Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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58. Die erste Dame am Hof

Sie liebten sich anders dieses Mal. Zumindest kam es Louis so vor. Harry war gröber und fasste ihn deutlich fester an, als er es sonst tat. Es war beinahe so, als wollte er mit den Händen sichtbare Markierungen auf Louis Körper hinterlassen, um sich in den nächsten Tagen immer wieder daran zu erinnern, dass diese Nacht kein Traum oder ein Hirngespinst gewesen war. Ab und zu kniff Louis die Augen zu, wenn Harry über seine Haut kratzte, oder ihm wie ein Tier in den Nacken biss, doch es war ein süßer Schmerz, den er nur zu gern aushielt. Die Decke unter ihm war weich und er vergrub die Hände darin, während er auf dem Bauch lag und Harry über sich spürte, der sich auf die Arme abgestützt hatte und sich stoßweise vor und zurückbewegte. Louis tastete nach Harry und zog ihn zu sich herunter, reckte den Hals um ihn zu küssen. Die Bewegung hielt kurz inne und der König schnappte nach Luft, bevor er ihre Lippen zu einem Kuss verband. „Ich fühle mich so geborgen bei dir….ich liebe dich.“ - „Ich liebe dich auch, Harry.“ presste Louis hervor und gab einen überraschten Laut von sich, als Harry wieder zustieß und ein warmes, brennendes Gefühl durch seinen Körper jagte. Sie hatten ihre Kleidung wegen der Kälte weitestgehend angelassen, doch das gab einem das Gefühl, man könnte jederzeit von Jemandem entdeckt werden, was dazu führte, dass alles noch spannender schien. Der Druck in Louis wurde langsam unerträglich und er tastete sich unter den Stoff seiner Hose, um sich selbst zu behelfen, doch Harry war schneller, schob seine Hand beiseite und umschloss ihn. Zitternd, weil er nun sein ganzes Körpergewicht mit einer Hand halten musste, bewegte er sich weiter und es dauerte nicht lange, da löste sich die Anspannung   in ihnen. Die Stirn gegen Louis Schulter gedrückt und schwer atmend, zog sich Harry zurück, zog Louis fest an sich und wickelte sie in die Pferdedecke ein. Sofort war eine der Ziegen wieder da und schnüffelte an ihnen, doch sie schoben sie beiseite. Louis kraulte Harrys Nacken, sog seinen Duft ein und starrte in die Dunkelheit, die sie umgab. Die Kerze in der kleinen Lampe war beinahe heruntergebrannt und brannte so schwach, dass die Flamme nur noch als kleiner Punkt in der Finsternis zu sehen war. Harry atmete noch immer schwer und wenn Louis seine Hand auf seinen Brustkorb legte, konnte er sein Herz spüren, das kräftig und schnell gegen seine Finger schlug. „Hab ich dir wehgetan?“ fragte Harry irgendwann in die Stille hinein und eine Hand legte sich auf Louis Wange. „Nein, mir geht es gut...es war wirklich schön.“ murmelte er und schmiegte sich in die warme Handfläche. „Ich wünschte, ich könnte das Wetter beeinflussen.“ murmelte Harry plötzlich und bevor Louis nachfragen konnte, wieso er das wünschte, fuhr er fort: „Ich würde es so heftig schneien lassen, dass die Soldaten und Lady Taylor die Rückreise antreten müssten. Oder nur Lady Taylor. Ich könnte ein heftiges Gewitter schicken und dafür sorgen, dass der Wind einen Baum entwurzelt, der sie trifft.“ - „Das darfst du nicht wünschen.“ rügte Louis ihn sofort: „Man wünscht Niemandem den Tod, ganz gleich, wie sehr man ihn verabscheut. Sie kann doch nichts dafür, dass König James dich dazu zwingt, sie zu heiraten.“ Louis wusste selbst nicht so genau, wieso er die Dame in Schutz nahm. Eigentlich sollte er wütend und eifersüchtig auf sie sein, denn sie bekam das, was ihm verwehrt bleiben würde. Aber den Tod wünschte er ihr nicht. Das war ein unmenschlicher Gedanke und machte einem das Herz dunkel. Harrys Herz sollte hell und strahlend bleiben, deswegen durfte er solche Dinge nicht wünschen.  

