Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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22. Duell mit Bogen und Schwert

Louis gewöhnte sich mit jedem Tag mehr an das Leben mit den Vogelfreien. Er fand sich im Wald besser zurecht, obwohl es manchmal so schien, als würden die Bäume den Platz wechseln, durchstreifte zusammen mit Nerian die Gegend und übte sich im Schießen und Kämpfen sooft es möglich war.

Die anderen Jungs gaben ihm Ratschläge und bald wurden seine Handgriffe sicherer und er bekam mehr und mehr Routine, sodass er bald nicht mehr wie ein unbeholfener kleiner Junge aussah, der zum ersten Mal einen Bogen führte.
Liam und Ed, die aufgrund ihres gemeinsamen Schicksals Leidensgenossen waren und sich sehr gut miteinander verstanden, stellten für Louis einen Unterarmschutz aus Leder her. Dafür verarbeiteten sie die Haut eines Hirsches, den Draca einige Tage zuvor erlegt hatte. Fortan trug Louis den Schutz ständig. Zum einen, weil er wirklich viel Bogenschießen übte und es sich kaum lohnte, ihn abzulegen, zum anderen trugen alle Merry Men einen solchen Schutz und Louis fühlte sich zugehöriger, wenn er seinen eigenen auch trug. Dazu kam noch, dass ihm das Leder gut gefiel, denn Liam und Ed hatten es irgendwie geschafft, in die dunkle Hirschhaut ein schönes Muster zu drücken. Aus Knochen hatten sie die Verschlüsse geschnitzt und sich wirklich viel Mühe gegeben. Was Harry wohl sagen würde, wenn er das neue „Kleidungsstück“ zum ersten Mal sah?

Der Lockenkopf war nun schon lange fort. Da Louis nicht zählen konnte, war es ihm natürlich nicht möglich die Tage seiner Abwesenheit zu benennen, doch wenn er für jede Nacht, die er ohne Harry verbracht hatte einen Finger seiner Hand ausstreckte, hatte er am Ende alle Finger beider Hände abgespreizt. Das war wirklich eine lange Zeit und er vermisste Harry.
Wenn sie abends am Feuer saßen und Louis seine Hände zählte, während um ihn herum Bogen repariert und Pfeile geschnitzt wurden, nahm Liam seine Hände, schloss sie wieder und schüttelte ernst den Kopf, als wollte er sage: „Er kommt nicht schneller, wenn du ständig die Tage zählst.“ Dabei seufzte Liam immer und Louis wusste genau, dass er bemerkt hatte wie sehr Harry ihm fehlte. Obwohl es kein schöner Gedanke war, musste Louis zugeben, dass er zum ersten Mal froh darüber war, dass Liam sich nicht mitteilen konnte, denn so blieb Louis´ Innerstes ein Geheimnis, das er hoffentlich nur mit Liam teilte.
Und vermutlich mit Ed, denn alle Merry Men hatten den Eindruck, dass Ed und Liam nach und nach ihre ganz eigene Sprache entwickelten, wodurch sie sich mit den Händen verständigten und seltsame Laute von sich gaben. Die Wunden an Liams Hals heilten gut und seit einigen Nächten schlief er gemeinsam mit Ed auf dessen Plattform. Nachts hielt er den rothaarigen Jungen immer im Arm und es schien nicht so, als würde sich Liam bald eine eigene Plattform bauen.

Noch immer wurde der Wald von Jonathans Männern durchsucht und obwohl Gwydion zusätzlich zu den Bäumen auch noch die Schlingpflanzen am Boden zu ihrem Schutz einsetzte, hatte Zayn sie alle in Wachdienste eingeteilt. Jeden Abend hatten drei von ihnen Wache und mussten den Wald um die Eiche großräumig ablaufen. Sie hatten immer ihre Waffen dabei und patrouillierten in der Abenddämmerung zwischen den Bäumen umher.

Mittlerweile waren auch Louis Bogenschusskünste so gut entwickelt, dass Zayn es nicht mehr für nötig hielt, ihm eine Begleitperson zuzuteilen. Obwohl Louis sich über Gesellschaft gefreut hätte, machte ihn das Vertrauen, das Zayn ihm entgegenbrachte sehr glücklich.
Also machte er sich an einem Abend, als die Sonne gerade untergegangen war, gemeinsam mit Buck und Cuthbert auf den Weg. Sie hatten alle ihre Bögen dabei und sich die Umhänge übergezogen, denn Nachts wurde es im Wald kühl obwohl sie sich die ganze Zeit bewegten. Sie gingen gemeinsam bis zu einem bestimmten Punkt, wo sich ihre Wege dann trennten. „Passt auf euch auf.“ sagte Cuthbert zu Louis und Buck, die noch einige Schritte gemeinsam gehen würden, bevor auch sie sich trennen würden.

