Stark - nur für mich

Ich arbeite und genieße das Leben in einer der tollsten Städte der Welt - New York. Alles ist toll, bis zu dem Moment als ich in einen Terroristischen Anschlag gerate und vom narzisstischsten Superhelden der Welt gerettet werde. Von nun an ist nichts mehr wie es mal war.

1Likes
0Kommentare
1122Views
AA

23. Es duftet nach Schnee

Am Morgen des 24. Dezember wachte ich neben meinem Liebsten auf. 
Tony hatte in meinem Zimmer geschlafen. In der rosa Hölle, wie er mein altes Kinderzimmer scherzhaft nannte.
Tony schlief noch. Er war nackt bis auf die Boxerschorts und lag auf dem Bauch.  Er murmelte etwas unverständliches im Schlaf.         
Ich strich ihm sacht eine Haarsträhne aus der Stirn und küsste ihn auf die Wange. Langsam wachte er auf. "Du bist echt süß wenn du schläfst!" murmle ich.
Er gähnt und sagt "Guten Morgen, Süße! Gut geschlafen?"              
"Neben dir, immer."
Ich stehe auf und gehe hinüber zum Fenster. Ich schiebe es auf und schnuppere in den Wind.                
"Es duftet nach Schnee." bemerke ich.
"Hä? Es duftet nach Schnee? So wie in dem Film?" fragt Tony spöttisch.   
"Ja, stell dir vor, manche Menschen können Schnee riechen. Und ich zähle zufällig zu ihnen." gebe ich trotzig zurück.
Dabei kenne ich diese Unterhaltung schon. Mein Vater hat mich früher auch immer damit aufgezogen das ich Schnee riechen kann. Aber am Ende habe ich doch immer Recht behalten.                "Wenn du jetzt nicht auch noch einen weiteren Wetterbericht vorhersagen möchtest, können wir vielleicht gemeinsam duschen und dann frühstücken gehen." sagt er und ein spöttisches Lächeln umspielt seine Mundwinkel.                                                                Ich nehme ein Kissen vom Schaukelstuhl neben mir und werfe es nach ihm. Er wehrt es natürlich ab.                                                  Eine dreiviertel Stunde später sind wir händchenhaltend auf dem Weg ins Erdgeschoss.                    
Mum hatte sich heute richtig in Schale geschmissen. Sie trug ein goldenes Kostüm und ihre Haare lagen in Wellen auf ihren Schultern.                                                                                     Daddy hatte wie jedes Jahr seinen Weihnachtspullunder über seinem Hemd an. Den hatte er von Grandma. Sie hatte ihn selbst gestrickt. Darauf waren Santa und sein Rentier Rudi abgebildet.                                                                                                                                           Tony starrt das Teil mit offenen Mund an. "Oh, ich bin wohl underdressd." murmelt er.                          
Ich knuffe ihn in die Seite und ziehe ihn an der Hand mit mir zum Frühstückstisch.                                                                                                                             "Guten Morgen, ihr Lieben!" begrüßt uns meine Mutter.                   
Daddy blickt kurz von seiner Zeitung auf und lächelt uns freundlich entgegen. "Frohe Weihnacht!" wünscht er.                                "Frohe Weihnachten auch Ihnen beiden!" erwidert Tony.                 

