Bruderblut

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  • Veröffentlicht: 15 Okt 2016
  • Aktualisiert: 15 Okt 2016
  • Status: Fertig

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1. Bruderblut

Ich steh in einem dunklen Raum. Allein. Nichts spielt mehr eine Rolle. Nicht wie ich hier her gekommen bin. Nicht einmal wer ich bin.

In meinen Armen liegt mein kleiner Bruder Jeremia. Tot. Aus seiner offenen Kehle dringt nach wie vor Blut, das sich über seinen Hals und seine Kleidung ausbreitet. Ich bin schuld daran. Ich habe ihn nicht beschützt.

Stunden lang sitze ich schon hier, vielleicht sogar einen Tag. Ich friere auf den kalten, weißen Fliesen. Auch über sie hat sich eine rote Schicht gelegt. Ich spüre meine eigenen Bedürfnisse und fühle mich so egoistisch. ICH habe Hunger! ICH habe Durst! ICH muss auf Toilette! MIR ist kalt! … Habe Ich Jeremia nach seinen Bedürfnissen gefragt? Nach seinem ICH? Nein. Nein, hab ich nicht. Ich hab wieder nur mein ICH gesehen, mein MIR. MIR darf nichts passieren! ICH muss überleben! TOT. Oh schöne Melodie des Todes, nun wünscht ich du hät´st mich betöred nicht den von dir gestohlnen Bruder!

Ich blick ihm ins Gesicht, in seine leeren Augen. Was wollten diese nur sagen bevor das Leben sie verlies? „Enttäuscht, Bruder!“, „Verraten, Bruder!“ oder einfach „Warum, Bruder?“. Ich schließe seine Augen. Ich stehe auf. Packe das Schwert und trete auf die Tür zu. Ich kann ihm nicht das Leben zurück geben, aber ich kann ihn rächen oder ihm folgen!

Du Kreatur hast den Zorn deines Feindes unterschätzt!

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