Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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30. Durchschaut von Ed und Liam?

Die Eiche zeichnete sich langsam aus der Ferne ab und sie hatten sie noch nicht erreicht, da raschelte es in einem Busch zu ihrer Linken und Zayn, dicht gefolgt von Leofwine, stürzte daraus hervor. Das Pferd scheute zurück, weil die Beiden so plötzlich aufgetaucht waren, doch Leofwine konnte es rasch beruhigen, während Zayn geradewegs auf Harry zuging, ihn am Ärmel packte und ziemlich grob vom Pferd herunterzog. „Bist du von allen guten Geistern verlassen?!“ schrie er seinen Freund an und gab dem verdutzt dreinblickenden Harry einen solchen Stoß, dass er nach hinten stolperte und beinahe hinfiel. „Du reitest einfach davon, nimmst keine Begleitung und keine Waffen mit...bist du lebensmüde? Weißt du, wie viel mehr du uns jetzt voranbringen kannst, wo wir wissen, wer du bist? Wenn dich im Wald Jemand überfallen und getötet hätte, dann wäre es das mit dem Machtwechsel gewesen...man Harry...du weißt, ich würde dich gerne schlagen, aber ich denke, dass Gwydion mich erschlägt, wenn ich das täte.“ Um seiner Wut Luft zu machen, packte Zayn Harry stattdessen am Kragen, schüttelte ihn heftig und umarmte ihn dann so fest, als hätten sie einander Jahre nicht gesehen. Louis saß noch immer auf dem Pferd und machte ein erstauntes Gesicht, denn er war nicht darauf vorbereitet gewesen, dass sich Zayns Wut so schnell in Dankbarkeit würde ändern können. Konfus sah er Leofwine an, der mit den Schultern zuckte und nur sagte: „Wenn ihr heute Abend nicht zurückgekommen wärt, hätte Zayn sich auf die Suche gemacht. Er war wirklich in Sorge. Wir alle waren das übrigens.“ setzte er schnell nach und nickte, um seinen Worten noch ein wenig mehr Nachdruck zu verleihen.
Zayn, der Harry mittlerweile losgelassen hatte, wandte sich nun Louis zu und der stieg schnell vom Pferd, damit Zayn ihn nicht auch noch am Kragen vom Pferd herunterzog, wie er es bei Harry getan hatte. „Danke, dass du Harry gefunden hast.“ sagte Zayn und umarmte Louis ebenfalls, klopfte ihm so fest auf die Schulter, dass er ein wenig tiefer in den aufgeweichten Erdboden sank. „Hab ich doch gerne gemacht.“ stammelte Louis überrascht und zog seine Füße aus dem schlammigen Boden. „Lasst uns gehen, die anderen warten schon.“ Leofwine führte das Pferd und Harry, Louis und Zayn folgten ihm bis zur Eiche.

Ihre Schritte raschelten laut im Laub, das auf dem Boden lag und die anderen Jungs kamen sofort aus der Eiche heraus, als man sie gehört hatte. „Harry!“ riefen einige erleichtert und rasch hatten sich alle um sie geschart. Sie blickten in erleichterte Gesichter und alle schienen froh zu sein, dass Harry wohlbehalten wieder da war.
Der Druide kam als Letzter aus der Eiche und das aufgeregte Plappern um sie her erstarb plötzlich. Harry sah den alten Mann an und schluckte, wirkte unsicher und biss sich auf die Lippe, dann senkte der alte Mann den Kopf: „Es tut mir Leid, Harry.“ sagte er deutlich und sah ihm fest ins Gesicht. Die Merry Men machten Platz und Harry trat einige Schritte auf den Druiden zu. Als er sprach, tat er es langsam und etwas unsicher, fast so, als wollte er das, was er Gwydion jetzt sagte, ungern aussprechen, doch er tat es trotzdem: „Ich kann deinen Worten erst dann Glauben schenken, wenn ich das Bild des Prinzen – meines Vaters – mit eigenen Augen gesehen habe. Auch, wenn du mir jetzt vielleicht versicherst, dass ich wirklich der Thronerbe bin, kann ich dir das erstmal nicht glauben. Es tut mir leid, Gwydion.“ Harry sprach ruhig, doch seine Worte klangen, als hätte er sie sich lange zurecht gelegt und geübt. „Ich packe meine Sachen zusammen und dann können Prinz Niall, Louis und ich losziehen.“ sagte der Lockenkopf den anderen Jungs zugewandt, griff dabei Louis Hand und zog ihn hinter sich her auf die Eiche zu. Weder der Zauberer noch die Merry Men sagten ein Wort, während Louis hinter Harry den Baum hinaufkletterte.

