Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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65. Drei Spielmänner

Am Kamin lagen die Merry Men in ihre Decken gewickelt und schliefen. Louis setzte sich dicht ans Feuer auf eine Bank, schlang sich die Arme um den Körper und starrte in die Flammen. Eine Erleichterung machte sich in ihm breit, nachdem er Harry gesehen hatte und sich sicher war, dass er alles nur geträumt hatte. Das leise Raunen der Männer, die sich am Tisch besprachen, klang zu ihm hinüber und machte Louis schläfrig. Obwohl er an den warmen Flammen saß, hatte er eine Gänsehaut, denn die Luft im Saal war kühl. Neben ihm bewegte sich etwas und Liam tauchte aus dem Gewirr von Körpern auf, gähnte und blinzelte Louis verschlafen an. Er gab einen erstaunten Laut von sich, wickelte sich dann in seine Decke ein und stand umständlich auf, wobei er versuchte, nicht auf die anderen zu treten, die eng beieinander lagen. Als er er geschafft hatte, zu Louis zu balancieren, setzte er sich neben ihn auf die kleine Holzbank am Feuer. Weil Louis immer noch leicht zitterte, legte Liam ihm seine Decke über die Schultern, sodass sie nun beide darunter saßen. „Danke Liam.“ murmelte Louis und lächelte ihn an. Sein Freund streckte eine Hand aus und legte sie auf Louis Brust, genau dorthin wo sein Herz schlug. Sie senkten beide den Blick auf Liams Hand und er sah ihn fragend an. „Es geht mir ganz gut...zumindest habe ich mich mit Lady Taylor abgefunden, falls du das wissen willst.“ Liam nickte und machte einen erleichterten Eindruck. „Wie geht es dir, hast du noch Schmerzen?“ fragte Louis leise und deutete auf Liams Hals. Er zuckte mit den Schultern und wickelte den schmalen Schal ab, den er immer trug um die Narben ein wenig zu verdecken. Liam zog seinen Hemdkragen ein wenig nach unten und streckte den Hals: die Narben waren noch immer sehr stark zu sehen und die neue Haut, die sich in den tiefen Löchern gebildet hatte, war hell und glänzte im Licht des Feuers. Vorsichtig berührte er die Haut mit einem Finger und strich darüber. Liam zuckte nicht zurück, sondern ließ die Berührung zu. „Das sieht wirklich schon gut aus.“ murmelte Louis und deutete auf die verzogene Haut. Beinahe hatte es den Anschein, als sei Liams Hals aus Wachs, das zu nahe am Feuer gestanden hatte; die Oberfläche war verzogen und warf seltsame Falten.  Liam nickte und legte sich den Schal wieder um, dann blickte auch er in die Flammen. Zu ihren Füßen drehte sich Leofwine auf den Rücken und begann zu schnarchen. Es war so laut, dass Louis lächeln musste, obwohl ihm eigentlich nicht so sehr danach war. Ed, der neben Leofwine lag, wachte an seinem Schnarchen auf, hob den Kopf und stupste seinen Freund an. Der ließ sich allerdings nicht beirren und schnarchte weiter. Ed seufzte, nahm sein Halstuch ab und stopfte es Leofwine kurzerhand in den Mund. Augenblicklich verstummte er und schlug die Augen auf. Er schien sich ziemlich erschrocken zu haben und sah verirrt aus, während er sich den Knebel aus dem Mund nahm und sich leise bei Ed entschuldigte. „Louis...wir sind fertig...willst du mitkommen?“ Harry war zum Kamin herübergekommen und stand nun direkt hinter ihnen. „Du siehst unglaublich müde aus...komm.“ Louis erhob sich, gab Liam die Decke zurück und umarmte ihn dankbar. Neben ihm zu sitzen, hatte ihn ruhig werden lassen und er fühlte sich nicht mehr ganz so aufgewühlt. „Bis morgen...schlaf gut.“

Hand in Hand gingen sie zurück in ihre Kammer, wo es noch immer angenehm warm war. „Das war ein langer Tag.“ seufzte Harry und löste die Bänder die sein Wams an den Ärmeln schnürten. Louis krabbelte sofort unter die Decke und zog sie sich bis ans Kinn, während er Harry dabei zusah, wie er seine Kleidung ablegte und schließlich nur in einem grauen Hemd bekleidet ebenfalls ins Bett schlüpfte. „Willst du mir erzählen, wieso du vorhin dachtest, ich sei tot?“ fragte er und zog Louis in seinen Arm. Sofort schossen wieder die Bilder in Louis´ Kopf: die toten Merry Men und Harry, der von Benjamin hingerichtet wurde. Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und seufzte, versuchte sich zu sammeln und sagte dann leise: „Ich hatte einen Traum...wir hatten gegen Benjamin gekämpft. Alle Merry Men waren tot, ich war verwundet und musste dabei zusehen, wie Benjamin dich erschießen wollte. Er hatte dich verhöhnt und als er den Pfeil abgeschossen hat, habe ich mich vor dich geworfen. Aber der Pfeil war lang genug, um uns beide zu treffen. Dann bin ich aufgewacht, weil ich aus dem Bett gefallen bin...“ Harry sagte nichts, aber Louis sah aus dem Augenwinkel, dass er lächelte. „Das ist nicht zum Lachen.“ protestierte er und wandte sich ihm zu. „Tut mir Leid. Nein, du hast Recht. Natürlich ist es nicht zum Lachen. Mich hat es auch eher amüsiert, dass du aus dem Bett gefallen bist...aber einen solchen Traum zu haben, ist natürlich schrecklich...einen geliebten Menschen zu verlieren, ob im Traum, oder in der Wirklichkeit, ist eine Qual.“ Er drehte den Kopf und sah Louis in die Augen, dann murmelte er: „Es tut mir Leid, dass ich dir so viele Sorgen bereite.“ Irritiert über diese Aussage, runzelte Louis die Stirn und stützte sich auf den Ellbogen auf, sodass er nun auf Harry hinuntersehen konnte. Er durfte sich keine Vorwürfe machen, dafür, dass er der war, der er war. Niemand konnte etwas dafür, wie alles gekommen war. Die Geschehnisse hatten nun einmal ihren Lauf genommen und Niemand würde etwas dagegen tun können. „Das ist nicht deine Schuld...du gibst dein Bestes, um allen gerecht zu werden. Was wäre ich für ein Mensch, würde ich dir da einen Vorwurf machen.“ - „Du bist ein Schatz, weißt du das? Ich wüsste nicht, ob ich so reagieren könnte, wenn ich an deiner Stelle wäre.“ Harry sprach leise und bedacht, während seine grünen Augen ein wenig glänzten. Eine Träne bildete sich in seinem Augenwinkel, rann ihm über die Wange und verschwand in den dunklen Locken, die sich auf dem Fell ausgebreitet hatten. Louis beugte sich vor und verband ihre Lippen miteinander. Sofort griff Harry in Louis Nacken, zog ihn auf sich und erwiderte den Kuss. Die Dankbarkeit war deutlich zu spüren und sorgte dafür, dass Louis´ Ängste, die der Traum in ihm ausgelöst hatten, immer kleiner wurden. Die Küsse, die sie teilten, wurden sanfter und langsamer, sodass sie irgendwann verebbten und er sich wieder in Harrys Arm kuschelte und die Augen schloss.

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Am nächsten Morgen saßen sie schon früh gemeinsam im Thronsaal zusammen. Harry wollte den Merry Men den Plan erklären, den er sich gemeinsam mit dem Zauberer, Zayn und Cuthbert ausgedacht hatte. Alle waren gespannt, saßen mit neugierigen Gesichtern an der langen Tafel und blickten zum Kopfende des Tisches, wo Harry saß und die Merry Men mit ernstem Blick ansah. „Wie ihr alle wisst, lauern uns im Wald gefährliche Männer auf, die im Namen des Bruders von Jonathan Ansprüche auf den Thron und diese Grafschaft stellen. Gwydion hat herausgefunden, dass die Männer ihr Lager nicht weit entfernt von hier aufgeschlagen haben. Leider kennen wir ihren Plan nicht und haben darum gestern Nacht beschlossen, drei von euch als Spione in den Wald zu entsenden. Die Aufgabe der Drei wird sein, herauszufinden, was die Männer planen. Die Spione müssen sich als mittellos und mir gegenüber misstrauisch gesinnt ausgeben. Es ist wichtig, dass die Fremden denken, einen Vorteil zu haben, wenn sie unseren Spionen vertrauen. Es muss unbedingt funktionieren – auch, weil ich denke, dass sie euch töten werden, sollte diese List auffliegen.“ Harry erhob sich von seinem Platz und blickte in die Runde: „Wer ist bereit diese Aufgabe zu übernehmen?“
Niemand sagte etwas, wer wollte schon gerne sein Leben aufs Spiel setzen. Dann meldete sich Leofwine zu Wort: „Wofür sollen sich die Spione ausgeben? Ich bin mir sicher, dass nicht jeder von uns für eine gewisse Rolle geeignet ist.“- „Nun, das haben wir uns nicht überlegt. Was würde denn am Wenigsten Verdacht erregen?“ fragte Harry und erneut legte sich Stille über die Halle, während alle nachdachten. Ed klopfte irgendwann mit den Fingern auf die Tischplatte und als er alle Blicke auf sich spürte, deutete er auf Liam und sich. „Ihr wollt das machen?“ fragte der König und klang ein wenig ungläubig.  Louis fiel Cuthbert auf, der auch nicht sonderlich überzeugt schien und sagte: „Verzeih mir Ed, aber wie wollt ihr denn mit den Männern in Kontakt treten? Sowohl dir, als auch Liam ist es nicht möglich, zu sprechen.