Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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7. Ein Vorrat an Pfeilen

Zayns Worte schienen Harry überzeugt zu haben und er nickte langsam. „Ja, vielleicht ist das wirklich besser. Ich weiß auch gar nicht, wie viel wir noch im Lager haben.“ Neugierig verfolgte Louis das Gespräch und fragte sich, ob die Vier wirklich gerade darüber sprachen einen Geldkutsche zu überfallen. „Ed hat schon den Posten an der Kreuzung bezogen und behält alles im Auge.“ Cuthberts Blick fiel nun endlich auf Louis und er zog die Augenbrauen zusammen. „Wer ist das?“ fragte er an Harry und Zayn gewandt. „Das ist Louis. Vogelfrei und seit gestern bei uns. Er hat sich gerade Leofwine vorgestellt. Hast du nicht zugehört?“ - „Nein, ich war in Gedanken bei der Kutsche.“ gab Cuthbert zu und wandte sich dann an Louis: „Hallo Louis. Mein Name ist Cuthbert.“ Sein Handschlag war fest und kräftig, man spürte, dass er mit den Händen arbeitete. Er drückte Louis Hand so fest, dass er ihm den verletzten Daumen zusammenpresste und Louis zischend einatmete: „Au...“ - „Oh, das tut mir Leid, ist die Verletzung noch recht frisch?“ fragte Cuthbert sofort und Louis berichtete von seiner Erfahrung, die er in der Folterkammer des Königs gemacht hatte. Ob der Druide in der Nähe war? Die Salbe,die er ihm gestern angerührt hatte, hatte gut geholfen und er hoffte, heute nochmal eine neue Behandlung zu bekommen. Jedoch wollte er nicht direkt danach fragen, schließlich war er gerade erst ganz neu hier und hielt es nicht für sinnvoll, sich jetzt schon so zu verhalten, als forderte er Dinge ein. „Ich brauche neue Pfeile. Mist.“ stellte Harry fest, zählte die Pfeile im Köcher nochmals nach und seufzte. „Macht ihr die selbst?“ fragte Louis und deutete auf die Pfeile. Sie sahen alle gleich aus und er vermutete, dass sie von einem Handwerker gemacht worden waren. „Nein. Einmal pro Woche geht einer von uns in die Stadt und kauft Pfeile. Bisher ist noch niemandem aufgefallen, dass man mit der Menge eine ganze Armee ausstatten könnte. Niemand ist bisher misstrauisch geworden.“ Zayn klang spöttisch, als er das sagte und Harry kicherte: „Hey, binde ihm keinen Bären auf. Woher soll er es denn auch wissen?“ Er sah Louis an, lächelte und sagte: „Wir machen das alles selbst. Auch die Bogen haben wir selbst gemacht. Wenn du möchtest, zeige ich dir unser Lager.“ er stand wieder auf, ging um das Feuer herum und verschwand wortlos in der Spalte, die nach Draußen führte. Louis folgte ihm nach Draußen. Zayn misstraute ihm offenbar immer noch und Cuthbert schien sich gerade noch mit anderen Dingen zu beschäftigen, als dass er sich mit ihm unterhalten würde, da ließ er sich lieber von Harry das Lager zeigen. Sowieso fragte er sich, wo die Merry Men Waffen lagerten. Gab es hier vielleicht noch andere Bäume, die hohl waren, wie die Eiche und in der sich Schätze verbargen? Sie entfernten sich immer weiter von der alten Eiche und irgendwann konnte man nicht einmal mehr die Umrisse des Baumes ausmachen, der durch die übrigen Bäume schimmerte. Bald fehlte Louis auch die Orientierung und er konnte nicht mehr sagen, in welcher Himmelsrichtung sich das Lager befand. Wenn Harry ihn jetzt allein lassen würde, könnte er die Eiche nicht mehr allein finden. Als sie an niedrigen Felsen vorbeikamen, die aussahen, als hätte sie ein Riese vor langer Zeit einmal ganz willkürlich in der Landschaft verteilt, sagte Harry: „Wir sind gleich da.