Der Wald war langsam in nächtlicher Stimmung und ab und an war eine Eule zu hören, die mit raschelnden Flügeln über Louis Kopf hinwegglitt, auf der Jagd nach Mäusen und Maulwürfen. Louis zog sich die Kapuze auf, vermied es jedoch sie sich zu tief in die Stirn zu ziehen, um sein Blickfeld nicht allzu sehr einzuschränken. Er hatte den Bogen samt Pfeil ständig in der Hand, um jeder Zeit bereit zu sein, während er versuchte mit weit geöffneten Augen etwas zu sehen.
Anfangs hatte er sich bei Zayn erkundigt, ob er eine Fackel mitnehmen könnte, doch der hatte den Kopf geschüttelt: „Wenn du Licht bei dir trägst, bist du ein leichtes Ziel für andere und deine Augen sind für alles außerhalb des Lichtkegels blind. Du würdest dich unglaublich angreifbar machen, Louis. Lass das Feuer hier und vertraue auf deine Augen, Ohren und Sinne. Sie werden sich sicher leiten und dir besser von Nutzen sein, als eine Fackel es jemals könnte.“ Dann hatte er gelächelt und ihm auf die Schulter geklopft.

So ging Louis nur mit seinem Bogen in der Hand durch den Wald. Noch war es hell genug, dass er die Bäume um sich herum erkennen konnte, trotzdem war er komplett angespannt und sein Herz klopfte, denn es könnte ja sein, dass er einem von Jonathans Männern begegnete. Geduckt schlich Louis zwischen den hochgewachsenen Farnen hindurch, horchte auf jedes Geräusch und versuchte ruhig zu atmen, um selbst keinen Laut von sich zu geben. Die Bäume hier waren durch Gwydions Tun noch immer recht dick und standen eng beieinander, sodass sich dahinter gut Jemand verbergen konnte. Nach und nach wurde es dunkler und ab und zu stolperte Louis über einen Ast oder trat in ein Loch, das er in der Dunkelheit übersehen hatte. Wie lange er seinen Weg ging, wusste er nicht, doch es wurde immer kälter und er wünschte sich zurück in die Eiche, wo sicherlich ein wärmendes Feuer brannte.