Am nächsten Morgen wachte Louis davon auf, dass Harry neben ihm heftig zitterte. Er setzte sich auf und stupste ihn an. Es war trotz der Decken so kalt, dass er kaum die Finger bewegen konnte. „Lass uns in deine Kammer gehen. Wir holen uns hier noch den Tod.“ schlug er vor kaum, dass Harry die Augen geöffnet hatte. Sie rappelten sich steifbeinig auf, rafften die Decken zusammen und hängten sie über den Rand der Box, damit keine Mäuse sich einnisten und sie kaputtmachen konnten, dann machten sie sich rasch auf den Weg zu Harrys Kammer.
Es war noch früh am Morgen und der Hof lag noch im Dunkeln. Der Boden war glatt und gefroren, sodass sie häufiger ins Rutschen gerieten und sich aneinander festhalten mussten, um nicht hinzufallen. Schließlich schafften sie es aber die Treppe hinauf und bis zur Kammer zu kommen, wo sie eine wohlige Wärme empfing. Das Feuer brannte nicht mehr sonderlich hoch, doch es reichte aus, um wieder Leben in Louis Finger zu bringen, die sofort anfingen zu kribbeln, als er sie über die Flammen hielt, um sie zu wärmen. Harry schloss die Tür hinter sich und stellte sich zitternd  neben ihn an den Kamin. „Was für eine dumme Idee, im Stall zu schlafen...wieso haben wir nicht daran gedacht, dass es kalt wird?“ fragte er und zog die Nase hoch. „Ich glaube, wir haben das einfach verdrängt.“ murmelte Louis und bewegte die Finger, die langsam wieder Gefühl bekamen. „Lass uns wieder ins Bett gehen….ich bin so müde, dass ich fast im Stehen einschlafen könnte.“ murmelte Harry, zog sich die Stiefel aus und schlüpfte unter die vielen Felle. Louis blieb noch einen Moment so nahe an den Flammen stehen, dass er sich fast die Finger verbrannte, erst dann beeilte er sich zu Harry unter die Decke zu kommen. Trotz der Felle dauerte es seine Zeit, bis es im Bett warm wurde, doch sie hielten einander im Arm und waren recht schnell wieder eingeschlafen.

„Mein Schatz….aufwachen...“ Harrys Stimme drang zu Louis durch und zog ihn langsam aus der Traumwelt heraus. Blinzelnd schlug er die Augen auf und sah Harry, der am Bett stand und sich gerade die Stiefel schnürte. Er streichelte ihm über den Kopf und betrachtete ihn traurig: „Zayn, Cuthbert und Theobald sind gerade zurückgekommen. Sie sagen, die Soldaten und Lady Taylor werden bald ankommen. Ich möchte ihr einen höflichen Empfang bereiten. Sie soll sich hier wohlfühlen, auch wenn ich...von der Ehe nicht begeistert bin. Wir sollten sie trotz alledem freundlich empfangen.“ Er setzte sich auf die Bettkante und lächelte Louis an: „Ich weiß, dass es schwer wird, aber ich möchte, dass wir alle im Hof sind, wenn sie ankommt.“ Louis gähnte und setzte sich auf. Er schwang die Beine über die Bettkante und blieb neben Harry sitzen. „Hast du dich deswegen so in Schale geworfen?“ fragte er und zupfte an dem dunkelroten Wams, das der König heute trug. Dazu passend hatte er eine dunkle Hose gewählt und in die Stiefel gesteckt. Der Stoff des Wams war recht dick und schien Harry nicht sonderlich viel Bewegungsfreiheit zu geben, weshalb er zwangsläufig aufrechter stand und die Haltung eines Königs einnahm. „Gut, ich werde sie empfangen. Aber nur, weil du mich darum bittest.“ - „Ich bitte dich darum und ich weiß, wie schwer es für dich ist. Aber vielleicht fällt es dir leichter, wenn du es nicht als Empfang für die Lady, sondern als Beistand für mich siehst. Wenn ich dich hinter mir wüsste, würde mir das viel leichter fallen.“ Harry hob die Hand, legte sie unter Louis Kinn und gab ihm einen zärtlichen Kuss, der sein Herz bis zu seiner Kehle springen ließ. Natürlich wollte er Harry unterstützen und dazu musste er sich jetzt zusammennehmen.

