Die Wölfe ~Patenmörder~

Der 15-jährige Enrico, lernt im Central Park, einen seltsamen Jungen kennen. Der schüchterne Antonio, gefällt ihm, also freundet er sich mit ihm an. Er ahnt ja auch nicht, in welch dunkle Machenschaften der Kerl verstrickt ist, bis er ihm neugierig auf das Dach eines Hochhauses folgt. Den Mord, denn er dort oben mit ansehen muss, bringt die beiden Freunde in Lebensgefahr und zwingt Enrico in ein Leben zwischen Bandenkrieg, Drogen und Mord.

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6. 6. Kapitel ~Hotdogs~

Ob er wirklich hingehen soll? Antonio hat nur Enrico auf dem Platz erwartet, dass dieser von Freunden gesprochen hat, hat er am Morgen gekonnt überhört. Diese Kerle, die mit dem Blonden Körbe werfen, sind alle viel älter als er. Für gewöhnlich duldeten diese Jungen keine jüngeren Kinder auf dem Platz. Schon eine geschlagene halbe Stunde, steht er in sicherer Entfernung und beobachtet den Basketballplatz. 
Den ganzen Tag hat er sich darauf gefreut, seinen neuen Freund wieder zu sehen und jetzt machen ihm diese Kerle alles kaputt. Die lassen ihn doch nie mitspielen. Ein Wunder, dass sie Enrico dulden. Er spielt noch immer so miserabel, wie am Vormittag, seine Mannschaft hat alle Hände voll damit zu tun, seine Fehler auszugleichen, und trotzdem verliert niemand ein schlechtes Wort über ihn. 

Nur zögernd wagt Antonio sich aus seiner Deckung und geht, mit den Händen in den Taschen seiner Hose, dem Platz entgegen. Keiner nimmt von ihm Notiz, selbst als er den Drahtzaun erreicht, sind alle in das Spiel vertieft. 
Antonio betritt den Platz und bleibt etwas abseits am Zaun stehen, sein Blick ruht unentwegt auf Enrico, bis dieser ihn schließlich bemerkt. Augenblicklich bleibt er stehen. Sein Gesicht wird von einem freudigen Lächeln erhellt, er setzt an, um etwas zu sagen, als ihm einer der großen Jungen einen Pass zuwirft. 
„Enrico!“, ruft er, doch Enrico reagiert zu spät. Der Ball trifft ihn hart am Arm. Erschrocken fährt er zusammen und sieht vorwurfsvoll auf den Jungen, der geworfen hat. Antonio muss sich ein Lachen klemmen. 
„Pass doch auf!“, murrt er den großen Jungen an. 
„Konzentriere du dich lieber auf das Spiel!“, entgegnet der. 
„Können wir ne kurze Pause machen?“, bittet Enrico und deutet in Antonios Richtung. Als sich alle Blicke auf ihn richten, bildet sich ein dicker Kloß in seinem Kehle, nur mit Mühe kann er ihn hinunterwürgen und sich ein zaghaftes Lächeln ins Gesicht zwingen. 
Die großen Jungen unterbrechen tatsächlich das Spiel und kommen mit Enrico an der Spitze zu ihm. Automatisch weicht Antonio einen Schritt zurück, bis er den Zaun im Rücken spüren kann. Als sie sich um ihn herum verteilen, fühlt er sich immer kleiner. 
„Das ist Toni!“, stellt Enrico ihn vor. Schon wieder dieser Spitzname, daran muss er sich erst einmal gewöhnen. Antonios Blick geht einmal die Runde herum. Von den großen Jungen reicht ihm der Sportlichste die Hand. 
„Freut mich! Ich bin Taylor. Der Kurze hat ganz schön hohe Töne über dich gespuckt. Bin gespannt ob er mal wieder nur übertrieben hat.“ Vorwurfsvoll sieht Antonio seinen Freund an, doch dieser beachtet ihn gar nicht, stattdessen schlägt er dem großen Jungen auf den Oberarm und sagt: „Das war nicht übertrieben, egal von wo wir geworfen haben, er hat den Korb immer getroffen.“ 
Antonio muss schwer schlucken.
