Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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17. Die vorerst letzte Nacht mit Harry

Die Sonne war untergegangen und der Wald lag still und ruhig da, als Louis durch den Spalt hinaus ins Freie trat. Über sich konnte er die gedämpften Stimmen der anderen hören, die auf ihren Plattformen saßen und sich leise miteinander unterhielten. Ob Harry schon dort oben saß? Er legte den Kopf in den Nacken und sah den Baum hinauf, doch die Plattformen waren so gut getarnt, dass sie von unten nicht zu erkennen waren. Er würde also hinaufklettern müssen, wenn er wissen wollte, ob Harry dort oben war. Er hätte zwar auch die Umgebung nach Harry und Zayn absuchen können, allerdings war er sich sicher, dass er unerwünscht war, sollten sie noch damit beschäftigt sein, ihren Streit beizulegen. Also band Louis sich das Oberhemd um die Taille, warf sich den Umhang über die unverletzte Schulter und kletterte vorsichtig den Baum hinauf, bis er Harrys Plattform erreicht hatte. Als er sich über den Rand zog, musste er feststellen, dass der Lockenkopf noch nicht da war. Mit Sicherheit hatte er mit Zayn einiges zu klären. Er breitete Harrys Decke auf dem Holz aus, legte sich bäuchlings darauf, damit der Stoff nicht an der dunklen Salbe kleben blieb und blickte über den Rand hinunter in die Äste der Eiche. Es war schon erstaunlich, wie alt dieser Baum war. Was er wohl schon alles erlebt hatte? Manchmal wünschte sich Louis, die Bäume könnten sprechen und würden ihm all die wunderlichen Geschichten erzählen, die sich an ihren Stämmen zugetragen hatten. Vielleicht wusste dieser Baum ja sogar, wo sich der Thronerbe aufhielt und wenn sie dieselbe Sprache sprächen, müsste Harry ihn nur fragen, anstatt mühsam das ganze Land zu durchkämmen. Wenn er ihn doch nur begleiten könnte. Die Vorstellung, dass Harry allein diese ganzen weiten Strecken hinter sich brachte und ständig Gefahr lief, festgenommen oder überfallen zu werden, verursachte ein schlechtes Gefühl bei Louis. Dem Lockenkopf musste wirklich sehr viel daran liegen, den Prinzen zu finden, sonst würde er sich nicht in solch eine Gefahr begeben.

