Fallen

Wie fühlt man sich bevor und währen man sich von einem 100m hohem Hochhaus stürzt? Hat man Angst? Oder zieht die Welt zu schnell an einem vorbei um es realisieren zu können?

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1. Das Ende?

An einem Tag im Herbst stand ich am Abgrund . Also wortwörtlich am Abgrund. Unter mir lagen sicher 100m, bis dann endlich der Beton kam. Er erwartete mich sehnsüchtig, darauf vorbereitet mich aufzufangen und in sich aufzunehmen. Ich spürte bereits die Wärme welche von ihm ausging, ebendso wie die Härte. Eine Härte die nicht schmerzhaft war, sondern eher einer Umarmung glich. Ebend diese Art von Umarmungen in die man sich fallen lassen konnte, fallen lassen in starke Arme, egal wie schwach sie zu sein schienen. Ich wollte einen letzten Blick über die Landschaft schweifen lassen, dann die Augen schließen und einfach fallen. Fallen in ein besseres Leben, in Glück, Freude, Akzeptans. All diese Dinge nach denen ich mich jahrelang gesehnt hatte. Und egal wie pervide es klingt, ich wollte fallen mit einem Lächeln auf den Lippen. Mit vor Tränen brennenden Augen versuchte ich diese zu schließen. Ich breitete meine Arme aus, nahm einen letzten tiefen Atemzug und sprang.
Der Wind rauschte in meinen Ohren. Meine Augen blieben immernoch geschlossen, ich wollte mir nicht die Realität erneut in Erinnerung rufen. Vielmehr sollten diese letzen Moment meines Lebens auch die Schönsten sein. Die Schwerelosigkeit, welche ich im Fall erlebte, war wunderschön. Die Sorgen, Nöte und Ängste einfach vergessen. War es so einfach? Jahrelanger Selbsthass und der Hass von Anderen welcher auf mich übertragen wurde , waren weg. Weg aus meinem Kopf, aus meinem Herzen, weg von meinen Schultern, welche sich von der Spannung lösen konnten. Es heißt ja immer man sieht kurz vor dem Tod sein Leben nochmals an sich vorbeiziehen. Ich sah nichts. Nur Dunkelheit. Ich hörte nichts. Nichtmal Stille. Ich roch nichts. Was solle man auch riechen in dieser Höhe? Und was schmeckte ich? Nichts? Nein. Ich schmeckte das Salz meiner Tränen.
Zu Fallen beeinflusst deine Wahrnehmung. Dinge, welche vorher da waren, werden nicht mehr gesehen. Es fühlt sich an als würde eine Sekunde Stunden lang sein. Aber ebendso betört es deine Sinne. Das Salz schmeckte hundertmal intensiver als je zuvor. Und ich merkte wie das Blut durch meinen Körper gepumt wurde. Jeder Atemzug brannte in meiner Lunge aber dennoch erfrischte mich diese kalte Luft. Jeder kannte das Gefühl nachdem er einen Kaugummi gekaut hatte, die Luft fühlte sich eiskalt an, dennoch fiel das Atmen so leicht. Wesentlich leichter als zuvor.  Warum schrie ich nicht? War mein bevorstehender Tod mir egal, oder nahm mir die Furcht die Kraft zum Schreien? Ich hatte den Tod selbst gewählt,so wie alles in meinem Leben. Ich bestimmte was mit mir geschah, wie ich aussah, was ich tat und wer ich war. Dennoch, können wir uns selbst wirklich finden? Ich meine, inzwischen all der Zwänge und Normen? Ich konnte es am Ende nicht.

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