“ Er ging zwischen zwei hohen Felsen hindurch, die so eng beieinander standen, dass man sich beinahe die Schultern anstieß und bog dann nach rechts ab. Einen Moment hatte Louis Angst, ihn nun doch verloren zu haben, doch dann sah er einen Strauch erzittern und schob sich zwischen den Ästen hindurch. „Gib Acht, dass du nicht fällst.“ ermahnte Harry ihn und Louis sah schnell auf den Boden. Sie befanden sich in einer Höhle, die sehr breit war. Durch den schmalen Felsspalt fiel ein wenig Licht und so konnte Louis schemenhaft hinter Harry einige Gegenstände erkennen, die an der Steinwand lehnten. Einige Lederbeutel, sowie ein Korb mit Äpfeln. „Hier lagert ihr Gold?“ Suchend sah sich Louis in der kleinen Höhle um, doch da war nichts zu entdecken, das im fahlen Licht glitzerte. „Ja, aber natürlich stellen wir die Truhe nicht einfach mitten in die Höhle.“ Harry schob sich an Louis vorbei und ging in eine Ecke, wo einige flache Schiefersteine aufgetürmt lagen. Ein kratzendes Geräusch war zu hören, als er die Steine beiseite schob und Louis dann zwei Silbermünzen hinstreckte. „Hier. Viel ist nicht mehr da. Wir sollten wirklich diese Kutsche ausnehmen.“ überlegte Harry mehr für sich selbst und legte das Silber wieder zurück und bedeckte es mit etwas Erde. „Ihr seid also Wegelagerer?“ fragte Louis vorsichtig wärend Harry nun wieder die Steine aufschichtete. „Ja sind wir. Hm, hier haben wir also auch keine Pfeile mehr auf Vorrat, da muss ich mir dann wohl doch wieder selbst welche machen.“ Harry sah sich nochmal in der Höhle um, fast so, als hoffte er, vielleicht doch Pfeile übersehen zu haben. Doch dem war leider nicht so und er bedeutete Louis, die Höhle wieder zu verlassen, ohne dabei genauer auf seine Frage einzugehen. „Möchtest du mir dabei helfen, geeignete Äste für die Pfeile zu finden? Wir können ja auf dem Rückweg ein wenig Ausschau halten.“ schlug Harry vor, nachdem sie sich durch den Strauch geschoben hatten, der den Eingang zur Höhle verbarg. „Ja sehr gerne.“ antwortete Louis und beobachtete Harry, der neben einem niedrigen Strauch stehengeblieben war und ein paar Äste genauer betrachtete. „Besonders gut eignen sich Äste, die schmal und gerade gewachsen sind. Sie sollten aber nicht zu biegsam sein, damit sie keine Kraft verlieren, wenn sie ihr Ziel treffen.“ erklärte Harry, zog ein Messer aus dem Gürtel und schnitt einige Äste ziemlich weit unten ab. „Hier, der hier ist perfekt.“ er reichte Louis einen schmalen Ast und dieser nahm ihn genau unter die Lupe. Noch nie hatte er sich damit beschäftigt, wie man Waffen selbst herstellte und die Merry Men schienen in diesem Gebiet sehr erfahren zu sein, also lernte er von den Besten, wenn er sich alles zeigen ließ. „Man muss sie dann noch in Form schnitzen und eine Spitze daran befestigen. Ich kann dir zeigen, wie das alles geht, wenn du möchtest.“ Louis nickte und nahm Harry die ganzen Äste ab, damit er weitere von den Sträuchern schneiden konnte. „Sobald meine Hand geheilt ist, helfe ich dir gerne. Vorher kann ich sicherlich kein Messer führen. Schießt du denn schon lange?“ fragte er neugierig und nahm weiter Äste entgegen. „Ja, seit meiner Kindheit und ich bin wirklich gut darin. Der Langbogen ist eine praktische Waffe für die Leute, die sich keine teure Rüstung leisten und nicht im Nahkampf kämpfen können. Bei uns nutzen fast alle den Langbogen. Er hat viel Durchschlagskraft und leicht zu tragen, behindert nicht auf langen Wanderungen, was alles sehr hilfreich ist, wenn man sich viel im Wald herumtreibt.