Der verlorene König

Ein Königreich, das seinen König verloren hat. Eine alte Geschichte von der Niemand im Land mehr sagen kann, ob sie wahr ist oder erfunden wurde. Ein Bauernjunge, elternlos und allein, des Diebstahls angeklagt, gefoltert und für vogelfrei erklärt. Ein wegloser Wald in dem sich eine Bande Vogelfreier versteckt, die auf der Suche nach dem verschwundenen König sind. Wenn ihr Louis auf ein mittelalterliches Abenteuer voller Verschwörungen, Wirren und Herzschmerz begleiten wollt, dann seid ihr hier ganz herzlich Willkommen.[Larry-AU]

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26. Bastelstunde mit den Merry Men

Das Reh war komplett zerlegt worden, als Harry und Louis zurück zur Eiche kamen. Buck und Draca hatten es in der Eiche über das Feuer gehängt, wo der aufsteigende Rauch es haltbar machen sollte. Einen Teil des Fleisches hatte man auf einen Spieß geschoben, der sich über den Flammen drehte und das heutige Abendessen für die Jungs sein würde. „Wer hat heute Nacht die Wache?“ fragte Cuthbert, nahm seinen Spieß vom Feuer und sah prüfend auf das Stück Fleisch, das er aufgespießt hatte. Ed hob die Hand und deutete auf sich und Liam. „Liam? Kannst du mit Waffen umgehen?“ fragte Zayn und klang nicht sonderlich überzeugt. Liam nickte und gestikulierte auf einen Bogen, der an der Wand lehnte und das schien Zayn überzeugt zu haben. Zusammen mit Ed und Liam hatte Nerian heute Nacht den Wachdienst und die Drei machten sich auf den Weg, nachdem sie ihre Portionen gegessen hatten. „Ziehst du bald wieder los?“ fragte Zayn Harry, der den Kopf schüttelte und dafür einen erstaunten Blick zurück bekam. „Nein. Ich werde mich erst im Herbst wieder auf die Suche machen. Seit einem Jahr bin ich auf der Suche und bisher habe ich nichts erreicht. Das ist wirklich bedrückend. Ich muss erst wieder Kraft und Mut schöpfen.“ - „Vielleicht kann uns dieser Prinz helfen, der gestern hier war. Er sagte, er würde seinen Vater fragen, ob er etwas über den Verbleib des Thronfolgers weiß.“ erzählte Buck und Harry nickte: „Ja, das hat mir Louis schon erzählt. Ich habe ihn gestern Nacht im Wald getroffen. Wir hätten einander beinahe getötet, weil wir uns nicht erkannt haben. Er hat sich wirklich gut geschlagen. Du hast ihm viel beigebracht Zayn.“ Der dunkelhaarige Merry Men grinste und deutete auf Draca: „Er hat auch mitgeholfen, der Verdienst geht nicht allein auf mich. Aber Louis hat sich auch wirklich sehr angestrengt. Ich glaube, er brauchte ein wenig Ablenkung und da hat ihm das Bogenschießen wirklich gut getan.“ Zayn und Harry sahen sich einen Moment an und Louis wurde das Gefühl nicht los, dass sich die Beiden nur mit Blicken verständigten. Sie kannten sich seit ihrer Kindheit, da war es eigentlich ganz normal, dass man nicht immer miteinander sprechen musste, um sich zu verstehen. Louis tat zwar so, als würde er dem keine Beachtung schenken, doch ihm entging die vielsagend hochgezogene Augenbraue Zayns nicht, die begleitet wurde von einem schiefen Grinsen, was bei Harry ein nervöses Hüsteln auslöste. „Ablenkung? Wie meinst du das, Zayn?“ fragte Flint neugierig. „Hast du keine Augen im Kopf Feuerteufel?“ fragte Zayn, sagte glücklicherweise aber nichts mehr dazu, worüber Louis sehr froh war. Flint fragte nicht weiter nach, stattdessen fiel sein Blick auf die Pfeile, die Liam und Ed im Laufe des Tages mit Federn versehen hatten. Es waren noch keine Spitzen an den Hölzern angebracht worden, doch sie lagen schon in einem Lederbeutel bereit. „Hier, ich habe uns Arbeit gefunden.“ sagte er und reichte die Pfeile und Spitzen herum.
Noch nie zuvor hatte Louis einen Pfeil gebaut. Zwar hatte Harry ihm schon gezeigt, welches Holz sich am Besten für den Bau der Pfeile eigneten, doch darüber hinaus waren sie nicht gekommen und so musterte Louis die kleinen, flachen Metallspitzen in seiner Hand ein wenig ratlos. „Iss erst einmal etwas, dann kann ich dir zeigen, wie du das zusammen baust.“ bot ihm Flint seine Hilfe an und Louis kam darauf zurück, als er sein Fleisch fertig gebraten und verzehrt hatte.