„Du wirst schon sehen, wir werfen mindestens einen Korb gegen euch!“, fährt Enrico fort. 
„Alles klar! Wie du willst. Wir spielen bis zwanzig. Zwei gegen zwei. Mitchel du und ich gegen die beiden Knirpse!“, beschließt Taylor. Die Jungen verteilen sich den Zaun entlang, nur Taylor und ein andere Jungen bleiben im Spielfeld. Antonio wird aus dem gesprochenen nicht schlau und schaut von Einem zum Anderen, dann kommt Enrico zu ihm. Er legt ihm seinen Arm um die Schulter und schiebt ihn von den großen Jungen weg.  Widerwillig folgt Antonio ihm und verschränkt die Arme.  
„Du, ich hab was ziemlich dummes ausgemacht.“, beginnt Enrico flüsternd. Fragend sieht Antonio seinen Freund an. 
„Ich hab ein bisschen vor den Jungs geprallt, wie toll du werfen kannst, da wollten sie unbedingt gegen dich spielen. Wenn wir wenigstens einen Korb hin bekommen, stehe ich nicht ganz so dumm da. Meinst du, du kriegst das hin?“ Antonio sieht über die Schulter zu den großen Jungs, die auf sie warten.
„Die sind viel größer als wir!“, gibt er zu bedenken. 
„Na und?“ 
„Die brauchen den Ball doch nur über den Kopf halten, dann kommen wir da schon nicht mehr ran“, gibt Antonio zu bedenken. 
„Ich hab Taylor gestern auch den Ball geklaut, das bekommen wir schon hin. Wir müssen ja nicht gewinnen.“ Über beide Ohren lächelt Enrico ihn an. „Komm schon, wir zeigen es den Großmäulern!“ Enrico streckt ihm seine geballte Faust entgegen. „Bist du dabei?“, fordert er ihn auf und lächelt schon wieder so breit. Ob er jetzt seine Faust, an die des Blonden legen muss? So etwas hat er schon oft unter den Jungen auf dem Schulhof gesehen. 
„Na schön, von mir aus!“,  stimmt Antonio notgedrungen zu und bald unsicher die Faust. Noch bevor er sie an die Enricos stoßen kann, kommt dieser ihm zuvor. 
„Super, ich wusste auf dich ist verlass!“, verkündet er und strahlt fröhlich, mit der flachen Hand schlägt er ihm auf den Rücken. Antonio zuckt erschrocken zusammen. Verstört sieht er seinem Freund nach, als dieser auf das Spielfeld läuft und ihn zu sich winkt. Seufzend folgt Antonio ihm. 
„Ihr fangt an!“, entscheidet Taylor und wirft Enrico den Ball zu. 
„Zu gütig!“, entgegnet dieser Schnippisch. Kann er nicht mal jetzt seine große Klappe halten? Wie seltsam, dass sich diese großen Kerle, das einfach so gefallen lassen. Es wäre für sie doch eine leichtes, ihn zu verprügeln. Doch statt wütend zu werden, lachen sie nur über ihn. Die normale Welt ist so anders, als die, die Antonio kennt. Noch während er in seine Gedanken versunken ist, beginnt das Spiel. Enrico trippelt den Ball nach vorn und sieht ihn auffordernd an. Er soll ihm scheinbar folgen. Ein richtiges Spiel hat Antonio schon lange nicht mehr bestritten. Wie waren gleich noch mal die Regeln? Einfach den Ball nach vorn und in den Korb? Noch bevor sich Antonio sicher ist, haben sich die großen Jungen schon den Ball geholt und stürmen an ihm vorbei. Sie sind kaum hinter ihm verschwunden, da fällt der Ball auch schon in den Korb. Na das geht ja super los! Das sind dann schon mal zwei Punkte für sie. So langsam erinnert er sich wieder. Seufzend sieht Antonio den großen Kerlen zu, wie sie sich zufrieden abklatschen. Nur zögernd wagt er zu Enrico zu schauen. Ob er jetzt sauer auf ihn ist? 
