Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

0Likes
0Kommentare
195Views
AA

79. Die Krönung

Die restlichen Soldaten kehrten einen Tag später wieder heim. Sowohl Louise, als auch die Königin, warteten im Hof auf die Männer. Liam wurde von der Magd beinahe umgeworfen, als sie ihm freudig um den Hals fiel, kaum dass er den Burghof betreten hatte. Liam schien auch glücklich zu sein,  sie wieder zusehen und er scherte sich nicht darum, dass sich viele Männer im Hof befanden, die zusahen – er umschlang die Magd mit den Armen und küsste sie. Louis, der die Ankunft der Männer vom Durchgang im ersten Stock aus beobachtet hatte, konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Endlich schienen sich Liam und Louise zueinander zu bekennen. Thomas kam gemeinsam mit einigen Rekruten zurück auf den Hof und suchte den Hof rasch ab. Als er Lady Taylor sah, wurde sein Blick weich und er ging geradewegs auf sie zu. Louis legte den Kopf schief und wartete schon darauf, dass sich der Vertraute vergessen und Lady Taylor vor aller Augen küssen würde. Doch das geschah nicht. Stattdessen blieb er dicht vor ihr stehen, strahlte sie an, nahm ihre Hand und drückte ihr einen Kuss auf den Handrücken. Vielleicht verweilten seine Lippen einen kleinen Moment zu lange auf ihrer Haut, doch weil im Hof so viel los war, bemerkte das Niemand. Die Königin strahlte ihren Vertrauten an und Louis tat es wirklich leid, dass die Beiden ihre Liebe zueinander verstecken mussten.

Harry wachte noch am selben Nachmittag auf und wie Gwydion es vorausgesagt hatte, ging es ihm gut. Louis half ihm dabei, das Kettenhemd auszuziehen, das er immerhin schon mehrere Tage lang trug. „Sind alle heil zurückgekommen?“ fragte er, während er vor dem Feuer stand und Louis ihm dabei half, sein Wams anzulegen. „Ja, soweit ich gesehen habe schon.“ Louis zurrte das Lederband an Harrys Rücken fest und band es zu. Der König drehte sich um und schloss Louis in die Arme. Dieser hatte damit nicht gerechnet, erwiderte die Umarmung aber gerne. „Ich bin sehr froh, dass du wieder auf den Beinen bist.“ - „Und ich bin froh, dass du Gwydion dieses Kraut zurückgegeben hast, wer weiß wie lange du mich dann noch damit ruhiggestellt hättest.“ Harry gluckste und Louis hob überrascht den Kopf: „Du hast gemerkt, dass ich...“ - „Natürlich ist mir das nicht entgangen. Ich war nur nicht in der Lage mich dir mitzuteilen. Weil mich das Kraut so benebelt hat.“ Harrys Lippen ruhten auf Louis Stirn und ein angenehmes Prickeln strahlte von dort aus über seinen Körper. „Ich bin glücklich, dass wir gewonnen haben.“ nuschelte Louis gegen Harrys Brust und drückte ihn noch einmal fest an sich. „Das bin ich auch. Vor allem bin ich froh, dass wir beide heil wieder hier angekommen sind. Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn dir etwas geschehen wäre. Jetzt lass uns zu den anderen gehen.“