“ Sie gingen an vielen jungen Bäumen und Sträuchern vorbei, suchten sich das beste Holz aus und banden alles zu einem Bündel zusammen, um es besser transportieren zu können. Louis musterte die Äste in seiner Hand und fragte sich, wie viele Pfeile Harry wohl schon auf Menschen abgeschossen hatte. Obwohl er sich ziemlich sicher war, dass vorhin in der Eiche der Plan, eine Kutsche voller Golf zu überfallen, geschmiedet worden war, wollte er aus Harrys Mund hören, dass die Merry Men in Wahrheit nichts anderes als Wegelagerer waren. „Verbrauchst du denn viele Pfeile?“ hakte er vorsichtig nach um nicht allzu direkt zu sein. Harry zuckte mit den Schultern und nickte dann: „So zwanzig Stück dürften es in der Woche schon sein.“ Louis hatte keine Kenntnis von Zahlen, da er nie eine Schule besucht hatte. Auch des Lesens war er nicht mächtig, doch ein Bauernsohn brauchte solche Fähigkeiten nicht. Seine Ratlosigkeit blieb Harry nicht verborgen und er zählte Louis an den Fingern vor, wie viel zwanzig waren. Ihre Finger zusammengenommen entsprach dieser Zahl und Louis war beeindruckt – das war wirklich viel. „Die meisten Pfeile verbrauche ich auf der Jagd, wenn ich umherziehe. Wenn wir Kaufleute oder Adelsmänner überfallen, reicht es meistens aus, dass ein Pfeil im Bogen gespannt ist und schon gibt man uns, wonach wir verlangen.“ Harry lächelte und klang stolz, doch Louis schüttelte den Kopf: „Aber, es ist falsch sowas zu tun.“ sagte er doch Harry zog nur die Augenbrauen hoch: „Ach Louis, was in dieser Welt ist schon richtig? Außerdem ist Zayn der führende Kopf, der die Überfälle plant. Mein Weg und Bestreben konzentriert sich auf etwas anderes.“ Er reichte Louis noch einen Ast und lächelte ihn an. „Was ist denn dein Bestreben?“ Unsicher, ob er diese Frage so stellen konnte, senkte Louis den Kopf, doch Harry sah nicht verärgert aus, sondern lächelte ihn kurz an, dann sagte er: „Ich verlasse die Merry Men häufig, um die Dörfer und kleinen Städte nach einem Jungen abzusuchen. Ich glaube, dass der Erbe von Harold und Edward getarnt als einfacher Mann irgendwo in der Grafschaft lebt und ich muss ihn finden. Er muss wissen, dass er einen Anspruch auf den Thron besitzt und wenn ich ihn gefunden habe, werde ich ihn davon überzeugen, sich uns anzuschließen und für sein Recht zu kämpfen.“ Louis dachte an die vielen kleinen Dörfer, die sich über die ganze Grafschaft erstreckten. In seinen Augen hatte Harry sich da eine Aufgabe ausgesucht, die nahezu unmöglich umsetzbar schien. „Die Dörfer sind weit verstreut. Hast du ein Pferd, auf dem du reiten kannst?“ - „Nein, ich gehe alles zu Fuß. Darum habe ich es auch noch nicht weit geschafft. Und immer wieder gibt es Dörfer, die ich vorher noch nie gesehen habe. Gwydion besitzt einige Karten der Grafschaft und ich kann mich darauf berufen, wenn ich das Land durchstreife, doch es sind nicht alle Dörfer darauf verzeichnet und ich will sichergehen, dass ich wirklich alles abgesucht habe. Ein Versagen kommt für mich nicht in Frage. Das ist auch ein Grund, wieso ich so viele Pfeile bei mir habe, denn ich muss mich unterwegs verteidigen und ernähren können.“ - „Du gehst zu Fuß durch die ganze Grafschaft?“ Louis machte große Augen und sah Harry ungläubig an. Es musste so viel Zeit in Anspruch nehmen, die Grafschaft zu durchstreifen, auf der Suche nach einer Person, von der er nicht mal wusste, ob es sie überhaupt gab. „Ja, ich gehe zu Fuß. Ein Pferd besitze ich nicht. Leider konnte ich bisher Niemanden finden.“ Harry seufzte und nahm Louis schließlich das Holzbündel ab, legte es sich selbst über die Schulter und stapfte mit Louis durch das hohe Gras. „Bist du immer allein unterwegs? Das ist doch sicherlich gefährlich.