„Nicht so schlimm! Die wollen nur angeben! Weiter!“, ruft der ihm zu. Wie seltsam. Glaubt er wirklich noch immer, sie haben eine Chance gegen diese Kerle? Sein Optimismus ist wirklich zu beneiden. Doch egal, wie oft Taylor ihnen den Ball zugesteht, es dauert keine Minute, bis die großen Kerle ihn sich zurück holen. Wieder jagt die Jungen ihm den Ball ab. Vom ständigen hin und her rennen, geht Antonio langsam die Puste aus. Der Schweiß läuft ihm in Strömen von der Stirn ins Gesicht und auch sein Hemd ist total durchgeschwitzt. In seinem Magen sticht eine gähnende Leere, ihm ist ganz schlecht davon. Er muss sich auf die Knie aufstützen und sich den Bauch halten. Sein Blick trübt sich, immer wieder muss er blinzeln, um das Spielfeld klar sehen zu können. Hastig atmet er aus und ein, um gegen den Brechreiz anzukämpfen. Nicht hier und jetzt, es macht ihm doch gerade solchen Spaß. Nur langsam verschwindet das flaue Gefühl und er kann sich wieder aufrichten. 
Enrico rennt den Kerlen verbissen hinterher. Sein Kampfgeist ist auch bei einem Spielstand von vierzehn zu null noch immer ungebrochen. Während Antonio an der Dreipunkte-Linie angehalten hat, rennt Enrico Taylor nach. Als dieser werfen will, springt Enrico ihm in den Weg und sichert sich tatsächlich den Ball. Erstaunt sieht Antonio ihm dabei zu. Das war gar nicht schlecht. Die eisblauen Augen richten sich auf ihn. Oh je, das ist keine gute Idee, jetzt den Ball zu ihm zu spielen. Er ist noch immer völlig außer Atem und seine Beine fühlen sich an, wie Wackelpudding. Trotzdem, Enrico spielt den Ball zu ihm. Sicher fängt Antonio den Pass, aber was soll er jetzt damit machen? Die großen Kerl kommen schon wieder auf ihn zugerannt. 
„Wirf einfach!“, ruft Enrico ihm zu. Auf Taylor und Mitchels Gesichtern spiegelt sich ein belustigtes Lächeln. 
„Von da trifft er doch nie!“, lachen sie. Finster sieht Antonio von ihnen zum Korb. Er visiert ihn an und wirft den Ball über die Köpfe der großen Jungen hinweg. Er fliegt weit, bis an den Rand des Korbes und rollt auf ihm entlang. Antonio hält den Atem an und auch die übrigen Jungen versteinern. Der Ball kippt zur Seite und fällt in den Korb. Ja! Wer trifft den Korb jetzt nicht von dieser Entfernung? Herausfordernd sieht Antonio die großen Jungen an, die ihn fassungslos mustern. 
„Ich hab's euch ja gesagt!“, freut Enrico sich und kommt ihm entgegen gelaufen. Ohne anzuhalten stürmt er auf Antonio zu und rennt ihn um. Gemeinsam knallen sie auf den harten Boden. Antonio bleibt die Luft weg.
„Du bist echt der beste Basketballspieler den ich kenne! Wenn du kein Kerl wärst, würde ich dich jetzt küssen!“ Was? Erschrocken sieht Antonio seinen Freund an. Soll war das doch gar nicht. Das sind nur drei Punkte. Sie sind noch meilenweit von einem Sieg entfernt. Verlegen sieht Antonio in die eisblauen Augen und kann spüren, wie ihm die Hitze in den Kopf steigt. Was muss dieser Kerl auch immer so übertreiben? Enrico löst sich von ihm und steht auf, er reicht ihm seine Hand und hilft ihm auf die Beine. 
„Das waren schon mal zwei Punkte, vielleicht schaffen wir ja noch einen Korb“, sagt er. 
„Das waren drei Punkte“, belehrt Taylor ihn und sieht anerkennend auf Antonio herab. Dieser wendet den Blick verlegen ab.
„Drei?“, will Enrico verwirrt wissen.
„Ja, alle Würfe die von oder hinter dieser Linie geworfen werden zählen drei Punkte“, erklärt Mitchel. 