Auf der Plattform nahm Harry seinen Bogen und den Köcher, rollte die Decke, unter der sie immer schliefen zu einem Bündel zusammen und verschnürte sie fest. Als das erledigt war, hielt er kurz inne, hob dann den Kopf und sah Louis an: „Hätte ich das zu ihm sagen dürfen?“ fragte er und sah mit einem Mal unsicher aus. Louis runzelte die Stirn und fragte sich, wieso Harry sich darüber überhaupt Gedanken machte. Wenn Nialls Vermutung richtig war, dann wäre Harry König und ein König durfte sich doch herausnehmen, seine Meinung zu sagen, oder etwa nicht? Deswegen schüttelte er den Kopf: „Nein, du solltest dir deswegen keine Gedanken machen. Natürlich darfst du Gwydion das sagen. Nachdem er dir so lange verschwiegen hat, wer du wirklich bist, hast du alles Recht dazu, ihm zu sagen, was du denkst. Das ist das Mindeste.“ sagte Louis und lächelte Harry aufmunternd an, der das Lächeln kurz erwiderte und nickte: „Gut, dann lass uns gehen.“

Sie luden sich die Waffen auf die Schultern, um die Hände frei zu haben und kletterten dann am Baumstamm wieder herunter. Mittlerweile waren die anderen wieder ihren alltäglichen Tätigkeiten nachgegangen. Manche waren Jagen, anderer kontrollierten die Fallgruben und die Lagerhöhle. Ed und Liam saßen vor der Eiche auf dem Boden, hatten ein großes Fell eines Hirsches vor sich ausgebreitet und bearbeiteten es mit einem flachen, scharfkantigen Stein. Ed spannte das Leder, während Liam mit dem Stein darüber schabte und so das Fell vom Leder löste. Sobald sich genug Haarbüschel gelöst hatten, sammelte Ed sie ein und legte sie in einen Leinenbeutel. Als Louis vom Baum herunterkletterte, hielten sie inne und sahen ihn an. Liam hob die Brauen und nickte zum Baum hinauf. „Ja, Harry ist noch da oben. Er kommt auch gleich runter.“ antwortete Louis, doch Liam schüttelte nur schnell den Kopf, offenbar hatte ihn das nicht interessiert. Er schien auf etwas anderes hinaus zu wollen. Also deutete er auf Louis, dann auf sein eigenes Herz und daraufhin nickte er nochmal den Baum hinauf. Obwohl Liam nicht sprechen konnte, war Louis ganz genau klar, was Liam wissen wollte und ihm wurde ganz heiß, denn obwohl er gerne geleugnet hätte, Liam nicht verstanden zu haben, wusste er genau, was er meinte. Er hatte erkannt, was zwischen ihm und Harry war und wollte wissen, ob er richtig lag. Der rothaarige Ed grinste Louis an, stand dann auf und umarmte ihn kurz aufmunternd. Er summte Louis beruhigend aufmunternde Laute ins Ohr und ließ ihn dann wieder los. Sofort war Louis klar, dass auch Ed bemerkt hatte, wie er zu Harry stand. Ob es auch noch anderen aufgefallen war, oder sie es womöglich schon längst wussten?
Harry landete nun auch neben Louis im Laub und grüßte Ed und Liam, dann richtete er seinen Köcher und den Bogen, die er sich auf den Rücken geschnallt hatte. „Bist du soweit? Dann lass uns zu Prinz Niall gehen und uns dann auf den Weg machen.“

Der Prinz war einverstanden, Harry und Louis mit zu seinem Vater zu nehmen. Obwohl Zayn darauf bestand, Harry zu begleiten, wollte Harry nur von Niall und Louis begleitet werden. Dem Dunkelhaarigen gefiel das ganz und gar nicht, denn bisher hatte er Harry immer begleitet und wollte es auch dieses Mal tun. Doch Harry wollte davon nichts hören, er legte Zayn die Hände auf die Schultern und sah ihn ernst an, bevor er sagte: „Bleib bitte hier. Die Jungs brauchen dich und ich würde mich wohler fühlen, wenn ich wüsste, dass da Jemand ist, der sie hier noch ein wenig im Schwertkampf ausbilden kann. WENN ich wirklich der Prinz bin, dann brauchen wir vielleicht bald gute Kenntnisse im Kampf.“ Louis bekam das Gespräch zwischen den Beiden nur am Rande mit, denn er war damit beschäftigt, zusammen mit Leofwine ein kleines Proviantbündel zu packen. Sie schlugen einige Stücke Brot in Tücher ein und verpackten einen geräucherten Hasen, damit sie unterwegs mit Lebensmitteln versorgt waren. Leofwine band das Bündel zusammen, schnürte einen Lederriemen darum und reichte es Louis, der es sich über die Schulter hängten und sich dann Harry zuwandte. Der Lockenkopf umarmte Zayn fest zum Abschied, dann machten sie sich gemeinsam mit dem Prinzen auf den Weg.

