Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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25. Der schönste Moment in Louis´ Leben

Louis war noch ziemlich müde und wollte sich gerade in den Baum verziehen, um dort Liam und Ed beim Pfeilemachen zu helfen.
Gerade hatte er sich erklären lassen, was er zu tun hatte, als Buck den Kopf durch den Spalt der Eiche steckte: „Oh Louis, da bist du. Draca und ich haben gerade ein Reh geschossen. Willst du beim Ausnehmen helfen?“ - „Ja, gerne.“ Louis reichte Ed das Messer wieder, dass er ihm geliehen hatte und ging nach Draußen. Vor der Eiche, zwischen den Wurzeln lag ein totes Reh. Draca band gerade das Seil los, mit dem sie dem Tier die Beine zusammengebunden hatten. „Hast du das schon mal gemacht?“ fragte er Louis und kniete sich neben den Kopf des Tieres. „Ja, einmal. Aber fang du lieber an.“ Draca zückte ein Messer und fing an, das Tier zu zerlegen. Louis nahm ihm die Innereien ab und legte sie ins Gras und als die Haut abgezogen war, machte sich Louis mit den Innereien auf in die Umgebung, um das alles zu vergraben. Obwohl er versuchte, sich nicht mit dem Blut des Tieres einzusauen, gelang es ihm nicht und bald waren seine Hose und das Hemd mit Blutsprenklern übersät.  Er verscharrte die Innereien zwischen den Wurzeln eines Baumes in der Nähe und machte sich dann auf den Rückweg.
Er hatte die Eiche schon fast wieder erreicht, als er Schritte hinter sich hörte. Rasch wandte sich Louis um und sah Harry in Begleitung von Gwydion auf sich zukommen. Der alte Mann stützte sich beim Gehen auf den langen Stab, den er immer bei sich trug und sie schienen gerade ihre Unterhaltung zu beenden. Harry machte einen erleichterten Eindruck und lächelte den alten Mann an, der ihn kurz an sich drückte und dann Louis begrüßte: „Hallo Louis, was hast du denn mit deiner Kleidung angestellt?“ fragte der Druide und musterte Louis amüsiert. Louis sah an sich herunter: „Oh. Nerian hat ein Reh geschossen und ich habe beim Ausnehmen geholfen.“ erklärte Louis. „Dann lass dir von Harry mal den kleinen See zeigen, dort kannst du deine Sachen waschen.“ Gwydion trat einen Schritt beiseite, sodass Harry nun neben Louis stand und ein wenig verlegen wirkte. „Gut, dann komm mit.“ - „Aber ich wollte Nerian und Buck noch bei dem Reh helfen.“ warf Louis ein, doch Gwydion sagte: „Das bekommen die beiden auch alleine hin, mach dir da keine Sorgen.“ Harry drehte sich auf dem Punkt um und ging in eine Richtung davon, sodass Louis nichts andere übrig blieb, als ihm zu folgen. Gwydion nickte ihm nochmals zu und ging dann mit wehendem Umhang in Richtung Eiche davon. „Was ist los, kommst du?“ fragte Harry, der sich schon einige Meter entfernt hatte und Louis schickte sich an, ihm zu folgen. „Hier gibt es einen See?“ fragte Louis neugierig, nachdem er Harry eingeholt hatte verwundert, denn er hatte in den letzten Tagen die Umgebung hier recht gut kennengelernt und bisher hatte er noch keinen See gesehen. „Er liegt ein wenig verborgen, aber wir baden im Sommer immer dort, um uns zu waschen. Ich wundere mich, dass dir noch Keiner den See gezeigt hat...wobei, wir waschen uns nicht so häufig.“ Das war völlig verständlich, denn sicherlich war es mit viel Aufwand verbunden, schließlich mussten die Klamotten noch trocknen und das dauerte seine Zeit. Harry führte Louis durch den Wald, eine Steigung hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Nach und nach wurde der Boden sumpfiger und irgendwann stieg Louis der frische Geruch von fließendem Wasser in die Nase. „Wir sind gleich da.“ sagte Harry  überflüssigerweise, denn Louis war sich sicher, dass der See nicht mehr weit sein konnte und tatsächlich standen sie wenig später am Rand eines kleinen Tümpels. Die Bäume ragten teilweise aus dem Wasser heraus und er war ziemlich zugewachsen. Der Wald hier war nicht mehr ganz so dicht und die Sonne heizte die Luft angenehm auf. Kleine Mücken flirrten über die Oberfläche und Wasserläufer huschten mit ihren langen Beinen über das Wasser. „So, da wären wir.“ sagte Harry breitete die Arme aus und machte eine ausladende Bewegung. „Schön hier.