Heute Nacht war der Mond voll und rund und erhellte den Wald in einem Licht, dass man überraschend gut sehen konnte. Wenn er sich anstrengte, konnte Louis fast den Waldboden erkennen, obwohl so viele Äste ihm die Sicht versperrten. Seine Hand sah blass aus, als er sie vor die Augen hob und sie im Mondlicht musterte. Ob diese Hände jemals lernen würden, mit Pfeil und Bogen oder einem Schwert umzugehen? Harry und die anderen Jungs beherrschten ihre Waffen nahezu perfekt und er? Er konnte eigentlich gar nichts. Ein wenig amüsiert musste er daran denken, wie kläglich sein Pfeil im Unterholz gelandet war. Ob Harry ihn wirklich mitnehmen würde, wenn er die Waffen beherrschte? Vorhin hatte das zumindest so geklungen. Louis nahm sich vor, sich schon morgen zeigen zu lassen, wie man die Waffen richtig führte, damit er Harry so bald wie möglich begleiten konnte.
Die Blätter unter der Plattform raschelten und etwas dunkles und großes bewegte sich am Stamm hinauf. Zuerst erschrak Louis, dann erkannte er einen Langbogen und war sich sicher, dass es Harry war, der da zu ihm hinaufgeklettert kam. Tatsächlich erkannte er die Locken im Mondlicht und als Harry den Kopf hob und zu ihm hinaufsah, trafen sich ihre Blicke und er grinste. „Bist du schon lange hier oben?“ fragte er, zog sich über den Rand und setzte sich neben Louis. „Hier, ich habe dir noch etwas zu essen mitgebracht.“ sagte er leise und hielt Louis eine handvoll Beeren hin, die er sicherlich gesammelt hatte. „Danke, ich habe noch nichts gegessen.“ sagte Louis und nahm die Beeren entgegen. Harry sah ihm beim Essen zu und sagte irgendwann: „Ich habe mich mit Zayn wieder vertragen. Ich kann es nicht ertragen, wenn wir uns streiten. Er ist wie ein Bruder für mich und ich will mich nicht mit ihm überwerfen. Vorher hätte ich nicht abreisen können.“ - „Das heißt, du willst morgen schon wieder los?“ Louis konnte nicht verhindern, dass er ein wenig verängstigt klang. „Ja. Ich will nicht, aber ich muss. Ich komme auch wieder, du musst dir keine Gedanken machen. Niemand ist auf der Suche nach mir, ich kann mich frei in der Grafschaft bewegen, im Gegensatz zu manch anderen von uns.“ Harry streckte eine Hand aus und strich Louis durch die braunen Haare. Noch immer lag er neben ihm auf der Plattform. „Wenn du gut im Kampf bist, wenn ich wiederkomme, dann nehme ich dich bei der nächsten Suche gerne mit.“ - „Musst du wirklich morgen schon wieder gehen?“ fragte Louis, stützte sich auf die Ellbogen und sah zu Harry auf der im Mondlicht zu ihm hinunter schaute. „Ja ich muss. Aber heute Nacht bin ich ja noch da. Komm her.“ Schnell richtete Louis sich auf und ließ sich von Harry in die Arme ziehen. „Ich kann verstehen, dass du mich gerne begleiten willst, aber ich kann gut auf mich selbst aufpassen, weißt du? Und wenn du dabei wärst, dann wäre ich in größerer Sorge um dich, als um mich selbst.“ Harry lehnte seine Stirn an die von Louis, strich ihm durchs Haar und über den Rücken, während er beruhigend vor und zurück wippte. „Ich werde leichter gehen können, wenn ich dich erst einmal in Sicherheit weiß, Louis. Du bist nicht ganz gesund und es ist viel wichtiger, dass deine ganzen Verletzung erst in Ruhe abheilen, bevor wir gemeinsam losziehen.“ Harry sprach ganz ruhig und mit einem Mal spürte Louis die große Hand, die gerade noch über seinen Rücken gestrichen war, in seinem Nacken. „Ich komme zurück, das verspreche ich dir.“ Louis konnte nicht genau sagen, wieso, doch Harrys Aussage und dass er sie ständig wiederholte, beunruhigte Louis. Es wäre ihm lieber gewesen, Harry hätte ihm seine Rückkehr nicht versprochen. Denn so schien es immer unwahrscheinlicher zu werden, dass er zurückkam, obwohl er doch bisher von seinen Reisen immer zurückgekehrt war.
Warme Lippen pressten sich auf seinen Mund und lenkten Louis von seinen Gedanken ab. Ein Keuchen entfuhr ihm, er schloss beide Augen und seine Hände fanden den Weg in Harrys dunkle Locken. Vorsichtig ließ Harry sich nach hinten auf den Rücken herabsinken und zog Louis mit sich, ohne dass sie den Kuss unterbrechen mussten. Es kam ihm fast so vor, als würden sie mutiger werden, denn ihre Lippen bewegten sich fordernder aufeinander, waren voller Verlustängste. Zumindest betraf das Louis. Harrys Küsse waren voller Verlangen.