„Ach deswegen hast du heute Morgen von hier aus geworfen, als ich zu dir gekommen bin. Du wolltest das üben“, begreift Enrico und sieht ihn verstehend an. Antonio nickt nur, als sein Magen laut zu knurren beginnt. Verlegen sieht er unter den argwöhnischen Blicken der Jungen hinweg. Das flaue Gefühl von eben, kehrt unbarmherzig zurück, dem Brechreiz folgt ein Schwindelgefühl, das ihm die Sicht raubt. Erschrocken greift er nach Enricos Schulter, doch als seine Beine sein Gewischt nicht mehr tragen wollen, kippt er trotzdem auf die Knie. Schwer atmend bleibt er auf ihnen hocken. 
„Toni?“, ruft Enrico erschrocken und hockt sich zu ihm. Antonio kann seine warme Hand auf seinem Rücken spüren, doch ihm ist viel zu schlecht, um zu antworten. Warum muss ihm das ausgerechnet hier passieren? In diesem Zustand kann er doch keinen einzigen Korb mehr werfen. Das nimmt ihm Enrico sicher krumm, wenn sich die großen Jungs deswegen über sie lustig machen. 
„Hey Toni, was hast du?“, redet Enrico panisch auf ihn ein und auch die anderen Jungen verteilen sich um ihn herum. 
„Hey Mann, du siehst ganz blass aus. Alles in Ordnung?“
„Was hast du?“
„Alles okay bei dir?“, rufen sie alle durcheinander. 
„Es geht gleich wieder“, zwingt Antonio sich zu sagen. Der Schwindel wird nachlassen, wenn er sich einen Moment ausruht, das Stechen in seinem Magen nicht. Sein Bauch knurrt wieder laut. 
„Hast du etwa Hunger?“, will Enrico von ihm wissen. Antonio  meidet seinen fürsorglichen Blick. 
„Ein bisschen“, gibt er nur ungern zu. 
„Wegen einem bisschen Hunger, bricht man nicht zusammen“, meint Taylor skeptisch. Enrico schaut erst zu ihm und dann wieder auf Antonio, als er wissen will: „Wie lange hast du schon nichts mehr gegessen?“ 
Antonio muss sich anstrengen, wenn er sich an seine letzte Mahlzeit erinnern will. 
„Heute Morgen, das Eis von dir“, fällt ihm ein. Enrico schüttelt abwehrend mit dem Kopf.
„Nein, ich mein was Richtiges.“ 
Antonio muss wieder überlegen. Das ist schon so lange her, dass er es nicht mehr genau sagen kann.
„Ich glaube seit drei Tagen.“ Die Jungen sehen ihn erschrocken an. Schwerfällig kämpft Antonio sich wieder auf die Beine. 
„Es geht schon wieder“, meint er und zwingt sich zu einem versöhnlichen Lächeln, doch die besorgten Blicke bleiben. Unschlüssig sieht er von Einem zum Anderen. 
„Wir geben auf!“, entscheidet Enrico auf einmal. Erschrocken sieht Antonio seinen Freund an. Es geht ihm doch schon wieder besser, sie können ruhig weiter spielen. Die Hand seines Freundes legt sich auf seine Schulter, aufmunternd sehen ihn die eisblauen Augen an. 
„Komm, gehen wir dir was zu Essen kaufen“, schlägt er vor. 
Das kann Antonio unmöglich annehmen. Enrico hat ihm doch heute Morgen schon etwas ausgegeben. „Aber“, versucht er zu protestieren
„Keine Widerrede!“, sagt Enrico lächelnd. 
„Ja, kümmere dich um ihn, wir hätten so oder so gewonnen“, lacht Taylor. Wieder schlägt Enrico ihm auf den Oberarm und schaut ihn grimmig an.
„Gar nicht wahr! Das Spiel holen wir nach und dann ziehen wir euch ab!“ 
„Schon klar, Kurzer“, lacht Taylor wieder und wuschelt Enricos Haare durcheinander.
„Lass das!“, flucht Enrico und versucht vergeblich das Chaos zu richten. Obwohl sein Magen noch immer rebelliert muss Antonio über die Beiden schmunzeln. 
„Na komm, hauen wir ab, bevor du mir noch einmal zusammen brichst!“, schlägt Enrico vor. Gemeinsam lassen sie den Basketballplatz hinter sich. 