Nach dem Frühstück das heute mal aus Pancakes mit Ahornsirup oder wahlweise Schokosoße bestand beschlossen wir ein wenig spazieren zu gehen.  
"Mum und Dad besuchen am 24. Dezember immer ein paar Leute aus der Nachbarschaft und überreichen kleine Geschenke." erkläre ich Tony während wir uns in Mäntel und Stiefel hüllen.       
"Okay. Wohltätigkeit. An Weihnachten sollen wir ja an unsere Nächsten denken." gibt er zurück.
"Dann möchte ich auch etwas tun. Nur was? Charlotte hätten Sie eine Idee?" fragt er entschlossen.
Meine Mutter schaut ihn ein paar Augenblicke nur überrascht an, antwortet dann aber "Da gibt es ein Kinderhospiz. Das hält sich nur mit Spendengeldern über Wasser. In letzter Zeit schwächelt aber auch dies. Die können den Kindern dort gar kein schönes Weihnachtsfest bereiten."
"Okay. Das ist doch was. Ich muss kurz telefonieren. Ich gehe schon mal raus. Bis gleich." sagt er und ist schon zur Tür raus. "Jarvis!"                                                                                                                                                          "Ja, Sir! Was kann ich heute für Sie tun?"
"Jarvis, es ist Weihnachten und ich möchte etwas Gutes tun. Ich möchte Spielsachen, Weihnachtssachen und Nützliches an ein Kinderhospiz hier spenden."                                                           "Okay, Sir. Soll ich die Sachen einkaufen, verpacken lassen und an dieses Heim schicken?"                 
"Ja, genau das."                       
"Was für Spielsachen sollen es sein?"
"Hm, keine Ahnung. Gibt es da nicht Fachleute für?" frage ich.   
"Natürlich. Ich werde das schon regeln. Und was meinen Sie mit Weihnachtssachen, Sir?"                                                                  "Na, das Essen für zirka 100 Personen, Weihnachtsbaum, Schmuck und so."
"In Ordnung, Sir. Ich werde alles veranlassen. Wie ist die genaue Adresse des Hospitzes?" fragt er.                                               "Moment!" sage ich, gehe wieder hinein zu Charlotte und frage sie danach.                                                                                          Dann gebe ich die Adresse in den Kommunikator ein.                    
"Ach, ist das Ihr J.A.R.V.I.S.?" fragt sie interessiert.                        "Er kommuniziert darüber mit mir. Aber Jarvis ist so viel mehr Charlotte." gebe ich zurück. "Sie wären überrascht."                        

Zu Viert gehen wir durch die Regennassen Straßen des Vorortes.
Unser erstes Ziel ist eine Kindertagesstätte.                                  Dort erwartet uns die Leiterin mit einer Horde Kindern.             Charlotte überreicht feierlich einen neuen Kleintransporter. Der alte fiel einem Brandanschlag zum Opfer. Doch die Kita ist auf einen fahrbaren Untersatz angewiesen. Aber nicht nur das. Dieser ist bis unter das Dach gefüllt mit Spielzeug.                                              Die Kinder jubeln und der Leiterin stehen die Tränen in den Augen. Su ebenfalls, bemerke ich als ich einen Seitenblick in ihre Richtung werfe.                                                                                              Man bedankt sich noch mit einem fröhlichen Weihnachtslied bei uns.
Der nächste Halt auf unserer Tour ist die Geburtsstation im hießigen Krankenhaus.                                                                                     Dort spenden Susans Eltern neue Bettchen für die Neugeborenen und so komische Strampelsäcke wo man Kinder rein stopft noch dazu. Ein LKW mit den Sachen wartet bereits vor der Tür des Krankenhauses.               
Es folgt Händeschütteln und wiederum Freudentränen.         
Ich nehme meine Süße in die Arme. "Du bist ja echt nah am Wasser gebaut." ziehe ich sie auf.              
Su schnieft und schnäutzt sich geräuschvoll in ein Taschentuch. "Aber das ist auch so ergreifend."                                                   "Mister Stark." meldet sich in diesem Moment Jarvis zu Wort.
"Ja."                                                                                                                                                         "Ich habe erledigt worum Sie mich gebeten haben. Die Lieferung ist auf dem Weg und wird vorraussichtlich um 17 Uhr am heutigen Tag eintreffen. Ich darf erwähnen man ist sehr dankbar über Ihren Einkauf bei Toys'r'us!"
"Kein Wunder, ich habe sicher eine Menge Geld da gelassen." gebe ich zurück.                                                                                          "Ja, Sir. Die genaue Summe beträgt 21,496 $."                 
Seltsamerweise berührt mich diese Zahl kein bißchen. Im Gegenteil, es fühlt sich überraschend gut an Gutes zu tun.                              Ich bin gespannt auf die Gesichter der Hospizleitung und die der Kinder. Wenn sie schon in ihrem jungen Leben so viel erleiden mussten, dann sollen sie wenigstens an einem Tag im Jahr glücklich sein und ihre Schmerzen vergessen. Auch wenn das sicherlich nur ein kleiner Trost ist, denke ich.
"Alles okay. Ich unterstütze das Kinderhospiz. Können wir um 17 Uhr heute Nachmittag dort sein, wenn meine Lieferung eintrifft?" bitte ich Susans Mutter.                                                                             Charlotte schaut mich an und diesmal werden ihre Augen feucht. "Oh Tony, das ist ja wundervoll!"
"Das ist doch gar nichts. Nur ein paar Spielzeuge, Medikamente, Weihnachtliches und so." wehre ich ab. Jetzt heult Charlotte los und verschmiert so ihr MakeUp. 
Nachdem sie sich in der Toilette eines Restaurants wieder restauriert hat beschließen wir in eben diesem Restaurant zu Mittag zu essen. Wenn wir schon einmal hier sind.         
Su und ich halten uns an den Händen unter dem Tisch.
Sie raunt mir zu "Ich bin so stolz auf dich! Vom Zerstörer zum Wohltäter."
"Das habe ich mir doch auf die Fahnen geschrieben als ich aus dem Waffengeschäft ausgetreten bin, dass ich mich von nun an der Menschheit verschrieben habe." entgegne ich.

