Die Wölfe ~Patenblut~

"Mafia, Drogen, Auftragsmorde, du und ich, gegen den Rest der Welt. Das habe ich in Italien wahrlich nicht vermisst, aber New York ist mein Revier und wenn ich nicht darum kämpfe, wer dann?"

Enrico stürzt sich mit seinem Leibwächter Antonio in einen scheinbar aussichtslosen Kampf gegen den Clan der Red Dragons, um den Einfluss seiner Familie wieder herzustellen. Dabei verbindet die beiden Männer mehr als nur ein gemeinsamer Feind. Ihre heimlich Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, als Antonio Enrico verrät und ein Spiel auf Leben und Tod beginnt.

0Likes
0Kommentare
38Views
AA

5. 4. Kapitel ~Der Pate~

 

„Enrico, ich halte das für keine gute Idee!“, ermahnt mich Toni zum gefühlt hundertsten Mal. Genervt halte ich an und sehe ihm eindringlich in die Augen. „Es geht aber nicht anders. Das hier ist Aarons Gebiet. Wir können nicht ohne Erlaubnis des Paten agieren.“

„Aber er arbeitet inzwischen mit den Drachen zusammen. Wenn er erfährt, dass du am Leben bist, weiß es bald auch Michael. Ich kann dich dann nicht mehr schützen.“

„Toni, wir sind hier noch nie sicher gewesen. Gewöhnen wir uns besser gar nicht erst daran“, halte ich dagegen und gehe an ihm vorbei. Toni packt meinen Arm und stoppt mich.

„Dann lass mich wenigstens erst mal allein mit Aaron sprechen.“ 

„Was soll das bringen?“

„Das ich erst mal ein paar Dinge klären kann, bevor ich dich in die Höhle des Löwen rennen lasse.“ Toni stellt sich mir in den Weg und packt auch noch meinen anderen Arm. Seine smaragdgrüne Augen suchen meinen Blick. Ich atme schwer durch.

„Na schön und was mach ich in der Zwischenzeit?“

„Hier warten!“, weist er mich streng an und geht den restlichen Weg bis zum eisernen Tor, ohne mich. 

Ich stopfe die Hände in meine Hosentasche und lehne mich an die Stäbe des Zauns.

 

...~*~...

 

Antonio sieht noch einmal über die Schulter zurück. Enrico hat tatsächlich mal nachgegeben. Hoffentlich bleibt er dem Grundstück des Paten wirklich fern. Wenn nur die dämlichen Wachhunde nicht währen. Laut kläffend springen die beiden Dobermänner gegen das Gitter ihres Zwingers und rennen aufgebracht darin umher. Ihr Gebell ist laut und voller Freude. Sie haben Enrico längst erkannt und wenn sie könnten, würden sie ihm bereits in die Arme springen und seine Taschen, auf der Suche nach Hotdogs, durchwühlen. Ein Glück hat Aaron sie heute weggesperrt. Antonio drückt den roten Knopf der Gegensprechanlage. Eine gebrechliche Stimme meldet sich: „Ja, bitte?“

„Jester, ist Aaron zu Hause? Ich muss was dringendes mit ihm besprechen.“

„Antonio! Gott sei Dank. Komm rein!“ Irritiert betrachtet Antonio den Lautsprecher. Das klingt ja mal gar nicht gut. Ein leises Klicken ertönt, das Tor springt auf. Antonio betritt das Grundstück. Er folgt dem weißen Kiesweg hinauf zum Anwesen. Die prunkvolle Villa, ist hell erleuchtet, die Stimme des Paten ist schon von weitem zu hören: „Was soll das heißen, Antonio ist wieder in New York? Ich habe ihn mit den Kindern nach Italien geschickt!“

„Glaubst du, das weiß ich nicht? Der Idiot hat die Kinder nicht mal wieder mitgebracht“, hält die Stimme einer Frau dagegen. 

Na toll! Judy ist auch hier? Warum erzählen sie es nicht gleich der ganzen Stadt, das Enrico wieder da ist. Wenn Judy es erfährt, ist es ohnehin nur noch eine Frage der Zeit. Seufzend erklimmt Antonio die wenigen Stufen und bleibt vor der Haustür stehen. Einen letzten, prüfenden Blick wirft er zurück. Enrico lehnt noch immer am Zaun und wartet geduldig. Antonio atmet noch einmal tief durch, dann will er anklopfen, doch die Tür wird bereits für ihn geöffnet.  

Ein alter Mann, mit gebeugtem Rücken steht im Türrahmen. Tiefe Sorgenfalten liegen im Gesicht des Butlers. Er sagt nichts, tritt lediglich bei Seite und lädt ihn, mit einer ausfallenden Handbewegung dazu ein, einzutreten. Antonio kommt der Aufforderung nach und sieht sich im selben Moment dem Paten gegenüber. Der stattliche alte Herr, mit den am Ansatz ergrauten Haaren, sieht ihn finster unter seinen buschigen Augenbrauen heraus an. 