Während sie durch den Park laufen, kramt Enrico eine Geldbörse aus seiner Hosentasche. Als er den Inhalt durchsieht, kommt ihm ein Seufzer über die Lippen. 
„Enrico, ist schon gut. Ich bekomme vielleicht Morgen wieder was, du musst wirklich nicht ...“, versucht Antonio zu sagen, doch Enrico fällt ihm ins Wort.
„Vielleicht?“, will er entsetzt wissen, „Sind deine Eltern so arm?“ Was soll Antonio ihm darauf antworten? Er kann ihm ja schlecht erklären, dass es sich bei dem Essensentzug, um eine Strafe handelt und auch von Andy, der ihm seine letzte Mahlzeit streitig gemacht hat, muss Enrico nichts wissen. So wie er ihn einschätzt, würde Enrico sich wohl selbst mit der Dreierbande anlegen und die sind bei weitem nicht so tolerant, wie Taylor und seine Freunde. Wenn er denen dumm kommt, schlitzen sie ihn mit Sicherheit auf. Antonio beschließt einfach zu schweigen und dem Blick Enricos auszuweichen. 
„Schon gut, das muss dir nicht peinlich sein.“ 
Wieder sagt Antonio nichts dazu. 
„Ich hab nicht mehr viel, aber für ein paar Hotdogs reicht es noch. Ich hoffe die magst du.“ Antonio sieht betreten zur Seite weg, ihm ist eigentlich ganz egal, was Enrico ihm kauft, er kann im Moment alles essen und trotzdem fühlt es sich beschissen an, so etwas von seinem neuen Freund zu verlangen. 
„Enrico, danke“, murmelt er und wagt nur flüchtig aufzusehen. Enrico lächelt warmherzig, so wie er es immer tut. „Schon gut, wofür hat man denn Freunde?“ 
Ja, wenn Antonio das nur wüsste. Bisher gab es nur Snowflake, denn er als Freund bezeichnen hat, aber dem muss er Futter mitbringen. Verlegen nickt er.

Ohne Umwege steuert Enrico einen Verkäufer an, an dem Antonio schon oft im Central Park vorbei gekommen ist. Aus seinem Wagen duftet es immer köstlich nach gebratenen Würstchen, aber bisher hat er nie Geld gehabt, um sich eines zu kaufen.
Ohne noch einmal mit ihm Rücksprache zu halten, lehrt Enrico seine Geldbörse auf dem Wagen des Mannes aus und will von ihm wissen: „Wie viele Hotdogs bekomme ich dafür?“ 
„Vier!“, meint der Verkäufer. 
„Dann vier, bitte!“ 
Ungläubig beobachtet Antonio ihn. Sein Magen knurrt erwartungsvoll und während der Verkäufer die Brötchen füllt, läuft ihm bereits das Wasser im Mund zusammen. Gierig beobachtet er, wie die Hotdogs den Besitzer wechseln. Wenn er nur schon eines davon in der Hand hätte und damit verschwinden könnte. Seine Bedenken von eben, sind wie weggeblasen. Der köstliche Geruch und die Aussicht auf eine Mahlzeit, bestimmen sein ganzes Denken. Als Enrico ihm die ersten beiden Hotdogs reicht, nimmt er sie schnell an sich und flüchtet damit auf die nächste Parkbank. Der Blick seines Freundes folgt ihm dort hin, doch Antonio beachtet ihn nicht. Ausgehungert stopft er sich das erste Brötchen samt Wurst in den Mund und schlingt sie gierig hinunter. Endlich etwas essen, endlich das unerträgliche Stechen bekämpfen, dass ihn schon seit Tagen quält. Das Enrico zu ihm kommt, nimmt er nur am Rande wahr. 
„Schmeckt es?“, will er von ihm wissen und setzt sich neben ihn. Antonio schaut verlegen auf. Ob es schmeckt, weiß er gar nicht, so schnell hat der erste Hotdog den Weg in seinen Magen gefunden. Trotzdem nickt er und wendet sich dem Zweiten zu. Auch dieser verschwindet mit wenigen Bissen in seinem Mund und wird gierig von ihm hinunter gewürgt. 