Um 17 Uhr fahren wir gemeinsam, wie versprochen, zu dem Hospiz.
Tony hat sich schick gemacht. Er trägt einen schwarzen Dreiteiler. Er sieht aus wie der Geschäftsmann den alle Welt in ihm sieht.            Als wir auf dem Parkplatzes des Hospizes einparken fallen uns schon die drei LKW auf, die, die Straße davor blockieren. Die Fahrer sind schon eifrig dabei auszuladen.   
Der Leiter des Hauses steht daneben und macht ein Gesicht als würde er nicht begreifen was hier vor sich geht.
"Der Ärmste, er sieht aus als würde er gleich zusammen brechen." bemerke ich. "Hat Jarvis oder irgendein anderer ihm denn nicht bescheid gegeben?" frage ich noch.         
"Nein. Das soll doch eine Überraschung sein." entgegnet Tony mit einem Augenzwinkern.     
Er geht geradewegs auf den Mann zu.
Mum, Dad und ich folgen ihm in einigem Abstand.                           
"Hi Mister Godwell! Mein Name ist Antony Stark." sagt er und schüttelt dem verdutzten Mann die Hand.   
"Ja, guten Tag Mister Stark. Ich habe jetzt leider gar keine Zeit für Sie. Ich muss mich um diese Lieferung kümmern. Ich weiß gar nicht wo die herkommt." entgegnet dieser.
"Vielleicht kann ich da helfen? Von wem kommt denn die Lieferung? Steht kein Absender auf dem Lieferschein?"                    "Lieferschein? Nee, den habe ich noch gar nicht bekommen. Aber das ist eine gute Idee." sagt Mister Godwell, dann läuft er zu einem der LKW Fahrer und fragt ihn nach dem Lieferschein.                    Tony zwinkert mir zu und lacht. "Spann ihn doch nicht so auf die Folter." sage ich. Mister Godwell winkt mit dem Zettel und kommt zu uns zurück.
"Und?" fragt Tony.                                                                           "Da steht das der Rechnungsempfänger Stark Industries ist. Komisch. Diese Firma kenne ich nicht. Warum sollte eine Firma die mir völlig fremd ist uns eine derart große Liefung schicken?"
Mister Godwell ist völlig konfus.  
Tony gibt zu bedenken "Vielleicht weil Weihnachten ist?"                 
"Ach Weihnachten. In der heutigen Zeit lockt Menschlichkeit, also an seine Mitmenschen denken, doch keinen mehr hinter dem Ofen vor. Und schon gar nicht denken die Reichen an die ärmeren." beklagt sich Godwell traurig.                   
"Vielleicht doch. Frohe Weihnachten, Mister Godwell!" sagt Tony, breitet die Arme aus und strahlt ihn an.
Ich stelle mich neben ihn und lege meinen Arm um seine Tailie. Ich bin so stolz auf ihn und freue mich mit ihm weil er sich gerade so freut.     
Es dauert einen kurzen Moment bis bei Godwell der Groschen fällt und er begreift wer da vor ihm steht.
"Ja, Ihnen auch eine Frohe Weihnacht. Moment mal. Stark Industries? Antony Stark. Sind Sie etwa? ... Ist das etwa... Von Ihnen?" stammelt er. Und sein Gesicht hellt sich auf.            
Tony nickt nur.
"Sie haben... Das ist alles von Ihnen? ... Aber warum, Mister Stark? ... Warum tun Sie das? Hier steht Ihre Firma hat Ihren Sitz in New York. Warum helfen Sie einem kleinen Kinderhospiz hier in London? Ich verstehe es nicht."                 
Tony legt freundschaftlich seinen Arm um seine Schultern und sagt "Mister Godwell Sie müssen es nicht verstehen. Es ist Weihnachten und ich denke da sollte man an seine Mitmenschen denken und helfen wenn man kann."                                                           Godwell kullert eine Träne die Wange herunter. "Sie sind so großzügig! Ich danke Ihnen tausendmal, Mister Stark! Die Kinder und dessen Eltern werden so glücklich sein. Sie glauben gar nicht wie sehr Sie uns damit helfen?"                                                 "Mister Godwell darf ich Ihnen meine Frau und deren Eltern vorstellen?" kümmert sie Tony wieder um uns. Er zieht mich an seine Seite und schlingt seinen Arm um mich.             
Godwell kommt aus dem Händeschütteln nicht mehr heraus.
Schließlich sagt Tony "Jetzt entschuldigen Sie uns bitte, wir müssen weiter. Frohe Weihnachten noch einmal!"                        
"Ja, Ihnen allen auch ein frohes Weihnachtsfest! Gott segne Sie!" ruft Godwell uns nach als wir wieder zum Auto gehen wo Happy gewartet hat.