Hand in Hand gingen sie gemeinsam zum Thronsaal. Mittlerweile hatten sich dort alle Soldaten, Rekruten und sämtliche Merry Men versammelt. Der Tisch war reich gedeckt und eine Menge Wein in Krügen stand bereit. Der Sieg über Benjamin musste gefeiert werden und die Vereidigung der Soldaten stand an. Direkt neben der Tür wartete Lady Taylor auf Harry. Sie war in Begleitung von Thomas, der respektvoll einen Schritt zurück machte, als der König eintrat. „Es ist alles fertig für die Zeremonie, seid ihr bereit?“ Der Schreiber der Burg kam mit wichtiger Miene auf Harry und Taylor zu. „Wofür sollen wir bereit sein?“ fragte Harry und blickte ein wenig verwirrt drein. „Nun, durch den Sieg über Benjamin, werdet Ihr sowohl über diese Grafschaft, als auch über Lancashire herrschen. Diese Herrschaft wird heute feierlich auf Euch übertragen und die Soldaten von Benjamin werden ihren Eid Euch gegenüber ablegen.“ erklärte der Schreiber mit einer Miene, als könne er nicht glauben, dass Harry nicht wusste, was heute alles auf ihn zukommen würde. „Gut, wir sind soweit.“ Lady Taylor legte ihre Hand auf Harrys und ließ sich von ihm durch den Thronsaal bis nach vorn führen, wo sie beide auf zwei schönen Stühlen Platz nahmen. Louis und Thomas standen nebeneinander und blickten das Königspaar an. „Sie sehen wirklich beeindruckend aus, findest du nicht?“ fragte Thomas leise und Louis konnte nicht anders, als ihm zuzustimmen. Die beiden sahen herrschaftlich aus. Lady Taylor war ganz in rot gekleidet und ihre blonden Haare steckten unter einer reich verzierten Haube. Harry hielt sich aufrecht und die Farbe seines Wams und der Hose passte wunderbar zu der Kleidung der Königin. Louis konnte die Augen nicht von dem König abwenden und so versäumte er die Ansprache, die der Schreiber hielt. Er las die Gesetzesrolle vor, in der festgehalten war, wie eine Machtübernahme abgehalten wurde und forderte dann den König auf, sich zu erheben. Zwei junge Burschen traten vor, sie trugen eine Kiste zwischen sich aus der sie eine Krone nahmen. Der Pastor trat nun vor und Harry kniete sich vor den Geistlichen. Die Krone wurde ihm auf den Kopf gesetzt und beim Anblick  dessen wäre Louis beinahe in Tränen ausgebrochen. Mit der Krone auf dem Kopf sah Harry seinem Vater nun so ähnlich, dass Louis sich für einen Moment wünschte, der alte König wäre niemals umgebracht worden. Harry hätte ihn kennengelernt und wäre so vielleicht viel besser auf seine Aufgabe als König vorbereitet gewesen. Als ihm die Tränen in die Augen stiegen, verschwamm seine Sicht und er blinzelte sehr schnell, um sie wieder loszuwerden. Gwydion, der auf Louis anderer Seite stand, bemerkte sie natürlich und legte ihm tröstend einen Arm um die Schultern. Er hob den Kopf und sah zu seiner eigenen Überraschung, dass auch dem Druiden Tränen in den Augen standen. Der alte Mann hatte sein ganzes Leben lang auf den Moment gehofft, an dem Harry gekrönt würde und nun war der Tag endlich gekommen. Es musste sich unglaublich anfühlen, endlich am Ziel seiner Träume angekommen zu sein, dachte Louis und wischte sich mit dem Ärmelsaum über die Augen.
„...kröne ich Euch hiermit zum König über Cheshire und Lancashire.“ mit diesen Worten beendete der Pastor die Krönung von Harry und der König erhob sich. Die Menschen im Thronsaal brachen in stürmischen Beifall aus und Louis klatschte ebenfalls begeistert. „Ich muss zugeben, dass er beeindruckend aussieht.“ sagte Thomas und beugte sich zu Louis hinunter, damit nur er ihn hören konnte. Ja, Harry sah aus wie ein König und es war nicht mehr viel von dem Jungen übrig, den Louis im Wald kennengelernt hatte. Hier stand ein Mann mit einer Krone, der nun Herrscher über zwei Reiche war und der zum ersten Mal nicht überfordert aussah. Louis war stolz auf Harry und strahlte zu dem neu gekrönten König hin, dessen Augen über die Menge huschte, bis er seinen Blick aufgefangen hatte.

Grün traf auf Blau.

Und Louis war glücklich.    
Melde dich bei Movellas anFinde heraus worüber alle reden. Registriere dich jetzt bei Movellas und teile deine Kreativität und deine Passion
Lade ...