“ stellte Louis fest und trat ein wenig näher an den Rand, ging in die Hocke und hielt probeweise eine Hand ins Wasser. Es war ziemlich kalt, obwohl die Sonne das Wasser sicherlich eine ganze Weile erwärmt hatte und Louis fror jetzt schon, wenn er daran dachte, gleich mit dm ganzen Körper hineingehen zu müssen. „Wärmer wird es leider nicht. Ich bade schon lange hier und dieser Tümpel hat immer diese Temperatur.“ sagte Harry und grinste Louis an, während er seinen Umhang ablegte und sich das Oberteil über den Kopf zog. Schüchtern warf Louis Harry einen Blick zu und kniff die Lippen zusammen. Wollte der Lockenkopf etwa mit ins Wasser? Ein wenig nervös stand er wieder auf und seinen Umhang ebenfalls ab. Sollte er sich jetzt einfach ausziehen? Noch während Louis nachdachte, hatte Harry Stiefel und Hosen ausgezogen und kletterte ins Wasser. Er zog den Bauch ein und kniff die Augen zusammen, weil es so kalt war, fasste sich dann aber ein Herz und ging schnell in die Knie, bis er komplett unter Wasser war. Diese Gelegenheit nutzte Louis, um sich nun ebenfalls vollständig zu entkleiden und zum Ufer zu huschen. Harry tauchte wieder auf, als er bis zu den Knien im Wasser war und machte ein erstauntes Gesicht. Seine grünen Augen huschten von seinem Bauchnabel abwärts und sahen dann rasch woanders hin. „Es ist verdammt kalt.“ bemerkte Louis und hielt die Hände ins Wasser. An seinem Körper hatte sich eine Gänsehaut gebildet und er zitterte leicht. „Wenn man einmal drin ist, ist es weniger schlimm.“ sagte Harry und grinste: „Ich mache es dir einfacher.“ Er holte aus und spritzte eine Ladung Wasser in Louis Richtung, die ihn voll gegen den Bauch traf und ihn quietschend zurückspringen ließ. Dabei verlor er das Gleichgewicht und kippte seitlich ins Wasser. Harry lachte so laut, dass es sogar unter Wasser gut zu hören war und als Louis prustend wieder auftauchte, stieg er ins Gelächter mit ein. „Das sah ziemlich lustig aus.“ kicherte Harry und hielt Louis am Oberarm fest, damit er nicht nochmal umfiel. Das Wasser reichte ihm nur bis zum Bauchnabel, während Louis beinahe bis zur Brust dahin versank. „Siehst du, wenn man sich einmal überwunden hat, oder?“ fragte Harry, hob eine Hand aus dem Wasser und stupste Louis mit dem Zeigefinger gegen die Nasenspitze. „Nein, es ist wirklich nicht so schlimm, wie ich erwartet hätte. Besonders lange werde ich es hier drin trotzdem nicht aushalten.“ gab Louis zu und sein Blick wanderte über Harrys Körper. Bisher hatte er ihn immer nur in der Nacht gesehen ohne Kleidung zu Gesicht bekommen. Ihn jetzt bei Tageslicht zu sehen war etwas ganz Neues. Harry war schlank und muskulös, seine helle Haut besaß einige Muttermale und an der Seite, auf Höhe der Hüfte, war ein dunkler Bluterguss zu sehen, der leicht geschwollen aussah. „Ist das der Grund, weshalb du Gestern kurz das Gesicht verzogen hast?“ fragte Louis und berührte den Erguss vorsichtig mit der Fingerspitze. Harry sah hinab auf die verfärbte Stelle und sagte: „Ich hab mich sehr ungeschickt gestoßen, es tut aber kaum noch weh, also mach dir keine Gedanken.“ versicherte er Louis, der ihn besorgt angesehen hatte. Weil Louis darauf nichts mehr sagte, meinte Harry: „Und du solltest dich jetzt um dich selbst kümmern und mal komplett ins Wasser gehen, sonst wirst du nicht sauber.“ Louis wurde von Harry an den Schultern gepackt und kurzerhand unter Wasser gedrückt. Er versuchte sich zwar zu wehren, doch Harry war stärker. Bevor Louis allerdings die Luft ausging, zog er ihn wieder an die Oberfläche, lachte und schloss ihn in die Arme. „So, nass bist du schon mal, den Rest musst du selbst machen.“ Er watete zum Ufer, zog sich aufs Gras, hob Louis Kleidung auf und warf sie ihm zu: „Hier, das Blut solltest du rauswaschen.“ sagte er und warf Louis das Stoffbündel zu, dann legte er sich im Gras in die Sonne und lies sich trocknen. Mühsam wandte Louis den Blick ab und widmete sich seiner Kleidung, die er unter Wasser drückte und aneinander rieb, bis die Blutspuren beseitigt waren. Zwar war das Hemd noch immer nicht sauber, denn manche Flecken gingen einfach nicht mehr raus, doch immerhin sah er nicht mehr aus, als hätte er gerade einen Menschen getötet, wenn er die Kleidung trug. Louis wrang seine Sache aus, schob sie ans Ufer und kletterte dann ebenfalls aus dem Wasser. Die Wiese wurde nun komplett ins warme Sonnenlicht getaucht und Louis krabbelte neben Harry, der auf dem Rücken lag und die Augen geschlossen hatte. Kurz musterte er ihn und verfolgte die dunklen Härchen, die sich auf seiner Brust und in einer dünnen Linie vom Bauchnabel nach unten kräuselten, bis sie sich in einem weichen Durcheinander zwischen seinen Beinen sammelten. „Suchst du was?