Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

0Likes
0Kommentare
215Views
AA

57. Dunkle Wolken über der Burg

Der Kloß in seiner Brust wollte nicht verschwinden und quälte Louis in den nächsten Tagen. Er hatte kaum Appetit, verbrachte die Nächte schlaflos neben Harry und malte sich aus, wie es wohl wäre, bald nicht mehr neben ihm liegen zu können. Sicherlich würde Lady Taylor darauf bestehen, neben ihrem Mann zu liegen. Dann wäre sie es, die hier liegen würde und er würde bei den Merry Men im Thronsaal schlafen. Oder in einer der anderen Kammern. Die Gedanken lösten eine heftige Eifersucht in Louis aus und er ballte die Fäuste unter der Bettdecke, griff in eines der weichen Felle und zog an den feinen Haaren. Weil er so die Nächte verbrachte, anstatt zu schlafen, war es natürlich nicht  verwunderlich, dass er bereits nach wenigen Tagen sehr gereizt und übellaunig war. Sich dessen bewusst, versuchte Louis seinen Frust nicht an Harry auszulassen und verbrachte stattdessen viel Zeit damit, im Thronsaal zu sitzen und ins Kaminfeuer zu starren, während er sich wünschte, die Zeit könnte stehenbleiben. Ob Lady Taylor schon auf dem Weg zu ihnen war? Kam sie in Begleitung der Soldaten? Hatte sie eine Kammerzofe und Bedienstete dabei? Louis ertappte sich bei dem Wunsch, die unbekannten Männer würden die edle Dame überfallen und sie käme nie bei ihnen an.
Auch der König wurde mit jedem Tag grummeliger und zog sich immer mehr zurück. Natürlich wussten die Merry Men, dass er König James´ Forderung nur ungern nachgegeben hatte und zeigten Verständnis für ihren Freund, weshalb sie ihn in Ruhe ließen. Theobald, der bereits nach wenigen Stunden auf der Burg beschlossen hatte, sich ihnen anzuschließen, wurde gut in die Gemeinschaft aufgenommen, hatte aber wenig Verständnis für die Stimmung des Königs, denn er kannte ihn nicht gut genug. „Wieso ist er so übler Laune? Er sollte sich freuen, eine Frau zu bekommen.“ fragte er eines Abends, als sie alle gemeinsam im Thronsaal beisammen saßen und noch die Reste ihres abendlichen Mahls vor sich stehen hatten. Er sah zu Harry hinüber, der schon eine ganze Weile mit einem kleinen Messer ein Holzbrettchen attackierte, von dem er gerade noch gegessen hatte. „Er...erwartet die Ankunft einer Frau nicht gerade mit Freude...“ versuchte Zayn das Thema möglichst schnell zu erklären. Doch Theobald schien diese Antwort allein nicht zu genügen: „Wieso nicht? Wer freut sich nicht auf eine hübsche Frau?“ Mit einem Mal flog ein Messer quer über den Tisch und verfehlte Theobald nur knapp. Erschrocken blickte er auf und sah Harry, der aufgesprungen war und ihn wütend anfunkelte: „Du solltest dich nicht in die Angelegenheit deines Königs einmischen!“ fauchte er und Theobald senkte ergeben den Kopf: „Verzeiht mir, es stand mir nicht zu, eine Frage zu stellen.“ - „Gut, das du das eingesehen hast...“ knurrte Harry, stand so schnell auf, dass sein Stuhl krachend nach hinten umfiel, drehte sich um und stampfte aus dem Thronsaal. Louis fing Liams Blick auf, der ihm zu nickte und kaum merklich seufzte. Er wusste genau, was in ihnen vorging und hatte Verständnis für die schlechte Laune, die seit Tagen über der Burg hing, wie eine dunkle Gewitterwolke. „Ich gehe ihm nach.“ murmelte Louis, erhob sich ebenfalls, allerdings blieb sein Stuhl stehen und ging mit schnellen Schritten ebenfalls aus dem Thronsaal.