Wieder im Schloss angekommen machen wir es uns vor dem großen Kamin im Wohnbereich gemütlich.                                                  Der Butler hatte das Feuer ordentlich geschürt, so das nun ein munteres großes Feuer flackerte. Es war eine anheimelnde Stimmung, richtig romantisch und das gebe ich als Nicht-Romantiker zu.                   
Su sitzt im Schneidersitz schräg vor dem Feuer, ich auf dem Sofa so das ich sie im Profil betrachten konnte. Ihr Blick war abwesend, aber zutiefst glücklich und zufrieden.            
Hier war ihr zu Hause, hier war sie ganz sie selbst.                         Ich sehe sie an und denke nur was für ein großes Glück ich hatte ihr zu begegnen! Sie hatte mich gerettet. 
Sie bemerkt meinen Blick und sieht mich an und sie lächelt. "Ich liebe dich", formen lautlos ihre Lippen.    
"I love you to", flüstere ich zurück.
Dann gibt es Abendessen. Gänsebraten und Klöse. Dazu gibt es Rotkohl. So etwas hatte ich noch nie gegessen. Aber es schmeckte fantastisch!                                                                                       Dann sollte ich erfahren was es hieß Weihnachten in Familie zu verbringen. Susans Dad spielt auf dem schwarzen Flügel traditionelle Weihnachtslieder.                                                      Susan und ihre Mutter sangen einige mit. Bei Jingle Bells fühle ich mich Textsicher genug, zögere nicht und stimme mit ein.             Susan sieht mich überrascht an. "Ich wusste gar nicht das du so eine schöne Singstimme hast." sagt sie.                             
"Ich bin eben immer für eine Überraschung gut." entgegne ich lächelnd.                                                                                       Susan lächelt ebenfalls und wendet sich wieder ihrem Dad zu.         Ich stehe auf und schlendere durch den Raum. Leise summe ich die Melodien mit.                                     
Die Gemälde an den Wänden wirken lebendig im Schein des Kaminfeuers. Die Schatten tanzen auf ihnen. Es ist mollig warm und gemütlich.         
Der Butler James bringt gerade ein Tablett mit Tee herein und stellt es auf das Tischen vor dem Fenster.
Ich gehe herüber um mir eine Tasse einzugießen, da fällt mein Blick aus dem Fenster und was soll ich sagen, Su hatte heute Morgen recht. Es roch nach Schnee. Leise fällt er in dicken Flocken auf die harte Erde.
Ich flüstere "Es duftet tatsächlich nach Schnee." und sehe den Eiskristallen zu wie sie sich auf das Fensterbrett setzen oder am Fenster vorüber schweben.
"Susan!"                                                                                                                                                "Ja?" fragt sie vom anderen Ende des Raumes.                             "Du hattest recht, es duftet nach Schnee."                                        Sie steht auf und kommt herüber ans Fenster. Wie in Slow Motion kann man in ihrem Gesicht die Veränderung sehen, von fragend bis zur kindliche Freunde.                                                                      "Es schneit, Mum und Dad, es schneit." ruft sie begeistert.       
Schon nimmt sie mich bei der Hand und zerrt mich hinter sich her in die Halle. Su zieht sich den Mantel über und schlüpft in ihre Stiefel.
"Komm, wir machen einen Spaziergang!" sagt sie.                      "Okay." sage ich zögerlich.
Mir macht der Gedanke an kalte Füße und Schnee ins Gesicht geweht bekommen nicht gerade glücklich, aber ich ziehe mich an und es war, wie sich herausstellen sollte, eine gute Entscheidung!               
Es bereitet mir einfach eine Höllische Freude Susan dabei zu beobachten wie sie den Schnee "begrüßte".