„Du hast wirklich Hunger, was?“, fragt Enrico mitleidig und hält ihm den dritten Hotdog hin. Ungläubig sieht Antonio seinem Freund ins Gesicht.
„Nimm nur!“ Das Lächeln ist aus Enricos Blick verschwunden, die eisblauen Augen schauen besorgt. Nur zögernd nimmt Antonio ihm auch den dritten Hotdog aus der Hand. Es ist sicher unverschämt, den auch noch zu essen, doch sein Magen verlangt noch immer nach mehr, doch dieses Mal lässt er sich mehr Zeit. Hier gibt es ja auch niemanden, der ihm sein Essen streitig macht. Das schmeckt gar nicht mal schlecht, wenn er doch nur Geld, anstatt Marken bekommen würde, dann könnte er sich so etwas öfters kaufen. Das Essen in der Kantine ist immer gleich und Hotdogs und Eis gibt es dort auch nicht. Als Antonio den halben Hotdog gegessen hat, fällt ihm sein Kater wieder ein. Erschrocken betrachte er den Rest des Würstchen im Brot. Wie kann er nur so egoistisch sein? Das Tier hat auch seit drei Tagen nichts mehr gegessen. Wenigstens das halbe Würstchen sollte er ihm mitbringen. Mit den Fingern fischt er es aus dem Brot und legt es in die Serviette, die der Verkäufer um jedes Hotdog wickelt. Das wird er dem Kater mitbringen. 
„Magst du die Wurst nicht?“, will Enrico wissen. 
„Doch, aber mein Kater hat auch schon lange nichts mehr gegessen.“ Enrico nickt verstehend. 
„Dann nimm den auch mit!“ Den letzten Hotdog legt Enrico vor ihm ab. 
„Willst du den denn nicht?“ 
„Nein danke, ich bin satt. Bestell deinem Kater liebe Grüße von mir!“ 
„Das werde ich“, erwidert Antonio lächelnd und wickelt den letzten Hotdog mit dem halben Würstchen in der Serviette ein. Beides verstaut er sicher in seiner Jackentasche, dann stopft er sich die Reste des Brötchens in den Mund. Enrico steht auf und schaut zur untergehenden Sonne.
„Ich muss langsam heim. Bevor die Sonne untergeht, soll ich heute zu Hause sein.“ Antonio nickt verstehend, doch bevor er seinen Freund entlässt, muss er unbedingt noch loswerden: „Enrico, danke! Ich revanchiere mich irgendwann mal!“ Enrico schaut nachdenklich vor sich hin.
„Hast du Morgen früh Zeit?“, will er auf einmal wissen. 
Bis um eins hat Antonio Ausgang, aber was danach ist, weiß er nicht. 
„Wenn ich nicht arbeiten muss“, erscheint ihm noch die passendste Antwort zu sein. 
„Du arbeitest und dann auch noch am Wochenende?“ Wieder so eine Frage, die Antonio nicht ehrlich beantworten kann. Er nickt scheu. 
„Na ja, wenn du es einrichten kannst, mein Bruder und ich könnten Hilfe beim Decken unseres Daches brauchen. Du bist doch Schwindelfrei, oder?“ Ja sicher, Antonio hat sein halbes Leben auf Dächern und Mauern verbracht, damit hat er keine Schwierigkeiten. Nur sein Ausbilder könnte ihm einmal mehr einen Strich durch die Rechnung machen. Trotzdem zwingt er sich zu sagen: „Ich hab keine Angst vor Höhen oder so, aber ich habe auch noch nie ein Dach gedeckt.“
„Ich auch nicht“, lacht Enrico, „Mein Bruder auch nicht, es reicht wenn es dicht ist, hübsch muss es nicht aussehen.“
„Na gut, ich versuche es einzurichten.“ 
„Das klingt gut. Es gibt auch selbstgemacht Limonade und was zu essen“, verspricht Enrico.
„Einverstanden!“, verspricht er und hofft inständig, dass Michaels Date gut gelaufen ist und er sich auch für Morgen mit Sindy verabredet hat. Dieses Versprechen will er unbedingt halten.

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