Da Louis, wie der Druide es ihm aufgetragen hatte, noch kein Oberhemd trug, konnte Harry jedes kleine Stück seiner Haut berühren das er wollte. Die Berührungen gefielen Louis gut und allzu gerne hätte er es Harry wissen lassen, doch die anderen Jungs auf den Plattformen sollten sie nicht hören und so schwieg Louis. Einzig ein rasches Einatmen zeigte Harry, ob Louis etwas gefiel, oder nicht. „Wenn ich wieder zurückkomme, dann wünsche ich mir, dass du gelernt hast, wie man mit Pfeil und Bogen umgeht und dass du kämpfen kannst. Halte dich an Draca und Leofwine, sie beherrschen ihre Waffen gut und können dir zeigen, wie es geht.“ Louis nickte und drückte Harry seine Lippen wieder auf, um ihn zu unterbrechen. Der Lockenkopf wollte zuerst protestieren, doch dann lies er es zu, dass Louis ihn in einen Kuss verwickelte. Wieder breitete sich diese Wärme in ihm aus, die Louis bisher erst einmal verspürt hatte und er drückte sich ein wenig fester gegen Harry. Er schlug die Augen auf und betrachtete Harry im Mondlicht, wie er den Mund geöffnet hatte, doch keinen Laut vernehmen ließ. Mit einer Hand drückte Louis auf  Harrys Mitte und betrachtete entzückt, wie sich der Ausdruck im Gesicht des anderen von Schock zu Genuss verwandelte.
Sie hatten auf der Plattform nicht viel Raum, doch das störte sie keineswegs. Eng aneinander geschmiegt lagen sie da, berührten und küssten sich gegenseitig, ohne dabei einen Laut von sich zu geben. Dieses Mal war es Louis, der sich über Harry abstützte und sich selbst an Harrys Körper Erlösung verschaffte. „Das werde ich besonders vermissen, wenn du nicht bei mir bist...“ röchelte Harry, legte beide Hände auf Louis unteren Rücken und drückte ihn fest an sich, drückte das Becken hoch und brachte sie so ganz eng zusammen. So verharrten sie kurz, dann als Louis zwischen sie beide griff und die Härte spürte, sie sich bei ihnen gebildet hatte, reichten zwei schnelle Bewegungen Harrys aus, um das Gefühl der Erlösung wieder aufleben zu lassen.  Louis ließ sich auf Harrys Brust hinabsinken, die sich schwer atmend hob und senkte. Er fühlte sich gut und war gleichzeitig so müde, wie lange nicht mehr. „Du kannst hier liegenbleiben, wenn du das möchtest.“ brummte Harry, strich ihm durchs Haar und zog die Decke über sie Beide.

Die Nacht verbrachten sie eng aneinander geschmiegt auf der Plattform. Louis lag auf Harrys Körper, das Ohr an seiner Brust, lauschte dem Schlag seines Herzens und dem langsamen Atem und war glücklich.

Als es am nächsten Morgen um ihn herum heller wurde und der Wald wieder zum Leben erwachte, stellte Louis fest, dass er nur noch auf einer Decke lag. Verschlafen richtete er sich auf und sah sich im fahlen Licht der Dämmerung um. Außer ihm war Niemand auf der Plattform. Harry war fort und auch sein Langbogen und der Köcher waren verschwunden. Louis setzte sich auf und atmete die kühle Morgenluft ein, die noch so ganz unverbraucht um ihn herum waberte. Hatte Harry sich etwa davongemacht, ohne sich von ihm zu verabschieden? Das konnte er nicht getan haben. Bestimmt war er schon unten in der Eiche. Vielleicht um von Gwydion noch letzte Anweisungen entgegen zu nehmen. Louis zitterte vor Kälte und schlüpfte rasch in sein Oberhemd. Zufrieden stellte er dabei fest, dass sich bereits neue Haut über die Peitschenwunden gebildet hatte und er keine Schmerzen mehr verspürte. Mit kalten Fingern verschloss er rasch die Knöpfe, warf sich den Umhang wieder über und kletterte den Baum herunter. Er wollte Harry noch auf Wiedersehen sagen und hatte es dabei so eilig, dass er einmal beinahe abgerutscht und vom Baum gefallen wäre, doch er konnte sich gerade noch rechtzeitig fangen und landete schließlich wohlbehalten im Laub des Waldbodens.