“ wollte Louis wissen, als die Sonne hoch am Himmel stand und sie an einem schmalen Fluss rasteten. Der Fluss schlängelte sich in vielen Windungen durch die Landschaft und das Wasser war klar und kühl. Nachdem sie sich mit den Händen einige Schlucke davon geschöpft hatten, ließen sie sich ins hohe Gras sinken, dass rechts und links am Ufer wuchs. Der Rückweg kam Louis viel länger vor und er war müde. Die Strahlen der Sonne gelangten nun bis auf den Waldboden hinunter und die Luft heizte sich langsam auf. Harry öffnete die Schnalle seines Umhangs, legte ihn ab und breitete ihn im Gras aus bevor er sich darauf legte und die Augen schloss. Louis blieb sitzen und starrte abwesend auf das Wasser, das in der Sonne glitzerte, während die Vögel über ihren Köpfen lauthals zwitscherten. Seine Hand pochte wieder schmerzhaft, scheinbar hatte die Wirkung der Salbe, die Gwydion ihm gestern angerührt hatte, nachgelassen. Vorsichtig wickelte Louis das schmale Tuch ab, wobei die Reste der getrockneten Salbe abbröselten und ins Gras fielen. Sein Daumen war blau und rot, aber nicht mehr so angeschwollen, wie gestern. Die Haut fühlte sich heiß und ein wenig taub an, als er mit der linken Hand behutsam darüberstrich. Louis stand auf und Harry hob den Kopf: „Wo willst du hin?“ fragte er und sah ihm nach. „Meine Hand braucht ein wenig Kühlung.“ entgegnete Louis und ging am flachen Flussufer in die Hocke. Wie angenehm das kühle Wasser auf der Haut war. Seufzend schloss Louis einen Moment die Augen und öffnete sie dann wieder. Kleine Fische schossen blitzschnell am Grund des Flusses entlang und verschwanden wieder unter flachen Steinen, die mit kleinen Pflänzchen bewachsen waren, die in der Strömung langsam hin und her wogen. Eine schmale Schliere rötlichen Wassers erregte Louis Aufmerksamkeit und er beugte sich ein wenig vor. War die Haut an seiner Hand aufgegangen und blutete wieder? Er drehte sie, konnte aber keine offene Wunde erkennen. Er folgte dem Blutstrom mit den Augen und jetzt sah er, dass das Blut aus einer Biegung des Flusses zu kommen schien, die er von hier aus nicht einsehen konnte. „Harry...“ sagte Louis leise und erhob sich wieder. „Harry, da ist Blut im Wasser...“ Zu seiner eigenen Überraschung klang Louis ganz ruhig, als er neben Harry trat, der mit geschlossenen Augen auf dem Rücken lag und die warmen Sonnenstrahlen genoss, die durch die Blätter auf ihn fielen. „Blut im Wasser?“ wiederholte er und öffnete ein Auge. „Hast du dich verletzt?“ - „Nein, es kommt von weiter oben im Fluss. Sollten wir nachsehen?“ Der Lockenkopf richtete sich auf und gähnte: „Ich denke da wird vielleicht ein Tier im Fluss verendet sein, aber wir können trotzdem nachsehen.“ Er bückte sich, warf sich den Umhang wieder um, nahm Köcher, Bogen und das Holzbündel in die Arme und gemeinsam gingen sie flussaufwärts im hohen Gras und in Deckung der Sträucher. Immer wieder traten sie ein wenig näher ans Ufer heran, um sich zu vergewissern, dass der schmale Blutstrom noch da war und als sie um eine Kurve bogen, sahen sie die Quelle des Blutes. .-.-.-. Na, was meint ihr? Woher kommt das Blut? Danke für die mittlerweile vier Sterne, ich hab mich total darüber gefreut, grade weil Mittelalter ja eher nicht so "in" und beliebt ist, wie andere AUs. Danke, dass ihr das hier lest. Und verzeiht mit den Schnitzer im letzten Kapitel mit Ed, aber ich hatte mir schon eine Liste mit Mitgliedern der Merry Men gemacht und etwas den Überblick verloren. LG

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