Im Schein der Flammen saßen sie alle auf dem Erdboden und klebten mit Harz, das man über dem Feuer warm machen konnte, sodass es flüssig wie Honig wurde, die Metallspitzen in das Holz. Dafür wurden eine kleine Kerbe in den Pfeil geschnitten, sodass die Spitze gut hielt. Anschließend verband man alles noch mit Lederbändern oder Flachsfasern.
Für seinen ersten Pfeil brauchte Louis lange. Flint hatte in der Zeit drei Pfeile zusammengebaut. „Soll ich dir zur Hand gehen? Brauchst du Hilfe?“ fragte Harry leise, doch Louis wollte das allein schaffen und schüttelte den Kopf, während er mit den Zähnen seine Unterlippe bearbeitete. „Ihr habt eure Armschoner vertauscht.“ bemerkte Draca plötzlich und deutete amüsiert auf die ledernen Unterarmschoner, die Harry und Louis trugen. Louis hob den Kopf und sah Draca an: was sollte er darauf nur antworten? Doch bevor er sich darüber Gedanken hatte machen können, war Harry eingesprungen und sagte ganz locker: „Mir haben die Neuen von Louis so gut gefallen, dass wir eine ausgetauscht haben.“ Der Blick, den Harry Draca dabei zuwarf, war vielsagend und bedeutete soviel wie: „Frag´ jetzt bloß nicht weiter.“ - „Gibt es schon Nachricht von Prinz Niall?“ fragte Cuthbert den Druiden, der abwesend in die Flammen des Feuers starrte und dabei frisch gepflückte Kräuter zerrupfte. Gwydion hob den Kopf und blinzelte Cuthbert kurz abwesend an, denn offenbar war er ganz versunken in seine Arbeit gewesen, dann antwortete er: „Ich denke nicht, dass er schon angekommen ist. Sicherlich wird er zwei ganze Tage lang unterwegs sein und dann muss er erst einmal seinen Vater und Großvater fragen. Nein, ich denke, dass wir erst in einigen Tagen von Prinz Niall eine Nachricht bekommen werden und das auch nur, wenn er überhaupt etwas herausfinden sollte. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als uns in Geduld zu üben.“ Er widmete sich wieder den Kräutern, sortierte die Blüten aus, bevor er die Blätter dann in ein Tuch wickelte, das er in einen kleinen Tonkrug legte, das am Feuer stand.

Louis schnürte das Lederband fest, nachdem er es geschafft hatte, die Pfeilspitze zu befestigen und reichte den fertigen Pfeil dann Buck, der ihm auf einen Haufen mit anderen Pfeilen legte. „Wir sollten uns morgen nochmals die Zeit nehmen, uns im Zweikampf zu üben. Wenn Prinz Niall etwas über den Thronfolger herausfinden sollte, dann steht uns sicherlich ein Kampf in naher Zukunft bevor.“ sagte Zayn und alle anderen sahen von ihrer Arbeit auf. „Wieso sollte uns dann ein Kampf bevorstehen?“ Veland sah ein wenig ratlos aus, doch Harry antwortete ihm sofort: „Sollte Prinz Niall einen Hinweis aus den Thornfolger haben und wir ihn finden, dann wird er Gefolgsmänner brauchen, die ihn unterstützen und ihm beistehen. Allein wird er die Macht nicht zurück erkämpfen können. Und wer weiß, vielleicht bestärkt es ihn ja in seiner Entscheidung, wenn er weiß, dass wir ihm helfen können.“ Gwydion nickte beipflichtend und sah Harry an, als sei er stolz auf dessen Worte. Dann sagte er: „Ihr dürft aber nicht vergessen, dass es für den Thronfolger sicherlich ein großer Schock sein wird, wenn er erfährt, wer er ist. Solch eine Nachricht zu verdauen braucht Zeit und die müsst ihr ihm geben. Ansonsten kann dieses ganzes Unternehmen ganz schnell nicht mehr umsetzbar sein. Also übt das Kämpfen, aber seid nicht allzu euphorisch und übereilt nichts, sollte der Thronerbe erst einmal gefunden sein.“ Gwydion blickte in die Runde der Jungs, die alle aufgehört hatten, an ihren Pfeilen zu arbeiten und ihn anstarrten. Zayn war der Erste, der sich dem Bann der Worte des Druiden entriss, indem er sagte: „Das sollte trotzdem keine Entschuldigung dafür sein, den Zweikampf nicht zu üben.“

