Gefährliche Liebe

Lilian beginnt einen neuen Lebensabschnitt an einer umstrittenen Schule als neue Vertrauenslehrerin. Dabei trifft sie gleich auf den Problemschüler Chris, der ihr mächtig den Kopf verdreht.

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Kapitel 1

 

Das war er nun, mein persönlicher Neuanfang. Es fühlte sich gewagt und aufregend an, als würde ich vor Freude explodieren.

Stattdessen wusste ich, dass ich ein ganz anderes Gefühl in mir beherbergte. Verzweiflung, Unsicherheit, Sehnsucht waren eher die Synonyme für das, was in mir existierte. Obwohl es meine eigene Entscheidung war, meine Heimatstadt zu verlassen, konnte ich immer noch nicht glauben, es wirklich getan zu haben.

Weit weg von meiner Familie, weit weg von meinen lieben Freunden würde es mir wahrscheinlich schwer fallen, aber ich wollte meinem Neuanfang eine Chance geben.

Ich war achtundzwanzig Jahre alt und meine berufliche Karriere würde endlich, auch ohne Hilfe meines einflussreichen Vaters, beginnen. Er war ganz und gar nicht glücklich, dass ich in eine riesige Metropole ziehen würde, um in einer umstrittenen Ganztagsschule als Vertretungslehrerin zu arbeiten. Er musste sich damit arrangieren, sonst würde ich auch einen Schlussstrich unter ihn ziehen müssen. Natürlich konnte ich mir immer wieder anhören, wie viel ich ihm und Mom zu verdanken hatte, aber ganz ehrlich, konnte ich die Bilderbuchgeschichte einer glücklichen Familie nicht mehr ertragen. Er war erfolgreicher Architekt und Mom eine wunderbare Chefärztin auf der Kinderstation. Was meine Mutter an Empathie zu viel hatte, hatte mein Vater zu wenig. Ich wuchs in einer dieser Stadtvillen auf, die man in jedem Hollywoodfilm zu Gesicht bekam. Garten an Garten mit den reichsten Leuten unserer überschaubaren Stadt. Mit zehn Jahren kam ich auf ein Internat. Dort war ich bis zu meinem neunzehnten Geburtstag zusammen mit all den hochnäsigen Kindern, die den goldenen Löffel bevorzugten.  Am Wochenende fuhr ich stets nach Hause. Meine Mom erwartete mich immer sehnsüchtig, während mein Vater mit Abwesenheit glänzte. Die einzige Freundin, die ich zu Hause hatte, war Bella. Sie war mir über all die Jahre eine große Stütze.

Auf dem Internat lernte ich einige nette Freunde kennen. Wir hielten ab der Oberstufe zusammen, während die partywütenden Teenager jede Woche andere Freunde hatten. Als ich mein Abitur, mit gutem Abschluss meiner Meinung nach, absolviert hatte, war ich schon längst dank Vaters Kontakten auf der besten Universität des Landes angemeldet. Ohne Durchatmen zu können, begann ich mein Studium. Das einzig Gute daran war, dass Vater mich wenigstens einmal im Leben gefragt hatte, was ich wollte. Als Vater dann allerdings noch all seine Energie in eine Beziehung für mich steckte, wäre ich vor Wut fast gestorben. Dann stellte sich jedoch heraus, dass Alec ein sehr netter Typ war. Wir freundeten uns an und aus uns wurde tatsächlich, zur Freude meines Vaters, ein Paar. Wir hatten viele Jahre unterschiedliche Freundeskreise, aber dennoch funktionierte es. Vielleicht auch gerade deswegen. Schlussendlich bekam ich zum Ende meines Studiums mit, wie er mich betrog. Während Vater der Meinung war, ich sollte ihm verzeihen, fand ich heraus, dass er mich schon seit zwei Jahren mit verschiedenen Frauen betrog.

Einige Wochen verkroch ich mich in meinem WG-Zimmer und lernte wie eine Verrückte. Mein Abschluss fiel aus diesem Grund um einiges besser aus. Mein Selbstbewusstsein krachte hingegen auf einen weiteren Tiefstwert.

Dann endlich stand für mich fest, dass ich mein Leben selbst in die Hand nehmen musste. Ich war längst volljährig und hatte einen tollen Uni-Abschluss, also konnte ich nun selbst entscheiden, wohin ich Bewerbungen schreiben wollte. Obwohl ich meiner Mutter das Herz brach und die Zusage der Ganztagsschule „Alfred und Theodor Pettersson“ annahm, fühle ich die richtige Entscheidung in meinem Herzen. Solange hatte ich darauf warten müssen: eigene Wohnung, eigenes Geld, eigenes Leben, eigene Entscheidungen.

Ich würde meine Mutter, meine Freunde und auch meine Heimat vermissen, aber ich musste jetzt stark sein und durchhalten. Es brachte nichts, verzweifelt und unsicher zu sein, weil ich vor neuen Herausforderungen stand. Ich brauchte ein selbstbewusstes Auftreten, sodass mein erster Arbeitstag ein voller Erfolg werden würde.