“ Doch der kleine Rothaarige schien einen Plan zu haben. Er zog die Laute unter dem Tisch hervor, mit der Louis ihn und Liam hatte üben sehen. Beim Anblick des Instruments schien es Zayn zu dämmern und er sagte: „Ich verstehe: ihr wollt euch als Spielleute ausgeben...die wirken immer sehr unschuldig….das ist ein wirklich guter Einfall, Ed.“ Froh darüber, dass ihm wenigsten ein Merry Men den Rücken stärkte, nickte Ed und legte sich die Laute auf den Schoß. Zusammen mit Liam schien er schon lange geübt zu haben, denn als er anfing zu spielen, klangen die Töne wunderschön und harmonisch. Die Musik schwang durch den Raum und zauberte allen ein Lächeln ins Gesicht. Als Ed das Spiel beendet hatte, war es der Zauberer, der als erstes in die Hände klatschte und alle Merry Men stimmten mit ein. „Das war super schön. Als Spielmänner würdet ihr sicherlich durchgehen, aber es muss noch Jemand bei euch sein, der sprechen kann, sonst macht das alles keinen Sinn.“ seufzte Gwydion. „Ich mach das.“ Flint sprang auf und blickte in die Runde. „Ich werde mir eine gute Geschichte ausdenken, die ich den Männern erzählen kann, dann können wir es sicherlich schaffen, ihren Plan herauszufinden.“ Flint blickte Harry an, der seufzte und sagte: „Gut. Ich kann dir bis zum Mittag Zeit geben, mir eine glaubhafte Geschichte vorzutragen, aber dann müsst ihr euch auf den Weg machen. Je früher ihr die Männer findet, desto besser.“ Nachdem also Ed, Liam und Flint als Spione beschlossen worden waren, hob Harry die Runde auf. Zayn und Cuthbert widmeten sich sofort wieder den Soldaten und Rekruten und Theobald ging Leofwine zur Hand, der Ed und Liam beim Packen helfen wollte.
Louis wollte gerade aufstehen, als Harry den Zauberer ansprach: „Gwydion, kann ich dich kurz sprechen?“ Der alte Mann zog an seiner Pfeife und nickte. „Louis, bleib bitte sitzen.“ bat ihn Harry und griff nach seiner Hand. Zu dritt saßen sie am Kopfende des Tisches zusammen und der Zauberer sah Harry erwartungsvoll an. „Ich habe ein heikles Thema zu besprechen, Gwydion.“ begann Harry und knetete nervös Louis Hand. „Du weißt, dass du dich mir anvertrauen kannst, Harry.“ sagte Gwydion und ermutigte Harry so, weiter zu sprechen. Er nickte, räusperte sich mehrmals und festigte dann seinen Griff um Louis Hand, als bräuchte er Beistand. „Wie du weißt habe ich die Forderung von König James nur ungern umsetzt. Da ich jetzt eine Frau habe, sollte sie mir einen Thronfolger schenken.“ fing Harry an. Er war nervös, das spürte Louis, denn seine Hände waren ein wenig feucht und er bebte unmerklich. Was er den Zauberer fragen wollte, schien ihm unglaublich schwer zu fallen und sehr unangenehm zu sein. „Ich liebe Louis. Und darum fällt es mir äußerst schwer, bei meiner Frau zu liegen...ich...ein Kind zu zeugen wird daher sehr schwer für mich werden. Deswegen wollte ich dich fragen, ob es eine Möglichkeit gibt, die Ehe nur einmal vollziehen zu müssen, damit die Zeugung gelingt. Einmal werde ich mich sicherlich dazu durchringen können….aber es mehrmals zu versuchen, wäre sicherlich eine Qual für mich. Kannst du mir helfen?“ Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, wurde Harry rot und lächelte ganz verlegen. Gwydion blies einen Rauchring in die Luft und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Die Aussage, dass Harrys Herz Louis gehörte, schien ihn nicht zu überraschen. „Ja, ich kann dir dabei helfen. Es gibt einen Trank, den ich machen kann, der die Fruchtbarkeit einer Frau erhöht. Allerdings solltest du das Vorgehen mit deiner Frau besprechen. Sie sollte im Bilde darüber sein, dass ich mich in diese eheliche Angelegenheit einmische. Sobald du mit ihr gesprochen hast Harry, werde ich mich um die Vorbereitung kümmern.“ Die Worte des Zauberers nahmen eine unglaubliche Last von Louis. Wenn es gelang, dass der Trank die Chance auf einen Thronfolger erhöhte, dann musste Harry nur einmal bei seiner Frau liegen. Der König schien dasselbe zu denken, denn er lächelte Louis erleichtert an und drückte sanft seine Finger: „Wir schaffen das.“ flüsterte er und hauchte ihm einen Kuss auf die Hand, die er immer noch umklammert hielt.    
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