neuigkeiten und Harrys Bitte, ihn zu Lady Taylor zu begleiten, hielten ihn wach. Eine Weile malte er sich aus, wie der Bruder von Jonathan wohl war. Hatte er auch keine Skrupel, jeden zu töten, der ihm im Weg stand, oder war er vielleicht sogar noch schlimmer?
Vor seinem geistigen Auge tauchte ein Mann auf, der nahezu das Ebenbild des verstorbenen Königs war, mit böser Miene im Gesicht stand er auf einem Schlachtfeld. Um ihn herum lagen die Leichen der Merry Men und auch er, Louis, lag verletzt am Boden. Harry kniete auf dem plattgetretenen Gras des Schlachtfeldes: sein Haar war blutverschmiert und er zitterte. Der rothaarige Mann spannte einen schwarzen Pfeil mit goldener Spitze in einen Langbogen und zielte auf Harrys Brust. Sie standen nur wenige Mannslängen voneinander entfernt, wenn er den Pfeil nun abschoss, würde er Harry mit Sicherheit treffen. Louis wollte sich aufrichten, um seinen Geliebten zu schützen, doch war er selbst so schwer verletzt, dass er sich kaum aufrichten konnte. Ein Blick auf seine Brust zeigte ihm, dass auch er verwundet war, denn der Stoff seines Hemds war völlig vom Blut durchnässt, doch er verspürte keine Schmerzen. Benjamin schien seinen Sieg auszukosten, denn er verhöhnte Harry laut und lachte ihn aus. „Du bist ein jämmerlicher König. Sieh, wie schnell meine Männer die deinen besiegt haben.“ Harry antwortet nichts, sondern blickte den König nur an, es schien ihn gerade die letzte Kraft zu kosten, überhaupt aufrecht zu knien. Louis nahm seine letzte Kraft zusammen und schleppte sich zu Harry. „Ich werde dich jetzt töten, dann wird deine Grafschaft an mich übergehen. Du wirst mit deinem Leben dafür bezahlen, dass du meinen Bruder getötet hast.“ Benjamin spannte den Bogen und zielte genüsslich langsam direkt auf Harrys Herz. Louis robbte weiter vor und der König schien ihn nicht zu bemerken. Als der Pfeil nach vorne schoss, warf sich Louis vor Harry und spürte im selben Moment einen stechenden Schmerz im Rücken. Auch Harry ächzte und sie fielen gemeinsam ins Gras. Der Aufprall war härter, als gedacht und Louis öffnete die Augen.

Er lag vor dem Kamin auf dem Boden. Offenbar war er aus dem Bett gefallen. Schwer atmend versuchte er sich zu orientieren. Es war nur ein Traum gewesen; Harry war noch am Leben. Oder? Unsicher setzte er sich hin und lugte ins Bett. Harry war nicht da. Wie lange hatte er geschlafen? Oder war es vielleicht kein Traum gewesen und man hatte ihn hierher zurückgebracht? Louis konnte seinen Traum nicht von der Wahrheit unterscheiden und strich sich nervös mit der Hand übers Gesicht. Kalter Schweiß benetzte seine Finger und sein Atem wollte sich nicht beruhigen. Er zog sich am Bett wieder auf die Beine, kniff kurz die Augen zu, um sich ein wenig zu sammeln und stolperte dann verwirrt aus dem Zimmer. Er musste sich vergewissern, dass mit Harry alles gut war. Der Traum – wenn es denn einer gewesen war, war ihm so real vorgekommen. Noch immer schlug sein Herz wie wild und er sah sich mehrmals nervös um, um keinem Wachmann in die Arme zu laufen. Er erreichte den Thronsaal und stemmte die Holztür auf, dann stolperte er in den großen Raum. Vor dem Kamin lagen einige Gestalten auf dem Boden und schliefen, doch an dem langen Tisch waren noch mehrere Männer ins Gespräch vertieft. Sie verstummten, als sie seine Schritte hörten und einer erhob sich: „Lou, wieso bist du nicht im Bett, du sollst dich doch ausruhen.“ Sein Herz machte einen Hüpfer. „Harry...du bist am Leben...“ keuchte Louis und wusste, dass er für alle anderen Anwesenden, wie ein verwirrter Irrer klingen musste. „Ja….das bin ich wohl.“ antwortete der König langsam  und ein wenig unsicher, da er sich Louis Verhalten offensichtlich nicht erklären konnte. Louis ging um den Tisch herum auf Harry zu und fiel ihm erleichtert um den Hals: „Es war alles nur ein Traum. Gott sei Dank, bist du am Leben. Ich musste mich einfach vergewissern.“ Beruhigend strich Harry ihm über den Kopf: „Ich muss noch einen Plan durchgehen. Du hast ja gar keine Schuhe an, Liebster...setz dich doch bitte ans Feuer und halte dich dort warm. Ich komme zu dir, sobald wir alles besprochen haben.“ bat er ihn und Louis tappte über den kalten Holzboden hinüber zum Kamin, während sich Harry wieder auf einen Stuhl sinken ließ und erneut die Köpfe mit Gwydion, Zayn, Cuthbert und Flint zusammensteckte.

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Na, was haltet ihr von Harrys Idee, die Ehe mit Taylor doch vollziehen zu können. Würdet ihr an Louis Stelle einwilligen?
   
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