Bis dahin blieb mir nur noch ein Tag. Ein Tag, den ich nutzen würde, um meine neue Wohnung einzurichten. Ich hatte mir Mühe gegeben Vaters Geld komplett in die Wohnung zu stecken. Als ich den Hefter meines Bausparvertrages nach Beendigung des Studiums öffnete, war ich komplett überrumpelt von der Summe gewesen. Verwöhnte Tochter, schoss es mir durch den Kopf. Doch ich war anders, das wusste ich. Jetzt, wo sein Geld mit einem Schlag ausgegeben war, verdiente ich mein eigenes Geld.

Ich kaufte mir diese noble Wohnung mitten in der Stadt mit einer riesigen Dachterrasse und beauftragte einen Innenarchitekten alles genau so vorzubereiten, wie ich es mochte. Ich schickte ihm Ideen von Tapeten, Möbeln und Accessoires. In dieser Beschäftigung blühte ich auf. Als ich dann meinen ersten Schritt in die Wohnung setzte, war ich so begeistert, dass ich anfing zu weinen und zu schreien. Ich umarmte sogar den Innenarchitekten, den ich zuvor erst einmal gesehen hatte. Er schien ebenfalls zufrieden mit seiner Arbeit. Sogar einen Gärtner für die Terrasse hatte er organisiert. Der Mann war sein Geld und ein fettes Trinkgeld wert.

Im Eingangsbereich der 250 m² großen Wohnung befand sich hinter dem länglichen Flur und der Treppe die offene Küche, die völlig weiß und hochmodern war.

Gerade gegenüber war der Wohnbereich mit großen schwarzen Fenstern, durch die man die Skyline der Stadt bestens im Blick hatte. Das große L-Sofa mit den roten Kissen und den roten Sesseln stand umrandet mit einigen Zimmerpflanzen an der Wand.  Der Fernseher war in die Wand eingebaut worden, ließ sich jedoch in verschiedene Richtungen herausfahren.

Der Essbereich zwischen dem Wohnbereich und dem Gästezimmer besaß einen schwarzen Flügel. Genauso atemberaubend war das riesige Gästezimmer mit eigenem Badezimmer und kleiner Kochnische.

Daneben gab es ein kleines Zimmer, welches ich als Arbeitszimmer nutzen würde. Es war ebenfalls in grau und weiß gestaltet mit einigen hellgrünen Akzenten.

In der zweiten Etage befanden sich das Schlafzimmer mit Kamin und Ausblick auf Terrasse,  das riesige Badezimmer mit einer Whirlpoolbadewanne und ein weiterer Wohnbereich mit Zugang zur Terrasse.

Ich war verliebt in meine erste eigene Wohnung. Auch verliebt war ich in Zurtanic City. Nie zuvor war ich in der 900 km entfernten Stadt. Jetzt war sie mein Zuhause und wollte erkundet werden. Ganz in der Nähe war der große Seepark, der perfekt zum Joggen war. Ich wusste schon jetzt, dass dieser Park mein liebster Aufenthaltsort, natürlich neben meiner Wohnung, werde würde. Zurtanic City war die Hauptstadt und mit rund 10 Millionen Einwohner auch die größte unseres Landes. Ich erinnere mich nur zu gern an Vaters Gesicht, als ich ihm die Zusage der Ganztagsschule zeigte.

Du wirst dort nie glücklich werden, hast du eine Ahnung, welchen Ruf diese Schule in der ganzen Stadt hat?

Natürlich hatte er wie immer Recht, denn der Ruf war ganz und gar nicht nach seinem Geschmack. Das machte es für mich allerdings umso interessanter. Abgesehen davon gab es in unserer Hauptstadt nicht nur diese eine Schule, ich konnte mich jederzeit versetzen lassen. Das beruhigte mich.

Während die Umzugshelfer die Kartons in meine Wohnung schleppten, schnappte ich mir meine Sportsachen und joggte im Park um den See. Die Natur war atemberaubend. Die großen Bäume waren dicht an dicht und niemand würde ahnen, dass sich dahinter eine Weltstadt verbarg.

Es war Ende Juni und furchtbar heiß, obwohl es gerade einmal vormittags war. Als ich völlig verschwitzt die Treppe zu meiner Wohnung hinauflief, trugen die Männer gerade den letzten Karton nach oben. Ich unterschrieb ganz schnell und bedankte mich bei ihnen. Die Tür fiel zu und ich war allein. Allein in meiner riesigen Wohnung. Ob ich nicht doch einsam hier sein würde? Bella müsste hier sein, dachte ich mir.

Ich würde sie höchstens zu Weihnachten wiedersehen und das machte mich traurig.

Ich lief nach oben ins Badezimmer, schmiss meine Joggingklamotten in die Waschmaschine und duschte mich kalt ab. Aus meinem Koffer zog ich eine kurze Hose und ein kurzes Top, dann machte ich mich an die Arbeit und öffnete den ersten Karton. 

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