“ fragte Harry, hob die Augenbrauen und sah Louis mit schiefgelegtem Kopf an. Der senkte rasch den Blick: „Nein ich….“ - „Du hast mich angestarrt, das ist mir nicht entgangen, Louis. Ich hab dich ertappt.“ Harry hob die Hand und strich an Louis Arm hinauf und hinunter, lächelte und klopfte dann neben sich ins Gras. Louis verstand das als Aufforderung, sich neben ihn zu legen, breitete seine Kleidung in der Sonne aus und legte sich neben Harry ins kitzelnde Gras.  „Wo hast du denn diese Armschoner her?“ fragte der Lockenkopf irgendwann und hielt das Leder in die Luft. „Das sieht wirklich schön aus.“ - „Ed und Liam haben sie mir gemacht. Jetzt, wo ich Schießen gelernt habe, kann ich sie wirklich gut gebrauchen.“ antwortete Louis und betrachtete Harrys Gesicht. Ihm schienen die Schoner wirklich gut zu gefallen, denn er drehte sie in der Hand und sah sie sich genau an: „Das Muster haben sie gut gemacht. Wenn wir keine Geächteten wären, könnten sie solche Dinge auf dem Markt verkaufen, das wäre sicherlich gefragt. Meinst du, sie würden für mich auch so schöne Stücke anfertigen?“ Harry hielt Louis seinen Armschoner unter die Nase, der aus dunklem Leder war, das man mit Metallschnallen verschließen konnte. Es schien schon lange in Gebrauch zu sein, denn es war an den Rändern schon ganz weich und abgetragen. „Du kannst eines von mir haben. Wenn ich einen Schoner von dir bekomme.“ schlug Louis vor. Beim Gedanken, etwas von Harry bei sich zu haben, wenn sie mal wieder längere Zeit getrennt sein würden, pochte sein Herz nervös. Sicherlich würde Harry diesen Einfall kindisch finden und ablehnen, doch zu Louis Überraschung nickte er: „Natürlich. Gerne. Wenn mir dein Schoner passt, können wir das machen. Darf ich ihn anprobieren?“ Louis nickte und Harry schnallte sich das Leder um den nackten Unterarm. Er passte ganz gut und nachdem auch Louis Harrys Leder anprobiert hatte, tauschten sie die Stücke. Jeder trug nun einen Teil des anderen bei sich und das verursachte ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen ihnen, das Louis nicht erklären konnte. „Weißt du, was ich manchmal denke? Obwohl es wirklich unangebracht ist?“ fragte der Lockenkopf, zog Louis in seinen Arm und sah wieder hinauf in die Blätter über ihnen, die im leichten Wind des Sommers raschelten. „Ich bin wirklich dankbar
dafür, dass du diesen Apfel gestohlen hast. Und dafür gefoltert wurdest. Ich weiß, das klingt hart, denn eine Folter ist nichts Schönes, aber ohne sie wärst du nicht zu uns gekommen.“ Er sah zu Louis hinunter und sagte ernst: „Und dann hätte ich dich vielleicht niemals getroffen. Ist das nicht seltsam?“ Nein, Louis fand das ganz und gar nicht seltsam. Ihm waren auch schon mal die Gedanken gekommen, dass er Harry nie begegnet wäre, wenn er nicht so töricht gewesen wäre und diesen Apfel gestohlen hätte. Da konnte man dem Lieben Gott wirklich dankbar dafür sein, dass alles so gekommen war, denn sonst wäre er jetzt nicht hier. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte er nicht mehr an seine Familie gedacht und dabei Bedauern oder Schmerz verspürt. Die Merry Men waren jetzt sein Zuhause, seine Familie und Louis hatte endlich so etwas wie Brüder. „Ja, ich bin auch dankbar dafür, dass alles so gekommen ist.“ murmelte er und drehte sich auf die Seite, um Harry zu betrachten, der wieder die Augen geschlossen hatte und die Sonne genoss, summte leise vor sich hin und Louis sagte nichts, um die Stimmung nicht zu zerstören. Es tat gut, mit Harry so in der Sonne zu liegen und zum ersten Mal keinen Gedanken an etwas Negatives zu verschwenden. Er hatte zu Essen, war gesund und hatte Freund gefunden. Als sich dann Harrys kleiner Finger sich zögerlich um Louis´ schlang, war dieser Moment einfach perfekt und würde für Louis einer der Schönsten seines Lebens bleiben.

   
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