Sie drehte sich mit ausgebreiteten Armen im Flockengewirbel und nahm Schnee von einer Bank auf und besah ihn sich genauer.    "Der Winter ist einfach herrlich! Findest du nicht auch?" fragt sie mich.
"Naja, ich mag lieber wärmere Temperaturen! Aber ich muss zugeben das hier ist auch nicht schlecht!"
Ich gehe zu ihr und nehme sie in den Arm. "Besonders weil es das erste Weihnachtsfest mit dir ist!" füge ich hinzu.                               Su sieht mich an und lächelt. Ich beuge mich zu ihr hinab und küsse ihre kalten blauen Lippen.           
"Du bist eiskalt meine Eiskönigin!" flüstere ich "Wollen wir nicht lieber wieder rein gehen?"                      
Sie sieht mich mit festen Blick an, so als wolle sie in meinen Augen irgendwas entdecken.              
"Nein, noch nicht. Komm mit ich möchte dir etwas zeigen!" sagt sie und zieht mich schon wieder hinter sich her ohne meine Antwort abzuwarten.
Sie führt mich zu einem Garten.
Eine mittelhohe Hecke umschließt das Gelände, der Eingang wird von zwei Statuen flankiert.                           
Eine Frau, nackt mit einem Apfel in der Hand und einem Mann, ebenfalls nackt mit einer Schlange auf der Schulter. Adam und Eva.
"Ist das hier das Paradies?" frage ich belustigt.                              "Für mich schon!" sagt sie verträumt. "Komm!"                               Wir schreiten an den Figuren vorbei und betreten den Garten.       Die Rosenbüsche, die Beete, die Hecken, die Bänke - ja alles liegt im Winterschlaf. In der Mitte des Gartens, neben einem kleinen Teich steht eine Art Tempel.                                                               Er steht auf einer vorspringenden Sandbank, also nahe genug am Ufer, um ein interessantes Spiegelbild auf das Wasser zu werfen; und aus den meisten Blickwinkeln wurde die Säulenreihe mit dem Ziergiebel darüber auf das hübschestes von den Ulmen und Eichen halb verdeckt, die um den Tempel wuchsen.                      
Nun standen sie allerdings kahl und trostlos in der Landschaft herum.
Von nahem machte der Tempel allerdings einen traurigen Eindruck: Feuchtigkeit war durch eine defekte Isolierschicht gedrungen und hatte stellenweise den Stuck abbröckeln lassen. Irgendwann mussten dann mal Reperaturarbeiten ausgeführt worden sein, jedoch recht schlampig, weshalb er sich nun braun verfärbt hatte, was dem Gebäude ein fleckiges, kränkliches Aussehen verlieh.        
An anderen Stellen stachen die faulen Träger wie die Rippen eines verhungernden Tieres hervor.                                                          Die zweiflügelige Tür, die in den runden Raum mit Kuppeldach führt stand halb offen, so das der Boden halb mit Laub bedeckt war.          
Als Su nun die Tür zur Gänze aufdrückte wirbelte das Laub auf und es stoben dazu noch Schneeflocken in den Innenraum.
Die hübschen, georgianischen Fenster erhellten den kleinen Raum nur spärlich bei dieser Wetterlage.
Die hohen Nischen, früher wohl einst mit Statuen besetzt, waren leer bis auf die schmutzigen Überreste einiger Spinnennetze.                
Möbel gab es keine, bis auf eine viktorianische Bank die hier irgendwie fremd wirkte.               
Su bemerkte meinen Blick und sagte "Die Bank hat mir damals James hier hinein getragen. Dies ist schon immer mein Lieblingsplatz gewesen. Hierher kam ich wenn ich Ärger mit Mum hatte, mal Streit mit meiner besten Freundin Luisanne hatte oder wenn ich einfach nur ungestört lesen wollte." erklärt sie mit verträumter Stimme.                                                                        Hier drin schien die Zeit still zu stehen. Das Gebäude strahlte eine fanszinierende nostalgische Aura aus, hier drin war man geborgen, sicher. Hier ist der perfekte Ort zum glücklich sein. Wie musste es erst im Sommer sein?