Mit dem Eulenschrei, den Zayn damals bei Louis´ erster Ankunft nachgeahmt hatte, kündigte sich auch er nun an und betrat dann den Baum. Der Druide war nicht im Inneren des Stammes, nur Liam lag in der Ecke am Feuer auf dem Erdboden. Er hob den Kopf, als er Louis hereinkommen sah und richtete sich auf. „Hey, hast du Harry gesehen? Das ist der mit den dunklen Locken.“ Liam nickte und deutete mit der Hand gegen die Baumrinde, dabei zog er die Augenbrauen hoch. „Ist er schon weg?“ fragte Louis hastig und verfluchte innerlich die Ketzergabel: ihretwegen konnte Liam ihm nicht sagen, wo Harry hingegangen war.  Um das Ganze ein wenig zu beschleunigen, beschloss Louis, nur noch Fragen zu stellen, die Liam mit Ja oder Nein beantworten konnte. „Harry ist also weg?“ - Nicken.
„Schon lange?“ - Nicken.
„Meinst du, ich kann ihn noch einholen?“ - Kopfschütteln.
Unter dem mitleidigen Blick Liams, ließ sich Louis am Feuer auf den Boden sinken und seufzte. Harry war gegangen, ohne sich von ihm zu verabschieden. Liam legte ihm tröstend den Arm um die Schulter, drückte ihn und hauchte einige unverständliche Worte, doch am Tonfall erkannte Louis, dass er ihm gut zuredete, doch es half nicht sonderlich viel. Obwohl sein erster Impuls gewesen war, Harry nachzulaufen, blieb er doch einfach am Feuer sitzen und starrte in die Glut, bis irgendwann Leofwine auftauchte. Er lächelte sie freundlich und gut gelaunt an und griff nach einem der Langbögen, die immer im Baum gelagert wurden. „Ich gehe mal unsere Fallen kontrollieren. Möchtest du vielleicht mitkommen und mir helfen, Louis? Harry sagte mir, du müsstest noch viel lernen.“ Er grinste, offenbar hatte er von dem kläglichen Bogenschuss gehört, deutete mit dem Daumen auf sich selbst und sagte: „Bei mir wärst du da gut aufgehoben. Ich kann dir alles zeigen, wenn du möchtest.“

Es war das erste Mal, dass Leofine Louis bewusst ansprach und er schien wirklich sehr nett zu sein. Seine dunklen Augen glitzerten und strahlten. Sie wirkten auf ihr Gegenüber so fesselnd, dass man dabei beinahe die tiefen Narben übersah, die sich wie ein weißes Netz über sein Gesicht und den Hals zogen. An manchen Stellen waren sie fein, wie Spinnweben, an anderen grob und unregelmäßig, fast wie Wolle, die noch fein gesponnen werden musste. Die Haut der Narben war hell und glänzte im Licht der Flammen ein wenig. Man könnte auch meinen, ober Leofwine hätte sich ein Spinnennetz ausgebreitet und sei mit ihm verwachsen. Noch während Louis ihn musterte, wurde er von Liam angestupst. Offenbar hatte er ihn sehr lange angestarrt. Abwartend und noch immer freundlich lächelnd sah der Dunkelhaarige zu Louis hinunter und streckte ihm die Hand entgegen: „Na los, komm mit. Es wird Zeit für dich, etwas Neues zu erlernen.“

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Hey,
ich weiß, dass ich hier lange nicht so aktiv bin wie bei den letzten FFs, trozdem würde ich mich sehr freuen, ein bisschen zu hören, was euch an dieser Geschichte besonders gefällt, oder auch nicht. Zwar schreibe ich hautptsächlich für mich selbst, aber wenn ich sehe, dass anscheinend doch Jemand hier liest, aber nichts zurückkommt...dann ist das sehr schade.
LG
   
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