Er suchte eine ganze Weile nach Harry. Weder war er im Bergfried, noch in seiner Kammer. Louis sah im Lagerraum und den ungenutzten Gemächern nach, doch nirgendwo war der junge König zu finden. Schließlich entdeckte er ihn im Stall, wo er zwischen zwei Ziegen in einer Box im Stroh saß und abwesend auf die Holzwand gegenüber starrte und nur spärlich von einer kleinen Lampe an der Wand erhellt wurde. „Darf ich mich zu dir setzen?“ fragte er unsicher und lugte über den Rand der Box hinweg zu ihm. „Wieso stellst du mir diese Frage, Louis?“ - „Weil ich gerade nicht sicher bin, ob du mich bei dir haben willst.“ gab er zu und blieb auf der Stallgasse stehen, wo ihm der kalte Winterwind in die Beinkleider fuhr und ihn zittern ließ. „Du musst mich nicht um Erlaubnis fragen, ich würde dich niemals ablehnen.“ sagte Harry leise, hob den Kopf und sah ihm direkt in die Augen. „Bitte komm zu mir. Ich will nicht allein sein. Und diese Ziegen sind keine sehr angenehme Gesellschaft.“ Während er sprach, schob Harry eine gescheckte Ziege von sich, die an seinen Haaren knabberte. „Vielleicht kann ich mich so aber schon mal an die Anwesenheit dieser Frau gewöhnen.“ murmelte er mehr zu sich selbst und sein Mundwinkel zuckte kurz, als sei er kurz davor, zu lächeln. Louis zog die Boxentür auf und schob sich in den Verschlag hinein. Er ging über das Stroh zu Harry und ließ sich neben ihn an der Wand hinabsinken, bis sie nebeneinander saßen. „Hör zu: egal, was diese Frau für Ansprüche stellen mag. Du wirst weiterhin in meiner Kammer schlafen, ja? Ich werde nicht zulassen, dass wir auch nur eine Nacht getrennt voneinander verbringen müssen.“ sagte Harry und sah Louis eindringlich an, dem bei diesen Worten ein Stein vom Herzen fiel und seine Laune wurde ein wenig besser. „Das tut sehr gut, zu wissen, dass ich bei dir bleiben darf.“ flüsterte er und strich eine dunkle Haarsträhne aus Harrys Stirn. „Du wirst bei mir bleiben, egal, ob ich eine Frau ehelichen muss, oder nicht. Du bist mir das Wichtigste hier. Lady Taylor ist nur ein Mittel zum Zweck und das wird sie einsehen müssen.“ Die Ziege begann nun, auch an Louis Haaren zu knabbern und er schob sie rasch beiseite. „Wenn die Soldaten hier ankommen, werden Cuthbert und Zayn versuchen, mehr über die Männer herauszufinden, die es auf uns abgesehen haben. Vielleicht werden wir in einen Kampf verwickelt werden...viel Zeit werde ich mit dieser Dame dann sicherlich nicht verbringen müssen. Obwohl ich nicht sonderlich erpicht darauf bin, zu kämpfen, wenn ich die Wahl habe, dann ziehe ich den Kampf entschieden vor.“ Glaubte Harry wirklich, dass sie in solcher Gefahr schwebten, dass ein Kampf unvermeidbar war? „Hat Gwydion denn einen Verdacht, wer dahinter stecken könnte? Immerhin fliegen ja immer noch einige seiner Tiere über die Grafschaft.“ - „Nein...er weiß nichts. Aber er hat mir bereits anvertraut, dass er sich in den Wald begeben wird, um ein wenig mehr herauszufinden, sobald die...“ Harry stockte, dann sprach er widerwillig weiter: „sobald die Hochzeit stattgefunden hat.“ Erschrocken setzte sich Louis auf: „Aber er kann nicht allein in den Wald gehen. Wenn man ihn überfällt und er umkommt...das kannst du nicht zulassen, Harry.“ Doch der König schüttelte den Kopf: „Gwydion weiß genau, was er tut. Er kennt seine Kräfte und Fähigkeiten und ich bin mir sicher, er wird sie weise genug einsetzen, um uns zu helfen und genug Informationen zu verschaffen. Mach dir keine Gedanken.“ Wie konnte Harry da nur so ruhig sein? In Louis Kopf schwirrten alle Gedanken und Sorgen durcheinander und schienen einfach nicht kleiner werden zu wollen. Im Gegenteil. Je mehr er über ihre Situation nachdachte, desto enger schien sich die Schlinge um sie zu schließen und Angst kroch in ihm hoch. „Machst du dir denn keine Sorgen?“ fragte er leise und sah Harry in die Augen. „Doch. Ich mache mir große Sorgen. Aber ich weiß, was ich an unserem Zauberer habe und deswegen sorge ich mich nicht um sein Wohl. Er weiß was er tut. Meine größte Sorge momentan gilt dieser Frau. Wenn wir wenigstens wüssten, wann sie hier ankommt. Dann könnte ich mich irgendwie darauf vorbereiten, aber dieses Warten zehrt an meinen Kräften.“ Er ließ den Kopf auf die Unterarme sinken und seufzte tief. Louis wusste nicht, was er sagen könnte, um Harry zu trösten. Stattdessen legte er den Arm um ihn, schmiegte sich an seine Schulter und strich ihm beruhigend mit der Hand über den Kopf.
Die Stalltür wurde aufgeschoben und mit einem kalten Luftzug kamen Zayn, Cuthbert und Theobald herein. Sie unterhielten sich miteinander, offenbar nicht ahnend, dass Harry und Louis in einer Box beisammen saßen. „Sie können nicht mehr weit sein. Die Krähe hat sie wohl beim großen Felsen gesehen.“ - „Das ist nur noch ein Tagesritt entfernt. Lass uns heute Nacht noch aufbrechen und ihnen entgegenreiten. Wir wollen ihnen wenigstens den Eindruck vermitteln, sie würden erwartet.“ sagte Cuthbert und die Schritte kamen näher. Die Drei gingen an ihrer Box vorbei in den hinteren Teil des Stalls und Louis hörte, wie sie die Zaumzeuge von einem Haken an der Wand nahmen. „Ich kenne den Wald gut, ich kann euch führen.“ bot Theobald an, doch Zayn kicherte nur: „Wir kennen den Wald auch sehr gut, haben wir doch schon immer dort gelebt. Wir brauchen keinen Führer. Aber einen wachsamen Jäger bei sich zu haben, ist immer hilfreich. Haben wir genug Pfeile dabei, um uns im Ernstfall verteidigen zu können?“ Zustimmendes Murmeln kam von Cuthbert und Theobald. Harry hob den Kopf und sah Louis fragend an. „Scheint so, als wäre Lady Taylor nicht mehr weit...“ wisperte er und konnte dasselbe Bedauern, das er verspürte, in Harrys Blick lesen. Cuthbert, Zayn und Theobald machten ihre Pferde bereit und verließen dann den Stall.
„Sie wollen ihr entgegenreiten.“ - „Ist das so üblich?“ fragte Louis unsicher und Harry zuckte mit den Schultern: „Ich weiß es nicht. Ich war noch nie ein König. Sicherlich hat Gwydion ihnen das vorgeschlagen. Er weiß, dass ich sie nur gegen meinen Willen heirate und sicherlich versucht er, das vor der Dame möglichst lange geheim zu halten. Wer will schon Jemanden heiraten, der nicht möchte? Die ganze Vereinbarung könnte scheitern, wenn sie das herausfinden sollte. Ich muss mich also sehr zusammennehmen und ihr vorspielen, dass ich sie mit Freude erwarte.“ Ein Seufzen entwich Harry und er hauchte Louis einen Kuss auf die Nasenspitze: „Versprichst du mir, dass du mir nicht böse bist, wenn ich morgen den ganzen Tag so tun werde, als freue ich mich darüber, diese Frau bei mir zu haben?“ - „Ja. Ich weiß ja, dass du es nicht so meinst. Aber du darfst auch nicht betrübt sein, wenn ich keinen fröhlichen Eindruck mache, wenn ich euch zusammen sehen muss.“ Harry nickte verstehend und zog Louis noch einmal in eine Umarmung und drückte ihn dann hinunter in das stachelige Stroh mit dem die Box ausgelegt war. „Lass uns heute Nacht hier bleiben. Ich will Niemanden mehr sehen. Alle schauen mich so mitleidig an...wie soll ich da stark sein?“ Louis schlang die Arme um Harry und zog ihn nah zu sich heran, um ihn zu küssen. Ihre Lippen bewegten sich zart aufeinander und die Hände des Königs wanderten in Louis Nacken. „Es ist ein wenig kalt hier, meinst du nicht?“ raunte er und richtete sich wieder auf. „Bleib hier, ich bin gleich wieder zurück.“
Leise schob Harry die Box wieder auf und verschwand nach Draußen. Louis blieb im Stroh liegen und sah ihm nach, wie er in der dunklen Stallgasse verschwand und aus dem Lichtkegel der Laterne heraustrat, bis er in der Dunkelheit nicht mehr zu sehen war. Seine Schritte wurden leiser und schließlich war nur noch ein leises Rascheln zu hören.