Ich führe ihn zu meinem absoluten Lieblingsplatz.                      Außer unserem Butler James weiß niemand von meinem geheimen Rückzugsort. Selbst Daddy weiß nicht das ich hier immer herkam wenn ich Kummer hatte. Hier konnte ich nachdenken, mal für mich sein. Obwohl Daddy wahrscheinlich eine Ahnung hatte, wohin ich mich früher immer mit Buch und eine Flasche Limo unter dem Arm verzogen habe. Stunden später tauchte ich wieder auf, glücklich und ausgelassen.
Dieser Tempel, warum auch immer er auf diesem Grund und Boden errichtet worden war, war mein Refugium, mein Heiligstes. Hinter einem losen Ziegel in der Wand versteckte ich damals mein Tagebuch. Tony steht da und sieht sich um. Es scheint ihm hier ebenfalls zu gefallen. Er lächelt.                              
"Du bist der erste dem ich das hier zeige, den ich einweihe. Ich liebe diesen Ort! Er ist was besonderes - genau wie du."                    
Hoffentlich verstand er diese Liebeserklärung!

Hatte sie mir gerade eine Liebeserklärung gemacht?              
Na toll! Das wäre doch mein Part. Doch ist gerade der geeignete Zeitpunkt? Oder versemmel ich es wieder. Ich möchte nichts mehr falsch machen.                             
"Sir." meldet sich da plötzlich Jarvis über den Kommunikator in meiner Manteltasche.
Ich nehme das Gerät heraus und sage "Was gibt es?"                   "Ich wollte Ihnen nur berichten das die Lieferung erfolgreich zugestellt wurde." sagte Jarvis doch auf dem Display erschien nur ein Wort: "Jetzt!"                                                                                                                                                   "Das weiß ich bereits, aber trotzdem danke Jarvis." murmle ich.   
Er hatte recht, jetzt war ein guter Zeitpunkt!                                     Ich sehe zu Susan, sie steht an der geöffneten Tür und schaut nach draußen in die Dunkelheit.                                                                  Die im Garten scheinbar wahllos verstreut stehenden antiken Gaslaternen spendeten spärliches Licht.
Der Mond steht voll und rund am Himmel und schaut auf uns nieder. Ein Uhu schreit und irgendwo in der Ferne läuten Kirchenglocken.  Ich zähle 12 Schläge - Mitternacht.                                                     Es war Heilige Nacht.                                                                       Ich steckte das Gerät zurück in meine Tasche und nehme statt dessen etwas anderes heraus. Langsam gehe ich hinüber zu meiner Traumfrau.

Melde dich bei Movellas anFinde heraus worüber alle reden. Registriere dich jetzt bei Movellas und teile deine Kreativität und deine Passion
Lade ...