„Was machst du hier?“, will er schroff wissen, „Ich habe dir doch klare Anweisungen erteilt!“ 

Neben dem Paten steht seine Tochter. Judy hat die Hände in die Seite gestemmt und schaut genau so wütend, wie ihr Vater. 

„Darf ich es erklären, bevor ihr mich beide lyncht?“, fragt Antonio gerade heraus. Der Pate verschränkt die Arme, während Judy mit dem Fuß auf dem Boden trippelt. 

„Fang an! Ich warte!“, mault Aaron. 

„Nicht hier im Flur. Können wir in den Salon gehen?“ Bei den Informationen, die Antonio hat, ist es sicher besser, wenn alle beteiligten sitzen. 

„Gut, aber mache es kurz. Ich bin wirklich in mieser Stimmung.“ Gemeinsam folgen sie dem langen Flur, bis in eine geräumige Halle erreichen. Von ihr führt eine große Treppe in den ersten Stock. Sie teilt sich in der Mitte nach rechts und links. Aaron führt sie an der Treppe vorbei, zum hintersten Raum im Haus. Als er die Tür öffnet, kommt ihnen wohlige Wärme entgegen. Ein knisterndes Feuer lodert im Kamin. Aaron geht um einen Sessel und das Sofa herum zum Globus. Er öffnet die ober Hälfte und nimmt sich ein Glas und eine Karaffe mit Scotch. Er füllt es und kippt sich den Drink in einem Zug in die Kehle. Klangvoll atmet er durch und schenkt sich noch einen ein. 

„Setzt euch besser“, schlägt Antonio vor. Nur widerwillig lässt sich Aaron in dem Sessel nieder, der dem Kamin am nächsten ist. Judy nimmt auf dem Sofa platz. Sie faltet ihr Kleid unter die Knie und schaut auffordernd. 

„Ich will meine Kinder wiederhaben Bandel. Es gnade dir Gott, wenn ihnen etwas passiert!“, schimpft sie. Antonio erwidert nichts, er setzt sich in den freien Sessel, Aaron direkt gegenüber und faltet die Hände ineinander. Auf die Knöchel legt er sein Kinn und atmet hörbar durch. Nur zögernd wagt er zu berichten: „Eliano ist tot.“ 

Dem Paten schläft das Gesicht ein, das Glas in seiner Hand, lässt er auf die Lehne des Sessels sinken. Kein Wunder, bei dem genannten, handelt es sich immerhin um seinen Bruder und auch wenn die Beiden kein besonders gutes Verhältnis hatten, muss ihn diese Nachricht treffen. Aaron holt Luft, um etwas zu sagen, doch Antonio spricht schnell weiter. 

„Er war es schon, als ich mit den Kindern in Italien ankam.“

„Aber er sollte euch doch am Flughafen abholen“, gelingt es Aaron zu sagen.

„Uns wollte jemand abholen … aber Eliano war es nicht“, berichtet Antonio finster.

„Aber wie konntest du das wissen? Vater hat dir doch gar kein Bild seines Bruder zeigen können“, will Judy wissen. Die selbe Frage legt sich auch in Aarons Gesicht.

„Bei meinem ersten Besuch in Italien, war ich einmal bei ihm zu Gast“, gibt Antonio nur ungern zu. Weitere Fragen legen sich in die Gesichter seiner Zuhörer. 

„Das alles ist eine verdammt lange Geschichte und sie wird euch nicht gefallen“, warnt er sie vor.

„Ich habe Zeit!“, meint Aaron düster. 

Antonio seufzt ergeben, dann beginnt er zu erzählen: „Als ich mit den Kindern am Flughafen ankam, wartete dort schon ein ziemlich zwielichtiger Typ auf uns. Da du mir gesagt hast, dass uns Eliano abholen würde, war mir gleich klar, dass da irgendwas schief gelaufen sein muss. Ich habe mir die Kinder geschnappt und bin auf eigene Faust losgezogen. Wir sind zwei Wochen auf der Flucht gewesen, bis wir diese Typen endlich abschütteln konnten und das ganz ohne Geld und Italienischkenntnisse. Das war schon ganz schön heftig.“ Sorge legt sich in den Blick des Paten und auch Judy ist ihr Unbehagen anzusehen. 

„Keine Sorge, die Kinder habe ich durchgebracht.“

„Wo sind sie jetzt?“, fordert Aaron zu wissen. 

„Ich habe sie zu Robin gebracht. Sie sind noch bei ihr.“ Die zweit älteste Tochter des Paten, bewohnt ein Haus an der Küste Italiens. Enricos beide Kinder und Antonios Tochter sind noch immer bei ihr. 