Wie so sein Zweikampftraining wohl aussah? Louis grübelte noch darüber nach, als sie wieder auf der Plattform lagen. Harry war bereits eingeschlafen. Er lag eng an Louis gekuschelt und atmete gleichmäßig. Sicherlich waren die anderen Jungs schon richtig erfahren und beherrschten die Kampftechniken gut und er würde der Einzige sein, der nicht sonderlich viel konnte und sich bestimmt blamierte. Seufzend drehte sich Louis auf die Seite und zuckte zusammen, als er sah, dass Harry ihn mit offenen Augen anblickte. „Harry! Du meine Güte, erschrecke mich doch nicht so, ich hab gedacht, du würdest schlafen.“ zischte Louis und hoffte, sein Herz würde sich gleich wieder beruhigen, das gerade wie wild schlug. „Verzeih mir, aber du hast so viel gedacht, dass ich deine Gedanken schon beinahe hören konnte. Was geht dir im Kopf herum, Louis?“ fragte Harry ruhig und setzte sich auf, ohne Louis dabei aus den Augen zu lassen. „Ach, ich habe mir nur ausgemalt, wie es wohl werden wird, wenn wir alle morgen gemeinsam trainieren. Bestimmt werde ich ganz schlecht sein.“ Harry schüttelte den Kopf und sah ihn an, als könne er nicht glauben, was Louis gerade gesagt hatte. „So ein Unsinn. Wieso solltest du das denn sein?“ Er schien seine Meinung so gar nicht zu teilen, was Louis innehalten und nachdenken ließ. War er vielleicht gar nicht so schlecht, wie er glaubte, es zu sein? Er schwieg, doch Harry schien eine Antwort zu erwarten und stupste ihn an: „Hallo, bist du gedanklich noch bei mir? Also sag schon, wieso solltest du schlecht sein?“ Louis seufzte und zuppelte nervös an der Decke herum, die über ihnen beiden lag. Harry griff nach seiner Hand, hielt sie fest und ihn so davon ab, die Decke kaputt zu machen. „Ich habe doch mit Sicherheit ganz wenig Erfahrung beim Kämpfen.“ murmelte er leise und senkte den Blick, weil er die Traurigkeit in Harrys Augen nicht sehen wollte. „Louis, wir kämpfen vielleicht schon ein wenig länger mit Schwertern, als du, aber wir sind alle ziemlich aus der Übung, weil wir wirklich fast ausschließlich mit Pfeil und Bogen hantiert.“ Auf den vollen Lippen Harrys breitete sich ein schiefes Grinsen aus und er sagte: „Glaub mir, dass sich morgen sicherlich einige von uns ziemlich doof anstellen werden. Zayn hat nicht umsonst das Training angesprochen.“ „Glaubst du wirklich, oder sagst du das jetzt nur, um mir ein wenig die Sorgen zu nehmen?“ Louis schob die Unterlippe vor und seufzte noch immer mutlos. „Och Louis, glaub mir einfach. Du wirst morgen schon sehen, dass ich die Wahrheit gesagt habe.“ seufzte Harry und jammerte dabei fast schon. Er schlang die Arme um ihn und zog ihn zurück auf die Plattform: „Jetzt hör auf nachzudenken, ich bitte dich. Sonst kann ich nicht schlafen, wenn ich deinen Kopf neben mir arbeiten hören kann.“ nuschelte Harry und drückte sein Gesicht an Louis Hals, rieb seine Nase an der empfindlichen Haut dort und schnurrte leise und beruhigend vor sich hin. Das Schnurren sorgte tatsächlich dafür, dass Louis sich weniger Gedanken machte und sich langsam entspannen konnte. Er lauschte Harrys Atem, dem Rascheln der Blätter und dem Wind, der heute ein wenig stärker als bisher durch den Wald fegte. Louis glaubte sogar einige Regentropfen zu spüren, die ihm aufs Gesicht geweht wurden. „Harry?“ flüsterte er und bekam ein Brummen als Antwort. „Wo schlafen wir eigentlich, wenn es regnet?“ - „In der Eiche und der Lagerhöhle, die ich dir gezeigt habe. Wir verteilen uns dann immer. Meist hält das Blätterdach viel Regen ab und wir werden erst richtig nass, wenn es wirklich schüttet, wie aus Eimern, also mach dir keine Gedanken. Die paar Regentropfen sind noch nicht sonderlich schlimm.“ erklärte ihm der Lockenkopf und klang so, als würden ihn die Tropfen gar nicht beunruhigen.

Der befürchtete Regen blieb zum Glück aus und außer wenigen, kalten Tröpfchen, bekamen sie nichts ab. Louis schlief recht gut in dieser Nacht. Dass Harry hinter ihm lag und ihm seine Arme um den Körper geschlungen hatte, half Louis dabei, sich zu entspannen und als er aufwachte, fühlte er sich erholt und deutlich mutiger, was das Nahkampftraining anging.  

Es war kühl, als sie alle gemeinsam vor der Eiche standen und Cuthbert mit einigen echten Schwertern und einigen aus Holz, aus dem Baum kam. Er drückte jedem ein Schwert in die Hand und Zayn teilte sie alle in Gruppen ein. „Jeder versucht, seinem Gegner das Schwert aus der Hand zu schlagen und sich selbst natürlich davor zu schützen. Los!“ Louis war Liam zugeteilt worden, der von der Nachtwache noch ziemlich müde schien und mehrmals gähnte. Sie stellten sich in gutem Abstand zueinander auf und fingen an. Liam war wirklich gut und Louis musste sich ziemlich anstrengen, um seine Angriffe abwehren zu können. Obwohl sie mit Holzschwertern hantierten, war es ganz schön anstrengend und Louis ziemlich schnell außer Atem. Es gelang ihm, Liam abzuwehren und versuchte dann, ihn ebenfalls anzugreifen, doch der war wendig und schaffte es, Louis ständig auszuweichen.    
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