Ein lautes Knacken zu seiner Rechten ließ Louis zusammenzucken und er festigte den Griff um seinen Bogen, während er in die Dunkelheit spähte und versuchte etwas zu erkennen. Er konnte eine Bewegung ausmachen, doch es war ihm nicht möglich, zu sagen, ob es sich um ein Tier oder einen Menschen handelte. Er lauschte und konnte ein regelmäßiges Raschen hören. Sicherlich war es ein anderer Mensch, der dort in der Dunkelheit hinter den Bäumen herumschlich. Louis ging langsam in die Knie, um ja kein Geräusch zu machen und hielt den Atem an, während er darauf wartete, dass die Person sich zeigte. Vielleicht war es nur ein Wanderer, dann würde er ihn ziehen lassen. Aber, wenn er bewaffnet war, dann könnte es sich um einen Boten des Königs handeln und dann war er gezwungen anzugreifen. Hoffentlich hatte er in den letzten Tagen genug gelernt, um sein Ziel dann auch zu treffen, wenn es darauf ankam. Louis war nicht gerade scharf darauf, Zayn sagen zu müssen, dass er einen Eindringling hatte entwischen lassen. Zwischen den Bäumen trat eine großgewachsene Gestalt hervor: sie trug einen Umhang und hatte die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Ein Köcher hing an der Seite des Körpers und soweit Louis sehen konnte, befanden sich nicht mehr viele Pfeile darin. Im fahlen Licht des Mondes, der langsam aufging, glänzte eine mit Metall beschlagene Scheide am Gürtel der Gestalt, in der sich ein Schwert befand. Ein leichtes Hinken verursachte ein ungleichmäßiges Geräusch, als sich die Person bewegte und den Kopf wandte, um sich umzusehen. Louis duckte sich noch ein wenig tiefer in die Büsche und biss sich auf die Lippe. Sollte er sich zu erkennen geben und die Person aufhalten? Sie durfte sich ihrem Lager nicht nähern und Louis konnte sie ja nicht anhalten und fragen, welcher Seite sie angehörte. Er verlagerte sein Gewicht und unter ihm knackte ein Ast hörbar laut. Louis zuckte zusammen und auch die Gestalt fuhr herum, eine Hand hatte den Bogen schon gepackt und einen Pfeil in die Sehne gespannt. Louis blieb nichts anderes übrig, als sich zu offenbaren. Er umklammerte seinen Bogen, erhob sich möglichst eindrucksvoll aus dem Farn, in dem er sich verborgen hatte und  sagte laut: „Halt! Keinen Schritt weiter oder ich bin gezwungen, Euch anzugreifen.“ Die Gestalt sagte nichts, sondern wandte den Kopf in seine Richtung und hob den Bogen ebenfalls drohend. Louis blickte auf den Pfeil, der auf ihn zielte und spannte seine eigene Sehne noch ein wenig mehr. „Wieso sollte ich mich von einem Zwerg aufhalten lassen?“ zischte die Gestalt und Louis gefror dabei fast das Blut in den Adern. Die Gefahr und Anspannung zwischen ihnen war fast greifbar und beide bewegten sich nicht von der Stelle. „Macht den Weg frei, ich muss genau in diese Richtung gehen...“ wurde Louis aufgefordert, doch er schüttelte nur den Kopf: „Nein, das kann ich nicht gestatten.“ - „Ihr wisst, dass dieser Wald auch der Weglose Wald genannt wird...weil er keine Wege besitzt und man daher gehen kann wohin man will. Ich WILL in diese Richtung und ich sage es jetzt nur noch ein letztes Mal: Macht den Weg für mich frei, sonst sehe ich mich leider gezwungen ihn mir zu erkämpfen.“ Zur Bestätigung ihrer Worte hob die Gestalt den Bogen noch ein wenig höher und nahm einen stabileren Stand ein. „Das werde ich nicht tun, tut mir Leid.“ sagte Louis und hob auch seinen Bogen ein wenig. Wenn er jetzt angegriffen wurde, würde er alles, was er in den letzten Tagen von Zayn, Draca, Leofwine und Nerian gelernt hatte, anwenden müssen. Rasch rief er sich alles ins Gedächtnis, da ließ die Gestalt den Pfeil los, der Louis Schulter nur knapp verfehlte. „Das war eine Warnung. Ich bin bereit, wenn Ihr nicht den Weg freigebt.“ zischte die Person und legte einen weiteren Pfeil ein. Das Mondlicht kam nun zwischen den Blättern hindurch und Louis erkannte mit Genugtuung, dass nur noch zwei Pfeile im Köcher seines Gegners lagen. Viele Chancen hatte er also nicht. Louis Köcher war noch voll und er fühlte sich sicherer. Er zielte auf die Beine der Person, schoss, doch sie wich dem Pfeil aus und feuerte zurück, doch Louis entwischte erneut und der Pfeil schlug hinter ihm in einen Baum ein. Sie umkreisten einander, suchten hinter Bäumen Schutz und lugten nur ab und zu um die Stämme herum, um den Gegner noch im Blick zu behalten. Wo sollte das hinführen? Sollte Louis sich mit dem Fremden duellieren, bis ihm Cuthbert oder Buck zu Hilfe kamen, oder einer von ihnen aufgab? Er wusste es nicht und schloss für einen Moment die Augen um nachzudenken. Er trug ein Schwert bei sich, womit er sich im Zweifelsfall auch noch verteidigen könnte, doch er fühlte sich im Schwertkampf nicht so sicher, wie beim Bogenschießen. Hinter sich hörte er ein Geräusch: etwas war ins Gras geworfen worden und schwere Schritte näherten sich dem Baum, hinter dem er Schutz suchte. „Ich habe ein Schwert und ich kann Euch mit einem Schlag töten, wenn ich das will.“ sagte die zischende Stimme und Louis musste mit Schrecken erkennen, dass sein Gegner immer näher kam. Vorsichtig zog er sein eigenes Schwert aus dem Gürtel und umklammerte den Griff mit beiden Händen, dann stolperte er hinter dem Baum hervor und augenblicklich trafen die Klingen aufeinander. Das dumpfe Geräusch von Metall auf Metall erklang und Louis hoffte, dass man sie vielleicht hören konnte und ihm zu Hilfe kam. Sein Gegner war stark und wendig und Louis musste alle Kraft aufbringen, um die Angriffe abwehren zu können. Lange würde er das nicht durchhalten können. Seine Arme taten jetzt schon weh und das Schwert schien immer schwerer zu werden. Wenn Harry zurückkam, musste er dringend mit ihm zusammen üben. Der nächste Angriff kam von der Seite und Louis musste einen Ausfallschritt machen, um auszuweichen. Dabei verfing er sich in einer Schlingpflanze, geriet aus dem Gleichgewicht und fiel hart auf den Rücken. Das Schwert rutschte ihm aus der Hand und die Kapuze glitt nach hinten. Schwer atmend lag er da, während sein Gegner über ihm stand, das Schwert auf seine bebende Brust gerichtet hatte und innehielt. Wieso brachte er ihn nicht um? Er lag hier auf dem Präsentierteller, sein Gegner müsste nur noch zustechen und es wäre vorbei. Doch das Schwert landete ebenfalls im Gras und die Hand, die es gehalten hatte, griff in den Stoff der Kapuze und zog sie zurück und jetzt erkannte Louis den Mann mit dem er gekämpft hatte.

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Uaaah Cliffhanger! I´m so sorry :-)
   
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