Die Gesichtszüge Aarons entspannen sich unmerklich. 

„Robin lebt?“, will er wissen. Antonio nickt flüchtig. 

„Wir haben ewig nach ihr gesucht!“, fällt Judy ihnen ins Wort.

„Sie ist nach dem Überfall vor fünf Jahren einfach verschwunden. Ich habe seit dem nichts mehr von ihr gehört.“

„Sie hatte einen guten Grund, unter zu tauchen“, sagt Antonio knapp.

Das Kläffen der Wachhunde im Garten wird immer lauter. Es ist selbst durch die geschlossene Verandatür hindurch zu hören. Antonio wirft einen flüchtigen Blick zum Zwinger. Scotch und Brandy graben abwechselnd an einem Loch nahe den Gitterstäben. Aaron folgt seinem Blick. 

„Was haben die blöden Tölen heute nur“, murmelt er in sich hinein, doch nur all zu schnell, richtet er seine Aufmerksamkeit wieder auf Antonio. 

„Na schön, die Kinder zu Robin zu bringen, war ein guter Schachzug, aber meine Anweisung war doch wohl mehr als deutlich. Du solltest bei ihnen bleiben und sie schützen, bis ich hier alles geregelt habe und sie hier wieder sicher sind.“

„So, wie du geregelt hast, dass wir am Flughafen abgeholt werden und eine Unterkunft und Verpflegung haben?“

Der Blick des Paten wird warnend. 

„Du vergreifst dich im Ton.“

„Ist mir egal! Ich habe mich mit drei Kindern quer durch die Wälder Italiens gekämpft und dabei zwei üble Mördern im Nacken gehabt. Auf dein Wort gebe ich gerade herzlich wenig.“

„Aber wieso bist du hier, wenn deine Tochter und meine Kinder noch in Italien sind?“, fordert Judy zu wissen. 

„Weil wir die Sache von hier aus regeln werden!“, erwidert Antonio leichtfertig.

„Wir?“, fragt Aaron sofort. Ihr Gespräch wird von fröhlichem Hundegebell unterbrochen. Scotch und Brandy ist es gelungen, sich aus ihrem Zwinger zu befreien. Währen Scotch in wilder Flucht davon wetzt, zwängt sich Brandy gerade durch das gegrabene Loch. Entsetzt erhebt Aaron sich aus seinem Sessel und sieht den Hunden nach. Auch Judy richtet ihren Blick nun in den Garten. Nur Antonio sieht zur Seite weg und murmelt in sich hinein: „Diese verdammten Hunde.“ 

Der Blick des Paten richtet sich unheilvoll auf ihn. 

„Antonio! Was hat das zu bedeuten?“

„Nun“, Antonio knirscht mit den Zähnen und steht auf, „Ich bin nicht allein aus Italien zurück gekommen. Ich habe jemanden dort gefunden, der uns vielleicht bei unserem Drachenproblem helfen kann.“ Aaron sieht ihn fragend an und auch Judys Blick ist ratlos. Es ihnen mit Worten zu erklären wäre sinnlos. Sie werden es nur glauben, wenn sie ihn mit eigenen Augen sehen. Antonio geht zur Verandatür und öffnet sie. Gefolgt von den Blicken des Paten und Judy tritt er ins Freie und sieht zum Zaun. Als die Beiden ihm folgen, schauen auch sie in diese Richtung.

 

Enrico lehnt noch immer am Zaun, während die Hunde aufgeregt hinter ihm hin und her laufen. Sie bellen ihn an und stupsen ihn mit den Schnauzen in den Rücken. Vergeblich versucht Enrico sie mit der Hand weg zu schieben, sie geben keine Ruhe. Schließlich dreht er sich zu den Beiden um. Freudig bellend, stecken sie ihre Köpfe zwischen die Stäbe des Zauns und lassen sich ausgiebig von ihm streicheln. Das die beiden Dobermänner, scharfe Wachhunde sind, die jeden Eindringling in Stücke reisen, sieht man ihnen nicht mehr an. Sie lassen sich ins Gras fallen und rollen sich auf den Rücken. Während sie sich hin und her wälzen, präsentieren sie Enrico ihren hellen Bauch und lassen sich ausgiebig kraulen. Immer wieder schubsen sie sich dabei gegenseitig weg, um den Streicheleinheiten am nächsten zu sein.

„Die Entscheidung, die Kinder in Italien zu lassen, war nicht mein, sonder sein!“, erklärt Antonio schließlich.

Melde dich bei Movellas anFinde heraus worüber alle reden. Registriere dich jetzt bei Movellas und teile deine Kreativität und deine Passion
Lade ...