Hufgeklapper kündigte Zayn an und alle Anwesenden im Hof, verstummten. Er hatte am Fuß des Berges Posten bezogen und kam nun zurück auf den Hof geritten, um die baldige Ankunft der Soldaten und Lady Taylor zu verkünden. „Sie sind gleich da!“ rief er, sprang vom Pferd herunter und stellte sich neben Harry, der nervös neben Gwydion in der ersten Reihe stand und versuchte Haltung zu wahren. Louis stand direkt hinter ihm. So nah, dass er sehen konnte, dass sein Geliebter leicht zitterte. Obwohl es ein kalter Tag war, wusste Louis genau, dass es nicht die Kälte war, die Harry so zusetzte. Vorsichtig streckte er eine Hand aus und legte sie auf Harrys unteren Rücken. Augenblicklich schien er sich ein wenig zu entspannen und seufzte unmerklich. „Hört ihr das?“ fragte Flint in die Stille hinein und alle lauschten: Hufgetrappel und die Schritte vieler Menschen waren zu hören und kamen immer näher. „Sie müssten gleich hier sein.“ murmelte Leofwine neben Louis und  blickte neugierig zum Tor. „Ich bin gespannt, wie die werte Dame aussieht. Du hast sie doch schon mal gesehen, oder?“ - „Ja, das habe ich. Aber ich werde sie dir jetzt nicht beschreiben. Du wirst sie gleich selbst sehen.“ antwortete Louis leise, während das Hufgetrappel immer näher kam.

Das Warten war schlimm und Louis wünschte sich die Ankunft der Soldaten schnell herbei, damit sie es hinter sich hatten. Mit einem Mal tauchte ein Mann auf der Zugbrücke auf: er trug das Wappen König James´, einen Adler und ein Kleeblatt. Sein Umhang war in Grün gehalten und sein silbernes Kettenhemd glänzte in der Morgensonne. Er ging mit strammen Schritten direkt auf Harry zu, salutierte vor ihm und überreichte ihm eine Schriftrolle: „Mit den besten Grüßen von König James. Ich darf Euch seine herzlichsten Glückwünsche zur Verlobung überbringen.“ Harry nahm die Schriftrolle entgegen, reichte sie an Gwydion weiter und nickte dann dem Soldaten zu: „Seid Willkommen in Cheshire. Ich bin erfreut, Euch wohlbehalten hier zu wissen.“ Während der Soldat und Harry miteinander sprachen, hatte sich der Innenhof gefüllt. Viele Soldaten hatten sich in zwei Reihen aufgestellt und nahmen fast die gesamte Breite des Hofes ein. Vor den Soldaten standen zwei Pferde. Von einem stieg gerade ein großgewachsener Mann herunter. Er trug einen dunkelblauen Umhang, schlichte aber saubere Kleidung und nahm nun die Kapuze ab. Sein Haar war kurz und wellte sich leicht. Die Augen schweiften kurz über die Burg, dann trat er vor das zweite Pferd und nahm die Zügel in die Hand. „Darf ich Euch herunter helfen?“ fragte er die Frau, die auf dem Pferd saß. Zweifelsohne handelte es sich um Lady Taylor. Sie trug einen grünen, wallenden Umhang und ihr goldenes Haar fiel in schönen, glänzenden Locken über ihre Schulter. Sie nickte dem Mann mit einem Lächeln zu und ließ sich vom Rücken des Pferdes heben. Sie war beinahe so groß, wie der Mann, der sich rasch vor ihr verneigte und dann einen Schritt zurück machte. Alle senkten den Blick, als Lady Taylor auf Harry zugeschritten kam. Ein strahlendes Lächeln umspielte ihre schönen Lippen und sie reichte Harry ihre Hand, die in einem ledernen Handschuh steckte. „Willkommen Verehrteste.“ sagte der junge König, nahm ihre Hand und hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken. „Ich hoffe, Eure Reise war nicht allzu beschwerlich.“ - „Nein, keineswegs. Mit einem Ziel wie diesem vor Augen, vergeht eine solche Reise, wie im Flug.