„Hier, damit wird uns wärmer sein.“ Mit diesen Worten warf Harry zwei Pferdedecken in die Box, woraufhin die beiden Ziegen erschrocken aufsprangen. Sie breiteten eine Decke auf dem Stroh aus und legten sich darauf. Mit der anderen deckten sie sich zu und Harry schmiegte sich sofort wieder an Louis und setzte ihren Kuss fort. „Lass mich heute Nacht vergessen, was auf mich zukommt...bitte.“ Er klang beinahe flehend und presste sich verzweifelt gegen Louis Körper, der augenblicklich zu kribbeln anfing. Fahrig erwiderte er den Kuss des Königs, vergrub die Hände in den dunklen Haaren und schob die Hüfte gegen ihn. „Mach das nochmal, bitte.“ bat der Lockenkopf und seufzte genüsslich, als Louis die Bewegung wiederholte. Hier im Stall war zu dieser Zeit Niemand mehr und so mussten sie nicht darauf achten, leise zu sein. Sie ließen sich fallen und Louis machte sich keine Gedanken darüber, ob man sie hören konnte. Als Harrys Lippen ihren Weg zu seinem Nacken fanden und er sachte in die dünne Haut biss, ließ er ein genießerisches Seufzen hören und Harry wiederholte seine Tat. Das anfangs zärtliche Beißen wurde ein wenig grober und fester, doch es sorgte nur dafür, dass sich die Gänsehaut über Louis ganzen Körper ausbreitete. Harrys Griff um seinen Körper wurde fester, fast so, als wollte er sicher sein, dass Louis sich nicht plötzlich in Luft auflöste. Er zerrte an den Kleidungsstücken, die Louis bedeckten und schob die warmen Hände auf seinen Bauch. „Ich werde dich immer lieben, Louis...“ grummelte Harry, drehte ihn auf den Bauch und zog die Decke über sich und Louis spürte, wie er sich am Bund seiner Hose zu schaffen machte.

     
Melde dich bei Movellas anFinde heraus worüber alle reden. Registriere dich jetzt bei Movellas und teile deine Kreativität und deine Passion
Lade ...