Sie gingen zu Fuß und hatten das Gepäck auf das Pferd geladen, das Louis am Zügel führte. „Du willst also seinen Platz einnehmen?“ fragte Prinz Niall, nachdem sie schon eine ganze Weile schweigend nebeneinander hergegangen waren. „Wenn ich wirklich der Erbe der Krone bin, werde ich das tun. Aber es macht mir Angst, das gebe ich zu. Immerhin werde ich viel Verantwortung tragen müssen, sollte ich überhaupt gegen Jonathan gewinnen.“ Louis hielt ein wenig Abstand zu Harry und Niall und versuchte das Gespräch nicht zu belauschen, denn er hielt es nicht für angebracht, das zu tun. Auch, wenn er es Harry gegenüber nie geäußert hatte, so war Louis längst davon überzeugt, dass Harry König war. Gwydion hatte in seinen Augen keinen Grund, sich diese Geschichte auszudenken – wieso auch? Schließlich hatte er den Untergang des Königs erlebt und Louis war sich sicher, dass er als Vertrauter und Berater von König Harold auch wusste, dass Prinz Edward mit seiner Frau ein Kind erwartete. Hatte er Harry deswegen kurz nach seiner Geburt zu sich geholt, weil er Angst gehabt hatte, das Baby könnte mit den Frauen gemeinsam zurück in ein Dorf gehen? Wäre dies geschehen, hätte Gwydion keinen Einfluss mehr auf die Erziehung des Prinzen gehabt und Harry wäre vielleicht ein einfacher Bauernsohn gewesen. Doch so konnte er kämpfen und jagen, war mutig und gerissen und brachte alles mit, was man als König so können musste. Der Zauberer schien sein Leben lang einen Plan verfolgt zu haben und Louis hatte immer mehr das Gefühl, dass hier in diesem Wald nichts, ohne das Wissen Gwydions geschah. Vermutlich hatte er auch schon längst von den Gefühlen, die Harry und Louis füreinander hegten erfahren.

Louis konzentrierte sich auf seine Schritte, um Niall und Harry nicht weiter zu belauschen, was gut war, denn der Boden war matschig und rutschig, uneben und einige Sträucher hatten Dornen in denen man sich verfing. Mehrmals musste sich Louis mit dem Umhang aus den Dornen losreißen und stapfte weiter über den matschigen Boden. Prinz Niall und Harry waren mittlerweile in das Thema „Pflichten eines Königs“ vertieft und der Prinz berichtete Harry davon, dass sein Vater ihm schon lange eine Prinzessin ausgesucht hatte, die er würde heiraten müssen. „...einen Thronfolger zu zeugen ist die allerwichtigste Aufgabe, wenn man die Familie weiter erhalten möchte.“ sagte Niall und klang dabei überhaupt nicht unglücklich. Ob es ihm egal war, dass er eine Frau heiraten sollte, die er vielleicht gar nicht kannte? Würde Harry auch heiraten müssen? Schließlich war es bekannt, dass die Krone immer an den Sohn weitergegeben wurde. Wenn Harry also nicht bereit wäre, Kinder zu haben, würde es sich ja gar nicht lohnen, dass er den Kampf gegen Jonathan aufnahm. Doch Kinder konnte man nur mit einer Frau bekommen. Zwar wusste Louis nicht genau, wie das funktionierte, Niemand hatte es ihm je erklärt, doch wusste er, dass ein Mann seine Frau lieben musste, um ein Kind zu zeugen. Beim Gedanken daran, dass Harry eine Frau liebte, sie küsste und sie seine Gemahlin nannte, wurde Louis ganz anders und für einen Moment war das Bild vor seinem inneren Auge so stark, dass er den Waldboden nicht mehr sehen konnte. Da waren nur noch Harry und eine gesichtslose Frau, die Kronen auf dem Kopf trugen und einander im Arm hielten. Prompt trat Louis in ein Erdloch und geriet ins Stolpern, konnte sich aber gerade noch auffangen. „Louis, ist alles in Ordnung? Hast du dir wehgetan?“ fragte Harry, blieb stehen und wandte sich besorgt zu ihm um. „Nein nein, es ist alles gut.“ widersprach Louis mit zittriger Stimme und richtete sich wieder auf, doch Harry machte ein besorgtes Gesicht: „Das glaube ich nicht. Du hast Tränen in den Augen. Bestimmt hast du dir den Fuß verstaucht...“ - „Du solltest dich auf das Pferd setzen und dich eine Zeit lang ausruhen.“ sagte nun auch Prinz Niall und sah Louis nicht minder besorgt an. Rasch wischte er sich die Tränen weg, die beim Gedanken an Harrys Zukunft in seinen Augen aufgestiegen waren und ließ sich von dem Lockenkopf aufs Pferd helfen. „Und Ihr seid sicher, dass Ihr nicht selbst aufs Pferd wollt, Prinz Niall?“ fragte Louis unsicher, denn er kam ihm komisch vor, auf einem Pferd zu reiten, während sein Besitzer vor ihm herging. Der Prinz wandte sich zu Louis um, grinste ihn an und sagte: „Soweit ich mich erinnere, bin ich noch ganz gut zu Fuß. Bleib ruhig ein Weilchen auf dem Pferd sitzen.“ Als er sich wieder nach vorn wandte, legte Harry Louis kurz eine Hand aufs Knie und sagte: „Mach dir keine Gedanken, ja?“ Dabei sah er ihn so glücklich an, wie er es seit Tagen nicht mehr gewesen war und Louis wünschte sich sehr, er würde den Blick genauso glücklich erwidern können, doch das war ihm leider nicht möglich.    
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