“ sagte sie und ihre Stimme klang sanft und melodisch. Sie wandte sich der Burg zu und blickte die Freitreppe hinauf: „Sehr beeindruckend.“ - „Danke, es freut mich sehr, dass es Euch gefällt. Ihr sollt Euch schließlich hier wohlfühlen.“ Louis schluckte. Hätte Harry ihm nicht gestern Nacht noch gesagt, dass er gut würde schauspielern müssen, wäre er sicher gewesen, er meinte jedes Wort ernst. Er strahlte Lady Taylor an, als würde sie ihm das Glück auf Erden bedeuten und Louis sah rasch den schmutzigen Schnee zu seinen Füßen an, um den „glücklichen“ Harry nicht sehen zu müssen. Leider konnte er sich nicht die Hände auf die Ohren pressen und so musste er der Unterhaltung der Beiden weiter lauschen. „Wenn Ihr wollt, zeige ich Euch eure Gemächer.“ - „Sehr gerne. Mein Vertrauter Thomas, wird uns begleiten, wenn Ihr gestattet.“ Louis wusste auch ohne hinzusehen, dass sie den großen Kerl meinte, der ihr vom Pferd geholfen hatte. Thomas, der bisher die Pferde festgehalten hatte, blickte nun hilfesuchend zu den Merry Men und Flint machte einen Schritt auf ihn zu. „Gestatten, ich bin Flint. Wenn Ihr wollt, dürft Ihr mir gerne die Tiere überlassen, um Eure Herrin zu begleiten.“ - „Das wäre sehr freundlich von Euch. Ich danke Euch.“ Thomas hatte eine sehr angenehme Stimme und klang so freundlich, dass Louis nicht anders konnte, als ihn auf Anhieb sehr sympathisch zu finden. Flint nahm die Pferde und führte sie zum Stall davon, während sich nun auch die anderen Merry Men und Angestellten, die im Hof gestanden hatten, bewegten und wieder zurück an ihre Arbeit gingen. Louis wollte sich auch gerade gemeinsam mit den Jungs davonmachen, da streckte Harry die Hand aus und hielt ihn an der Schulter fest. „Darf ich Euch meinen engen Vertrauten vorstellen? Louis.“ Rasch verneigte er sich, doch Lady Taylor lachte erfreut auf: „Oh, wir kennen uns doch bereits. Hattet Ihr nicht König Harry begleitet, als er Prinz Niall und seinen Vater besuchte?“ - „Ja Milady. Wir haben einmal im Hof miteinander gesprochen.“ antwortete Louis in neutralem Tonfall und sie strahlte ihn weiter an: „Ja natürlich. Ich erinnere mich sehr gut an Euch. Es freut mich sehr, Euch wieder zu sehen.“ Wieso war sie nur so freundlich? Ihr Lächeln war ehrlich und aufrichtig und Louis tat sich äußerst schwer damit, sie nicht zu mögen, obwohl er das eigentlich vorgehabt hatte. Die Milady hatte eine natürliche Art an sich, die es einem unmöglich machte, sie zu hassen. Und im Augenblick hasste Louis sich selbst dafür, dass er diese Frau mochte. „Lasst uns gehen. Ich zeige Euch alles.“ Harry bot Lady Taylor seinen Arm an, sie hakte sich bei ihm unter und gemeinsam schritten sie die große Freitreppe hinauf. „Dann wollen wir unseren Herren mal folgen.“ sagte Thomas, lächelte Louis an und gemeinsam stiegen auch sie die Stufen zum Thronsaal hinauf. Auf halber Höhe warf Louis noch einen Blick zurück, nur um zu sehen, dass Cuthbert und Zayn sich bereits um die Soldaten kümmerten, während alle anderen wieder ihrer Arbeit nachgingen. Nur Gwydion stand noch am Fuß der Treppe und sah Harry und seiner neuen Frau nach. Sein Blick war unergründlich und Louis konnte nicht sagen, ob er glücklich über diese Entwicklung war, oder nicht. Als der Zauberer Louis´ Blick bemerkte, nickte er ihm zu woraufhin er sich beeilte, die Stufen hinter sich zu bringen und dann den Thronsaal betrat.    
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